Posaunisten im Haus!

Hausmusik

Wir sind für unsere Nachbarn vermutlich ein einziger Quell auditiver Freude. In dieser Wohnung befinden sich ein richtiges Klavier, ein ziemlich großer Synthesizer, eine Gitarre, eine Ukulele, eine Klarinette, eine Cajon und aus Gründen, die ich selber noch nicht so ganz verstanden habe, drei Bässe (davon ein Akustikbass). Die Congas sind im Keller, das Akkordeon ist eingelagert. Diese Instrumente werden zu allem Überfluss auch noch dauernd benutzt, davon einige öfter als andere, die Klarinette zum Beispiel fristet im Vergleich zum Klavier ein eher trauriges Dasein im Köfferchen und wird viel zu selten bemüht.

Das Bekloppteste aber ist: Die Nachbarn scheinen das gut zu finden. Dabei wohnen wir ganz oben und das Haus ist erwiesenermaßen recht hellhörig. Wenn wir überhaupt irgendwelche Beschwerden hören, dann, dass wir ruhig etwas öfter spielen könnten, das wäre immer so schön, manche Nachbarn machen nach eigener Aussage dann sogar die Wohnungstür ein bisschen auf, um besser zu hören. Total verrückt.

In Leverkusen war das noch anders, da wohnte unter uns nämlich ein Rentnerpärchen, dass uns am liebsten alles verboten hätte, wenn sie gekonnt hätten. Duschen nach zehn Uhr? Nix da! Bettwäsche auf dem Balkon ausschütteln? Staubt! Und vor allem natürlich: Klavier spielen? Undenkbar! Nach ein paar Auseinandersetzungen im Treppenhaus, nach denen wohl klar war, dass wir nicht aufhören würden, tagsüber Klavier zu spielen, war dann auch irgendwann gut, aber schön ist anders.

Umso toller, dass das jetzt anders ist, man bekommt geradezu ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht oft genug spielt, so als inoffiziell designierte Treppenhausbeschaller.

Gestern aber war Premiere, da gab’s nämlich Posaunistenbesuch. Mit Blechbläsern kenne ich mich ja gar nicht aus, ich kann nur Holzbläser und da ja auch nur Klarinette und Blockflöte, so eine Posaune guck ich nur mit glänzenden Augen an, möchte auch mal probieren, trau mich aber nicht zu fragen.

Jedenfalls gab es dann irgendwann zwischen zehn und elf Uhr abends noch ein bisschen Bluesimprovisation, erst mit Klavier und Posaune, dann noch mit Gitarre und zum Schluss wechselte der Mann vom Klavierhocker auf die Cajon und dann kam sowas dabei raus:

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Bevor jetzt hier Kritik kommt, sollte folgendes noch erwähnt werden:

Erstens waren wie vollgestopft mit Thai-Essen. Zweitens waren wir zu diesem Zeitpunkt schon bei der zweiten Flasche Rotwein angekommen. Und drittens war das eine Improvisationspremiere für den Posaunisten. Ich komme ja eigentlich auch vom Notenspielen und hab mich irgendwann selbst an Improvisation gewagt, da ist man erstmal ein bisschen zurückhaltend und traut sich nicht so richtig ran.

Wir hatten jedenfalls Spaß, was man auf der (quasi heimlich mitgeschnittenen) Aufnahme auch hören kann. Leider nicht mitgeschnitten wurde der Epiphanie-Kommentar des Posaunisten nach der ersten Runde: “Auf einmal macht das mit den Akkorden sogar Sinn.”

Eben. Genau.

(Für mehr Hausmusik.)

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