Kategorie: Anne erklärt das Internet

Programmieren für Nullcheckerbunnys

Es war hier recht still in den letzten Tagen. Daran ist quasi einzig und allein die re:publica 2014 statt, denn ich war nicht nur da, sondern habe auch einen Workshop gehalten. Genauer gesagt habe ich zwei Workshops gehalten, allerdings gar nicht alleine, sondern mit Kathrin Passig. Umgerechnet habe ich also dann wieder nur einen gehalten. Oder so. Ich weiß nicht, wie man das richtig rechnet.

Zusammen haben wir versucht, Programmiernullcheckerbunnys dabei zu helfen, selbstständig mindestens das Hilfscheckerbunnytum zu erreichen. Ob es uns gelungen ist, muss man vielleicht eher die Teilnehmer fragen, wir waren aber auch ganz zufrieden mit den Workshops und zumindest die Rückmeldungen auf Twitter waren allesamt positiv. Es fanden also entweder alle gut oder die, die es nicht so gut fanden, waren nett genug, dies nicht öffentlich zu äußern.

Nachhören kann man das hier bei Voice Republic. Eine Videoaufzeichnung gibt es leider nicht, dafür hatten wir aber zwei Gebärdendolmetscherinnen. Woher die kamen und warum die bei uns waren, wissen wir auch nicht, fanden es aber sehr toll.

Die passenden Slides dazu gibt es dann hier auf Google Docs.

Dann wurden wir noch von Lea Weitekamp von t3n interviewt und mussten zu DRadio Wissen zum „Netzbasteln“ mit Moritz Metz in den HY-Wagen, wo wir Schokolade gegessen, ein bisschen erzählt und dann eine Endlos-Huhu-Schleife programmiert haben. ABER ABSICHTLICH!

Weitere Erwähnungen des Workshops gab es unter anderem im Kölner Stadt-Anzeiger und in der FAZ.

Danach musste ich mich ein bisschen erholen, dann war ich bei einem Künstlergespräch im Folkwangmuseum, dann war Eurovision Song Contest und dann war auch schon Sonntag und ich habe auf dem Sofa gelegen, Veronica Mars geguckt und Nudelsalat gegessen. Es geht alles sehr schnell gerade, man kommt gar nicht zum Bloggen vor lauter tollen Sachen.

Wir haben da mal was vorbereitet: Techniktagebuch

Wenn es hier in den letzten Tagen etwas still war, dann nicht, weil ich keine Zeit zum Bloggen gehabt hätte, sondern, weil ich woanders gebloggt habe, nämlich hier beim Techniktagebuch: http://techniktagebuch.tumblr.com/

Das Techniktagebuch ist eine Idee von Kathrin Passig und funktioniert so: Wir schreiben da rein, was wir heute alles wie machen und in zwanzig Jahren kann man dann mit großer Verwunderung und leichtem Unglauben nachlesen, wie seltsam und absurd das damals(tm) alles war.

Oder, wie Kathrin das schön als Untertitel formuliert hat: Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!

Mittlerweile sind wir zu viert und schreiben nicht nur darüber, wie es heute so  ist, sondern versuchen auch Stück für Stück unsere Technikvergangenheit zu verarbeiten. Man kann also heute schon nachlesen, wie vollkommen abgefahren die Welt noch vor wenigen Jahren war. Krass!

Anne erklärt das Internet: Der oder das Blog?

Ich versuche, die Diskussion, die sich um die Frage „Der oder das Blog?“ rankt, mal mit einer kleinen Analogie nachzubauen. Stellen wir uns folgende Szene vor: Drei Freunde, nennen wir sie A, B und C sitzen zusammen am Frühstückstisch und frühstücken friedlich und harmonisch vor sich hin.

A: Gib mir doch mal bitte das Nutella.

B und C stutzen, sehen sich kurz an, und wenden sich dann A zu.

B: Ähm… hab ich richtig gehört?

A: Hm?

C: Hast du gerade das Nutella gesagt? Jetzt ernsthaft?

B (die Augenbrauen hochziehend): Das Nutella?

A: Wie soll man denn sonst sagen? Ist doch auch egal.

B: Na ja, so egal ist das nicht. Das ist schon sehr wichtig, ob man das oder die Nutella sagt.

A: Ich sag schon immer das Nutella.

B: Da könnte ja jeder kommen. Es heißt die Nutella. DIE Nutella! Schon immer.

A: Bei mir nicht. Außerdem ist es ein Kunstwort, so lange gibt’s das doch noch gar nicht.

C: Ja, aber wir haben alle immer die Nutella gesagt. Immer schon.

A (leise zu sich selbst): Wer issen bitteschön „wir“?

B: Ich hab schon die Nutella gesagt, da warst du noch nicht mal geboren, geschweige denn, dass du „Nutella“ sagen konntest.

A: Aber ist das nicht echt irgendwie schnurzpiepe, wie es heißt?

B und C im Chor: NEIN, IST ES NICHT!

A: Hm.

B: Außerdem heißt es ja auch „die Nussnougatcreme“ und deswegen muss es zwangsläufig „die Nutella“ heißen. Geht gar nicht anders. Niemals nie nicht.

A: Aber Sprache ist doch auch nicht immer logisch.

C: Dochdochdoch! Immer! Überall!

A: Also, darf ich jetzt bitte was Nutella haben?

B: Wie heißt das?

A: NU-TEL-LA!

B: Mit Artikel!

A: Das Nutella.

B: Nee, kriegste nicht.

A: Weil ich immer noch das Nutella sage?

B: Ja. Wer nicht weiß, dass es die Nutella heißt, der darf auch keine Nutella essen. Überhaupt sollte dir die Frühstückslizenz entzogen werden.

C: Genau.

A: Ihr seid ja bekloppt.

B: Nein, gar nicht. Das heißt die Nutella und dann ist auch nur die Nutella richtig.

A: Im Duden steht aber, es geht beides.

C: WEIL DER DUDEN AUCH ANGIBT, WAS DIE LEUTE SAGEN, DIE KEINE AHNUNG VON NUSSNOUGATCREME HABEN! NUR WEGEN SO NUSSNOUGATCREMEANFÄNGERN WIE DIR STEHT DAS DA!

B: ABER ES IST FALSCH!

A: Aber kann das nicht auch mal sein, dass Sprache sich mit der Zeit ändert.

B: Prinzipiell schon, ABER NICHT BEI NUTELLA!

Alle gucken sich schweigend an. A atmet einmal kräftig durch.

A: Also, kann ich jetzt mal bitte das Nutella haben?

B und C im Chor: DU KRIEGST KEINE NUTELLA!

A steht auf, fährt zum Supermarkt, kauft sich Brötchen und ein Glas Nutella und schmiert sich zu Hause ihre Nutellabrötchen selber.

Ende der Geschichte

 

Man kann das alternativ auch mit die/das Limo oder der/das Joghurt durchspielen. Wer jetzt noch weiter diskutieren möchte, viel Vergnügen.

Anne erklärt das Internet: FTW oder WTF?

Das Internet ist voll mit seltsamen Abkürzungen, Akronymen und Redewendungen, die man als Nichteingeweihte nicht zwangsweise auf Anhieb versteht. Auch ich musste schon das ein oder andere Mal googeln, weil auf einmal irgendwo eine seltsame Buchstabenfolge stand, die ich nicht zu entschlüsseln vermochte. Nachfragen möchte man dann auch nicht, denn man will sich ja nicht als unwissend outen. Nachher bekommt man noch die Internetlizenz entzogen. (Da könnte man ja gleich „der Blog“ sagen.)

Damit es anderen nicht ebenso geht, werde ich nun einfach ein paar der wichtigsten Internetkürzel erklären. Es handelt sich hierbei um eine rein subjektive und tendenziell willkürliche Auswahl und es wird nicht der geringste Anspruch auf irgendeine Art von Vollständigkeit erhoben.

Fangen wir mit dem einfachsten an. WTF kennt wohl jeder. Zu einem konsternierten „What the fuck?!?“ ob der Unglaublichkeit eines Sachverhalts hat sich wohl fast jeder im Internet schon einmal hinreißen lassen. Alternativ biete ich hier noch das etwas zeichenintensivere „Dafuq?“ an. Der erste Eintrag dafür im Urban Dictionary ist von 2009, mir lief der schöne Ausruf 2012 zum ersten Mal über den Weg, nämlich in einem Comic von Beetlebum.

WTF ist nicht zu verwechseln mit FTW. FTW, auch gerne mit Ausrufezeichen, also „FTW!“, heißt „For the win“ und ist ungefähr das Gegenteil von WTF. Ergibt ja auch Sinn, denn es ist die gleiche Buchstabenfolge, nur rückwärts. Unterschiedliche Quellen im Internet sind der Meinung, dass der Ausruf aus der Gamerwelt stammt. Mittlerweile benutzt man ihn üblicherweise, um auszudrücken, dass etwas besonders toll ist. Der Satzbau sieht dann so aus: [Besonders tolle Sache] FTW! (Also zum Beispiel: „Faultiere FTW!“, „Himbeerbowle FTW!“ oder „Stephen Fry FTW!“)

Optisch ähnlich kommt WFH daher, das steht aber nur für „Working from home“ und ist ein hilfreicher Indikator (z.B. als Statusmeldung auf Skype) dafür, dass irgendjemand zwar prinzipiell zu erreichen ist, jedoch nicht im Büro anzutreffen sein wird. Ich erwähne das hier auch nur, weil ich zuerst immer WTF lese und mich dann wundere.

Möchte man volle Zustimmung zu irgendeinem Artikel oder Kommentar ausdrücken, dann hat man mehrere Möglichkeiten. „Word. oder „This.“ bieten sich an, außerdem „ACK„, das für Acknowledgement, also wörtlich „Zustimmung“ oder „Bestätigung“ steht. Wer’s noch einfacher haben will, der kann einfach einen Punkt setzen.

Einen weiteren Service für eher faule Internetbenutzer bietet die Abkürzung tl;dr. Sie steht für „too long, didn’t read“ und meint, dass ein Artikel zu lang war und man ihn deswegen nicht gelesen hat, sich aber gerne trotzdem dazu äußern würde. Ein verständlicher Wunsch, von dem ich aber trotzdem abraten möchte. Man sollte generell eher Texte kommentieren, die man auch gelesen hat. Mittlerweile sind viele Autoren dazu übergegangen, bei langen Artikeln einen mit tl;dr angeführten Absatz vor- oder nachzuschieben, in dem die Kernthese des Artikels kurz beschrieben wird.

Hilfreiche Abkürzungen, wenn man es mit besonders faulen Anwendern zu tun hat, sind LMGTFY und RTFM. Ersteres steht für „Let me google that for you“ und wird gerne angewendet, wenn man Fragen von Menschen bekommt, bei denen offensichtlich ist, dass sie nur zu faul waren, selber nachzugucken. Eine besonders passiv-aggressive Art auf solche Nachguck-Delegationen zu reagieren, ist ein Link zu www.lmgtfy.com mit dem passenden Suchbegriff. Zu befürchten bleibt, dass man es in solchen Situationen aber mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Typ Mensch zu tun hat, der diesen Wink mit dem Zaunpfahl nicht versteht oder geflissentlich ignoriert.

In eine ähnliche Kategorie fällt RTFM, das für „Read the fucking manual“ steht, also darauf verweist, dass alle Fragen beantwortet wären, wenn man sich einmal die Mühe gegeben hätte, ins Handbuch zu gucken.

Ein weiterer Fall für eine Abkürzung, die ich selber zunächst heimlich und verschämt nachgucken musste, ist SCNR, das für „Sorry, could not resist“ steht und vor allem verwendet wird, um sich für einen besonders dummen Witz zu entschuldigen, von dem man weiß, dass er dumm und offensichtlich war, sich aber irgendwie nicht zusammenreißen kannte. Entspricht also in etwa der deutschen „Steilvorlage“.

Und dann haben wir noch NSFW, eine wirklich hilfreiche Abkürzung, die für „Not safe for work“ steht und darauf hinweisen soll, dass verlinkte YouTube-Filme oder Webseiten nicht zwingend dazu geeignet sind, sie sich auf der Arbeit anzugucken. Es sei denn natürlich, man hat da sehr lockere Chefs.

(Es heißt natürlich nicht „Not suited for work“, wie ich zunächst behauptete sondern „Not safe for work“, wie Johannes richtig anmerkte. Der Sinn bleibt aber mehr oder weniger das gleiche, ich hoffe, ich habe da nicht zu viel Verwirrung gestiftet.)

Kommen wir nur zu den wirklich schönen Dingen im Internet. Smileys und anderweitige Symbolkombinationen. Mein mittlerweile zumindest gefühlt am häufigsten bemühter Smiley ist der Facepalmsmiley. Es hat auch nur ungefähr ein paar Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, dass dieses komische m( für einen unglücklichen Smiley steht, der sich verzweifelt die Hand vors Gesicht hält. Aber ach, manchmal braucht es eben auch eine späte Epiphanie.

(Wer jetzt fragt: „Facepalm, hö? Dafuq?“ Bei einem Facepalm handelt es sich um eine Beschreibung der Geste, wenn man sich aus Verzweiflung und vollkommenem Unverständnis die Hand vor die Augen hält. Wie zum Beispiel Captain Picard hier. Im Deutschen kann man auch „Gesichtspalme“ sagen. Das verstehen dann auch nur Internetmenschen.)

Ich rate aber dazu, vorsichtig mit den Facepalmsmileys umzugehen. Manchmal gehen sie mir aus, und dann muss ich mir welche von anderen Leuten borgen, die noch welche auf Vorrat haben.

Als letztes möchte ich über das <3, Kennern auch als kleinerdrei bekannt, reden. Alle, die sich dieses herzige Symbol nicht verderben lassen wollen, hören bitte JETZT auf, zu lesen, denn die folgende Erkenntnis wird die Sicht auf diese harmlose Zeichenfolge auf ewig ändern.

Alle, die jetzt noch tapfer weiter dabei sind, stellen sich dieses Symbol jetzt um neunzig Grad im Uhrzeigersinn gedreht vor. Okay? Also die Drei liegt unten, und das offene Dreieck zeigt mit der Spitze nach oben. Ham wer’s? Sehen Sie jetzt auch einen Zwerg, der sich im Wald zum Kacken auf den Boden gehockt hat?

Ja?

Bitte. Danke. Gern geschehen.

Anne erklärt das Internet: CAPTCHAs, reCAPTCHAs und der Turing-Test

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Heute erkläre ich mal etwas, das sowieso schon alle verstanden haben und weitestgehend doof finden, nämlich CAPTCHAs. Eigentlich wollte ich mal woanders über CAPTCHAs schreiben, nämlich in dem bislang ungeschriebenen Artikel darüber, warum ich Blogspot doof finde (Spoileralert: Ein Grund sind die vermaledeiten CAPTCHAs, die mich schon  mehr als einmal erfolgreich vom Kommentieren abgehalten haben), aber da sich die schriftliche Niederlegung dieses Rants anscheinend noch ein bisschen verzögert, schreibe ich einfach jetzt schon über CAPTCHAs und das andere dann eben irgendwann später.

Interessanterweise ist die CAPTCHA-Thematik nämlich gar nicht so uninteressant. Zunächst einmal aber ist sie ärgerlich und um hier sofort mit der Wahrheit rauszurücken und jeden Verdacht der Objektivität von mir zu weisen: Ich hasse CAPTCHAs! CAPTCHAs sind die ekligen Pickel jeder Bloggerplattform! Sie gehören verboten, ausgemerzt und geächtet! Aber natürlich gibt es sie nicht ohne Grund und grundsätzlich ist der Grund ihrer Existenz erst mal nachvollziehbar und gar nicht ganz so doof.

CAPTCHAs sollen böse Internetbots davon abhalten, doofe Sachen zu tun, indem man für Maschinen vermeintlich unlösbare Aufgaben in den Weg stellt und hofft, dass die Bots daran scheitern, der Mensch jedoch nicht.* Die Idee ist also erst mal gut und soll vor bösem Kommentarspam oder unbefugtem Zugriff auf Nutzerkonten schützen.

Leider werden auch Bots schlauer und das, was vor ein paar Jahren noch als effektiver Spamschutz durchging, konnte dann auch irgendwann automatisiert gelöst werden und musste dementsprechend undurchschaubarer werden. Und genau da liegt eines der Probleme: Ein Spamschutz, der auch für Menschen teilweise unlösbar ist, ist zwar immer noch wirksam gegen Bots, wirkt sich aber auch gerne demotivierend auf den Menschen aus, der zum dritten Mal die falschen Buchstaben eintippt, weil man es einfach verdammt noch mal nicht mehr lesen kann. Ich hatte schon CAPTCHAs, auf denen die Buchstaben so verzogen waren, dass sie an den Seiten aus dem Feld herausragten und dementsprechend nicht mehr identifizierbar waren. Bei anderen CAPTCHAs drücke ich mehrere Male auf den Refresh-Button, bis tatsächlich mal eine Buchstabenkombination kommt, die ich als einigermaßen intelligenter Mensch noch entziffern kann.

Mögen diese CAPTCHAs noch so wirksam sein, nach einer guten Lösung für das Problem sieht das nicht aus.

Es gibt aber auch immer Alternativen. Auf vielen Blogs ist es mittlerweile üblich, einfach eine Frage zu beantworten, die für einen Menschen ganz leicht lösbar ist, einen automatisierten Bot aber durchaus aus dem Konzept bringen kann. Gelegentlich wird hierfür eine Prise Allgemeinwissen vorausgesetzt und ob das immer und langfristig vor Spambots schützt, kann ich nicht sagen. Für den Menschen bedeutet es zwar immer noch, dass man etwas eingeben muss, das frustrierende Entziffern willkürlicher Buchstaben bleibt aber aus und ein Wort, das man kennt, tippt sich eben immer noch leichter.

Eine andere zumindest theoretische Lösung, von der ich nicht weiß, ob sie irgendwer mal umgesetzt hat und wie hoch die Erfolgsquote ist, sah folgendermaßen aus: Spambots befüllen bekanntlich Eingabefelder, die sie so vorfinden, automatisiert. Sie wissen nicht, was sich dahinter verbirgt und machen einfach mal. (Eventuell ist es komplizierter und die Bots sind auch hier mittlerweile schlauer.) Ein Vorschlag zur Spambotbekämpfung sah so aus, ein zusätzliches Eingabefeld einzubauen, dass zwar automatisch befüllt werden kann, aber für den (menschlichen) Nutzer nicht sichtbar ist. Die Idee ist dann, dass Spambots dieses Feld sicherheitshalber mal mit irgendeinem Unsinn befüllen, ein Mensch aber gar nicht in die Verlegenheit kommt, da das Feld für ihn nicht existiert.

Anstatt also den Bot daran zu erkennen, dass er etwas nicht tun kann, erwischt man ihn dabei, wie er etwas tut, was er eigentlich gar nicht tun dürfte. Man überlistet ihn mit seinem eigenen Übereifer beim Ausfüllen der Felder, während der Nutzer einfach nichts tun muss, um als Mensch erkannt zu werden.

Wie gesagt, ob dieses Konzept irgendwann umgesetzt wurde und ob nicht auch hier Bots lernfähig genug sind, um sich auch an dieser Hürde irgendwann vorbei zu mogeln, ich weiß es nicht. Interessant ist es allemal und zeigt sehr schön, wo die Schwachstellen bei automatisierten Spambots liegen.

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Überhaupt läuft das alles ja auf die Frage hin, wie man Mensch und Maschine überhaupt noch unterscheiden kann. Diese Frage scheint heutzutage schon allein ob solcher Spamärgernisse hochaktuell, sie ist aber tatsächlich schon etwas älter. 1950 schlug Alan Turing einen Test vor, um herauszufinden, ob eine Maschine ein mit dem Menschen vergleichbares Denkvermögen hat. Dieser Test heißt dementsprechend Turing-Test und läuft einem, wenn man es sich mal genauer anguckt, mittlerweile dauernd über den Weg, zum Beispiel, wenn ich mich mit Siri oder Anna von der IKEA-Homepage unterhalte, Menschen lassen sich von künstlicher Intelligenz sehr gerne übers Ohr hauen, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt sind, Aktionen nach ihrem Sinn hin zu interpretieren.

Dazu einen Schwank aus meinem Leben: Im Rahmen einer kleinen Kollegenchallenge habe ich mal an einer Lösung für ein „Vier gewinnt“-Spiel programmiert. Ich kam zwar nicht besonders weit, aber meine Implementation konnte am Ende doch mehr als nur zufällig irgendwo Steine reinwerfen und war damit ein bisschen schlauer als vorher, aber immer noch nicht besonders schlau. Tatsächlich lag die Stärke des Programms anderswo, nämlich in der Schwäche des Menschen, hinter jedem Zug eine Motivation zu vermuten. Obwohl ich wusste, was das Programm konnte und dementsprechend auch wusste, wann es rein zufällig agierte, neigte ich immer noch dazu, hinter jedem Zug eine Absicht zu vermuten. Zwar handelt es sich in diesem Fall um einen eher einfachen Fall von künstlicher Intelligenz (na ja, „Intelligenz“), der mit einem richtigen Turing-Test, bei dem eine Unterhaltung simuliert werden soll, nicht mehr viel zu tun hat. Zu befürchten bleibt aber, dass der Mensch mit dem ein oder anderen Trick einfacher zu überlisten ist, als wir das gerne hätten. (Ein Experiment, das in die gleiche Richtung geht, ist übrigens das sogenannte „Chinesische Zimmer“.)

Aber zurück zu den CAPTCHAs, deren Name tatsächlich ein Akronym ist, das für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart steht. (Ach guck, da isser wieder, der Turing-Test.)

Ein bisschen etwas positives lässt sich nämlich doch sagen. Google zum Beispiel hat sich nämlich überlegt, diese kleinen Plagegeister zu nutzen und jeden CAPTCHA-Entzifferer als menschliches OCR einzusetzen. Deswegen sieht man bei CAPTCHAs von Google-Diensten gerne zwei Wörter. Das Geheimnis ist hier: Nur eines der Wörter ist das eigentliche CAPTCHA. Dieses Wort ist bekannt und kann abgeglichen werden. Das andere Wort stammt (vereinfacht gesagt) aus einem abgescannten Text und konnte von der automatischen Texterkennung nicht eindeutig erkannt werden. Diese Leistung wird jetzt von uns Menschen übernommen, die zu Hause vorm Rechner sitzen und einfach nur einen Artikel auf einem Blog kommentieren wollen. Aus meiner ganz subjektiven Erfahrung würde ich behaupten, dass dabei die „offiziellen“ CAPTCHAs meist schwerer zu entziffern sind als die „richtigen“ Wörter, was natürlich auch daran liegt, dass die einen absichtlich unleserlich gestaltete willkürliche Buchstabenfolgen sind, während letztere meist nur ein bisschen zu verwaschen für die OCR-Software sind, ansonsten aber ganz normale Wörter.

CAPTCHA

Man rate, welches Wort das CAPTCHA ist und welches aus einem Text stammt.

Dies erklärt auch, warum es manchmal reicht, nur eines der Wörter einzutippen, denn tatsächlich wird ja nur eines abgeglichen und geprüft. Das andere ist Zusatzleistung im Dienste der Menschheit (oder zumindest im Dienste von Google). Mittlerweile nutzt Google dieses Prinzip auch, um unleserliche Hausnummern auf Street View entziffern zu lassen.

Diese Erweiterung des CAPTCHA-Prinzips ist auch als reCAPTCHA bekannt und auch wenn sich jetzt jeder selber überlegen muss, ob er es gut oder schlecht findet, dass er von Google als menschliches OCR missbraucht wird, ohne das zu wissen, so sehe ich hier ganz subjektiv und höchstpersönlich zumindest einen nachvollziehbaren Nutzen dieses nächtlichen Wadenkrampfes vieler Blogkommentarfunktionen.

Nach wie vor hoffe ich aber darauf, dass es irgendwann eine brauchbare Lösung gibt, und ich nie wieder meinen Rechner anbrüllen muss, weil ich zum dritten Mal eine unleserliche Buchstabenfolge nicht richtig eintippen kann. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

* Was fehlt: CAPTCHAs, die Trolle vor unlösbare Aufgaben stellen. Ein Weg in die richtige Richtung könnte sein, als Lösungsworte nur flauschige Begriffe zu verwenden. Wer trollt schon noch effektiv, wenn er gerade „kitten“, „rainbow“ oder „cupcake“ eingeben musste.**

** OMG, mit der Idee werd ich noch reich!!!!11!einself

Anne erklärt das Internet: Godwin’s Law

Wie wir alle wissen, sollte man Diskussionen in irgendwelchen Internetforen tunlichst meiden, am besten gar nicht lesen, erst recht nicht mitmachen und vor allem nicht erwarten, dass – sollte man den Fehler begehen, sich doch mit einzubringen – das Geschriebene in irgendeiner Form gelesen und verstanden wird.

Vor allem aber darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann im Verlauf solch einer Diskussion irgendwas mit Nazis oder Hitler kommt, denn dass das passiert, ist so gut wie sicher.

Wir wissen das auch schon seit über zwanzig Jahren, nämlich spätestens seit 1990, als Mike Godwin  folgendes feststellte und dieses Phänomen damit auch zu dem Namen „Godwin’s Law“ kam:

“As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.“

Je länger also eine Diskussion im Internet wird, desto größer die Chance, dass irgendwer einen Nazi- oder Hitlervergleich macht. Tatsächlich schrieb schon Richard Sexton 1989 in einem Posting:

“You can tell when a USENET discussion is getting old when one of the participents [sic] drags out Hitler and the Nazis.”

Das Phänomen ist also hinlänglich bekannt. Dabei geht es eher sekundär darum, ob die Erwähnung der Nazis oder Hitlers gerechtfertigt ist, es bleibt aber anzunehmen, dass dies in den meisten Fällen nicht so ist. Wer den Vergleich bringt, „gewinnt“ dabei einen Point Godwin, der ihm feierlich von anderen aufmerksamen Diskussionsteilnehmern überreicht werden darf.

Vor ungefähr einem Jahr erschien ein Artikel über weibliche Softwareentwickler im Spiegel Online, für den auch yours truly interviewt wurde. Von dem, worüber wir uns in dem knapp einstündigen Telefonat unterhalten hatten, blieben ein paar sehr zusammengekürzte  Zitate übrig, darunter auch eines, in dem ich in etwa sagte, dass ich es sehr begrüßen würde, wenn Informatik in der Schule zum Pflichtfach würde, und dafür möglicherweise ein anderes Fach (z.B. Physik, Chemie oder Biologie) wegfallen müsste, und man sich eben mal fragen sollte, was in Zukunft wichtiger sein würde.

Mal abgesehen davon, dass ich das im Interview selber anders und differenzierter gesagt habe, was man als Leser natürlich nicht wissen kann, weiß ich jetzt, dass Hitler sowas Ähnliches wohl auch schon mal zu Max Planck gesagt hat, denn das war – sensationell! – der erste Kommentar im SpOn-Forum! Der erste Kommentar! Und gleich ein Hitlervergleich! MIT MIR! Wahnsinn!

Leider gibt es den Kommentar nicht mehr, er wurde im Laufe der nächsten Stunden dann irgendwann moderiert und verschwand. Schade eigentlich, denn direkt im ersten Kommentar Godwin’s Law zu bestätigen, das muss man auch erst mal schaffen. Nicht zuletzt wäre es ein wunderbares Beispiel für dieses Internetphänomen gewesen, aber nun gut, dann eben ohne.

(Wer hier selber auch mal den Beweis für Godwin’s Law erbringen will, für den habe ich hier ein paar ganz heiße Tipps. Hitler war nämlich auch Vegetarier, hatte einen Schäferhund und liebte Richard Wagner. Ich denke, mit ein bisschen Kreativität lässt sich daraus auch etwas Schönes basteln.)

Anne erklärt das Internet: Die Nonmention

Es ist bekloppt, geradezu absurd, dass ausgerechnet ich erkläre, was eine Nonmention ist, denn ich habe erst letztes Jahr wirklich verstanden, was das eigentlich ist. Dabei ist es ganz einfach: Eine Nonmention ist eine Mention, die keine ist. Klar?

Nicht?

Okay, gut, dann anders. Wenn man auf Twitter jemanden ansprechen will, dann macht man das üblicherweise, indem man sein Twitterhandle, also den Namen inklusive dem @-Zeichen irgendwo in den Tweet einbaut, entweder mittendrin oder an den Anfang des Tweets. Das nennt man dann üblicherweise eine Mention. Steht das Twitterhandle am Anfang eines Tweets, und bezieht sich außerdem auf einen Tweet desjenigen, den man anspricht, so spricht man auch von einer Reply, denn man erwähnt ihn ja nicht nur, man antwortet ihm direkt.

Eine Nonmention ist, wenn man jemanden erwähnt bzw. meint, aber ohne Twitterhandle. So kann man erstens nicht direkt sehen, wer gemeint ist und zweitens bekommt die oder der Gemeinte auch keine hilfreiche Nachricht von Twitter, in der er darauf aufmerksam gemacht wird, das irgendjemand irgendwas über oder für ihn geschrieben hat.

Was das ganze soll, bleibt offen, wie so vieles bei Twitter. Vielleicht habe ich deswegen auch so lange gebraucht, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Ich vermute sogar, dass es auf Twitter mehr Diskussionen darüber gibt, ob irgendwas einen Nonmention sein sollte als tatsächliche Nonmentions. Nicht umsonst heißt es ja, die Kunst wäre, sich eben nicht dauernd gemeint zu fühlen, denn meistens ist man es auch gar nicht.

Aber weil das hier ja ein Serviceblog von außerordentlicher Güte ist, habe ich natürlich auch etwas vorbereitet. Genauer: Die Patschbella und ich haben da was vorbereitet und gestern Abend noch eine dieser possierlichen Nonmentions aus ihrer Erdhöhle gelockt und ein bisschen beim Herumschnuppern beobachtet.

(Und ihr fragt euch, warum ich diese Internetmenschen so liebe. Deswegen, genau deswegen!)

Anne erklärt das Internet: Der Streisand-Effekt

2003 klagte Barbra Streisand gegen einen Fotografen, der ein Luftbild ihres Hauses gemacht hatte, das in einer Galerie mit etwa 1.200 Bildern auf seiner Webseite zu sehen war. Tja, dumm gelaufen. Nicht nur, dass sie verlor, vor allem aber wurde erst wegen dieser Klage überhaupt bekannt, dass es sich bei diesem Haus um ihr Haus handelte. Vorher hatte sich niemand für das Bild interessiert, jetzt wusste jeder Bescheid.

Dieses Musterbeispiel dafür, wie man vielleicht eher nicht mit dem Internet umgehen sollte, heißt deswegen jetzt „Streisand-Effekt“. Den Streisand-Effekt kann man dann beobachten, wenn jemand großes Getöse macht, um etwas aus dem Internet zu entfernen, für dass sich vorher keine Sau interessierte. Oder, wie sich jetzt kürzlich zeigte, man kann sich sogar gegen Dinge wehren, die da gar nicht stehen. Sensationell, was alles geht!

Das hat nämlich jetzt die FAZ geschafft. Sie hat einen Blogger verklagt, weil er etwas geschrieben hat, das man mit viel Mühe und Fantasie ungünstig interpretieren kann, und außerdem auf einen Blog verwiesen, auf dem angeblich Vorwürfe erhoben würden, die da aber auch nicht so stehen, es sei denn, man möchte das so lesen. Konkreter steht da in einem Artikel die Formulierung „Schavan-Freundin“, bezogen auf eine Journalistin. Diese Journalistin wehrt sich nun gegen die Behauptung, sie wäre die Freundin bzw. Lebensgefährtin von Annette Schavan.

Mal abgesehen davon, dass die Reichweite beider Blogs vermutlich überschaubar ist, wie die Reichweite fast jeden Blogs im Vergleich zu beispielsweise der FAZ eher zu vernachlässigen sein dürfte und mal abgesehen davon, dass es schon einer gewissen Absicht bedarf, die Formulierung „Freundin“ in diesem Kontext auf eine sexuelle Beziehung zu beziehen, alles egal. Für den Fall, dass vielleicht doch ein bis zehn Leser auf diese Idee kommen könnten, sichert sich die FAZ doch lieber ab. Und mahnt einen Blogger ab wegen etwas, das er geschrieben hat und das man mit viel gutem Willen missverstehen kann, und etwas anderem, das er gar nicht geschrieben hat. Das ist immerhin mutig, wenn auch vielleicht ein bisschen übertrieben.

Jetzt macht die Sache natürlich ihre Runde und ja, ich helfe da gerne mit, denn ein bisschen Strafe muss doch sein. Was ich wirklich nicht verstehe ist, warum da nirgendwo ein Anwalt sitzt, der ruhig „Calme, calme“ sagt und einen Link zum Wikipedia-Artikel des Streisand-Effekts rumschickt. Ist sich da keiner darüber bewusst, dass so eine Aktion in erschreckend vielen Fällen locker nach hinten losgeht und man dann Aufmerksamkeit für genau die Sache bekommt, die man eigentlich unter den Teppich gekehrt haben wollte? Nein? Nicht? Na gut.

Ich empfehle in so einer Situation mal kurz über das Internet nachzudenken. Folgende Fragen fallen mir spontan ein: Wie viele Leute lesen diesen Artikel überhaupt? Wie viele davon interessieren sich ernsthaft dafür und haben das Gelesene nicht nach ein paar Minuten vergessen? Und wie schlimm wäre das überhaupt, wenn jemand, der diesen Artikel liest da vielleicht etwas falsch versteht? Die FAZ ist anscheinend der Meinung, dass es auf jeden Fall schlimm ist und eine Abmahnung schon angebracht wäre. Und auch, wenn die Geschichte ansonsten eher eine traurige ist, ein schönes Beispiel dafür, wie so ein Streisand-Effekt in freier Wildbahn aussieht, liefert sie allemal.