Lob ohne Tadel

Ich bin diese Woche schon zwei Mal gelobt worden, aber beide Male auf etwas verwunderliche Weise.

Montag rief jemand mit einer mir unbekannten Nummer an. Ich rief also zurück (was ich nicht immer tue, wer etwas von mir will, kann mir auch Mails schicken oder auf die Mailbox sprechen) und hatte eine Frau vom DRK-Blutspendedienst am Telefon, die sich erst für meinen Einsatz (11 Mal spenden!) bedankte und dann anfragte, ob ich nicht mal wieder vorbeikommen möchte. Anscheinend sind die Spenderzahlen im DRK-Blutspendezentrum in Essen etwas rückläufig und dagegen wird jetzt knallharte Kundenakquise betrieben.

„Und Sie haben doch so eine schöne Blutgruppe!“ rief sie freudig. „Null positiv!“

Ja-ha! Da hören Sie’s! Ich habe eine formidable Blutgruppe. Das kann immerhin nicht jeder. Außer natürlich man hat Eltern, die auch beide Blutgruppe Null haben, dann ist das sehr einfach und selbst wenn nicht, dann werde ich zwar gerne gelobt, meine Blutgruppe habe ich mir aber tatsächlich gar nicht selbst ausgesucht oder anderweitig dazu beigetragen. Aber andererseits, warum nicht auch mal für seine schöne Blutgruppe gelobt werden? Man nimmt, was man kriegt.

Gestern war ich dann beim Arzt, um ein Rezept abzuholen. Einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung hatte ich ein paar Tage vorher schon provisorisch gemacht, das Rezept brauchte ich aber etwas früher.

Der Doktor unterschrieb also das Rezept, schüttelte mir die Hand und sagte: „Hier das Rezept für Produkt XY, einen Termin haben Sie ja schon gemacht, alles vorbildlich!“

Auch das ließ mich etwas verwundert zurück. Ein Rezept abholen und einen Termin für eine Untersuchung zu machen gehören für mich doch eher zu den, nun ja, Alltagserledigungen, über die ich nicht all zu viel nachdenke. Würde ich mehr darüber nachdenken, würde ich zum Beispiel so rechtzeitig einen Termin vereinbaren, dass ich das Rezept einfach dann mitnehmen könnte und nicht vorher noch mal vorbeischauen müsste.

Aber vielleicht ist das auch alles nicht so selbstverständlich, wie ich immer denke. Vor Jahren bedankte sich mal eine Personalerin sehr explizit bei mir dafür, dass ich ein Vorstellungsgespräch absagte, weil ich schon einen neuen Job gefunden hatte. Auch das hielt ich für eine ganz normale und selbstverständliche Handlung, möglicherweise liege ich da aber falsch.

Ich möchte mich hier aber nicht beschweren, ich werde ja gerne gelobt. Am liebsten aber doch für Dinge, die ich nicht selbstverständlich finde. Obwohl nein, vielleicht sollte ich da nicht so wählerisch sein. Wie gesagt: Man nimmt, was man kriegt.

5 Antworten auf „Lob ohne Tadel“

  1. Gut ja, für die Blutgruppe kannst Du nichts (ich habe also auch eine schöne, nämlich die gleiche :)). Aaaaaber was für die eine selbstverständlich ist, muss es für andere ganz und gar nicht sein. Und warum soll man nicht auch solche Dinge loben – mitunter steht dahinter eine ganze Menge unbewusster Aufwand und durch Routinen abgepolsterter Stress. Oder Du bist da einfach sehr talentiert drin. Wenn man Leute nicht für Dinge loben dürfte, die ihnen leicht fallen, dann bekämen Künstler, Musiker und Meisterköche ja auch kein Lob mehr und die haben es doch genauso sehr verdient, wie Du! ;)

    1. Ich habe mal im Postamt dem Mann am Schalter alles so hingelegt, dass er es ganz einfach Scannen konnte. Da hat er auch freudig „Ich seh schon, mit Ihnen kann man arbeiten!“ gerufen. Vielleicht gebe ich mir ja doch mehr Mühe als viele andere.

  2. Ja – das mit dem Lob ist so eine Sache. Ich wurde auch schon in Restaurants gelobt, weil ich anrief um mitzuteilen, dass wir erst eine halbe Stunde später oder mit zwei Personen weniger anrücken werden. Sollte doch eigentlich selbstverständlich sein …

  3. Nun ja. Ich sagte auch mal ein Bewerbungsgespräch ab, weil ich anderweitig unter gekommen war, und wurde ziemlich abgekanzelt: was ich mir denn einbilde, mir diese Chance entgehen zu lassen. So kanns gehen.

    1. Es gibt natürlich immer solche und solche. Allerdings ist das doch auch hilfreich. Man weiß dann, dass man in einem Laden, wo so mit anderen Menschen umgegangen wird, sowieso nicht hätte arbeiten wollen.

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