Der Rest vom Ruhrgebiet (12): Dortmund-Barop (vor allem Groß-Barop)

Von Juliane erreichte mich heute Abend noch eine Mail mit einem Text über Dortmund-Barop. Vielen Dank dafür! Mit Dortmund kommen wir also ziemlich gut voran, da sollten sich die anderen Städte (bzw. deren Bewohner) ein bisschen angespornt fühlen. Aber jetzt erst einmal etwas zu Barop – von dem ich bis vorhin gar nich wusste, dass es das überhaupt gibt.

Dank einer Freundin bin ich darauf aufmerksam geworden, dass hier verschiedene Leute ihre Stadtviertel beschreiben. Ich finde, das ist eine schöne Idee, denn so lernt jeder, ob nun in der gleichen Stadt oder außerhalb lebend, wieder etwas mehr von der Stadt und speziell diesem speziellen Viertel kennen – und wer erzählt nicht gerne von Zuhause…? Ich berichte hier nun also über den Stadtteil Barop. Barop besteht aus den Teilen Klein-Barop, Groß-Barop und dem 2001 eingegliederten Schönau, durch welches der Rüpingsbach und die Emscher fließen.

Ich lebe in Groß-Barop, und das schon, seit ich denken kann.

In meiner Erinnerung war meine Kindheit geprägt von relativ sorgenlosem Spielen mit den Nachbarskindern. Denn nur selten – und wenn, dann waren es Anwohner – verirrte sich ein Auto in unsere Straße. Da konnte man ziemlich ungestört Fangen und „Himmel und Hölle“ spielen, ohne dauernd ausweichen zu müssen. Inzwischen ist die Situation aufgrund einer neuen Wohnsiedlung, die erst vor ein paar Jahren gebaut wurde, und mit dem Auto nur durch unsere Straße zu erreichen ist, etwas anders. Und dennoch, die Kinder spielen hier noch ziemlich frei und sicher.

Gleich am Ende der Straße liegen die Felder, wo man als Hundebesitzer – und die gibt es hier reichlich – gut seine Runden drehen kann. Auch unser Hund hat das früher immer sehr genossen.

Eine weitere schöne Kindheitserinnerung gilt meiner Grundschule, der Ostenberg-Grundschule – damals noch eine richtig niedliche kleine Dorfschule. Inzwischen wurde das Gebäude abgerissen und völlig neu wieder aufgebaut. Daneben findet man die sehr schöne Margarethenkapelle.

Quasi direkt um die Ecke liegt das Geländer der Dortmunder TU. Also, Barop tut echt was für die Bildung! Deswegen trifft man auch im Bus oder in der S-Bahn häufig junge Menschen mit Zeichenmappen, Instrumenten oder einfach nur in eine Lektüre vertieft. Die meisten sind wirklich sehr freundlich, regen sich mit einem über die Verspätung der S-Bahn auf, oder laden einen beim alljährlichen Sommer-Campusfest auch mal auf ein Bier ein.

Zwar liegt Barop eher weiter draußen – genauer gesagt: Im Südwesten von Dortmund -, aber es ist durch die U-Bahnlinie U42 sowie zwei Buslinien (462 und 447), und eben via S-Bahn S1 innerhalb von ca. 10 – 30 Minuten gut zu erreichen.

Aus der bereits 500 n. Chr. urkundlich belegten Gemeinde Bardorpe hat sich im Laufe der Zeit eines der beliebtesten (und leider auch teuersten) Wohnviertel von Dortmund entwickelt. Der Altersdurchschnitt ist hier bunt gemischt – die bereits erwähnten Studenten gehen genauso gerne beim Bäcker (Grobe! Ein Traum!) oder LIDL einkaufen wie Familien oder Rentner.

Charakteristisch sind die Fachwerkhäuser, von denen es hier in Barop noch einige schöne Exemplare gibt. Früher waren dies Häuser einer wohl recht wohlhabenden Landwirts-Familie. Dieser Familie gehörten auch die Felder. Wenn man dort im Sommer langgeht, kann man sich – Möwengekreische und Meeresrauschen noch hinzugedacht – fast wie im Urlaub fühlen.

Eichlinghofen ist nicht weit, und auch in Hombruch ist man schnell. Außerdem ist über die Stockumer Straße sowohl die Innenstadt als auch Hörde und die Autobahn in Richtung Bochum schnell zu erreichen. Und man gelangt vom neuen Kreisverkehr an der Emil-Figge-Straße via neuer Auffahrt auf die Autobahn in Richtung Essen.

Quasi zweimal um die Ecke liegt das Signal Iduna-Stadion, wo alle zwei Wochen der BVB seine Heimspiele antritt. Da dort natürlich viele Leute hinwollen, ist auch gerne an solchen Tagen mal der eigene Parkplatz vor der Haustür weg. Ansonsten sind die Leute hier aber sehr nett. Man kennt seine Nachbarn beim Namen, und trifft sich auch gerne mal miteinander, anstatt sich nur mal eben flüchtig im Treppenhaus zu begrüßen.

Hippe Restaurants oder Kneipen sucht man bis auf drei Ausnahmen (das „Sonnendeck“ an der Uni, das Restaurant „Storckshof“ an der Ostenbergstraße, wo auch mal Veranstaltungen oder Familienfeiern stattfinden, sowie das allseits sehr beliebte italienische Restaurant „La Gazetta“ an der Palmweide, wo sich gerne die verschiedensten Leute treffen) vergebens. Aber was man hier geboten bekommt, ist eine richtig schöne kleine grüne Lunge und nachts einen funkelnden Sternenhimmel wie man ihn in der Innenstadt so nicht sehen kann.

Ich lebe gerne hier in Groß-Barop, denn man hat Naherholung – u.a. auch durch den Perma Kulturpark – und einen familiären Dorfcharakter, und ist trotzdem recht nahe am Geschehen.

Und auch wenn das jetzt für manche spießig klingt – und sich einige vielleicht sogar fragen, was sie hier sollen (dazu sage ich nur: Hinkommen und schön finden!), für mich wird Groß-Barop immer der Ort sein, an dem ich, auf einem Mäuerchen sitzend oder über die Felder laufend, meine Kindheit verbracht habe…

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