Tagebuchbloggen, 7.11.2018

24 Stunden Kopfschmerzen, braucht auch kein Mensch. Besonders ärgerlich, dass es zum Abend immer noch etwas unangenehmer wird, nämlich ungefähr dann, wenn ich im Zug bin. Zugfahren mit Kopfschmerzen braucht erst recht kein Mensch. Eventuell habe ich jetzt aber langsam genug Daten gesammelt, um mir noch mal eine Überweisung zu einer Kopfschmerzklinik zu holen.

Ich vermute ja eine Art Migräne, obwohl viele klassische Symptome der Migräne fehlen, und ich Selbstdiagnose grundsätzlich ablehne. Auffällig ist vor allem die lange Dauer und die Tatsache, dass normale Kopfschmerztabletten unzureichend bis gar nicht wirken. Gestern Abend so gegen 22 Uhr war’s jedenfalls weg und dann schlief ich auf dem Sofa ein und verpasste, wer bei „The Taste“ rausflog.

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Auch gelernt: Zuverlässig zum Weinen bringt mich die Szene in „Das doppelte Lottchen“, als die Mutter in der Küchentür steht und das vertauschte Kind zum ersten Mal mit „Luise“ anredet. Im Buch oder im Film, egal, I’m not crying, you’re crying!

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Ich habe auch in den letzten Tagen die Küche aufgeräumt, nicht sehr strikt nach KonMari, aber einigermaßen gründlich. Ich habe auch fast nichts gefunden, das ich wegwerfen oder abgeben könnte, übrig blieben lediglich ein Glasdeckel zu einer Pfanne, die nicht mehr in unserem Besitz ist, eine Käseaufbewahrungsbox, bei der die Porzellanunterlage mal zerbrochen ist und eine kleine Plastikaufbewahrungsbox, in dem bis diese Woche noch Milchreis war. Dann fand ich aber eine größere Aufbewahrungsdose und außerdem noch zwei angebrochene Packungen Milchreis, schüttete alles zusammen und dann fiel mir nichts mehr ein, was ich sinnvollerweise in die kleine Box schütten könnte.

Dazu muss man aber auch sagen, dass ich wirklich viel und gerne in der Küche mache, ich brauche die meisten Sachen tatsächlich, wenn auch eben manchmal nur ein- bis zwei Mal im Jahr. Ich habe ja auch die beiden Cannelé-Formen nur deswegen, weil mir bei der ersten irgendwann das Silikon wegbrach. In der Küche ist also entrümpelungstechnisch nicht so viel zu holen, ich habe aber durch Aufräumen und neu Ordnen immerhin geschafft, dass die Dinge auf magische Weise nicht mehr so viel Platz wegnehmen und deswegen sieht es trotzdem so aus, als hätte ich entrümpelt.

Besteht eventuell Interesse an einer ausführlicheren Aufstellung der hiesigen Küchengeräte und ihres Verwendungszwecks?

Ganz eventuell habe ich aber ein Mehlkonsumproblem:

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Wetter ist okay, find ich.

Tagebuchbloggen 3. bis 5.8.2018

Am Freitag eine Abweichung der Mittagsroutine. Weil ich morgens schon ahnte, dass ich abends keine Lust mehr zum Einkaufen haben würde, verlegte ich das Einkaufen in die Mittagspause, nahm ein Leihrad in die Deutzer Einkaufsstraße und besuchte den dort ansässigen REWE. Folgende Erkenntnisse ergaben sich:

  • „Mal schnell“ einkaufen funktioniert nur in Supermärkten, in denen man öfter einkauft. Ich war zwar nicht zum ersten Mal im Deutzer Rewe, bin dort aber noch nicht so oft, als dass ich nicht erst fast alles suchen müsste.
  • Maismehl findet man unter Umständen bei den italienischen Lebensmitteln.
  • Die Strawberry Cheesecake Mochis von Wakame sind großartig. Ich hätte direkt fünf Packungen mitnehmen sollen.

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Auf dem Rückweg dann eine Pastramistulle besorgt und zu Fuß am Rhein entlang zum Büro gelaufen. Mit Stulle auf eine Bank im Schatten gesetzt und mit Blick auf den Dom Mittag gegessen. Auch eine schöne Abwechslung, gerne wieder, zumal ich Besuch von einem Hund bekam, der mir mangels Stöckchen trockene Blätter zum Werfen brachte, was so semigut funktionierte. Das war dem Hund aber egal, insofern gibt es hier keine Beschwerden.

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Am Samtagmorgen stand ich im Supermarkt hinter einem jungen Mann, der die Paprika nicht abgewogen hatte. Bei unserem Stadtteil-Edeka muss man das noch selber machen. Relativ schnell stellte sich heraus, dass der junge Mann nur Englisch sprach, ich erklärte also das Problem, während die Kassiererin die Paprika abwiegen ging und zeigte dann nachher noch mal in der Gemüse- und Obstabteilung, woran man die abzuwiegenden Lebensmittel erkennt, und was man dann tun kann.

Der nette junge Mann ist gerade aus Manhattan nach Essen gezogen und ist Balletttänzer in der hiesigen Oper. Weil ich trotz aller Sozialphobie im Grunde meines Herzens aber auch Rheinländerin bin, gab ich ihm noch meine Telefonnummer für den Fall, dass er Fragen oder Probleme haben sollte. Aller Erfahrung nach ist es unwahrscheinlich, dass sich daraus noch irgendeine weitergehende Bekanntschaft ergibt, auf der anderen Seite weiß man nie und ich war noch nie mit einem Balletttänzer befreundet, man muss jede Chance nutzen.

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Samstags außerdem großes Grillen bei Bekannten. Das Grillen wurde vorher – so wurde es mir zumindest berichtet – per Excel geplant. Wie das aber so ist, kommt natürlich alles anders, wir waren viel zu schnell satt, ich möchte nicht sagen, dass es vielleicht eine dumme Idee war, sich vorher ordentlich an der Gin and Tonic-Bar zu bedienen, aber eventuell war es eine dumme Idee.

Zum Abend hin haben wir Freiluft-Crêpeing gemacht, ich war zu diesem Zeitpunkt schon sehr müde und – sagen wir mal vorsichtig – unausgeglichen, deswegen dauerte es etwas, bis wir ein für die hauptamtliche Crêpe-Bäckerin genehmes Setting eingerichtet hatten. Nachdem das erste Crêpe dann auch sauber in die Hose ging (nicht wörtlich), war es dann aber wieder ein voller Erfolg.

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Am Sonntag musste ich ausschlafen und schlug mich dann bis zum frühen Abend mit Kopfschmerzen rum, ob es das Wetter war oder die Folgen des Vortags oder irgendwie beides oder noch irgendwas drittes, keine Ahnung. Ein Nachmittagsschläfchen half etwas. Gegen Abend buk ich noch eine ganze Ladung Cannelés für ein Podcasthörertreffen, das ist immer sehr zeitaufwändig, weil die kleinen Kuchen insgesamt eine knappe Stunde im Backofen sind, und ich aktuell wieder nur eine Silikonform habe, nachdem mir die alte an mehreren Stellen eingerissen ist.

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An der Aufräumfront tat sich nicht viel. Ich habe den Kram, den ich in den letzten Tagen aus den Kellerkisten geholt habe, noch mal ordentlich weggeräumt, noch mal Papiere wegsortiert und sehr viel Papiermüll nach unten gebracht. Ich fürchte, es dauert nicht mehr lange, bis ich mich ernsthaft um die Küche kümmern muss.

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Außerdem gelernt: Der gute Bäcker macht Sonntag um 11 Uhr zu. Raten Sie, wann ich vor der Tür stand.

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Immer noch keine Meinung zum Wetter. Die Vögelein können mich alle mal.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Tagebuchbloggen, 19.7.2018

Ich habe vom gestrigen Tag nichts zu berichten, deswegen hier eine Alltagsbeobachtung, die mich beschäftigt.

Wenn ich beispielsweise im Zug sitze, dann habe ich die Augen üblicherweise auf dem Handy, im Buch, in einer Zeitschrift oder auf dem Rechner, jedenfalls beobachte ich nicht aufmerksam meine Umgebung. Den Zugbegleiter, der meinen Fahrschein sehen möchte, höre ich also eher als ich ihn sehe, was bedeutet, dass ich erstmal in meinem Rucksack nach dem Portemonnaie krame, dann das Portemonnaie aufmache und prüfe, in welcher Richtung ich es ihm entgegenhalten muss, damit die BahnCard richtig rum ist und erst dann gucke ich den Zugbegleiter selber an. Beim Bezahlen an der Kasse ist es oft ähnlich, erst alles hinlegen, währenddessen schon mal nach dem Portemonnaie kramen, dann Geld raussuchen, Sachen wegpacken und so weiter und erst im letzten Drittel der gesamten Transaktion guckt man mal den Menschen hinter der Kasse an.

Ich finde das eine falsche Reihenfolge der Kontaktaufnahme, man sollte doch erst mal den anderen Menschen angucken und grüßen und dann die anderen erforderlichen Schritte der anliegenden Aufgabe erledigen, habe aber auch noch keine Weg gefunden, das im Alltag irgendwie anders umzusetzen. Man will die Leute ja auch nicht unnötig warten lassen. Außerdem ist man ja selber oft mit anderen Gedanken beschäftigt und beschäftigt sich erst mal mit dem Naheliegenden, also zum Beispiel dem Rauskramen des Portemonnaies, bevor einem wieder auffällt, das man noch nicht mal weiß, wie die Person gegenüber überhaupt aussieht.

So lange hier noch keine Lösung gefunden habe, werde ich auf jeden Fall noch ein bis zwei Mal am Tag das Gefühl haben, aus Versehen unhöflich gewesen zu sein. Ich kompensiere das dann durch besonders gewinnendes Lächeln beim Abschließen der Transaktion und denke, dass es den anderen wahrscheinlich auch ein bisschen egal ist und ich im Leben nie der unhöflichste Kunde des Tages gewesen sein kann.

Tagebuchbloggen, 14.7.2018

Frau Stedtenhopp fordert wieder mehr Tagebuchbloggen, so wie wir es früher (TM) immer gemacht haben und ich glaube, ich bin da ganz ihrer Meinung, was natürlich dann in der Konsequenz bedeutet, dass ich mich mit gutem Beispiel der kleinen unerschütterlichen Zahl der Tagebuchblogger* anschließen werde.

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Gestern war zum Beispiel Tantengeburtstag in Köln. Weil ich mittlerweile gelernt habe, dass man in Köln am schnellsten mit dem Rad unterwegs ist, jedenfalls dann, wenn man nicht in irgendeinen abgefahrenen Stadtrandstadtteil möchte oder nicht wirklich direkt von A nach B eine Bahn fährt, nehme ich immer öfter das Leihrad. In diesem Fall musste ich nach Ehrenfeld, das ist auch schön einfach, man muss vom Hauptbahnhof eigentlich die ganze Zeit nur geradeaus. Es gibt sogar einen mehr oder weniger durchgehenden Radweg die gesamte Venloer Straße lang, aber man müsste eventuell „Radweg“ mit großen Anführungszeichen schreiben, denn streckenweise ist dieser „Radweg“ nicht breiter als eine Lenkstange. Aus Essen kommend goutiere ich aber, dass man zumindest an die Radfahrer gedacht hat, und mit guten Absichten eine Linie auf die Fahrbahn gepinselt hat, das ist schon mehr, als ich es aus dem Ruhrgebiet gewohnt bin.

Was mir aber vor allem aufgefallen ist, ist, dass sich alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen erratisch verhalten. Es ist eigentlich egal, die Autofahrer, die „nur mal kurz“ auf dem Radweg parkten oder ohne erkennbaren Grund auf der Fahrbahn bremsten nervten genauso wie die Fahrradfahrer, die offensichtlich gar nicht so dringend von A nach B mussten, und mit entsprechender Geschwindigkeit den Radweg blockierten (gerne auch zu zweit nebeneinander), so dass man als Mensch mit begrenzter Nachsichtigkeit und Geduld eben dann doch zum Überholen auf die Straße fahren musste.

Positiv stachen die Fußgänger hervor, möglicherweise ist das so ein Critical-Mass-Ding, hier in Essen klingel ich regelmäßig Fußgänger vom Radweg, man mag ihnen aber gar keinen rechten Vorwurf machen, wie sollen sie drauf kommen, dass der Radweg ein Radweg ist, wenn da nie ein Radfahrer lang fährt. In Köln hingegen ist die Radfahrerdichte deutlich höher, und dementsprechend vielleicht auch die Wahrnehmung des Radwegs als Radweg.

Long story short: Ich glaube, es sind nie die Verkehrsteilnehmer selber, die das Problem sind, sondern die Infrastruktur, die geboten wird. Darüberhinaus ist die Idiotenquote gleichmäßig auf alle Verkehrsteilnehmer verteilt.

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Zurück bin ich dann auch gar nicht mit dem Rad, sondern habe mich bis zum nächsten Bahnhof bringen lassen, wo theoretisch der RE 1 von Köln nach Essen durchgefahren wäre, praktisch aber eine Verspätung von einer halben Stunde hatte, so dass ich dann doch zwei Mal umsteigen musste, um nach Hause zu kommen.

Im ersten Zug war High Life, mehrere Grüppchen junger Menschen, die laut Musik hörten und offensichtlich auf dem Weg zu irgendwelchen Feierlokalitäten waren. Eine Mädchengruppe hatte den jungen Zugbegleiter bereits in ein Gespräch verstrickt, in dem es mehr oder weniger darum ging, wieso er sich in der Kölner Feierszene nicht auskennen würde, wo er doch hier wohne, gefolgt von einer längeren Liste potentieller Feierlokalitäten und der Erkenntnis, dass man gar nicht hören würde, dass er eigentlich aus Hamburg kommt, was er mit einem trockenen „Woran soll man das auch hören, soll ich öfter mal ‚Digga‘ sagen?“ konterte.

Irgendwie schien es einen Themenwechsel zu geben, denn wenig später schon ging es um Blasenentzündung, und die Vermutung einer der jungen Frauen, dass sie eventuell die einzige Frau auf der ganzen Welt sei, die noch nie Blasenentzündung gehabt hätte. Darauf hob ich wie der schlimmste Streber des ganzen Zugs die Hand und rief: „Nein, ich, ich! Ich hab auch noch nie eine Blasenentzündung gehabt!“ So baut man gleich ein Gemeinschaftsgefühl auf, es geht ganz schnell.

Tatsächlich hielt ich Blasenentzündung lange Zeit für einen Mythos, bis mir nahestehende Personen versicherten, dass es sich dabei doch um ein existierendes Ding handeln würde, und sie selber Klagelieder darüber singen könnten. Ich bin zwar geneigt, dem Glauben zu schenken, meine neue Freundin aus dem Zug und ich versicherten uns aber doch noch mal gegenseitig, dass wir immer noch nicht sicher wären, ob es sich nicht vielleicht doch um einen Mythos handeln könnte.

Dann waren wir schon am Kölner Hauptbahnhof und die jungen Menschen gingen irgendwo Feiern und der Zugbegleiter machte vielleicht Feierabend und ich nahm den nächsten Zug Richtung Essen.

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Von der Dachterrasse meiner Tante hat man übrigens einen bezaubernden Blick auf Köln, man könnte ein bisschen neidisch werden. Leuchtturm, Fernsehturm, Dom, alles da.


*Das wären dann zum Beispiel Frau Nessy, die Kaltmamsell, Anke Gröner, Maximilian Buddenbohm und Sven Dietrich.

Tiere streicheln

Ich habe keine Haustiere. Nicht, weil ich keine haben wollen würde, sondern, weil wir den Tieren, die wir gerne hätten (Hund) mit unserem aktuellen Lebensentwurf kein zufriedenstellendes Zuhause bieten könnten. Ich würde zwar auch eine Katze nehmen, aber da interveniert mein Mann, der Sofas und Wände lieber ohne Kratzspuren  mag und der Fakt, dass wir erstaunlich viele Menschen mit Katzenhaarallergie kennen, die ja, das weiß ich, ja gar keine Katzenhaarallergie ist, sondern eine Katzenspeichelallergie, aber das Ergebnis bleibt dasselbe. Jedenfalls kommt aus diversen Gründen ein Haustier aktuell nicht in Frage, deswegen nutze ich jede Gelegenheit, die Tiere fremder Leute zu streicheln, um auf meine lebensnotwendige Ration Flausch zu kommen.

Der Campingurlaub war aus diesem Grund ebenso toll wie hart, weil es gerade auf Campingplätzen jede Menge Hunde und gelegentlich auch Katzen gibt, diese, also jedenfalls die Hunde, aber meist angeleint sind und das Erreichen des Tieres oft mit dem Eindrängen in die Privatsphäre des anhängenden Menschen zusammenhängt.

Der Urlaub war aber doch insgesamt keine Enttäuschung, hier eine unvollständige Liste aller wichtigen Tierbegegnungen.

  1. Die sehr alte Hündin Sissi in der Südtiroler Pension, guter Streichelkontakt, sehr geduldig.
  2. Die Katze, die in Karthaus irgendwo rumlief.
  3. Shiba Yukon, der laut Halterin „nicht so gerne mit Fremden“ will, vermutlich wollte die Halterin „nicht so gerne mit Fremden“, dann hätte sie das sagen sollen. Yukon fand mich nämlich ganz okay.
  4. Die diversen Katzen auf dem Campingplatz in Levanto, davon drei steichelfähig.
  5. Der sehr, sehr niedliche Hund der italienischen Campingnachbarn in Saint Raphael, der zwar tatsächlich nicht angeleint war, aber so dermaßen treu immer nur bei Herrchen und Frauchen saß, dass vermutlich selbst mit Fleischwurst nichts zu machen gewesen wäre.
  6. Der vier Monate alte Boxerwelpe im französischen Supermarkt im besten „my favorite thing“-Alter.
  7. Alle Katzen in Beaufort und Crest, die sich zwar alle nicht streicheln ließen, aber hervorragende Fotomodels abgaben.
  8. Die Katzen im AirBnb in Beaufort, von denen eine nachts in unser Zimmer schlüpfte und beim kurzen Durchlüften sofort aufs Dach raussprang, was uns irritiert zurückließ: Macht die sowas immer? Müssen wir warten, bis sie wiederkommt? Kann sie vom Dach springen? Wird die Katze wegen uns sterben? Irgendwann stand sie dann einfach motzend vorm Fenster und wollte wieder rein. Na dann.
  9. Schäferhündin Jade auf dem Campingplatz von Annecy, die sehr viel Ruhe ausstrahlte, wenn sie nicht gerade mit dem Gummireifen spielen wollte.
  10. Auf dem gleichen Campingplatz der King Charles Spaniel, dessen Namen ich nicht erfahren habe, der hauptsächlich rumlag, sich aber für Streicheleinheiten auch mal auf die andere Seite drehte.

Natürlich gab es noch mehr Tierbegegnungen, diese bestanden aber oft nur aus meinem begeisterten Ausruf „Hundi!“ (alternativ „Doggo!“) und dem Hinweis meines Mannes, ich solle ihn doch bitte nicht immer so erschrecken. Jedenfalls würde ich ziemlich sicher gegen Marshall Eriksen in Zitch-Dog gewinnen, auch wenn ich das nie beweisen können werde.

Über Verantwortung, Selbstständigkeit und Arbeit

Ausgehend von einer Diskussion auf Twitter und dem daraufhin veröffentlichten Blogpost über Ferienjobs von Patricia habe ich mir auch noch mal länger Gedanken über das Arbeiten und insbesondere das Arbeiten in den Sommerferien gemacht. Es geht also explizit um Schüler und Studenten, die neben Schule und Studium noch Geld verdienen. Ich habe dazu eine einerseits sehr klare Meinung, allerdings ist diese auch stark persönlich gefärbt und somit sicherlich nicht universell als Handlungsanweisung anwendbar.

Meine Meinung ist: Wenn das Kind selber arbeiten möchte, dann bitte gerne. Ich halte aber nichts davon, Kindern (oder Jugendlichen) einen Ferienjob aufzudrängen oder sogar verpflichtend vorzuschreiben. Ich sage das aus der relativ komfortablen Situation eines Einzelkinds und eines (väterlicherseits) Einzelenkelkinds, das nie von seinen Eltern zum Arbeiten gedrängt wurde. Als ich im Ferienjobkompatiblen Alter war, war die Ferienzeit die, in der ich machen konnte, was ich wollte, also hauptsächlich nichts oder zumindest nichts konkretes. Von dieser Zeit zehre ich heute noch. Ich hänge der Zeit hinterher, als ich noch so viel Zeit hatte zum Vertrödeln, zum Im-Garten-Rumliegen und Wirklich-den-ganzen Tag-keine-Verpflichtung-haben.

Ich habe mit 24 angefangen, Vollzeit zu arbeiten und kann mich nicht an den letzten Tag erinnern, an dem ich ernsthaft das Gefühl hatte, gar nichts tun zu müssen. Immer sitzt einem irgendein Ding im Nacken, die Steuererklärung, die gemacht werden müsste, die Wohnung, die aufgeräumt werden müsste, die Einkäufe, die erledigt werden müssten, die Rechnungen, die bezahlt werden müssten, die Mails, die geschrieben werden müssten. Selbst, wenn ich dann einen Tag nichts oder zumindest nichts Sinnvolles mache, habe ich am Abend ein schlechtes Gewissen. Die Leichtigkeit ist weg und es ist unklar, ob sie je wiederkommt.

Es gibt – aufs Leben betrachtet – ein relativ kleines Zeitfenster von maximal 18 Jahren (15, wenn man die ersten drei Jahre, an die man sich meistens ja sowieso nicht erinnert, nicht mitzählt), in denen wir von den Lasten des Erwachsenenseins qua unserem Alter befreit sind. Warum versucht man jetzt trotzdem, diese Zeit mit Last zu füllen?

In den Kommentaren zu Patricias Artikel und in der Twitterdiskussion fielen unterschiedliche Gründe, warum man das tun wollen könnte. Respekt war ein Grund. Disziplin ein anderer. Lernen, was Geld wert ist. Verantwortung lernen. Lernen fürs Leben.

Aber, seriously? Das sind alles Dinge, die ich von meinen Eltern gelernt habe, ohne, dass sie mich dafür zur Fließbandarbeit um 7 Uhr morgens schicken mussten. Wenn beklagt wird, dass heutzutage viele jungen Leute nicht mehr wissen, dass man pünktlich zu sein hat, dann liegt das nicht daran, dass hier ein Ferienjob gefehlt hat, sondern, dass es offensichtlich viele Jahre lang nicht geklappt hat, jemanden zu sozial akzeptablem Verhalten zu erziehen. Dass Dinge teuer sind und manchmal zu teuer, dass Geld nicht vom Himmel fällt, und man nicht immer alles haben kann, konnten mir meine Eltern auch so vermitteln, weil wir ein vertrauensvolles Verhältnis hatten. Ich zweifle bei all diesen Aspekten nicht an, dass man sie sicher lernt, wenn man als Jugendlicher mit der erwachsenen Arbeitswelt konfrontiert wird. Ich glaube aber auch fest daran, dass das alles Dinge sind, die einem auch so beigebracht werden sollten. Wenn es also daran mangelt, dann ist das Problem nicht ein fehlender Ferienjob.

Tatsächlich hatte ich auch kleine Jobs, bei denen ich etwas Geld verdient habe, Nachhilfe und Babysitting und in einem Jahr in der Vorweihnachtszeit Geschenke einpacken im Buchladen. Ich habe auch da gelernt, was man macht und was nicht, was Verantwortung bedeutet und dass man das halb gegessene Brötchen außer Sichtweite der Kunden aufbewahrt.

Aber.

Ich bin kein Maßstab. Ich bin kein Maßstab, weil ich trotz aller Wünsche in vielen Bereichen ein genügsames Kind war. Die Phasen, in denen ich dringend irgendein Kleidungsstück haben wollte, kann ich an einer Hand abzählen. Das teuerste, was ich mir dringend gewünscht habe, war der Amiga 500, und ja, den habe ich dann auch zu Weihnachten bekommen (gebraucht). Ein Großteil meiner Kleidung waren Sachen, die meine Mutter auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden kaufte. Ich wollte nicht allein in Urlaub und ging nicht in die Disco. Als ich später eine HiFi-Anlage hatte, war es die ausrangierte meiner Eltern, den Fernseher bekam ich, als mein Opa ins Altersheim kam und sich einen kleineren kaufte. Die Gelegenheit, mich zu einem Ferienjob zu überreden, indem man mir Wünsche vorenthielt, ergab sich kaum. Vermutlich hätte ich dann „na ja, dann eben nicht“ gesagt und wäre in die Bücherei gefahren, womit wir beim zweiten Aber wären.

Ich habe immer Dinge getan. Wenn mir als Teenager langweilig war, saß ich nicht rauchend im Park, sondern lieh mir Noten für Altflöte aus der Bücherei aus, weil man ja auch mal Altflöte lernen könnte. Ich war das Kind, das nicht oder nur unter Protest ohne die Schulbücher fürs nächste Schuljahr in den Sommerurlaub fuhr, das Kind, das in dem Jahr, in dem wir nicht in Urlaub fuhren, eben einfach jeden Tag in die Bücherei fuhr, da irgendwann wie selbstverständlich anfing, Bücher einzusortieren, und als quasi inoffizielle und heimliche Hilfsmitarbeiterin einen Großteil der Sommerferien verbrachte.

Langeweile wurde bei mir immer in Kreativität umgewandelt. Das heißt nicht, dass ich nicht auch sinnlos Zeit verbummelt hätte, dass ich nicht mit Freundinnen in der Fußgängerzone abhing, oder nicht stundenlang am Computer gesessen hätte, um den Solitär-Highscore meiner Mutter zu knacken. Ich weiß aber auch, wie wichtig eben genau Nichtstun ist, um sich Dinge auszudenken, wie die trägen Sommertage am Ende Ideen in Gang setzten oder wie die doch überbordende Langeweile mich zu absurden Projekten trieb. Der Versuch, ein Schneider-Buch auf der Blindenschreibmaschinen komplett zu übersetzen, schlug zwar fehl, aber immerhin war ich diszipliniert und eifrig bei der Sache.

Diese zwei Abers sind wichtig, denn ich glaube auch fest daran, dass nicht jede Eltern und jedes Kind mit der gleichen Betriebsanleitung glücklich werden. Ich weiß, dass die Marke der Hose den meisten Teenagern wichtiger ist, als sie es mir damals war. Ich weiß, dass andere Kinder weniger gut mit Langeweile umgehen können. Ich weiß, dass alles das, was bei mir gut funktioniert hat, bei anderen Menschen auch nach hinten losgehen kann.

Was ich ziemlich sicher weiß, ist aber, dass auch die endlos langen Ferientage wichtig für mich waren. Dass sie so wichtig waren, dass sie heute zu meinen liebsten Erinnerungen zählen, die ich nicht missen möchte. Selbstverständlich hätte ich auch bei einem Ferienjob wichtige Erfahrungen gesammelt, das Gegenteil zu behaupten wäre absurd. Ich glaube aber auch, dass ich alles, was ich da mit 15 gelernt hätte, eben einfach drei Jahre später gelernt habe und dass mir alles, was neben der konkreten Erfahrung an Werten vermittelt worden wäre, ohnehin nicht fremd war. Der Unterschied ist eben nur, dass es heute hundertmal schwieriger ist, unbeschwerte, freie Zeit zu organisieren und auch genießen zu können als es das damals war. Deshalb plädiere ich sehr dafür, genau diese kurze Zeit, in der wir uns diese Zeit, das Rumlungern, das Nichtstun und das Langweilen leisten können, auch zu bewahren.

Wir neigen dazu, Dinge, die wir selbst so erlebt haben, als Maßstab für unsere Vorstellungen von der Welt zu nehmen. Wer selber gearbeitet hat (ob freiwillig oder nicht), der kennt die Vorzüge und Nachteile, glaubt entweder an die Potentiale und wird diesen Weg auch für seine Kinder wählen oder erinnert sich an die schlechten Aspekte und versucht, seine Kinder davor zu bewahren. Genauso kann ich nur die Vorzüge und Nachteile eines Teenagerlebens ohne Ferienjob bewerten, schlicht, weil mir diese Erfahrung fehlt. Wir handeln immer aufgrund der Erfahrungen, die wir gemacht haben, es gibt keine Parallelwelt, aus der ich die Erkenntnis ziehen könnte, was gewesen wäre, wenn ich früher mein eigenes Geld verdient hätte.

Das einzige, was ich bei einer solchen Diskussion nicht akzeptiere, ist der Satz „Es hat mir nicht geschadet.“ Zum einen ist das ein Null-Argument. Es trägt nichts bei, denn nicht zu schaden ist nicht von sich aus positiv, es ist nur nicht negativ. Wenn ich jeden Morgen ein Glas Milch in den Abfluss gieße, schadet das auch nicht (abgesehen davon, dass ich unnötig Geld für Milch ausgebe), es hilft aber auch erstaunlich wenig. Zum anderen ist das auch das gleiche Argument, mit dem andere Generation Ohrfeigen rechtfertigen und damit, das wissen wir mittlerweile, sogar sehr falsch liegen. Es gibt genug gute Gründe, warum man einem Teenager einen Nebenjob nahelegt, „Ich hab es auch gemacht und es hat mir nicht geschadet“ ist kein guter Grund.

Wenn es unbedingt einen Nebenjob braucht, um Respekt, Demut, Disziplin und Selbstständigkeit zu lernen und zu erfahren, dann frage ich mich schon ein bisschen, was so alles schief gelaufen ist, dass man diese Teile der Persönlichkeitsentwicklung in die freie Wirtschaft auslagern muss. Und nicht jede Erfahrung, die man macht, ist notwendig. Vielleicht macht mich alles, was mich nicht umbringt, stärker, aber vielleicht rechtfertigen wir damit auch Erfahrungen, auf die wir eigentlich gut hätten verzichten können.

Die letzte Fernsehzuschauerin

Gestern befand ich mich wieder in einer unmöglichen Situation. Zum 461. Mal John Grishams „Die Akte“ mit einer sehr jungen Julia Roberts, einem lebenden Sam Shepard und einem sehr, sehr jungen Denzel Washington oder doch eine Dokumentation über eine Zugfahrt durch Skandinavien gucken?

Schwierig.

Die Menschen im Internet verstehen meine Sorgen nicht. Ob ich denn kein Internet hätte, fragen sie. Ja, natürlich habe ich Internet, aber was hilft es mir, wenn ich abends entscheidungsschwach auf dem Sofa liege und eigentlich nur möglichst energiesparsam unterhalten werden möchte. Wenn ich mich jetzt noch bei Netflix zwischen 26 Serien und 17 Filmen entscheiden müsste, das würde mich nur heillos überfordern.

Ich bin ein großer Freund des linearen Fernsehens. Also eigentlich: Ich bin ein großer Freund des Fernsehens. Ich finde Fernsehen super, schon immer, das Fernsehen begleitete mich treu durch Kindheit und Jugend bis heute. In den Achtzigern saßen wir bei Joana im Keller und guckten schlimme Spielshows auf Tele 5 und das grandiose Full House, das später von einem schlechteren, aber deutlich beliebteren Full House abgelöst wurde, und, wie ich nach langer Internetrecherche herausgefunden habe, im Original Rags to Riches hieß. Die Kurzfassung: Ein Millionär nimmt einen Haufen Mädchen aus einem Waisenhaus bei sich auf, es wird viel rumpubertiert, jede Folge ein Drama, das sich natürlich zum Ende der Folge wieder auflöst und vor allem wurde in jeder Folge in Sechziger-Jahre-Outfits gesungen! Ein Traum unserer jungen Mädchenjahre, aber leider von der deutschen Fernsehlandschaft vergessen und auf YouTube nicht in zufriedenstellender Quantität und Qualität im Angebot. (Ich hab geguckt.) Die Folge, in der der drohende Atomkrieg mit der Sowjetunion thematisiert wurde, kam in ihrer traumatisierenden Wirkung fast an die Wattenmeer-Szene aus der letzten Folge von Nesthäkchen heran. Noch heute fürchte ich Atomkriege und würde mich nie im Leben auch nur einen Zentimeter zu weit ins Wattenmeer wagen.

Unser erster Fernseher war noch schwarz-weiß und hatte Knöpfe am Gerät, so dass man zum Ein- und Ausschalten aufstehen und hingehen musste. Das war allerdings auch kein großes Problem, denn der Fernseher war sehr klein, so dass man ohnehin fast in Reichweite auf dem Boden davor saß. Er stand außerdem bei meinen Eltern im Schlafzimmer, allerdings eher aus wohnungslogistischen Gründen und nicht wegen irgendwelcher potentiellen erzieherischen Restriktionsmaßnahmen. Im Gegenteil, man musste erfinderisch werden, wenn man vor dem Fernseher essen wollte und deswegen weiß ich jetzt: Ein Bügelbrett ist ein guter Tischersatz, bietet den Vorteil, dass man ihn höhenverstellbar auch auf Betthöhe bringen kann, allerdings auch den Nachteil, dass verschlabberte Tütensuppe direkt einzieht.

Der Übergang von Kindheit zur Präpubertät fiel bei mir praktischerweise zeitgleich auf den Einzug des Privatfernsehens, so dass sich im Nachhinein nicht mehr auseinanderhalten lässt, ob wir die schlimmen Sachen (Talk Shows! Beverly Hills 90210!) guckten, weil wir gerade dumme Teenager waren oder weil es halt gerade im Trend war (vermutlich beides). Später im Studium konnte man die ersten zwei bis drei Staffeln Big Brother immerhin auch noch mit der Ausrede einschalten, man würde das allein aus medientheoretischem Interesse gucken. Das war zu 90 Prozent gelogen und zu zehn Prozent besitze ich tatsächlich die Essaysammlung „Big Brother: Inszenierte Banalität zur Primetime“ (Herausgeber Frank Weber, erschienen 2000 im LIT Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich).

Heute ist mir alles egal. Weil wir alle auch ein bisschen unsere Eltern sind, gucke ich jede Vogelzugs-, Tiefsee- und Seeotterdokumentation, die mir unterkommt, genauso wie gute und weniger gute Filme und schlimme und weniger schlimme Sendungen in denen Leute kochen, Trödel verkaufen, schlechte und weniger schlechte Start-Up-Ideen präsentieren und mit Restaurants pleite gehen. Mit Hingabe sehe ich fernsehgeschichtliche Kleinode wie „Guter Rat am Zuschneidetisch“ und verpasse keine Gelegenheit, mich zwei Stunden lang mit Musikvideos der Neuen Deutschen Welle sanft berieseln zu lassen. Dazwischen mogelt sich die Serienversorgung über Netflix und schlimmes Trashfernsehen.

Und dann sind da eben die Tage, an denen man abends auf dem Sofa liegt und nichts kommt außer zum 461. Mal „Die Akte“ und eine Dokumentation über Zugfahren in Skandinavien. Mein Mann schlug vor, man könnte ja auch abschalten und sich unterhalten, wir haben also folgerichtig zum 462. Mal „Die Akte“ geguckt.

Ich stelle mir vor, wie das lineare Fernsehen irgendwann doch zu Grunde geht und die letzten Stationen abgeschaltet werden und dann sitzen da nur ich und ein paar verwandte Seelen, schalten mit Tränen in den Augen den Fernseher aus, verbrennen unsere letzte Fernsehzeitung im Kamin und seufzen einmal laut und tief. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

2017 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Aber nicht mehr so viel. Es pendelt sich anscheinend auf ein Gewicht ein, das mir aber leider nicht zusagt. Also, na ja, gute Vorsätze, anyone?

Haare länger oder kürzer?

Ich war irgendwann beim Frisör (glaube ich) und jetzt sind sie wieder gewachsen und vielleicht gehe ich demnächst noch mal zum Frisör (ABER NUR DIE SPITZEN!) oder zu Mama, je nach dem.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich. Denke ich. Keine neue Brille aber auch keine Probleme mit dem Gucken.

Mehr Kohle oder weniger?

Ungefähr gleich.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger ausgegeben für Zeug, trotzdem rann das Geld aufgrund einer Immobiliensituation etwas unkontrolliert durch die Finger. Aus Verzweiflung dann auch kurzzeitig mit dem Budgetieren aufgehört, was natürlich eher kontraproduktiv war. Jetzt wieder angefangen mit dem Budgetieren und Planen mit YNAB und direkt ein besseres Gefühl. Alles ist gut, es ist nur eine Phase.

Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Außer im Sommer, als wir sehr oft das Stand-Up-Paddle-Board auspackten und auf diversen Seen rumpaddelten.

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Der hirnrissigste Plan?

Fristen ausreizen und dann kurz vor knapp sehr viele Dinge sehr dringend geklärt haben müssen. Auch hier: Alles ist gut, es ist nur nervig.

Außerdem: Ohne Wasserschuhe auf der Loire paddeln UND reinfallen. Auf der anderen Seite ist so ein blauer Flecke an der Fußsohle auch eine interessante Erfahrung.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mehrfach mit normalen Straßenklamotten (und ohne Wechselsachen) auf einem Brett im See gepaddelt. Ist aber nichts passiert.

Die teuerste Anschaffung?

Ein neues Auto. Also ein Bus. Also ein VW-Bus mit Campingausstattung. Immerhin gebraucht.

Das leckerste Essen?

Auch dieses Jahr wieder ein Sieben-Gänge-Carte-Blanche im La Maison d’à côté in Montlivault.

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Außerdem sehr gut gegessen Am Kamin in Mülheim an der Ruhr, im Umami in Straßburg und zum 50. Geburtstag des besten Ehemannes der Welt im Le Prince Noir in Bordeaux. Außerdem gut, gerne und viel gekocht.

Das beeindruckendste Buch?

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky (sehr geweint) und „Wir Strebermigranten“ von Emilia Smechowski (sehr traurig gewesen).

Der ergreifendste Film?

Ich kann mich an keinen besonders ergreifenden Film erinnern, aber wir haben kürzlich nach langer Zeit wieder „Kleine Haie“ gesehen und das ist immer noch ein sehr toller und, ja, wenn ich es mir richtig überlege, auf eine ganz eigene Art doch ergreifender Film.

Kurz vor Jahresende noch mal aus einer spontanen Laune „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ gesehen und bei der ersten Szene mit Gareth überlegt, ob ich abbrechen soll, weil ich gar nicht dringend weinend vorm Fernseher sitzen wollte. Doch nicht abgebrochen und dann eben schlimm geweint und W. H. Auden mit rezitiert.

Das beste Lied?

2017 fiel ich endgültig in ein Musicalloch und entdeckte zunächst, dass es da irrsinnig viel zu entdecken gibt. In den letzten Wochen mit tiefer Inbrunst am Klavier gesungen: „Send in the Clowns“ aus „A Little Night Music“ von Stephen Sondheim.

Auch sehr geliebt: „Seeds“ von Camille.

Das schönste Konzert?

Kein Konzert, glaube ich. Dafür einmal Oper, nämlich die Salomé in Straßburg und das war sehr cool.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Wie im letzten Jahr: Meinem Mann und vermutlich den Kollegen im Büro.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Meinem Mann und meiner Familie. Ich wiederhole mich. Ich lasse das einfach immer so stehen, was soll sich daran schon ändern. Aber auch gemerkt: Wir haben viele tolle Freunde und ich freue mich über jeden Abend, den wir Gäste haben.

Immerhin, mein Vorsatz, mehr Familie in meinem Leben zu haben, hat sich ganz gut in Realität umsetzen lassen. Das war schön.

Vorherrschendes Gefühl 2017?

Das auch noch?

2017 zum ersten Mal getan?

Einen Campingbus gekauft. In einem Campingbus übernachtet. Auf einem Kontrabass gespielt. Zu Hause eine Karaokeanlage aufgebaut UND BENUTZT! Meine Cousine besucht. Gefastet aka sechs Wochen lang vegetarisch gegessen. Ein Fahrrad zur Reparatur gebracht („Lohnt sich, das reparieren zu lassen oder kann ich da direkt ein neues kaufen?“ – Es lohnte.). Keinen einzigen Tag wegen Krankheit auf der Arbeit gefehlt. Aus einem Escape Room ausgebrochen. Gummistiefel gekauft. Auf der After-Show-Party der lit.COLOGNE rumgehangen.

Liste der Orte, in denen ich 2017 zum ersten Mal war: Straßburg, Monschau, Châlons-en-Champagne, Regensburg, Karlsbad, Bad Langensalza, Eisenach, Xanten, Winterswijk, Schaffhauen, Stein am Rhein.

2017 nach langer Zeit wieder getan?

Richtig Geburtstag gefeiert. Alte Freunde getroffen. In Tschechien gewesen. Einen Badeanzug gekauft (und direkt in der Therme vergessen). Auf dem Pfarrfest unserer alten Gemeinde gewesen und sehr viele Leute wiedergetroffen. Gemalt. Kanu gefahren. Auf zwei Hochzeiten gewesen (na ja, die letzte war 2013, aber immerhin waren drei Jahre Pause). Viel Fahrrad gefahren. Baumkuchen gebacken. Bei der Fronleichnamsprozession in Köln-Mülheim auf dem Schiff mitgefahren.

Fronleichnamsprozession Mülheimer Gottestracht

Einen 90. Geburtstag gefeiert. Einen Rucksack gekauft und gegen die Umhängetasche getauscht (beste Entscheidung seit langem).

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Überhaupt keine Zeit. Ich weiß nicht, warum, aber ich habe noch in keinem Jahr so das Gefühl gehabt, keine Zeit für mich zu haben und das ist nicht gut und kann auch nicht so weiter gehen. Man sieht es auch gut an diesem Blog, da hätte ich gerne mehr geschrieben.

Eine vollkommen verrückte Welt mit viel zu vielen „Was zur Hölle ist jetzt schon wieder passiert?“-Momenten. Und andere Dinge, die nicht hierhin gehören. Als Ersatz biete ich noch an: Den letzten Zug verpassen und anderthalb Stunden mit vier anderen Leuten (plus Taxifahrer) im Taxi von Stuttgart zum Bodensee sitzen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Die ist privat.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Wir schaffen das schon alles.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Das kann ich schlecht entscheiden.

2017 war ist mit einem Wort…?

Vorbei. (Good riddance!)

Zum Fragebogen für 2016 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2015 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2014 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2013 geht es hier.

Noch mal Bruder-Klaus-Siedlung (Pfarrfest 2017)

Hier mal etwas Organisatorisches in eigener Sache. Da der Artikel über die Bruder-Klaus-Siedlung zu den meistkommentierten meines Blogs gehört und sich hier anscheinend zahlreiche ehemalige und Noch-Bewohner der Siedlung wiedertreffen, habe ich nicht zuletzt auch angeregt von Mama etwas recherchiert:

Am 24.9.2017 findet laut meinen Recherchen das diesjährige Pfarrfest der Pfarrgemeinde St. Bruder Klaus statt. Wenn alles klappt, werden ich und meine Mutter nach vielen Jahren auch kommen und regen an, dass auch der ein oder andere, der sich hier im Blog über den Artikel und die Erinnerungen gefreut hat, vielleicht zu einem inoffiziellen Ehemaligentreffen einfindet.

Genaueres kann man dem Pfarrkalender entnehmen. Die Messe mit anschließender Prozession findet um 10 Uhr statt.

Die Hundeflüsterin

Ich bin keine Hundeflüsterin, aber ich kann gut mit Hunden. Also, den meisten Hunden. Sogar Emil, der introvertierte Dackel der Architektin in unserem Haus kam letztens kurz an, um an meiner Hand zu schnüffeln, dampfte dann aber schnell wieder ab.

Gestern stand ich in der S-Bahn im Türbereich, gegenüber ein wirklich extrem niedlicher, offensichtlich noch recht junger Hund, der etwas schüchtern, aber doch neugierig ankam, und meine Hose intensiv beschnupperte.

„Haben Sie auch einen Hund?“ fragte die Hundebesitzerin.

„Nein.“

„Katzen?“

„Nö.“

„Hm.“ Sie guckte noch mal auf den Hund. „Eigentlich ist sie sonst sehr schüchtern und macht sowas nicht.“

„Die merken halt, wenn man sie mag“, sagte ich.

Dann kam meine Haltestelle und ich musste aussteigen.


Das erinnerte mich an eines meiner größten Hundekomplimente, das ich je bekommen habe, nämlich in einer Agentur in Wien, in der es mindestens vier Bürohunde gab. Zwei liefen durch die Gegend, einen sah ich gerade auf dem Weg zur Mittagsgassirunde und dann lag da noch einer unter dem Schreibtisch einer Mitarbeiterin.

Der Hund guckte mich an, ich guckte den Hund an, der Hund legte den Kopf schief, stand auf und trottete zu mir herüber.

Etwas irritiert stand die Hundebesitzerin auf und kam hinterher.

„Das… äh… der geht sonst nicht zu Fremden“, sagte sie verwundert, während ich den Hund kraulte.

Das wird schon irgendeinen Grund haben, dass ich einen Hund will, seit ich denken kann.

(Mit Katzen kann ich aber übrigens auch.)