Mülheim, mon amour

Köln-Mülheim

Gestern war ich auf der LitBlog Convention, einer kleinen Konferenz für Literaturblogger, wobei ich ja gar kein Literaturblogger bin, ich schreibe nur gelegentlich über Bücher. Aber das ist auch egal, darüber wollte ich gar nicht schreiben, oder jedenfalls nicht jetzt.

Schreiben wollte ich über den Ort, an dem die Konferenz statt fand, nämlich im Bastei-Lübbe-Verlag, der im Kölner Schanzenviertel (Ja, wir haben jetzt auch ein eigenes Schanzenviertel. Hamburg, deal with it!) sitzt. Viel alter Fabrikbau, in dem sich jetzt Verlage und andere Medienunternehmen ansiedeln. Direkt nebenan die Keupstraße, wo sich eine Dönerbude an die anderen reiht.

Wenn man also zu Bastei-Lübbe will und mit der Bahn unterwegs ist, dann fährt man – wenn man ich ist – nach Deutz und dann mit der 4 bis zur Keupstraße. Dabei kommt man auch am Wiener Platz vorbei, dem Dreh- und Angelpunkt des Köln-Mülheimer Lebens. Schön ist der nicht, wie man oben sehen kann, aber die Kernkompetenz von Köln war noch nie, pittoresk zu sein.

Ich stellte mit also vor, wie mich jemand fragen würde, ob ich gut hergefunden hätte, so zu Bastei-Lübbe im Schanzenviertel und wir ich dann sagen würde:

„Doch, doch, da vorne, da ist das Genoveva, da hat meine Mutter Abitur gemacht und gleich daneben war die Musikschule, in der ich einmal die Woche Klavierunterricht hatte, und da etwas weiter runter am Rhein, da bin ich bis 1994 auf die Schule gegangen, da konnte ich dann zu Fuß zum Klavierunterricht, das war praktisch. Und da hinten, da ist die Bücherei, in die ich immer mit meiner Oma gegangen bin, wenn sie mich vom Klavierunterricht abgeholt hat und dann sind wir auf der Frankfurter Straße zum McDonald’s. Da ist auch das Cortina, in dem Eiscafé haben schon meine Eltern gesessen und Tartufo gegessen. Und im Woolworth habe ich recht schnell gelernt, was das türkische Wort für „Mama“ ist und aufgehört, darauf zu reagieren und ja, danke, ich habe ganz gut hergefunden.“

Und das ist nur die Hälfte der Geschichten, die ich hätte erzählen können. Und in diesem Sinne ist Schönheit wirklich ganz schön relativ.

Köln-Mülheim

3 comments

  1. loosy

    Genau in der Ecke, gegenüber vom Genoveva-Bad, hat mein erster Freund gewohnt. War jahrelang immer wieder dort. Die Apotheke am Wiener Platz, Kaiser’s, McDonald’s und Woolworth in der Frankfurter Straße, Döner in der Keupstraße, Spazieren am Hafen (inkl Hausbootspurensuche ;))… Nostalgie pur!

  2. Pingback: De Venta en Venta / Milchkannen 26 – Geschichten und Meer

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