Omblèze, 1993

Ich fahre mit Mama und Papa, meiner Cousine Sarah und Michaela, der Tochter einer Bekannten aus Tschechien nach Frankreich. Wir fahren wieder in die Nähe von Beaufort-sur-Gervanne, aber diesmal in ein anderes Haus. Sarah hat im Sommer Geburtstag und wird 13, Michaela ist zwei Jahre älter als wir, ich bin zwölf.

Wir haben zwei Ferienwohnungen auf einem Bauernhof, der ganz am Ende einer Straße auf einem Berg ist. Der Hof gehört Madame und Monsieur Mallory, die wohnen auch im Haupthaus und noch ganz viele andere Leute, Verwandte und Arbeiter und viele Kinder.

Es gibt einen Hund und einen Stall mit Ziegen, deswegen sind auch überall Fliegen. Michaela, Sarah und ich haben die eine Ferienwohnung und meine Eltern wohnen in der anderen. Unsere Wohnung ist eigentlich nur ein großer Raum, die Toilette ist mit einem Vorhang abgetrennt und überall sind Fliegen. In der Küche von den Mallorys hängen lauter Fliegenfänger von der Decke.

Wir entwickeln Methoden, um die Fliegen zu fangen. Am effektivsten ist es, Flaschen mit Wasser und Spülmittel zu füllen und dann den Flaschenhals von unten über die Fliege zu stülpen. Dann fällt die Fliege ins Wasser und ertrinkt. Mir tun die Fliegen leid, deshalb lasse ich die anderen weiter Fliegen fangen, mache aber nicht mit. Die Fliegen machen ja auch gar nichts, sie nerven nur, wenn sie einen morgens im Bett auf der Haut kitzeln. Wenn man sie beobachtet, wie sie beim Frühstück die Marmeladenflecken auf dem Esstisch anrüsseln und sich die Flügel putzen, sind sie eigentlich sogar ganz niedlich.

Wir sind mit einem Auto unterwegs, wir müssen ja auch überall hinfahren, weil wir wirklich der allerletzte Hof am Ende der Straße sind, zu Fuß kommt man überhaupt nirgendwo hin. Aber das letzte Stück ist so steil und die Straße ist so schlecht, dass Papa Angst hat, dass das Auto kaputtgeht, also müssen wir an der letzten Kurve immer aussteigen und den Rest zu Fuß gehen.

Ich unterhalte mich mit den Mallorys und spiele mit den Kindern und dem Hund. Ich kann schon ganz gut Englisch und ein bisschen Französisch, nach den Sommerferien komme ich in die achte Klasse.

Einmal gibt es ein Gewitter, direkt über uns, mitten in den Bergen. Es ist sehr unheimlich, erst liege ich mit Mama und Sarah und Michaela im Bett, dann gehe ich zu Papa in die Küche. Ich weiß nicht, was ich beruhigender finde. Auf einmal gibt es einen lauten Krach und das Licht geht aus. Eigentlich ist es mitten am Tag, aber es wird trotzdem sehr dunkel. Es klopft an der Tür und da steht Madame Mallory mit einer Kerze und fragt, ob bei uns alles in Ordnung wäre, der Blitz wäre in die Leitung eingeschlagen. Aber eigentlich ist ja alles in Ordnung, es ist nur etwas unheimlich, so ein Gewitter in den Bergen.

Auch meine Oma ruft mal an, um zu wissen, wie’s uns geht und ob alles in Ordnung ist. Oma hat auf dem Gymnasium Französisch gelernt und möchte gerne mit Madame Mallory auf Französisch reden.

Als ich schon wieder zu Hause bin, bekomme ich Post von Mallorys mit Grüßen und Fotos mit mir und den vielen Kindern.

(Wer wissen will, wo der Hof genau war, der klickt hier.)

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