2012 – Die zehn schönsten Bücher

Ich hatte die Liste schon fertig, musste dann aber noch rumschieben, weil ich ausgerechnet in den letzten zwei Wochen noch ganz tolle Bücher gelesen habe. Außerdem ist es natürlich immer schwer, Bücher miteinander zu vergleichen, vor allem, wenn man immer so quer durch die Bank liest wie ich. Aber irgendwann hat man auch genau überlegt und rumgeschoben und dann ist die Liste fertig.

61 Bücher waren es in diesem Jahr. Dass darunter auch zwei Bilderbücher waren, ist unerheblich, denn es waren auch einige Wälzer dabei, das gleicht aus. Laut Goodreads habe ich 20662 Seiten gelesen, 800 weniger als im letzten Jahr, aber da musste ich ja auch die ganzen “Song of Ice and Fire”-Bücher lesen, so eine Aktion fiel dieses Jahr weg. Premiere dafür: Ich habe einige Bücher von Leuten gelesen, die ich wirklich kenne. Davon hätte ich gerne im nächsten Jahr mehr.

Dieses Jahr war auch kein 5–Sterne-Buch dabei. Die Nummer Eins ist knapp daran vorbeigeschrabbelt, allerdings war mir aber bei diesem Buch sehr schnell klar, dass es mein Lieblingsbuch 2012 werden würde. Dafür noch mal ein Danke an die Patschbella, die mich damit zum Geburtstag überrascht hat.

Zusätzlich zu den Amazon-Links, bei denen ich ein bisschen Geld abbekomme, habe ich noch auf zehn Buchhandlungen in Deutschland verlinkt, die ebenfalls einen Onlineshop anbieten. Davon bekomme ich nichts ab, aber die Buchhandlungen freuen sich bestimmt. Je nach Angebot habe ich auf die englische oder die deutsche Ausgabe verlinkt, das Sendak-Buch z.B. ist sehr schwer zu finden, erst recht auf Deutsch, und das, obwohl ich dieses Buch sogar zur Abwechslung wirklich auf Deutsch gelesen habe.

Aber genug mit Erklärungen, Vorreden und Danksagungen, hier sind sie nun. Meine zehn liebsten Bücher, die ich 2012 gelesen habe.

10. Nick Harkaway: Angelmaker

Es dauerte ein bisschen, bis ich in das Buch reinkam, aber das war schon bei Harkaways wunderbarem Erstling “The Gone-Away World” so. Mit dem zweiten Buch erzählt Nick Harkaway eine ganz andere Geschichten, mit apokalyptischen Automaten, Superbösewichten, britischen Spioninnen im Ruhestand und ganz viel Zeug dazwischen. Ich mag dieses Chaotische in Harkaways Büchern, dass er sich an keine Konventionen hält, sondern seine Geschichten, so abstrus sie manchmal sein mögen, einfach konsequent erzählt.

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung stories! in Hamburg)

9. Stephen King: Der Anschlag

Wurde mir vom Mann angedreht. Der hatte nämlich nicht genug Bücher mit nach Frankreich genommen und dann viel zu schnell diesen übertausendseitigen Wälzer ausgelesen. Und dann wollte er mein Kindle und meinte, ich könnte dann ja den King lesen. Hab ich auch gemacht und zwar in drei Tagen. Weil man nicht aufhören kann, weil King eben einfach weiß, wie man schreibt und man trotz der Längen in der Mitte dabei bleibt. Und dann ist da ja noch die Geschichte: Eine Art Zeittunnel, der in die Fünfziger zurückführt, eröffnet die Möglichkeit, das Attentat auf Kennedy zu verhindern. Aber weil es eben nie einfach ist, wehrt sich die Zeit dagegen, geändert zu werden. Mal abgesehen davon, dass King sich sehr viel Zeit nimmt, die fünfziger Jahre zu beschreiben, und dafür das Ende ein bisschen abrupt kommt, gab’s nichts auszusetzen. Kann man gut lesen, im Urlaub auch gerne in drei Tagen (und Nächten).

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung Reuffel in Koblenz)

8. Dave Eggers: A Hologram for the King (Ein Hologramm für den König)

Dave Eggers wieder. An dem hab ich ja eh einen Narren gefressen und “A Hologram for the King” ist vielleicht ein modernes Warten auf Godot, allerdings kann ich das nur vermuten, weil ich “Warten auf Godot” gar nicht gelesen habe. Ein IT-Geschäftsmann wartet mit seinen drei jungen Kollegen irgendwo in einer künstlichen Stadt in der Wüste darauf, dass der König mal kommt, um sich die tolle Hologrammtechnik anzugucken. Viel mehr passiert auch gar nicht. Aber das kann Eggers eben so gut, Bücher schreiben, in denen gleichzeitig ganz wenig und ganz viel passiert.

(bei Amazon oder beim Buchhaus Sternverlag in Düsseldorf)

7. Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit

Als Hörbuch in einem Rutsch gelesen/gehört. Getränke dabei nur über der Spüle zu mir genommen, aus Angst, beim Lachen alles wieder unkontrolliert auszuspucken. Hättet ihr mir ja mal früher sagen können, wie toll das ist. (Übrigens große Hörbuch-Empfehlung. Horst Evers liest selber und macht das ziemlich klasse.)

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung Braunbarth in Bruchsal)

6. Maurice Sendak: Higgelti Piggelti Pop!: Oder Es muß im Leben mehr als alles geben

2012 starb Sendak, das war traurig. Man sollte viel mehr Sendak-Bücher lesen. “Higgelti Piggelti Pop!” zum Beispiel, schon wegen dem wunderbaren Untertitel. Und wegen den Bildern. Und der Geschichte von Jennie, die zwar eigentlich alles hat, sogar Augentropfen UND Ohrentropfen, aber trotzdem loszieht, weil es eben noch mehr im Leben geben muss. LEST MEHR SENDAK! (Gilt übrigens auch für mich.)

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Proust in Essen)

5. Erin Morgenstern: The Night Circus (Der Nachtzirkus)

Eines der letzten Bücher des Jahres, aber so wunderschön poetisch. Es geht um einen Magierwettstreit, eigentlich geht es aber um den Nachtzirkus, und der wird so wunderbar detailliert, fantasievoll und liebevoll beschrieben, dass man sich auch wünscht, einmal den Nachtzirkus besuchen zu gucken. Den Eisgarten, das Wolkenzelt, die Zwillinge mit den Kätzchen, und und und… Dazwischen gibt es noch eine Liebesgeschichte, oder vielleicht auch zwei Liebesgeschichten oder drei oder so.

(bei Amazon oder bei der Citybuchhandlung Vogel in Schweinfurt)

4. Shirley Jackson: We Have Always Lived in the Castle

Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum dieses Buch als Leseprobe auf dem Kindle landete, aber ich musste sofort weiterlesen. Mary Katherine lebt mit ihrer Schwester Constance und ihrem kränklichen Onkel Julian in einem großen Haus außerhalb des Dorfes. Constance hat das Haus seit Jahren nicht verlassen, die Dorfbewohnen meiden sie, seit der Rest der Familie bei einem Abendessen mit Arsen vergiftet wurden. Das ganze wird so dicht und gruselig erzählt, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Netterweise ist es gar nicht so lang, so dass man es auch gar nicht so oft aus der Hand legen muss.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Quotes in Hambuonrg)

3. Anthony Horowitz: The House of Silk: A Sherlock Holmes Novel (Das Geheimnis des weißen Bandes)

Ein Sherlock-Holmes-Roman, passend zum aktuellen (und berechtigten) Sherlock-Hype. Ebenfalls als Hörbuch gehört, irgendwann Anfang des Jahres, deswegen habe ich die Geschichte auch gar nicht mehr so präsent, aber, dass ich das alles sehr fesselnd und spannend fand. Außerdem kann ich ja dieses viktorianische Steampunk-Mystery-Zeug richtig gut, da bin ich wohl wirklich leicht mit zu kriegen.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt)

2. Patrick Ness: A Monster Calls (Sieben Minuten nach Mitternacht)

Geweint habe ich. Im Bus. Weil Jason Isaacs dieses Buch so unglaublich ergreifend vorliest und die Geschichte so unglaublich traurig ist. Jede Nacht um sieben Minuten nach Mitternach kommt das Monster zu Conor. Es erzählt ihm Geschichten, vor allem aber will es die Wahrheit wissen. Die Wahrheit, die hinter den Albträumen steckt und hinter dem, was mit seiner Mutter passiert. Auch hier eine Hörbuchempfehlung, wenn man denn englische Hörbücher hören mag, denn Jason Isaacs macht das wirklich so großartig. Wie gesagt. Ich habe geweint. Im Bus.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Stehn in Stuttgart/Bad Cannstadt)

1. Dodie Smith: I Capture the Castle (Mein Sommerschloss)

Doof immer, wenn man so ein Buch hat, in dem eigentlich gar nicht so viel passiert, das aber so toll geschrieben ist, dass man sich auf der ersten Seite sofort verliebt. Dodie Smith schrieb dieses Buch 1948, die Geschichte wird erzählt von Cassandra, die mit ihrer Familie in einem heruntergekommenen Schloss lebt. Die Mutter starb vor Jahren, der Vater ein Sonderling, der einmal ein Buch schrieb, damit einigermaßen gut Geld verdiente, aber danach nie wieder irgendwas geregelt bekam. Ihre ältere Schwester, die alles tun würde, um die Armut hinter sich zu lassen, und der junge Bruder. Das stille Leben wird ganz Stolz-und-Vorurteils-mäßig durcheinandergebracht, als im Anwesen nebenan die zwei jungen männlichen Erben aus Amerika einziehen. “I Capture the Castle” bewegt sich irgendwo zwischen Jane Austen, Downton Abbey, Schloss Gripsholm und etwas ganz anderem, ist ganz wunderbar und sollte von vielen, vielen Menschen gelesen werden.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung am Nonnendamm in Berlin)

2 comments

  1. Kiki

    Schöne Zusammenstellung. Den King gibt’s oder gab’s dieser Tage im US iTunes bzw. iBook Store für vergleichsweise schlanke 3 U$, habe ich mir als alter Fan geholt aber noch nicht angefangen. (Für solche Schwarten ist ein eReader ja ein Glück.) Und das Monsterhörbuch muss ich mir unbefingt zulegen, wie’s aussieht, obwohl ich Hörbücher ja doof finde bzw. lieber selbst lese. Jason Isaacs ist ganz, ganz großes Kino und ein Stimmwunder.

  2. Pingback: Warum eigentlich Osiander.de? | DENKDING

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