Mainz wie es nicht singt und auch nicht überdurchschnittlich viel lacht

In Mainz singt keiner und es wird auch nicht mehr gelacht als anderswo, aber ich verliebe mich trotzdem ziemlich schnell in diese Stadt und ich weiß gar nicht genau wieso.

Obwohl, spätestens, als ich am Rhein ankomme, weiß ich ja doch ein bisschen, wieso. Schuhe ausziehen, auf die Treppe setzen und erstmal minutenlang glückselig auf den Lieblingsfluss gucken. Zu allem Überfluss wartet Mainz an diesem Abend auch noch mit dem schönsten aller Sommersonnenwetter auf. So ganz fair ist das nicht, da muss man sich ja verlieben.

Was man in Mainz auch noch kann: Die Füße im Sand vergraben, während keine zwei Meter von einem entfernt der Rhein lang fließt. Das mache ich dann auch noch, schon allein, weil’s geht und dann laufe ich ein bisschen den Rhein entlang bis in die Stadt. Die Kugellampen sind alle entweder kaputt oder gleich verschwunden, auf den Mülleimern sind Herzchen-Grafittis oder hilfreiche Anleitungen zum Umgang mit Pfandflaschen. Und die Strandbar am Rhein riecht genauso nach fiesem Frittierfett, wie man es vom Urlaub gewöhnt ist. Ein paar Meter weiter spielen sie Beachvolleyball.

Eigentlich war ich ja schon mal in Mainz, letztes Jahr auf dem Konzert von Paul Simon, aber da hab ich außer dem Hotel und der Zitadelle nicht viel von der Stadt gesehen, das hole ich jetzt nach. Die Hotels am Bahnhof sehen alle aus wie frisch mit der Zeitmaschine aus den Sechzigern geholt, dafür sind die Kirchen hübsch und meistens rot und in der Altstadt läuft man über Kopfsteinpflaster und kann sich alte bunt bemalte Häuser angucken. Mainz ist auch die Stadt der schönen Bäume. Wahrscheinlich haben auch die meisten anderen Städte schöne Bäume, aber in Mainz kommen sie einem besonders schön vor.

Ansonsten mag der Mainzer an sich anscheinend keine einheitlichen Straßenschilder. Die sind immer anders. Andere Farbe, andere Typographie, andere Größe, Hauptsache anders. Wo andere Städte auf ein überzeugendes einheitliches Straßenschildkonzept bauen, da huldigt Mainz der Diversifikation. Auch das macht es mir grundlegend sympathisch.

Als ich nach Hause komme, habe ich immer noch Rheinsand in den Schuhen. Hach, Mainz.

Wolkenhaus

Hotel

Vogel

Kran

Mond

Pferd

Türme

Baum

Bäume

Rhein

Sand

Mehr Rhein

Blume

Unter der Brücke

Pfandflaschen

Lichter

Lampe

Herz

Bär

Bierstübchen

Haus

Noch ein Haus

Dom

Frisör

Balkone

Straßenschilder

10 comments

  1. Alexamalex

    Hach, Mainz!! Zwei Mal dort gearbeitet (erst anderthalb Jahre, dann in einer anderen lustigen Stadt am Rhein, dann noch mal über vier Jahre), eine Zeitlang auch dort gelebt, geliebt und auch ein bisschen gelitten, Freunde gefunden und viel gelernt.
    Noch heute bei jeder Zugfahrt auf der Rheinbrücke mit Blick auf die Stadt ein “Hach!”-Gefühl bekommen.
    *
    Aber was ich eigentlich schreiben wollte: das mit den roten und blauen Sraßenschildern ist ganz leicht zu erklären, denn die einen verlaufen zum Rhein hin (=rot) und die anderen parallel zu ihm (=blau).
    Ist nicht von mir erfunden, die tiefer gehende Erklärung gibt’s auf der Homepage der Stadt Mainz.

    Beste Grüße!

    • Anne

      Oh. Das ist total super praktisch. Ich mag ja Städte, die so strukturiert sind, dass man sich gut in ihnen zurechtfinden kann.

      Das mit der Rheinbrücke hab ich auch sofort als toll empfunden. Als Kölner kennt man ja dieses Gefühl, wenn man über die Hohenzollernbrücke über den Rhein in den Bahnhof reinknattert. In Mainz liegen da zwar noch ein paar Fahrminuten dazwischen, aber toll (und ein kleines bisschen vertraut) ist es auch.

  2. Fee

    Das wollte ich dir auch gerade erklären. Mit den Schildern. Bleibt nur noch zu sagen: Ich wiiiiillll nach Mainz zurück. Jetzt. Und wenn es nur für ein paar Tage ist. Du hast mich gestern in akute Mainz-Sehnsucht versetzt…

    • Anne

      Ich konnte das ja nicht ahnen. Hier hat man mir immer gesagt, Wiesbaden wäre so schön, zu Mainz wusste keiner so recht was zu sagen. Aber an Wiesbaden fließt der Rhein ja nur am Rand vorbei und nicht mittendurch wie in Mainz, das seh ich schon mal als klaren Nachteil für Wiesbaden. Aber ich hab ja keine (na ja, fast keine) Vorurteile, ich fahr überall hin und guck’s mir an und meistens find ich’s gut.

    • Anne

      Ich kann das nur empfehlen. Vor allem natürlich bei schönem Wetter. Aber auch sonst sah es nett aus, und letztes Jahr standen wir auch bei strömendem Regen vor dem Eingang zur Zitadelle und kauften noch lustigen Müllsackponchos und zum Konzertbeginn schien dann doch die Sonne. Ich glaube, Mainz mag mich auch. Es war bislang immer sehr nett zu mir.

  3. TheKaiser

    Schöner und liebevoller Bericht über die Stadt, die seit nun schon über 9 Jahren meine neue Heimat ist. Vielen Dank dafür… Und gut, daß du nicht auf die Wiesbaden-Empfehlungen gehört hast. Denn das schönste an Wiesbaden ist der Bus der Linie 6 – der fährt nämlich nach Mainz ;-)

  4. Pingback: 2012 halb rum. Eine Bilanz. | Ach komm, geh wech!
  5. Farbenfreundin

    … Grüße aus Wiesbaden. Ja, Mainz hat schon was. Ganz tolle Fotos sind das! Und zu den comments, ja, Wiesbaden ist anders (ohne Studenten, ohne den Rhein) und auch schön. Gemeinsam sind wir stark :-)

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