Kategorie: Fronkreisch

Über Kinderkrankheiten und Baguette

Die Impfdebatte ist ja in vollem Gange. Ich habe keine Kinder und war unter anderem fahrlässig ungeimpft mal in Vietnam, aber das hatte andere Gründe, die mit einer gewissen Planlosigkeit zu tun hatten. Ich war nämlich nicht nur fahrlässig ungeimpft sondern auch mit dem falschen Visum in Vietnam. Hat aber keiner gemerkt. Als Biologentochter und Alumni einer Schule, auf dem einem noch was beigebracht wurde, bin ich sehr auf der Seite der Wissenschaft und dementsprechend sehr pro Impfung. Darum geht es hier aber nicht, das dürfen andere Leute mit mehr Energie bitte an anderen Stellen diskutieren.

Ich hatte Masern, Windpocken und Mumps. Ich weiß nicht mehr, wann und wogegen ich geimpft wurde. Ich erinnere mich an exakt zwei Impfungen, nämlich eine Schluckimpfung vermutlich gegen Keuchhusten und an die Impfung gegen Röteln in der Unterstufe, wo andere Mädchen weinend in der Ecke saßen, während ich vergnügt dabei zusah, wie mir die Ärztin die Spritze so in den Arm rammte, dass es blutete.

An Masern erinnere ich mich nicht, da war ich sehr jung. Ich meine mich daran zu erinnern, wie meine Oma panisch bei meiner Mutter anrief, weil die Enkelin krank sein, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil irgendwer mal irgendwie sowas erzählt hat. An Windpocken erinnere ich mich etwas besser. Ich kann das nicht empfehlen, das ist unangenehm. Das einzig positive war, dass ich, meine Cousine und mein Cousin gleichzeitig Windpocken hatten, also nicht ganz allein in Quarantäne mussten. Das ist übrigens kein Argument für Masernpartys, besser wäre gewesen, wir hätten uns gar nicht erst tagelang die Pocken vom Körper kratzen wollen.

Mumps aber, das weiß ich noch genau, weil die Geschichte darum einigermaßen originell ist. Als ich Mumps hatte waren Sommerferien und wir in Frankreich. Meine Mutter, meine Tante, mein Cousin und ich waren Campen (das letzte Jahr, danach war Schluss mit dem Unsinn, Campen, lasst das, da hat man noch nicht mal richtige Betten). Ein anderer Teil der Familie war klüger und hatte sich ein Haus im Ort gemietet.

Irgendwann fing ich an über Schmerzen in den Backen zu klagen. Beim Kauen tat es weh und sonst auch. Meine Mutter diagnostizierte einwandfrei und knallhart: Baguette! Ich hatte sicherlich die bekannte Baguettekrankheit. Wer dauernd intensiv mit den Zähnen am Brot zieht, der kriegt Baguetteweh in den Backen. Fall gelöst. Millionen Franzosen wissen, wovon ich rede.

Mit Baguette ließen sich dann leider weder die dicken Backen noch das Fieber erklären. Mein Onkel, der hilfreicherweise Arzt war, wagte eine Zweitdiagnose und tippte auf: Mumps. Das klang dann nach ein bisschen Nachdenken doch wahrscheinlicher als Baguette. Dann durfte ich ein paar Tage im Haus rumfiebern und musste nicht campen, dann war der Mumps vorbei.

Sollte das Kind also im nächsten Urlaub über Backenweh klagen, muss es nicht zwingend das lokale Backwerk sein. Außer, wenn es vernünftigerweise geimpft ist, dann ist es vielleicht doch Baguette.

Wale sind größer als Rochen

Letztes Jahr waren wir ja wieder in Frankreich zum Surfen. Jeden Tag zwei Stunden auf dem Brett im Wasser, dieses Mal auch immer mit Surflehrer, weil wir tatsächlich auch immer noch sehr sehr viel zu lernen haben.

Und dann hatte das Meer auf einmal keinen Bock mehr (ich berichtete). Zwei Tage lang nüscht, keine Wellen, aber so mal gar keine. Wie man da Surfen sollte, war unklar, die Antwort kam dann aber auch per Telefon: Heute gäbe es keine Wellen, Surfkurs ginge also nicht, sagte Clément, aber ob wir denn statt dessen Stand-Up-Paddling machen wollen würden.

Wir wollten! Tatsächlich fand ich Stand-Up-Paddling schon die ganze Zeit sehr faszinierend, beim üblichen Wellenaufkommen aber auch nicht so ganz ohne. Aber ohne Wellen natürlich deutlich einfacher.

Also lernten wir, auf einem Brett auf dem Wasser zu stehen und rumzupaddeln. Erst mal lernt man das im Knien, irgendwann steht man dann zum ersten Mal auf und fällt dann prompt ins Wasser. Das macht man ein paar Mal und dann steht man auf einmal länger auf dem Brett und paddelt lustig rum.

Gerüchten zufolge sollte ein großer Rochen im Wasser sein, das hatte schon unser Surf- bzw. Stand-Up-Paddle-Lehrer Olivier berichtet. Auch der werte Herr Gemahl, der als Streber vom Dienst sofort im Stehen lospaddelte, während der Rest der Gruppe abwechselnd ins Wasser plumpste, zeigte immer mal wieder mit dem Finger auf irgendeine Stelle im Wasser, wo angeblich gerade der Rochen langgehuscht war. Mein einzig Sinnen und Trachten an diesem Tag war also, den verdammten Rochen zu sehen.

Jedenfalls habe ich den Rochen nicht gesehen. Nicht am ersten Tag und auch nicht am zweiten Tag, als das Meer immer noch keinen Bock hatte und wir mehr oder weniger erfolgreich lernten, nicht nur rumzupaddeln, sondern auch auf einer Welle zu surfen.

Während unsereins aber in Frankreich schon von der angeblichen Anwesenheit eines Rochens vollkommen beeindruckt waren, hat ein Stand-Up-Paddler in Kalifornien Begegnung mit einem etwas größeren Meeresbewohner gemacht. Er paddelte neben einem Wal her. Kann man natürlich auch machen.

Was Udo Jürgens mit Südfrankreich zu tun hat

Im September waren wir ja in Frankreich und wie es der Zufall wollte, gab es am ersten Wochenende ein dreitägiges Fest. Auf dem Marktplatz standen lauter Buden irgendwelcher Vereine und Restaurants, überall gab es leckeres Essen auf Papptellern und Bier in Plastikbechern.

Und dann spielte eine Band auf einmal “Griechischer Wein”, nur dass eben niemand den deutschen Text sang, sondern irgendetwas französisches und ich wunderte mich ein bisschen, aber wer weiß schon, wo so Melodien herkommen und wo sie hinwandern. In Biscarrosse-Plage spielt man jedenfalls beim Dorffest “Griechischer Wein”, warum auch nicht?

Weil ich es heute dann aber doch mal genauer wissen wollte, guckte ich im Internet nach, was es damit auf sich gehabt haben könnte und erfuhr dabei auf Wikipedia folgendes:

Die Melodie schrieb Jürgens nach einem Urlaub auf der griechischen Insel Rhodos, laut eigener Aussage in nur 20 Minuten.

[…]

José Vélez (Vino Griego) sang das Lied in einer spanischen Version, die auch im südfranzösischen Gebiet bekannt wurde. Sie ist die Hymne des Rugby-Vereins von Bayonne (mit einem französischen und einem baskischen Text) und wird bei den verschiedenen Ferias in Südfrankreich gespielt.

Und so ist das mit Südfrankreich und Udo Jürgens. Mach’s gut, Udo. War immer schön mit deiner Musik.

Damals am Meer

Damals ist jetzt zwar noch nicht mal zwei Monate her, kommt mir aber vor wie Ewigkeiten. Damals, in Biscarrosse, jeden Tag auf dem Surfbrett, ich kam total ramponiert aus dem Urlaub zurück, überall blaue Flecken und kaputte Knie, die ich mit Stolz jedem präsentierte, der nicht “TMI! TMI!” schreiend weglief. Die ersten Blessuren holte ich mir direkt am Sonntag, als man uns das Entleihen von Softboards verweigerte, ein Missstand, den wir direkt am Montag beseitigten, der für mich aber mangels langem Wetsuit erstmal aufgeschürfte Knie bedeutete. Die letzten Blessuren holte ich mir beim Stand-Up Paddeln. Beim Stand-Up Paddeln fällt man zunächst sehr oft sehr unvermittelt ins Wasser. Das sieht nicht nur lustig aus, wenn man mit einer Gruppe Anfänger unterwegs und dauernd Leute scheinbar völlig grundlos ins Wasser fallen, es ist auch gar nicht schlimm, aber je nach dem, wie ungünstig man fällt, sieht man dann nachher eben auch auch.

So war das jedenfalls. Die blauen Flecke sind weg, dafür habe ich mich gestern unter der Dusche noch still gefreut, weil man immer noch sieht, wo mein Shorty aufhörte und die nackten Beine anfingen.

Anders gesagt: Ich könnte schon wieder, aber ich werde wohl geduldig warten, bis wir nächstes Jahr wieder im schönsten Spätsommer Richtung Frankreich aufbrechen.

Und jetzt alle: Hach!

Stand-Up Paddler Surferrobben Immer noch Surferrobben Fähige Surferrobbe Strandleben Eismann macht Pause Board an Land Surfer Und hopp! Strandmenschen Kleiner Strandmensch Kleiner Strandmensch und großer Strandmensch Surferin Mehr Strand Zu den Wellen

Clermont-Ferrand mit schönem Wetter

Bei eher schlechtem Wetter hatten wir Clermont-Ferrand ja schon. Dann war damit auf einmal Schluss und die Sonne kam raus. Da war die Stadt auf einmal noch ein Eckchen schöner. Wir mäanderten durch die Gässchen, guckten uns den Dom von außen an und fanden den Blick auf die Vulkanberge sehr hübsch und pittoresk. Nebenbei informierten  wir uns schon mal über das gastronomische Angebot und entschieden uns dann allerdings für ein Etablissement, das ich schon vorher im Internet ausgemacht hatte, obwohl es erst um 19:30 Uhr öffnete (im Gegensatz zu den sonst üblichen 19:00 Uhr… überhaupt, französische Sturheit bei Öffnungszeiten, da muss eigentlich auch noch ein Blogbeitrag drüber geschrieben werden).

Vielmehr, ich guckte so lange betroffen, bis der werte Gatte diesem Vorschlag zustimmen musste. Dafür mussten wir dann eine halbe Stunde länger durch Gässchen wandern, wurden aber immerhin mit astreiner Landküche aus der Auvergne belohnt. Ich bestellte aus Prinzip Truffade, weil das anscheinend eine auvergnische Spezialität ist. Truffade besteht zu 40 Prozent aus Kartoffeln, zu 40 Prozent aus Käse und zu 20 Prozent aus Speck. Man muss nach der Hälfte aufgeben, den fragenden Blick der Kellnerin mit “C’était très bon, mais je dois réserver quelque place pour la dessert!”* beantworten, worauf sie wissend nicken und alles ist in Ordnung.

Danach waren wir satt und glücklich und wanderten ins Hotel. Wie ich schon sagte, Clermont-Ferrand kann man gut machen.

*Sollten in diesem Satz Fehler sein, dann sei es so. Ich beklagte ja schon, dass mein Französisch sehr eingerostet ist. Zumindest ist es wahrscheinlich, dass ich ihn so oder so ähnlich gesagt habe.

Restaurant Durchs Tor Frosch Häuser und Himmel Fensterbänke Plastikstühlchen Plakate Haus und Himmel Boulangerie Dom von weitem Café Blau mit viel Grün Dom Straßenschild Fußgänger aufpassen Café Französischer Fensterzwerg Tricolore Sonne kommt raus Domspitzen Gässchen Laterne und Himmel

Clermont-Ferrand mit schlechtem Wetter

Arbeiten wir doch den Urlaub weiter auf. Nach Mömpelgard waren wir in Clermont-Ferrand, das liegt dann noch mal so ungefähr auf halber Strecke zwischen Mömpelgard und Biscarrosse. Nachdem ich im Hotel im Bad Berneck immer lauter fluchend zwei Stunden lang nach einem netten Chateäuchen irgendwo im Nichts (aber gerne nahe an der Autobahn) suchte, gab ich leise grummelnd auf und buchte ein recht unattraktives Hotel mitten in Clermont-Ferrand. Das Hotel entpuppte sich architektonisch als noch unattraktiver als auf den Bildern, innendrin aber als recht luxuriös. Außerdem hatten wir ein Zimmer mit Blick auf die Berge, was bedeutet, dass man erst auf ziemlich viele hässliche Häuser guckt, und dann im Hintergrund auf grüne erloschene Vulkane oder so. Irgendwo da wurde wahrscheinlich auch diese Volvic-Werbung gedreht, kann man sich jedenfalls gut vorstellen.

Clermont-Ferrand hingegen entpuppt sich nach einem kurzen Weg durch eine wenig attraktive Innenstadt als erstaunlich hübsch. Dann kommt nämlich die Altstadt mit ganz vielen kleinen Gässchen, Unmengen von Restaurants, Cafés und kleinen Läden und es ist wirklich sehr nett. Clermont-Ferrand kann ich empfehlen, da würde ich drei Tage durch die Stadt laufen, schon allein, weil wir an zu vielen Restaurants vorbeikamen, die wirklich gut aussahen.

Jedenfalls war erst schlechtes Wetter und so stiefelten wir unter grauem verhangenen Himmel durch enge Gässchen und guckten uns die Stadt an. Nachher wurde es dann tatsächlich noch schön. Aber weil ich sowieso viel zu viele Bilder gemacht habe, fangen wir mit denen mit grauem Himmel und ohne Sonne an.

(In Clermont-Ferrand gibt es übrigens die angeblich erste Straßenbahn Frankreichs und zwar eine Einspurenstraßenbahn. Was bewirkte, dass ich die ganze Zeit glücklich Straßenbahnen anstarrte. Ich bin halt ein simples Gemüt und einfach glücklich zu machen.)


Dingsi Straßenbahn La Montagne Erste Straßenbahn Place de Jaude McDonalds Elefant Gässchen Café Truffade Plakate Dom Altstadt und Berge Steindingsi Bibendum Stadt

Mömpelgard

Dieses Jahr sah die Urlaubsplanung ja etwas anders aus. Wir mussten nämlich zwischen Bayreuth und Biscarrosse noch zwei Tage überbrücken. Mittwochabend dämmerten die Götter auf dem grünen Hügel, aber die Ferienwohnung am Meer war erst ab Samstag gemietet.

Weil wir aber einigermaßen kluge Menschen sind, nutzten wir diesen Umstand, um die tägliche Fahrtzeit zu verkürzen und noch etwas mehr von Frankreich zu sehen. Die erste Etappe ging also lediglich von Bayreuth ins Burgund, knapp hinterm Elsass, nach Montbéliard oder wie mir Leute in den sozialen Netzwerken enthusiastisch in die Kommentare schrieben: MÖMPELGARD!

Montbéliard entpuppte sich dabei als sehr niedliches Städtchen mit einer kleinen Fußgängerzone, einem Schloss, das wir aber nur von weitem sahen und schönem Wetter. Tatsächlich haben wir nicht viel mehr gemacht als einmal durch die Stadt zu laufen, dann in einem Restaurant einen Tisch zu reservieren, kurz ins Hotel zu huschen und dann pünktlich um 19 Uhr wieder zum Essen aufzubrechen.

Trotzdem würde ich sagen: Mömpelgard kann man gut machen. Und wenn man es macht, kann ich das Restaurant Joseph empfehlen. Man sollte sich da nicht vom Mobiliar abschrecken lassen. Wir hatten da möglicherweise das zweitbeste Essen, das wir je irgendwo hatten. Das teilte ich der recht resoluten Französin, die uns das Essen brachte und zwischendurch bemerkte, wir äßen ziemlich schnell, auch so mit und lernte: Das ehrliche Kompliment, das wäre jetzt das zweitbeste Essen, das man überhaupt je in seinem Leben gegessen hätte, wird gar nicht so enthusiastisch aufgenommen, wie man erwarten könnte. Sowas.

Grill Restaurant Angeline Mömpelgard Tabac Presse Palmenzeugs Pianos Musique Blumengedöns Café Obelix Turm Graffiti oder so

Meermomente

Am Dienstag war das Meer müde. Allerdings wussten wir das am Dienstag noch nicht. Am Dienstag waren wir erst in Bayonne, dann in Anglet und dann in Biarritz. Das geht, weil Bayonne direkt an Anglet hängt und Anglet direkt an Biarritz. In Biarritz wollten wir Surfer gucken. Also andere Surfer. Biarritzische Surfer auf biarritzischen Wellen. Nur, dass es keine Wellen gab. Aber weil wir ja noch nie in Biarritz waren, wussten wir nicht, dass das Meer müde war und dachten, vielleicht ist das hier immer so, in Biarritz, dass es keine Wellen gab, jedenfalls nicht hier in der Stadt.

Am Dienstag war jedenfalls das Meer müde, nur dass wir das erst am Mittwoch merkten, als wir wieder in Biscarrosse waren, wo wir ja die grobe Wellensituation kennen und am Mittwoch gab es auch in Biscarrosse keine Wellen. Also keine. Gar keine.

Da stehen dann also drei deutsche Jungs oben an der Strandpromenade an der Treppe, die runter zum Strand führt und machen lange, sehr lange Gesichter.

“Da sind ja überhaupt keine Wellen”, sagt der erste.

“Da sind ja auf Mallorca größere Wellen”, sagte der zweite.

“Da sind ja in Florida größere Wellen”, trumpft der dritte.

Schweigen und enttäuschtes Starren auf den atlantischen Ozean, der heute halt mal echt keinen Bock hat.

“Ich hatte mich so auf heute gefreut”, sagte der erste.

Und da stehen sie dann mit ihren Bodyboards und wissen nicht, was tun. So ganz ohne Wellen. Aber dem Meer ist das egal.

Als Gott Frankreich schuf

Als Gott Frankreich schuf, da malte er ein großes Land und in das Land zeichnete er schöne lange Autobahnen und sagte zu den Franzosen: “Das sind jetzt eure. Ihr dürft Geld dafür nehmen, aber passt schön auf, dass man gut darauf fahren kann und die Leute schnell von A nach B kommen.”

Und die Franzosen taten, wie ihnen geheißen und es ward gut.

Dann setzte Gott noch einen dicken Knubbel mitten in das Land, zeichnete wirr und konfus ganz viele Straßen ein, drückte ein paar Schlaglöcher in den Asphalt und sagte zu den Franzosen: “Und das ist Paris. Seht zu wie ihr damit fertig werdet.”

Und es ward Stau.