Einkaufen 4

Ich war mal wieder einkaufen. Dieses Mal brauchte ich eine neue Tasche und weil ich sowieso mit meinem Mann in Düsseldorf verabredet war, dachte ich, ich nutze die fürs hemmungslose Taschenshopping vorhandene Infrastruktur und erledige das.

Wenn ich sage, dass ich eine neue Tasche brauchte, dann meine ich übrigens tatsächlich, dass ich eine neue Tasche brauchte. Meine alte Knomo-Aktentasche habe ich irgendwann im Frühsommer 2007 gekauft, und nach achtjährigem Dauereinsatz gab sie doch so langsam den Geist auf. Die Verarbeitung ist generell top. Irgendwann fiel mir mal ein Reißverschlussnupsi ab, das ich aber relativ einfach durch ein anderes ersetzen konnte. Vor zwei Wochen fiel mir dann aber eher zufällig auf, dass die eine Verbindungsstelle zwischen Tasche und Schultergurt doch etwas verdächtig locker saß. Das fand ich dann weniger schick. Die Option, sich eine Tasche umzuhängen ist für mich ein Schlüsselfeature, ohne braucht man mir gar nicht kommen, ich laufe ja dauernd damit rum und habe dabei gerne beide Hände frei. Vorgestern ging dann der Reißverschluss selber kaputt und da dachte ich mir dann, ich könnte mir vielleicht nach acht Jahren dann doch mal eine neue Tasche kaufen.

Nach einigen Internetrecherchen inklusive Twitterbefragung war ich ein wenig weiter, wusste, was ich eventuell wollte, was sicher nicht und wo ich das, was ich eventuell wollte in Düsseldorf kriegen könnte. Knomo gibt es im Carsch-Haus und dann fiel mir auf, dass es ja auch Taschen von Fossil gibt und mit Fossil komme ich vom Stil auch gut klar.

Bei meiner Recherche lernte ich dann auch, dass Laptop- bzw. Aktentaschen für Frauen quasi nicht vorgesehen sind. Wer eine vernünftige Laptoptasche sucht, muss bei den Männertaschen gucken. Frauen haben so Sachen wie Crossbody Taschen oder Shoppers und wenn man mich jetzt fragen würde, was das sein soll, wüsste ich es auch nicht. Frauentaschen sind grundsätzlich entweder zu klein, haben keinen Schultergurt oder sind unförmige große Monster, in die man zwar viel reingekriegt, aber auf eine ungeordnete Art und Weise, die mir widerstrebt.

Im Carsch-Haus gab es zwar tatsächlich Knomo-Taschen (allerdings selbstverständlich ausschließlich nur bei den Männertaschen), die Auswahl war aber gering und obwohl ich die Taschen zwar ganz hübsch fand, zum Beispiel ist das Innenfutter schön bunt, wollte ich zumindest bei Fossil mal gucken.

Bei Fossil wurde es dann wieder ganz seltsam. Als ich etwas suchend vor den Taschen rumstand (selbstverständlich vor den Herrentaschen, denn hübsche Aktentaschen für Frauen gibt es da auch nicht), wollte mir eine Mitarbeiterin helfen. Dass sie neu war, konnte ich mir anhand eines Gespräches mit der anderen anwesenden Mitarbeiterin erschließen.

„Ich suche eine Tasche, weil meine jetzt kaputt geht“, sagte ich also.

Etwas unschlüssig guckte die Mitarbeiterin auf die Taschen und griff dann sehr zielsicher die kleinste Tasche heraus.

„Die ist mir zu klein“, sagte ich. „Was ist denn mit der hier, was kostet die denn?“

Nach etwas Preisschuldgefummel hatte ich die Möglichkeiten eigentlich auch zwei Taschentypen reduziert, die im Wesentlichen baugleich waren, sich nur in der Größe unterschieden. Da der Laptop in die kleinere Tasche passte, ging ich optimistisch davon aus, dass er auch in die größere passen würde.

Und nun kommen wir zu dem Punkt, der mich doch etwas aus der Bahn greifen.

„Sie können auch hier im Spiegel gucken“, sagte die Mitarbeiterin, warf sich eine Tasche über und zeigte auf den Spiegel.

Etwas fassungslos starrte ich sie an.

„Ich… äh… brauche das nicht im Spiegel zu gucken“, sagte ich dann. „Ich seh doch, wie die Taschen aussehen.“

Offensichtlich begucken andere Menschen sich mit umgehängter Tasche im Spiegel. Vielleicht auch nicht, vielleicht passiert das nur in der Vorstellung von Taschenverkäufern. Ich weiß aber, wie ich mit umgehängter Tasche aussehe, nämlich genauso wie immer, nur halt mit einer umgehängten Tasche. Ich muss auch nicht testen, ob die Tasche mir passt, ich gehe einfach mal davon aus, dass sich der Schultergurt auf eine akzeptable Länge einstellen lässt und meine Hände um die Griffe passen.

Zur Verstärkung holte ich dann letztlich meinen Mann dazu, zeigte ihm die größere Tasche, dann die kleinere.

„Nimm die größere, die alte hast du doch auch schon immer ausgebeult“, sagte er. Also nahm ich die größere Tasche in braunem Leder.

Die Tasche wurde in einen Stoffbeutel gepackt und dann wurde der Stoffbeutel mit der Tasche in eine Papiertüte gepackt und ich versuchte sehr stark, nicht darüber nachzudenken, dass hier eine Tasche in einem Beutel in einer Tüte steckte und akzeptierte das einfach als weitere Absurdität des Taschenshoppens.

Hoffentlich muss ich das wieder erst in acht Jahren noch mal machen. Häufiger würde mich überfordern.

4 Antworten auf „Einkaufen 4“

  1. Hihi, ich glaub mir ginge es genauso. Zum Glück blieb mir das Taschenkaufen bisher weitgehend erspart. Vor ein paar Jahren hab ich mal einen Rucksack gekauft (das Standardmodell von deuter), das ging relativ schnell. Jetzt löst sich das Taschenproblem durch meinen Mann. Er ist ein Taschenfetischist. Und weil seine erste tolle Tasche durch eine andere tolle Tasche ersetzt wurde, kann ich jetzt die erste benutzen (denn die ist immer noch top in Ordnung). Ergebnis: Tolle Tasche ohne Einkaufen zu müssen :D

  2. Eine Einteilung in Männer- und Frauentaschen finde ich per se schwachsinnig! Und warum es „Männertaschen“ fast nur in Schwarz- und Brauntönen gibt, erschliesst sich mir auch nicht so recht. Ich habe Wochen gebraucht, um eine einigermaßen praktische Tasche in Rot zu finden.
    Das ist zwar schon ein paar Jahre her, aber soweit ich das beurteilen kann, hat sich da nicht viel geändert.

    Viel Spass mit der neuen Tasche!
    Maria

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