Einkaufen

Gestern war ich Einkaufen. Eigentlich nennt man das glaube ich „Shoppen“, es handelte sich nämlich um die Art einkaufen, wo es nicht um Waschmittel oder Tomaten und Nudeln geht, sondern um die Art, wo man durch die Innenstadt läuft und mehr oder weniger wahllos Geschäfte ansteuert in der Hoffnung, durch Konsum glücklich zu werden. Was nicht heißen soll, dass der Konsum von Tomaten und Nudeln nicht glücklich machen kann.

Jedenfalls war ich Shoppen. Erst im Bücherladen, der in letzter Zeit dauernd umräumt ohne vorher mit mir Rücksprache zu halten und außerdem zumindest gefühlt die Kochbuchabteilung seltsam reduziert, so dass ich kaum noch was interessantes da finde und außerdem dauernd über Bücher von Attila Hildman stolpere und dann kurz Aggressionen kriege. Das war also kein großer Erfolg.

Danach war ich, und jetzt geht die eigentlich Shoppinggeschichte los, in einem Laden für Sportbekleidung und Zubehör. Einem Laden also, in dem ich eigentlich nichts verloren habe und von dem man auch denken könnte, es würde mich dort furchtbar langweilen. Allerdings mache ich ja in letzter Zeit wieder Sport und laufe gelegentlich durch die Gegend und weil ich anders als im letzten Jahr noch keinen Aua-Fuß dank Bänderdehnung habe, dachte ich, ich mache mal etwas Sinnvolles und kaufe mir einen Sport-BH. Frauen mit einer gewissen Körbchengröße, zu denen ich halt gehöre, brauchen sowas nämlich tatsächlich. Erstens zwickt so ein normaler BH beim Laufen gelegentlich ungünstig und außerdem schwitzt man ja beim Sport. Ich kaufte also da den ersten Sport-BH meines Lebens, direkt einen für EXTREME ACTIVITY, allerdings nur, weil ich mich an den Piktogrammen auf der Schachtel orientierte und bei HIGH ACTIVITY war nur eine Tennisspielerin und eine Gewichtheberin und noch irgendwas drauf, das ich vergessen habe und das wollte ich ja alles nicht machen. Bei EXTREME ACTIVITY war allerdings ein Piktogramm einer Läuferin drauf und das schien mir dann das richtige zu sein.

Ich probierte mehrere Varianten und Größen aus und lief dann doch noch mal durch den Laden, weil, und jetzt kommt das Erstaunliche: Weil das alles so interessant war. Für jede Sportart andere Bekleidung in unterschiedlichsten Farben und Formen. In der Surfabteilung zwar leider keine Surfbretter aber immerhin lustige Skate- und Longboards. Auf eines stellte ich mich testweise mal drauf, drohte aber schon nach zwanzig Zentimetern auf besonders peinliche Art runterzufallen und ließ es dann lieber. Kurz juckte es mich in den Fingern, vielleicht doch etwas Yoga-Equipment zu kaufen. Allerdings mache ich ja gar kein Yoga und selbst, wenn ich es vorhätte, sind wir immerhin im Besitz einer Unterlage, die man sicherlich für den Anfang auch als Yogamatte missbrauchen könnte und lustige Leggings und Hemdchen besitze ich auch. Es blieb also bei dem Sport-BH.

In der untersten Etage bewunderte ich noch ein bisschen die Kletterseile und das Wanderzubehör, befingerte kurz ein paar Rucksäcke und Taschen und verließ dann das Geschäft. Das ist alles ganz furchtbar faszinierend, was man für unterschiedliche Sportarten alles kaufen kann. Sicherlich ist das meiste davon sehr praktisch, sofern man eben vorhat, die dazugehörige Sportart zu machen. In Köln gibt es zum Beispiel einen sehr großen Sport- und Outdoorladen. Dort kann man sogar Tauchzeug und Boote ausprobieren, weil es im untersten Geschoss einen Pool gibt. Außerdem gibt es dort kleine Parcours, um zu testen, wie sich ein Wanderschuh auf verschiedenen Untergründen anfühlt und noch ganz viel anderes total faszinierendes Zeug. Tatsächlich könnte ich sehr lange in diesem Geschäft verbringen und der Fantasie freien Lauf lassen. Was, wenn ich tatsächlich Wandern gehen würde? Oder Campen? Was davon würde ich alles dringend benötigen? Und warum? Auf welche Neuentwicklung hätte ich immer schon gewartet, weil sie mein Wanderer- oder Camper- oder Taucher- oder Yogaleben um mindestens 200% verbesserte? Ich brauche natürlich nichts davon, ich will auch nichts davon, ich will ja gar nicht Wandern oder Tauchen und erst recht nicht Campen, geh mir weg mit Campen, aber ich stehe trotzdem mit großen Augen vor den Auslagen und bewundere das Zubehör. Alles so unglaublich praktisch und funktionell. So sinnvoll! Es ist großartig.

Nach soviel Sinnvolligkeit musste ich danach schnell in so ein Home-Dekor-Geschäft, wo es ausschließlich Sachen gibt, die man nicht braucht. Manche davon sind auch sinnvoll, man kann da Gläser und Teller kaufen und die braucht man ja tatsächlich gelegentlich mal. Meistens kauft man dort aber Dinge, die zu 99% hübsch sind und zu 1% irgendwie sinnvoll. Ich erstand ein Frühstücksbrettchen aus der schon ausgelaufenen Muppets-Kollektion mit dem Swedish Chef.

Um das Universum dann endgültig in Balance zu bringen guckte ich dann noch mal bei Zara vorbei, um rauszufinden, ob es da mittlerweile wieder Kleidung gibt, die man als normaler Mensch sowohl versteht als auch anziehen kann. Ich fand ein hübsches Kleid mit einem Siebziger-Jahre-Tapetenmuster-Stoff, ein etwas weniger hübsches, aber ganz niedliches Kleid, das im Schlussverkauf aber auch nur 9 Euro kosten sollte und eine Bluse mit lustigen Meerjungfraruen drauf. Das niedliche Sommerschlussverkaufskleid war leider doch sehr kurz. Ich tendiere ja zu zu kurzen Kleidern, aus keiner besonderen Absicht, es passiert einfach so. Wenn ich also bei einem Kleid denke: „Huch, ganz hübsch, aber doch sehr kurz!“, dann ist es definitiv zu kurz, da brauche ich weder meine Mama noch meine Oma, um das festzustellen. Das Tapetenmusterkleid war komplett untragbar. Es hatte, was man im Hängezustand nicht so sehen konnte, Trompetenärmel, also Ärmel, die nach vorne hin weiter werden. Wie Schlaghosen quasi, nur eben an den Armen. Das sah schon mal sehr albern aus. Außerdem war es noch kürzer als das andere Kleid, jedenfalls glaube ich das, ich bekam es nämlich noch nicht mal richtig angezogen und gab auf halber Strecke den Versuch auf. Die Bluse hätte sogar fast gepasst, zwickte aber ungünstig an den Schultern und auf einmal fiel mir auf, dass ich gar nicht unbedingt eine Bluse mit Meerjungfrauen brauche.

Wichtig aber vor allem: Nein, bei Zara kann man immer noch keine Kleidung kaufe, die man versteht und die man auch anziehen kann. Mit der Produktion tragbarer Kleidung hat Zara irgendwann zwischen 2002 und 2005 aufgehört. Davor habe ich dort mal zwei sehr schöne Kleider gekauft, danach immerhin noch mal einen Rock und dann war es vorbei. Eigentlich scheint mir das ja auch nicht so schwer zu sein. Üblicherweise ist Kleidung ja genormt. Hosen zum Beispiel haben oben ein großes Loch und unten zwei kleinere. Pullover und andere Oberbekleidung haben oben und unten jeweils etwas größere Löcher und dann an den Seiten noch zwei Schläuche, an deren Ende jeweils ein Loch ist. Röcke sind noch einfacher. Oben und unten ein Loch, fertig! Üblicherweise weiß man, für welchen Körperteil welches Loch gedacht ist, das ist alles gar nicht so schwierig. Bei Zara stand ich allerdings schon in der Umkleide und scheiterte schon in der Theorie, weil mir völlig unklar war, welches Loch jetzt für welches Körperteil da war. Manchmal hingen auch noch so Bänder an der Kleidung, die auch irgendeinen Zweck erfüllen sollten, der sich mir aber nicht erschloss und fragen war mir dann doch zu peinlich. Wer gibt schon gerne zu, dass er zu dumm zum Anziehen ist.

Vielleicht überprüfe ich in ein paar Jahren noch mal, ob es dort wieder Kleidung gibt, mit der ich umgehen kann. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich mir in der Zeit irgendwas funktionelles in einem Sportgeschäft kaufen werde. Da weiß ich wenigstens, wozu es da ist und wie man es anzieht.

4 Antworten auf „Einkaufen“

  1. „Mit der Produktion tragbarer Kleidung hat Zara irgendwann zwischen 2002 und 2005 aufgehört.“ Ich habe ja soo gelacht, Du hast es eigentlich hören können. Aus den gleichen Gründen habe ich schon vor Jahren aufgehört, Zara-Fan zu sein…

  2. Sehr gelacht. Ist mir alles auch schon bei Zara passiert. Vielleicht sollten die einafch auch Piktogramme an ihre Klamotten heften?? Frustrierend auch, dass man bei Zara grundsätzlich 2 Nummern größer braucht als normalerweise…

  3. Pingback: Einkaufen II |
  4. Sie sind schuld, Sie alleine sind schuld!
    Jetzt seh ich aus wie Panda, da alle Mascara weggeheulacht. Nachbarin, Euer Fläschchen! Ja ja, ich hab mich auch schon manches Mal gewundert …. und nicht bei zara alleine, auch in der Outdoorabteilung. DANKE.

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