Tagebuchbloggen, 19.7.2018

Ich habe vom gestrigen Tag nichts zu berichten, deswegen hier eine Alltagsbeobachtung, die mich beschäftigt.

Wenn ich beispielsweise im Zug sitze, dann habe ich die Augen üblicherweise auf dem Handy, im Buch, in einer Zeitschrift oder auf dem Rechner, jedenfalls beobachte ich nicht aufmerksam meine Umgebung. Den Zugbegleiter, der meinen Fahrschein sehen möchte, höre ich also eher als ich ihn sehe, was bedeutet, dass ich erstmal in meinem Rucksack nach dem Portemonnaie krame, dann das Portemonnaie aufmache und prüfe, in welcher Richtung ich es ihm entgegenhalten muss, damit die BahnCard richtig rum ist und erst dann gucke ich den Zugbegleiter selber an. Beim Bezahlen an der Kasse ist es oft ähnlich, erst alles hinlegen, währenddessen schon mal nach dem Portemonnaie kramen, dann Geld raussuchen, Sachen wegpacken und so weiter und erst im letzten Drittel der gesamten Transaktion guckt man mal den Menschen hinter der Kasse an.

Ich finde das eine falsche Reihenfolge der Kontaktaufnahme, man sollte doch erst mal den anderen Menschen angucken und grüßen und dann die anderen erforderlichen Schritte der anliegenden Aufgabe erledigen, habe aber auch noch keine Weg gefunden, das im Alltag irgendwie anders umzusetzen. Man will die Leute ja auch nicht unnötig warten lassen. Außerdem ist man ja selber oft mit anderen Gedanken beschäftigt und beschäftigt sich erst mal mit dem Naheliegenden, also zum Beispiel dem Rauskramen des Portemonnaies, bevor einem wieder auffällt, das man noch nicht mal weiß, wie die Person gegenüber überhaupt aussieht.

So lange hier noch keine Lösung gefunden habe, werde ich auf jeden Fall noch ein bis zwei Mal am Tag das Gefühl haben, aus Versehen unhöflich gewesen zu sein. Ich kompensiere das dann durch besonders gewinnendes Lächeln beim Abschließen der Transaktion und denke, dass es den anderen wahrscheinlich auch ein bisschen egal ist und ich im Leben nie der unhöflichste Kunde des Tages gewesen sein kann.

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