Über Verantwortung, Selbstständigkeit und Arbeit

Ausgehend von einer Diskussion auf Twitter und dem daraufhin veröffentlichten Blogpost über Ferienjobs von Patricia habe ich mir auch noch mal länger Gedanken über das Arbeiten und insbesondere das Arbeiten in den Sommerferien gemacht. Es geht also explizit um Schüler und Studenten, die neben Schule und Studium noch Geld verdienen. Ich habe dazu eine einerseits sehr klare Meinung, allerdings ist diese auch stark persönlich gefärbt und somit sicherlich nicht universell als Handlungsanweisung anwendbar.

Meine Meinung ist: Wenn das Kind selber arbeiten möchte, dann bitte gerne. Ich halte aber nichts davon, Kindern (oder Jugendlichen) einen Ferienjob aufzudrängen oder sogar verpflichtend vorzuschreiben. Ich sage das aus der relativ komfortablen Situation eines Einzelkinds und eines (väterlicherseits) Einzelenkelkinds, das nie von seinen Eltern zum Arbeiten gedrängt wurde. Als ich im Ferienjobkompatiblen Alter war, war die Ferienzeit die, in der ich machen konnte, was ich wollte, also hauptsächlich nichts oder zumindest nichts konkretes. Von dieser Zeit zehre ich heute noch. Ich hänge der Zeit hinterher, als ich noch so viel Zeit hatte zum Vertrödeln, zum Im-Garten-Rumliegen und Wirklich-den-ganzen Tag-keine-Verpflichtung-haben.

Ich habe mit 24 angefangen, Vollzeit zu arbeiten und kann mich nicht an den letzten Tag erinnern, an dem ich ernsthaft das Gefühl hatte, gar nichts tun zu müssen. Immer sitzt einem irgendein Ding im Nacken, die Steuererklärung, die gemacht werden müsste, die Wohnung, die aufgeräumt werden müsste, die Einkäufe, die erledigt werden müssten, die Rechnungen, die bezahlt werden müssten, die Mails, die geschrieben werden müssten. Selbst, wenn ich dann einen Tag nichts oder zumindest nichts Sinnvolles mache, habe ich am Abend ein schlechtes Gewissen. Die Leichtigkeit ist weg und es ist unklar, ob sie je wiederkommt.

Es gibt – aufs Leben betrachtet – ein relativ kleines Zeitfenster von maximal 18 Jahren (15, wenn man die ersten drei Jahre, an die man sich meistens ja sowieso nicht erinnert, nicht mitzählt), in denen wir von den Lasten des Erwachsenenseins qua unserem Alter befreit sind. Warum versucht man jetzt trotzdem, diese Zeit mit Last zu füllen?

In den Kommentaren zu Patricias Artikel und in der Twitterdiskussion fielen unterschiedliche Gründe, warum man das tun wollen könnte. Respekt war ein Grund. Disziplin ein anderer. Lernen, was Geld wert ist. Verantwortung lernen. Lernen fürs Leben.

Aber, seriously? Das sind alles Dinge, die ich von meinen Eltern gelernt habe, ohne, dass sie mich dafür zur Fließbandarbeit um 7 Uhr morgens schicken mussten. Wenn beklagt wird, dass heutzutage viele jungen Leute nicht mehr wissen, dass man pünktlich zu sein hat, dann liegt das nicht daran, dass hier ein Ferienjob gefehlt hat, sondern, dass es offensichtlich viele Jahre lang nicht geklappt hat, jemanden zu sozial akzeptablem Verhalten zu erziehen. Dass Dinge teuer sind und manchmal zu teuer, dass Geld nicht vom Himmel fällt, und man nicht immer alles haben kann, konnten mir meine Eltern auch so vermitteln, weil wir ein vertrauensvolles Verhältnis hatten. Ich zweifle bei all diesen Aspekten nicht an, dass man sie sicher lernt, wenn man als Jugendlicher mit der erwachsenen Arbeitswelt konfrontiert wird. Ich glaube aber auch fest daran, dass das alles Dinge sind, die einem auch so beigebracht werden sollten. Wenn es also daran mangelt, dann ist das Problem nicht ein fehlender Ferienjob.

Tatsächlich hatte ich auch kleine Jobs, bei denen ich etwas Geld verdient habe, Nachhilfe und Babysitting und in einem Jahr in der Vorweihnachtszeit Geschenke einpacken im Buchladen. Ich habe auch da gelernt, was man macht und was nicht, was Verantwortung bedeutet und dass man das halb gegessene Brötchen außer Sichtweite der Kunden aufbewahrt.

Aber.

Ich bin kein Maßstab. Ich bin kein Maßstab, weil ich trotz aller Wünsche in vielen Bereichen ein genügsames Kind war. Die Phasen, in denen ich dringend irgendein Kleidungsstück haben wollte, kann ich an einer Hand abzählen. Das teuerste, was ich mir dringend gewünscht habe, war der Amiga 500, und ja, den habe ich dann auch zu Weihnachten bekommen (gebraucht). Ein Großteil meiner Kleidung waren Sachen, die meine Mutter auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden kaufte. Ich wollte nicht allein in Urlaub und ging nicht in die Disco. Als ich später eine HiFi-Anlage hatte, war es die ausrangierte meiner Eltern, den Fernseher bekam ich, als mein Opa ins Altersheim kam und sich einen kleineren kaufte. Die Gelegenheit, mich zu einem Ferienjob zu überreden, indem man mir Wünsche vorenthielt, ergab sich kaum. Vermutlich hätte ich dann „na ja, dann eben nicht“ gesagt und wäre in die Bücherei gefahren, womit wir beim zweiten Aber wären.

Ich habe immer Dinge getan. Wenn mir als Teenager langweilig war, saß ich nicht rauchend im Park, sondern lieh mir Noten für Altflöte aus der Bücherei aus, weil man ja auch mal Altflöte lernen könnte. Ich war das Kind, das nicht oder nur unter Protest ohne die Schulbücher fürs nächste Schuljahr in den Sommerurlaub fuhr, das Kind, das in dem Jahr, in dem wir nicht in Urlaub fuhren, eben einfach jeden Tag in die Bücherei fuhr, da irgendwann wie selbstverständlich anfing, Bücher einzusortieren, und als quasi inoffizielle und heimliche Hilfsmitarbeiterin einen Großteil der Sommerferien verbrachte.

Langeweile wurde bei mir immer in Kreativität umgewandelt. Das heißt nicht, dass ich nicht auch sinnlos Zeit verbummelt hätte, dass ich nicht mit Freundinnen in der Fußgängerzone abhing, oder nicht stundenlang am Computer gesessen hätte, um den Solitär-Highscore meiner Mutter zu knacken. Ich weiß aber auch, wie wichtig eben genau Nichtstun ist, um sich Dinge auszudenken, wie die trägen Sommertage am Ende Ideen in Gang setzten oder wie die doch überbordende Langeweile mich zu absurden Projekten trieb. Der Versuch, ein Schneider-Buch auf der Blindenschreibmaschinen komplett zu übersetzen, schlug zwar fehl, aber immerhin war ich diszipliniert und eifrig bei der Sache.

Diese zwei Abers sind wichtig, denn ich glaube auch fest daran, dass nicht jede Eltern und jedes Kind mit der gleichen Betriebsanleitung glücklich werden. Ich weiß, dass die Marke der Hose den meisten Teenagern wichtiger ist, als sie es mir damals war. Ich weiß, dass andere Kinder weniger gut mit Langeweile umgehen können. Ich weiß, dass alles das, was bei mir gut funktioniert hat, bei anderen Menschen auch nach hinten losgehen kann.

Was ich ziemlich sicher weiß, ist aber, dass auch die endlos langen Ferientage wichtig für mich waren. Dass sie so wichtig waren, dass sie heute zu meinen liebsten Erinnerungen zählen, die ich nicht missen möchte. Selbstverständlich hätte ich auch bei einem Ferienjob wichtige Erfahrungen gesammelt, das Gegenteil zu behaupten wäre absurd. Ich glaube aber auch, dass ich alles, was ich da mit 15 gelernt hätte, eben einfach drei Jahre später gelernt habe und dass mir alles, was neben der konkreten Erfahrung an Werten vermittelt worden wäre, ohnehin nicht fremd war. Der Unterschied ist eben nur, dass es heute hundertmal schwieriger ist, unbeschwerte, freie Zeit zu organisieren und auch genießen zu können als es das damals war. Deshalb plädiere ich sehr dafür, genau diese kurze Zeit, in der wir uns diese Zeit, das Rumlungern, das Nichtstun und das Langweilen leisten können, auch zu bewahren.

Wir neigen dazu, Dinge, die wir selbst so erlebt haben, als Maßstab für unsere Vorstellungen von der Welt zu nehmen. Wer selber gearbeitet hat (ob freiwillig oder nicht), der kennt die Vorzüge und Nachteile, glaubt entweder an die Potentiale und wird diesen Weg auch für seine Kinder wählen oder erinnert sich an die schlechten Aspekte und versucht, seine Kinder davor zu bewahren. Genauso kann ich nur die Vorzüge und Nachteile eines Teenagerlebens ohne Ferienjob bewerten, schlicht, weil mir diese Erfahrung fehlt. Wir handeln immer aufgrund der Erfahrungen, die wir gemacht haben, es gibt keine Parallelwelt, aus der ich die Erkenntnis ziehen könnte, was gewesen wäre, wenn ich früher mein eigenes Geld verdient hätte.

Das einzige, was ich bei einer solchen Diskussion nicht akzeptiere, ist der Satz „Es hat mir nicht geschadet.“ Zum einen ist das ein Null-Argument. Es trägt nichts bei, denn nicht zu schaden ist nicht von sich aus positiv, es ist nur nicht negativ. Wenn ich jeden Morgen ein Glas Milch in den Abfluss gieße, schadet das auch nicht (abgesehen davon, dass ich unnötig Geld für Milch ausgebe), es hilft aber auch erstaunlich wenig. Zum anderen ist das auch das gleiche Argument, mit dem andere Generation Ohrfeigen rechtfertigen und damit, das wissen wir mittlerweile, sogar sehr falsch liegen. Es gibt genug gute Gründe, warum man einem Teenager einen Nebenjob nahelegt, „Ich hab es auch gemacht und es hat mir nicht geschadet“ ist kein guter Grund.

Wenn es unbedingt einen Nebenjob braucht, um Respekt, Demut, Disziplin und Selbstständigkeit zu lernen und zu erfahren, dann frage ich mich schon ein bisschen, was so alles schief gelaufen ist, dass man diese Teile der Persönlichkeitsentwicklung in die freie Wirtschaft auslagern muss. Und nicht jede Erfahrung, die man macht, ist notwendig. Vielleicht macht mich alles, was mich nicht umbringt, stärker, aber vielleicht rechtfertigen wir damit auch Erfahrungen, auf die wir eigentlich gut hätten verzichten können.

Die letzte Fernsehzuschauerin

Gestern befand ich mich wieder in einer unmöglichen Situation. Zum 461. Mal John Grishams „Die Akte“ mit einer sehr jungen Julia Roberts, einem lebenden Sam Shepard und einem sehr, sehr jungen Denzel Washington oder doch eine Dokumentation über eine Zugfahrt durch Skandinavien gucken?

Schwierig.

Die Menschen im Internet verstehen meine Sorgen nicht. Ob ich denn kein Internet hätte, fragen sie. Ja, natürlich habe ich Internet, aber was hilft es mir, wenn ich abends entscheidungsschwach auf dem Sofa liege und eigentlich nur möglichst energiesparsam unterhalten werden möchte. Wenn ich mich jetzt noch bei Netflix zwischen 26 Serien und 17 Filmen entscheiden müsste, das würde mich nur heillos überfordern.

Ich bin ein großer Freund des linearen Fernsehens. Also eigentlich: Ich bin ein großer Freund des Fernsehens. Ich finde Fernsehen super, schon immer, das Fernsehen begleitete mich treu durch Kindheit und Jugend bis heute. In den Achtzigern saßen wir bei Joana im Keller und guckten schlimme Spielshows auf Tele 5 und das grandiose Full House, das später von einem schlechteren, aber deutlich beliebteren Full House abgelöst wurde, und, wie ich nach langer Internetrecherche herausgefunden habe, im Original Rags to Riches hieß. Die Kurzfassung: Ein Millionär nimmt einen Haufen Mädchen aus einem Waisenhaus bei sich auf, es wird viel rumpubertiert, jede Folge ein Drama, das sich natürlich zum Ende der Folge wieder auflöst und vor allem wurde in jeder Folge in Sechziger-Jahre-Outfits gesungen! Ein Traum unserer jungen Mädchenjahre, aber leider von der deutschen Fernsehlandschaft vergessen und auf YouTube nicht in zufriedenstellender Quantität und Qualität im Angebot. (Ich hab geguckt.) Die Folge, in der der drohende Atomkrieg mit der Sowjetunion thematisiert wurde, kam in ihrer traumatisierenden Wirkung fast an die Wattenmeer-Szene aus der letzten Folge von Nesthäkchen heran. Noch heute fürchte ich Atomkriege und würde mich nie im Leben auch nur einen Zentimeter zu weit ins Wattenmeer wagen.

Unser erster Fernseher war noch schwarz-weiß und hatte Knöpfe am Gerät, so dass man zum Ein- und Ausschalten aufstehen und hingehen musste. Das war allerdings auch kein großes Problem, denn der Fernseher war sehr klein, so dass man ohnehin fast in Reichweite auf dem Boden davor saß. Er stand außerdem bei meinen Eltern im Schlafzimmer, allerdings eher aus wohnungslogistischen Gründen und nicht wegen irgendwelcher potentiellen erzieherischen Restriktionsmaßnahmen. Im Gegenteil, man musste erfinderisch werden, wenn man vor dem Fernseher essen wollte und deswegen weiß ich jetzt: Ein Bügelbrett ist ein guter Tischersatz, bietet den Vorteil, dass man ihn höhenverstellbar auch auf Betthöhe bringen kann, allerdings auch den Nachteil, dass verschlabberte Tütensuppe direkt einzieht.

Der Übergang von Kindheit zur Präpubertät fiel bei mir praktischerweise zeitgleich auf den Einzug des Privatfernsehens, so dass sich im Nachhinein nicht mehr auseinanderhalten lässt, ob wir die schlimmen Sachen (Talk Shows! Beverly Hills 90210!) guckten, weil wir gerade dumme Teenager waren oder weil es halt gerade im Trend war (vermutlich beides). Später im Studium konnte man die ersten zwei bis drei Staffeln Big Brother immerhin auch noch mit der Ausrede einschalten, man würde das allein aus medientheoretischem Interesse gucken. Das war zu 90 Prozent gelogen und zu zehn Prozent besitze ich tatsächlich die Essaysammlung „Big Brother: Inszenierte Banalität zur Primetime“ (Herausgeber Frank Weber, erschienen 2000 im LIT Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich).

Heute ist mir alles egal. Weil wir alle auch ein bisschen unsere Eltern sind, gucke ich jede Vogelzugs-, Tiefsee- und Seeotterdokumentation, die mir unterkommt, genauso wie gute und weniger gute Filme und schlimme und weniger schlimme Sendungen in denen Leute kochen, Trödel verkaufen, schlechte und weniger schlechte Start-Up-Ideen präsentieren und mit Restaurants pleite gehen. Mit Hingabe sehe ich fernsehgeschichtliche Kleinode wie „Guter Rat am Zuschneidetisch“ und verpasse keine Gelegenheit, mich zwei Stunden lang mit Musikvideos der Neuen Deutschen Welle sanft berieseln zu lassen. Dazwischen mogelt sich die Serienversorgung über Netflix und schlimmes Trashfernsehen.

Und dann sind da eben die Tage, an denen man abends auf dem Sofa liegt und nichts kommt außer zum 461. Mal „Die Akte“ und eine Dokumentation über Zugfahren in Skandinavien. Mein Mann schlug vor, man könnte ja auch abschalten und sich unterhalten, wir haben also folgerichtig zum 462. Mal „Die Akte“ geguckt.

Ich stelle mir vor, wie das lineare Fernsehen irgendwann doch zu Grunde geht und die letzten Stationen abgeschaltet werden und dann sitzen da nur ich und ein paar verwandte Seelen, schalten mit Tränen in den Augen den Fernseher aus, verbrennen unsere letzte Fernsehzeitung im Kamin und seufzen einmal laut und tief. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

2017 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Aber nicht mehr so viel. Es pendelt sich anscheinend auf ein Gewicht ein, das mir aber leider nicht zusagt. Also, na ja, gute Vorsätze, anyone?

Haare länger oder kürzer?

Ich war irgendwann beim Frisör (glaube ich) und jetzt sind sie wieder gewachsen und vielleicht gehe ich demnächst noch mal zum Frisör (ABER NUR DIE SPITZEN!) oder zu Mama, je nach dem.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich. Denke ich. Keine neue Brille aber auch keine Probleme mit dem Gucken.

Mehr Kohle oder weniger?

Ungefähr gleich.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger ausgegeben für Zeug, trotzdem rann das Geld aufgrund einer Immobiliensituation etwas unkontrolliert durch die Finger. Aus Verzweiflung dann auch kurzzeitig mit dem Budgetieren aufgehört, was natürlich eher kontraproduktiv war. Jetzt wieder angefangen mit dem Budgetieren und Planen mit YNAB und direkt ein besseres Gefühl. Alles ist gut, es ist nur eine Phase.

Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Außer im Sommer, als wir sehr oft das Stand-Up-Paddle-Board auspackten und auf diversen Seen rumpaddelten.

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Der hirnrissigste Plan?

Fristen ausreizen und dann kurz vor knapp sehr viele Dinge sehr dringend geklärt haben müssen. Auch hier: Alles ist gut, es ist nur nervig.

Außerdem: Ohne Wasserschuhe auf der Loire paddeln UND reinfallen. Auf der anderen Seite ist so ein blauer Flecke an der Fußsohle auch eine interessante Erfahrung.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mehrfach mit normalen Straßenklamotten (und ohne Wechselsachen) auf einem Brett im See gepaddelt. Ist aber nichts passiert.

Die teuerste Anschaffung?

Ein neues Auto. Also ein Bus. Also ein VW-Bus mit Campingausstattung. Immerhin gebraucht.

Das leckerste Essen?

Auch dieses Jahr wieder ein Sieben-Gänge-Carte-Blanche im La Maison d’à côté in Montlivault.

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Außerdem sehr gut gegessen Am Kamin in Mülheim an der Ruhr, im Umami in Straßburg und zum 50. Geburtstag des besten Ehemannes der Welt im Le Prince Noir in Bordeaux. Außerdem gut, gerne und viel gekocht.

Das beeindruckendste Buch?

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky (sehr geweint) und „Wir Strebermigranten“ von Emilia Smechowski (sehr traurig gewesen).

Der ergreifendste Film?

Ich kann mich an keinen besonders ergreifenden Film erinnern, aber wir haben kürzlich nach langer Zeit wieder „Kleine Haie“ gesehen und das ist immer noch ein sehr toller und, ja, wenn ich es mir richtig überlege, auf eine ganz eigene Art doch ergreifender Film.

Kurz vor Jahresende noch mal aus einer spontanen Laune „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ gesehen und bei der ersten Szene mit Gareth überlegt, ob ich abbrechen soll, weil ich gar nicht dringend weinend vorm Fernseher sitzen wollte. Doch nicht abgebrochen und dann eben schlimm geweint und W. H. Auden mit rezitiert.

Das beste Lied?

2017 fiel ich endgültig in ein Musicalloch und entdeckte zunächst, dass es da irrsinnig viel zu entdecken gibt. In den letzten Wochen mit tiefer Inbrunst am Klavier gesungen: „Send in the Clowns“ aus „A Little Night Music“ von Stephen Sondheim.

Auch sehr geliebt: „Seeds“ von Camille.

Das schönste Konzert?

Kein Konzert, glaube ich. Dafür einmal Oper, nämlich die Salomé in Straßburg und das war sehr cool.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Wie im letzten Jahr: Meinem Mann und vermutlich den Kollegen im Büro.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Meinem Mann und meiner Familie. Ich wiederhole mich. Ich lasse das einfach immer so stehen, was soll sich daran schon ändern. Aber auch gemerkt: Wir haben viele tolle Freunde und ich freue mich über jeden Abend, den wir Gäste haben.

Immerhin, mein Vorsatz, mehr Familie in meinem Leben zu haben, hat sich ganz gut in Realität umsetzen lassen. Das war schön.

Vorherrschendes Gefühl 2017?

Das auch noch?

2017 zum ersten Mal getan?

Einen Campingbus gekauft. In einem Campingbus übernachtet. Auf einem Kontrabass gespielt. Zu Hause eine Karaokeanlage aufgebaut UND BENUTZT! Meine Cousine besucht. Gefastet aka sechs Wochen lang vegetarisch gegessen. Ein Fahrrad zur Reparatur gebracht („Lohnt sich, das reparieren zu lassen oder kann ich da direkt ein neues kaufen?“ – Es lohnte.). Keinen einzigen Tag wegen Krankheit auf der Arbeit gefehlt. Aus einem Escape Room ausgebrochen. Gummistiefel gekauft. Auf der After-Show-Party der lit.COLOGNE rumgehangen.

Liste der Orte, in denen ich 2017 zum ersten Mal war: Straßburg, Monschau, Châlons-en-Champagne, Regensburg, Karlsbad, Bad Langensalza, Eisenach, Xanten, Winterswijk, Schaffhauen, Stein am Rhein.

2017 nach langer Zeit wieder getan?

Richtig Geburtstag gefeiert. Alte Freunde getroffen. In Tschechien gewesen. Einen Badeanzug gekauft (und direkt in der Therme vergessen). Auf dem Pfarrfest unserer alten Gemeinde gewesen und sehr viele Leute wiedergetroffen. Gemalt. Kanu gefahren. Auf zwei Hochzeiten gewesen (na ja, die letzte war 2013, aber immerhin waren drei Jahre Pause). Viel Fahrrad gefahren. Baumkuchen gebacken. Bei der Fronleichnamsprozession in Köln-Mülheim auf dem Schiff mitgefahren.

Fronleichnamsprozession Mülheimer Gottestracht

Einen 90. Geburtstag gefeiert. Einen Rucksack gekauft und gegen die Umhängetasche getauscht (beste Entscheidung seit langem).

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Überhaupt keine Zeit. Ich weiß nicht, warum, aber ich habe noch in keinem Jahr so das Gefühl gehabt, keine Zeit für mich zu haben und das ist nicht gut und kann auch nicht so weiter gehen. Man sieht es auch gut an diesem Blog, da hätte ich gerne mehr geschrieben.

Eine vollkommen verrückte Welt mit viel zu vielen „Was zur Hölle ist jetzt schon wieder passiert?“-Momenten. Und andere Dinge, die nicht hierhin gehören. Als Ersatz biete ich noch an: Den letzten Zug verpassen und anderthalb Stunden mit vier anderen Leuten (plus Taxifahrer) im Taxi von Stuttgart zum Bodensee sitzen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Die ist privat.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Wir schaffen das schon alles.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Das kann ich schlecht entscheiden.

2017 war ist mit einem Wort…?

Vorbei. (Good riddance!)

Zum Fragebogen für 2016 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2015 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2014 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2013 geht es hier.

Noch mal Bruder-Klaus-Siedlung (Pfarrfest 2017)

Hier mal etwas Organisatorisches in eigener Sache. Da der Artikel über die Bruder-Klaus-Siedlung zu den meistkommentierten meines Blogs gehört und sich hier anscheinend zahlreiche ehemalige und Noch-Bewohner der Siedlung wiedertreffen, habe ich nicht zuletzt auch angeregt von Mama etwas recherchiert:

Am 24.9.2017 findet laut meinen Recherchen das diesjährige Pfarrfest der Pfarrgemeinde St. Bruder Klaus statt. Wenn alles klappt, werden ich und meine Mutter nach vielen Jahren auch kommen und regen an, dass auch der ein oder andere, der sich hier im Blog über den Artikel und die Erinnerungen gefreut hat, vielleicht zu einem inoffiziellen Ehemaligentreffen einfindet.

Genaueres kann man dem Pfarrkalender entnehmen. Die Messe mit anschließender Prozession findet um 10 Uhr statt.

Die Hundeflüsterin

Ich bin keine Hundeflüsterin, aber ich kann gut mit Hunden. Also, den meisten Hunden. Sogar Emil, der introvertierte Dackel der Architektin in unserem Haus kam letztens kurz an, um an meiner Hand zu schnüffeln, dampfte dann aber schnell wieder ab.

Gestern stand ich in der S-Bahn im Türbereich, gegenüber ein wirklich extrem niedlicher, offensichtlich noch recht junger Hund, der etwas schüchtern, aber doch neugierig ankam, und meine Hose intensiv beschnupperte.

„Haben Sie auch einen Hund?“ fragte die Hundebesitzerin.

„Nein.“

„Katzen?“

„Nö.“

„Hm.“ Sie guckte noch mal auf den Hund. „Eigentlich ist sie sonst sehr schüchtern und macht sowas nicht.“

„Die merken halt, wenn man sie mag“, sagte ich.

Dann kam meine Haltestelle und ich musste aussteigen.


Das erinnerte mich an eines meiner größten Hundekomplimente, das ich je bekommen habe, nämlich in einer Agentur in Wien, in der es mindestens vier Bürohunde gab. Zwei liefen durch die Gegend, einen sah ich gerade auf dem Weg zur Mittagsgassirunde und dann lag da noch einer unter dem Schreibtisch einer Mitarbeiterin.

Der Hund guckte mich an, ich guckte den Hund an, der Hund legte den Kopf schief, stand auf und trottete zu mir herüber.

Etwas irritiert stand die Hundebesitzerin auf und kam hinterher.

„Das… äh… der geht sonst nicht zu Fremden“, sagte sie verwundert, während ich den Hund kraulte.

Das wird schon irgendeinen Grund haben, dass ich einen Hund will, seit ich denken kann.

(Mit Katzen kann ich aber übrigens auch.)

Wie ich lernte, nicht mehr immer selber einzukaufen

Ein Thema, das das Internet (oder zumindest mein Internet) aktuell beschäftigt, ist der Spülsexismus. Ausgehend von dem Comic „You Should’ve Asked“ von Emma, die auch den schönen Begriff mental load erklärt, habe ich mehrere Artikel gelesen, die das Problem der Arbeitsteilung im Haushalt angingen. Es geht hier im Wesentlichen um die Frage, wie selbstverständlich wer in welchem Maße was tut und eben auch darum, ob klassische Hausarbeit immer noch hauptsächlich von Frauen erledigt wird.

Ich finde dieses Thema sehr spannend. Grundsätzlich habe ich mit meinem Mann Glück gehabt und würde behaupten, dass bei uns die Arbeit prinzipiell gerecht aufgeteilt ist. Wir haben auch keine Kinder, was vieles vereinfacht. Aber ich habe auch in den letzten Jahren gelernt, bei bestimmten Sachen loszulassen und Aufgaben abzugeben und dafür andere Dinge öfter zu übernehmen. Dieser Prozess ist überraschend schwierig, denn man muss auf einmal damit klarkommen, dass nicht alles genauso gemacht wird, wie man es selber machen würde. Hat man diesen Schock aber einmal überwunden, setzt die Phase der Erleichterung ein, aber dazu kommen wir später noch.

Was mich an vielen Beiträgen zu diesem Thema stört ist, dass sich alle einig sind, dass es so nicht gut ist und dass man auch relativ sicher ist, dass es nicht reicht zu diskutieren, allerdings konkrete Lösungsansätze fehlen. So dreht man sich dann im Kreis der Problembestätigung und kann so sicherlich auch ein paar Jahre weitermachen, nur ist damit natürlich auch niemandem geholfen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Erfahrungen und Hinweise, wie man vielleicht doch ein paar Schritte vorwärts kommt.

 

Das Wort „Helfen“ verbannen

Der erste Schritt besteht darin, dass Wort helfen in Bezug auf Alltagsaufgaben aus dem Wortschatz zu verbannen. Nein, der Partner „hilft“ einem nicht, er erledigt seinen Teil der Aufgaben.

Natürlich gibt es durchaus auch Situationen, wo das Wort angebracht ist, aber eben für sehr konkrete Bitten, vor allem, wenn es um Dinge geht, die man wirklich nicht alleine erledigen kann, das schwere Paket die Treppe hochtragen zum Beispiel oder das Brett festhalten, während der andere eine Schraube reindreht.

Ansonsten wird ab sofort nicht mehr geholfen, nicht mehr beim Spülen, nicht beim Putzen, nicht beim Aufräumen, nicht bei der Wäsche, nicht beim Kinder-ins-Bett-bringen und auch sonst bei keiner Alltagsaufgabe.

Vor kurzem geisterte ein englischer Facebookbeitrag eines Mannes durch meine Timeline, der sinngemäß (ich finde den Beitrag leider nicht mehr, für Hinweise bin ich dankbar) sagte: Ich helfe meiner Frau nicht. Das ist zu fünfzig Prozent meine Wohnung und mein Haushalt, also ist es auch zu fünfzig Prozent meine Verantwortung.

 

Menschen sind unterschiedlich

Ich putze nicht. So. Jetzt ist es raus.

Ich putze nicht, weil ich einen Partner habe, der ein anderes Sauberkeitsbedürfnis hat und in der Zeit, die ich brauche, um etwas als dreckig wahrzunehmen, schon drei Mal drüber gewischt hat. Das war lange Zeit ein großes Konfliktthema, denn für ihn existierte ein Problem, das in meiner Welt nicht existierte. Für ihn existierten sogar zwei Probleme, nämlich erstens, dass es dauernd dreckig war und zweitens, dass ich mich irgendwie nicht dafür interessierte. Es hat überraschend lange gedauert, bis wir verstanden habe, warum wir uns nicht verstanden haben.

Für ihn war es vollkommen unverständlich, dass ich den Dreck nicht wahrnehmen würde und für mich war es unverständlich, dass er dauernd unzufrieden war, obwohl die Wohnung doch sauber war. Es hilft dann tatsächlich, darüber zu sprechen, allerdings am besten in einer Situation, wo nicht eine Person gerade wieder genervt ist, weil sie etwas tun musste, was der andere doch auch hätte machen können. Das Geheimnis ist: Der andere hat es einfach nicht als zu behebenden Missstand wahrgenommen. Nicht aus Bosheit, noch nicht mal aus Faulheit oder in der Gewissheit, dass der andere es schon erledigen würde, sondern einfach, weil er oder sie es nicht wahrgenommen hat.

Beziehungsarbeit ist eben auch, die Bedürfnisse des Partners kennenzulernen und zu respektieren. Was einen selber stört, empfinden andere nicht als störend, dafür sind sie furchtbar von Dingen genervt, die einem selber komplett egal sind. Es ist dann auch vollkommen unerheblich, ob man die Bedürfnisse des anderen nachvollziehen kann, man muss sie nur verstehen und respektieren und in seinen eigenen alltäglichen Handlungen berücksichtigen.

Ich weiß jetzt, dass meinen Mann die Krümel auf dem Tisch nerven, deswegen wische ich einmal drüber, obwohl ich selber auch mit einem ungewischten Tisch prima klarkommen würde. Dafür achtet er darauf, dass das Besteck zusammenpasst, wenn er den Tisch deckt, weil ich sonst noch mal in die Küche laufen und neues Besteck holen muss.

 

Einfach mal nicht machen

Eine einfache Lösung, die aber oft nicht gesehen wird ist, Dinge einfach nicht mehr zu tun. Das ist auch zugegebenermaßen nicht so einfach, wie es am Anfang klingt, denn je nach charakterlicher Disposition muss man so ein Nichtstun auch aushalten können. Man kann zum Beispiel im Kleinen anfangen und einfach mal nicht die leere Toilettenpapierrolle wegschmeißen und eine neue dranhängen. Das ist eine einfache Übung, um erst mal zu gucken, was passiert, wenn man etwas nicht tut. Im nächsten Schritt räumt man halt nicht die liegengebliebenen Klamotten vom Boden auf und schmeißt sie in den Wäschekorb. Oder – wenn man noch ausreichend saubere Kleidung hat – man wäscht halt mal einfach nicht. Oder eben: Man kauft halt mal nicht ein.

Was man nicht tun kann und was sich für diese Übung doch nicht so gut eignet, ist individuell und hängt auch von den Lebensumständen ab. Man kann die Konsequenzen vorher Gott sei Dank grob abschätzen. Wenn man nicht einkauft, muss man sich an den Vorräten bedienen, hungern, Pizza bestellen oder auswärts essen. Das klappt deutlich besser, wenn man keine Kinder hat (wobei die das mit der Pizza vielleicht gar nicht so schlimm fänden). Wenn man die Wäsche nicht wäscht, sind irgendwann keine sauberen Unterhosen mehr da. Im besten Fall ist der eigene Unterhosenvorrat größer, so dass der Partner schneller den Leidensdruck der nicht gewaschenen Wäsche zu spüren bekommt. Auch in dem Fall funktioniert es vermutlich besser, wenn man keine Kinder hat und es nur darum geht, ob der Partner mit einem hässlichen Hemd und Koalabärsocken ins Büro muss.

Dinge nicht zu tun ist anstrengend, gerade, wenn man sie vielleicht gar nicht so ungern macht, es wenig Aufwand wäre oder man eben selber unter den Konsequenzen leidet. Gerade deswegen ist diese Lösung so unbeliebt. Im schlimmsten Fall hat man einen Partner, den die Unordnung tatsächlich nicht stört und genug Geld, um jeden Abend Pizza zu bestellen, dann setzt auch der erwünschte Lerneffekt nicht ein und man muss sich etwas anderes überlegen. Im Normalfall stört es den anderen aber schon, lediglich die Leidensdruckschwelle ist etwas anders justiert.

Es hilft übrigens, wenn man selber ausreichend faul ist und einem das Nichtstun nur in seiner Konsequenz, aber nicht so sehr als Handlung per se stört. Man darf sogar schummeln und die eigenen Unterhosen waschen oder nur genau die Sachen einkaufen, die man selber mag. Das eigentliche Ziel der Übung ist, dass der andere selber auf die Idee kommt, etwas zu erledigen und es eben genau nicht gesagt bekommen muss.

In dem Artikel „Spülsexismus oder: Der sieht das einfach nicht“ von Mareike Döring heißt es:

Letztlich entsteht hierdurch aber auch ein Machtungleichgewicht. Wenn man sich mit Frauen* über das Zusammenleben mit Männern* unterhält, hört man nicht selten einen bestimmten Satz: «Der sieht das einfach nicht». Das ist nicht unbedingt als Anschuldigung gemeint, sondern eher der Ausdruck von Frust, der entsteht wenn jemand eine Woche lang über einen vollen Müllsack im Flur steigen kann. Im Grunde gibt es dann nur zwei Wege: 1. Man macht es eben doch selbst (auch wenn man sich vorgenommen hat es diesmal nicht zu tun) oder 2. Man weist darauf hin. Aber in beiden Fällen liegt die Verantwortung bei der aktiven und die Macht bei der passiven Partei.

Ich möchte hier noch einen dritten Weg vorschlagen: Den Müllsack stehen lassen, bis sich die Nachbarn beschweren. Das klappt auch nicht immer und kommt ein bisschen auf die eigene Geruchsempfindlichkeit und die Nachbarn an, aber der Weg existiert. Bei welchen konkreten Anlässen man ihn beschreitet und ob er immer zum Ziel führt, ist eine andere Frage.

 

Nicht verbessern

Hier kommt die zweite Durchhalteprüfung: Wenn der Partner tatsächlich Aufgaben erledigt, die vorher in den eigenen Zuständigkeitsbereich fielen, darf man nicht als großer Experte auftreten und zeigen, wie es richtig geht. Ich kann es nur aus eigener Erfahrung sagen. Da steht man nämlich gerade tapfer und eifrig dabei und tut etwas, was man vorher noch nie oder nur sehr selten gemacht, versucht ernsthaft sein Bestes und bekommt erstmal ein „Du machst es ja ganz falsch. Guck mal, wenn du es so machst wie ich, dann…“ zu hören.

Ich bin eine erwachsene, insgesamt sehr ausgeglichene Frau mit durchschnittlichem Geduldsfaden, aber auch bei mir dauert es dann ein niedrige Sekundenzahl, bis ich „Dann mach die Scheiße doch selber, wenn du es eh besser kannst!“ rufe und erbost Dinge auf den Boden werfe. Für die meisten Haushaltsaufgaben gilt sowieso: Es gibt meistens gar kein richtig und falsch, es gibt nur ein anders. Weil man aber etwas jahrelang alleine auf eine bestimmte Art erledigt hat, unterliegt man dem Irrglauben, das wäre die einzig richtige Art es zu tun.

Man kann die Wäsche anders aufhängen, die Spülmaschine anders einräumen und im Supermarkt andere Dinge kaufen. Man kann das Wohnzimmer von links nach rechts oder von vorne nach hinten saugen und die Papierstapel im Arbeitszimmer nach unterschiedlichen Kriterien sortieren. Natürlich gibt es auch richtig und falsch, aber darum geht es beim Korrigieren meistens nicht. So gerne wir möchten, dass der andere dies oder das auch mal erledigt, so schwer fällt es uns, zuzusehen, wie er oder sie die Arbeit völlig anders angeht. Auch hier kann man erstmal nur aushalten, etwas verzweifelt die Hände wringen, aber um Gottes Willen nichts sagen, es sei denn, man sieht, dass der Wollpullover in der 60-Grad-Wäsche landet oder das nicht spülmaschinenfeste Geschirr von Oma in die Spülmaschine geräumt wird. Dann, und nur dann, darf man etwas sagen.

Sobald sich die neue, schönere, bessere und gerechtere Aufteilung etwas gefestigt hat, darf man übrigens auch was sagen. Sollte die eigene Arbeitsweise nämlich tatsächlich besser sein, wird der Partner die guten Hinweise auch als solche einschätzen können und wenn nicht, ist es sein eigenes Problem.

Bei mir war es vor allem das Einkaufen, das ich schlecht abgeben konnte. Als auszuführende Aufgabe schon, aber am liebsten mit dem exakt gleichen Ergebnis, dass auch bei mir rausgekommen wäre. Ich habe gelernt: Mein Mann kauft andere Dinge ein als ich, aber man kann sie genauso gut essen und verbrauchen. Wenn man das einmal verstanden hat, ist man sogar doppelt erleichtert. Man hat nämlich nicht nur das Einkaufen abgeben, sondern auch die Entscheidung, was gegessen wird. Natürlich sprechen wir uns auch ab, ob es konkrete Wünsche gibt, was fehlt und was noch besorgt werden muss, aber ich habe gelernt, dass ich auch „Kauf einfach, was du meinst“ sagen kann und mein Leben dadurch nicht schlechter wird.

Warum gut gemeinte Ratschläge auch in anderen Bereichen kontraproduktiv sein können, darüber haben Kathrin Passig und ich auch schon in der Wired geschrieben.

 

Automatismen und Pläne

Menschen und ihre Bedürfnisse können sich ändern, aber man kann nicht jede erwünschte Veränderung erzwingen. Ich nehme zum Beispiel Schmutz immer noch nicht so wahr, wie mein Mann es tut. Aber ich wische jetzt einfach grundsätzlich Tische und Oberflächen nach dem Kochen und Essen ab. Ich habe Automatismen entwickelt und mache jetzt Dinge, die ich vorher nicht gemacht habe, einfach in bestimmten Situationen.

Wenn Sensibilisierung nicht klappt, dann tun es auch Automatismen und Pläne, an die man sich halten kann. Dann wird eben nach dem Essen der Tisch abgewischt, am Samstag wird gewaschen und am Abend wird alles, was im Schlafzimmer auf dem Boden rumliegt in den Schrank oder den Wäschekorb gepackt. Dann ist eben der eine am Mittwoch mit Einkaufen dran und der andere am Freitag. Zack, aus. Auch hier gilt wieder: Reden hilft. Und wenn sich irgendeine Regel als unpraktikabel oder anderweitig unbefriedigend erweist, muss man sie eben neu machen. Patricia Cammarata hat sehr ausführlich in ihrem Blog darüber geschrieben, wie sie in ihrer Beziehung Aufgaben und Verantwortlichkeiten permanent neu aushandelt und wie auch hier der Einsatz von geteilten Kalendern und Zeitplanungsapps helfen, den Alltag gerechter zu organisieren.

 

Grundsätzlich ist das Zusammenleben mit einem (oder mehreren) anderen Menschen immer ein Rezept für Konflikte. Ich glaube auch daran, dass wir hier nach wie vor ein gesellschaftliches Problem haben, dass man nicht mit ein paar guten Worten und einem Standardrezept gelöst bekommt.

Es ist aber auch so, dass es nicht nur immer die andere Seite ist, die etwas tun muss, damit es besser wird. Ganz selten nur treten Veränderungen ein, weil man mal darüber geredet hat. Menschen lernen besser, wenn sie etwas konkret erfahren. Während man intellektuell schon längst kapiert hat, dass man auch mal die Wäsche machen, die Spülmaschine einräumen oder fürs Abendessen einkaufen könnte, tritt der richtige Verstehensprozess dann ein, wenn man nur noch die löchrigen Strümpfe im Schrank hat, kein sauberes Glas mehr im Schrank steht und man den dritten Tag hintereinander Nudeln mit Ketchup essen muss.

Will man Verantwortung abgeben oder zumindest besser aufteilen, dann bedeutet das auch erstmal Arbeit. Vieles davon ist mentale Arbeit. Man muss mit dem Partner reden und zwar so, dass es über „Du musst auch mal helfen!“ hinausgeht. Man muss sich zurückhalten, Dinge nicht tun, den eigenen Leidensdruck aushalten und dabei zusehen, wie Dinge anders getan werden und nichts sagen dürfen. Das ist schwieriger als es klingt, es ist viel einfacher „Na, dann mach ich es halt schnell selbst“ zu murmeln und in alte Verhaltensmuster zu fallen. Aber die Mühe lohnt sich. Ich wage sogar zu behaupten: Für alle Beteiligten.

Was schön war

Gestern:

  • Nach der Arbeit zu Fuß erst am Rhein entlang über die Hohenzollernbrücke.
  • Über Liebesschlösser gefreut.
  • Im Dom gewesen.
  • Richterfenster angeguckt.
  • Ein bisschen aus der Ferne dem Gottesdienst gelauscht und Kerze angezündet.
  • Richtung Neumarkt gelaufen.
  • Acrylfarben, Pinsel, Anspitzer und einen Radiergummi gekauft, weil mein Mann letztens einen Radiergummi brauchte und ich keinen gefunden habe.
  • Quer über den Neumarkt gelaufen, mich geweigert, noch mal nach dem Weg zu gucken, weil ich seit der Lektüre von „Verirren“ (siehe hier) dann immer „Nach dem Weg gucken ist was für Luschen“ denke.
  • Mit Angela im Café 1980 getroffen.
  • Draußen gesessen.
  • Eistee getrunken.
  • Bahn Mi gegessen.
  • Cà phê sữa đá getrunken.
  • Törtchen gegessen.
  • Viel geredet.
  • Zum Neumarkt gelaufen und zum Bahnhof gefahren.
  • Sonnenblume gekauft.
  • In Essen Bahn verpasst und zu Fuß nach Hause gelaufen.
  • Dabei Musicalsongs gehört und lautlos mitgesungen inklusive dramatischer Gesten. Ja, das sieht bescheuert aus, aber es war ja außer mir kaum jemand da unterwegs.
  • Zu Hause angekommen.
  • Ins Bett gegangen.
  • Noch ein Kreuzworträtsel der NY Times zu Ende gelöst und Drei Fragezeichen gehört.
  • Eingeschlafen.

Das war alles schön.

Nachbarschaft

Ich habe üblicherweise Seifenblasen im Haus. Wenn mir gerade danach ist, stelle ich mich auf den Balkon, puste ein paar Seifenblasen in die Welt, freue mich daran und hoffe, dass es vielleicht irgendwo in den Nachbarhäusern oder auf der Straße Menschen gibt, die zufällig gerade aus dem Fenster gucken oder in den Himmel gucken und sich auch über unerwartete Seifenblasen freuen.

Heute stand ich wieder auf dem Balkon und pustete Seifenblasen. Dann füllte ich die Gießkanne in der Badewanne und goß die Pflanzen, als mir jemand von der anderen Straßenseite etwas zurief: „Da haben Sie meinen Sohn eben sehr glücklich gemacht!“

Was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr und dass ich ohne Hose auf dem Balkon stand, na ja, geschenkt. So jedenfalls stelle ich mir Stadtnachbarschaft vor.

Oben auf dem Turm über Blankenstein

Der letzte Teil des Aufstiegs ist etwas ungewöhnlich. Mein Mann holt sein Handy raus und leuchtet uns auf im dunklen Turm die Treppe nach oben aus. Noch nicht mal kleine funzelige Lampen gibt es hier, wie haben das die Leute gemacht, als man gar nicht dauernd ein Smartphone mit Taschenlampenfunktion mit sich rumtrug?

Dann geht es noch eine Holztreppe hoch, am Ende wartet eine schwere Metalltür und dann stehen wir oben auf dem Turm von Burg Blankenstein, irgendwo vor, hinter oder neben Hattingen und gucken runter auf die Ruhr und Blankenstein und die Rehe und eben das Ruhrgebiet.

„Hier ungefähr haben wir mal das Riverrafting gemacht“, hatte mein Mann vorher schon gesagt. Wir gucken auf die langsam vor sich hindümpelnde Ruhr. „Ja“, bestätige ich. „Das sind schon krass Stromschnellen.“

Weil ich leider süchtig nach „[Hier beliebigen Teil der Welt einfügen] von oben“-Formaten bin, haben wir uns neulich im WDR das Ruhrgebiet von oben angeguckt und gelernt, dass hier einfach so Burgen rumstehen. Ganz in der Nähe, wer hätte das gedacht, und weil das Wetter schön war, sind wir jetzt eben spontan nach Blankenstein gefahren und stehen jetzt auf einem Turm und gucken nach unten.

Später laufen wir noch eine Runde durchs Dorf und durch den Gethmannschen Garten und dann setzen wir uns auf die Terrasse eines Tapas-Restaurants und essen so lange Tapas, bis wir nicht mehr können. Und dann fahren wir nach Hause, aber nicht so wie das Navi möchte, sondern einmal an Hattingen vorbei, quer über Land, an der Ruhr vorbei, wo gerade Rinder grasen und staunen mal wieder, was es hier alles gibt und was wir alles nicht kennen. Zum Beispiel eine Burg, aber na ja, die kennen wir ja jetzt.

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Sechs Wochen fast vegetarisch

Dieses Jahr kam ich relativ spontan auf die Idee, ich könnte ja in der Fastenzeit mal auf Fleisch verzichten, einfach nur um zu gucken, ob ich das kann und wie das dann so ist. Die Fastenzeit habe ich mir ausgesucht, weil sie halt da ist und weil ich mir nicht extra Regeln ausdenken musste, das hatten andere Leute schon für mich gemacht.

Folgende Regeln habe ich von den klassischen katholischen Fastenregeln übernommen:

  • Von Aschermittwoch bis Ostersamstag wird gefastet.
  • Kein Fleisch.
  • Sonntags darf man aber.

Eigentlich habe ich auch noch die Regel „Auf Reisen muss auch nicht gefastet werden“ übernommen, allerdings gab es dazu Diskussionsbedarf in der Techniktagebuchredaktion, da man sich nicht ganz einig war, ob das eine Regel ist, die historisch betrachtet zwar mal irgendwann Sinn ergab, heute aber eigentlich unnötig ist. Generell sind die katholischen Fastenregeln und vor allem die vielen Ausnahmen ein (Achtung! Schlimmes Wortspiel!) Heidenspaß, ich kann nur empfehlen, sich damit zu beschäftigen.

Was ich damit eigentlich sagen wollte, folgende Regeln habe ich nicht beachtet bzw. zusätzlich auferlegt:

  • Eier, Milch, Zucker und generell alles andere darf.
  • Fisch und Meerestiere dafür aber auch nicht. Auch keine Biber und keine Maultaschen
  • Beim schon länger geplanten Straßburgausflug durfte auch alles.

Gleich vorweg: Ich habe es nicht ganz geschafft. Gleich am zweiten Tag wurde ich in der Kantine schwach und griff zum Cordon Bleu, dafür habe ich dann immerhin an dem folgenden Sonntag nur vegetarisch gegessen. Außerdem habe ich einmal aus Versehen Kartoffelpüree mit Soßenresten vom Sonntag verputzt und eventuell einmal in der Kantine Hühnerbrühe gegessen, vielleicht war es aber auch Gemüsebrühe, das ist unklar.

Ansonsten bin ich mit der Sonntagsausnahmeregel gut gefahren, hätte ich das nicht gehabt, wäre es mir deutlich schwerer gefallen. So wurde das erste Spargel-mit-Kartoffeln-und Schinken-Massaker dann halt für Sonntag statt Samstag geplant. Während Freunde vermuteten, dass genau diese Ausnahmeregel es schwerer machen würde („Wenn, dann schon richtig durchziehen!“), wurde es für mich leichter, denn wenn ich wirklich, wirklich Bock auf etwas hatte, dann musste ich halt nur warten. Dafür habe ich mich umso mehr darauf gefreut. Das war eigentlich auch eine schöne Erfahrung, sich mal wieder richtig auf ein Essen freuen, weil man es halt – selbst so gewählt natürlich – nicht einfach so sofort haben kann.

Gekocht habe ich an Wochentagen komplett vegetarisch, wenn mein Mann selber Lust auf Fleisch hatte, konnte er sich halt etwas dazu braten, es war ja meine Fastenidee, nicht seine. Gelernt habe ich dabei folgende Dinge:

  • Es ist zwar sehr einfach, lecker vegetarisch zu kochen, aber erstaunlich viele Gerichte fallen auch weg. Beim Durchblättern meiner Kochzeitschriften und -bücher konnte ich es mantraartig runterbeten: „Geht nicht, geht nicht, geht nicht, geht nicht.“ Und dann ging aber doch immer irgendwas.
  • When in doubt make Bratreis. Bratreis mit schön angebranntem Gemüse, Ei und Sojasoße geht eigentlich immer. Ich kann dieses Rezept für den Einstieg empfehlen.
  • Eier. Ohne Eier wäre ich durchgedreht. Gott sei Dank gibt es Eier, die man auf alle möglichen denkbaren Weisen zubereiten kann.
  • Auch neu entdeckt: Nudeln mit scharfer Tomatensahnesoße, Paprika und Champignons. Direkt zwei Mal hintereinander gemacht.

Kochen zu Hause war also manchmal etwas mehr Aufwand, weil ich nicht auf altbewährte Rezepte (Spätzle mit Speck und Ei! Spaghetti Bolognese! Asiatische Nudelpfanne mit Gemüse und Hühnchen! CHILI!) zurückgreifen konnte, aber wenn man erstmal etwas gefunden hatte, gab es keine Beschwerden. Im Gegenteil. Als sich mein Mann einmal ein Steak zum Bratreis briet, gab er nachher zu: „Das Fleisch hätt’s eigentlich nicht gebraucht.“

Auswärts essen hingegen war eine größere Herausforderung. Gelegentlich schob ich einen Restaurantplan auf Sonntag, ansonsten galt es eben, die Speisekarte genauer zu studieren. Manchmal blieben nur noch ein paar Gerichte übrig. Das hat allerdings auch Vorteile, vor allem, wenn man wie ich sowieso mittlerweile schon genervt ist, dass man selber(!) etwas aussuchen muss und bei der Abendplanung im Urlaub grundsätzlich nur noch Restaurants aussucht, bei denen es ein festes Soundsoviel-Gänge-Menü gibt und man einfach gar nicht mehr selbst entscheiden muss. Wenn beim hiesigen Asiaten dann eben nur noch sechs Gerichte übrig bleiben und davon auch noch zwei uninteressant ist, geht es jedenfalls leichter mit dem Auswählen. Aber auch sonst habe ich Erkenntnisse gewonnen.

  • Man ahnt nie, wo es gutes vegetarisches Essen gibt und wo man innerlich augenrollend das kleinste Übel auswählen muss.
  • Unser Thai um die Ecke bietet sowieso fast alles ohne Fleisch oder mit Tofu an, das war also überhaupt kein Problem.
  • Auch die hiesigen Burgerbuden stellten kein Problem dar. In Köln nahm ich einfach einen Burger mit vegetarischem Patty, in Essen bestellte ich Falafel- und Rote-Linsen-Spießchen mit Grillgemüse.
  • Generell: Falafel statt Döner und alles ist gut.
  • Bei einem Türken in der Essener Innenstadt hingegen musste ich auf Vorspeisen zurückgreifen. Nun ist die türkische Küche zwar auf der einen Seite fleischlastig, auf der anderen Seite gibt es aber ja auch viel Gemüsezeug und ich hatte es mir eigentlich einfacher vorgestellt. Das einzige vegetarische Hauptgericht war aber ein obskures Nudelgericht mit Gemüse, das mir zu verdächtig nach „Jetzt noch eins für Vegetarier“ klang, also bestellte ich den Vorspeisenteller und gefüllte Weinblätter. Immerhin musste ich nirgendwo auf Pommes mit Ketchup oder Ofenblumenkohl zurückgreifen.

Und dann gibt es natürlich noch die Kantine. Herrje. Fairerweise muss man sagen, dass die hiesige Kantine immer mindestens ein vegetarisches Gericht zur Auswahl hat, allerdings ist das oft etwas, was ich nicht essen will. Dann gibt es noch die Salatbar und ein Beilagenbuffet mit zwei Soßen, außerdem kann man sich meistens auch nur Teile eines Gerichts geben lassen. Man muss also lernen, die Kantine zu hacken.

  • Neben der Salatbar bewährte sich eine einfache Form von mexikanischen Nudeln. Dazu holt man sich Nudeln und Tomatensoße von der Beilagentheke und dann Mais, rote Bohnen, Jalapenos, Zwiebeln und was es sonst noch gibt von der Salattheke.
  • Dienstag und Donnerstag ist Pizzatag und von den drei Sorten, die angeboten werden, ist eine immer vegetarisch.
  • Nie den vegetarischen Burger mit dem Kichererbsenpatty nehmen! Niemals!
  • Falafel hingegen sind kein Problem. Das macht das desaströse geschmacksneutrale Kichererbsenpattyerlebnis noch mysteriöser.

Ich habe mir aber jetzt trotzdem wieder eine Bentobox bestellt (nach Beratung von Sandra wurde es diese hier [Amazon-Werbelink]), weil mein eigenes Essen doch fast immer geiler ist als das in der Kantine. Mal gucken, was ich davon in Zukunft berichten kann.

Was ich jetzt mit all meinen Erkenntnissen mache, weiß ich noch nicht. Erstmal auflisten vielleicht:

  • Auf Fleisch und Fisch zu verzichten ist gar nicht so schwer.
  • Vor allem, wenn man es sich an einem Tag in der Woche erlaubt.
  • Eier! Mit Eiern wird alles besser.
  • Man findet auf fast jeder Restaurant- oder Cafékarte etwas vegetarisches. Im besten Fall sogar etwas, das man mag.
  • Es ist trotzdem überraschend, in wie vielen Gerichten irgendwas mit Fleisch oder Fisch verarbeitet wird.
  • Abnehmen tut man davon übrigens nicht. Und man isst auch nicht zwangsläufig gesünder.
  • Ich habe vielleicht weniger Geld für Lebensmittel ausgegeben, das mag aber auch Einbildung sein und/oder andere Gründe gehabt haben.

Ich bin nach Ostern viel zu schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen und dachte direkt nach dem ersten Kantinenmittag: „Eigentlich hätte es das Fleisch jetzt nicht gebraucht!“ Aber vielleicht war das auch nicht verwunderlich, erst mal wieder voll reinschlagen, um dann zu merken, dass es gar nicht besser ist. Inwiefern ich in Zukunft weniger Fleisch essen werden, wage ich nicht zu prophezeien. Ich hoffe weniger, aber ich kenne mich auch gut genug, um zu wissen, dass es sehr einfach ist, alte Gewohnheiten wieder aufzunehmen.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass es mir weniger schwer fällt als gedacht, im Alltag auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Ich habe auch gemerkt, dass eine Umkehr der Sichtweise gar nicht so schwer ist: Wenn man eben im Restaurant nicht negativ darauf guckt, was man alles nicht essen kann, sondern eben darauf, was man leckeres zur Auswahl hat, kommt es einem gar nicht wie Verzicht vor.

Aber auch: Vegetarierin werde ich erstmal nicht, dafür war mir der Ausnahmesonntag zu wichtig, dafür finde ich eben auch Essen viel zu interessant, ich möchte ja immer alles (aus-)probieren, wie schmeckt das, wie schmeckt das, wie kann man das zubereiten, wo kommt das her? Trotzdem bin ich optimistisch, dass irgendwas hängenbleiben wird. Und nächstes Jahr, hat mein Mann gesagt, da macht er vielleicht mit.