Gelesen im August 2016

Ich und die Menschen von Matt Haig

Kein gutes Buch, sogar ein ziemlich schlechtes, das einen die ganze Zeit mit kitschigen, sinnlosen Sätzen plagt und dem Leser mit Holzhammermethode einbläuen will, dass erst die Fehler der Menschen sie so liebenswert machen. Es geht um einen namenlosen Außerirdischen, der auf die Erde kommt und in die Haut eines Mathematikers schlüpft, um jegliche Hinweise auf den von ihm erbrachten Erweis einer Vermutung zu vernichten, weil diese den Menschen mehr Fortschritt bringen würde als sie verantworten können. Ich habe schon in diesem Video darüber geredet. Immerhin sind die Szenen mit dem Hund nett.

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Auerhaus von Bov Bjerg

Danach zum Glück direkt ein sehr erfreuliches Buch gelesen (bzw. gehört). Auerhaus ist eine Jugendgeschichte aus den Achtzigern. Kurz vor dem Abitur versucht Frieder sich das Leben zu nehmen. Er überlebt und zieht nach dem Aufenthalt in der Therapie mit drei Freunden in ein Haus. Hier kann jeder ein bisschen auf jeden aufpassen, es wird am Esstisch diskutiert, Partys gefeiert und der Dorfweihnachtsbaum gefällt. Das ist alles sehr wunderbar erzählt und vollkommen zu Recht von allen gelobt.

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Dornenmädchen von Karen Rose

Auch wieder unerfreulich, auf Spotify als Hörbuch gehört. Ich hatte mir irgendwas in Richtung Gillian Flynn oder Paula Hawkins vorgestellt, bekam aber einen albernen romantischen Krimithriller. Hätte ich mich vorher über die Autorin und ihre Bücher informiert, hätte ich etwas ahnen können, aber nun, so hab ich jetzt aus Versehen mal ins Genre reingeschnuppert und weiß Bescheid, dass es nichts für mich ist. Die Story selber ist okay, irgendwas mit Serienmördern, jungen Mädchen, einer Protagonistin, die vor einem Stalker fliehen und einem Detective mit seltsamen Augen und puh… aus Teilen hätte man was machen können, aber sexy times hin und her, so schnell wie da Leute scharf aufeinander sind, während irgendwo anders gerade Mädchen gefoltert werden, das ist schon arg gewollt. Nein nein nein, das war ein Versehen. Nix mehr von Karen Rose für mich.

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The Last Days of New Paris von China Miéville

Der neue Miéville, eher eine Novelle als ein Roman, aber so voll mit Inhalt, dass man doch sehr lange damit beschäftigt ist. Es geht um den Widerstandskämpfer Thibaut, der in einem abgeriegelten Paris gegen Nazis, Dämonen und manifs kämpft. Manifs sind Manifestationen surrealistischer Künstler, die sich nach dem sogenannten S-Blast, einer geheimnisvollen Explosion in einem Pariser Café, materialisierten. So bevölkern die Ideen der Surrealisten die Straßen von Paris, Frauen-Fahrrad-Hybriden, Tische mit Fuchsköpfen und -schwänzen, ein riesiger Elefant, wild zusammengesetzte vorzügliche Leichen. Dabei trifft Thibaut auf eine amerikanische Fotografin, die die Geschehnisse dokumentieren und wieder nach draußen bringen will. Das ganze ist abgedreht wie bei einem Miéville-Buch zu erwarten ist, aber so atmosphärisch, das es mir noch immer im Kopf nachhallt. In Fußnoten erfährt man glücklicherweise auch etwas über die seltsamen manifs und kann während des Lesens die Google Bildersuche anschmeißen. Große Empfehlung, wenn man kein Problem mit sehr seltsamen Geschichten hat.

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Planet Magnon von Leif Randt

Leif Randt erzählt eine Science-Fiction-Geschichte, die in einem anderen Sonnensystem spielt. Alle Planeten sind bevölkert, inklusive des Müllplaneten Toadstools, der zur Lagerung alles anfallenden Mülls genutzt wird. Die Gesellschaft organisiert sich in Kollektiven, die um Mitglieder werben. Regiert wird alles von einer künstlichen Intelligenz, die stets die für die Gemeinschaft besten Entscheidungen trifft. Erschüttert wird diese Welt von dem Kollektiv der gebrochenen Herzen, das sich der Vorstellung eines perfekten Lebens verweigert und statt dessen Emotionalität zelebriert und gewissermaßen auf ein Recht auf das Unglücklichsein pocht. Insgesamt eine schicke Geschichte, bei der mir irgendwas gefehlt hat, ohne dass ich es näher benennen könnte. Leif Randt erzählt flott und detailliert, die Figuren machen Spaß und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte entweder etwas zu sehr an der Oberfläche blieb oder ich vielleicht irgendwas nicht kapiert hatte. Trotzdem eine Empfehlung, schon wegen der vielen schönen Ideen und gut beschriebenen Welten, die in diesem Buch stecken.

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Minigolf Paradiso von Alexandra Tobor

Minigolf Paradiso habe ich mir extra für den Urlaub aufgehoben, und es dann an einem Tag weggelesen. Alexandra Tobor hat wieder die Zeitmaschine angeworfen und ist in die Neunziger zurückgereist. Sie erzählt die Geschichte von Malina, einer Migrantin, die mit ihren Eltern als Kind aus Polen nach Deutschland gekommen ist. Malina ist jetzt 16, fühlt sich wie unsichtbar und ihr einziger Freund ist ein toter Punk, dem sie Vogelschädel ans Grab bringt und Briefe schreibt. Der Großvater ist tot, zur Oma in Polen besteht kein Kontakt mehr, Malina fühlt sich allein und ohne Wurzeln. Dann fahren ihre Eltern ohne sie in Urlaub und auf einmal kommt alles ganz anders: Malina findet heraus, dass ihr Opa noch lebt, findet ihn auf einem heruntergekommenen Minigolfplatz und steckt auf einmal mitten drin in einem Road Movie, das sie bis nach Polen führt.

Minigolf Paradiso ist wunderschön erzählt, mit zahlreichen Anspielungen auf die neunziger Jahre, bei denen mein Herz aufging. Die Story bleibt trotz ihrer Skurrilität immer glaubwürdig und berührend. Große Empfehlung, und das sage ich nicht nur, weil die Autorin meinem Exemplar eine Tüte Knisterkaugummi beigelegt hatte.

Auf ihrem Blog bietet Alexandra Tobor ein betreutes Lesen an. Mehr Hintergrundwissen zu den schönen Neunzigern kann nämlich nie schaden.

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