Kirschen, Quark und Regenbogen

Regenbogen

“Heute geh ich mal durch die Stadt bummeln”, hab ich gestern gedacht. Man kann sogar in Hanau ein bisschen bummeln, wenn man die Ansprüche nicht zu hoch setzt. Es gibt Bücherläden und die üblichen Verdächtigen, was Klamottengeschäfte angeht. Das ist ganz bequem, denn man ist zumindest nicht gezwungen, woanders hinzufahren, sondern kriegt im Zweifelsfall fast alles auch in der Nähe. Sagen wir mal so: Das Angebot hält sich in Grenzen, aber es gibt zumindest eins.

Ein konkretes Ziel hatte ich auch, nämlich P&C, wo ich letztens ganz hinreißende Blusen mit Kirschen drauf gesehen hatte. Hallo?!? Kirschen! KIRSCHEN! Ich hab überhaupt noch nichts mit Kirschen drauf, wie konnte das denn bitte passieren? Seitdem ich diese Blusen gesehen habe, bin ich der festen Überzeugung, dass mein Kleiderschrank ohne Kirschenkleidung irgendwie auch nicht richtig was wert ist.

In der Umkleidekabine stellt sich leider raus, dass das zwar alles rein theoretisch ganz wunderbare Klamotten sind, an mir aber überhaupt nicht aussehen. Schade. Dann eben keine Kirschenblusen für mich. Das heißt dann wohl auch, dass ich weitersuchen muss. Ohne Kirschen mag ich nicht mehr.

Neben mir in der Umkleidekabine ist anscheinend eine Mutter von – wie sich nachher rausstellt – vier Kindern, die ungelogen alle weinen. Alle! Die ganze Zeit! Sobald eines kurz aufhört – vermutlich, um zu atmen – fängt ein anderes an. Die sind so gewieft und aufeinander eingespielt, die wechseln sich beim Weinen ab. Respekt. Ich denke nur, wie schön das ist, dass ich hier so allein in der Umkleidekabine stehen kann, ohne dass jemand deswegen weint, und gleich nach Hause gehen kann, zwar ohne Kirschenkleidung, aber immerhin mit Quarkriegelchen.

Genau. Eben.

Kommen wir zum eigentlichenThema dieser Geschichte. Nach Monaten voller Vergesslichkeit und mangelnden Gelegenheiten habe ich es geschafft. Ich war im russischen Supermarkt und habe die von Frau Nessy so überaus gelobpreisten Quarkriegelchen gekauft.

Tatsächlich wusste ich, wo hier in Hanau ein russischer Supermarkt ist und habe auf dem Weg in die Stadt gleich mal da vorbeigeschaut. Selbstverständlicherweise wusste ich nicht mehr, wie die russischen Quarkriegelchen heißen (Sirok heißen sie wohl, das weiß ich jetzt wieder), ich wusste ja noch nicht mal, was genau ich mir vorzustellen hätte. Ich vermutete mal, dass sie zumindest irgendwie kühl gelagert werden müssten, wegen dem Quark in den Riegelchen. Ansonsten verließ ich mich darauf, dass ich die Dinger schon wiedererkennen würde, wenn ich sie sehen würde, Frau Nessy hatte ja Bilder gezeigt.

Nach drei Runden durch den kleinen Laden war ich ziemlich sicher, dass ich die Riegelchen hier nicht finden würde, gab mich aber noch nicht geschlagen. Wer weiß? Vielleicht gab es ja einen schlimmen Quarkriegelchenlieferungsengpass und nächste Woche würden wieder haufenweise Quarkriegelchen im Sortiment sein.

“Hallo, ich suche so Quarkriegelchen, ich weiß aber nicht mehr, wie die heißen”, sage ich zu der russischen Supermarktverkäuferin.

“Mit der Schokolade? Kommen Sie mit!” sagt die russische Supermarktverkäuferin und führt mich in den Hinterraum.

Der Hinterraum, so stellt sich raus, ist gar kein für Kunden verbotenes Lager, sondern der Standort der Gefriertruhen. Man darf hier also auch als Kunde rein.

“Hier”, sagt die russische Supermarktverkäuferin und zeigt auf die Quarkriegelchen-Abteilung der Gefriertruhe. “Das sind sie?”

“Jaja”, sage ich und nicke. Das sind sie, ich erkenne die Verpackung wieder. Mit dem Pinocchio vorne drauf, genau das war’s.

“Suchen Sie sich aus und kommen dann nach vorne”, sagt sie und verschwindet wieder in den Laden.

Vier verschiedene Verpackungen kann ich erkennen, Frau Nessy empfahl die mit Kondensmilch, Erdbeer klingt mir ein bisschen zu suspekt, also nehme ich Kondensmilch und die zwei anderen.

1,17 Euro kostet der Spaß, ich kriege ein kleines Tütchen, Kassenbon brauche ich nicht.

“Wissen Sie ja jetzt, wo die sind”, sagt die russische Supermarktverkäuferin noch. “Bis zum nächsten Mal.”

Bis zum nächsten Mal, genau. DIE WEISS DOCH GENAU, DASS SIE DA DROGEN VERKAUFT!

sirok

Sirok Kondensmilch

Am Abend probiere ich das erste, natürlich gleich mal das mit der Kondensmilch und HEISSA! WIE GROSSARTIG IST DAS DENN? Ich bin ja erwiesenermaßen ein Fan von süß, aber auch sehr von Quark und von gezuckerter Kondensmilch auch und alles zusammen und WOAH!

Es steht also fest, die blauen Quarkriegelchen sind schon mal super. Die anderen hebe ich mir für später auf. Frau Nessy lag vollkommen richtig, die machen süchtig. Jetzt muss ich noch den nächstgelegenen russischen Supermarkt in Essen finden.

Am gleichen Abend gibt’s auch noch Regenbogen über der Stadt. Ich steh also wieder am Fenster und knipse den Himmel über Hanau. Das mache ich sowieso oft, denn wenn man so eine Dachwohnung hat, da sieht man ja dauernd Himmel, Wolken und Flugzeuge und findet das alles ganz hinreißend. Aber Regenbogen sind mal oberhinreißend, vor allem, wenn sie ganz trotzig ausgerechnet über besonders hässlichen Gebäuden erscheinen. Das machen die doch extra.

Deutschland, deine Bahnhöfe: Frankfurt Flughafen Fernbahnhof

Pro: So schön neu und modern und sauber und fortschrittliche und mit tollem eigenen Geschäftskomplex, der auch aktuell noch weiter ausgebaut wird. Das kulinarische Angebot ist etwas gehoben, zumindest vom Anschein, mit richtigen Restaurants zum Sitzen und so. Und einen REWE City gibt’s auch. Voll praktisch. Tatsächlich ist der Fernbahnhof tierisch entspannt, hier ist so gut wie nie was los und alles mäandert so ein bisschen vor sich her. Weiterer Vorteil: Wenn einem jetzt Frankfurt nicht exotisch genug ist, kann man direkt zum Flughafen und von da aus ganz weit weg fliegen.

Contra: In Zügen aus Frankfurt sitzen die ganzen Leute, die in Frankfurt eingestiegen sind, schon drin. Die Chancen, ohne Reservierung einen Sitzplatz zu bekommen, sinken also. Außerdem ist der Weg vom Regionalbahnhof zum Fernbahnhof eine mittlere Katastrophe. Es ist zwar nicht ganz so weit, wie einem die Bahn weismachen will, aber immer noch weit genug und vor allem mit viel Treppenrauf- und runterlaufen. In New Work City fühlt man sich auch gerne mal underdressed, aber das passiert ja in Frankfurt generell schnell mal. Es gibt auch wenig Gründe, durch New Work City zu laufen, es sei denn, man hat gerade eh Zeit übrig und einen Fotoapparat dabei.

Geheimtipp: Im REWE City kann man prima noch seine Einkäufe erledigen, wenn man gerade noch ein paar Minuten über hat. Keine Ahnung, ob der teurer ist, auf jeden Fall ist er schon mal praktisch.

Besser nicht: Davon ausgehen, dass die Leute auf der Strecke zwischen Regional- und Fernbahnhof die besten Rolltreppenbenutzer wären. Die Disziplin, der man am Frankfurter Hauptbahnhof so begegnet, lässt am Flughafenbahnhof radikal nach und alle knubbeln sich nur. Ansonsten viel Spaß beim Treppenlaufen!

Die Tour: Vom Regionalbahnhof über viele, viele Treppen und Rolltreppen übers lustige Laufband zum Fernbahnhof, dort dann ein bisschen auf den ersten Etagen rumgeturnt, New Work City angeguckt und dann auf Gleis 6.

P1020109

 

 

Airport

Uhr

 

Laufbanddingens

Tunnel

Burgers

 

 

Newspaper

Plakate, bunt

New Work City

16

Bar

Bahnsteig

Schild

Hotspot

Bahnsteig II

Luminale 2012

Nach dem Laufen durch Bockenheim gestern (nachzulesen hier) war ich ja noch auf der Luminale. Die Luminale ist ein großes Lichtkunstprojekt, bei dem überall in Frankfurt für eine Woche lang Lichtinstallationen aufgebaut werden, und man sich die dann abends schön angucken kann. Ich hatte schon am Montag das Programmheft auf dem Rechner, war zunächst überfordert, hab mich dann aber Mittwoch noch aufgerafft. Gott sei Dank. Im Prinzip so wie das Parkleuchten in der Gruga letztens, nur anders. Die zwei wesentlichen Unterschiede: Es dauert nicht so lange, ist dabei aber an vielen verschiedenen Orten. Das hat Vor- und Nachteile.

Doof ist, dass man so kaum die Chance hat, alles zu sehen und außerdem viel laufen muss. Es gibt auch einen Extrabus, der einen umsonst durch die Stadt an den Installationen vorbeifährt und wo man wohl ganz einfach ein- und aussteigen kann, aber das ändert natürlich nichts daran, dass die einzelnen Attraktionen auf größerer Fläche verteilt sind. Und weil es eben auch in der ganzen Stadt ist, geht es auch nur eine Woche, man muss sich also ranhalten.

Schön ist hingegen, dass man so viel eher die Chance hat, zufällig an einigen der Installationen vorbeizulaufen. Man muss eben nicht speziell irgendwohin, sondern wird schon irgendwas sehen, wenn man sich irgendwo in Frankfurt rumtreibt.

Ich hab mir vor allem den Palmengarten angeguckt, war noch zu Einbruch der Dunkelheit (also eigentlich ein bisschen zu früh) da. Die ersten Installationen waren ein bisschen enttäuschend. Die Idee mit den roten Leuchtestäben, die dann aus einem bestimmten Winkel gesehen ein Herz ergeben, ist zwar irgendwie nett, aber leider nicht so dolle spektakulär. Dafür konnten mich aber die anderen Lichtinstallationen begeistern. Die Blüten, die von der Decke runterfielen und aufpoppten, um dann wieder nach oben gezogen zu werden, das wunderbar bunte Blütenmeer, die Seerosen, der Leuchtespringbrunnen. Alles sehr toll. Ein Kunstwerk, das ein bisschen wie drei große Stoffpilze aussah, war zwar sehr schön und atmosphärisch, aber leider zu dunkel, um zu fotografieren.

Als ich dann mit dem Palmengarten durch war, war die Schlange vor dem Kassenhäuschen schon ewig lang. Insofern war es doch ein kluger Schachzug, schon zur Dämmerung zu kommen.

Danach ging es noch ab in die Stadt, andere Installationen gucken. Die waren aber im Vergleich eher enttäuschend, wobei es vielleicht auch an der Umgebung war. An einem verhältnismäßig warmen Abend durch einen dunklen Park zu laufen, teilweise noch mit Liegen auf der Wiese und Brunnengeplätscher ist halt was anderes als mitten auf der Zeil etwas anzugucken. Das Holzei hatte ich mir irgendwie toller vorgestellt. Schöner, besser, größer. Es sieht auch auf den Bildern beeindruckender aus als in Wirklichkeit. Die lustige Lasershow am Römer war irgendwie gar nix, dafür war aber immerhin der Dom schön von innen ausgeleuchtet.

Vom Dom aus mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, der gelb und lila angestrahlt war und in dessen Vorhalle noch zwei Kunstwerkdinger auf dem Boden lagen. Na ja. Bestimmt auch toll, wenn es dunkel ist, ist es aber in einer Bahnhofsvorhalle leider nicht.

So oder so soll gesagt sein: Lichtkunst ist toll. Generell und so. Und ein paar Sachen hab ich auch gelernt:

1. Lichtkunst funktioniert besser, wenn’s dunkel ist. Immer.

2. Wenn man mal durch die Stadt läuft und nach Lichtkunstobjekten sucht, wird einem mal klar, wie viel da eigentlich leuchtet. Ist das jetzt wegen der Luminale so, oder ist das immer so? Ich war mir nicht immer sicher.

3. Nichts kann eine Pusteblumenlampe übertrumpfen. Nichts. Gar nichts. Überhaupt gar nichts. Kann man hier kaufen.

4. Frankfurter U-Bahn-Stationen sind toll.

Und eine Frage hätte ich noch: Was sind das für Intelligenzbestien, die bei Lichtinstallationen mit Blitzlicht fotografieren? Mal abgesehen davon, dass sie ihrer Umwelt damit furchtbar auf den Geist gehen, wissen die nicht, dass die Bilder nachher schlicht scheiße aussehen? Ts.

Wiesenschaumkraut

Lampe

Blume I

Blume II

Dendelight I

Dendelight II

Dendelight III

Grünes Ding

Herz

Teichrand

Seerosen I

Seerosen II

Blüten I

Blüten II

Blüten III

Blüten IV

Blüten V

Statue

Springbrunnen I

Springbrunnen II

Springbrunnen III

Springbrunnen IV

Springbrunnen V

Lampe mit Blüten

Holzei I

Holzei II

Wasser

Laser

Hunde

Dom

Hauptbahnhof

Anne

Lichtdings I

Lichtdings II

Frankfurt-Bockenheim

Frankfurt-Bockenheim ist da, wo in Frankfurt die Uni ist. Frankfurt-Bockenheim ist dementsprechend auch da, wo die Copy-Shops und Fahrradläden sind. Frankfurt-Bockenheim ist da, wo die Bockenheimer Warte ist. So heißt auch die U-Bahn-Station, die ich mal locker und ohne jetzt alle U-Bahn-Stationen Frankfurts gesehen zu haben als die – sagen wir mal – komplexeste U-Bahn-Station Frankfurts bezeichnen würde. Vielleicht ist das aber auch Hauptwache oder es gibt da U-Bahn-Stations-Schätze, die ich noch gar nicht besucht habe.

In Frankfurt-Bockenheim ist außerdem der Palmengarten und da wollte ich heute auch hin, wegen der Luminale und weil sich da so rein vom groben Abschätzen des Programmheftes ein deutlicher Knubbel der interessanteren Installationen bildete. Ich war aber viel zu früh da, wegen Hibbeligkeit und grob fahrlässigem Optimismus, was den aktuellen Eintritt der Dunkelheit anging. Mittlerweile ist mir jedenfalls klar, warum das Parkleuchten im Grugapark vor der Umstellung auf die Sommerzeit stattfand. Schon jetzt dauert’s ja gefühlt ewig bis es dunkel wird, jedenfalls, wenn man große Pläne zum Ablaufen der Luminale hat und trotzdem noch irgendwann nach Hause will.

Deswegen war ich auf jeden Fall viel zu früh in Bockenheim und habe diese Situation genutzt, in dem ich kreuz und quer um die Uni rum gelaufen bin, zwischendurch bei Bastos ein paar Tapas und einen Cocktail (“Himbeertraum”, yeah!) schnabuliert habe und mich dann nach weiteren Umwegen zum Palmengarten aufgemacht habe.

Highlights in Bockenheim: Die schönen chaotischen Klingenschilder, Hang zur Zweithausnummer, die tolle U-Bahn-Station, vor allem mit dem als U-Bahn getarnten Eingang, die hübschen kleinen Sträßchen, die ausgesetzten Bücher (inklusive Französisch-Deutsch-Wörterbuch von Pons), das hübsch-bunte kfw-Gebäude und natürlich die Balkone. Man könnte durch Bockenheim laufen und nur Balkone fotografieren. Wenn alles schief geht, kann ich also immer noch Bockenheimer Balkon-Fotograf werden, hab ich mir heute gedacht. Und jetzt sagt nicht, damit kann man kein Geld machen. Das hat nur noch keiner probiert.

Außerdem noch: Nächtliches Philosophen-Platz-Betret-Verbot. Ach, Frankfurt. So goldig.

P1020627

Nich so schöne Balkone

Nein

Umzug

Grüne Balkone

22

WG

Blaue Balkone

Conditorei

Bus

Gelbe Balkone

Nich so schön

Nachtverbot

Negative Dialektik

Vespa

Hydrantendings

Löwenzahn

U-Bahn

Gucklock

U-Bahn-Eingang I

U-Bahn-Eingang II

U-Bahn-Eingang III

kfw

Spaziergang am Main (Teil 2)

Ein bisschen außer der Reihe, weil schon ein Weilchen her, aber die Bilder müssen ja raus.

Flüsse sind einfach nicht so fotogen. Sie sind wunderschön zum Rumsitzen, gelegentlich auch zum Füße-Reinhängen. Man kann daran spazierengehen oder sich einfach ans Ufer setzen und draufstarren und alles wunderbar finden, aber beim Fotografieren stellt sich raus, dass Flüsse – so an und für sich und vor allem ohne schmuckes Beiwerk – eher so mittelinteressante Motive abgeben.

Aber es gibt ja schmuckes Beiwerk am Mainufer. Weidenbäume und hübsche Steine im Wasser, Ruderer und Enten. Sogar Schiffe, es stellt sich aber raus, dass auch Schiffe nur so halb-fotogen sind, wenn sie so gemütlich über den Main tuckern.

Ich laufe also am Main entlang nach Osten und merke mir, dass ich beim nächsten Mal dann eine Decke mitnehme und mich dann einfach hinsetze und noch ein paar Schiffen mehr beim Rumtuckern zusehe.

Der Ruderer hat auch einen Trainer dabei, der in einem Motorboot hinterher fährt und dann auch mal nebenher. Der Trainer hat ein lustiges Megafon dabei und brüllt hilfreiche Tipps zum Ruderer rüber, zumindest vermute ich, dass sie hilfreich sind, ich kenn mich ja mit Rudern nicht aus. Das letzte, was ich höre ist “Jetzt sieht das auch langsam wie Rudern aus”, dann bin ich am östlichen Ende des Ufers angekommen, hier geht’s nicht weiter, man muss wieder vom Ufer weg und einmal ein bisschen an Bootshäusern rumlaufen, bis man wieder an den Fluss darf.

Die Geschichte geht noch weiter, als ich nämlich irgendwann an einer großen Straße wieder rauskomme, sehe ich, dass es ja von hier aus nur noch 800 Meter bis Kesselstadt sind und weil der Abend so schön ist und die Füße noch nicht weh tun, lauf ich dann halt noch nach Kesselstadt. Pünktlich in diesem Moment ist der Akku der Kamera zu Ende, aber das ist eigentlich auch okay so, denn Kesselstadt ist so wunderhübsch, dafür brauch ich sowieso viel mehr Zeit und dann auch gerne die gute Kamera.

Es ist nämlich so: Hanau kann tatsächlich auch hübsch. Nur nicht am Hauptbahnhof oder in der Stadt oder dazwischen. Aber ansonsten ist es manchmal gar nicht so furchtbar.

Zweige

Dingens

Stein im Main

Schiff

56

Sand

Weide

Ruderer und Ente

Kran

Vögel

Verbot

Spaziergang am Main I

Es fängt damit an, dass ich mich verlaufe.

Weil das Wetter so schön ist und ich die ganzen letzten Abende schon hauptsächlich auf auf dem Sofa verbracht habe, dachte ich mir, ich könnte ja mal spazieren gehen. Zum Main zum Beispiel, der ist ja gar nicht so weit weg und Flüsse sind immer gut. Außerdem ist da der Hafen, da kann man ja mal gucken.

Zuallererst aber verlaufe ich mich, laufe einen Riesenumweg, der aber netterweise genau am Hafen vorbeiführt und dann an einem sehr faszinierenden Häuserkomplex, wo draußen noch lauter Wäscheleinen hängen, und sogar intakt, so, als ob sie tatsächlich noch genutzt werden würden. Man stelle sich vor, wie man sich bei gutem Wetter am Wochenende zum gemeinsamen Wäscheaufhängen trifft, aber vielleicht übernostalgiere ich hier gerade auch.

Es sieht irgendwie gleichzeitig trostlos und schön aus. Neben der einen Tür steht ein Einkaufswagen, neben einer anderen hat jemand ein kleines Frühlingsbeet angelegt, komplett mit Ostereiern Gartenzwergen. Daneben liegt Müll. An den Bäumen hängt Vogelfutter. Alle paar Minuten rauscht ein Flugzeug vorbei.

Danach laufe ich zum Mainufer, der Akku der Kamera gibt den Geist auf, egal, ich laufe trotzdem weiter nach Kesselstadt und dann von Kesselstadt wieder zurück nach Hause. Aber davon erzähle ich später.

Hafenstraße

Zollamt

Häuser

Rost

Einkaufswagen

Schild

Fenster

Rad

Wäscheleine

Zeug

Vogelfutter

Erker

Fenster

Mainhafen

Hydrant

Deutschland, deine Bahnhöfe: Frankfurt am Main Hbf

Pro: Kopfbahnhof, zwei sehr umfangreiche Buch-, bzw. Zeitschriftenläden, großes kulinarisches Angebot (ich empfehle einen Milchshake von Häagen Dasz, zwar teuer, dafür aber muss man aber den Rest des Tages nichts mehr essen), Züge fahren mehr oder weniger überall hin, regelmäßig lustige Ausstellungen in der Vorhalle (SCHLANGEN UND SPINNEN! OSTERMARKT! HANDWERKERRAMSCH!), Gleise vorbildlichst übersichtlich angeordnet.

Contra: Kopfbahnhof, der fiese Tunnel (siehe auch “Besser nicht”), Zugang zur DB-Lounge schön weit von den Gleisen entfernt, damit man möglichst lange braucht, S-Bahnen fahren ganz woanders (jedenfalls gefühlt), kein Dunkin‘ Donuts, Sitzmöglichkeiten im Starbucks begrenzt und die auch nicht so schön, sich vordrängelnde Kostümträgerinnen bei Ditsch.

Geheimtipp: In der Post ist noch ein Geldautomat. Das sag ich den Leuten aber immer erst, wenn ich fertig bin mit Geldabheben.

Besser nicht: In den fiesen Tunnel auf Höhe Gleisabschnitt C. Da riecht’s nicht so gut, zu keiner Jahreszeit.

Die Tour: Vom nördlichsten Gleis Höhe Gleisabschnitt C (geschätzt) zur Poststraße raus, dann am Bahnhof lang gen Osten bis zum Vorplatz, rein und auf Gleis 7 (glaub ich). Wer unerwartet Hunger hat, kann im IMA kitchen in der Ottostraße die besten Burger essen.

Häuser

Fahrrad

Mehr Häuser

Hotel

Orange

2012-03-09_12-56-17_487_Frankfurt

Männchen

Container

Baum

Atlas

Taxieinstieg

Blumen

Taube

Glas

Kabel

Dach

Vorfreude (alles toll)

Als ich nach langer und leicht frustrierender Suche endlich diese Wohnung gefunden hatte, war ich überglücklich. Ein schönes Apartment in Hanau suchen zu müssen  ist etwas, was ich niemandem wünsche, jedenfalls niemandem, den ich mag. Entweder die Wohnung ist hässlich oder teuer oder gerne auch beides. Alternativ hätte ich auch eine Wohnung in Kleinauheim haben können, die zwar halbwegs nett und sogar einigermaßen bezahlbar gewesen wäre, aber eben in Kleinauheim.

Ich hab dann aber diese Wohnung hier gefunden. Schön klein, in einem Haus mit wunderschöner Holztreppe, ich kann zu Fuß zur Arbeit gehen. Alles super. Als Bonus gibt es noch einen kleinen Hinterhof mit optimistisch geschätzt 4qm Rasenfläche und einer Holzbank dazu.

Als es heißt, es könnte eventuell in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Nordlichter zu sehen geben, mache ich gleich ganz aufgeregt das Dachfenster auf und gucke mal so rum. Nordlichter gibt es nicht und ich werde auch in dieser Nacht keines sehen, obwohl ich regelmäßig rausgucke. Aber dafür gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang und beim Bildermachen stelle ich fest, dass ich nicht nur auf die Zeichenakademie gucken kann, sondern sogar die halbkaputte Kirche und das Rathaus von meinem Fenster aus sehen kann.

Toll. Sonnenuntergang toll. Wolken toll. Wetter toll. Aussicht toll.

Und an diesem Abend freue ich mich zum ersten darauf, wie toll das wird, bald im Frühling und im Sommer, wenn es wärmer wird und ich die ganze Zeit das Fenster aufhaben kann und dann demnächst abends nicht auf dem Sofa, sondern vielleicht auf der Bank im Hinterhof sitzen und lesen kann und ganz vielleicht fahre ich dann zu IKEA und kaufe einen kleinen Gartentisch. Denn der Bus fährt von IKEA fast bis zur Haustür. Wenn das nicht mal auch toll ist.

Untergang I

Untergang II

Untergang III

Untergang IV

Untergang V

Untergang VI

Wolken

Baum

Dach

Fenster

Am Bahndamm

Mittlerweile weiß ich, dass man tatsächlich vom Bahnhof bis zu meiner Wohnung am Bahndamm langlaufen kann und zumindest gefühlt ist das auch der kürzeste Weg.

Wie man sehen kann, ist es auch der schönste Weg, denn man läuft an atmosphärischen Laternen und hübschen Eisenbahngleisskulpturen vorbei, während die Böschung runter Kinder auf dem Spielplatz spielen. Doth und Kim haben sich furchtbar lieb und die Jugend von heute kann keine Herzen mehr malen, nur noch Kleiner-als-Zeichen und Dreien.

Dann noch kurz durch die kleine vollgrafittierte Fußgängerunterführung und dann ist man auch schon fast da.

Und wie ich schon sagte: Wenn man in Hanau zum Himmel guckt, sieht man Flugzeuge. Oder auch zwei. Oder drei. Oder mehr.

Laterne

Flugzeuge

Bahndamm I

Bahndamm II

Bahndamm III

Bahndamm IV

Bahndamm V

Bahndamm VI

Liebe

Betreten verboten

Wegweiser

Grafitti I

Graffiti II

Grafitti III

Vogel

Bahnhof

Uhr

Goldschmiedehaus

Ich mecker ja viel über Hanau, weil’s hier so hässlich ist und überhaupt. Und da ich bis jetzt immer noch den Großteil meines Lebens in Köln-Mülheim und Leverkusen gewohnt habe, kenne ich mich aus mit Städten, die nicht unbedingt ob ihrer objektiven Schönheit auffallen.

Aber ich merke doch, wie ich mich so langsam an Hanau gewöhne, und wie ich dann so denke, ach na ja, immerhin gibt’s hier mehr als einen Bücherladen und einen REWE, der bis 22 Uhr auf hat und bei dem man Mini-Marshmallows kaufen kann und einen ordentlichen Vietnamesen und einen IKEA und einen ICE-Bahnhof, von dem einen die Bahnen im Zweifelsfall in weniger als 30 Minuten nach Frankfurt fahren. Das ist ja doch alles nicht so schlecht und man munkelt, es gäbe hier sogar richtig schöne Ecken. In Kesselstadt ist sogar ein Schloss und in Steinheim sah’s auch ganz nett aus, als ich einmal da war.

Vielleicht habe ich jetzt den Punkt erreicht, wo ich anfange, mich schützend vor dieses Städtchen zu stellen, ganz nach dem üblichen Motto: “Wenn hier einer schlecht über Hanau reden darf, dann ich, denn ich muss hier immerhin wohnen.” Und wer nicht abends noch leise einen Zug in der Ferne über die Gleise rattern hört, wer nicht bei jedem Blick gen Himmel mindestens drei Flugzeuge sieht und wer auch nicht morgens die Sonne über einer der hässlichsten Stadt-Silhouetten Deutschlands aufgehen sieht, der halte sich gefälligst raus.

Aber es gibt hier tatsächlich ganz nette Ecken. Ich wohne zum Beispiel in einer, und letzten Mittwoch trieb es mich nördlich des unglaublich hässlichen Busbahnhofs, der zwar Friedensplatz heißt, aber meistens eher nach Krieg aussieht, zum Goldschmiedehaus und die darum liegenden Sträßchen. Da sind die folgenden Fotos entstanden, und man sieht: Es gibt hier auch schöne Gebäude. Zweifellos.

Doch wenn ich dann doch wieder über eine dieser famosen Sechziger-Jahre-Bauten stolpere, erst dann merke ich, was ich an dieser Stadt eigentlich mag. Nämlich, dass sie mich manchmal so an die Modelleisenbahn meines Opas erinnert. Und das findet man nicht überall.

Luken

P1020175

3

P1020182

Konzertsaal

Turm

Turm II

Bücherei

Bücherei II

Brücke

Information

Graffiti

Grimm I

Grimm II

Grimm III

Fenster

Goldschmiedehaus

Fenster II

Schrift

Fenster III

Fassade

Goldschmiedehaus II

Modelleisenbahnbeispiel

(Und hier ein Beispiel für die wunderbare Baukunst der sechziger Jahre, die bei mir so schöne nostalgische Märklin-Gefühle auslöst. Hach.)