Tagebuchbloggen, 18.04.2021 (mit extra Kryptik)

Am Samstag passierte etwas sehr schönes, von dem ich leider nicht berichten kann, aus drei Gründen:

  1. Teile der Geschichte sind noch nicht spruchreif.
  2. Weitere Teile der Geschichte betreffen dritte Personen, von denen ich ja nicht weiß, ob sie unbedingt als Nebenfiguren in einem Blog vorkommen wollen.
  3. Wieder weitere Teile der Geschichte beruhen auf Annahmen meinerseits, die ich aber nicht hundertprozentig belegen kann.

Aber sagen wir es mal sehr kryptisch, es war eine sehr erfreute Reaktion auf etwas, was ich sagte, was mich wiederum zu dem Schluss führte, dass eine Beziehung, die ich sehr schätze, offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Die Reaktion kam auch sehr spontan und komplett ohne Not, man hätte auch komplett anders reagieren können ohne dass es in irgendeiner Weise unangemessen gewesen wäre. Ich finde es vollkommen normal und unproblematisch, dass viele Beziehungen im Leben asymmetrisch sind, Menschen für einen selber also relevanter sind als man selber für sie ist oder andersrum. Solange das Verhältnis nicht komplett absurd ist, funktioniert das ganz hervorragend, es müssen nicht alle Leute, die mir viel bedeuten, das gleiche von mir sagen und ich möchte das andersrum eben auch nicht. In dem Fall scheint es jetzt aber, dass ich einer Person, die mir wichtig ist, auch wichtig bin und das war schön.

Außerdem sahen wir drei Rehe und zwei Hasen und das war auch schön. Den Hund tangierte das so mittel, er hatte die Rehe schon vor uns bemerkt, machte aber keine Anstalten, hinterher zu laufen. Dann war er aber von einem querliegenden Baumstamm sehr fasziniert, da stand er sehr lange und starrte den Baumstamm an und drehte sich noch beim Weiterlaufen mehrfach um. Man weiß einfach nicht, was in diesen Fellköpfchen vor sich geht.

***

Heute war nichts besonders. Mittags guckte ich „Lilo & Stitch“, vor allem, weil ich letztens eher zufällig in „Küss den Frosch“ reingeschaltet habe und das sehr mochte. Jetzt dachte ich, ich gucke einfach mal all die Disney-Filme, die ich noch nicht gesehen habe, nach Pocahontas gibt es eine lange Phase, in der ich nichts mitbekommen habe, da gibt’s also noch ein bisschen was nachzuholen. „Lilo & Stitch“ mochte ich ein bisschen weniger als „Küss den Frosch“, was aber eher Geschmackssache ist, objektiv ist der Film deutlich origineller als „Küss den Frosch“, aber auch ein bisschen anstrengender, das war mein Hauptproblem, aber ich musste natürlich auch weinen, weil ich das bei rührenden Szenen halt so mache. Kein Scheiß, ich habe letztens aus Versehen die letzten drei Minuten oder so von „Seite an Seite“ gesehen und die letzten Szenen sind wirklich Kitsch as Kitsch can, aber wem liefen die Tränen runter? Exactly. Immerhin hab ich noch Gefühle übrig, dass ist nach einem Jahr Pandemie ja nicht selbstverständlich. Danach schlief ich eine Runde mit dem Hund auf dem Sofa, dann ging ich noch eine Runde mit dem Hund raus und dann gab es Spargel.

Tagebuchbloggen, 15.04.2021

Ich wollte mal den Blogrhythmus umstellen und es eher auf Novemberregen-Art machen, es scheint mir sinnvoller, abends tagebuchzubloggen als morgens, zumal ich morgens auch manchmal nicht dazu komme und dann ist oft Mittag und es sind schon Dinge passiert, die nicht zu gestern gehören und dann bin ich verwirrt. Dass sich nach 23:45 Uhr noch spannende neue Dinge passieren, scheint mir unwahrscheinlicher und wenn, werde ich damit umgehen können.

Heute ist allerdings gar nicht viel passiert. Auf der Hundewiese kam ganz zum Schluss noch ein Hund, der sowohl optisch aussah wie unser Hund, nur etwas kleiner und dicker als auch in der Körpersprache ein kleiner Zwilling unseres Hundes war. Er hatte sogar die gleiche irreführende Fellfarbe, der Hund hier ist nämlich gar nicht schwarz, sondern nur sehr, sehr dunkeldunkelbraun. Man sieht es ein bisschen an den Ohren und wenn die Sonne im richtigen Winkel auf den Hund scheint. Es stellte sich raus, dass der Hund auch aus Kroatien kommt, so dass meine Vermutung, dass ein Hrvatski ovčar drinsteckt, das ist ein kroatischer Schäferhund.

Dann gab es noch Hackbällchen mit Quinoa und Salat zum Abendessen und die letzten zwei Folgen von LOL und das zweitletzte Labyrinth von Link’s Awakening. Ich spiele mittlerweile mit dem geöffneten Walkthrough im Handybrowser, ich bin zu alt, die Lösung komplett alleine rauszufinden.

Das Essen war wieder aus einer Kochbox, ich habe aber versuchsweise von Hello Fresh auf Marley Spoon umgestellt. Erstens begannen sich die Rezepte bei Hello Fresh zu wiederholen und zweitens wollte ich mal den Unterschied testen. Das erste Essen war so mittel überzeugend, das war aber eher Geschmacksfrage als objektiver Qualitätsunterschied. Das erste Essen von Hello Fresh fand ich auch mittel, danach wurde es immer besser. Vielleicht ist das so ein Kochbox-Fluch, so wie der erste Pfannkuchen, der immer misslingt. Größter Unterschied bei Marley Spoon ist, dass die Zutaten für die einzelnen Gerichte nicht in Tüten verpackt ist. Das macht auf der einen Seite, dass der Kühlschrank nicht gleich komplett zugepackt ist, man muss aber auch beim Zubereiten mehr suchen und sie haben entweder in der Box eine Zutat vergessen oder ich habe sie einfach vergessen und nicht mehr wiedergefunden. Es war sogar eine sehr wichtige Zutat und eine, die man nicht zwingend im Haus hat, nämlich Kokosmilch. Wir leben aber hier in einem Haushalt, in dem es Kokosmilch-Vorräte gibt, insofern war es kein Problem.

Spannend an Marley Spoon finde ich auch, dass es jede Woche ein Nachtisch-Gericht gibt oder vielmehr eine süße Hauptspeise. Das fehlt mir bei Hello Fresh ein bisschen. Ich könnte natürlich einfach so was Süßes kochen oder backen, aber Teil des Charmes ist ja, dass sich andere Leute Gedanken über Rezepte machen und ich nur „Will ich haben“ klicken muss.

So, Nacherzählung von heute fertig, hoffentlich passiert nichts mehr.

Tagebuchbloggen, 10.04.2021

Auf der Hundewiese war ein Hund, der sich wirklich stehenden Fußes komplett in unseren verliebte. Leider war unserer erst uninteressiert und wollte lieber mit anderen Hunden spielen. So stelle ich mir das vor, wenn man ein Kind hat und ein anderes Kind auf dem Spielplatz sehr dringend mit dem eigenen spielen will, aber das eigene keinen Bock hat und man es ja auch nicht zwingen will und kann, weil es ja durchaus selber entscheiden soll, was es mit wem spielt, aber man hat trotzdem sehr viel Mitgefühl mit dem anderen Kind, dass da mit dem Ball oder dem Sandeimer steht und immer wieder vorsichtige Annäherungsversuche macht. Jedenfalls lief der Hund immer wieder zu unserem hin und wollte auch nichts anderes als irgendwie in seiner Nähe sein und dann klappte es irgendwann auch mit dem Spielen und es war sehr, sehr bezaubernd. Mehr noch für die anderen Leute, die da sehr gerührt standen, weil „der spielt sonst ganz selten“. Unserer spielt ja dauernd, was es nicht weniger bezaubernd, aber halt jetzt nicht so besonders ungewöhnlich macht.

Den Rest des Tages verbrachten wir hauptsächlich damit, zwei True Crime-Dokumentationen auf TVNOW zu gucken, gerade „Der Alptraummann“ ist sehr empfehlenswert, und hat uns beide so beeindruckt, dass wir immer noch darüber diskutieren. Es ist auch sehr schön gefilmt, ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass nur, weil man eine Drohne im Budget hat, man diese nicht immer und überall nutzen muss, auch wenn die entstandenen Bilder sehr schön waren, ohne Frage.

Dann wurde Essen vom Inder geliefert und ich spielte noch etwas zu lange Legend of Zelda. Ich kann jetzt schwimmen und tauchen, woohoo!

Tagebuchbloggen, 08.04.2021

Der Tag bestand hauptsächlich aus Erwerbsarbeit, das ist ja nichts Neues und auch nicht wirklich berichtenswert, ich wollte es nur noch mal in Erinnerung rufen.

Nach Feierabend packten wir den Hund ein und fuhren zur Hundewiese. Die hat seit ein paar Wochen wieder auf, wobei man zunächst auch mal die Sinnhaftigkeit der Schließung in Frage stellen könnte, die Wiese hat irgendwas zwischen drei und fünf Hektar, der offizielle Grund der Schließung war, dass die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden könnten, was bei allem aufbringbaren Verständnis einfach Unsinn ist, so viele Leute kommen selbst am schönsten Samstagnachmittag nicht, dass die Abstände nicht einhaltbar wären. Dass sie vielleicht nicht eingehalten werden, weil Menschen doof sind, ist eine andere Sache.

Ist ja aber auch egal, die Hundewiese hat ja wieder auf, man muss nur Maske tragen, also die Menschen, nicht die Hunde. Gestern war auch Jackpot für den Hund, weil er sehr viele rennbereite Hunde traf und Rennen ist für den Hund eben das Größte, da muss auch gar kein Ball im Spiel sein, Hauptsache, er kann vor irgendwem wegrennen und darf jemandem hinterherrennen. Es gab auch einen kleinen Welpen von ungefähr sechs Monaten, der am Anfang etwas überfordert war, dann aber sehr schnell Gefallen an diesen Rennspielen fand, obwohl er nicht ganz hinter den erwachsenen Hunden hinterherkam. Sehr niedlich war dabei, dass der Welpe körpersprachlich sehr nah an unserem Hund war, man lernt ja dann doch so die Eigenheiten des Hundes kennen und da konnte man sehr viel wiedererkennen. Nach einer Stunde war der Hund jedenfalls fix und fertig, Mission erfüllt.

Zu Hause gab es Liefersushi, ich wählte dazu einen bislang noch ungetesteten Sushidealer und war der Ansicht, eine einigermaßen passende Portionsgröße erwischt zu haben. Irgendwas muss dann aber bei dem Sushirestaurant passiert sein, entweder war an diesem Abend nicht viel los und man musste noch Essen loswerden oder sie wollten Erstkunden möglichst gut an sich binden, jedenfalls gab es noch zwei Nigiris und ein Gunkan und zwei frittierte Garnelenspieße und zwei Gyozas und bestimmt noch was gratis dazu, was einerseits natürlich sehr nett ist, aber auch dazu führte, dass ich erstens mehrfach gegenüber meinem Mann beteuern musste, das wirklich nicht alles bestellt zu haben und zweitens wir dann auch Sushis übrig lassen mussten.

Währenddessen guckten wir auf Netflix „The Serpent“ weiter. Kann man übrigens empfehlen, auch wenn es ein bisschen frustrierend ist, dabei zuzuschauen, wie ein Serienmörder nicht gefasst wird, weil sämtliche Behörden sich nicht zuständig fühlen. Ich denke, das war jetzt kein Spoiler, die Geschichte ist ja ausreichend komplex.

Tagebuchbloggen, 07.04.2021

Morgens kam der Sohn von jemandem auf Facebook, der leere Glasfläschchen und Marmeladengläser aus dem Keller abholte. Man hört ja viele schlimme Sachen über Ebay-Kleinanzeigen, deswegen muss ich mal kurz anmerken, dass ich mit den zwei Essener Facebookgruppen, über die man Sachen verschenken und verkaufen kann, sehr gute Erfahrungen gemacht hat, hier hat noch überhaupt niemand blöde Fragen gestellt oder ist zum vereinbarten Termin nicht gekommen. Nun verschenke ich da meistens auch, insofern gibt es auch wenig Verhandlungsspielraum bezüglich des Preises, aber auch sonst bin ich hoch zufrieden. Ich überlege schon die ganze Zeit, was ich als nächstes loswerden könnte. Bücher bringe ich ja meistens einfach zum Bücherschrank, das scheint mir am einfachsten.

Der Hund fordert jetzt öfter Spielbeschäftigung ein, das ist aus Hundetrainersicht etwas problematisch, weil wir natürlich aufpassen müssen, dass der Hund nicht uns erzieht, sondern wir den Hund. Emotional ist das aber super, vor allem, weil der Hund ja am Anfang gar nicht so richtig wusste, wie man spielt. Er ist dem Ball also hinterhergelaufen, weil er gerne hinter irgendwas hinterherläuft und dann ohne Ball zurückgekommen. Mittlerweile bringt er den Ball sehr zuverlässig zurück, gibt ihn aber ungern ab und kaut lieber darauf rum. Daran müssen wir noch arbeiten, es klappt aber auch immer besser. Es ist jedenfalls sehr spannend, zu beobachten, wie sich so ein Tier entwickelt und immer dann, wenn man denkt, ah, jetzt ist man angekommen, so funktioniert dieser Hund, dann passiert irgendwas und man merkt, dass man noch längst nicht irgendwo angekommen ist. Außerdem wird so ein Hund auch älter und der hier ist ja noch so jung, dass sich bestimmte Verhaltensweisen einfach durch Älterwerden noch ändern werden.

Nachmittags hörte ich in den von Stefan Niggemeier empfohlenen Podcast „Jung und jünger“ mit Christine Westermann und Edin Hasanović auf Audible. In der ersten Folge geht es um Freundschaft und ich wurde super nervös, weil ich Meinungen hatte, die ich aber nicht loswerden konnte, weil man ja leider nicht mitreden kann. Falls ich Edin Hasanović mal treffe, habe ich jedenfalls Gesprächsbedarf, ich würde sogar so weit gehen, um zu sagen, dass ich seine Vorstellung von Freundschaft ethisch-moralisch problematisch finde, ich habe sogar gute Gründe und Erfahrungswerte, um diese Meinung sehr überzeugt zu vertreten. Kurz gesagt gehöre ich zu den Menschen, die nie etwas tun, um dann im Gegenzug etwas zu erwarten. Ich halte es da mit dem Karma und gehe davon aus, dass mir in einer ähnlichen Situation schon auch jemand helfen wird, es muss aber nicht zwingend die Person sein, der ich mal geholfen habe. Ich habe auch schon Freundschaften beendet, weil klar wurde, dass Dinge von mir erwartet wurden. Dabei ging es dann gar nicht darum, dass ich nicht sogar bereit gewesen wäre, das zu leisten, sondern schlicht darum, dass ich es emotional nicht okay fand, diese Erwartung an mich heranzutragen. Das klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig, ich wäre bereit das näher zu erläutern, man müsste mich einfach in einen Podcast einladen.

Abends gab es Tacos mit Salat und Hack und dann guckte mein Mann diesen Film über den Mann aus Bremen mit den Autos und ich spielte erst noch etwas Legend of Zelda auf der Switch weiter, nachdem ich verzweifelt im Internet nach einem Tipp gesucht hatte, wie ich weiterkomme und dann las ich in meinem Buch weiter (The House in the Cerulean Sea von TJ Klune [Amazon-Werbelink]).

Tagebuchbloggen, 29.03.2021

Jetzt, wo das Blog wieder lebt, kann ich ja auch wieder reinschreiben, wie soll ich sonst rekonstruieren, wie das damals so war, im zweiten Pandemiejahr und so, am Ende muss ich mich durch meine Tweets lesen und wer will das schon.

Das mit dem Blog war jedenfalls so, irgendwann fiel mir auf, dass ich keine neuen Beiträge erstellen konnte, es kam eine etwas ominöse PHP-Fehlermeldung, die ich dann googelte, aber nichts wirklich verwertbares fand. In irgendeinem Thread riet jemand dazu, alle Plugins zu deaktivieren und zu gucken, ob es besser wird, das tat ich dann, half aber nicht, ein Wechsel des Layouts half auch nicht, ich schob manuell noch mal die komplette WordPress-Installation auf den FTP-Server, keine Besserung.

Dann erhielt ich den entscheidenden Hinweis, dass es eventuell etwas mit dem Autoinkrement der Tabelle mit den Blogbeiträgen zu tun haben könnte. Autoinkrement ist im Prinzip die Funktionalität, die bei neuen Datenbankeinträgen in einer Tabelle automatisch in einem Feld die nächsthöhere ID vergibt. Das führte mich über mehrere Umwege zu der Erkenntnis, dass der Speicherplatz des Datenbankservers übervoll war. Dann kann eben einfach kein neuer Eintrag erstellt werden. Jetzt musste ich nur noch rausfinden, warum das so war und vor allem, wie ich Speicher freiräumen könnte. Zuerst versuchte ich es mit einem Skript zum Optimieren, das half aber nicht weiter. Dann defragmentierte ich wahllos Tabellen, das hatte einen kleinen, aber nicht wirklich zielführenden Effekt. Dann löschte ich mehrere Tabellen eines alten Blogs (vorher habe ich natürlich alles exportiert, um es irgendwo anders wieder aufspielen zu können). Erst dann kam ich auf die Idee, zu gucken, welche Tabellen denn wohl besonders groß waren und das waren eindeutig die beiden Tabellen mit den Blogkommentaren und den Metadaten zu den Kommentaren.

Long story short: Im Spamfilter hatten sich in den letzten Monaten 44.000 Spamkommentare angesammelt und so langsam, aber sicher den Speicherplatz der Datenbank vollgemüllt. Das Problem ließ sich also lösen, indem ich einfach alle Spamkommentare löschte und schon hatte der DB-Server wieder überschaubare 88 MB und kein 1 GB mehr. Ich schreibe das nur so ausführlich auf für den Fall, dass irgendwer hier auch mal in so eine Situation kommt. Immer mal wieder die Spamkommentare prüfen, sag ich mal.

Ansonsten ist jetzt Frühling, was unweigerlich Aufräumanfälle mit sich bringt. Am Dienstag nach Ostern kommt der Sperrmüll, über Ostern müssen wir also den Keller aufräumen, um möglichst viel auf den Sperrmüll packen zu können, niemand in diesem Haushalt weiß, was sich in diesem Keller angehäuft hat, mein Mann hat letztens zumindest mal mit eigenen Augen gesehen, was ich meine, wenn ich „Da ist nicht mehr viel Platz im Keller“ sage, weil ich ja immer die Umverpackungen, die auf jeden Fall behalten werden müssen, in den Keller packe. Anders gesagt: Ich weiß, wie viel in diesem Keller ist, kann aber nur grob entscheiden, was davon wirklich noch gebraucht wird. Das mit den Umverpackungen ist im Übrigen leider auch kein Spleen, da geht es im Wesentlichen um Elektroequipment, das auch regelmäßig wieder verkauft wird und dann hilft so eine Originalverpackung in mehrerer Hinsicht. Das Argument „Braucht man nie wieder“ zieht hier also nicht, das hat die Erfahrung gezeigt.

Ich hatte letztes Jahr auch schon mal Sperrmüll bestellt, da ging es aber um sehr konkreten Müll, der vom Küchenabbau übrig geblieben war. Bei der Beantragung stellte ich mit großer Freude fest, dass man nicht mehr sehr akribisch benennen muss, was man wegzuschmeißen gedenkt, sondern nur noch, ob es nur Holz und Möbel oder auch Metall und Plastik ist. Für ersteres bekommt man schneller einen Termin, ich wüsste aber auch nichts von größeren Mengen Metall oder Plastik im Keller, das Risiko konnte ich eingehen. Ich bin selber ganz gespannt, wie viel Sperrmüll wir finden.

Bei Fremdsperrmüll habe ich meistens immer nur Bügelbretter und Wäscheständer dazugestellt, weil die immer, immer weggehen, bevor der Müllwagen kommt, man belastet also niemanden. Meine Mutter hat laut eigenen Aussagen noch nie in ihrem Leben ein Bügelbrett oder einen Wäscheständer gekauft, sondern alles immer am Straßenrand eingesammelt. Rein karmatechnisch sind also mindestens ein Bügelbrett und ein Wäscheständer meiner Eltern von mir, also eben nicht genau von mir, aber so vom Universum aus gesehen.

Ansonsten hat letztens ein Hundetrainer unseren Hund aufgrund einer zugegebenermaßen etwas verwirrten Situation für einen Angsthund gehalten, das war gar nicht mal so günstig, aber das erzähle ich ein anderes Mal. Der Hund hat eh Erkältung und Hundekontaktverbot.

11. Türchen

Ich versuch das noch mal mit dem Tagebuchbloggen, es kann doch nicht so schwer sein.

Jedenfalls wollte ich noch erzählen, dass so ein Hund einen auch dazu nötigt, das eigene Viertel besser kennenzulernen, gerade wenn man so städtisch wohnt, dass man zu jedem besseren Park oder Wald erstmal zwei Kilometer laufen müsste und das ist einmal am Tag machbar, aber eben nicht dreimal. Nun wohnen wir ja wirklich sehr städtisch, Holsterhausen hat über 26.000 Einwohner auf knapp 3 Quadratkilometern, ich habe das letztens Mal im Zuge einer Parkplatzdiskussion ausgerechnet und ich hab die Zahl nicht mehr im Kopf, aber es sind wirklich sehr viele Leute auf einen Haufen und wir wohnen dazu noch in einem Teil von Holsterhausen, in dem besonders viele Menschen auf einen Haufen wohnen.

(Zu der Parkplatzdiskussion kann man später noch mal kommen, wichtig dafür ist noch die Option, dass das hier natürlich auch alles keine Neubauten sind, sondern Mehrfamilienhäuser aus den 50er bis 70er Jahren, als die Überlegung, dass die zukünftigen Hausbewohner auch Autos haben könnten noch nicht so en vogue war. Als kleinen Teaser möchte ich auch noch vorweg schicken, dass wir auch gar kein Problem mit der Parkplatzsituation haben, außer eben, dass es zu wenig gibt, sondern die Diskussion immer angestoßen wird, weil andere Menschen Schnappatmung bekommen, wenn ich Bilder von aktuellen Straßensituationen zeige.)

Rausgehen mit dem Hund also. Da ich in Köln aufgewachsen bin, habe ich mit optisch ansprechenden Städten nicht so viel am Hut, man gewöhnt sich quasi schon als Kind daran, dass es draußen nicht unbedingt hübsch ist und legt im weiteren Leben keinen gesonderten Wert auf die Pittoreskheit der Umgebung. Holsterhausen habe ich entsprechend auch nie als besonders schön wahrgenommen, aber es war mir ja auch egal, es gibt viele andere Vorteile, zum Beispiel ist man schnell in der Stadt und am Bahnhof, gleichzeitig ist das Viertel aber nicht so beliebt, dass die Wohnkosten absurd wären.

Wenn man nun jetzt jeden Tag mindestens zwei Mal am Tag mit dem Hund eine halbe Stunde rumlaufen muss, fängt man an, Routen auszuprobieren, erstens, damit man sich selber nicht so langweilt und zweitens, damit der Hund sich nicht so langweilt, ob letzteres überhaupt ein Problem ist, kann ich nicht sagen, dazu müsste ich den Hund fragen und der redet nicht.

Seit ungefähr September weiß ich jetzt also: Es gibt sehr viele sehr schöne Ecken in unmittelbarer Nähe zu unserer Wohnung, man wusste nur vorher nichts davon, weil es keinen Grund gab, sie zu finden. Holsterhausen ist zum Beispiel voll mit Altbauhäuserblöcken mit Innenhöfen mit Gärten und kleinen Spielplätzen. Teilweise stehen da Sitzbänke vor der Tür oder ein Arsenal an bepflanzten Blumentöpfen. Leider kann man in diesen Blöcken keine Wohnungen erwerben, sie scheinen alle zu einer Wohnungsbaugesellschaft zu gehören, aber ich will ja auch sowieso gar nicht umziehen, mit dem Hund durch die Höfe zu spazieren reicht mir völlig aus.

So ein Hund schärft auf jeden Fall deutlich die Sicht auf die unmittelbare Umgebung, was das jenseits von der Städteplanung auch in Hinblick auf z. B. Menschen und Mülllogistik (kein Zusammenhang) bedeutet, darüber schreibe ich dann ein anderes Mal.

Tagebuchbloggen, 17.8.2020

Es ist nicht so, dass einem niemand sagen würde, wie anstrengend es ist, auf einmal einen Hund im Haus zu haben, aber ich war wirklich nicht auf die Menge an Emotionen, Stress und Müdigkeit vorbereitet.

Der Hund ist toll, ich hadere trotzdem jeden Tag mehrfach mit der Entscheidung. Und dann guckt er einen wieder an und man möchte ihn auf keinen Fall wieder abgeben.

Demnächst mehr. Bevorzugt, wenn ich wieder wach bin.

Tagebuchbloggen, 4.8.2020

Noch drei Tage bis Hundi. Ich verstehe langsam einen Zusammenhang zwischen Minimalismus und Tierhaltung, wir sind seit einigen Tagen damit beschäftigt, untere Regalfächer leerzuräumen und halten Ausschau nach allem, was für einen 55-Zentimeter-Schulterhöhe-Hund wie interessantes Kauspielzeug aussehen könnte.

Sagen wir, es ist grundsätzlich seit Corona schon super ordentlich in der Wohnung und jetzt wird es noch ein bisschen ordentlicher, wobei natürlich unklar ist, wie viel Unordnung Hundi dann mit ins Haus bringt, also ist es eventuell auch nur ein sehr temporärer Zustand.

Gestern waren wir deswegen auf Anraten der Vorkontrolle-Frau bei einem ominösen Laden namens Action, weil es dort Welpenmatten zum Vorzugspreis geben sollte. Welpenmatten sind so saugfähige Unterlegmatten, die wir gleichermaßen großzügig wie strategisch in der ganzen Wohnung verteilen sollten, weil die Stubenreinheit von Hundi noch nicht bekannt ist. Außerdem konnte man bei Action so einen Bürstenhandschuh, Anti-Floh-Tropfen und Kotbeutel kaufen, es war also insgesamt erfolgreich, auch wenn wir das Konzept des Geschäftes nicht verstanden haben.

Danach waren wir bei einem uns bisher noch unbekannten Edeka, der sehr groß und schön war, was dazu führte, dass wir sehr viel Unsinn kauften, unter anderem sehr teuren löslichen Kaffee, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit machen soll, aber es stand „Walnut Maple“ drauf und ich werde immer sehr unzurechnungsfähig, wenn irgendwo Maple draufsteht.

Was sonst noch geschah:

  1. Ich habe eine Tomate umgetopft, also vielmehr „die“ Tomate, denn es gibt hier nur eine, jedenfalls als Pflanze. Die Tomate kommt aus Essen-Haarzopf und überlebte nur haarscharf, sieht jetzt aber insgesamt recht stabil aus, deswegen durfte sie auch in einen größeren Topf.
  2. Wir haben noch mal angefangen, Stromberg von ganz vorne zu gucken und es ist bemerkenswert gut gealtert, aber halt immer noch genauso fremdschämschlimm wie früher.
  3. Eine weitere Großcousine wurde geboren. Mehr Infos habe ich noch nicht, aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Tagebuchbloggen, 30.7.2020

Es ist einigermaßen irre, dass schon Ende Juli ist. Seit Mitte März war ich exakt einmal im Büro. Aktuell dürfen 30 Prozent der Mitarbeiter vor Ort in Köln sein, mich treibt aber tatsächlich relativ wenig dahin, ich säße dann auch nur alleine im Büro, eben weil ja nur 30 Prozent zurück dürfen und es gibt quasi nichts, was ich im Büro könnte, was ich zu Hause am Wohnzimmertisch nicht auch kann.

Gestern eskalierte ich dann abends ein bisschen beim Shoppen, das hatte aber Gründe, nämlich genauer gesagt eine anstehende Geburt und einen anstehenden Geburtstag. Für das Patenkind kaufte ich das unfassbar tolle „Alle Welt“ von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski [Amazon-Werbelink], ein Landkartenbuch mit ganz vielen Bildern zu den jeweiligen Ländern, berühmte Personen, Sehenswürdigkeiten, landestypisches Essen und heimische Tiere. Zu Hause bestellte ich es gleich noch mal, entweder für uns oder für den Großcousinengeburtstag, mal sehen, es scheint mir ein exzellentes Geschenk für eigentlich fast jedes Alter zu sein.

Dann nahm ich noch spontan ein Südafrika-Kochbuch (nämlich dieses hier) mit und eben ein Sachbuch über Hunde, weil ja bald ein Hund hier einzieht. Offiziell sind wir Pflegestelle, es glaubt aber anscheinend mittlerweile exakt niemand mehr, dass wir den Hund wieder abgeben, obwohl er ja noch gar nicht hier ist und wir – weil es ja nur als Pflegestelle gedacht war – exakt 30 Sekunden mit dem Aussuchen des Hundes verbracht haben. Vielmehr erklärte ich der Frau von der Tierschutzorganisation grob, wie unsere Rahmenbedingungen sind, damit sie einen passenden Hund aussuchen konnte und dann sah der erste Vorschlag schon gut aus und wir sagten, ja, okay, das passt. Genau genommen schickte sie drei oder vier Vorschläge, ich zeigte meinem Mann den ersten und als ich dann die anderen durchscrollte, fragte er nur, was jetzt mit dem ersten sei, der sähe doch gut aus.

Es zieht also demnächst für kurz oder lang ein Hund bei uns ein und wir haben keine Ahnung, worauf wir uns da eingelassen haben. Wobei, wir haben natürlich schon eine Ahnung, weil uns auch bei der Vorkontrolle sehr ausführlich erzählt wurde, worauf wir uns einlassen. In der Theorie wissen wir also super Bescheid, sogar über unterschiedliche Konsistenzen von Kot wurde referiert und wir haben uns alles gemerkt und sogar Notizen gemacht. Wie das aber in der Praxis aussieht, das scheint uns alles noch sehr unvorstellbar.

Um schon mal reinzukommen, üben wir einfach, in dem wir mit einem unsichtbaren Hund reden, der den gleichen Namen und in etwa die gleiche Größe hat wie der Pflegehund. Man muss sich das so vorstellen, dass in diesem Haushalt jetzt gelegentlich Sätze fallen wie „Hundi, geh da weg!“ oder „Hundi, nein! Das ist mein Essen, du kriegst gleich auch was.“ oder „Hundi, komm her!“ begleitet mit einem auffordernden Klopfen auf das Sofakissen (selbstverständlich darf der Hund aufs Sofa, wir sind doch keine Unmenschen, mal abgesehen davon, dass einer der wesentlichen Vorteile eines Hundes ist, dass er als flauschiges Wärmekissen einen großen Beitrag zum Liegekomfort beitragen kann).

Das sind soweit die Neuigkeiten aus dieser Ecke der Pandemie. Stay tuned und noch 9 Tage bis Hundi.