Category: Ausflug!

Warum ich nicht mehr zu Hohoffs kann

Gestern waren wir ein bisschen spontan in einem sehr teuren Restaurant in Dortmund-Deusen. Es handelt sich dabei um das Hohoffs 800°, wo man hauptsächlich hinfährt, um Steaks in diversen Variationen zu essen. Das macht dann im Wesentlichen auch den Preis aus, denn man bekommt hier nur gutes Fleisch, und das ist eben nicht ganz günstig.

Nun muss man vielleicht noch wissen, dass Steaks in diesem Haushalt sehr ernst genommen werden. Hier wird nicht eben mal so ein Stück Fleisch in die Pfanne gehauen, die Zubereitung wird zelebriert mit gusseiserner Pfanne und Fleischthermometer und allem Drum und Dran. Ich werde auch immer etwas irritiert angeguckt, wenn ich etwas von “Beilagen” oder “Salat” erzähle. Soße gibt es hier nicht.

Wir saßen also im Hohoffs auf der Terrasse, hatten leckeres Steak aus den USA und Irland auf dem Teller, dazu Süßkartoffelpüree und gegrillte Paprika, als sich eine Vierergruppe an den Nebentisch setzte. Zwei Damen, zwei Herren mittleren Alters, es gab die Karten und dann ging das Unglück los.

Schon bei der internen Beratung am Tisch wollte ich korrigierend eingreifen.

“Ich nehme ja immer medium plus, das ist sowas zwischen medium und durch.” (“UM GOTTES WILLEN, nehmen Sie bloß nichts, was durch ist, dafür ist das Fleisch doch viel zu schade!”)

“Ich mag das nicht mit dem Blut.” (“Aber das weiß man doch mittlerweile, dass das kein Blut ist, sondern Fleischsaft!)

“Dann bestellen wir zwei Soßen, ja?” (“Wofür denn Soße? Da brauchen Sie auch kein Fleisch für 30 Euro zu bestellen!”)

Tatsächlich versuchten sie dann “medium plus” zu bestellen, was der Service aber auch nicht wirklich verstand und zu “medium” korrigierte.

Als dann eine der Damen beim Blick auf die Dessertkarte etwas von “Expresso” vorlas, lag ich – zumindest metaphorisch – wimmernd unter dem Tisch und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Aber da durften wir auch schon die Rechnung bestellen. Ein Glück. Ich weiß nicht, ob ich mich noch weiter zusammenreißen hätte können.

Und deswegen kann ich vielleicht nicht mehr zu Hohoffs. Oder nur dann, wenn am Nebentisch Leute sitzen, die entweder sehr leise reden, oder sich ihr Steak nicht durchbraten und mit drei verschiedenen Soßen servieren lassen.

Webgedöns wegen Tödlichem Männerschnupfen

Ich würde total gerne was über den Besuch bei der Bäckerei Förster schreiben, bei der wir mit Stollen, Keksen und Schokolade abgefüllt wurden und nach Hause hätten rollen können, wenn es nach Hause nicht (zumindest teilweise) bergauf gegangen wäre.

Stollentesten

Stollentesten (Serviervorschlag)

Ebenso gerne würde ich etwas über Antwerpen schreiben. Also über Antwerpen und den Antwerpener Bahnhof und natürlich über den “Der Rosenkavalier”, der in der Antwerpener Oper von Christoph Waltz inszeniert wurde und wirklich sehr gut war. (Das ist schon mal die Kurzfassung für Leute, die sich fragen, ob sich das lohnt: Ja, tut es.)

Frituur

Antwerpen (Serviervorschlag)

Statt dessen liege ich im Bett und schniefe und huste, weil mich gestern Abend wieder mal der Tödliche Männerschnupfen heimsuchte und sich jetzt mittlerweile im Kopf schön breit gemacht hat.

Oper

Hochkultur (Serviervorschlag)

Was Sie aber machen können: Schon mal bei Sandra und Doreen lesen, wie’s beim Stollentesten war, oder bei diversen Zeitungen nachlesen, wie die Journalisten Waltz’ Inszenierung fanden. (Spoiler: Von gelungen bis gescheitert ist alles dabei, googeln Sie halt nach “Rosenkavalier Waltz”, und Sie können sich was aussuchen.) Ich fand die Kritik auf Nachtkritik.de am zutreffendsten, habe jetzt aber auch nicht alles gelesen.

Oper II

Der Rosenkavalier (Serviervorschlag)

Und wenn Ihnen dann immer noch langweilig sind, können Sie ja meinen Artikel über das schlechteste Buch des Jahres lesen, den ich letzte Woche noch schrieb, also damals, vor dem tödlichen Männerschnupfen. Im CULTurMAG steht jetzt jedenfalls, warum ich Joël Dickers Bestseller “Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert” [Werbelink, wenn Sie sich dieses Buch trotz aller Warnungen kaufen, möchte ich wenigstens etwas davon abbekommen] so unfassbar furchtbar fand. Ich habe es trotzdem komplett gelesen bzw. gehört, es war ja ein Hörbuch, was das Raussuchen der schönsten Zitate erheblich erschwert, aber ich schweife ab. Lesen Sie dieses Buch nicht. Oder warten Sie, bis es als Taschenbuch rauskommt und geben Sie wenigstens nicht so viel Geld dafür aus. Wofür es taugt: Die Leute in irgendwelchen sozialen Netzwerken mit Gejammer und Zitaten amüsieren. Immerhin.

Ich geh jetzt noch etwas husten und schniefen.

Recklinghausen leuchtet! Echt jetzt!

Die Schwiegereltern sind ja schon länger in Rente, haben dementsprechend viel Zeit und möchten einen dann gerne besuchen kommen. Dann muss schnell ein Schwiegerelternanimationsprogramm her und man ist sehr dankbar, wenn sich Recklinghausen spontan erbarmt und mal kurz die Stadt beleuchtet.

Rein vom Zeitplan her war das irgendwie anders geplant und wir wollten uns vorher noch Recklinghausen bei Tageslicht angucken. Dann fiel dem werten Herrn Gemahl aber ein Inlay raus und wir testeten den örtlichen zahnärztlichen Notfalldienst mit der Folge, dass die Schwiegereltern und ich jetzt wissen, wie Schloss Borbeck aussieht und wir jetzt anscheinend einen neuen Zahnarzt haben, der in der ersten Runde mit patentem Inlay-wieder-Reinbasteln souverän überzeugen konnte.

Aber das hat jetzt gar nichts mit Recklinghausen zu tun, nur damit, dass wir jetzt trotzdem nur wissen, wie Recklinghausen bei Nacht und beleuchtet aussieht, denn als wir dann ankamen, hatten alle ganz fürchterlichen Hunger oder mussten auf Toilette oder beides. Deswegen gingen wir erstmal was essen und als wir damit fertig waren, war es schon dunkel.

Dunkel war es auch gar nicht so wirklich, Recklinghausen leuchtet im Moment nämlich. Im ganzen Stadtkern ist überall irgendwas beleuchtet. Die Kirchen, die Schule, die Häuser, die Bäume und was man sonst noch beleuchten kann. Das ist sehr hübsch und sympathisch unprätentiös, man kann einfach wild durch die Stadt laufen und an der nächsten Ecke ist wieder irgendwas blau oder pink oder ganz bunt. Außerdem gibt es dauernd irgendwo Currywurst oder Erbsensuppe, aber gegessen hatten wir ja schon. Generell ist die Anwesenheit von Currywurst und Erbsensuppe aber auch nett und sympatisch unprätentiös.

Der Spaß geht noch bis zum 10. November, es empfiehlt sich, abends zu kommen, sonst sieht man es nicht, da kann man nichts machen, das liegt an der Uhrzeit. Wer mehr wissen will, guckt hier: http://www.re-leuchtet.de/

(Als wir dann nach Hause fuhren, lief auf WDR 2 wieder so eine von den Sendungen, wo gute Musik gespielt wird. Das irritiert mich immer fürchterlich, weil es mich in den Grundfesten meiner Überzeugung, was Mainstreamradio angeht, erschüttert. Und dann passierten wir gerade das Ortseingangsschild von Bochum-Riemke und Grönemeyer schmetterte “Bochum, ich komm aus dir” aus den Lautsprechern. In solchen Momenten ist das Ruhrgebiet ganz schön magisch. Echt jetzt.)

Pfeil

Schule

Lichterkette

Eulen

Bunt

Blau

Bunt und unscharf

Scheinwerfer

Straße

Tante Emma

Laternen

Fachwerk

Mehr bunt

Kirche

Noch bunter

Dingse

Baum

Grün

Rosa

Fackel

Noch ne Fackel

Grün und pink

Glasding

Kerze

Zum ersten Mal: In einem Porsche Oldtimer durchs Ruhrgebiet heizen

tl;dr: Ich durfte in einem Porsche 911 von 1965 mitfahren und wurde dabei Sachen gefragt. Das Ergebnis ist das folgende Video.

Eins vorweg: Zu keiner Zeit saß ich in dieser Geschichte am Steuer. Ich hätte das auch nicht gewollt, aus diversen Gründen. Es ist also noch immer Platz für ein erstes Mal mit dem Titel “SELBER PORSCHE FAHREN!!!” in ungewisser Zukunft, aber dann sicherlich auch in Großbuchstaben und mit noch mehr Ausrufezeichen. Aber das kann noch dauern, wenn es überhaupt jemals passiert.

Jerry

Jetzt aber von vorne. Es ist Freitag am späten Nachmittag und ich stehe unten vorm Haus und warte auf hansbahnhof und Jerry, die sich für zehn nach sechs angekündigt haben. Ich habe mich standesgemäß angezogen, trage ein Kleid mit wilden Mustern mit Petticoat drunter und ein Hütchen. Lederhandschuhe und wehende Schals waren leider aus. Pünktlich um zehn nach sechs kommen sie auch um die Ecke. Jerry, das ist das kleine weiße Auto, und hansbahnhof sitzt drin und holt mich zum Laienporschefahren ab. Wie das so aussieht, wenn ein Porsche 911 von 1965 auf einen zukommt, das sieht man dann auch in dem folgenden Video.

hansbahnhof hatte mich schon vorgewarnt, dass er den Wagen leider im Moment nicht ausmachen könnte, weil er dann vielleicht nicht mehr anspringt, also gibt es keinen langen Begrüßungskram, wir steigen wieder ein und fahren los. Erster Eindruck: Man sitzt sehr tief in so einem Auto, aber dafür erstaunlich bequem. Was mir auch nicht klar war: Eigentlich ist das ein Viersitzer, hinten ist auch noch Platz, und gar nicht so wenig. Allerdings kann man sich da nicht anschnallen. Vorne schon, aber auch da müssen die Gurte wohl extra angebracht werden. So verstehe ich das jedenfalls, was hansbahnhof mir erzählt, ich kenne mich ja nicht aus. Überhaupt werde ich in den nächsten zwei Stunden sehr viel nicken und trotzdem aber nur die Hälfte verstehen. Radstand, hm? War was?

Tür

Dann geht es aber los und ich gucke erst mal das Auto an. Es riecht wie ein sehr altes Auto und vor allem sieht es auch so aus. Alles in Holzoptik, die Sitze aus schwarzem Kunstleder, insgesamt doch ein bisschen abgerockt, aber sehr schick. “Willst du irgendwo hin?” fragt hansbahnhof. “Nö”, sage ich. “Musst du irgendwann zurück sein?” “Nö.” Ey, ich fahr hier zum ersten Mal in einem alten Porsche, da mach ich doch nicht noch irgendwelche anderweitigen Termine am gleichen Abend.

“Dann fahr ich jetzt nach Mülheim und zeig dir eine meiner Lieblingsstrecken”, sagt hansbahnhof und wir fahren auf die A40 und dann nach Mülheim und dann irgendwie durch Mülheim, bis wir auf einem Parkplatz stehen und die Technik auspacken. Was ich in der Zwischenzeit gelernt habe: Es ist ein bisschen laut, vor allem aber deutlich rumpeliger als bei modernen Autos. Sobald man irgendwo drüber fährt, wackelt es sehr. Elektronisch ist hier nix, und der Spiegel an der rechten Außenseite ist nur ein Zierspiegel, allerdings ein sehr hübscher Zierspiegel: “Da sieht man maximal die Straße.” Dafür ist das Lenkrad sehr schön, man möchte es die ganze Zeit streicheln. Außerdem finde ich eine Klimaanlage. Vielmehr finde ich das Loch, aus dem die Klimaanlage, die mal im Kofferraum war, die Luft ins Auto gepustet hat. Jerry kommt nämlich aus Amerika, und da ist ja in allem eine Klimaanlage, wo man eine Klimaanlage reinbauen kann. Jetzt gibt es aber keine Klimaanlage mehr, nur noch das Loch und durch das wird weiterhin Luft ins Auto gepustet, so dass die Füße des Beifahrers schön Wind bekommen.

Zierspiegel

Zierspiegel. Kann man nie genug von haben.

Was ich auch noch gelernt habe: Die Leute gucken. Manchen winkt man zu. Manchen nicht. Es gibt da anscheinend sehr komplizierte Grußregelungen, je nach dem Fahruntersatz des Gegenübers. Was ich behalten habe: Käferfahrer grüßt man immer. Als halb verklemmte Rampensau wäre so ein Oldtimer also eigentlich super für mich. Dauernd würden mir Leute hinterhergucken, aber ich müsste gar nicht viel reagieren. Total gut. Aber allein für diesen Aspekt wäre so ein Auto dann doch vielleicht ein bisschen zu teuer und zu aufwändig.

Auf dem Parkplatz montieren wir die Technik. Also, eigentlich montiert hansbahnhof und ich kommentiere das sehr hilfreich. Mikro, Kamera, passt. Denn dafür sind wir ja hier, um zu filmen wie Laienporschefahrer zum ersten Mal in einem Porsche fahren. Was dann die nächsten Minuten passiert kann man in dem fertigen Video sehen, in dem ich wieder sehr wirres Zeug rede, an das ich mich nachher beim besten Willen nicht erinnern kann. Wie immer eigentlich, wenn ich irgendwo irgendwas erzählen muss.

Technik

Wir fahren durch Mülheim und dann irgendwie unter der großen Autobahnbrücke durch und dann Richtung Heiligenhaus oder Velbert und dann wieder Richtung Essen. Es ist überall grün und es gibt viele lustige Kurven bergab und bergauf und wenn hansbahnhof dann Gas gibt, ist es ein bisschen wie Raupefahren auf der Kirmes, nur mit weniger Lautsprecheranimation.

In Kettwig montieren wir die Außenkamera dann auch mal außen an den Wagen und ich darf dafür mit der Handkamera filmen. Ich bin endlich Kamerakind! Dafür braucht man gar nicht zu “Eins, zwei oder drei”! Es geht auch so! Ich filme hansbahnhof beim Schalten, ich filme nach vorne, ich filme ein bisschen das Armaturenbretter, ich filme meine Füße und ich filme das iPhone, auf dem man sieht, was die Außenkamera gerade filmt und fühle mich dabei sehr meta.

Knüppelding

Dann sind wir in Werden, wo die Außenkamera vorne auf den Kofferraum gesetzt wird und ein Passant sich sehr für Jerry interessiert. Dann kommt noch jemand, der nach Kupferdreh möchte, also fahren wir jetzt wieder zurück nach Kupferdreh, um dem Menschen, der nach Kupferdreh möchte, zu zeigen, wie er nach Kupferdreh kommt. (Für Nicht-Essener: Ich denke mir diese Stadtteilnamen nicht aus. Das gibt es alles wirklich.) Und dann fahren wir noch ein bisschen rum, machen Fotos auf einem Feldweg (unter anderem ein Bild, wo nur der Porsche drauf sein soll, was nur dann klappt, wenn ich mich kurz ganz klein mache und hinter dem Porsche verstecke), fahren dann rückwärts wieder zur Straße und dann auf mehr oder weniger direktem Weg nach Hause.

Fotosession


Zwei Stunden Porsche fahren. Zwei Stunden, in denen ich ein bisschen um mein Leben bangte, ziemlich oft “HUIIIII!” sagte und ein paar Mal hustete, weil Jerry beim Gasgeben doch deutliche Benzindüfte versprüht. Zwei Stunden quer durchs Ruhrgebiet, Berge rauf und runter, alles war grün, die Sonne meinte es sehr gut mit uns und Jerry auch. Wir haben ihn aber auch kein einziges Mal ausgemacht. So mutig war dann doch keiner.

Tür auf

Selber bin ich wahrscheinlich doch ein bisschen zu pragmatisch für einen Oldtimer. Ich brauche ein Auto, mit dem man zu IKEA fahren und Billy-Regale kaufen kann und das möglichst selten kaputt ist und wenn doch, dann möglichst einfach zu reparieren ist. Aber schön ist so ein altes Auto schon. Also sehr schön. Und überraschend bequem. Sollte man mir also eins schenken wollen, würde ich auf jeden Fall drüber nachdenken, und nicht sofort ablehnen. Vor allem aber würde ich jederzeit wieder mit Jerry fahren. Und mit hansbahnhof natürlich, aber das eine geht vermutlich auch gar nicht ohne das andere.

Wer mehr über Jerry oder Porsche Oldtimer wissen möchte, kann das bei hansbahnhof auf dem Blog nachlesen.

Rad

Prima Vista Lesung im Gloria-Theater in Köln

Gloria

Von der Tirili-Lesung in Hamburg ging es mit nur einer winzigen Unterbrechung zur nächsten Lesung im etwas näher gelegenen Köln. Da ich bisher immer mit einer beeindruckenden Verlässlichkeit daran gescheitert bin, rechtzeitig Karten für die berühmt-berüchtigten Record Release Partys der Drei ???-Hörspiele zu bekommen, habe ich einfach das nächstbeste gemacht und Karten für die fast genauso berühmt-berüchtigte Prima Vista Lesung gekauft.

Currywurst

Also gab es am Samstag einen schönen Köln-Ausflug, der nach ein bisschen Rumlaufen und einer schnellen Currywurst auf der Ehrenstraße im ausverkauften Gloria-Theater (auch berühmt-berüchtigt) endet. Wir schaffen es, noch zwei Plätze relativ weit vorne zu ergattern und haben so netterweise einen ganz guten Blick auf die Bühne. Ein Tisch mit lustigen Glitzerpapphütchen, Weinflaschen, Wasser und anderem Kram. Davor auf dem Boden sammen sich so langsam Bücher und ausgedruckte Zettel, immer mehr Zuschauer kommen nach vorne und legen irgendwas hin oder gucken, was andere so hingelegt hat.

Texte

Währenddessen läuft ein Theaterköbes mit einem Kölschkranz herum, dem ich in einem glücklichen Moment die letzten beiden Kölsch abnehmen kann, denn mit Kölsch wartet es sich bekanntlich besser.

Kurz nach 19 Uhr geht es dann aber auch los. David Nathan (die deutsche Stimme von Johnny Depp und Christian Bale) und Simon Jäger (die deutsche Stimme von Matt Damon und Heath Ledger) betreten unter Applaus die Bühne, beide stecken in schwarzen Adidasanzügen und tragen schwarze Hüte, haben sich also ebenfalls für diesen Abend schick gemacht. Beim Anblick der Textmassen auf dem Fußboden wird erstmal über die vermutliche Dauer der Lesung spekuliert: “Müsst ihr noch weg oder habt ihr Zeit? Vor sechs Uhr kommen wir hier nicht raus.” Das Publikum ist entzückt.

Und so machen es sich David und Simon erst mal auf dem Boden bequem, holen sich Weingläser und Wein dazu, greifen zum ersten Buch und fangen an zu lesen. Drei irrwitzig anarchische und grandios komische Stunden stehen uns bevor und wie könnte man besser starten als mit Monty Python. Schnell wird klar, was für ein eingespieltes Team da auf der Bühne sitzt. Die machen das nicht zum ersten Mal, also sowohl Vorlesen als auch Vorlesen unter diesen speziellen Bedingungen.

Boden

Es folgen Texte von Loriot, irgendwas Ausgedrucktes aus dem Internet (zum Beispiel “Radkäppchen und der böse Golf”, dessen Wortspiele zumindest David Nathan immer wieder physische Schmerzen zuzufügen scheinen), Wolf Haas, Daniel Kehlmann, Jürgen Sprenzinger (dem “Sehr geehrter Herr Maggi”-Mann) und Warren Ellis. Von letzterem liegt “Gott schütze Amerika” auf der Bühne. “So muss ein Buch anfangen”, lobt David Nathan und liest vor: “Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste.” Der Bücherspender bekommt einen Schnaps und nach ein paar Seiten geht es zum nächsten Buch, dass wir, so Nathan “im Gegensatz zu dem letzten Buch alle nicht kaufen.” Es ist “Der Kuss des Wikingers” von Sandra Hill und bei allem Spaß, den die beiden Sprecher auf der Bühne mit der Live-Spontan-Vertonung dieses Wunderwerkes haben, nein, ich glaube, das möchte ich wirklich nicht kaufen.

Horst Evers und Walter Moers werden nach wenigen Absätzen weggelegt. Der Evers, weil David Nathan keine Bücher möchte, in denen das Wort “heile” vorkommt und Moers einfach so, weil er gerade keine Lust drauf hat. Dafür nehmen sich beide der Herausforderung an, einen Comic von Neil Gaiman (der, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden, fälschlicherweise als Manga bezeichnet wird) szenisch darzustellen, was genauso daneben geht, wie es daneben gehen muss, aber gerade deswegen zu den Highlights des Abends gehört, auch wenn sich kein Zuschauer findet, der die Rolle des umhertollenden Kindes übernehmen will, so dass sich dann doch Simon Jäger aufopfern muss.

Lesend

Bei einer Känguru-Geschichte von Marc-Uwe Kling kommt Berlin-Lokalpatriotismus ins Spiel. “Ich mach Westberlin und du machst Ostberlin.” Als ob in Köln da jemand den Unterschied hören könnte. (Aber wer weiß, vielleicht sind ja auch Berliner im Publikum, möglich ist alles.)

Ein weiteres Highlight des Abends kommt mit dem Buch “Regelschmerz Ade: Die freie Menstruation”, das dann nicht nur zu Entspannungsmusik, sondern auch noch parallel mit Freud gelesen wird, und irgendwann lache ich nur noch Tränen und möchte eigentlich, dass das so schnell nicht aufhört. Zum Schluss gibt es noch mal die zwei Herren im Bad von Loriot und dann ist nach knapp drei Stunden Schluss.

Bühne

Es war irgendwie alles toll an diesem Abend. Die Sprecher, der Musikmensch, die Texte und Bücher, das begeisterte Publikum, das Theater, das Kölsch und überhaupt alles. Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, dass diese Lesungen regelmäßig ausverkauft sind, man möchte eigentlich sofort die Karten für die nächste Lesung kaufen und Freunde mitnehmen. Auch der Mann, der etwas irritiert war, als ich ihm mitteilte, wir würden zu einer Lesung gehen, wo zwei Sprecher mitgebrachte Texte vorlesen würden, war begeistert. Besser geht es eigentlich nicht.

Ich kann die Prima Vista Lesungen wirklich uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen. Selten gingen drei Stunden so schnell rum und erschien mir eine Pause so endlos lang. Neben David Nathan und Simon Jäger ist mit Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt noch ein zweites Team im Rahmen dieses Lesungskonzepts unterwegs. Termine kann man in der Lauscherlounge erfahren.

Webseite der Prima Vista Lesungen

Webseite der Lauscherlounge

Miniausflug nach Hamburg zur Tirili-Lesung

Wenn nette Leute lesen, soll man sich das ja nicht entgehen lassen. In Hamburg zum Beispiel lesen zwei Mal im Jahr unglaublich nette Leute. Vermutlich gibt es sogar noch mehr Lesungen mit netten Leuten, kann ich mir gut vorstellen, aber die werden dann nicht von Maximilian Buddenbohm und Isabel Bogdan organisiert und moderiert. Die Frühlingslesung “Tirili” und die Herbstlesung “Bonjour Tristesse” hingegen schon und wenn das nicht ein Grund ist, nach Hamburg zu fahren, dann weiß ich auch nicht.

Kurz vor 18 Uhr am Donnerstag kam ich also zum zweiten Mal in meinem ganzen Leben wieder am Hamburger Hauptbahnhof an. Zum Kofferabladen und kurzem Erholen ging es dann zu Isa und von da aus etwas später nach St. Pauli zur “Le Kaschemme”, einer kleinen Restaurantkneipe, in der die Lesungen üblicherweise statt finden.

(Ich trug übrigens einen Mikrofonständer, habe es aber dank unmenschlicher Willensstärke geschafft, keinen dummen “Ich habe einen Mikrofonständer getragen”-Witz zu machen. Aber das nur nebenbei.)

Eigentlich wollte ich ja Herrn Buddenbohm und Frau Bogdan lesen hören, aber wie das so ist, entschlossen sich die beiden bei der Planung spontan und ohne Rücksprache mit mir zu halten, dass sie jetzt in zehn Lesungen genug selber gelesen hätten und lieber nur moderieren wollten. Dafür würden drei andere tolle Menschen lesen, nämlich Pia Ziefle, Bov Bjerg und Stevan Paul. Also freute ich mich vor allem auf Pia Ziefle, deren Debüt “Suna” ich ja vor allem deswegen noch nicht gelesen habe, weil ich das eigentlich erst nach einer Lesung machen wollte. Aber wie das so ist, musste Pia Ziefle wegen Krankheit absagen. Nachdem ich also viele gute Besserungswünsche in den Süden geschickt und fertig geschmollt hatte, freute ich mich statt dessen auf Katrin Seddig. Auch gut.

Was auf der Lesung selber passierte, kann man schön bei Herrn Buddenbohm oder Frau Frische Brise nachlesen, zwei der drei Vorträge kann man sich sogar anhören. Ich kann dazu nur sagen: Schön war’s. Also richtig schön. Man hört ja viel zu selten Leuten beim Vorlesen zu, und dieses bunt gemischte Tütchen schöner Texte von netten Menschen mit gar nicht so viel davor und dahinter, einfach hinkommen, hinsetzen, Rotwein trinken und lauschen, das ist eine extrem schöne und sehr empfehlenswerte Art, einen Abend zu verbringen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich kann das nur wärmstens empfehlen.

Ein bisschen war das ja so gedacht, dass ich zumindest einmal, ein einziges Mal im Leben, bei einer Tirili-Lesung (alternativ auch Bonjour Tristesse) gewesen sein wollte. Nach diesem Abend befürchte ich ein bisschen, dass es nicht bei einem Mal bleiben wird.

(Hatte ich erwähnt, dass ich dieses Kleinod-Geheim-Event nur empfehlen kann? Nein? Ja? Na gut, dann halt noch mal.)

Ein herzlicher Dank also an Katrin Seddig, Bov Bjerg und Stevan Paul fürs Schreiben und Vorlesen und natürlich ein ebenso herzlicher Dank an Maximilian Buddenbohm und Isabel Bogdan fürs Organisieren, Moderieren und Schlafcouch-zur-Verfügung-Stellen. Bis zum Herbst oder so.

Karfreitag in Meersburg

So ganz sind wir doch nicht drumrum gekommen und haben am Osterwochenende ein paar Tage bei den Schwiegereltern am Bodensee verbracht. Da war das Wetter allerdings auch nur bedingt schön, eigentlich war es nur am Freitag erträglich, und zwar ungefähr bis am frühen Nachmittag, denn dann fing es an zu regnen und hörte auch nicht mehr auf.

Aber immerhin waren wir ausgerechnet am Freitagvormittag in Meersburg. Erst Fähre fahren (bzw. FÄÄÄÄÄÄÄÄHRE FAHRN!) und dann einmal an der Seepromenade lang, dann ein bisschen durch die Unterstadt und dann auf Treppen an kleinen Weinbergen vorbei hoch in die Oberstadt. Hier heißen die Stadtteile noch so, dass man versteht, was gemeint ist. Unten die Unterstadt, oben die Oberstadt. Klar. Und in der Oberstadt ist dann auch die Burg, also eigentlich zwei davon, und man kann bestimmt total viel über die neue und die alte Burg lernen, wenn man ein bisschen interessierter wäre. Sind wir aber nicht, vor allem, weil wir irgendwann Hunger kriegen. Hunger wirkt immer kontraproduktiv auf Bildungsmöglichkeiten ein.

Also wandern wir wieder runter aus der Oberstadt in die Unterstadt und zurück zur Fähre nach Konstanz, vorbei an diversen Läden, die sogar heute geöffnet haben, an Karfreitag, wie geht denn sowas? Und wie immer bleibt die Ahnung zurück, dass es hier am Bodensee bestimmt total hübsch ist, im Sommer zum Beispiel oder generell, wenn die Sonne scheint und man an der Seepromenade rumsitzen und auf den See gucken kann, stundenlang am besten. Aber heute ist es kalt und dann fängt es auch noch an zu regnen. Beim nächsten Mal vielleicht. Oder auch nicht. Mal gucken.

Fähre

Rettungsreifen

Bänke

Plakat

Dach

Stadt mit Burg

Ente

Wollzeug

Verein

Blümchen

Ostern 2013

Eier

Pustebär

Ein Bär, der Seifenblasen macht. Warum steht sowas nicht bei uns zu Hause rum?

Meersburg

Gaststätte

Dächer

Wassermühle

Größte Faszination: Ein funktionierendes Wasserrad. Toll.

Guckkasten

Meersburg gibt sich sehr viel Mühe, Touristenort zu sein.

Gasse

Burg

Burgzinnen. Ich wollte eigentlich nur mal Burgzinnen schreiben. Hab ich, glaub ich, noch nie gemacht.

Verboten

Disco

See

Der Bodensee ist jetzt übrigens selbst für die Fische zu sauber. (1. Irgendwas ist immer. 2. Ökologie ist eine empfindliche Mimose.)

Camera Obscura im Wasserturm in Mülheim an der Ruhr

Film

Eine Camera Obscura hatten wir uns in Edinburgh ja schon angeguckt und für toll befunden. Eher zufällig entdeckte ich, dass es auch in Mülheim an der Ruhr so eine begehbare Kamera gibt und als es im letzten Jahr darum ging, die Schwiegereltern ein bisschen zu belustigen, planten wir schnell einen Ausflug in die Nachbarstadt mit mittelalterlichem Weihnachtsmarkt, schottischem Essen und eben einem Besuch der Camera Obscura im alten Wasserturm.

Die Camera Obscura befindet sich in der Kuppel des Broicher Wasserturms in Mülheim an der Ruhr, in den unteren Etagen des Turms befindet sich das Museum zur Vorgeschichte des Films. Die Exponate, so erfahren wir, stammen alle aus einer Privatsammlung und zeigen vom Schattenspiel über Guckkästen, Thaumatrope, Kaleidoskope und vielen anderen spannenden Apparaturen und optischen Täuschungen wie die Bilder laufen lernten oder mit ein paar Kniffen auch vor über hundert Jahren schon 3D-Effekte erzielt wurden.

Turm

Dabei gefällt mir vor allem die Überschaubarkeit der Sammlung. Klingt erst mal komisch, aber nach meiner ganz persönlichen Erfahrung bleiben Museen mit kleinen Sammlungen besser im Kopf als solche, bei denen man nach zwei Stunden gefühlt tausend Sachen gesehen hat und sich deswegen an keine mehr erinnern kann.

Im Museum zur Vorgeschichte des Films dagegen kann man sich in Ruhe umgucken, an Knöpfchen drücken, an Hebeln ziehen, an Rädern drehen und durch Gucklöcher gucken, und weiß beim letzten Exponat trotzdem noch, was man beim ersten Exponat gesehen hat.

Schattenspiel

Gucken

Exponat

(In dieser schönen Tradition steht auch das Whiskey-Museum in Edinburgh. Kann ich nur empfehlen, da weiß ich noch fast alles, was mir da erklärt und gezeigt wurde.)

Nachdem wir also fleißig geguckt, gedreht und gedrückt haben, geht’s ganz nach oben zur Camera Obscura und dann geht es auch schon los.

Eine Camera Obscura funktioniert so: Man ist in einem Runde Raum, in dessen Mitte ein großer runder weißer Tisch steht. in der Mitte des Raumes also zentral über dem Tisch ist ein Loch in der Kuppel und da fällt das Licht rein. Dann braucht man noch ein paar Spiegel, die man steuern und drehen kann und dann ist die Camera Obscura fertig. Also, so ungefähr jedenfalls, es ist vermutlich in der Praxis noch ein bisschen komplizierter.

Camera Obscura

Das, was man dann hat, ist eine begehbare Kamera. Das Licht geht aus, die Spiegel werden in Position gedreht und auf einmal ist das Mülheim an der Ruhr auf dem weißen Tisch. Weil Winter ist und wir mal wieder ein bisschen getrödelt haben, ist das Bild schon etwas dunkel, aber nachdem sich die Augen dran gewöhnt haben, erkennt man allmählich, was man von der Kuppel aus so von Mülheim sieht. Gebäudesilhouetten, Menschen, die auf Plätzen rumlaufen und dann, das ist am lustigsten: Autos und Ampeln.

Autos und Ampeln sind am lustigsten, weil sie in bunten Farben leuchten und man sie deswegen am besten sieht. Bei einer Kreuzung warten wir, bis die Ampel von rot auf grün umspringt und die wartenden Autos losfahren. Auch auf der anderen Seite der Ruhr, da wo das Stadtzentrum ist, können wir erkennen, wo die Autos langfahren, zeigen “Hier!” und “Da!” und warten einfach noch mal eine Ampelphase ab. Weil wir’s können!

Irgendwann sind wir wieder da angekommen, wo wir mit unserer Kamera-Beobachtungstour angefangen haben. Toll war das. Obwohl’s ein bisschen dunkel war. Oder eben weil es ein bisschen dunkel war und das mit den Autos und Ampeln so lustig war. Aber wir waren ja auch schon in Edinburgh in der Camera Obscura und haben da mit kleinen weißen Karten Touristen auf dem Schlossvorplatz hochgenommen und durchgeschüttelt.

Obsc

Ob wir noch eine Runde um die Kuppel laufen wollen, werden wir gefragt, als das Licht wieder an ist. Klar wollen wir und machen das dann auch. Draußen ist es erstaunlicherweise noch gar nicht so dunkel, wie uns die Camera Obscura weismachen wollte und wir gucken uns das, was wir eben drinnen auf dem weißen Tisch gesehen haben, dann jetzt noch mal in echt an. Obwohl, echt war das ja eben auch, live und in Farbe, wenn auch ein bisschen dunkler.

Aussicht

Dann geht’s mit dem Fahrstuhl nach unten, wo man noch im Museumsshop ein bisschen stöbern kann und ich kurz davor bin, ein Kaleidoskop zu kaufen, weil die doch so schön sind und hach… Weil es doch schon ein bisschen dunkel war, bekommen wir zwei Gutscheine zum Nochmalimhellenwiederkommen, wie nett ist das denn?

Wasserturm

Total nett ist das! Wie das ganze Museum übrigens und die Betreiber sowieso. Man merkt die Liebe und Begeisterung, die in dieses Projekt gesteckt wurde und fragt sich ein bisschen, warum das wieder so ein geheimes Kleinod ist, das man erst durch Zufall finden muss. Eigentlich nämlich müsste es heißen: “Du bist im Ruhrgebiet? Warst du schon in Mülheim in der Camera Obscura? Musst du unbedingt hin, total super da!”

Aber man kann ja damit anfangen, hier auf dem Blog zum Beispiel. Also: Wenn es einen ins Ruhrgebiet treibt, unbedingt nach Mülheim zur Camera Obscura mit dem Museum zur Vorgeschichte des Films in den alten Wasserturm. Am besten tagsüber, aber man kann auch mit Autos und Ampeln viel Spaß haben. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Exponat

Camera Obscura mit Museum zur Vorgeschichte des Films
Am Schloß Broich 42
45479 Mülheim an der Ruhr
Telefon: 0208 / 3 02 26 05

http://www.camera-obscura-muelheim.de

Öffnungzeiten: Mi. - So.: 10:00 - 18:00

Kölner Dom – Drauf

Disclaimer: Es ist schon ein paar Monate her, aber irgendwann im Sommer waren wir in Köln. Erst fuhren wir mit der Seilbahn, dann liefen wir durch den Rheinpark und dann haben wir Liebesschlösser auf der Hohenzollernbrücke angeguckt und dann waren wir im Kölner Dom.

Ein bisschen bekloppt ist es ja schon. Da ist der bisher heißeste Tag im Jahr, man fängt schon beim Spazierengehen an zu schwitzen, und wir klettern auf den Kölner Dom. Allerdings nicht mit der ganzen Kölner Ausflugstruppe, nur zu dritt, denn die anderen beiden murmeln irgendwas von “Sind wir letztens erst drauf gewesen”, und möchten lieber Eis essen. Die sind nämlich klug.

Wir aber, wie klettern jetzt. Und es ist heiß und schwül und es geht immer nur weiter und weiter und weiter in dem engen Turm, wo man sich mühselig an den Leuten vorbeidrängeln muss, die wieder runterwollen. Es hört überhaupt nicht auf, zwischendurch denke ich, gleich kippe ich um, dann gibt es Stau, weil sich nämlich jemand anders das auch gedacht hat, und sich mitten im Turm einfach auf die Treppe setzt, was der Platz jetzt nicht so wirklich hergibt.

Aber wir laufen weiter. Immer höher und höher, rundherum, immer weiter, bis man irgendwann am Glockenturm rauskommt und man den ersten Blick auf die große Glocke und schon mal auf den Dom von oben und natürlich auf Köln von oben werfen kann. Durch noch engere Gänge gequetscht laufen wir einmal um die Glocke rum und dann weiter rauf.

Und irgendwann hört die Wendeltreppe auf und man steht mitten im Turm und alle sind froh und erschöpft. Das reicht natürlich noch nicht, man muss noch weiter hoch, über ein Metalltreppe und dann,… dann ist man endlich angekommen und kann auf Köln runtergucken. Auf den Rhein und die Hohenzollernbrücke und die Züge, die zum Hauptbahnhof rein- und rausfahren. Auf die Altstadt mit Groß Sankt Martin oder den neuen Hafen mit den lustigen Gebäuden. Nach Westen auf das hässliche Herkules-Hochhaus, was zwar wirklich irre hässlich ist, aber eben zum Stadtbild auch irgendwie dazugehört.

Und auf den Dom selber mit seinen unzähligen Verzierungen, Spitzen und Spitzchen, Wasserspeier und Türmchen.

Nach einem Rundgang geht’s wieder runter, immer weiter die Wendeltreppe runter, bis einem schwindelig ist und wenn man unten ankommt, hat man Schwabbelknie. Aber dafür bei schönstem Wetter an einem der heißesten Tage im Jahr auf Köln runter geguckt. Hat sich also gelohnt.

Noch von unten

Dicker Pitter

Viel Zeug

Groß St. Martin

Ganz nach oben

Wegweiser

Hohenzollernbrücke

Noch mal Hohenzollernbrücke

Und noch mal. Weil's so schön ist.

Als Kölner kann man ja quasi nie genug Bilder vom Rhein und der Hohenzollernbrücke gucken. Oder sich entscheiden, welches das schönste ist.

Spitze

Hafen

Altstadt

Vietnamesisch

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Amanda Palmer – In-Store-Gig bei Saturn in Köln

Ein Geständnis vorneweg: Ich hatte ja mit Amanda Palmer bis vorletztes Wochenende gar nicht viel am Hut, kannte sie vor allem als Frau von Neil Gaiman, aber ich mach ja bekanntlich alles mit.

Als also Zoë vollkommen unerwarteterweise auf meinen Hinweis, Amanda Palmer würde Anfang November bei Saturn in Köln für einen kleinen In-Store-Gig mit Autogrammstunde zu bewundern sein, mit einem “Ich hab dann mal ein Hotel gebucht” antwortete, gab es dann für mich auch keine Entschuldigung mehr, nicht auch hinzugehen.

Bei sowas bin ich ja dann immer ein bisschen streberhaft und bereite mich auch ein bisschen vor, hab dann also doch mal das Internet nach Videos und Musik durchkramt, mir überlegt, was ich mir denn unterschreiben lasse (wenn schon, denn schon und die Antwort war relativ einfach) und mich ab da tierisch auf den kleinen Kölnausflug gefreut.

Da saß ich also dann im Zug, mit Fotoapparat, Ukulele, Amanda Palmer im Ohr, aufgeregt bis obenhin, obwohl ich schon am Vorabend auf Twitter mitbekommen hatte, dass es wohl mit Amandas Stimme etwas problematisch sein könnte. Das Konzert in Paris wurde zu einer Karaoke-Veranstaltung umgeplant, was – wenn man den Kommentaren im Internet glauben darf – eine durchaus gelungene Aktion wurde. (Hier ist ein entzückendes Video von diesem Konzert, das leider etwas unerwartet abbricht.)

Hansaring

Bei Saturn angekommen erweist sich die Befürchtung als berechtigt: Der In-Store-Gig ist wegen Krankheit abgesagt, aber signiert wird trotzdem. Amanda muss ihre Stimme für das ausverkaufte Konzert abends im Luxor schonen, was durchaus verständlich ist. Trotzdem schade.

Zoë ist bereits im Taxi auf dem Weg, aber vorher läuft mir noch Sonja über den Weg, die nicht nur zu der kleinen Nachmittagsveranstaltung, sondern auch für das Konzert von München nach Köln gekommen ist. Zu dritt müssen wir uns erstmal beim Bäcker gegenüber mit Schoko- und Nougatcroissants stärken, dann wird die Lage gecheckt.

Zoë

Signiert wird vor einer riesigen Bildschirmwand, das erfahren wir schon mal, Zoë sagte man am Telefon, man sollte so zwei Stunden früher da sein, das erweist sich aber als leichte Übertreibung und wir müssen uns erst noch eine Stunde irgendwie die Zeit vertreiben, bevor sich so langsam die anderen (oft gut erkennbaren) Amanda-Palmer-Fans ansammeln. Deswegen bleiben wir dann auch die letzte Stunde recht konsequent dort stehen, wo die Signiertische aufgebaut werden, es füllt sich immer mehr, wir werden ein bisschen nach hinten gedrängt und irgendwann steht man richtig in einer Menschentraube und hat es gar nicht gemerkt.

Traube

Dafür hat es sich dann aber doch gelohnt, so früh da zu sein, wir sind vorne, neben uns Menschen aus Düsseldorf, Ludwighafen, Mainz, München, Berlin und was weiß ich nicht noch woher. Manche haben Konzertkarten, andere nicht, wollten sich den Umsonstauftritt aber nicht entgehen lassen.

Ukulele

Und dann kommt sie irgendwann, Amanda Palmer mit ihrem Grand Theft Orchestra, auf einmal ist sie da, ich hab sie gar nicht kommen sehen, aber da steht die Band, um den Tisch rum, Amanda und der Drummer auf dem Tisch mit einem Megaphon und einer rosa Ukulele.

Amanda

Ich weiß auch gar nicht genau, wie diese Frau das macht, dass man sofort unglaublich glücklich ist, wenn sie irgendwas sagt, macht oder singt. Singen kann sie ja heute eigentlich gar nicht, tut es aber trotzdem, das Publikum muss mithelfen, nach Anweisung des Drummers stampfen, klatschen und andere lustige Sachen machen, während Amanda ebenfalls mit Publikums-, Band- und Megaphonunterstützung “Want It Back” singt.

Megaphon

Ich kenne das gar nicht und find es trotzdem toll. Alles ist toll, alle klatschen und stampfen und singen und Amanda steht auf dem Tisch und macht uns alle glücklich.

Amanda singt

Wer alles eine Ukulele dabei hat, will sie danach wissen. Hier! Ich! Aber viele andere auch, manche haben sich extra zum Signieren eine gekauft. Und wer denn auch spielen kann, ist die nächste Frage. HIER! ICH! Da melden sich nämlich schon weniger, und irgendwie schieben mich Leute nach vorne, weil ich die Ukulele ja nicht nur zum Unterschreiben dabei hab, ich hab beim Warten zu Unterhaltungszwecken schon drauf rumgeklimpert.

Amanda Palmer spielt jetzt noch die Ukulele-Version von Radioheads “Creep”. Auch das ist toll und wieder singen alle mit und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, es ist alles toll und wunderbar und großartig und unglaublich ansteckend.

Amanda singt immer noch

Spätestens jetzt ärgere ich mich, dass ich keine Konzertkarte habe, was mir morgens noch relativ egal war, aber das ist so ansteckend, dass man gar nicht will, dass es aufhört.

Amanda singt immer noch

Es hört dann nämlich relativ schnell auf. Zwei Lieder müssen reichen, jetzt geht’s zum Signieren, wir werden in kleinen Gruppen zum Autogrammtisch gescheucht, erst signiert die Band meine Ukulele, dann Amanda und dann Amanda noch mal, weil ich in der Hektik nicht schnell genug sagen konnte, wo genau sie unterschreiben soll. Dann ist es auch schon vorbei, ich komm gar nicht so schnell dazu, ein Bild von Zoë mit Amanda Palmer zu machen, weil man sofort weitergescheucht wird, aber so ist das dann halt.

Vollkommen geflasht ziehen wir dann noch zu viert durch Köln, bis wir bei der Bento Box landen und bei ein bisschen Sushi darüber reden, wie glücklich wir alle sind, weil es so toll war. Sonja und Caro sind noch glücklicher, weil die nämlich Konzertkarten haben, ich fahre dann gleich nach Hause und Zoë hat noch einen Termin.

Zoë mit Poster

Selten hat sich eine so kleine Aktion so dolle gelohnt, finde ich. Vollkommen egal, wie schnell es vorbei war, es war toll, meine Ukulele ist jetzt nicht mehr so jungfräulich, aber natürlich viel toller und ich weiß jetzt schon, dass ich ganz dringend beim nächsten Konzert dabei sein muss. Auch wenn ich ja eigentlich mit Amanda Palmer gar nicht so viel am Hut hatte. Bis jetzt.

Abends sitze ich in der DB Lounge und warte auf den Zug, da kommt noch ein Tweet von Sonja, sie hätten vielleicht noch zwei Konzertkarten für uns. Aber da ist es schon zu spät, ich bin total fertig, die Füße tun weh, ich bin vollgepackt und will jetzt doch ein bisschen nach Hause.

Signiert

Amanda, so stellt sich am nächsten Tag raus, hat Bronchitis. Und als ich ein paar Tage später bei Twitter lese, dass es neue Konzerttermine gibt, zögere ich nicht lange. Ich hab jetzt zwei Karten für Amanda Palmer. Im März. In Köln.

Ich freu mich so.

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