Kategorie: Ich so

Die Sache mit der Kolumne und der Wired

Ich schreibe ja seit letzten Jahr zusammen mit Kathrin Passig eine Kolumne für die deutsche Wired. Tatsächlich kam das so überraschend und hat mich gleichermaßen erfreut wie emotional überfordert, so dass ich ganz vergaß, die ganze Zeit ununterbrochen darüber zu reden. Andere Leute nennen das vermutlich Professionalität oder so.

Die Kolumnen erscheinen jeden Monat in der Wired. Auf einer Seite erklären wir irgendwas mit Programmierung und Softwareentwicklung, das uns selber so sehr interessiert, dass wir es auch gerne anderen Menschen mitteilen wollen.

Zwei dieser Kolumnen haben sich durch die Wired-Paywall geknabbert und sind auch für Nicht-Abonnenten frei verfügbar. In der ersten haben wir darüber geschrieben, warum man sich als Programmierneuling bloß keine Profiprogrammierer als Berater anlachen sollte. In einer der neueren Kolumnen ging es dann um Gummienten und was das mit Problemlösungen zu tun hat.

Ich wünsche viel Vergnügen und vielleicht sogar ein bisschen Erkenntnisgewinn.

Hurra! Hurra! Der BRAVO-Podcast ist da!

Endlich ist er da! Ich habe mir meinen lang gehegten Traum erfüllt und den ersten BRAVO-Podcast zusammen mit Charlotte aufgenommen. Wir haben die aktuelle BRAVO gelesen und knapp anderthalb Stunden darüber geredet. Es hat sehr viel Spaß gemacht, eine Fortsetzung ist quasi garantiert. Zusammenfassend lässt sich sagen: Früher waren mehr Buchstaben. Und weniger YouTuber.

Aber hört selber, hier geht’s entlang zur aktuellen Folge des Abendbrot-Podcasts.

Jetzt redet sie auch noch!

Weil ich ja nicht genug Projekte habe, bei denen ich allesamt regelmäßig “Ich müsste mal wieder…” denke, habe ich jetzt eben wieder mit dem Podcasten angefangen.

Das Ergebnis der ersten Versuche meines Podcastes mit dem wunderschönen Namen “Abendbrot Podcast” kann man auf dem gleichnamigen Blog bewundern. Mittlerweile gibt es auch Feeds und irgendwann demnächst findet man dieses neue Produkt aus dem Hause Schüßler dann auch bei iTunes.

In den ersten Folgen erzähle ich immer drei Dinge, die ich in den letzten Tagen gelernt habe, es gibt aber noch weitere Ideen, bei denen ich dann auch mit anderen Menschen reden möchte. Aber davon erzähle ich dann, wenn es auch irgendwas vorzuweisen gibt.

Ich hab euch etwas von der re:publica mitgebracht

Letzte Woche war ja re:publica. Ich war auch da und wenn ich nicht gerade mit Menschen geredet oder rumgesessen habe, habe ich mir andere Menschen angehört oder stand selbst auf irgendeiner Bühne.

Meine eigener Vortrag “Ceci n’est pas un tweet” wurde leider nicht per Video aufgezeichnet. Es gibt aber eine Audioaufzeichnung und ich habe die Präsentation auf Slideshare hochgeladen. Man könnte sicher mit viel Mühe versuchen, beides zu synchronisieren, leider merkt man vermutlich aber nicht immer, wann ich zur nächsten Folie weiterklicke. Alternativ kann man warten, bis ich rausgefunden habe, wie man eine Tonspur mit einer Präsentation zu einem Video zusammenbastelt, aber das könnte dauern.

Besser wurde das beim Gemeinschaftsvortrag vom Techniktagebuch, der nicht nur unglaublich toll war, was die Beteiligten vermutlich am meisten begeistert hat, weil wir ja außer “Wer bringt was mit?” und “Wer erzählt wann?” eigentlich gar nichts großartig abgesprochen hatten. Oder, wie Kathrin Passig später sagte: “Ich hatte ja keine Ahnung, dass ihr alle solche Rampensäue seid.”

“Wir hatten ja nix – und das haben wir mitgebracht. Das kleine Technikmuseum” gibt es also auf YouTube, wo man es sich in seiner ganzen Schönheit angucken kann.

Und dann habe ich noch Bilder gemacht, die auf Flickr rumliegen. Auch die kann man sich angucken.

Mehr gibt’s nicht. Das muss aber auch reichen.

Über mäßig ungewöhnliche Leseorte und falsche Geschlechterklischees

Vorsicht: Dieser Artikel fällt für ganz empfindliche Leute möglicherweise in die Kategorie TMI (too much information). Es passiert aber de facto nichts Schlimmes und auch nichts Ekliges.

Gestern Abend hörte ich mal wieder mit großer Freude den Lila Podcast von Katrin Rönicke und Susanne Klingner und wurde bei einer Äußerung in großes Erstaunen versetzt.

Katrin berichtete von einer Diskussionsrunde auf dem taz.lab, bei der die sagenhafte These in den Raum gestellt wurde, dass es bei Frauen und Männern ja nun schon prinzipiell Unterschiede gebe, weil zum Beispiel nun Männer sich etwas zu Lesen mit aufs Klo nähmen und Frauen nicht. (Hier zu finden ab Minute 7 ungefähr.)

Vor Schreck über so diese Behauptung fiel ich fast aus dem Bett.

Ich lese auf dem Klo, seit ich noch gar nicht lesen konnte. Auf unserer Toilette lag stets griffbereit eine Auswahl sinnvoller Lektüre, die regelmäßig ausgetauscht wurde, damit es auch nicht langweilig wurde. Vermutlich habe ich so jedes Asterixheft mindestens einmal komplett auf dem Klo gelesen. Später kamen Lustige Taschenbücher dazu und auch sonst alles, was man halt lesen konnte. Die Calvin-und-Hobbes-Hefte, die ich im Teenageralter zur allgemeinen Freude aller im Haushalt lebenden Personen, anschaffte, haben es entsprechend nie aus der Wohnung meiner Eltern geschafft. Wobei, ein Heft hat es tatsächlich aus der Wohnung meiner Eltern geschafft und liegt jetzt griffbereit im Flurschränkchen ihrer Zweitwohnung in Berlin, direkt neben der Badezimmertür.

Es ist mir unverständlich, wie man auf Toilette gehen kann, ohne sich vorher um Lesestoff bemüht zu haben. Was macht man dann da, auf die Kacheln starren? Ein Liedchen summen? Oder lesen die Menschen, die behaupten, sie würden auf Toilette nicht lesen eben doch, nur eben dann die Rückseiten von Tamponpackungen oder Shampoos? Ich hingegen renne regelmäßig panisch durch die Wohnung, weil ich zwar dringend mal muss, aber erstmal etwas zu lesen suchen muss. Etwas grotesk erscheint mir immer die Situation, wenn ich auf der Toilette sitzend Kochzeitschriften lese, aber dann denke ich über die Schönheit des ewigen Verdauungskreislaufes nach und finde es dann fast wieder passend.

Als ich heute auf Twitter kurz von dieser Behauptung schrieb, gab es natürlich auch direkt Nachfragen, die ich auch gerne noch aufgreife. Ja, Handy und Tablets zählen auch als Lesestoff. Erweitert man das ganze, akzeptiere ich selbstverständlich auch jegliche Art tragbarer Spielekonsolen, Hauptsache, man hat etwas, mit dem man sich beschäftigt und das einen vom Kachelzählen abhält. Auch das Hören von Podcasts, Hörbüchern und Hörspielen ist eine schöne Beschäftigung, während man erledigt, was halt gerade erledigt werden muss. Ich bin da nicht kleinlich, mir wird nur sehr schnell langweilig und weil ich erkannt habe, dass meine Zeit begrenzt und die Auswahl an interessanten Sachen unendlich ist, sehe ich gar keine andere Möglichkeit, auch die Zeit auf Toilette irgendwie sinnvoll zu nutzen.

Tatsächlich habe ich keine Zahlen über das Auf-Klo-Leseverhalten von Männlein und Weiblein. Bei uns zu Hause lag die Quote der lesenden Personen bei hundert Prozent, zwei von drei Leuten,  die ich in dieser Langzeitstudie (1980 bis 2000) beobachtet habe, waren weiblich. In einer weiteren Langzeitstudie (2002 bis 2015 und andauernd) habe ich das Klolektüreverhalten dieses Haushalts beobachtet und konnte feststellen, dass auch hier hundert Prozent der hier lebenden Personen auf Toilette lesen. Es sind allerdings nur zwei, eine davon weiblich (ich) und eine männlich.

In meinem Leben gab es bislang noch keine brauchbare Alternative zur Klolektüre. Lesen auf Toilette scheint mir der einzig gangbare Weg. Allerdings weiß ich tatsächlich nichts über das Verhalten anderer Menschen, also solcher, mit denen ich weder verwandt noch verheiratet bin. Das kann man aber natürlich ändern. Ich rufe also dazu auf, sich als Kloleser zu outen oder natürlich nicht, je nachdem, was man halt da so macht. Und alle Nicht-auf-dem-Klo-Leser dürfen auch gleich die Frage beantworten, was man denn ansonsten bitte schön da tut. Das würde mich nämlich auch sehr interessieren. Bitte sehr, die Kommentare sind eröffnet, nur zu!

Wider den Minimalismus

Minimalismus ist ja voll im Trend. Möglichst wenig, möglichst spartanisch, kein Besitz mehr, nur das Nötigste, schon wegen des nächsten Umzugs irgendwann oder weil Kapitalismus out ist, die Wohnung zu klein. Bücher liest man nur einmal, DVDs guckt man nur einmal, im Kleiderschrank hängt alles mögliche, was man eh nicht anzieht, keine Rumstehchen auf der Kommode, am besten gar keine Kommode, wozu auch, man hat ja kein Zeugs mehr, nur ein Sofa und einen Fernsehen. Nein, auch keinen Fernsehen, das geht auch mit dem Laptop.

Leute packen ihr gesamtes Hab und Gut in ein Lager, ziehen sich nackt aus und holen sich täglich eine Sache heraus, bis sie die wichtigsten Dinge wieder zu Hause haben. Alles andere ist unwichtig, braucht man nicht. Andere führen ein Wegschmeiß-und-Verschenk-Tagebuch im Netz, bei dem man täglich lesen kann, was sie heute endgültig und für immer und ewig aus dem Haushalt verbannt haben. Nicht an dem alten Kram hängen, sagen sie. Wozu die Muschel vom Strand von Sylt, ich kann mich auch ohne Muschel daran erinnern. Überall kann man die ultimativen Tipps und Tricks für den Weg zum Minimalisten lesen: Alles in eine Kiste packen und wenn man es nicht innerhalb eines Jahres herausgeholt hat, braucht man es wohl nicht. In der Küche muss eine gute Pfanne reichen und im Arbeitszimmer stehen die fünf wichtigsten Bücher, na gut, lass es zehn Bücher sein. Mehr braucht kein Mensch.

Pfannen

 

Ich aber sage: Doch. Der Mensch braucht mehr. Zumindest dieser Mensch hier braucht mehr. Ich habe lang genug bewundernd auf diese Menschen geschaut und beeindruckt von ihren Minimalismusabenteuern gelesen, habe das Thema in meinem Kopf hin und her gedreht und bin zu dem überraschenden Schluss gekommen: Ich möchte das nicht.

Ich möchte euren Minimalismus nicht. Ich mag mein Zeug, ich mag meine angesammelten Besitztümern, ich mag sie um mich herum haben, ich gucke sie gerne an, ich freue mich darüber. Nicht, weil ich so stolz bin, dass mir so viel gehört, sondern, weil sie Teil meiner Geschichte sind. Die Bücher um mich herum habe ich – na ja, zum größten Teil – gelesen. Sie waren mit mir in Urlaub, sind mit mir Bahn gefahren, lagen mit mir im Bett und auf dem Sofa. Meine Bilder sind teilweise schon mehrfach mit uns umgezogen. Der Reiskocher hat schon alle möglichen Phasen von Sushi bis Germknödel mitgemacht. Meine ersten CDs habe ich als Teenager gekauft und in meinem Kinderzimmer rauf- und runtergehört, während ich die Texte aus dem Booklet auswendig lernte. Die Tasse auf meinem Schreibtisch, in dem meine Stifte stehen, hat mein bester Freund aus New York mitgebracht.

Ich bin kein Messi. Unsere Wohnung ist üblicherweise halbwegs aufgeräumt und nicht vollgerümpelt. Wir werden sie auch nicht vollrümpeln. Ich will auch nicht, dass Leute mir was zum Hinstellen schenken oder nur dann, wenn ich auch sagen darf: “Danke, voll nett von dir, finde ich aber nicht so schön, dass ich es mir in die Wohnung stellen will, nimmst du das wieder mit?”  Ich habe einen Amazon-Wunschzettel und man kann mir jederzeit Dinge schenken, die man essen oder trinken kann, da muss man nicht noch übermäßig kreativ werden. Der größte Teil unserer Bücher, Klaviernoten, DVDs und Gesellschaftsspiele ist nach wie vor in 40 Kisten gepackt in einem Lagerraum, weil wir gar nicht wüssten, wohin damit. Aber wegschmeißen? Dazu steckt zu viel Liebe zu den Dingen in den Kisten, zu viel Interesse an diversen Themen, zu viel Zeit, die wir uns mit Sachen beschäftigt haben. Aussortieren ja, müsste man mal machen, sicher brauchen wir nicht alles davon, aber das meisten eben, das meiste brauchen wir doch. Nicht zum Überleben, aber zum Leben.

Brautstrauß

 

Dazu kommt: Ich mag das Zeug anderer Leute. Ich mag sehen, womit sie sich umgeben, was sie interessiert und interessiert hat, was ihnen wichtig ist und was sie in ihrem Leben angesammelt haben. Nichts ist langweiliger als ein Zimmer, in dem nur Möbel stehen, was soll das? Wer will denn so leben? Natürlich, das hat Vorteile: Man muss weniger putzen, weniger aufräumen, beim nächsten Umzug weniger schleppen, es ist immer automatisch ordentlich, man braucht kein zweites Regal, wenn das erste doch überraschend voll ist.

Nicht falsch verstehen, auch ich schmeiße Dinge weg, und spüre dabei eine gewisse Befriedigung. Bei dem letzten Umzug von Düsseldorf nach Essen haben wir mehrere Fuhren mit Müll zur Müllkippe gebracht und mit Freuden in Container geworfen. Ich überlege nur genauer, was ich wegwerfe. Im Zweifel fürs Behalten. Auf einer gewissen Ebene kann ich die Faszination des Wegwerfens nachvollziehen, aber es lässt sich eben nicht mit dem Glücksgefühl vergleichen, das sich einstellt, wenn ich in mein Bücherregal gucke. Das Bilderbuch von Dr. Seuss, das ich 1999 in New York gekauft habe oder das Buch über Seeotter, das ich 2009 in Monterey im Aquarium gekauft habe, oder die Lustigen Taschenbücher, die stellvertretend für die riesige Sammlung von Lustigen Taschenbüchern im Regal stehen, die Sammlung, die ich in einem Dingeloswerdwahn mit 16 oder 17 Jahren an den Sohn unseres Nachbarn verkaufte, viel zu billig und vor allem viel zu leichtsinnig. Was würde ich dafür geben, diese Sammlung wiederzuhaben. Ebenso wie meine Tagebücher (verbrannt, Teenager machen sowas), meine alten BRAVOs und die Briefe meiner Brieffreundinnen aus aller Welt (weggeschmissen, als Teenager denkt man, das würde einen nie wieder interessieren). Meinen Game Boy, WARUM ZUR HÖLLE HABE ICH MEINEN GAME BOY NICHT MEHR UND WAS HABE ICH DAMIT GEMACHT!?

Seuss

 

Überhaupt Nostalgie. Ja klar, wir alle werden im Netz eine Millionmilliarde Spuren hinterlassen. Wir sind ein Traum für die zukünftigen Generationen von Volkskundlern, es wird nie wieder Klagen darüber geben, dass es keine Primärquellen über das Leben der Menschen Anfang des Jahrtausends gibt. Wir hingegen saßen als Kinder bei den Großeltern, hielten vorsichtig die alten Schulbücher (Wie sonst habt ihr denn geglaubt lernte ich Sütterlin lesen?) in der Hand, blätterten immer und immer wieder durch die alten Fotoalben und standen ehrfürchtig vor dem Klappaltar, der kurz vor Weihnachten für ein paar Wochen zugeklappt wurde. Das alles wollen wir unseren Kinden und Enkeln vorenthalten. Sollen die doch unsere Facebookhistorie durchscrollen, wenn sie mehr über uns wissen wollen, zum Anfassen und Begucken gibt’s nichts mehr!

Dazu kommt, dass ich bereits zwei Behauptungen der Minimalismusbefürworter als für mich nicht tauglich enttarnt habe. Die meisten Dinge, so wird gesagt, würde man nie mehr vermissen. Ha! Unfug, sage ich. Ich vermisse regelmäßig Dinge, die ich weggeworfen oder nur sehr ungünstig verlegt habe, ich vermisse sogar die Dinge, die im Lager ihr Dasein fristen, ich hätte sie lieber bei mir. Ich würde sie gerne angucken, aus dem Regal holen, anfassen. Auch die Behauptung, was man ein Jahr nicht gebraucht hätte, würde man nie wieder brauchen, habe ich bereits als Humbug entlarvt. Ich finde zum Beispiel regelmäßig Kleider in meinem Kleiderschrank, die ich schon fast vergessen hatte und die ich dann mit Begeisterung wieder trage. Manchmal gehen Dinge kaputt, dann muss man sie wegschmeißen. Manchmal weiß man mit großer Sicherheit, dass man ein Ding nie wieder brauchen wird, dann kann man es auch wegschmeißen, verkaufen oder verschenken. Manchmal muss das Regal etwas leerer werden, manchmal werden alte Dinge durch neue Dinge ersetzt.

Aber dieser Hundert-Dinge-Minimalismus, das Reduzieren aufs Nötigste, der Wunsch nach Klarheit und das Streben nach Nichtbesitz, das ist nichts für mich. So bin ich nicht gemacht. Aber alle anderen dürfen natürlich weiter wegschmeißen und reduzieren, da stehe ich nicht im Weg. Irgendwann stehen dann alle in meiner Wohnung, mit großen Augen, wie in einem Museum und befingern vorsichtig Dinge.

Humidor

 

“Und was ist das?” werdet ihr fragen.

“Ein Humidor”, werde ich antworten. “Für Zigarren. Haben wir geschenkt bekommen.”

“Darf ich mal aufmachen?” werdet ihr fragen.

“Ist nix drin”, werde ich lächelnd sagen. “Aber so schön, guck mal, streichel mal drüber. Haben wir schon seit zwanzig Jahren.”

Und dann werdet ihr zum nächsten Ausstellungsstück gehen und ehrfürchtig meine Asterixsammlung begutachten.

“Fast komplett”, werde ich sagen. “Bis Band 26. Danach wurd’s doof. Und wenn ihr Band 10 sucht, der liegt gerade auf der Toilette. Damit man was zum Lesen hat.”

Das wird toll.

Ostern

Dieses Wochenende ging uns erst unsere Zugbrücke kaputt (ich werde noch berichten), dann naschte die Mieterkatze von den Osterglocken und kotzte aufs Sofa, dann brach bei der Mieterin irgendwas aus dem Scharnier eines Küchenoberschranks und dann ging mein Ladekabel für den Laptop kaputt. Dementsprechend schreibe ich das jetzt auf einem  MacBook, das in diesen Tagen acht Jahre alt wird. Das weiß ich zufällig, weil ich es damals zum zweiten Hochzeitstag bekommen habe und am Samstag ist…, aber das können Sie sich jetzt selbst zusammenreimen.

Dieses Ostern ist nachweislich kaputt, ich möchte es zurückgeben und ein neues anfordern. Eines, wo weniger Dinge kaputt gehen, die im Zweifelsfall Geld kosten und deren Reparatur auch nicht prokrastinierbar ist.

Um auch etwas positives zu berichten: Es schlüpfen gerade Petersilienküken sieben und acht, wir haben einen neuen Gasgrill und keine Ahnung, wie wir bisher ohne Grill leben konnten und ich habe mich an ein Projekt gewagt, das mir schon seit einiger Zeit im Kopf rumgeht.

In den nächsten Wochen werde ich fast täglich ein Video hochladen, auf dem ich mit der Ukulele Songs von Paul Simon covere. Eigentlich sollte es täglich sein, da weiß ich jetzt aber ziemlich sicher, dass ich das nicht schaffe. Aber dreißig sollen es werden. Bei acht sind wir mittlerweile angekommen, es gibt eine Hörerwunschliste, es darf aber gerne ganz unverbindlich weiter gewünscht werden.

Die Playliste auf YouTube findet man hier.

 

Wie gestern fast die Welt unterging, aber dann doch nicht

Es gibt bestimmte Uhrzeiten, da sollte ich nicht denken. Es handelt sich grob um die Zeit zwischen 2 und 5 Uhr nachts bzw. morgens. Üblicherweise klappt das ganz gut, denn üblicherweise schlafe ich da. Gestern aber nicht. Möglicherweise ist es gar nicht so empfehlenswert, sieben Gänge zu essen, vielleicht war auch der abschließende Kaffee schuld oder die halbe Flasche Wein oder vielleicht war gestern Nacht auch die Mondphase ungünstig oder ich noch von der Zeitumstellung verwirrt. Jedenfalls konnte ich nicht schlafen. Ein für mich ungewohnter Zustand, dem man aber meistens mit ausreichend Rumliegen und Nichtstun entgegen wirken kann.

Man darf halt nur nicht anfangen zu denken. Wenn man anfängt zu denken ist alles aus. Gestern fiel mir dabei zum Beispiel auf, dass ich vergessen hatte, nachzugucken, wie die Kontosituation ist. Normalerweise ist die Kontosituation kein Grund zur Beunruhigung, aber einmal im Quartal geht ein Kredit ab, der die Kontosituation für ein paar Tage in Unwägbarkeiten stürzt, zumal die Abbuchungs- und Zubuchungstermine nicht verlässlich steuerbar sind. Das wollte ich eigentlich am Wochenende prüfen, entschied mich dann aber anstatt dessen für Nudelsalat. Das fiel mir also siedendheiß wieder ein und so standen wir gestern Nacht um 2 Uhr zumindest in meinem Kopf kurz vor der Privatinsolvenz. Dann fielen mir noch die Bücher ein, die ich schon zwei Mal verlängert habe, und die ich eigentlich am Samstag zur Bücherei hätte bringen müssen, was ich aber nicht gemacht hatte. Statt dessen hatte ich Nudelsalat gemacht. Auch das ist eigentlich kein Problem, maximal ergeben sich ein bisschen höhere Mahngebühren, aber das sollte mich auch nicht aus der Ruhe bringen, schließlich habe ich in meiner Kindheit und Jugend gefühlt die halbe Kinderbuchabteilung der Stadtteilsbücherei in Köln-Mülheim mit meinen Mahngebühren finanziert. Gestern Nacht um 2 Uhr jedoch bedeutete der verpasste Rückgabetermin dramatische Konsequenzen. An Schlafen war unter diesen Bedingungen nicht zu denken.

Wenn man dann so dabei ist, finden sich schnell noch weitere Dinge, bei denen Panik angebracht scheint. Mails, die man vergaß zu beantworten, Daueraufträge, die man noch einrichten müsste, Dinge, die man hätte organisieren sollen und eh man sich’s versieht, geht das ganze Leben den Bach runter. Das sind alles Dinge, die man am Wochenende hätte erledigt müssen, dann fiel einem aber auf, dass die neunte Staffel von “How I Met Your Mother” auf Netflix ist und musste fix umpriorisieren. In diesem Zustand ist es auch selbstverständlich, dass die Verzögerung der zu erledigenden Dinge um ein oder zwei Tage mehr oder weniger das Ende der Welt bedeutet und nicht, sagen wir mal, ein paar Euro in Mahngebühren und eventuell ein bisschen Schriftverkehr.

Selbstredend stand ich also um 2 Uhr auf, machte ein paar Überweisungen und lernte außerdem, dass man Bücher der Stadtbibliothek Essen nachts um 2 Uhr gar nicht online verlängern kann, weil man bei der Stadtbibiothek Essen nachts aus Datensicherungsgründen überhaupt nichts tun kann. Dann ging ich wieder ins Bett und harrte dem drohenden Weltuntergang. Irgendwann muss ich dabei eingeschlafen sein.

Mit etwas Abstand betrachtet scheint mir meine gestrige Panik etwas voreilig. Vermutlich müssen wir gar keine Privatinsolvenz anmelden, die Bücher habe ich heute morgen noch in den Rückgabekasten gebracht, bereits eine Mail beantwortet und den Dauerauftrag einzurichten scheint mir auch lösbar zu sein. Eventuell hätte ich gestern Nacht also auch einfach mit dem Denken aufhören und statt dessen schlafen können, aber man ist ja hinterher immer klüger. Und heute Abend trinke ich nach 22 Uhr einfach keinen Kaffee mehr.