Best of Unterbewusstsein II (oder III oder so)

Seit knapp drei Monaten schreibe ich jetzt meine Träume auf. Dabei habe ich ja schon einiges gelernt, zum Beispiel, wer am häufigsten in meinen Träumen vorkommt, dass ich kaum Albträume habe, dass ich öfter von Hunden als von Katzen träume und einiges mehr.

Aber man lernt ja immer mehr dazu. Tatsächlich bin ich im letzten Monat etwas nachlässiger geworden und stürze mich nicht mehr in der ersten Sekunde nach dem Aufwachen aufs Handy. Entsprechend gab es doch ein paar Nächte, bei denen ich mich beim Aufschreiben an gar nichts mehr erinnern konnte oder nur noch Stichworte hinschrieb, in der falschen Annahme, ich könnte mir daraus später den kompletten Traum zusammenbasteln. Allerdings finde ich das auch gar nicht mehr so schlimm. Zwischenzeitlich hatte ich einige Nächte mit wenig Traumerinnerung und kurzfristig Angst, es würde sich jetzt auf ein bis zwei Erinnerungen pro Nacht einpendeln. Dann gab es aber auf einmal wieder Morgen, in denen ich Absatz um Absatz notierte und dann war wieder alles gut. Es ist auch in den letzten Wochen von abstrakten Fetzen bis zu sehr detaillierten Notizen alles dabei gewesen.

Auf Symboldeutung gebe ich ja nichts, aber ich glaube schon daran, dass Träume irgendwas mit der Realität zu tun haben. In der Nacht auf den 1. Mai träumte ich zum Beispiel folgendes:

Man kann sein Abitur nachholen, aber ich habe einen Tag vorher noch immer nichts gelernt, vor allem geht es um Mathe. Die Regel ist wohl die, dass wenn man eine bessere Note erreicht, diese auch offiziell als Abiturnote genommen werden kann, wenn sie schlechter ist, passiert nichts. Ich weiß auch gar nicht mehr, was alles an Stoff drankommen könnte. Meine anfängliche Euphorie, dass ich in Mathe ja immer sehr gut war, weicht der Erkenntnis, dass das alles aber schon über fünfzehn Jahre her ist und ich leider alles vergessen habe.

Deswegen gehe ich bei meinen Eltern in den Keller, um noch meine alten Schulunterlagen zu suchen. Auf einem Tisch liegen ganz viele Schulhefte, darunter zumindest zwei von der elften Klasse. Der Rest scheint Grundschule zu sein, es sind alles kleine Hefte. Außerdem liegen ganz viele Glanzbilderbögen da.

Einen Tag später sollte ich auf der re:publica einen Vortrag halten, den ich… sagen wir mal… bis zu diesem Zeitpunkt vor allem gedanklich vorbereitet hatte. Zwei Nächte vorher ließ mich mein Unterbewusstsein also auf recht eindringliche Weise wissen, dass ich eventuell doch ein bisschen knapp dran war mit meiner Vorbereitung. (Es hat dann aber doch noch alles geklappt.)

Ich verarbeite aber auch Erlebtes immer sehr schön und teilweise sehr direkt nachvollziehbar. In den Tagen um die re:publica wimmelte es in meinen Träumen von Menschen, die ich dort getroffen hatte. Dass ich immerhin jetzt schon drei Mal von kurz vorher Verstorbenen Prominenten geträumt habe (Willemsen, Peter Lustig, Genscher) ist auch ein ganz gutes Indiz. Solange ich nicht von Leuten träume, kurz bevor sie sterben, mache ich mir da noch keine Sorgen. Genscher traf ich (sozusagen) in der Nacht auf den 6. April:

Ich treffe Genscher, der in einem kleinen Wintergartenkabuff sitzt und gleichzeitig Klarinette und Akkordeon spielen kann. Ich wette, dass er ein bestimmtes Stück nicht spielen kann. Ich will auf der Klarinette mitspielen, aber alle meine Blätter zerbröseln.

(Sehr netter Typ, übrigens, zumindest in diesem Traum.)

Es ist mir auch zum ersten Mal gelungen, eine Melodie aus einem Traum halbwegs in die Realität zu retten, etwas, von dem ich bisher immer dachte, es ginge nicht. (Und ja, ich habe schon mehr als einmal geträumt, ich hätte eine gute Songidee.) Die Melodie war dann erschreckend unspektakulär, vielleicht war es also doch nicht ganz das, was ich im Traum sang, aber ich nehme die Erfolge, wie sie kommen. Der dazugehörige Traum ging so:

K. und ich laufen durch einen Wald und sie fängt an, ein Lied zu singen, selbst ausgedacht und auf Englisch. Ich übernehme den nächsten Teil, aber natürlich ist der Text total albern. Bei der Strophe schalte ich die Aufnahmefunktion des iPhones ein.

Besonders auffällig sind die vielen Zugträume. Oft verpasse ich Anschlusszüge oder strande an besonders ungünstigen Bahnhöfen. Manchmal fahre ich die falsche Richtung oder muss mich beeilen, um noch schnell aus dem Zug zu kommen. Auch hier sehe ich eine gewisse Verbindung zu meinem Alltag, wobei ich mich beim täglichen Pendeln relativ selten in den falschen Zug setze und nur im Sonderfall in Gelsenkirchen oder Wuppertal strande.

Ein paar Beispiele gibt es abschließend noch und dann können wir uns mit Spannung auf die nächsten zusammengefassten Traumerkenntnisse freuen.

Bin in Wien und will nach Hause fahren. Erwische aber den falschen Zug und fahre in die verkehrte Richtung. Das merke ich aber erst an der nächsten Station und muss da sehr schnell meine Sachen packen um auszusteigen. Es stellt sich raus, dass ich erst sehr viel später eine Direktverbindung nach Hause bekomme (erst gegen 18 Uhr). Ich vermute, dass es einfacher sein könnte, zumindest bis nach Wien zurückzufahren, es lässt sich aber überhaupt nicht gut rausfinden, welcher Zug in Wien hält.


Mit meinem Mann in Estland, bin allein mit dem Bus unterwegs. Anscheinend bin ich aber in einem falschen Bus und lande in einer anderen Stadt. Bei mir ist ein anderes Pärchen, die sich mit mir unterhalten. Von dem Ort, wo ich lande, muss ich meinen Mann anrufen, damit er mich mit dem Auto abholt, weil ich auch gar kein Geld dabei habe.


Ich bin dauernd mit Zügen unterwegs, bzw. muss darauf achten, dass ich pünktlich am Bahnhof bin. Vor allem versuche ich, von Münster nach Hause zu kommen. Es fährt aber kein Zug durch und die Umsteigeverbindungen kommen mir teilweise unsinnig vor.


Ich muss irgendwo nach Baden-Württemberg, es ist aber sehr umständlich dorthin zu kommen. Mein erster Zug ist zu spät, darum verpasse ich in Fulda einen wichtigen Anschlusszug nach Hagen. Ich gucke die nächsten möglichen Bahnverbindungen nach. Es gibt noch eine über Opladen, die zunächst gar nicht so schlimm aussieht, weil man bis Opladen nur 30 Minuten fahren muss. Dann stelle ich aber fest, dass der Anschlusszug von Opladen eine komische Bezeichnung hat und wohl ein Privatzug ist, für den ich Aufschlag bezahlen müsste und das sehe ich eigentlich nicht ein. Alle anderen Verbindungen dauern endlos lange und ich hadere, ob ich die Reise noch antreten soll oder ob ich wieder zurück nach Hause fahren soll.


Ich bin in Essen und muss nach Witten (glaube ich). Bin insgesamt etwas spät dran. Als ich aufs Gleis komme, steht da schon ein RE (doppelstöckig), in den ich noch schnell reinspringe. Der Zug ist ziemlich voll. Erst im Zug gucke ich dann auf dem Handy, wie spät es ist (20:07) und in welchem Zug ich eigentlich bin. Es stellt sich raus, dass ich in einem Zug nach Gelsenkirchen bin, also der ganz falschen Richtung. Die nächste Station, wo ich dann wohl wieder aussteigen werde, ist Hochheim.

Erstaunlich ist hier wieder, wie schön detailgenau ich träume, inklusive Uhrzeiten und erfundener Haltestelle- bzw. Ortsnamen. Dass Gelsenkirchen jedoch von Essen aus gesehen wirklich nicht Richtung Witten ist, stimmt hingegen wieder. Die geographischen Verhältnisse des Traums davor sind natürlich komplett daneben, das fiel mir zwar schon im Traum auf, da man aber an Traumfahrplänen nichts macht, musste ich den Unsinn akzeptieren und irgendwie damit arbeiten.

In der nächsten Folge arbeite ich dann vielleicht mal die Hundeträume auf. Davon habe ich ähnlich viele. Hunde und Züge. My life in a nutshell.

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