Deutschland, deine Bahnhöfe: Opladen

Pro: Öhm? Man ist schnell in Köln? Es fahren regelmäßig Züge? Und demnächst wird hier sowieso alles toll. Steht jedenfalls auf dem großen Plakat in der Wartehalle. Also, der “Wartehalle”.

Contra: Auf Gleis 5 fehlt das Dach. Also besser nicht an einem Regentag nach Wuppertal fahren. Schön ist auch anders. Die Ampelschaltung zur Stadt ist anscheinend von jemandem geplant worden, der Fußgänger hasst, anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wie viel Lebenszeit ich da beim Warten verschwendet habe. Kulinarisches Angebot lässt zu wünschen übrig. Und Zeitschriften gibt’s auch keine. Am besten einfach pünktlich kommen und nach Köln fahren.

Geheimtipp: Die Züge nach Köln. Ist aber nicht so wirklich geheim, der Tipp.

Besser nicht: Erwarten, dass man hier die Zeit totschlagen könnte. Oder drinnen sitzen. Oder irgendwas tun. Keine Zeitschriften, kein Büdchen, kein Garnichts. Unterhaltungsmaterial bitte selbst mitbringen.

Die Tour: Keine Tour. Auf der Hinfahrt auf Gleis 5 ausgestiegen, draußen auf den Vater gewartet. Auf der Rückfahrt zum Bahnhof gebracht worden und ein bisschen auf Gleis 1 rumgelaufen.

Opladen

Zeugs

Lautsprecher

Kein Dach

Mehr Zeugs

Rost

Gleis 5

Forsythie

Gleis

Ding

Knopf

Häuschen

NBO

Bahnhof

Foto-Fragen-Freitag (Urlaub, Tag 9)

Wie immer auch bei Steffi und Okka und hier

1. Was machst du Ostern?

Sofa

Bislang noch keine Pläne. Vier Tage frei… da wird bestimmt auch intensives Auf-dem-Sofa-Rumliegen gepflegt.

2. Was ist dir peinlich?

Birne

Wir wohnen schon seit über einem Jahr in dieser Wohnung und es hängen exakt zwei Lampen. Die im Flur und die in der Küche. Mit sowas sind wir wohl nicht so gut.

3. Was naschst du gerade?

Schokolade

Im Zweifelsfall das Einzige, was aktuell zum Naschen im Haus ist. Leckere Nougateierchen aus dem Origamihasen.

4. Die eine DVD, die zuverlässig gegen schlechte Tage hilft?

Buffy

Buffy. Immer wieder. Immer wieder gerne.

5. Was hat dich diese Woche froh gemacht?

Tapas

Wagner

Tulpen und Hase

Tiramisu

Wunderbarer Urlaub. Gekocht, in der Stadt gebummelt, Tapasgelage, Wagner geguckt, Origami-Häschen gebastelt, Tulpen und Primeln gekauft, mit dem besten Freund getroffen. Alles super.

Kirschblütenzeit auf der Rü (Sakura ohe!)

Es ist Kirschblütenzeit auf der Rüttenscheider Straße. Schnell alle hin, bevor es zu spät ist, die Saison ist nämlich immer sehr kurz.

Und für die Leute, die das nicht rechtzeitig schaffen, hab ich heute ein paar Bilder gemacht, als ich am Rüttenscheider Stern auf den besten Freund gewartet habe. Der hat’s nämlich nicht lange in Seattle ausgehalten und will jetzt doch lieber in Essen wohnen. In anderen Worten: Yeah yeah yeah!

Straßenschild

Blüten

Sehr viele Blüten

Nich so viele Blüten

Blüten von unten

Blüten vor Häusern

Blüten vor Haus

Stiefmütterchen

Weniger Blüten

Eis

Obst

Blüten vor Hausdachecke

Noch mehr Blüten

Noch mehr Blüten

Blüten vor Eisdiele

Blüten vor Kränen

Glücklichmachfrühstück

Heute war mal wieder so ein Tag. So ein Tag, wo man aufsteht und sich denkt, boah, Pfannkuchen mit Ahornsirup, das wär’s jetzt.

Es gab schon Phasen, da gab es bei uns jedes Wochenende Pfannkuchen-Frühstück und ich habe in jahrelanger penibler Recherchearbeit und mit viel Experimentierfreude mein ultimatives Pfannkuchenrezept ausgetüftelt. Kein Scherz.

Heute war jedenfalls so ein Tag, wo man aufwacht, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, man hat Urlaub und Brot ist auch keins mehr im Haus, dafür aber Eier und Buttermilch. Und weil bald Ostern ist, habe ich das Ei sogar mühevoll und so ganz auf leeren Magen ausgepustet, damit ich’s noch hübsch färben und bekleben kann.

Das Pfannkuchenrezept kann man hier nachlesen. Es ist garantiert einfach, erfordert keinerlei abgefahrene Zutaten und macht glücklich. Besser geht’s eigentlich kaum.

Glücklichmachfrühstück

Deutschland, deine Bahnhöfe: Essen Hbf

Pro: Schön neu alles hier, Dunkin‘ Donuts in der Bahnhofshalle, prima Einkaufsmöglichkeiten am Sonntag (Lidl & dm), direkt an der Fußgängerzone, insgesamt vier Zeitschriftenläden (mit dem im U-Bahn-Tunnel), aber auch Seifen, Kleidung und Schuhe, supertolle Lichterwand im U-Bahn-Tunnel (kann man ewig zugucken) und überhaupt: Befindet sich in Essen. Tolle Stadt.

Contra: Für den Dunkin‘ Donuts musste der Mr. Clou zu machen, zur U-Bahn und zur DB-Lounge muss man erst nach draußen (aber nur kurz), verwirrende Ausgänge und ebenso verwirrende Gleisnummerierung (zwischen Gleis 12 und Gleis 21 gibbet nix und Gleis 21 ist auch ganz vorne vor Gleis 1), zu Stoßzeiten (bzw. wenn gerade aus einem Zug besonders viele Menschen ausgestiegen sind) zu wenig Platz und entsprechend viel Gedränge.

Geheimtipp: Es gibt auch eine Radstation auf der Südseite des Bahnhofs. Total praktisch, wenn man irgendwo Richtung Süden will. Außerdem: Direktzugang zum Kaufhof über den U-Bahn-Tunnel… für wenn’s sehr, sehr kalt ist im Winter oder so.

Besser nicht: Zu Stoßzeiten in irgendeine Bahn steigen. Es sei denn, man steht auf engen Körperkontakt mit fremden Menschen oder braucht dringend Blogmaterial à la Nessy.

Die Tour: Von Südwesten über die Kruppstraße zum Südeingang, dann mal kurz über die A40 zum Evonik-Vorplatz, wieder zurück, und weiter nach Osten bis zum alleralleröstlichsten Eingang und dann quer durch den Bahnhof, raus und zum U-Bahn-Tunnel. Da eine gefühlte halbe Stunde vor der Lichterwand auf neue Muster gewartet und dann zum Bummeln in die City.

Schild

Oberleitung

Südseite

Baum

Bus

Überdacht

A40

Statue

Bärtig

Tasche

Rad

Richtung

Mehr Oberleitung

S-Bahn

Mast

Freiheit

Auswahl

Blaugrün

Blau

Bunt

Rauf

Spaziergang am Main (Teil 2)

Ein bisschen außer der Reihe, weil schon ein Weilchen her, aber die Bilder müssen ja raus.

Flüsse sind einfach nicht so fotogen. Sie sind wunderschön zum Rumsitzen, gelegentlich auch zum Füße-Reinhängen. Man kann daran spazierengehen oder sich einfach ans Ufer setzen und draufstarren und alles wunderbar finden, aber beim Fotografieren stellt sich raus, dass Flüsse – so an und für sich und vor allem ohne schmuckes Beiwerk – eher so mittelinteressante Motive abgeben.

Aber es gibt ja schmuckes Beiwerk am Mainufer. Weidenbäume und hübsche Steine im Wasser, Ruderer und Enten. Sogar Schiffe, es stellt sich aber raus, dass auch Schiffe nur so halb-fotogen sind, wenn sie so gemütlich über den Main tuckern.

Ich laufe also am Main entlang nach Osten und merke mir, dass ich beim nächsten Mal dann eine Decke mitnehme und mich dann einfach hinsetze und noch ein paar Schiffen mehr beim Rumtuckern zusehe.

Der Ruderer hat auch einen Trainer dabei, der in einem Motorboot hinterher fährt und dann auch mal nebenher. Der Trainer hat ein lustiges Megafon dabei und brüllt hilfreiche Tipps zum Ruderer rüber, zumindest vermute ich, dass sie hilfreich sind, ich kenn mich ja mit Rudern nicht aus. Das letzte, was ich höre ist “Jetzt sieht das auch langsam wie Rudern aus”, dann bin ich am östlichen Ende des Ufers angekommen, hier geht’s nicht weiter, man muss wieder vom Ufer weg und einmal ein bisschen an Bootshäusern rumlaufen, bis man wieder an den Fluss darf.

Die Geschichte geht noch weiter, als ich nämlich irgendwann an einer großen Straße wieder rauskomme, sehe ich, dass es ja von hier aus nur noch 800 Meter bis Kesselstadt sind und weil der Abend so schön ist und die Füße noch nicht weh tun, lauf ich dann halt noch nach Kesselstadt. Pünktlich in diesem Moment ist der Akku der Kamera zu Ende, aber das ist eigentlich auch okay so, denn Kesselstadt ist so wunderhübsch, dafür brauch ich sowieso viel mehr Zeit und dann auch gerne die gute Kamera.

Es ist nämlich so: Hanau kann tatsächlich auch hübsch. Nur nicht am Hauptbahnhof oder in der Stadt oder dazwischen. Aber ansonsten ist es manchmal gar nicht so furchtbar.

Zweige

Dingens

Stein im Main

Schiff

56

Sand

Weide

Ruderer und Ente

Kran

Vögel

Verbot

Wagner gucken: Die Walküre im Aalto-Theater, Essen (Urlaub, Tag 3)

Tisch

Ich glaube, es war ein bisschen die Revanche für die letzten von mir orchestrierten Konzert- und Kinobesuche. Der Mann musste mit zu Paul Simon und Randy Newman, hat sich den Muppets-Film und “Die Tribute von Panem” angeguckt. Jetzt hat er sich selbst was ausgesucht. Wagner. Walküre.

Hilfe.

Zu Weihnachten 2008 hat der Mann von mir zwei Geschenke bekommen: Erstens zwei Karten für die Götterdämmerung und zweitens, dass ich mitkomme.

Ich, keinen Peil von Oper und erst recht nicht von Wagner. Ich, die ich bei Filmen, die länger als 100 Minuten dauern, gerne “Überlänge” jammere. Ich, deren Aufmerksamkeitsspanne dank jahrelanger Serien-Fokussierung auf 42 Minuten geschrumpft ist. Ich in einer vier Stunden langen Oper. Hurra!

Es hat aber ganz gut geklappt. Glaube ich jedenfalls, ich erinnere nicht viel von diesem Abend, aber ich habe ihn irgendwie überlebt.

Diesmal hat der Mann die Karten selbst besorgt. “Die Walküre” gibt es, im Aalto-Theater in Essen. Dank geschickter Fehlkommunikation verbringen wir den Nachmittag mit Freunden in einem Tapas-Restaurant, leeren dabei zu viert eine Flasche Sekt und zwei Flaschen Weißwein, glühen quasi schon mal vor und müssen dann um Viertel vor fünf doch ein bisschen eilig nach Hause, schnell umziehen, aufs Fahrrad schwingen und zur Oper fahren.

Richtung

Das Aalto-Theater ist auch von innen hübsch, eigentlich fast hübscher als von außen. Wir mischen uns ein wenig unters Hochkultur-Volk in Anzug und Abendgarderobe. Meine Abendgarderobe besteht aus bunt gepunkteter Strumfhose und dem grünen Kleid mit Schleifchen. In anderen Worten: Ich besitze keine Operngarderobe.

Wir sitzen Zweiter Balkon Mitte, erste Reihe, eigentlich prima Sitze, denk ich als Opernlaie, man sieht ja alles und kann sehr elegant die Ellebogen auf das Geländerdingens stützen und dann das Kinn auflehnen. Okay, das ist nicht sehr elegant, aber ganz bequem und man sieht schön viel.

Zweiter Balkon Mitte

Wirklich voll ist es nicht, auf unserem Balkon ist fast nur die erste Reihe besetzt und auch unten im Parkett sehen wir jede Menge freie Plätze, was vor allem den Mann verwundert, der meint, früher wäre es fast unmöglich gewesen, in eine Walküre reinzukommen.

Aber dann geht’s los. “Sturmmotiv”, flüstert der Mann mir zu und ja, das klingt sehr stürmisch, was die Streicher da machen. Überhaupt Orchester, noch so ein Vorteil, wenn man nicht im Parkett sitzt, man kann genau gucken, was die Musiker da machen.

Kontrabass

Geigen

Das Bühnenbild ist sehr klassisch. Vermute ich jetzt mal, ich hab ja kaum Vergleichsmöglichkeiten. Ich mag das ja auch, wenn es klassisch ist, irgendwie hab ich da diese Opernlaieneinstellung, dass, wenn ich mir das jetzt schon vier Stunden lang angucke, dass es dann wenigstens schön opulent und mit tollen Kostümen zu sein hat. Außerdem kann ich so besser rumfantasieren und mir gut vorstellen, dass das da vorne wirklich ein Baum ist und dass sich hinter den Türen eine ganze Burg erstreckt.

Auf der anderen Seite hab ich auch noch keine moderne Interpretation erlebt, vielleicht find ich das ja genauso toll oder sogar toller. Im Moment bin ich aber von dem schönen altmodischen Bühnenbild schwer beeindruckt. Wie ich schon sagte: Ich mag das. Am Herd brennt sogar echtes Feuer. Total überzeugend.

Herd

Intelligent und vorausschauend wie ich nun mal an die Sache herangegangen bin, hab ich keinen Schimmer, worum es geht. Also, Ring-Trilogie, klar. Götter, Ringe, Intrigen, Siegfried, Drache und so weiter. Blöderweise gibt es ja noch die Details der Story, und die kenn ich nicht. Weiterer Nachteil: Opernsänger versteht man ja eher so halbgut, selbst wenn sie schön ordentlich betonen. Weiterer Nachteil: Wagner. Die Texte sind jetzt auch nicht durchgehend einfach zu verstehen und er benutzt komische Wörter wie “kiesen”, die ich in der Pause erstmal erfragen muss.

Es gibt aber eine Textbox, so dass man oben mitlesen kann, was unten gesungen wird. Sehr hilfreich, so hab ich doch noch eine Chance, selbständig dem Plot zu folgen, ohne dass der Mann dauersoufflieren muss.

Es geht also los, mit der Musik und der Singerei und den komischen Wörtern und Namen (“Wehwalt”, “Hunding”, “Siegmund”). Der erste Akt ist der kürzeste und mal abgesehen davon, dass ich zwischendurch mal kurz sehr, sehr müde werde (Pro-Tipp: Kein nachmittägliches Weingelage vor Wagner), versteh ich sogar, worum es geht. Als Siegmund nach dem Schwert fragt, zeige ich schon mal hilfreich auf die Esche, wo’s ja drinsteckt und als es “ein Greis im grauen Gewand” heißt, flüstere ich dem Mann sehr expertös “Gandalf” zu.

(Es heißt im Übrigen tatsächlich “im blauen Gewand”, aber vielleicht hatten sie im Aalto keine brauchbaren blauen Gewänder.)

Nach knapp einer Stunde ist der erste Akt vorbei. Pause. Durst.

Intelligent und vorausschauend wie wir waren, haben wir fast unser gesamtes Geld im Tapas-Restaurant gelassen und können uns jetzt für die letzten fünf Euro immerhin ein Wasser und eine Cola gegen den Nachdurst leisten. Dann sind wir pleite, laufen ein bisschen im Theater rum und dann raus auf den großen Theaterbalkon, der direkt zum Stadtgarten rausgeht.

Stadtgarten

Das ist ja das schöne hier in Essen, dass hier alles direkt aufeinander hockt, Oper und Philhamonie grenzen direkt an den Stadtgarten, wo die Leute noch auf der Wiese sitzen, und den wunderbaren Frühlingsabend genießen.

Irgendwann gongt es einmal, zweimal, dreimal und wir machen uns wieder auf den Weg nach oben. Für den zweiten Akt sieht die Bühne fast genauso aus, das Herdfeuer ist jetzt aber aus und eine weiße Tischdecke liegt auf dem Tisch, viel mehr hat sich nicht getan.

Dafür gibt es jede Menge neue Figuren. Wotan ist jetzt dabei, und Brünnhilde, außerdem Fricka. Die Frauen, sagt der Mann nachher, waren alle überragend, die Männer eher nicht so dolle. Mein Laienverständnis sagt, die Frauen singen wirklich sehr, sehr gut und stimmgewaltig, bei den Männern geht die Stimme auch gelegentlich mal im Orchester unter.

Der zweite Akt ist nicht nur der längste, er fühlt sich auch so an und mag einfach nicht aufhören. Immer, wenn ich denke, so jetzt ist aber Schluss, das war doch jetzt ein prima Cliffhanger geht es doch noch weiter. Weiteres Problem: Ich verliere ziemlich schnell den Faden, eigentlich schon während einer der ersten Szenen mit Wotan und Fricka. Im Nachhinein stellt sich raus, dass ich die Handlung im Wesentlichen schon verstanden habe, aber einfach ist doch anders.

Jedenfalls geht es wieder um Götter und Intrigen, und darum, ob Wotan Siegmund jetzt bestrafen soll oder nicht, und als er sich dafür entschieden hat, dass er wohl keine andere Chance hat, da holt er Brünnhilde und sagt ihr, hier, straf mal den Siegmund, die kriegt aber nicht die Kurve und dann muss Wotan doch eingreifen, erschreckt mich furchtbar mit einem Speer und dann gibt’s kurz richtige Action mit Gewehren und Schwertern (etwas unfairer Kampf, scheint mir auch, was soll man denn mit einem Schwert gegen ein Gewehr anrichten) und dann sind Leute tot und andere Leute unglücklich und schwanger.

Auch wenn ich den zweiten Akt sehr anstrengend und etwas verwirrend finde, mag ich die Wotan-Szenen musikalisch am liebsten. Wagner ist da ja auch nicht so einfach, es besteht aus gefühlt drei Millionen unterschiedlichen Motiven, die der Mann mir gelegentlich zuflüstert, von denen ich aber ungefähr zwei tatsächlich wiedererkenne. Als Wagnerlaie kommen mir die Wotan-Szenen musikalisch am zugänglichsten vor. Da erkenne ich auf einmal so etwas wie eine Melodie und musikalische Struktur.

Bühne

Dann ist aber auch der zweite Akt vorbei und in der Pause lass ich mir das erstmal die Handlung erklären, während wir auf dem Treppenabsatz stehen und sehnsüchtig auf die Menschen am Getränkestand gucken, die noch genug Geld für Pausenverpflegung übrig haben. Wir versuchen, rauszufinden, wann denn die Götterdämmerung gespielt wird, und es zeichnet sich so ein bisschen der Plan ab, bei nächster Gelegenheit auch den Rest des Ringes zu sehen und als der Mann noch mal die Handlung des Rheingolds erzählt, werfe ich mehrfach “Gollum” ein. (Tut mir leid, ich kann halt nicht anders.)

Der dritte Akt geht dann wieder verhältnismäßig fix. Als Eye-Candy gibt es gut gebaute halbnackte (und leider auch tote) Männer, jede Menge Walküren, die sehr laut und durcheinander singen, vor allem aber viel Wotan und Brünnhilde, die sich einen Akt lang aussprechen und sich am Ende auf einen Kompromiss einigen. Gelernt: Götter sind sehr stur.

Am Schluss brennt dann der Berg, mit echtem Rauch und echtem Feuer, was sehr atmosphärisch ist und toll aussieht und dann ist die Oper vorbei.

Ensemble

Wir klatschen viel und sehr ausdauernd, vor allem für Fricka, Brünnhilde und Sieglinde, aber auch für Wotan, Siegmund und Hunding, für die Walküren und sogar für die toten, halbnackten Männer, die ja mehr oder weniger nur rumstanden, und natürlich auch für den Dirigenten und das Orchester.

Ich applaudiere sehr gerne, der Rest des Publikums anscheinend auch, und nachdem alle mindestens zweimal nach vorne gelaufen sind und sich dann das gesamte Ensemble mehrmals verbeugt hat, ist dann irgendwann gut.

Mäntel holen, nach draußen gehen, aufs Fahrrad schwingen und nach Hause fahren. Es ist jetzt halb elf, fast noch früh, eine warme Märznacht, heute Nacht werden die Uhren umgestellt, morgen ist Sommerzeit. Ich befürchte, spätestens Ende Juni werde ich das nächste Mal Wagner gucken müssen, da wird der gesamte Ring nämlich noch mal aufgeführt. Aber ein bisschen freue ich mich auch. Oper ist anstrengend und dauert auch gerne mal lange, aber irgendwie ist es auch toll.

Aalto

Zum ersten Mal: Im Luxuskino

Lampe

Normalerweise gehöre ich nicht zu den Menschen, die einen Film so schnell wie möglich nach Kinostart sehen müssen. Meistens weiß ich noch nicht mal, wann ein Film anläuft, es ist in diesem Haushalt eher so, dass einer sagt “Hey, wir könnten ja mal wieder ins Kino gehen” und dann geguckt wird, ob denn was läuft, was man auch sehen will.

The Hunger Games, oder wie es auf deutsch heißt: Die Tribute von Panem, waren da eine Ausnahme. Ich habe schon letztes Jahr die Bücher gelesen und als ich den Trailer gesehen habe, habe ich mich zum ersten Mal wieder richtig, richtig auf einen Film gefreut. Und deswegen waren wir jetzt auch im Kino. Direkt nach Kinostart. Weil ich nicht länger warten wollte.

Vor allem aber: Dieses Mal waren wir im Luxuskino. Im CinemaxX in Essen (und wohl auch in Mülheim an der Ruhr) gibt es einen sogenannten “First Class”-Kinosaal. Viel wussten wir nicht darüber, Ledersessel halt und bequemer und alles besser sowieso. Aber ich dachte, das probieren wir doch gleich mal aus, und reservierte uns einen Loveseat in eben solche einem “First Class”-Saal.

Luxuskino im Essener CinemaxX funktioniert so: Man setzt sich auf große bequeme Ledersofas oder -sessel, in die man sich doch recht ordentlich reinlümmeln kann. Die Loveseats, also die Zweiersofas, dominieren, für Nicht-Pärchen kriegt man aber auch zwei Ledersessel nebeneinander, da hat dann jeder seinen eigenen Rumlümmelbereich.

Neben jedem Zweierplatz steht ein Glastischchen mit Lampe. Diese Lampe dient auch gleichzeitig als Meldezeichen für den Service. Im Luxuskino muss man sich nämlich sein Popcorn nicht vorher selbst kaufen, man kann es vom Sitz aus bestellen und bekommt es dann gebracht. Wenn man was haben will, dann stellt man die Lampe auf ganz hell und wartet darauf, dass ein Kinokellner kommt und fragt, wonach das Herz so begehrt. Und das Herz kann im Luxuskino so einiges begehren. Neben Popcorn und Nachos und Cola gibt es eine ganze Bandbreite von kleinen Snacks und wer es noch ein bisschen stilvoller haben will, der bestellt sich eben eine Flasche Rotwein an den Platz.

In der Theorie recht einfach, in der Praxis dauert es eine ganze Weile, bis endlich jemand kommt. Ich bestelle eine kleine Portion Popcorn mit Cola, die dann dafür sehr fix geliefert wird. Das Popcorn kommt auch nicht in Papiertüten, sondern in einer hübschen IKEA-Aluschale (das weiß ich vor allem, weil wir auch so eine haben, aber ein Blick auf den Schalenboden bestätigt die Vermutung). Auf der einen Seite schöner und angenehmer, denn das Tütenknistern fällt weg, auf der anderen Seite unhandlicher und schwierig auf den Knien zu balancieren.

Popcorn

Nach Werbung und Trailern gibt’s noch mal eine kleine Pause, so dass alle Bestellungen noch aufgenommen und an den Platz gebracht werden können. Sobald der Film anfängt, gehen die Lampen nämlich alle aus und dann kann auch im Luxuskino nicht mehr bestellt werden. Nach einer Weile sind dann alle fertig, das Licht geht aus, ich verstelle die Rückenlehne noch ein bisschen nach hinten und los geht’s.

Es ist tatsächlich schöner und bequemer im Luxus-Kino. Man hängt nicht mit den Ellebogen direkt am unbekannten Sitznachbarn und kann sich schön ausbreiten, ohne dass es jemanden stört. Ich ziehe dann auch irgendwann die Schuhe aus und fläze mich noch ein bisschen mehr in den Sitz rein. Man muss nur aufpassen, dass man nicht aus Versehen einschläft.

Am Ende lautet die Meinung ganz klar: Kann man machen und kann man auch wieder machen. Nicht unbedingt für jeden Film, aber gerade für Filme mit Überlänge eine brauchbare Alternative. Wobei es sich vor allem fürs Kinogehen zu zweit eignet, denn der Abstand zwischen den Zweiersitzen ist recht groß und für gelegentliche Flüsterunterhaltungen ungeeignet. Der Aufpreis von geschätzt 4 Euro oder so (eine Karte kostet 14 Euro) ist vollkommen akzeptabel.

Der Mann war übrigens in Sydney in einem noch luxuriöseren Luxuskino, wo man nicht nur die Sitzrückenlehne nach hinten stellen, sondern dann auch vorne die Füße hochlegen konnte und wo das Tischchen nicht neben, sondern vor dem Sitz war und man sogar während des Films noch Essen und Getränke gebracht bekam und zwar von einer ziemlich tollen Speisekarte. Das australische Luxuskino kostet aber auch mal locker doppelt so viel wie das Essener Luxuskino, insofern kann man das nicht so wirklich vergleichen. Finde ich jedenfalls.

Und was den Film angeht, da schreib ich später noch was drüber. War aber auch gut. Kann man gucken. Auch gerne kurz nach Kinostart.

No sports. Please.

Ich bin ja bekanntlich kein sportiver Mensch. Sport ist mir suspekt. Sport ist schon als Wort komisch und als Aktivität erst recht.

Vermutlich liegt es tatsächlich irgendwie in den Genen. Schon im Kindergarten kam mir diese kleine Sporthalle und die darin stattfindende Sportstunde eher eigentümlich und nicht wirklich erstrebenswert vor und daran hat sich auch nie wirklich etwas geändert. Dabei bin ich gar kein kompletter Bewegungslegastheniker. Ich habe meines Wissens in einem vollkommen angemessenen Alter gelernt, Fahrrad zu fahren. Ich habe mir auch ganz strebsam und in einem ebenso adäquaten Alter das Seepferdchen-Abzeichen erkämpft. Da gab es allerdings auch eine entsprechende Motivation, schließlich durfte man im Bayerbad nur als Seepferdchen-Abzeichen-Träger in das deutlich coolere tiefe Becken.

Ich kann also Fahrradfahren und Schwimmen, habe mir Rollschuhe und später Inline-Skater gewünscht (und bekommen und benutzt), war mehrfach in meinem Leben auf eigenes Drängen Schlittschuhlaufen und hatte etwas wider Erwarten in der siebten Klasse im Ruderlager am Baldeneysee erstaunlich viel Spaß. Trotzdem ist die Chance darauf, dass meine Mutter davon erzählt, wie ich als Kleinkind vorsichtig Seite und Seite des Quelle-Katalogs umblätterte, größer als die von meinen ersten Laufversuchen zu hören.

Zumindest scheine ich also so eine Art Grundkörperkoordination zu haben. Die hört aber auch recht flockig wieder auf, wenn’s an die Feinheiten geht. Das ist ein bisschen so wie jemand, der noch prima Marschrhythmus mitklatschen kann, bei der Ansage “und jetzt nur auf die 2 und die 4” aber sofort zu straucheln beginnt. Auch die Kommunikation mit meinem Körper scheint mir gestört, wenn nicht geradezu nicht vorhanden. Garantiert redet mein Körper mit mir und versucht mir zu erklären, ob diese Bewegung jetzt gut für ihn ist oder nicht, aber ich versteh ihn nicht und weiß dann nicht, ob das gutes oder schlechtes Wehtun ist und dann hör ich lieber auf, nachher ist es schlechtes Wehtun.

Der Hauptgrund aber, warum ich nach wie vor sehr allergisch reagiere, wenn mir jemand mit Sport kommt, ist, dass mir der Spaß an der ganzen Geschichte recht beeindruckend konsequent und zielstrebig in elfeinhalb Jahren Sportunterricht ausgetrieben wurde.

In der Grundschule ging das ja noch. Ehrlich gesagt, hab ich kaum Erinnerungen an dern Sportunterricht in der Grundschule, außer, dass die Sportlehrerin Frau Eschbach hieß und den Mattenwagen. MATTENWAGEN! MATTENWAGEN FAHREN! Einer der wenigen Pluspunkte des Schulsports, mal abgesehen vom TRAMPOLIN! Da hat es sich aber eigentlich schon erschöpft.

Der Höhepunkt meiner schulsportlichen Karriere war übrigens auch in der dritten Klasse, wo ich zum ersten und auch einzigen Mal bei den Bundesjugendspielen eine Siegerurkunde bekommen habe. Ein einzigartiges Ereignis, dass sich auch nicht wiederholen sollte. Überhaupt: Bundesjugendspiele. Was für eine Scheißidee. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals sowas wie Musik- oder Fremdsprachenwettbewerbe gegeben hätte, jedenfalls keine, die für alle verpflichtend gewesen wären. Wenn man sich schon öffentlich und dann auch noch ganz offiziell blamieren muss, dann doch bitte gerechterweise auch in verschiedenen Disziplinen.

Nein, es gibt nur Bundesjugendspiele, Springen, Laufen, Werfen und das alles möglichst gut. Also nichts für Leute wie mich, die mangels ausreichender Körperkoordination beinahe garantiert übertreten und wenn sie dann zur Abwechslung mal nicht übertreten mit Sicherheit erstens nicht besonders weit springen und dann mit noch größerer Sicherheit dabei zurückkippen und das ohnehin schon miese Ergebnis dann noch mal so richtig ruinieren. Meine Erinnerungen von den Bundesjugendspielen beziehen sich vor allem auf das Suchen der eigenen Punktzahl in der Ergebnistabelle, nur um festzustellen, dass die Punktzahl so schlecht ist, dass sie schon gar nicht mehr auf der Liste steht.

Und dann kriegt man eine “Teilnehmerurkunde”, die pädagogisch wertvolle Bestätigung des eigenen Versagens. Als ob Kinder so dumm wären.

Kein einziger Lehrer hat es je geschafft, mir Freude am Sport zu vermitteln. Dabei lag es noch nicht mal an einer generellen Abneigung. Die meisten Sportlehrer mochten mich sogar. Und ich mochte die meisten. Man muss da mal drüber nachdenken: Mit ein bisschen Geschick konnte man es ja schaffen, so eine Doppelstunde Sport zu einem nicht zu verachtenden Teil zuschauend auf der Bank zu verbringen, am besten noch mit der besten Freundin. Und trotzdem hab ich’s gehasst. So eine Abneigung, die muss erstmal erzeugt werden. DAS MUSS MAN ERSTMAL SCHAFFEN!

Zunächst mal ist es eben frustrierend, wenn man das, was einem jemand sagt, was man machen soll, einfach nicht hinkriegt. Ich finde es sehr nett und lobenswert, wenn mir Leute erklären, wie ich meine Körperteile anzuordnen habe, aber es hapert einfach an der Umsetzung. Liegestützen hab ich bis heute nicht kapiert, beim Kraulen sehe ich garantiert sehr unbeholfen aus und von Volleyball wollen wir erst gar nicht anfangen.

Überhaupt: Bälle. Alles mit Bällen ist falsch. Badminton krieg ich gerade noch so hin, da sind die Bälle ja auch eher klein und haben so niedliche Trichter. Es ist aber bei mir auch eher so ein Federball mit besserem Schläger, wobei ich immerhin noch gelegentlich einen Ball treffe. Basketball geht auch noch, wobei ich keine Aussage über meine Korbwurfqualitäten machen möchte. Aber einen Ball zu dribbeln, das hab ich auch immer noch so halbwegs geschafft. Handball halte ich nach wie vor für einen gnadenlos sinnfreien Sport (wobei ich irgendwann festgestellt habe, das Profi-Handball sehr anders ist als Schul-Handball), und Volleyball für einen sagenhaft schlechten Scherz.

Wenn mir so ein Ball entgegen kommt, dann stehen bei mir grundsätzlich zwei Handlungsoptionen zur Verfügung: Weglaufen oder Körper schützen. Die Optionen “Ball fangen”, “Ball kontrolliert abwehren und wieder ins gegnerische Feld befördern” oder “Ball stoppen” gehören leider nicht dazu. Als Entschuldigung könnte ich noch angeben, dass mit der steigenden Kurzsichtigkeit meines linken Auges auch ein sicherlich nicht zu verachtender Verlust der dreidimensionalen Sehfähigkeit einherging, aber ich glaube, ich bin vor allem schlecht mit Bällen.

Ich weiß auch gar nicht so genau, was der Höhepunkt meiner Unsportlichkeitskarriere war. Ein guter Kandidat wäre sicherlich der blaue Brief in Sport, den noch nicht Mal meine Eltern ernst nehmen konnten. Es gäbe da aber auch noch die Geschichte, wie ich in der Oberstufe aus dem Sportkurs flog, nachdem irgendwer festgestellt hatte, dass der Kurs eigentlich zu groß sei und dementsprechend entschieden wurde, dass die Leute mit der schlechtesten Note sich einen neuen Kurs suchen sollten, vermutlich in der vollkommen nachvollziehbaren Annahme, dass die Chance, dass ich, wenn ich schon in einem Kurs, den ich mir selbst ausgesucht habe, scheiße bin, dann in einem anderen Kurs sicher deutlich bessere Noten erzielen könnte.

Und bevor das hier noch komplett im Selbstmitleid endet, hören wir besser auf. Mir würden noch viele andere Geschichten einfallen, die Quintessenz bleibt dieselbe. Es hat in meinem Leben noch niemand geschafft, mich nachhaltig für Sport zu begeistern. Jeder Versuch endete verlässlich damit, dass ich nachher noch weniger Verständnis für das ganze Theater hatte als vorher.

Dabei bin ich gar nicht bewegungsfaul. Ich gehe sehr viel und auch recht lange spazieren, ich laufe lieber fünf Etagen die Treppe rauf als auf den Aufzug zu warten, ich fahre gelegentlich Fahrrad und wenn man mir ausreichend Alkohol gibt, tanze ich eventuell sogar. Nur Sport ist nichts für mich.

Vielleicht ist mein Adrenalin falsch gepolt. Beim ersten und voraussichtlich einzigen 10–km-Lauf, an dem ich je teilgenommen habe, dachte ich bei Kilometer 9 1/2 jedenfalls nicht “Geil, gleich geschafft”, sondern “Wofür mach ich diesen Scheiß eigentlich?”. In diesem Sinne: No sports. Bitte. Danke.

Foto-Fragen-Freitag (Urlaub, Tag 2)

Weil Steffi von Ohhh… Mhhh… die Freitagsfragen ja schon gestern veröffentlicht hat und ich außerdem Urlaub und somit viel Zeit habe, gibt’s heute die Morgenedition. Mehr gibbet hier.

1. Was bringt dich zum Lächeln?

Koala

Der Koala, den der Mann aus Australien mitgebracht hat.

2. Ein Erbstück?

Ehering

Der Ehering meiner Oma. Bei der Hochzeit hatten wir keine Ringe mangels beiderseitigem Interesse, dafür hat mir meine Mutter nach dem Tod meines Opas die Eheringe meiner Großeltern gegeben.

3. Wie fühlst du dich heute?

Balkon

Etwas zersauselt, aber vor allem voller Freude auf die bevorstehende Fensterbrettsitzundrausguck-Saison. Es gibt hier keinen Balkon, aber die Fensterbänke sind schön breit und niedrig und gehen nach Süden raus. (Nicht im Bild: Das Zersauselte.)

4. Dein Lieblingseinkauf diesen Monat?

mila

Kann sein, dass ich die Mila-Tasse für Essen schon im Februar gekauft habe, aber ich habe anscheinend in der letzten Zeit nichts Aufregendes angeschafft. Wird wohl mal wieder Zeit.

5. Deine Bücher?

Bücher

Die wenigsten unsererer vielen, vielen Bücher haben es beim letzten Umzug (140 auf 70 qm) bis in die neue Wohnung geschafft und sind jetzt hübsch eingelagert. Die Lieblingsautoren durften aber mit. (Vor allem wollte ich nicht schon wieder das Kindle fotografieren.)