Bemerknisse zu Südafrika, Pt. 1

Wir waren eine Woche in Südafrika. Das kann man machen, ist allerdings ein bisschen kurz. Wenn man allerdings erstens eine Hochzeit in der Reiseplanung hat und außerdem seht viele Leute, die sich auskennen, kann man in sechs Tage doch eine Menge Erlebnisse packen.

Folgendes habe ich zu bemerken:

Hinkommen

  • Nach Südafrika fliegt man üblicherweise über Nacht. Da es keine Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Südafrika gibt, ist das sehr sinnvoll, man fliegt abends los und kommt morgens an. Die Zeit dazwischen könnte man sich schön mit Schlafen vertreiben, allerdings sitzt man auf sehr wenig Platz in einem sehr unruhigen Raum, wenn man also mehr als vier Stunden unruhigen Schlaf bekommt, gehört man zur Gewinnerseite.
  • Fluglinien werden immer arschlochiger, seit unbekannter Zeit möchte man Geld für Sitzplatzauswahl haben. Da wir das erstens nicht wussten und zweitens zu geizig dafür gewesen wären, und drittens andere Menschen ihren Gangplatz nicht gegen einen Platz in der Mitte tauschen wollen, saßen wir auf dem Rückflug nicht nebeneinander, sondern hintereinander, danke vielmals.
  • Terminal 3 in Heathrow hat schönere Geschäfte als Terminal 5, aber Terminal 5 hat die besseren Restaurants. Man muss sich da über die eigenen Prioritäten klar werden. Der Transfer funktioniert überraschend reibungslos, Heathrow bleibt also mein Lieblingstransferflughafen.
  • Das Unterhaltungsprogramm im Flugzeug wird immer besser. Ich habe die halbe zweite Staffel „The Good Place“ geguckt, „A Wrinkle in Time“ und „Ocean’s 8“.
  • Auf Kurzstreckenflügen gibt’s noch nicht mal mehr Gratisnüsschen.

Unterwegs

  • Der Bräutigam erzählte uns schon, dass man in Afrika Geduld haben muss. Der Bräutigam hatte recht. Wenn man schon eine Viertelstunde am Schalter des Autoverleihs steht und niemand da ist und auch niemand weiß, wo derjenige, der da sein sollte, sein könnte, und man dann aber per Telefon doch noch irgendwen erreichen konnte, der demjenigen Bescheid gesagt hat, dann kommt irgendwann dieser jemand in sehr gemütlichem Schritttempo zum Schalter geschlendert. Das macht uns hektische Europäer dann einerseits etwas nervös, auf der anderen Seite stellt man sich schnell die Frage, ob wir nicht diejenigen sind, die irgendwas grundlegend falsch verstanden haben.
  • In Johannesburg wohnt man hinter Mauern, Gittern, Stacheldrähten und elektrischen Zäunen. Man fährt mit dem Auto irgendwohin, läuft dann ein überschaubares Areal durch die Gegend und steigt dann wieder ins Auto, um irgendwo anders hinzufahren.
  • Linksverkehr ist okay, das größte Problem ist, dass in Linksverkehrautos Blinker und Scheibenwischer vertauscht sind.
  • „You just have to be careful and watch out, then nothing can happen.“ „Tozelle, we’re Europeans, the problem is we don’t even know what to look out for.“
  • Schilder, die man nicht sehen möchte, wenn man alleine im Auto in der Dämmerung unterwegs ist: „Hijacking Hotspot – Next 6 km“. Bei den Gastgebern dann: „Oh, I bet, they are everywhere and we don’t even see them anymore.“
  • An südafrikanischen Kreuzungen gilt angeblich so eine Art „Rechts-vor-links“, in Wirklichkeit aber darf zuerst fahren, wer zuerst da war und das klappt erstaunlich gut.
  • Fünfzehn Minuten unpaved gravel road. I’m just sayin‘.
  • Den Aufschlag fürs Navi kann man sich sparen und lieber in eine SIM-Karte investieren. 80 Prozent der Adressen, die ich eingeben wollte, kannte das Navi nicht.
  • Vor jeder Fahrt mit den Einheimischen abchecken, ob die Route so rein sicherheitstechnisch okay ist. Kannte ich bislang auch nicht.
  • Die Lieblingsfarbe von südafrikanischen Autobesitzern ist weiß.

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