Der Lachs, das Huhn und kein Netz

Und dann stand ich heute im Düsseldorfer Kaufhof an der Kö, um Lachs zu kaufen. Frischen Lachs zum Beizen sage ich der Fischverkäuferin, ob ich den hier dafür nehmen könnte. “Den sollten Sie sogar nehmen”, sagt die Fischverkäuferin und entschuppt ihn noch für mich.

Mit dem Lachs in einem feschen Antimikrobenbeutel in der einen und einem Sack Bio-Orangen in der anderen stehe ich dann an der Kasse. Zwei sind offen, an beiden sind Schlangen. Keine langen Schlangen, aber unangenehme Schlangen. So Schlangen mit vielen Leuten, die alle nur wenige Sachen haben, also Leuten wie mich. Vor mir eine Frau mit drei Sachen und vor ihr ein italienischer Einkaufsverbund, der in mehreren Etappen einkauft. Jeder ein bisschen was, das dauert, zur Hälfte sind sie fertig, als der Mann mit dem Huhn kommt.

Der Mann mit dem Huhn darf sich dazwischendrängeln, weil er wohl eben schon mal da war, aber anscheinend noch mal etwas kontrollieren gehen musste. Das Huhn, sagt er, wäre im Sonderangebot für Irgendwas-Neunundneunzig, hier das würde ab 11,27 Euro kosten, das wäre falsch, er hätte wohl schon gerne dieses Huhn, aber eben zu dem Preis, der da stand, oder im Prospekt. Er spricht sehr leise und zaghaft, deswegen verstehe ich die Gesamtproblematik nicht ganz. Die Kassiererin guckt sich das Huhn noch mal an, weiß aber auch nicht mehr und verschwindet dann in den Tiefen des Kaufhofsupermarktes zu Huhnrecherchezwecken. Und kommt erst mal nicht wieder.

Neben unserer Kasse wird eine neue aufgemacht, die Frau vor mir wechselt die Kasse, als ich überlege, mich auch in eine andere Schlange zu stellen, stehen da schon wieder so viele Leute, dass es mir auch schon egal scheint. Unsere Kassiererin kommt bestimmt jeden Augenblick wieder und außerdem will ich jetzt wissen, wie die Geschichte mit dem Huhn ausgeht. Tragisch an der Geschichte ist ja vor allem, dass es im Kaufhofsupermarkt wirklich überhaupt kein Netz gibt. Kein Internet, kein Telefon, man steht also da in der Schlange mit seinem Lachs und wartet auf die Kassiererin mit dem Huhn und kann noch nicht mal lustige Sachen darüber ins Internet schreiben. Schlimm

Die Kassiererin kommt tatsächlich wieder, bespricht kurz etwas mit der anderen Kassiererin, lässt sich dann einen Taschenrechner rüberreichen und rechnet aus, was das Huhn kosten müsste. 10,62 Euro sagt sie dann, das passt dem Mann mit dem Huhn aber immer noch nicht, er sagt etwas, aber wieder so zaghaft, dass ich die Hälfte nicht verstehe, die Kassiererin rechnet noch mal, kommt auf 8,50 Euro, beide Parteien werden sich einig und der Mann kauft das Huhn. Letztlich also ein Happy End.

Im Prolog Epilog darf dann der italienische Einkaufsverbund die letzten Einkäufe bezahlen, dann bin ich dran, bezahle den Lachs und die Orangen und bin tatsächlich noch vor der Frau fertig, die vorher vor mir war.

Im zweiten Prolog Epilog stehe ich in der Küche, stelle fest, dass der Lachs zwar ganz okay, aber doch nicht supersorgfältig entschuppt wurde und kann jetzt “Lachsfilet entschuppen” ins kulinarische Skillset aufnehmen. Ob da demnächst auch noch “Lachs beizen” dazukommt, wissen wir Freitagabend. Es bleibt spannend.

3 comments

  1. Marco

    Wunderbar!
    Dieser Text ist ein Glanzstück, Frau Schüssler!
    Ich mag diese kleinen Schönheiten des Alltags sehr.
    Musste schon beim Trailer-Tweet sehr schmunzeln.

  2. Zitronenkojotin

    So gehts mir auch. Immer. Und dann übe ich das Zen. In mir selbst. Ich bleibe – für mich selbst überraschend – immer überraschen ruhig.

    Dafür ticke ich bei anderen Sachen aus. Kann ich auch.

  3. Susann

    Schön geschrieben :)
    Und um etwas rumzuklugscheißern: Das war der Epilog ;) Der Prolog ist das, was vor dem Text kommt.

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