Kategorie: Fronkreisch

Bordeaux-Vorfreude

Bordeaux (5.9.2015)

In anderthalb Wochen brechen wir wieder gen Süden auf, um schon wieder in Biscarrosse-Plage Urlaub zu machen. Eigentlich widerstrebt es mir, jedes Jahr an den gleichen Ort zu fahren, es gibt aber auch sehr gute Argumente dafür oder zumindest für Biscarrosse: Erstens wollen wir ja surfen und ja, das geht auch woanders, aber in Biscarrosse geht es erwiesenermaßen sehr gut, man kommt mit dem Auto hin und wir fahren einfach sehr gerne nach Frankreich. Zweitens haben wir festgestellt, dass wir so locker jeden Tag zwei zusätzliche Erholungstage raushauen, weil die ganze Einlebephase wegfällt. Ungefähr in der Minute, in der wir das Ortsschild passieren, bin ich entspannt, es gibt keine Übergangsphase mehr, wir sind da, das Meer ist da, die Surfschule ist da, der Supermarkt ist da, der Bäcker ist da, alles da, kann losgehen. Drittens kennen wir da mittlerweile Leute und es ist tatsächlich ganz nett, auch im Urlaub nicht ganz fremd zu sein.

Bordeaux 8.9.2015

Viertens machen wir ja doch jedes Jahr etwas neues. Im dritten Jahr machen wir einen Zwischenstopp auf der Hinreise, 2014 waren wir in Montbéliard und in Clermont-Ferrand, letztes Jahr in Barbizon und dieses Jahr werden wir in einem Dorf in der Nähe von Blois übernachten. Außerdem werden wir wohl wieder die Gegend erkunden. Arcachon kennen wir jetzt so langsam, wir waren in Mont-de-Marsan, Biarritz und Bayonne, aber wir waren noch nicht in Biarritz im Aquarium. Und vor allem haben wir noch längst nicht genug von Bordeaux gesehen, da haben wir uns nämlich erst letztes Jahr zum ersten Mal hingetraut, weil wir die Größe der Stadt etwas überschätzt hatten und schlimmes Verkehrschaos befürchteten.

In Wirklichkeit sieht ein Bordeauxausflug so aus. Man fährt eine Stunde mit dem Auto, fährt dann die Autobahnausfahrt Bordeaux-Centre raus, fährt ungefähr fünf Minuten geradeaus und dann am Place de la Bourse in ein Parkhaus. Fertig. Das hat uns überzeugt.

Bordeaux (5.9.2015)

Für dieses Mal habe ich mindestens drei Bordeaux-Ausflüge geplant, denn sobald man begriffen hat, dass es kein Verkehrschaos zu befürchten gibt, ist man nicht nur dem Charme der Stadt erlegen, sondern verbringt zu viel Zeit auf TripAdvisor und hat in Nullkommanix eine Liste mit Restaurants, in die man unbedingt mal gehen muss. Das funktioniert zwar auch mit anderen Städten, in Bordeaux kommt es mir aber besonders schlimm vor.

Für das Garopapilles habe ich schon vor Wochen eine Reservierung gemacht, das Restaurant hat nämlich nur an zwei Abenden in der Woche geöffnet, da war mir das Risiko zu groß, abzuwarten.

Außerdem möchten wir wieder ins Dan, wo wir letztes Jahr eines der leckersten Menüs unseres Lebens essen konnten. Darüber hab ich hier bereits geschrieben.

Bordeaux 8.9.2015

Als wir da beim ersten Versuch sehr freundlich abgewiesen wurden (keine Reservierung), wurde uns das Le Chien de Pavlov empfohlen, wo wir auch sehr lecker aßen und vor allem alten Rum probierten. Die Information, dass man dort auch Kochkurse buchen kann, erwies sich leider als veraltet. Man könne noch Cocktailkurse oder ein Weinseminar machen, aber hier kommt uns ein bisschen die lange Rückfahrt mit dem Auto in die Quere.

Bordeaux (5.9.2015)

Dann steht noch das Miles auf der Liste und damit müssten wir dann schon drei Mal nach Bordeaux, was zwar machbar ist, aber eben auch schon ein ganz gutes Programm, immerhin muss man halt von unserem kleinen Küstendorf erstmal hinkommen. Man könnte auch noch einen Besuch im neuen Weinmuseum einplanen oder den Le Creuset-Shop leerkaufen oder ach ach, ich seh schon… wir fahren zwar bald erst hin, sollten aber jetzt schon planen noch mal wiederzukommen.

Bordeaux (5.9.2015)

Essen wie Anne in Frankreich: À table in Bayonne

Bayonne 02/09/2015

Als wir im letzten Jahr ankündigten, wir würden nach Bayonne oder Biarritz fahren wollen, schrieb uns Antoine den Namen eines Restaurants auf, in das wir unbedingt gehen sollten. „À table“ hieß es, in Bayonne sei es, direkt am Fluß und sehr empfehlenswert, aber auch sehr klein, wir sollten reservieren, er könne das aber auch gerne für uns machen. Wir hatten aber noch keine konkreten Pläne, wir hatten ja noch keine Vorstellung, was man in Bayonne und Biarritz so machen könnte und wollten uns nicht direkt einen fixen Termin in den Tag legen.

Mittags kamen wir also in Bayonne an, hatten Hunger und fanden recht schnell zu À table. Sehr hübsch sah das aus. „Ich möchte da essen!“ sagte ich nach kurzem Studieren der Tageskarte. Daraus wurde aber nichts. Ob wir reserviert hätten, fragte uns eine kleine, resolute Frau und wir mussten verneinen. Dann wäre leider nichts möglich, erfuhren wir und wurden weiter geschickt. Dieses Jahr waren wir schlauer und am Abend vorher reservierte ich Online einen Tisch um 12 Uhr im Restaurant von Claire und Wilfried. Die Bestätigung blieb zwar aus, aber wir waren mutig und machten uns trotzdem auf den Weg. Es ist ja nicht so, als ob es in französischen Städten üblicherweise einen Mangel an Restaurants gäbe.

Bayonne 02/09/2015

Um zehn vor zwölf standen wir vor dem kleinen Restaurant und fragten vorsichtig an, ob denn die Reservierung erfolgreich gewesen wäre. War sie, aber da es noch zehn Minuten vor der offiziellen Öffnungszeit war, wurden wir noch eine Runde spazieren geschickt. Auch so eine französische Eigenheit, an die man sich gewöhnen muss. Wenn um 12 Uhr oder um 19 Uhr aufgemacht wird, wird auch erst um 12 Uhr oder um 19 Uhr aufgemacht. Da kann schon alles bereit stehen, los geht es dann, wenn es ganz hochoffziell losgeht. Das mag erstmal unhöflich erscheinen, ist aber einfach so. Manchmal darf man auch schon sitzen, in diesem Fall liefen wir noch eine Runde durch die kleinen Sträßchen von Bayonne.

Dann aber war 12 Uhr und wir durften sitzen und bestellen. Claire entschuldigte sich für das Fehlen einer englischen Karte. Alle paar Monaten wird die Karte von À table saisonbedingt runderneuert und der Wechsel wäre gerade erst gewesen, sie hätten noch keine Zeit für eine englische Karte gehabt. Egal, geht auch mit einer französischen. Auf der einzigen Terrasse (eigentlich der Bürgersteig) stehen kleine Tische, von denen man einen wunderbaren Ausblick auf den Kanal hat. Drinnen ist noch mal Platz für eng aneinander sitzende zehn bis zwölf Personen.

Bayonne 02/09/2015

Im Laufe des Bestellvorgangs steht uns Claire immer beiseite. Zwei Ratschläge hat sie: Nie das gleiche bestellen wie die anderen am Tisch. Und: Immer etwas nehmen, was man so noch nicht gegessen hat. Wir entscheiden uns also für die Vorspeisenvariation für zwei, der Mann nimmt Steak tatare (was Regel 2 widerspricht, aber gut) und ich nehme den Spieß mit Jakobsmuscheln und eingelegter Zitrone. Das Gemüse des Tages ist Ratatouille sowie ein Kartoffelstampf mit Kürbis.

Bayonne 02/09/2015

Die Vorspeisenplatte ist üppig, es gibt Burrata, Römerherzsalat, etwas Sojasprossen, spanischen Schinken, Kapern, Wraps mit Ziegenkäsecreme und Foie Gras in Sangria mariniert. Dazu gibt es einen Brotkorb, zur Foie Gras empfiehlt Claire das Schwarzbrot – unüblich eigentlich, sonst gibt es meistens Brioche, aber es passt auch gut. Das ganze ist recht bodenständig, aber mit guten Zutaten. Wir schaffen natürlich nicht alles, etwas Schinken und Salat und einige Kapern bleiben zurück. Dazu einen schönen Weißwein und für die Foie Gras noch mal extra einen etwas süßeren. Das passt alles ganz hervorragend.

Bayonne 02/09/2015

Das Steak tartare wird schon fertig angemacht serviert, das sonst übliche Soßentablett mit Worcestershiresauce und Tabasco entfällt also. Als Beilage gibt es das Ratatouille und ein sehr leckeres Kartoffelplätzchen, um das ich meinen Mann ein bisschen beneide.

Bayonne 02/09/2015

Allerdings gibt es gar keinen Grund, neidisch zu sein, mein Spieß mit Jakobsmuscheln ist auch toll, statt Kartoffelplätzchen bekomme ich das Püree aus Kartoffeln und Kürbis. Alles schmeckt gut und frisch. Die Portionen sind aber doch etwas zu groß, so dass vom Püree etwas übrig bleibt, was Claire mit strengem Blick zur Kenntnis nimmt und uns dazu rät, dann lieber vielleicht bei einem Nachtisch zu bleiben. Wenn es nicht reichen würde, könnten wir ja immer noch einen zweiten nehmen.

Schon am Anfang haben wir das Pain Perdu (die französische Version des Armen Ritter) mit Mirabellen  bestellt. Zwei der Nachtische haben eine Vorbereitungszeit, so dass man sich direkt für sie entscheiden muss. Darauf hat uns Claire glücklicherweise auch direkt hingewiesen und da eine unsere gastronomischen Missionen heißt, sämtliche Varianten von Pain Perdu, Armer Ritter oder French Toast zu probieren. Das Pain Perdu kommt zwar nicht an die Armen Ritter von Schmitzlers Restaurant ran, ist aber wirklich richtig lecker und kommt nicht nur mit Mirabellenkompott, sondern auch mit Mirabellensorbet, Sahne und ganzen Mirabellen. Und mir wird wieder klar, wie gut Mirabellen schmecken. Einen zweiten Nachtisch brauchen wir aber tatsächlich nicht, obwohl es sehr verlockend wäre.

Bayonne 02/09/2015

Zum Abschluss einen Kaffee. Wir waren die ersten Gäste und sind die letzten, die an diesem Tag gehen. Bei À table werden die Tische nicht gewechselt, jeder Tisch wird jeweils mittags und abends exakt einmal besetzt. Auch wir erleben, wie sich am Nebentisch ein Paar niederlässt und kurz darauf wieder gehen muss, weil hier eben ohne Reservierung fast nichts läuft. Die Plätze sind begrenzt und das Essen eben so gut, dass es genug reservierende Gäste gibt. Wir bekommen noch einen Petit Café. Seit wir uns damit abgefunden haben, dass das Konzept Espresso in Frankreich weitgehend unbekannt ist und man halt einfach statt dessen einen kleinen Kaffee bekommt, wundern wir uns auch nicht mehr dauernd.

Beim Bezahlen plauschen wir noch mit Claire, die sehr eloquent auf Englisch erzählt. Nach uns kann der Laden wieder bis zum Abend zugemacht werden. Und wir melden uns quasi jetzt schon fürs nächste Jahre an: „A la prochaine année.“ Doch, die Empfehlung war gut.

Bayonne 02/09/2015

Die Bestätigung der Reservierung finde ich am Abend in meinem Posteingang. Hat ja aber alles geklappt.

À table
27 Quai Amiral Dubourdieu
64100 Bayonne
Frankreich

+33 5 59 56 79 22
info@restaurant-a-table-bayonne.fr
Webseite

(Dieser Artikel erschien zunächst auf meinem Blog “Annes kulinarische Abenteuer”, schien mir aber auch für dieses Blog passend. Leser beider Blogs bitte ich, die Redundanz zu entschuldigen.)

Wirklich sehr unpassende Ohrwürmer

Beim Surfen hatte ich dieses Jahr immer einen sehr unpassenden Ohrwurm, und das kam so:

An einigen Tagen bot es sich an, dass der Surflehrer, er hieß Thomas beziehungsweise Tom, einen gelegentlich mal anschubste. Angeschubst werden hat zwei Vorteile. Erstens sucht der Surflehrer die Welle aus und hat da ja ein bisschen mehr Erfahrung und zweitens muss man nicht wie wild paddeln, nur um dann sowieso festzustellen, dass die Welle eh nicht geeignet war.

„Anne1, tu veux un taxi?“ rief Tom also gelegentlich, manchmal auch auf Englisch. „Anne, you want a taxi?“

Menschen, die in den Achtziger Jahren einigermaßen bei Bewusstsein waren, werden das Problem sofort erkennen. Sobald ein Franzose das Wort „Taxi“ ausspricht, grätscht einem Vanessa Paradis ins Hirn und man summt „Joe le taxi“ vor sich her. Für alle, die sich gerade fragen, wovon ich fasele, hier kann man sich das ganze anhören.

Das ist aber noch nicht der unpassende Ohrwurm. Im französischen Atlantik einen Achtzigerjahrehit im Kopf haben, wäre ja noch irgendwie okay gewesen. Leider hatte ich eine ungünstige Assoziationskette, die ich auch nicht losgeworden bin und bin von der Melodie von „Joe le taxi“ immer wieder innerhalb von weniger als einer Minute zu „Hohe Berge“ von Frl. Menke gekommen. Auch hier wieder ein Beispiel für Spätergeborene:

Da hing ich also auf einem Surfbrett im Atlantik und summte Liedzeilen, in denen hohe Berge und Luis Trenker vorkamen und kam mir jedes Mal etwas seltsam vor. Aber da macht man eben nix.

1 In Wirklichkeit heiße ich ja im Ausland immer Anna, weil die Menschen weder im Französischen noch im Englischen das E am Ende aussprechen. Ich könnte also entweder die landestypische Aussprache nehmen oder ich stelle mich als „Anne“ (deutsch ausgesprochen) vor und heiße dann für die Zeit der Bekanntschaft „Anna“.

Der Tag als Gedicht zusammengefasst

Zwei kleine Surfer, die schwammen im Meer.
Da sprach die eine, „Ich kann nicht mehr!“
„Ich will zurück in meinen kleinen grünen Teich.
Denn von dem ganzen Paddeln sind meine Arme ganz weich.“

(Ende, aus, Applaus!)

Linguistische Gewürzverwirrung

Da ich unangemessen viele Kochzeitschriften besitze und zwar nicht nur deutsche, sondern auch französische und englisch und ja, tatsächlich auch niederländische, habe ich erstaunliche Kenntnisse, was die französischen, englischen (und niederländischen) Wörter für gastronomische Begriffe, allen voran eben Zutaten sind.

Neulich saßen wir in einem Restaurant in Bayonne und der Fisch des Tages wurde als „espadon“ angekündigt, woraufhin mein Mann sein wandelndes Lexikon fragte, was das denn sein könnte.

„Ich möchte Schwertfisch sagen“, antwortete ich. „Aber ich habe wirklich keine Ahnung, wo dieses Wissen herkommt.“

(Es ist übrigens wirklich Schwertfisch und ich weiß immer noch nicht, warum ich das weiß.)

Jedenfalls saßen wir in Bayonne und ich hatte als Beilage zu den Jakobsmuscheln mit eingelegten Zitronen ein Püree (puree) aus Kartoffeln (pommes de terre) und Kürbis (potimarron), auf dem Schnittlauch obendrauf lag.

Bayonne 02/09/2015

Ciboulette, sprang es in mein Hirn, und ich weiß nicht, warum ich an das französische Wort für Schnittlauch denken musste, aber da war es eben. Ciboulette, ein sehr schönes Wort eigentlich.

Daraufhin teilte ich meinem Mann nicht nur mit, dass Schnittlauch ciboulette heißen würde und ich auch nicht wüsste, warum ich gerade jetzt daran denken müsste, außer eben, weil da ciboulette auf meinem Püree wäre und dass ich außerdem lange von dem Wort aneth  verwirrt gewesen wäre, weil ich natürlich immer gedacht hätte, das würde Anis bedeuten, in Wahrheit ist der französische aneth aber der deutsche Dill und das wäre so dermaßen überhaupt nicht naheliegend, dass ich auch jetzt immer wieder irritiert wäre.

Noch viel irritierender fand ich aber, dass mir das englische Wort für Dill nicht einfallen wollte. Schnittlauch, klar, ist chives, aber was ist nur Dill? Ich habe diesen Gedankenfaden irgendwann verloren, aber heute morgen ist er wieder in mein Hirn geploppt und seitdem weiß ich es auch wieder.

Dill, meine Damen und Herren, heißt auf Englisch natürlich dill. Da hätte man auch gleich drauf kommen können.

Über Kinderkrankheiten und Baguette

Die Impfdebatte ist ja in vollem Gange. Ich habe keine Kinder und war unter anderem fahrlässig ungeimpft mal in Vietnam, aber das hatte andere Gründe, die mit einer gewissen Planlosigkeit zu tun hatten. Ich war nämlich nicht nur fahrlässig ungeimpft sondern auch mit dem falschen Visum in Vietnam. Hat aber keiner gemerkt. Als Biologentochter und Alumni einer Schule, auf dem einem noch was beigebracht wurde, bin ich sehr auf der Seite der Wissenschaft und dementsprechend sehr pro Impfung. Darum geht es hier aber nicht, das dürfen andere Leute mit mehr Energie bitte an anderen Stellen diskutieren.

Ich hatte Masern, Windpocken und Mumps. Ich weiß nicht mehr, wann und wogegen ich geimpft wurde. Ich erinnere mich an exakt zwei Impfungen, nämlich eine Schluckimpfung vermutlich gegen Keuchhusten und an die Impfung gegen Röteln in der Unterstufe, wo andere Mädchen weinend in der Ecke saßen, während ich vergnügt dabei zusah, wie mir die Ärztin die Spritze so in den Arm rammte, dass es blutete.

An Masern erinnere ich mich nicht, da war ich sehr jung. Ich meine mich daran zu erinnern, wie meine Oma panisch bei meiner Mutter anrief, weil die Enkelin krank sein, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil irgendwer mal irgendwie sowas erzählt hat. An Windpocken erinnere ich mich etwas besser. Ich kann das nicht empfehlen, das ist unangenehm. Das einzig positive war, dass ich, meine Cousine und mein Cousin gleichzeitig Windpocken hatten, also nicht ganz allein in Quarantäne mussten. Das ist übrigens kein Argument für Masernpartys, besser wäre gewesen, wir hätten uns gar nicht erst tagelang die Pocken vom Körper kratzen wollen.

Mumps aber, das weiß ich noch genau, weil die Geschichte darum einigermaßen originell ist. Als ich Mumps hatte waren Sommerferien und wir in Frankreich. Meine Mutter, meine Tante, mein Cousin und ich waren Campen (das letzte Jahr, danach war Schluss mit dem Unsinn, Campen, lasst das, da hat man noch nicht mal richtige Betten). Ein anderer Teil der Familie war klüger und hatte sich ein Haus im Ort gemietet.

Irgendwann fing ich an über Schmerzen in den Backen zu klagen. Beim Kauen tat es weh und sonst auch. Meine Mutter diagnostizierte einwandfrei und knallhart: Baguette! Ich hatte sicherlich die bekannte Baguettekrankheit. Wer dauernd intensiv mit den Zähnen am Brot zieht, der kriegt Baguetteweh in den Backen. Fall gelöst. Millionen Franzosen wissen, wovon ich rede.

Mit Baguette ließen sich dann leider weder die dicken Backen noch das Fieber erklären. Mein Onkel, der hilfreicherweise Arzt war, wagte eine Zweitdiagnose und tippte auf: Mumps. Das klang dann nach ein bisschen Nachdenken doch wahrscheinlicher als Baguette. Dann durfte ich ein paar Tage im Haus rumfiebern und musste nicht campen, dann war der Mumps vorbei.

Sollte das Kind also im nächsten Urlaub über Backenweh klagen, muss es nicht zwingend das lokale Backwerk sein. Außer, wenn es vernünftigerweise geimpft ist, dann ist es vielleicht doch Baguette.

Wale sind größer als Rochen

Letztes Jahr waren wir ja wieder in Frankreich zum Surfen. Jeden Tag zwei Stunden auf dem Brett im Wasser, dieses Mal auch immer mit Surflehrer, weil wir tatsächlich auch immer noch sehr sehr viel zu lernen haben.

Und dann hatte das Meer auf einmal keinen Bock mehr (ich berichtete). Zwei Tage lang nüscht, keine Wellen, aber so mal gar keine. Wie man da Surfen sollte, war unklar, die Antwort kam dann aber auch per Telefon: Heute gäbe es keine Wellen, Surfkurs ginge also nicht, sagte Clément, aber ob wir denn statt dessen Stand-Up-Paddling machen wollen würden.

Wir wollten! Tatsächlich fand ich Stand-Up-Paddling schon die ganze Zeit sehr faszinierend, beim üblichen Wellenaufkommen aber auch nicht so ganz ohne. Aber ohne Wellen natürlich deutlich einfacher.

Also lernten wir, auf einem Brett auf dem Wasser zu stehen und rumzupaddeln. Erst mal lernt man das im Knien, irgendwann steht man dann zum ersten Mal auf und fällt dann prompt ins Wasser. Das macht man ein paar Mal und dann steht man auf einmal länger auf dem Brett und paddelt lustig rum.

Gerüchten zufolge sollte ein großer Rochen im Wasser sein, das hatte schon unser Surf- bzw. Stand-Up-Paddle-Lehrer Olivier berichtet. Auch der werte Herr Gemahl, der als Streber vom Dienst sofort im Stehen lospaddelte, während der Rest der Gruppe abwechselnd ins Wasser plumpste, zeigte immer mal wieder mit dem Finger auf irgendeine Stelle im Wasser, wo angeblich gerade der Rochen langgehuscht war. Mein einzig Sinnen und Trachten an diesem Tag war also, den verdammten Rochen zu sehen.

Jedenfalls habe ich den Rochen nicht gesehen. Nicht am ersten Tag und auch nicht am zweiten Tag, als das Meer immer noch keinen Bock hatte und wir mehr oder weniger erfolgreich lernten, nicht nur rumzupaddeln, sondern auch auf einer Welle zu surfen.

Während unsereins aber in Frankreich schon von der angeblichen Anwesenheit eines Rochens vollkommen beeindruckt waren, hat ein Stand-Up-Paddler in Kalifornien Begegnung mit einem etwas größeren Meeresbewohner gemacht. Er paddelte neben einem Wal her. Kann man natürlich auch machen.

Was Udo Jürgens mit Südfrankreich zu tun hat

Im September waren wir ja in Frankreich und wie es der Zufall wollte, gab es am ersten Wochenende ein dreitägiges Fest. Auf dem Marktplatz standen lauter Buden irgendwelcher Vereine und Restaurants, überall gab es leckeres Essen auf Papptellern und Bier in Plastikbechern.

Und dann spielte eine Band auf einmal „Griechischer Wein“, nur dass eben niemand den deutschen Text sang, sondern irgendetwas französisches und ich wunderte mich ein bisschen, aber wer weiß schon, wo so Melodien herkommen und wo sie hinwandern. In Biscarrosse-Plage spielt man jedenfalls beim Dorffest „Griechischer Wein“, warum auch nicht?

Weil ich es heute dann aber doch mal genauer wissen wollte, guckte ich im Internet nach, was es damit auf sich gehabt haben könnte und erfuhr dabei auf Wikipedia folgendes:

Die Melodie schrieb Jürgens nach einem Urlaub auf der griechischen Insel Rhodos, laut eigener Aussage in nur 20 Minuten.

[…]

José Vélez (Vino Griego) sang das Lied in einer spanischen Version, die auch im südfranzösischen Gebiet bekannt wurde. Sie ist die Hymne des Rugby-Vereins von Bayonne (mit einem französischen und einem baskischen Text) und wird bei den verschiedenen Ferias in Südfrankreich gespielt.

Und so ist das mit Südfrankreich und Udo Jürgens. Mach’s gut, Udo. War immer schön mit deiner Musik.

Damals am Meer

Damals ist jetzt zwar noch nicht mal zwei Monate her, kommt mir aber vor wie Ewigkeiten. Damals, in Biscarrosse, jeden Tag auf dem Surfbrett, ich kam total ramponiert aus dem Urlaub zurück, überall blaue Flecken und kaputte Knie, die ich mit Stolz jedem präsentierte, der nicht „TMI! TMI!“ schreiend weglief. Die ersten Blessuren holte ich mir direkt am Sonntag, als man uns das Entleihen von Softboards verweigerte, ein Missstand, den wir direkt am Montag beseitigten, der für mich aber mangels langem Wetsuit erstmal aufgeschürfte Knie bedeutete. Die letzten Blessuren holte ich mir beim Stand-Up Paddeln. Beim Stand-Up Paddeln fällt man zunächst sehr oft sehr unvermittelt ins Wasser. Das sieht nicht nur lustig aus, wenn man mit einer Gruppe Anfänger unterwegs und dauernd Leute scheinbar völlig grundlos ins Wasser fallen, es ist auch gar nicht schlimm, aber je nach dem, wie ungünstig man fällt, sieht man dann nachher eben auch auch.

So war das jedenfalls. Die blauen Flecke sind weg, dafür habe ich mich gestern unter der Dusche noch still gefreut, weil man immer noch sieht, wo mein Shorty aufhörte und die nackten Beine anfingen.

Anders gesagt: Ich könnte schon wieder, aber ich werde wohl geduldig warten, bis wir nächstes Jahr wieder im schönsten Spätsommer Richtung Frankreich aufbrechen.

Und jetzt alle: Hach!

Stand-Up Paddler Surferrobben Immer noch Surferrobben Fähige Surferrobbe Strandleben Eismann macht Pause Board an Land Surfer Und hopp! Strandmenschen Kleiner Strandmensch Kleiner Strandmensch und großer Strandmensch Surferin Mehr Strand Zu den Wellen

Clermont-Ferrand mit schönem Wetter

Bei eher schlechtem Wetter hatten wir Clermont-Ferrand ja schon. Dann war damit auf einmal Schluss und die Sonne kam raus. Da war die Stadt auf einmal noch ein Eckchen schöner. Wir mäanderten durch die Gässchen, guckten uns den Dom von außen an und fanden den Blick auf die Vulkanberge sehr hübsch und pittoresk. Nebenbei informierten  wir uns schon mal über das gastronomische Angebot und entschieden uns dann allerdings für ein Etablissement, das ich schon vorher im Internet ausgemacht hatte, obwohl es erst um 19:30 Uhr öffnete (im Gegensatz zu den sonst üblichen 19:00 Uhr… überhaupt, französische Sturheit bei Öffnungszeiten, da muss eigentlich auch noch ein Blogbeitrag drüber geschrieben werden).

Vielmehr, ich guckte so lange betroffen, bis der werte Gatte diesem Vorschlag zustimmen musste. Dafür mussten wir dann eine halbe Stunde länger durch Gässchen wandern, wurden aber immerhin mit astreiner Landküche aus der Auvergne belohnt. Ich bestellte aus Prinzip Truffade, weil das anscheinend eine auvergnische Spezialität ist. Truffade besteht zu 40 Prozent aus Kartoffeln, zu 40 Prozent aus Käse und zu 20 Prozent aus Speck. Man muss nach der Hälfte aufgeben, den fragenden Blick der Kellnerin mit „C’était très bon, mais je dois réserver quelque place pour la dessert!“* beantworten, worauf sie wissend nicken und alles ist in Ordnung.

Danach waren wir satt und glücklich und wanderten ins Hotel. Wie ich schon sagte, Clermont-Ferrand kann man gut machen.

*Sollten in diesem Satz Fehler sein, dann sei es so. Ich beklagte ja schon, dass mein Französisch sehr eingerostet ist. Zumindest ist es wahrscheinlich, dass ich ihn so oder so ähnlich gesagt habe.

Restaurant Durchs Tor Frosch Häuser und Himmel Fensterbänke Plastikstühlchen Plakate Haus und Himmel Boulangerie Dom von weitem Café Blau mit viel Grün Dom Straßenschild Fußgänger aufpassen Café Französischer Fensterzwerg Tricolore Sonne kommt raus Domspitzen Gässchen Laterne und Himmel