Das Gemüsekistenexperiment: Erste Woche mit der flotten Karotte

Dienstag komme ich nach Hause und die Kiste ist da. Die Kiste überhaupt ins Haus zu bekommen war schon ein Abenteuer für sich, das damit endete, das wir an einem Samstag zu einem entlegenen Gewerbehof in Essen-Steele fuhren und dort einen Briefumschlag mit einem Schlüssel in einen rostigen Metallbriefkasten warfen. Ohne Absender versteht sich, wir sind ja nicht doof.

Dafür trägt uns jetzt ein armer Mensch einmal die Woche eine Kiste mit Gemüse, Obst, Milch, Brot, Eiern und anderweitigem Biozeugs bis in den vierten Stock. Schon allein dafür, dass uns jemand etwas in den vierten Stock trägt, lohnt es sich ja fast.

In der Kiste sind Brokkoli, sechs Möhren, vier Zucchini, ein Salat, ein Töpfchen Rucola, eine Kohlrabi, vier Äpfel, viele kleine rote Kullerpflaumen, eine Orange, ein Glas Himbeer-Waldmeister-Joghurt, ein Liter Milch, sechs Eier, eine Packung Schafsfrischkäse, eine Packung Vollkornreis und ein Weizenmohnbrot.

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Damit muss ich jetzt erstmal klarkommen. Ganz viel Gemüse. Obst kann ich ja. Milch, Eier, Käse und Brot sowieso. Reis hält ja länger, außerdem besitze ich einen Reiskocher. Aber was mach ich mit dem Gemüse?

Die Antwort ist relativ einfach, ich mache folgendes aus dem Gemüse:

  • Einmal Thai-Curry inspiriert von Ottolenghi mit Brokkoli, Möhren und Zucchini, dazu kommt noch Biohühnchen.
  • Einmal Salat mit dem Salat (haha!), Möhren und Zucchini.
  • Einmal Kohlrabi-Chinakohl-Salat auch inspiriert von Ottolenghi.
  • Einmal Gemüsesuppe mit Möhren und Zucchini nach irgendeinem Rezept aus der LECKER-Zeitschrift.
  • Einmal eine Shakshuka-Variante mit Brokkoli und drei Eiern, auch mehr oder weniger nach Ottolenghi.

Danach ist fast alles weg. Der Mann hat einmal noch ein bisschen Möhre und Kohlrabi zum Knabbern ins Büro genommen, die Pflaumen, Äpfel und Orangen haben wir so verputzt. Den Joghurt habe ich im Laufe einer Woche alleine aufgegessen, immer mit Haferflocken, schmeckte übrigens gar nicht nach Waldmeister, was ich gut fand, denn ich mag keinen Waldmeister (glaube ich jedenfalls).

Weggeschmissen wurde: Eine Kullerpflaume, weil sie doch schon zu matschig war, fast das halbe Brot (tragisch, ich weiß), weil es zu viel war, nicht so ganz unser Ding, etwas trocken und vor allem sehr schnell hart wurde, ziemlich viele Blätter vom Salat, den ich zu lange draußen rum liegen hatte, ein bisschen was von der Orange.

Übrig geblieben sind: Eine Möhre, ein halber Salat (immer noch), der Rucola (ist ja im Topf, hält also länger), ein Apfel, die Milch (wir hatten noch), drei Eier, der halbe Käse und der Reis. Außerdem der halbe Chinakohl, den ich dazukaufen musste, damit ich den Kohlrabi-Chinakohl-Salat machen konnte.

Apropos dazugekauft: Vollkommen bekloppt, dass ich ausgerechnet diese Woche, wo ich ja eh schon genug Gemüse im Haus hatte, noch welches dazukaufen musste, weil ich mir da Rezepte rausgesucht hatte, wo ich noch zusätzliches Gemüse brauchte. Nicht nur Chinakohl, sondern auch Paprika. Na ja, nicht so viel, aber immerhin.

Gelernt habe ich:

  • Ich kann immer noch nicht nach Ottolenghi kochen, aber ich kann mich ganz gut von seinen Rezepten inspirieren lasse.
  • Ich hab drei vegetarische Kochbücher! Warum? Weshalb? Bei einem (dem hier) hab ich übrigens erst gemerkt, dass es ein vegetarisches Kochbuch ist, als ich es zu Hause in Ruhe anguckte. Die Rezepte sahen eben einfach verdammt lecker aus.
  • Gemüsesuppe ist ganz schön einfach: Gemüse mit ein bisschen Zwiebel und Knoblauch in Öl andünsten, dann Brühe drauf, aufkochen, pürieren, Sahne rein, fertig. Toll.
  • Es dauert ganz schön lange, bis so ein Ei auf niedriger Hitze inmitten von Gemüse gestockt ist. Aber dann ist es schon ziemlich lecker.

Ich fand die erste Gemüsekiste sehr einsteigerfreundlich, obwohl das ja reiner Zufall war. Da war kein Gemüse dabei, das ich nicht prinzipiell kannte und schon mal irgendwie verarbeitet hätte, nichts, was ich absolut nicht mag oder zumindest ziemlich sicher bin, dass ich es nicht mag. Brokkoli, Möhren, Zucchini, zackzackzack. Kenn ich, kann ich.

In der nächsten Kiste sind dagegen schon eher so Dinge für Fortgeschrittene. Mangold. Kräuterseitlinge. Endiviensalat. Mal gucken. Ich hab ein bisschen Angst, find’s aber auch spannend. Mangold liegt mir nicht, genau wie Spinat, Grünkohl und ähnliches Grünzeug. Pilze, hm, auch nicht so meins. Ich mag Pilze, wenn es nicht so viele sind. Kein Witz. Und keine von den labrigen, also das, was in irgendwelchen asiatischen Gerichten so drin ist. Champignons sind okay, Pfifferlinge auch. Dann wird’s schon kritisch. Aber es sind nur 150 Gramm, das werd ich wohl irgendwie schaffen, und diverse Leute versicherten mir auf Twitter und Facebook, Kräuterseitlinge wären ganz großartig und bombadierten mich mit Rezeptvorschlägen. Endiviensalat, tja, ich mag ja nicht so gerne Sachen, die bitter sind.

Aber wie gesagt: Ich finde genau das auch so spannend. Neue Dinge probieren, die ich sonst nie kaufen würde, weil ich davon ausgehe, dass ich sie nicht mag. Aber jetzt muss ich und bestimmt wird das ganz überraschend und toll. Fast immer. Und wenn mal nicht, dann eben nicht, auch nicht schlimm.

Ganz dreist hab ich in die nächste Gemüsekiste auch eine Flasche Biowein gepackt. Wenn uns schon jemand was in den vierten Stock trägt, dachte ich ganz schlau, dann kann ich das auch ausnutzen.

Nächste Woche dann also Mangold und Kräuterseitlinge. Es bleibt spannend.

Die Gemüsekiste kommt von Flotte Karotte, die Essen, Bochum und die ganze Gegend drumherum beliefern und ein ziemlich großes Sortiment haben. Motiviert hat mich übrigens die Frische Brise, die ihre Kommentarfunktion neulich ganz großzügig für einen langen Rant meinerseits zur Verfügung stellte, in dem ich mich mit vielen Worten darüber ausließ, dass es überhaupt schwierig wäre mit zwei Personen und recht flexiblem Lebensstil einen vernünftigen Anbieter zu finden. Und als ich dann fertig war, hab ich geguckt, ob’s vielleicht nicht genauso einen vernünftigen und flexiblen Anbieter schon gibt, und bingo! So einfach kann das sein.

10 comments

  1. Isabo

    Gemüsekiste ist sowas von unfassbar supertoll, ich freue mich ungelogen seit drei Jahren jeden Mittwoch auf den Gemüsemän. Und ungefähr jeden einzelnen Tag darüber, dass ich nicht mehr in den Supermarkt muss. Bei Penny kaufen wir nur noch Apfelsaft, aus reinem Geiz, weil der uns beim Biolieferanten zu teuer ist, alles andere bringt der Gemüsemän. Sensationell.

  2. michaela

    Ach ja, die Biokiste – steht seit Wochen auf unserer To-Do-Liste.
    Wir hatten eine Probekiste, nun müssten wir uns einfach mal die Mühe machen, das Abo zu bestellen. Wie lahm kann man bloß sein?
    Zum Endiviensalat: Mein Lieblingsgericht, das ich bei meiner Mama immer bekomme: Endivien untereinander mit gebratener Blutwurst und Fleischwurst. Mjam. Dazu macht man so eine Art Kartoffelstampf und darunter mischt man den kleingeschnittenen Endiviensalat. Dazu kommt ein ordentlicher Schuss Essig.

  3. CupcakeQueen

    Bei uns steht die Biokiste auch schon lange auf der “Ausprobieren”-Liste. Ich glaube, ich begebe mich jetzt mal auf die Suche nach Anbietern hier in FFM. Denn ich finde das Konzept dahinter echt super und so positive Resonanzen geben dann den Rest :)

  4. Heidi

    Kennst du den Wagen der flotten Karotte?
    Ich sehe den ziemlich oft mit seiner überdimensionierten Möhre auf dem Dach durch Holsterhausen kurven und habe mich immer gefragt: “Was ist die flotte Karotte?”.
    Von den Biokisten habe ich auch schon Notiz genommen, aber durch deinen Artikel fühle ich mich nun deutlich überzeugt, es zu wagen =)

  5. jukefrosch

    Ha, das mit dem Gemüse dazukaufen kenne ich auch.
    Es sind ja fast immer Möhren in der Kiste, aber ich brauche immer genau dann welche, wenn grad mal keine dabei sind. Und schon kaufe ich wieder Möhren (dabei weiß ich oft gar nicht, wie ich die alle verbeiten soll; heute abend gibts z.B. Ofengemüse) oder Zucchini. Oder Brokkoli.

    So ähnlich ist es mit Wolle. Ich hab mir Wolle gekauft, um mit dieser zusammen meine schon vorhandene zu verstricken.

    Komisches Phänomen.

    Aber krass, was ihr für ne Riesenkiste kriegt. Von so einer würden wir drei Wochen leben, ich hab so wenig Zeit zum Kochen. o_O

    • Anne

      Ach, so riesig ist die ja gar nicht. Milch, Eier und Brot haben wir sonst ja auch, jetzt müssen wir’s halt nicht mehr selber kaufen und hochtragen. Äpfel gehen ganz gut, die nimmt der Mann auch gerne mit auf die Arbeit. Das Gemüse ist halt viel, da wird sich noch rausstellen, ob es zu viel ist, aber dann kann ich Sachen einzeln abbestellen.

      Das war auch der Grund, warum ich mich für diesen Anbieter entschieden habe (bzw. überhaupt dazu, das auszuprobieren), weil man recht flexibel alles umbauen kann, wenn man was nicht mag oder es einfach zu viel ist.

  6. Katarina

    Mangold ist ganz grosse Klasse! Ich mag ja Spinat, aber wenn man sowas eher nicht mag gibts noch viele andere Möglichkeiten: die festen weissen Teile vom Mangold kurz in Brühe andünsten, so dass sie noch knackig sind, und mit einer Knobihollandaise (oder ordinärer heller Sosse wenn man kalorien sparen will) servieren. Leckääääär… aus den Blättern kann man wunderbar Mangoldrouladen machen, wenn man gedünstetes Blattgemüse nicht so mag…. (für mich als Spinatfan gibts das Zeug allerdings immer klassisch mit angeschmorten Zwiebeln zusammen und einem Hauch Muskat wie Blattspinat)

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