Damals(TM): Craft’s Fair in Chicago

Ich hab den Besuch auf dem Design Gipfel gestern mal zum Anlass gekommen, um mal ein paar Bilder aus dem Archiv zu graben. Damals(TM) im Herbst 2005 waren wir in Chicago und haben mit Caitlin und Charles eine Craft’s Fair besucht. Leider habe ich nicht wirklich viele Bilder davon gemacht. Es war ziemlich regnerisch an dem Tag, der Markt fand auf einer Wiese stand, dementsprechend stapften wir ein bisschen durch den Matsch, aber es war trotzdem eine ziemlich tolle Sache. Gekauft habe ich damals ein Stickset von wool & hoop, das ich dann zu Hause auch brav vollendet und sogar gerahmt habe.

Gerne hätte ich auch noch die Lampen aus Papierschirmchen gekauft, aber die nach Deutschland zu transportieren wäre vielleicht doch etwas schwierig geworden.

Zwischen dem Besuch der Craft’s Fair in Chicago und dem Design Gipfel in Dortmund liegen also ungefähr sechseinhalb Jahre und ziemlich viele Kilometer. Erstaunlicherweise hat sich aber gar nicht so viel verändert. Eulen sind anscheinend doch ein bisschen zeitlos. Und Papierschirmchen-Lampen wohl auch.

Zeug

Prints

Caitlin

Stände

Lampen

20 Glückskekse vs. 21 Quarkriegel

Vor vielen, vielen Jahren kaufte ich beim ortsansässigen Asia-Laden für meine Geburtstagsfeier 20 Glückskekse. Ich stand also an der Kasse mit meinem Körbchen mit 20 abgezählten Glückskeksen und überreichte der Verkäuferin mein Körbchen mit dem Hinweis, dass es 20 sein müssten.

Sie zählte einmal durch, verzählte sich dabei. Zählte ein zweites Mal durch, verzählte sich wieder. Zählte ein drittes Mal durch, gelang zur Erkenntnis, dass es sich wirklich um 20 Glückskekse handelte und war bereit, mich zahlen zu lassen. Selten hatte ich an einer Kasse das Gefühl, dem Ziel gleichzeitig so nah und so fern zu sein.

Heute stand ich mit einer Tüte mit 21 Quarkriegeln im russischen Supermarkt. (“21 Quarkriegel?!?” höre ich da irritiert. Ja, 21. Fragensenich. Oder meinetwegen, fragense, ein Kollege hatte heute Ausstand und ich wollte mit Quarkriegeln zu den Ausstandsfeierlichkeiten beitragen.) Die Verkäuferin wirft einen Blick in die Tüte, nimmt eins raus und scannt es ein.

Dann guckt sie mich an: “Wie viele haben Sie?”

“21”, sagte ich. “Wenn ich mich nicht verzählt habe.”

Sie nickt, scheint mit der Anzahl einverstanden zu sein und rechnet 21 Quarkriegel ab.

 

Ich sag ja nur.

Foto-Fragen-Freitag (Mit Eigeninterpretation)

Mit Interpretationshintergrund und ansonsten bei Okka, Steffi und hier.

1. Deine Kochbuchreihe?

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Uns fehlt noch ein Regal in der Küche, deswegen ist das nur eine Auswahl an Büchern, die es aus den Umzugskartons geschafft haben und jetzt etwas ungünstig auf der Arbeitsplatte stehen. Wenn wir da mal was Schönes gefunden haben, werden die da ordentlich reingeräumt und der Rest ausgepackt. Ansonsten gut gemischt, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Die Zeitschriften liegen in Stapeln in der Wohnung verteilt.

2. Dein Kalender?

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Jamie-Oliver-Küchenkalender, weil er halt bei der einen UK-Ausgabe dabei war und auch wirklich hübsch ist. Aber eigentlich habe ich keinen, nur den digitalen von Google, in den ich Sachen schreibe, wenn ich mal dran denke, was so in der Hälfte aller Fälle passiert. Entweder mein Gedächtnis ist so super, oder wir haben einfach nicht so viele Termine, es reicht so nämlich völlig. Und das Bild ist vom Juli, da ist nämlich wenigstens was los: Gourmetmeilen, Hochzeiten, Geburtstage und die wöchentliche Erinnerung, mal was für den englischen Blog zu schreiben, die ich geflissentlich seit Wochen ignoriere.

3. Es ist ungesund, aber…?

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Nusspli. Gerne auch mit dem Löffel direkt aus dem Becher. Nutella kann mich mal, die ist nicht süß genug.

4. Was wolltest du eigentlich mal werden?

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Wie’s so in der Abizeitung steht halt. Für Theater-, Film– und Fernsehwissenschaften in Köln war der NC leider zu hoch und weil ich sowieso immer eher so mittelgut im Zukunftsplanen war und in Geduld schon gar nicht, bin ich dann halt nach Bonn gegangen, hab was anderes studiert, und dann nach fünf Semestern doch lieber ne Ausbildung gemacht. Und wer weiß schon, ob ich nicht doch irgendwann mein eigenes Café eröffne oder so.

5. Was machst du heute noch?

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Die Frage hab ich ja in Zusammenhang mit Frage 4 vollkommen falsch verstanden und dachte, es ginge darum, was man früher gemacht hat und heute immer noch macht. Ich mag meine Interpretation, deswegen beantworte ich die Frage jetzt auch so. Neben den eher langweiligen und/oder offensichtlichen Antworten wie “Lesen” oder “Klavier spielen” habe ich mich für die kultigere entschieden. Drei ??? hören, gerne zum Einschlafen, aber auch sonst. Früher auf Kassetten, die meine Mutter vom Flohmarkt mitbrachte, heute auf dem iPod, ist aber genauso gut. Seitdem weiß ich auch, dass ich sehr schnell einschlafe, denn meistens bin ich nach drei bis fünf Minuten Spielzeit locker weg. Ich suche auch immer noch Leute, die im Sommer mit zur Rocky Beach Party am Baldeneysee kommen. Alleine will ich nämlich nicht, der Mann hat da nicht so viel mit am Hut, und die Leute, die ich gefragt habe, fanden die Idee zwar super, heiraten aber entweder zwei Wochen später oder sind möglicherweise in Afrika oder was-weiß-ich-wo. Hm? Anyone?

No sports. Please.

Ich bin ja bekanntlich kein sportiver Mensch. Sport ist mir suspekt. Sport ist schon als Wort komisch und als Aktivität erst recht.

Vermutlich liegt es tatsächlich irgendwie in den Genen. Schon im Kindergarten kam mir diese kleine Sporthalle und die darin stattfindende Sportstunde eher eigentümlich und nicht wirklich erstrebenswert vor und daran hat sich auch nie wirklich etwas geändert. Dabei bin ich gar kein kompletter Bewegungslegastheniker. Ich habe meines Wissens in einem vollkommen angemessenen Alter gelernt, Fahrrad zu fahren. Ich habe mir auch ganz strebsam und in einem ebenso adäquaten Alter das Seepferdchen-Abzeichen erkämpft. Da gab es allerdings auch eine entsprechende Motivation, schließlich durfte man im Bayerbad nur als Seepferdchen-Abzeichen-Träger in das deutlich coolere tiefe Becken.

Ich kann also Fahrradfahren und Schwimmen, habe mir Rollschuhe und später Inline-Skater gewünscht (und bekommen und benutzt), war mehrfach in meinem Leben auf eigenes Drängen Schlittschuhlaufen und hatte etwas wider Erwarten in der siebten Klasse im Ruderlager am Baldeneysee erstaunlich viel Spaß. Trotzdem ist die Chance darauf, dass meine Mutter davon erzählt, wie ich als Kleinkind vorsichtig Seite und Seite des Quelle-Katalogs umblätterte, größer als die von meinen ersten Laufversuchen zu hören.

Zumindest scheine ich also so eine Art Grundkörperkoordination zu haben. Die hört aber auch recht flockig wieder auf, wenn’s an die Feinheiten geht. Das ist ein bisschen so wie jemand, der noch prima Marschrhythmus mitklatschen kann, bei der Ansage “und jetzt nur auf die 2 und die 4” aber sofort zu straucheln beginnt. Auch die Kommunikation mit meinem Körper scheint mir gestört, wenn nicht geradezu nicht vorhanden. Garantiert redet mein Körper mit mir und versucht mir zu erklären, ob diese Bewegung jetzt gut für ihn ist oder nicht, aber ich versteh ihn nicht und weiß dann nicht, ob das gutes oder schlechtes Wehtun ist und dann hör ich lieber auf, nachher ist es schlechtes Wehtun.

Der Hauptgrund aber, warum ich nach wie vor sehr allergisch reagiere, wenn mir jemand mit Sport kommt, ist, dass mir der Spaß an der ganzen Geschichte recht beeindruckend konsequent und zielstrebig in elfeinhalb Jahren Sportunterricht ausgetrieben wurde.

In der Grundschule ging das ja noch. Ehrlich gesagt, hab ich kaum Erinnerungen an dern Sportunterricht in der Grundschule, außer, dass die Sportlehrerin Frau Eschbach hieß und den Mattenwagen. MATTENWAGEN! MATTENWAGEN FAHREN! Einer der wenigen Pluspunkte des Schulsports, mal abgesehen vom TRAMPOLIN! Da hat es sich aber eigentlich schon erschöpft.

Der Höhepunkt meiner schulsportlichen Karriere war übrigens auch in der dritten Klasse, wo ich zum ersten und auch einzigen Mal bei den Bundesjugendspielen eine Siegerurkunde bekommen habe. Ein einzigartiges Ereignis, dass sich auch nicht wiederholen sollte. Überhaupt: Bundesjugendspiele. Was für eine Scheißidee. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals sowas wie Musik- oder Fremdsprachenwettbewerbe gegeben hätte, jedenfalls keine, die für alle verpflichtend gewesen wären. Wenn man sich schon öffentlich und dann auch noch ganz offiziell blamieren muss, dann doch bitte gerechterweise auch in verschiedenen Disziplinen.

Nein, es gibt nur Bundesjugendspiele, Springen, Laufen, Werfen und das alles möglichst gut. Also nichts für Leute wie mich, die mangels ausreichender Körperkoordination beinahe garantiert übertreten und wenn sie dann zur Abwechslung mal nicht übertreten mit Sicherheit erstens nicht besonders weit springen und dann mit noch größerer Sicherheit dabei zurückkippen und das ohnehin schon miese Ergebnis dann noch mal so richtig ruinieren. Meine Erinnerungen von den Bundesjugendspielen beziehen sich vor allem auf das Suchen der eigenen Punktzahl in der Ergebnistabelle, nur um festzustellen, dass die Punktzahl so schlecht ist, dass sie schon gar nicht mehr auf der Liste steht.

Und dann kriegt man eine “Teilnehmerurkunde”, die pädagogisch wertvolle Bestätigung des eigenen Versagens. Als ob Kinder so dumm wären.

Kein einziger Lehrer hat es je geschafft, mir Freude am Sport zu vermitteln. Dabei lag es noch nicht mal an einer generellen Abneigung. Die meisten Sportlehrer mochten mich sogar. Und ich mochte die meisten. Man muss da mal drüber nachdenken: Mit ein bisschen Geschick konnte man es ja schaffen, so eine Doppelstunde Sport zu einem nicht zu verachtenden Teil zuschauend auf der Bank zu verbringen, am besten noch mit der besten Freundin. Und trotzdem hab ich’s gehasst. So eine Abneigung, die muss erstmal erzeugt werden. DAS MUSS MAN ERSTMAL SCHAFFEN!

Zunächst mal ist es eben frustrierend, wenn man das, was einem jemand sagt, was man machen soll, einfach nicht hinkriegt. Ich finde es sehr nett und lobenswert, wenn mir Leute erklären, wie ich meine Körperteile anzuordnen habe, aber es hapert einfach an der Umsetzung. Liegestützen hab ich bis heute nicht kapiert, beim Kraulen sehe ich garantiert sehr unbeholfen aus und von Volleyball wollen wir erst gar nicht anfangen.

Überhaupt: Bälle. Alles mit Bällen ist falsch. Badminton krieg ich gerade noch so hin, da sind die Bälle ja auch eher klein und haben so niedliche Trichter. Es ist aber bei mir auch eher so ein Federball mit besserem Schläger, wobei ich immerhin noch gelegentlich einen Ball treffe. Basketball geht auch noch, wobei ich keine Aussage über meine Korbwurfqualitäten machen möchte. Aber einen Ball zu dribbeln, das hab ich auch immer noch so halbwegs geschafft. Handball halte ich nach wie vor für einen gnadenlos sinnfreien Sport (wobei ich irgendwann festgestellt habe, das Profi-Handball sehr anders ist als Schul-Handball), und Volleyball für einen sagenhaft schlechten Scherz.

Wenn mir so ein Ball entgegen kommt, dann stehen bei mir grundsätzlich zwei Handlungsoptionen zur Verfügung: Weglaufen oder Körper schützen. Die Optionen “Ball fangen”, “Ball kontrolliert abwehren und wieder ins gegnerische Feld befördern” oder “Ball stoppen” gehören leider nicht dazu. Als Entschuldigung könnte ich noch angeben, dass mit der steigenden Kurzsichtigkeit meines linken Auges auch ein sicherlich nicht zu verachtender Verlust der dreidimensionalen Sehfähigkeit einherging, aber ich glaube, ich bin vor allem schlecht mit Bällen.

Ich weiß auch gar nicht so genau, was der Höhepunkt meiner Unsportlichkeitskarriere war. Ein guter Kandidat wäre sicherlich der blaue Brief in Sport, den noch nicht Mal meine Eltern ernst nehmen konnten. Es gäbe da aber auch noch die Geschichte, wie ich in der Oberstufe aus dem Sportkurs flog, nachdem irgendwer festgestellt hatte, dass der Kurs eigentlich zu groß sei und dementsprechend entschieden wurde, dass die Leute mit der schlechtesten Note sich einen neuen Kurs suchen sollten, vermutlich in der vollkommen nachvollziehbaren Annahme, dass die Chance, dass ich, wenn ich schon in einem Kurs, den ich mir selbst ausgesucht habe, scheiße bin, dann in einem anderen Kurs sicher deutlich bessere Noten erzielen könnte.

Und bevor das hier noch komplett im Selbstmitleid endet, hören wir besser auf. Mir würden noch viele andere Geschichten einfallen, die Quintessenz bleibt dieselbe. Es hat in meinem Leben noch niemand geschafft, mich nachhaltig für Sport zu begeistern. Jeder Versuch endete verlässlich damit, dass ich nachher noch weniger Verständnis für das ganze Theater hatte als vorher.

Dabei bin ich gar nicht bewegungsfaul. Ich gehe sehr viel und auch recht lange spazieren, ich laufe lieber fünf Etagen die Treppe rauf als auf den Aufzug zu warten, ich fahre gelegentlich Fahrrad und wenn man mir ausreichend Alkohol gibt, tanze ich eventuell sogar. Nur Sport ist nichts für mich.

Vielleicht ist mein Adrenalin falsch gepolt. Beim ersten und voraussichtlich einzigen 10–km-Lauf, an dem ich je teilgenommen habe, dachte ich bei Kilometer 9 1/2 jedenfalls nicht “Geil, gleich geschafft”, sondern “Wofür mach ich diesen Scheiß eigentlich?”. In diesem Sinne: No sports. Bitte. Danke.

So ist das mit dem Lampenfieber

Klavier

Letzte Woche Donnerstag saß ich wieder am Flügel und habe gespielt und gesungen. Vor Leuten. Vor Leuten, die ich nicht kenne. Lieder, die ich geschrieben habe und Lieder, die andere Leute geschrieben haben.

Ich wollte eigentlich einen “Zum ersten Mal”-Artikel basteln, aber das wäre gleich mehrfach gelogen gewesen. Ich hätte ihn “Zum ersten Mal wieder auf der Bühne” nennen können, aber letzten Donnerstag war ich ja schon das zweite Mal wieder auf der Bühne. Und außerdem wäre das auch schon eine Spitzfindigkeit gewesen, denn ich war ja eben nur zum ersten Mal wieder auf der Bühne.

Zum ersten Mal auf der Bühne, und zwar nicht im Zusammenhang mit Schulaufführungen oder Musikschulvorspielen war ich mit 17. Vielleicht war ich auch schon 18, ich müsste noch mal den Flyer suchen, auf dem mein Name steht und dazu irgendwas wie “Singer-Songwriter aus Leverkusen” oder so. Ich hab den Zettel noch, sowas wirft man ja nicht weg. Ich war auf jeden Fall noch sehr jung.

Der allererste Auftritt lief so, dass ich irgendwo gesehen hatte, dass man im Domforum in Köln auftreten könnte, wenn man irgendwo anruft und sagt, dass man das möchte. Ich hab nicht angerufen, weil ich damals eine unglaubliche und völlig irrationale Anrufbeantworterphobie hatte. Ich hab eine Postkarte geschrieben. Das hat aber gereicht, so dass mich auf einmal jemand anrief und sowas sagte wie, hey, ja, du hast ja eine Postkarte geschrieben und willst du nicht dann und dann bei uns spielen? Und ich sagte ja.

Der erste Auftritt war toll. Alles war super, ich habe gesungen und Leute haben applaudiert und nachher haben wir Leute gesagt, dass das gut war und haben mich mit Menschen verglichen, deren CDs ich kannte und liebte und alles war toll. Meine Eltern waren nicht dabei, weil meine Eltern mich kennen und wussten, dass ich sowas erstmal alleine machen muss. Dafür hat meine Mutter einen Bekannten engagiert, damit doch irgendwer im Publikum ist, den ich kenne, falls doch irgendwas ist.

(Danach durften meine Eltern übrigens immer zugucken und zuhören und haben das auch gerne getan. Nur beim ersten Mal eben nicht.)

Aber alles war super. Und ich habe danach noch mal im Domforum gespielt und im Bonn im Café Tiferet (das es meines Wissens nicht mehr gibt) und im Bürgerforum Köln-Kalk. Ich besitze eine Kassette, eine Mini-Disc (für die ich kein Abspielgerät besitze) und eine CD von Auftritten und dem einen Mal, wo ich im Radio war.

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Und dann wurde es auf einmal mehr mit Arbeit und weniger mit Musik und vor allem Auftritten und überhaupt habe ich festgestellt, dass es sauschwierig ist, in Deutschland Orte zu finden, wo man auftreten kann, ohne dass man gleich die ganze Technik selbst anschleppen muss. Ich habe zwei Gitarren und ein Klavier. Die Gitarren kann ich mitnehmen, das Klavier leider nicht, bzw. eines davon könnte ich sogar, aber dafür fehlt mir dann das Auto.

An all den Orten, wo ich bisher gespielt habe, gab es wunderbare Menschen, die mir geholfen haben, die sich um die Technik gekümmert haben, Kabel ein- und umgesteckt haben und mir sogar gesagt haben, ob was gut oder schlecht klingt und was ich machen muss, damit es besser wird, denn ich habe für sowas kein Gefühl. Ich kann Songs schreiben und covern. Ich kann am Klavier sitzen oder eine Gitarre in die Hand nehmen und ich kann das zumindest so ausreichend gut, dass andere Leute das gerne hören.

Um so glücklicher war ich, als ich rausgefunden habe, dass in der Frankfurt Art Bar in Sachsenhauen jeden Donnerstag Open Mic Night ist und dass die da sogar ein Klavier haben. Beim ersten Mal war ich nur da, um die Lage zu sondieren und ich war begeistert. Jeder darf 15 Minuten spielen, selbstgeschriebenes, gecovertes, mit Gesang und Instrumental. Alles ist wunderbar heimelig, es gibt Apfelwein, Whisky und Portwein und zu Essen auch. Und vor allem eben tolle Musik von vielen tollen Menschen, die manchmal direkt von der Arbeit kommen, um hier ein paar Minuten lang auf der Bühne zu stehen.

ArtBar

Aber es geht ja ums Lampenfieber. Ich kann gut mit Lampenfieber. Eben wegen der Schulaufführungen und der Musikschulvorspiele und weil ich gute Erfahrungen gemacht habe. Aber auch, weil ich weiß, dass einem eigentlich nichts passieren kann. Dass man, wenn man sich verspielt, einfach wieder anfängt und hofft, dass es keiner merkt. Dass man, wenn man sich hoffnungslos verspielt hat, das dann einfach sagt und noch mal neu anfängt. Und dass die meisten Leute es schon bewunderswert genug finden, dass man sich überhaupt auf so eine Bühne traut.

Das Lustige ist aber, man hat trotzdem Lampenfieber. Völlig egal, wie oft man das schon gemacht hat. Völlig egal, wie oft ich ein Stück schon gespielt hab und weiß, das kann ich jetzt, da mach ich keine Fehler und wenn schon, ist auch nicht so schlimm. Das Lampenfieber ist immer da. Es macht, dass ich hibbelig bin und nervös. Es macht vor allem, dass ich denke, ich müsste auf Toilette, was sich dann meistens als irrige Annahme entpuppt. Es macht interessanterweise nicht, dass ich Angst habe oder es mir auf einmal anders überlegen möchte oder auf einmal meine Fähigkeiten in Frage stelle. Dafür hab ich das dann wahrscheinlich doch schon zu oft gemacht.

Ansage

So war das auch beim ersten Auftritt in der Frankfurt Art Bar. Ich bin als erste des Abends auf die Bühne geschlichen. Hab mich hingesetzt und ein paar Worte gesagt und dann hab ich gespielt. Ein Lied von mir, dann “Cross-Eyed Bear” von Damien Rice und dann noch eins von mir. Meine Hände haben gezittert und meine Stimme auch. Aber es war toll. Und es war gut. Und ich war den ganzen Abend noch high auf Adrenalin oder was das ist, was der Körper dann in Massen ausschüttet.

Beim zweiten Mal war’s schon besser, ich hab weniger gezittert und war auch ein bisschen weniger nervös, vielleicht auch deswegen, weil mich Leute wiedererkannt haben und ich mir gesagt habe, das ist bestimmt ein gutes Zeichen. Vielleicht auch, weil ich wieder ein bisschen mehr wusste, was ich da eigentlich mache. Weil es ein bisschen vertrauter war. Oder vielleicht auch nur, weil ich vorher mehr Apfelwein getrunken hatte.

Und es war wieder gut und beim nächsten Mal nehme ich vielleicht die Ukulele mit. Dann bin ich bestimmt wieder ein bisschen nervöser, denn mit Ukulele, das hab ich noch nie vor fremden Leuten gemacht. Das ist neu. Aber auf der anderen Seite, das Lampenfieber ist eh immer da, und es ist ein gutes Fieber. Es macht, dass ich vorher aufgeregt bin und nachher auch und vor allem macht es, dass ich mich freue wie blöd.

Licht

Es ist wunderbar, dass es solche Orte wie die Frankfurt Art Bar gibt, ich bin auch dankbar, dass es damals das Domforum gab, das mich zum ersten Mal auf die Bühne gelassen hat und all die Leute, die gesagt haben, ja klar, bei uns kannst du auch auftreten. Und wenn hier jemand noch gute Tipps hat, wo es ähnlich wunderbare Orte gibt, dann bitte alle her damit.

So ist das nämlich mit dem Lampenfieber. Es ist ganz furchtbar und schrecklich und gleichzeitig ganz wunderbar und es soll bitte auch nie weggehen. Denn wenn man nicht nervös ist, bevor man auf die Bühne geht, dann ist auch irgendwas nicht richtig.

Die Frankfurt Art Bar findet man im Ziegelhüttenweg 32 in Frankfurt-Sachsenhausen und jeden Donnerstag ist Open Mic Night und manchmal bin ich auch da.

Eis auf dem Wupperweiher

Es ist Winter und Natascha und ich kommen gerade vom Fressnapf, wo Natascha regelmäßig nach der Schule kiloweise Futter für ihre Heimzoo kauft und ich geh dann mit, weil mit 16 (vielleicht auch schon 17) hat man ja auch selten was Besseres zu tun, also läuft man eben zu zweit noch ein bisschen rum. Mal abgesehen davon, dass es bei Fressnapf so ein lustiges Nagetierfutter-Zusammenstellding gibt, das ich sehr faszinierend finde, obwohl ich gar keine Nagetiere habe.

Jedenfalls ist Winter und es ausnahmsweise mal so kalt, dass der Wupperweiher zugefroren ist. Im Wupperweiher ist allerdings auch noch ein Springbrunnen und der ist an. Und deswegen ist um den Springbrunnen herum auch kein Eis.

Natascha und ich laufen also so da lang und gucken auf den Wupperweiher runter, wo ein kleiner, etwas behäbiger Junge auf dem Eis rumschlittert. Er schlittert rum und noch ein bisschen rum und immer weiter auf dem Eis herum und nähert sich dabei doch deutlich bedenklich dem Springbrunnenbereich, wo das Eis immer dünner wird und irgendwann gar keins mehr ist.

Das gucken wir uns so an, Natascha und ich, wie der kleine Junge immer immer weiter Richtung Springbrunnen schlittert. Ich kann nur vermuten, dass wir beide noch an den normalen Menschenverstand glauben, sonst hätten wir vielleicht irgendwas Warnendes gerufen.

Wir rufen aber nichts. Statt dessen sagt eine von uns beiden nur: “Pass auf, gleich bricht er ein.”

Exakt in diesem Moment, wirklich exakt, gibt es ein Platschen. Das Eis ist gebrochen.

Vollkommen unpassend, aber auch vollkommen verständlicherweise müssen wir beide erstmal etwas hysterisch lachen. Es ist zu absurd. Es ist wie im Film. Sowas passiert doch nicht in Wirklichkeit. Erstens bricht in der Wirklichkeit niemand ins Eis ein und zweitens erst recht nicht genau in dem Moment wo man es prophezeit.

Dann beruhigen wir uns aber relativ schnell wieder, denn was hier eigentlich passiert ist, ist, dass jemand ins Eis eingebrochen sind und das ist, so munkelt man wenigstens, wir haben’s ja noch nicht erlebt bis jetzt, keine gute Sache.

Irgendwas in meinem Kopf sagt “Leiter”. Ich weiß nicht, woher ich das weiß, ich weiß auch noch nicht mal, ob es wirklich stimmt, aber irgendwo habe ich irgendwann wohl mal gehört, dass man eine Leiter holen soll, um jemanden an Land zu ziehen, wenn er ins Eis eingebrochen ist und es scheint mir auch durchaus schlüssig. Eine Leiter ist lang, man kann sie aufs Eis legen und sie hat Sprossen, an denen man sich festhalten kann.

Und deswegen laufe ich einfach zum nächsten Haus und klingele dezent Sturm.

“Da ist ein Junge ins Eis eingebrochen und wir brauchen jetzt eine Leiter”, sage ich, als die Tür aufgeht und dann laufen wir zur Garage und holen eine Leiter und laufen damit ans Ufer des Wupperweihers, wo der Junge schreiend und heulend im kalten Wasser hängt.

Die Leiter brauchen wir gar nicht, irgendjemand, der auch in der Nähe war, hat einen dicken Ast gefunden, der wie ein Y gewachsen ist und irgendwie schaffen sie es, den Jungen ans Ufer zu ziehen.

Und es ist auch schon jemand von der Feuerwehr oder vom Rettungsdienst da, wo auch immer der herkam, ich erinnere mich nicht mehr und das war immerhin Ende der Neunziger, als sich das Telefon standardmäßig noch zu Hause befand und nicht in der Hosentasche steckte.

Der Mann von der Feuerwehr (oder vom Rettungsdienst) hält Natascha und mir erstmal eine Standpauke, weil der Ast wohl vollkommen ungeeignet gewesen wäre oder so. Warum er das ausgerechnet uns sagt, ist mir unklar, denn mit dem Ast und mit der eigentlichen Rettung hatten wir ja gar nichts zu tun und ich hab immerhin eine Leiter geholt. Eine Leiter! Kein Ast!

Netterweise fällt dem Mann dann aber doch noch ein, dass es vielleicht ein bisschen kontraproduktiv und tendenziell unhöflich ist, Leuten eine Standpauke zu halten, wenn sie gerade, zwar etwas hilflos, aber immerhin, versucht haben, ein Kind aus dem Eiswasser zu ziehen und er bedankt sich dann doch noch mal dafür, dass man überhaupt irgendwas getan hat.

Und das ist die Geschichte vom Wupperweiher und wie ein Junge eingebrochen ist und wir erstmal gelacht und dann eine Leiter geholt haben.