Wie gestern fast die Welt unterging, aber dann doch nicht

Es gibt bestimmte Uhrzeiten, da sollte ich nicht denken. Es handelt sich grob um die Zeit zwischen 2 und 5 Uhr nachts bzw. morgens. Üblicherweise klappt das ganz gut, denn üblicherweise schlafe ich da. Gestern aber nicht. Möglicherweise ist es gar nicht so empfehlenswert, sieben Gänge zu essen, vielleicht war auch der abschließende Kaffee schuld oder die halbe Flasche Wein oder vielleicht war gestern Nacht auch die Mondphase ungünstig oder ich noch von der Zeitumstellung verwirrt. Jedenfalls konnte ich nicht schlafen. Ein für mich ungewohnter Zustand, dem man aber meistens mit ausreichend Rumliegen und Nichtstun entgegen wirken kann.

Man darf halt nur nicht anfangen zu denken. Wenn man anfängt zu denken ist alles aus. Gestern fiel mir dabei zum Beispiel auf, dass ich vergessen hatte, nachzugucken, wie die Kontosituation ist. Normalerweise ist die Kontosituation kein Grund zur Beunruhigung, aber einmal im Quartal geht ein Kredit ab, der die Kontosituation für ein paar Tage in Unwägbarkeiten stürzt, zumal die Abbuchungs- und Zubuchungstermine nicht verlässlich steuerbar sind. Das wollte ich eigentlich am Wochenende prüfen, entschied mich dann aber anstatt dessen für Nudelsalat. Das fiel mir also siedendheiß wieder ein und so standen wir gestern Nacht um 2 Uhr zumindest in meinem Kopf kurz vor der Privatinsolvenz. Dann fielen mir noch die Bücher ein, die ich schon zwei Mal verlängert habe, und die ich eigentlich am Samstag zur Bücherei hätte bringen müssen, was ich aber nicht gemacht hatte. Statt dessen hatte ich Nudelsalat gemacht. Auch das ist eigentlich kein Problem, maximal ergeben sich ein bisschen höhere Mahngebühren, aber das sollte mich auch nicht aus der Ruhe bringen, schließlich habe ich in meiner Kindheit und Jugend gefühlt die halbe Kinderbuchabteilung der Stadtteilsbücherei in Köln-Mülheim mit meinen Mahngebühren finanziert. Gestern Nacht um 2 Uhr jedoch bedeutete der verpasste Rückgabetermin dramatische Konsequenzen. An Schlafen war unter diesen Bedingungen nicht zu denken.

Wenn man dann so dabei ist, finden sich schnell noch weitere Dinge, bei denen Panik angebracht scheint. Mails, die man vergaß zu beantworten, Daueraufträge, die man noch einrichten müsste, Dinge, die man hätte organisieren sollen und eh man sich’s versieht, geht das ganze Leben den Bach runter. Das sind alles Dinge, die man am Wochenende hätte erledigt müssen, dann fiel einem aber auf, dass die neunte Staffel von „How I Met Your Mother“ auf Netflix ist und musste fix umpriorisieren. In diesem Zustand ist es auch selbstverständlich, dass die Verzögerung der zu erledigenden Dinge um ein oder zwei Tage mehr oder weniger das Ende der Welt bedeutet und nicht, sagen wir mal, ein paar Euro in Mahngebühren und eventuell ein bisschen Schriftverkehr.

Selbstredend stand ich also um 2 Uhr auf, machte ein paar Überweisungen und lernte außerdem, dass man Bücher der Stadtbibliothek Essen nachts um 2 Uhr gar nicht online verlängern kann, weil man bei der Stadtbibiothek Essen nachts aus Datensicherungsgründen überhaupt nichts tun kann. Dann ging ich wieder ins Bett und harrte dem drohenden Weltuntergang. Irgendwann muss ich dabei eingeschlafen sein.

Mit etwas Abstand betrachtet scheint mir meine gestrige Panik etwas voreilig. Vermutlich müssen wir gar keine Privatinsolvenz anmelden, die Bücher habe ich heute morgen noch in den Rückgabekasten gebracht, bereits eine Mail beantwortet und den Dauerauftrag einzurichten scheint mir auch lösbar zu sein. Eventuell hätte ich gestern Nacht also auch einfach mit dem Denken aufhören und statt dessen schlafen können, aber man ist ja hinterher immer klüger. Und heute Abend trinke ich nach 22 Uhr einfach keinen Kaffee mehr.

2 Antworten auf „Wie gestern fast die Welt unterging, aber dann doch nicht“

  1. Kollektives nicht schlafen können… Mir ging es heute Nacht genauso und eine Arbeitskollegin berichtete ähnliches! Muss tatsächlich eine globale Ursache gehabt haben. Wahrscheinlich schlafen wir heute Nacht alles wie Steine.

    Sag jetzt schon mal „Gut’s Nächtle“

    Gruß Birgit

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