Sonntags auf dem Fehrbi

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Wenn man am Wochenende auf dem Flohmarkt auf dem Fehrbelliner Platz in Charlottenburg hinter einem Stand steht (nur als Besuch), dann will man eigentlich gar nicht mehr weg. Dauernd kommen Leute und verhalten sich irgendwie oder sagen Sachen. Zwischendurch kann man sogar ein bisschen Prominenz gucken, das ist aber natürlich reiner Zufall.

Da kommt dann zum Beispiel jemand und will eine Taschenuhr kaufen, die kostet aber 40 Euro. 30, sagt er. Nee… 35, sagt Mutter, absoluter Endpreis. Er geht jetzt noch mal rum, sagt er, dann kann sie ja noch mal überlegen und er kann noch mal überlegen. Sie müsse da nichts überlegen, sagt Mutter leise zu mir. Der Mann läuft eine Runde, dann kommt er wieder und will immer noch 30 zahlen, Mutter will aber immer noch 35 haben.

„Sie handeln hier für fünf Euro!“ sagt er etwas empört.

„Ja, SIE DOCH AUCH!“ rufen Vater, Mutter und Tochter (also ich).

Außerdem wäre da keine Kette dran, da müsse doch eine Kette dran, eine Taschenuhr ohne Kette, was solle man denn damit? Mutter meint, er hätte doch bestimmt eine Kette und wenn nicht, könnte er ja eine kaufen.

32 Euro 50, meint er.

35, meint Mutter.

Es endet dann doch damit, dass er die Taschenuhr ohne Kette kauft. Für 35. War ja klar.

Schöner war aber die Frau, die sich eine Kette anguckte, dann fragte, was die kosten würde bzw. ob die so viel kosten, wie dran stünde, worauf Vater sagte, wenn da ein Preis dran stünde, dann würde das wohl auch so viel kosten, wie dran stünde.

Worauf die Frau einen seltsamen angeekelt-empörten Gesichtsausdruck bekam, und die Kette schnell wieder hinlegte, fast so, als ob wir oder gar die Kette selber sie mit dem Preisschildchen persönlich beleidigt hätten.

Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber es war heute doch etwas kalt in Berlin, und darum fuhr ich nach zwei Stunden noch schnell zur Oranienburger Straße, aß ein gigantisches Pastramisandwich bei Mogg & Melzer und machte mich dann auf zum Hauptbahnhof und auf den Weg zurück ins Ruhrgebiet.

Mal abgesehen davon, dass ich öfter in Berlin sein sollte, sollte ich auch öfter auf dem Fehrbelliner Platz auf dem Flohmarkt stehen und Leute gucken.

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