Tagebuchbloggen, 1.11.2018

Feiertag in NRW und auch anderswo, aber halt nicht überall in Deutschland. Ich verwehrte mich gegen das morgendliche Joggen, statt dessen machte ich Wäsche. Wir haben aktuell nur ein Bettlaken für das neue Bett, weil die Matratze ja jetzt 20 Zentimeter breiter ist. Deswegen musste das Laken morgens gewaschen und dann tagsüber auf der Heizung getrocknet werden, so war es gerade noch abends ausreichend trocken.

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Außerdem Nudelsalat gemacht, eine Schüssel reicht üblicherweise für anderthalb Tage. Es ist der deutscheste, unsubtilste Nudelsalat, den man sich vorstellen kann, ich tu noch nicht mal so, als ob da irgendwas raffiniertes dran wäre. Für eine große Schüssel Nudelsalat etwas über 250 Gramm Gabelspaghetti kochen. Dazu kommen ungefähr ein Glas klein geschnittene Cornichons, eine Dose Mais, zwei klein geschnittene Zwiebeln, eine klein geschnittene Fleischwurst und fünf bis sechs klein geschnittene Eier. Die Soße besteht aus einem kleinen Glas Salat-Mayonnaise mit etwas Sahne oder Milch glattgerührt, etwas Ketchup, Pfeffer und Salz. Es ist geschmacklich also eher voll auf die Zwölf als nuanciert, aber für so einen ersten Novembertag ziemlich perfekt.

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A Brief History of the Dead von Kevin Brockmeier [Amazon-Werbelink] am Mittwoch angefangen und am Donnerstag ausgelesen, so gut ist das. Die Geschichte ist zweiteilig, auf der einen Seite die Stadt der Toten, eine Art Übergangsansiedlung der toten Menschen, ich weiß gar nicht, ob man dazu noch viel mehr sagen kann, weil ich nicht sagen kann, ob das Prinzip, nach dem diese Stadt funktioniert sehr schnell erklärt wird oder ob ich es nur sehr schnell intuitiv verstanden habe. Auf der anderen Seite Laura Byrd, die alleine in der Antarktis ist, nachdem ihre zwei Kollegen nach einem Ausfall der Kommunikation auf der Suche nach Hilfe zu einer anderen Forschungsstation aufgebrochen und nie zurückgekehrt sind. Das alles sehr schön ruhig erzählt, eigentlich passiert gar nicht viel und trotzdem habe ich die Geschichte aufgesogen.

Jedenfalls ein tolles Buch, deswegen wollte ich auch nicht zum Joggen, sondern weiterlesen. Na ja, ich wollte auch so nicht zum Joggen, aber deswegen eben erst recht nicht. Große Empfehlung, wird sicherlich in der diesjährigen Bücherhitliste sehr weit oben landen.

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Abends ein bisschen weiter The Chilling Adventures of Sabrina geguckt und dann The Nice Guys mit Ryan „Hey Girl“ Gosling und Russell Crowe. Das Genre war irgendwo als Neo-Noir bezeichnet, der Film spielt in den Siebzigern in Los Angeles, es ist alles sehr Siebziger und sehr Los Angelesig, ordentlich Gewalt und Schießerei, aber sehr offensichtlich drüber. Mir hat’s Spaß gemacht, auch wenn ich zwischendurch eingeschlafen bin, aber ich schlafe schnell ein, wenn ich gemütlich irgendwo liege, das hat tatsächlich mit der Qualität eines Filmes dann gar nichts zu tun.

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Auf Steam gab es ein Add On für Hidden Folks. Das ist ein Wimmelbildspiel à la „Wo ist Walter“, allerdings in schwarzweiß und mit Interaktion und sehr wimmelig und überaus niedlich. Ich habe dann einfach die beiden neuen Welten in ungefähr anderthalb Stunden durchgespielt. 10/10 would recommend, ein großer Spaß.

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Darüber hinaus wäre ich jetzt bereit für Weihnachten.


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Süßkind und Sauermann, 31.10.2018

Spontan bei Norman Brazda im Süßkind und Sauermann, eigentlich wollten wir zwei Gänge und das Dessert teilen, am Ende überzeugte uns Norman aber, doch die vier Gänge zu nehmen. Besonders schön das gebackene Ei mit sauer eingelegtem Gemüse, aber auch alles andere in gewohnt großartiger Qualität mit passender Weinbegleitung. Den Abschlussespresso gab’s am Tresen.

Süßkind und Sauermann, 31.10. 2018

Gebackenes Ei mit sauer eingelegtem Gemüse, Kerbelschaum, grüner Sauce, Trüffel, Kaviar und Pumpernickel

Zweierlei von der Taube mit Maronenknödel, Schwarzwurzel und Trauben

Zander mit Gnocchi, Stengelkohl und Muscheln in Muschelsud

Quitte Helene mit Mousse au Chocolat

Lieblingstweets im Oktober (Teil 2)

WARENTRENNSTÄBE! KALLAXFÄCHER! BUCHHANDLUNGSUNTERLAGEN! UNTERSETZER FÜR ESSEN! HAFERSCHLEIM!

Tagebuchbloggen, 29.10.2018

Zurzeit lese ich wieder Die letzten ihrer Art von Douglas Adams und Mark Carwardine [Amazon-Werbelink]. Ich habe in meiner Teenagerzeit die Anhalter-Trilogie (in fünf Teilen!) entdeckt, mich dann aber auch etwas in die Nebenschauplätze verirrt. In Die letzten ihrer Art erzählt Adams, wie er mit Carwardine um die Welt reist, um vom Aussterben bedrohte Tiere zu suchen. Nach Zaire zu den weißen Nashörnern, nach Neuseeland zu den flugunfähigen dicken Kakapos oder nach China zu den Flussdelphinen. Das ist alles gleichzeitig irre lustig und sehr tragisch, und hat mich damals wie heute beeindruckt. Eventuell ist dieses Buch eines der wenigen, aus dem ich wirklich viel behalten habe, sowohl was die Tiere angeht als auch die irrwitzigen Situationen, in die sich Adams und das Team begeben, als sie zum Beispiel in China ein Kondom kaufen wollen, um ein wasserfestes Mikrofon zu basteln. Große Empfehlung für die, die es noch nicht kennen.

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Die Quartalsplaylist wächst und gedeiht. Allerdings mache ich mir etwas Sorgen, dass ich Spotify mit meinem aktuellen Hörverhalten etwas in die Irre oder vielmehr in die Nische führe. Der aktuelle Mix ist zwar schön, aber etwas einseitig und ich habe zum ersten Mal Probleme, Songs auszumachen, die so herausstechen, dass sie einen Platz auf der Eliteplaylist bekommen. Aber manches erschließt sich ja auch erst beim zweiten oder dritten Hören, also abwarten.

Ich habe zusätzlich ein Dokument angelegt, in dem ich die Songtexte bastele. Darüberhinaus habe ich letzten einmal die komplette Playlist am Klavier mitgespielt. Also: Playlist laufen lassen und sich an die Akkorde rantasten. Das klingt abgefahrener als es ist, denn wir reden hier über Popmusik, das schwierigste war meistens, die Tonart herauszufinden, danach kommt man oft mit den vier bis fünf geläufigsten Akkorden der jeweiligen Tonart hin, man muss nur wissen, in welcher Reihenfolge. Das ist auf der einen Seite etwas ernüchternd, auf der anderen aber auch beruhigend und spannend. Ich bleibe dran.

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Beim Klavierunterricht gestern wieder Szenen, in denen mein Klavierlehrer „Sie können das auch so greifen“ sagt und dann eine Dezime greift, während ich daneben nur hilflos lache. Ich habe schon ganz brauchbare Pianistenhände und kann einigermaßen locker eine None greifen, eine Taste weiter schmerzt dann schon.

Weil auf Twitter angemerkt wurde, dass es ja beim Jazz egal wäre, wenn man auch die None mitpatschen würde, möchte ich hier anmerken, dass mein Klavierlehrer das nicht so sieht. Hier die wichtigsten Regeln: Den Grundton oder generell alle Töne, vor allem aber den Grundton möglichst nicht doppelt spielen, die Quinte ist langweilig, am wichtigsten ist die Terz und die Septime und immer, wenn ich aus Zufall und Hilflosigkeit etwas greife, das eigentlich ganz okay und einigermaßen jazzig klingt, meint er, dieser eine Ton da wäre aber Unsinn.

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Gestern gab es Reste-Quesadillas. Reste-Quesadillas kann man machen, wenn man noch Tortillafladen, irgendeine Art Käse und beliebige Reste im Haus hat. In diesem Fall waren die Reste eine kleine Packung Chilifrischkäse, eine rote Paprike, so kleine Chorizowürste, Fertigsalsa, eine halbe Zwiebel und Koriander. Das packt man einfach auf einen Fladen, bestreut es mit reichlich Käse, legt den anderen Fladen drauf und schiebt es bei einer ausgedachten Temperatur erst mittig in den Ofen und dann noch mal kurz direkt unter den Grill.

Reste-Quesadillas werden in diesem Haushalt seit ihrer Einführung irgendwann im Laufe dieses Jahres gerne gesehen. In den handelsüblichen Rezepten werden sie in der Pfanne gebraten, das habe ich einmal probiert, bin dann aber aus Bequemlichkeitsgründen auf die Ofenvariante umgestiegen. In Stücke geschnitten werden die Quesadillas übrigens mit einem Pizzaschneider, ein meines Erachtens sehr praktisches Haushaltsgerät, auch wenn man in diesem Artikel in der taz anderer Meinung ist (Banausen!).


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Mitbringsel aus Südafrika: Rock Shandy

„Sie haben Rock Shandy!“ jubelte Ute, als wir am letzten Tag in Johannesburg – oder Joburg, wie wir Insider es nennen – die Karte einer Rooftop Bar im Internet anguckten. Am Ende landeten wir dann aber gar nicht in dieser Rooftop Bar, sondern aus vielfältigen Gründen in einer anderen Bar irgendwo in Sandton. Dort gab es aber auch Rock Shandy und so hatte ich meinen ersten Rock Shandy auf einem Balkon mit Aussicht auf Johannesburg im allerschönsten Licht der bereits sehr tiefstehenden Sonne.

Ein Rock Shandy, das habe ich nachher recherchiert, ist eigentlich ein typisch namibischer Sundowner, also das, was man abends trinkt, wenn man auf der Veranda seiner Farm in der namibischen Steppe sitzt und in der Ferne die Tierherden vorbeiziehen. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Man kann diesen fast alkoholfreien Cocktail aber beispielsweise auch auf einem Balkon in Essen-Holsterhausen trinken, es kommt fast aufs gleiche raus. (Aber nur fast.)

Ein Rock Shandy besteht aus einer Hälfte Zitronenlimonade und einer Hälfte Sodawasser auf Eis mit ein paar Spritzern Angostura. Das ist eigentlich schon alles.

Weil ich dank der Cocktail-Abo-Box aber eine ganze Reihe unterschiedlicher Bitters zu Hause habe, variiere ich die letzte Zutat nach Belieben, was sich dann auch in der Farbgebung niederschlägt, denn den hübschen Rostbraunton bekommt das Getränk doch eindeutig vom Angostura.

Ich kann das jedenfalls nur empfehlen, erstens, weil es lecker und erfrischend ist und zweitens, weil es mich jetzt immer an Südafrika erinnert. Ich lasse mir den jetzt jedenfalls in jeder Bar mixen, bei der sich der Barkeeper nicht überzeugend genug wehrt.

Tagebuchbloggen 28.10.2018

Morgens im Stadtwald joggen und es wird langsam kalt. Das beste am Joggen sind eh dicie Hunde, denen man begegnet, ansonsten ist es einfach nicht meine Sportart, ich wüsste aber auch nicht, was meine Sportart sein könnte. Ich kann nix mit Bällen und laufen und schwimmen finde ich einfach unglaublich langweilig. Ich halte das durch und irgendwann sind 30 oder 40 Minuten vorbei und ich bin froh, dass es vorbei ist.

Beim Schreiben fällt mir aber wieder ein, was meine Sportarten sind, nämlich alles, wo man in irgendwas auf dem Wasser sitzt oder steht. Surfen, Stand-Up-Paddeln, Kanu, ich könnte mir auch Windsurfen vorstellen oder Segeln. Das Problem ist aber, dass man dafür immer irgendwo hinfahren muss und Equipment braucht, auch wenn die Equipmentfrage immerhin dank aufblasbarer Stand-Up-Paddelbretter einigermaßen vereinfacht wurde.

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Am frühen Nachmittag guckte ich dann erst auf arte eine Doku über Estland im Winter, es gab Männer, die in alten Ladas Rennen auf dem Eis fuhren und Männer, die Schilf ernteten und Männer, die neben ihrem eigentlichen Fischerberuf noch eine Band gründeten und zwischendurch eine Frau, der eine Wollfabrik gehörte, vor allem aber leider Männer, das war etwas enttäuschten, ich vermute, dass es in Estland gar nicht nur Männer gibt. Es war trotzdem sehr bildend und die ganzen Schneebilder machen, dass ich ganz dringend Weihnachten haben möchte, ist bald Weihnachten?

Danach kam eine Doku über das Leben unter der Erde und ich merkte, dass ich viel zu wenig über Regenwürmer weiß, das scheinen faszinierende Geschöpfe zu sein, da muss ich mich dringend weiterbilden. Der zweite Teil der Dokureihe handelte dann vom Leben in Höhlen und dabei schlief ich dann auf dem Sofa ein.

Nach dem Mittagsschlaf wechselte ich zu 3sat, wo es erst eine Doku über den Arlberg gab, den es – das weiß ich jetzt – eigentlich gar nicht gibt, was anscheinend niemand daran hindert, Dokumentation darüber zu drehen. Danach gab es eine weitere Doku über die Schladminger Berge, es ist aber auch fast egal, Naturdokus über irgendwelche Alpenregionen sind eh immer nach dem gleichen Muster aufgebaut, und das geht ungefähr so: Gämsen im Schnee, Schneeschmelze mit anschwellenden Gebirgsbächen, Kühe werden auf irgendeine Alm getrieben, MURMELTIERE! OMG!, röhrende Hirsche auf Brautschau, der Wolf kommt zurück, balgende Junggämsen und sich jagende Gamsböcke und zum Schluss irgendwas halbmoralisches über den Menschen als Eindringling.

Es ist aber gar nicht schlimm, dass es immer das gleiche Muster ist, ich würde auch eine halbe Stunde Murmeltiere gucken oder Junggämsen oder Wölfe, ich bin da sehr einfach zufriedenzustellen.

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In Hessen wurde gewählt. Es kam alles wie erwartet.

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Zwischendurch sollte ich „Bésame mucho“ einsingen, das Ergebnis kann man hier hören.

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In letzter Zeit ausgelesen:

On Such a Full Sea von Chang-rae Lee [Amazon-Werbelink], eine sehr feinfühlige Dystopie über ein Amerika, in dem die Menschen in hierarchisch kontrollierten Siedlungen leben. Die Elite lebt im Luxus, die Arbeiter in kommunistisch anmutenden Siedlungen und alle anderen im chaotischen Draußen. Als ihr Freund und Vater ihres ungeborenen Kind die Siedlung ohne Nachricht verlässt, folgt die siebzehnjährige Fan ihm in eine unbekannte Welt. Das ist alles sehr zurückhaltend erzählt, als Leser bekommt man nie etwas Festes, an dem man sich festhaltend kann, die Krassheit mancher Szenen verliert sich in einer eigentümlichen Vagheit. Trotzdem sehr gerne gelesen, ich habe nur recht lange dafür gebraucht.

Schnell hingegen bin ich durch The Barrow Will Send What It May von Margaret Killjoy [Amazon-Werbelink] gekommen, was einerseits daran liegt, dass es sich um eine Novelle handelt, andererseits liest man die Bücher auch aus reiner Freude einfach so weg. The Barrow Will Send What It May ist der zweite Teil der Danielle-Cain-Serie und ein bisschen so wie Supernatural mit einem LGBT-Anarchie-Dreh. Im zweiten Teil landet die Gruppe um Danielle Cain in einem verschlafenen Nest, in dem sie nicht nur eine okkulte Bibliothek finden, sondern direkt zwei Einwohner, die von den Toten wieder auferstanden sind. Das ist alles flott und amüsant und wenn jemand sich die Filmrechte für eine Serie besorgen würde, hätte ich nichts dagegen.

„So they went out to the backcountry wilderness in the dead of winter to kill a hibernating bear – which by the way doesn’t count as hunting – and turn it into a zombie bear, and then they didn’t come back?“ Thursday asked. „Gee, I can’t think of anything that might have gone wrong with that plan. What a mystery.“

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Abends gab es Spätzle mit Zwiebeln, Speck und Spiegelei. Es gibt in diesem Haushalt ein paar Gerichte, die immer gehen und gerne genommen werden. Das ist eines davon und Erbe meines Opas, von dem ich nicht wüsste, dass er besonders viel in der Küche gemacht hätte, aber eben Spätzle mit Ei.

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Es wird kalt. Bei dm hatten sie Strumpfhosen für 8 Euro, jetzt hab ich also wieder eine neue, die hoffentlich den Winter hält.


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Tagebuchbloggen, 20.10.2018

Auf einem kleinen Familientreffen erfahre ich, dass mein Opa und sein Bruder sich heftigst stritten, als bekannt wurde, dass meine Mutter mit 18 schwanger war.

„Dass du sowas zulässt unter deinem eigenen Dach!“ war der Vorwurf meines Großonkels.

„War doch gar nicht klar, ob das unter seinem Dach war“, sagt meine Tante zweiten Grades dazu gestern im Garten.

Mein Vater steht in der Tür, als die Geschichte erzählt wird.

„Ich weiß gar nicht, wo das war“, sagt er nüchtern.

„Aber ich!“ sagt meine Tante.

Ja, okay, na dann. So genau wollte ich die Geschichte um den Beginn meiner Existenz ja vielleicht auch gar nicht wissen.

(Augustastraße in Köln, Silvester 79/80, nur der Vollständigkeit halber. Hätten wir das auch geklärt.)

Tagebuchbloggen, 13. bis 18.10.2018 – Schnelldurchlauf

Freitagabend Opernkarten bei @inkanina abgeholt. Dazu gab es Pizza, Sekt, Tiramisu und wie immer einen netten Abend. Ich kann das nur empfehlen.

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Samstag war erst Erledigungstag. Mein Mann brauchte Kabel, also waren wir im Musikgeschäft. Danach auf der Terrasse des Irish Pub in der knallheißen Sonne gesessen, Cider getrunken und Caesar’s Salad gegessen, das war auch schön, auch wenn am Nebentisch zeitweise über Globuli gequatscht wurde, man kann sich halt seine Mitgäste nicht immer aussuchen.

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Abends dann in die Premiere von Bizets Carmen ins Aalto. Mein Mann wollte mit dem Fahrrad fahren, mein Rad ist aber gerade irgendwie nicht richtig eingestellt und ich hatte keine Lust, mich darum zu kümmern, konnte aber noch ein Leihrad ergattern. Oper selber insgesamt erfreulich, Bettina Ranch als Carmen war in den tieferen Bereichen etwas schwach, Jessica Muirhead als Micaela ziemlich großartig, das Bühnenbild – wie im Aalto ja eher üblich – modern und minimalistisch, man gewöhnt sich dran, dass es einfach manchmal überhaupt keine Gegenstände mehr auf so einer Bühne gibt, meistens funktioniert es ja trotzdem.

Der Kniff, dass die Dialoge nicht von den Darstellern selber, sondern von zwei Kindern gesprochen wurde, da bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich das fand. Am Ende wurde bei der Inszenierung gebuht, wenn man sich die Presseschau anguckt, vermutlich genau deswegen. Allerdings kenne ich auch tatsächlich gar keine Opern mit Dialoganteil, ich müsste mir das erstmal im Vergleich angucken, um eine Aussage zu treffen.

Zwei Anmerkungen noch:

  • Die Geschichte ist ja eine unglückliche Liebesgeschichte. Er verliebt sich, sie findet ihn auch ganz gut, will sich aber nicht binden, dann sagt sie aber doch ja und als sie sich dann trennen, muss sie leider sterben, weil er es nicht aushält. Es ist noch ein bisschen komplizierter, ich will aber vor allem aufs Ende hinaus, das ich aus heutiger Sicht nur noch schlecht ertragen kann. Es gibt immer noch zu viele Frauen, die damit rechnen müssen, dass ihr Partner ihnen Gewalt antut, wenn sie sich von ihm trennen. Mit dem Wissen finde ich es zunehmen problematisch, Geschichten als „tragische Liebesgeschichte“ zu deklarieren, wenn am Ende einfach nur der Mann nicht ertragen kann, dass er eben nicht der Auserwählte ist.
  • Ich bin ziemlich sicher, dass ich mit Hilfe der Übertitel mehr von dem französischen Libretto verstanden habe als bei der ein oder anderen Wagner-Oper. Mein Mann hatte das gleiche Gefühl.

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Nach der Oper ein neues Restaurant ausprobiert. In Paul’s Brasserie auf der Huyssenallee gab’s Bouillabaisse und Risotto und ziemlich guten Nachtisch auch noch zu später Stunde.

Zurück ging’s zu Fuß durch eine ziemlich laue Sommernacht. Im Oktober. Na ja.

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Am Sonntag dann Joggen, Gartencenter, Balkonsitzen, Mittagsschläfchen, Bayernwahl, noch mal Balkonsitzen und Bett. Der Tag wurde auch so auf Instagram festgehalten (hier anfangen).

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Am Freitag erschien außerdem Die Känguru-Apokryphen [Amazon-Werbelink], der vierte Teil der Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling. Das mussten wir selbstverständlich hören und die viereinhalb Stunden Hörbuch hat man dann auch an einem Wochenende durch und fängt dann eben sofort noch mal von vorne an. Das Känguru ist uns ein treuer Begleiter, vor allem in der Küche. Ich habe jetzt den vierten Teil erst einmal komplett gehört, aber nachdem ich die zweite Hälfte des dritten Teils etwas anstrengend fand, war ich sehr angetan. Es fehlt allerdings tatsächlich etwas der rote Faden in der Geschichte. Trotzdem große Empfehlung.

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Ich habe angefangen, Quartalsplaylisten für die besten Lieder, die mir Spotify vorschlägt, anzulegen. Ich mache das jetzt also aufgeteilt nach Jahreszeit, die erste Quartalsplaylist umfasst alles, was mir zwischen dem 1. September und dem 30. November an besonders guten Sachen im Mix der Woche vorgeschlagen wurde. Vorher habe ich gute Songs einfach immer nur markiert und hatte eine entsprechend umfangreiche und unsortierte Liste. Ob das mit den Quartalsplaylisten ein tragfähiges Konzept ist, wird sich noch herausstellen, im Moment bin ich sehr glücklich damit.


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Es gab auch noch Bahnchaos, das am Dienstag einen auch für meine Verhältnisse ungeahnten Höhepunkt erreichte.

  1. In den Herbstferien ist die Strecke zwischen Essen und Duisburg gesperrt. Man kann also entweder mit der S-Bahn nach Wuppertal fahren und von da aus mit dem Regionalzug nach Köln oder man fährt mit der S-Bahn nach Düsseldorf und von da aus nach Köln oder man fährt mit dem Schienenersatzverkehr nach Duisburg und von da aus nach Köln. Ich nehme für die Hinfahrt üblicherweise die erste Strecke, weil sie verhältnismäßig flüssig funktioniert und auf der Strecke gute Pokéstops und Arenen sind. Bei der Rückfahrt nehme ich das, was mich am schnellsten irgendwie Richtung Norden bringt.
  2. Weil am Freitag ein ICE auf der ICE-Strecke Köln – Frankfurt brannte, ist diese Strecke auch gesperrt. Das heißt, dass der ICE, der mich sonst von Köln nach Duisburg oder Düsseldorf bringen würde, ausfällt.
  3. Am Dienstag gab es dann eine Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof, so dass auch dieser Bahnhof gesperrt war.

Wer nicht aus Köln kommt, weiß vielleicht nicht, dass ungefähr 90 Prozent der Züge, die in Köln-Deutz halten, auch vorher am Kölner Hbf halten. Die einzige Ausnahme ist der Fernverkehr, da halten die Züge entweder am Hauptbahnhof oder in Deutz. Wenn jetzt aber sowohl die ICE-Trasse nach Frankfurt als auch die Strecke über den Kölner Hauptbahnhof gesperrt ist, dann tut sich ungefähr gar nichts mehr. Es war vielmehr ein Wunder, dass sich überhaupt noch irgendwas tat. Dieses Irgendwas war bei mir ein Zug nach Magedeburg, der tatsächlich bis Duisburg fuhr, von wo aus ich dann mit dem Schnellbus nach Essen weiterfahren konnte und im Verhältnis zu dem Chaos, das insgesamt los war, erstaunlich früh zu Hause war.

Jetzt ist nur noch Streckensperrung und Ausfälle auf der ICE-Trasse, ab Montag hoffentlich nur noch eine Woche Streckensperrung, dann hab ich mir ein weiteres Pendler-Abzeichen verdient.

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Langsam wird’s Herbst. Also auch vom Wetter her.


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Lieblingstweets im Oktober (Teil 1)

Aus diversen Gründen diese Mal etwas reduziert, aber in der zweiten Oktoberhälfte muss ich zum Beispiel keine Fernreise machen, es wird also hoffentlich wieder besser.