Kategorie: Ich so

Frag nicht nach Sonnenschein!

Ich hatte auf Facebook schon angekündigt, dass ich darüber schreiben würde und jetzt mache ich das auch wirklich. Es ist nämlich so: Ich habe keine Meinung zum Wetter.

Ich beobachte mit einer gewissen Befremdlichkeit, wie Menschen sich über das Wetter unterhalten, wie sie zum Beispiel am Donnerstag erzählen, wie das Wetter am Wochenende werden soll und was sie daran gut oder schlecht finden. Ich hingegen weiß noch nicht mal, wie das Wetter werden soll, weil ich keine Wettervorhersagen gucke, höre oder irgendwo lese und wenn doch, dann vergesse ich anscheinend im gleichen Moment wieder, was ich gerade erfahren habe. Ich weiß eigentlich nie, wie das Wetter irgendwann werden soll, es sei denn, es ist so sensationell interessant, dass auch in anderen Medien mehrfach darüber berichtet wird. Darüber hinaus glaube ich ja nicht daran, dass man ernsthaft länger als zwei Tage (maximal!) im Voraus irgendwelche belastbaren Aussagen über das Wetter treffen kann. Zuletzt ist es mir auch im Wesentlichen egal, wie das Wetter wird, weil ich ja eh nichts dran ändern kann.

Es ist jetzt nicht so, dass ich keine konkrete Meinung über ein konkretes Wetter in einem konkreten Situationskontext hätte. Wenn ich zum Beispiel gerade Dinge quer durch die Stadt transportieren muss, dann finde ich es eher ärgerlich, wenn es gerade 39 Grad und schwül ist oder es in Strömen regnet. Ich finde aber weder 39 Grad und schwül noch strömenden Regen für sich allein irgendwie schlechtes Wetter. Wenn es 39 Grad und schwül ist kann man sich zum Beispiel prima Seesterngleich auf dem Sofa ausstrecken und ein Getränk mit Eiswürfeln neben sich haben. Bei strömendem Regen kann man gleichsam irgendwo drinnen sitzen, aus dem Fenster gucken, sich freuen, dass man es so gemütlich hat und die Pflanzen heute nicht gießen muss.

Wetter ist mir egal. Ich habe dazu keine Meinung. Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll, wenn man mir verkündet, dass es am Wochenende wieder abkühlen soll, außer vielleicht einem Loriot’schen „Ach!“ Es berührt mich emotional einfach nicht, ich kann dazu nichts sagen. Ich finde es nicht schade, dass es abkühlt, und ich finde es auch nicht gut. Ich finde es noch nicht mal eine wertvolle Information, weil es ja meistens dann doch nicht abkühlt, oder nur woanders und nicht da, wo ich gerade bin.

Vielleicht freut mich am Wetter so, dass es eine der letzten Bastionen der Natur ist, gegen die wir Menschen so überhaupt nichts ausrichten können. In dieser Hinsicht ist es fast niedlich, wie das Wetter es schafft, im Prinzip doch recht vernünftige Menschen immer wieder aus der Bahn zu werfen, weil es das macht, was es eigentlich seit ein paar Jahrtausenden macht, nämlich immer mal was anderes. Vielleicht reden die Menschen deshalb auch so viel und so andauernd übers Wetter, weil sie es immer noch nicht fassen können, DASS DA NIEMAND MAL WAS GEGEN MACHT! Da kann man aber nun als moderner Mensch eben tatsächlich gar nichts ausrichten, außer halt irgendwelche Dinge zu erfinden, die den Umgang mit unterschiedlichen Wetterarten erträglicher machen. Und da finde ich, könnten wir uns doch freuen, dass wir all diese Dinge haben. Regenschirme und Häuser, damit man nicht so nass wird, wenn’s regnet. Kleine Ventilatoren und kurze Hosen für wenn es zu warm ist. Ohrenschützerchen und Handschuhe für wenn’s kalt ist. Toll!

Ich möchte hier nicht den abgenutzten Satz „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!“ angewendet wissen. Es ist nämlich so, dass ich gefühlt 50 Prozent des Jahres falsch gekleidet bin, weil ich mich ja zum Beispiel nicht für den Wetterbericht interessiere. Ich ziehe morgens irgendwas an, was zu dem passt, was ich mir so aus den vergangenen Tagen plus dem aktuellen Wetter herausvorhersagen kann und liege die Hälfte der Zeit damit falsch. Aber auch damit kann ich gut leben, es wäre ja auch sehr albern, wenn ich meine Unfähigkeit, mich richtig anzuziehen aufs Wetter schieben würde. Da kann das Wetter ja gar nichts für.

Niemand sollte also von mir erwarten, dass ich wüsste, wie das Wetter wird. Ich weiß das nicht. Es interessiert mich auch nicht. Ich muss auch gar nicht darüber reden. Und Taschentücher habe ich übrigens auch nie dabei. Wo wir schon bei Dingen sind, die man mich nicht fragen braucht.

Neue Erkenntnisse zum Laufen

Unsere Wohnung hat ja das Special Feature, dass man durch Wohnzimmer, Küche und Flur im Kreis laufen kann. Also vom Wohnzimmer in die Küche, von der Küche in den Flur, vom Flur ins Wohnzimmer und so weiter.

Für eine Laufrunde braucht man ungefähr 12 bis 15 Sekunden, es kommt darauf an, ob man um den Wohnzimmertisch läuft oder nur dran vorbei. In einer Minute kann man also ungefähr fünf Runden durch die Wohnung laufen.

Ein Werbeblock dauert ziemlich genau sechs Minuten, jedenfalls in der Primetime, wenn auch schön alles ausgebucht ist. Da verrate ich auch kein Betriebsgeheimnis, das kann ja jeder selber mit der Stoppuhr messen, außerdem ist das allermeiste, was Werbung betrifft, in irgendwelchen Rundfunkstaatsverträgen geregelt.

Man könnte jetzt also während die Werbung läuft, ungefähr dreißig Runden durch die Wohnung laufen. Also rein theoretisch. Nicht, dass ich das heute getestet hätte. Wer ist schon so bekloppt und läuft in der Werbepause dreißig Runden durch die Wohnung?

Unsere Nachbarn von unten haben uns jedenfalls bestimmt besonders lieb.

Nostalgiefernsehen

Ich durfte ja als Kind so viel fernsehen, wie ich wollte und bin deshalb auch sehr gut gebildet, was Werbung angeht. Mein Lieblingswerbungs-Fun-Fact ist, dass der Melitta-Mann der Opa vom Fruchtalarm-Kind ist, aber das wussten hier natürlich alle längst. Früher spielte ich mit meinen Eltern sogar ein Spiel. Es hieß „Reklameraten“, und wer als erster bei einem Werbespot sagen konnte, um welches Produkt es ging, hatte gewonnen. So ging Medienbildung in den Achtzigern.

Vorgestern guckte dann mein Mann Fernsehen, oder vielmehr, wir guckten Fernsehen, aber es lief gerade Werbung und ich machte irgendwas in der Küche, als auf einmal ein wohlbekanntes Lied lief, und ich eiligst ins Wohnzimmer hastete, um noch rechtzeitig die letzten zehn Sekunden inbrünstig mitzusingen:

Denn wer sich Allianz versichert
Der ist voll und ganz versichert
Der schließt vom ersten Augenblick
Ein festes Bündnis mit dem Glück
Eine Allianz fürs Leben

Sagen wir mal so, es fehlte nicht viel, und ich hätte mir die Hand aufs Herz gelegt und ein bisschen vor Freude geweint.

Wenn man sich jetzt diese Szene vor Augen hält, dann ist es vielleicht gar nicht so verwunderlich, dass ich mittlerweile mein Geld damit verdiene, dafür zu sorgen, dass es Software gibt, mit der Werbung gebucht werden kann. Möglicherweise hat es das Schicksal so gewollt und es war ein mir vorbestimmter Weg, für den ich nur ein paar Umwege brauchte.

Laufen im Ruhrgebiet

Im Moment laufe ich ja wieder. Das bedeutet jetzt ganz konkret, dass ich in den letzten Wochen vier Mal die Laufschuhe geschnürt habe, was aber immerhin vier Mal mehr ist als in den Monaten davor, also kann man schon von einer gewissen Regelmäßigkeit sprechen.

Das Problem beim Laufen, wenn man in Essen-Holsterhausen wohnt ist, dass hier wirklich nichts Grünes in der Nähe ist. Essen-Holsterhausen liegt sehr günstig und ist zum Wohnen sehr angenehm, aber es ist auch wirklich nur zum Wohnen gut. Alle Parks oder Wäldchen liegen in anderen Stadtteilen. Man muss also erstmal irgendwo hinlaufen, um irgendwo laufen zu können. Alternativ kann man natürlich auch einfach an der A40 langlaufen. Das hat auch was, aber halt keine Bäume und Vogelgezwitscher, sondern Graffitis und vorbeirauschende Autos. Einmal bin ich an einem Sonntag durch ein Gewerbegebiet gelaufen, das war eigentlich auch sehr entspannend, denn am Sonntag sind da noch weniger Menschen als im Wald. Nur schön ist es halt nicht, aber man zieht ja auch üblicherweise nicht ins Ruhrgebiet, weil es da so schön ist. Hier ist ja nicht Heidelberg.

Ich kann also entweder einen Kilometer zum Stadtpark laufen und da dann mehrere Runden drehen oder, wie ich letztens entdeckt habe, zwei Kilometer bis zur Margarethenhöhe und dann runter in ein Wäldchen. Das Wäldchen hat den Vorteil, dass im Sommer da nicht alle fünf Meter jemand steht und Würstchen grillt und einem so dezent an der Laufmotivation kratzt.

Heute habe ich dann noch etwas viel abgefahreneres gemacht und bin bis zum Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim an der Ruhr gelaufen. Das geht erstens deswegen, weil wir eben im Ruhrgebiet wohnen und es da ohnehin schwierig ist, eine längere Strecke zurückzulegen ohne dabei aus Versehen oder absichtlich in einer anderen Stadt zu landen. Zweitens geht es noch einfacher, weil Holsterhausen direkt an Mülheim dranhängt, und man von uns aus nur ein bisschen zu weit nach Westen laufen muss und ZACK!, Mülheim an der Ruhr. Tatsächlich hatte ich noch nicht mal fünf Kilometer voll, als mir ein Schild auf dem Laufweg Mülheim an der Ruhr als fahrradfreundliche Stadt vorstellte.

Im Rhein-Ruhr-Zentrum war Antik- und Flohmarkt, das weiß ich auch noch von früher, als meine Mutter dort regelmäßig war, bis ihr der Markt zu doof wurde. Mit hochrotem Kopf manövrierte ich also durch die Flohmarktbesucher. Das ist eine meiner besonders gut ausgeprägten Fähigkeiten. Ich kann mich sehr gut und sehr schnell durch mäandernde Menschenmassen vorwärts bewegen. Das habe ich in vielen Jahren auf Flohmärkten perfektioniert, weil ich ja nie zum Gucken da war, sondern irgendwie zum Stand meiner Mutter wollte, um da lässig hinterm Stand abzuhängen und von Leuten Sachen gefragt zu werden, die ich nicht beantworten konnte.

Ich drängelte mich also durch die ganzen Menschen bis auf die andere Seite des Flohmarktes und fuhr dann zwei Stationen mit der Straßenbahn Richtung Essen. Dann lief ich noch ein bisschen gemütlich an der A40 lang und schleppte mich nach insgesamt knapp sechs Kilometern noch drei Stockwerke hoch, um mich direkt unter eine kalte Dusche zu schmeißen.

Insgesamt ist dieses Laufen ja ganz nett. Die Kondition aus dem letzten Jahr habe ich wie durch ein Wunder behalten. Ich merke nur immer wieder, wie schwierig es ist, in einer dicht bebauten Stadt vernünftige Laufrouten zu finden. Ich möchte nicht erst irgendwo hinfahren, um da dann zu laufen, das finde ich albern und dem Sinn und Zweck der ganzen Aktion höchst unangemessen. Zudem sind fünf Kilometer doch deutlich länger als man denkt und ich muss dauernd Umwege laufen, hier noch eine Schlaufe länger, da noch ein bisschen weiter geradeaus, um auf irgendwelche sinnvollen Strecken zu kommen.

Wenn ich mir jetzt also nicht wie letztes Jahr wieder eine doofe Bänderdehnung hole, dann laufe ich jetzt vielleicht wieder öfter. Zum Stadtpark, an der A40 entlang oder durch den Wald in andere Städte. Das geht ja alles, wenn man in Holsterhausen wohnt.

Gegensätze sind überschätzt

Es gibt ja so Leute, die behaupten, Gegensätze würden sich anziehen. Das mag für so einen initialen Begegnungsmoment stimmen, was längerfristige Beziehungen angeht, glaube ich ja fest daran, dass Gegensätze hier überhaupt nicht helfen. Bei meinem Mann und mir ist das insgesamt ganz passend, wir interessieren uns für ähnliche Dinge, mögen so ganz generell ähnliche Dinge und finden dann wiederum andere Dinge beide eher irrelevant. Das erleichtert den Alltag ungemein, ich schätze das wirklich sehr.

Es gibt aber im Detail ein paar, nun ja, Probleme sind es eigentlich nicht, eher Problemchen, die den Alltag unnötig verkomplizieren. So können wir uns zum Beispiel seit Jahren nicht auf ein Brot einigen, weil mein Mann immer exakt die Sorte Brot gerne mag, die ich nicht mag und umgekehrt. Letztens brachte er ein Brot vom Jugoslawen mit, also aus einem jugoslawischen Restaurant, wo er wohl manchmal zu Mittag isst und die sehr gutes Brot haben. Da hat er dann mal nachgefragt und durfte am nächsten Tag kommen und ein Brot kaufen. Dieses Brot ist anscheinend das perfekte Brot für uns, es ist quasi das erste Brot seit Jahren, das wir beide uneingeschränkt lecker finden. Allerdings gibt es das Brot jetzt gar nicht bei einer Bäckerei, sondern eben nur auf Anfrage im jugoslawischen Restaurant, wo man uns nicht verraten will, wo es herkommt und statt dessen behauptet, sie würden das selbst backen. (Wir zweifeln das ja an, aber vielleicht stimmt es ja auch.) Wir hätten jetzt also eigentlich theoretisch die Brotfrage geklärt, in der Praxis wissen wir nicht, wie bereitwillig sich der Jugoslawe als Bäckerei missbrauchen lässt.

Das gleiche gilt für Schokolade, nur ist das hier ein bisschen anders gelagert. Ich mag ja alles, was süß ist, mein Mann eher so das herbere Zeug. Er kauft also auch sowas wie Bitterschokolade, was ich ja für Kakaoverschwendung halte, es sei denn, man backt vielleicht gerade Kuchen oder so. Mein Mann kauft also gerne Schokolade, die ich nicht essen möchte. Manchmal kaufe ich dann zum Ausgleich Schokolade, die ich gerne essen möchte. Leider stellt sich dann raus, dass das zwar nicht die Schokolade ist, die er gekauft hätte, aber durchaus welche, die er jetzt, also quasi in der Not, wo doch nichts anderes da ist und weil sie nun mal so günstig auf dem Sofatisch liegt, durchaus auch probieren würde. Ausnahmsweise. Seine Marzipanschokolade hingegen darf er alleine essen, denn die möchte ich nicht.

Allerdings darf man hier auch die Vorteile nicht verschweigen. Bei gemischter Schokolade, wie man sie ja zum Beispiel in Pralinenpackungen vorfindet, ist es durchaus hilfreich, wenn man jemanden zur Verfügung hat, der den ganzen dunklen Kram wegfuttert, während man sich selber auf die Pralinen mit Nougatfüllung konzentrieren kann. Denn beide Alternativen, also Pralinen essen, die man eigentlich nicht mag oder Pralinen wegschmeißen, sind ja abzulehnen.

Bei Chips das gleiche Spiel, nur dass ich da nicht so empfindlich bin und ja fast alles außer Erdnussflips esse. Aber während ich ja eher die etwas würzigeren Varianten präferiere, möchte mein Mann lieber die möglichst ungewürzten, am besten nur gesalzen. Wir haben uns jetzt auf diese geriffelten Chips mit Salz geeinigt, die kommen mir immerhin von der Struktur her entgegen, weil man daran so schön rumknabbern kann. In Wahrheit möchte ich aber lieber Essigchips oder irgendwas mit Chili, aber da wird dann etwas enttäuscht geguckt, wenn ich die zu Hause anschleppe. Diese kleinen Frit-Sticks muss ich sowieso immer heimlich essen, was aber vor allem an der Verzehrgeschwindigkeit liegt. Ich esse die ja einzeln, während mein Mann sich mehrere gleichzeitig in den Mund schiebt, wie es, das sei fairerweise gesagt, vermutlich 95 Prozent aller Menschen tun würden. Da kann ich dann nicht hingucken, weil mich das nervös macht und ich mich gerade beim Chipsessen, einer ausgewiesenen Freizeitaktivität, nun wirklich nicht unter Druck setzen lassen möchte.

Wenn ich das aber so recht bedenke, scheinen sich unsere Gegensätze doch auf ein sehr überschaubares Feld zu beschränken. Es ist natürlich nicht das einzige Feld. Sagen wir so, es gibt in diesem Haushalt Menschen, die grundsätzlich überpünktlich sind und andere, die glauben, man könnte sich in fünf Minuten duschen, abtrocknen, anziehen und dann auch noch Schlüssel, Handy und Portemonnaie innerhalb von dreißig Sekunden finden, obwohl in Langzeitstudien eindrücklich bewiesen wurde, dass dem nicht so ist. Aber das ist eine andere Geschichte und wird vielleicht, möglicherweise, aber eventuell auch nicht, ein andermal erzählt werden.

Über die Angst

Ich habe heute aus Gründen über Angst nachgedacht. Einer der Gründe war ein Kommentar auf einem Blog, der zusammengefasst und damit vielleicht auch etwas aus dem Kontext genommen, aussagte, dass Angst ein wertvolles gesellschaftliches Gut sei, das weniger geächtet werden sollte.

Obwohl ich im konkreten Kontext des Kommentars sogar eher auf der Seite des Verfassers stand, würde ich dieser Aussage sehr vehement widersprechen. Ich würde sogar im weiteren Verlauf einen Blogeintrag über die Angst schreiben, was ich also ja gerade jetzt tue.

Mit der Angst verhält es sich meiner Ansicht nach so: Angst per se ist weder gut noch schlecht. Man sollte sie weder preisen noch ächten. Wie so oft kann man sagen: Es kommt halt drauf.

Das Thema Angst kommt in zwei wesentlichen Variationen daher. Es gibt das Angsthaben und das Angstmachen. Es gibt die individuelle Angst, die man hat und die gesellschaftliche Angst, die Menschen verkauft werden soll.

Die erste Variante ist durchaus zu achten und zu beachten. Angst zu haben ist menschlich und normal, im besten Fall bewahrt sie uns, dumme Sachen zu tun. Angst vor tiefen Abgründen zu haben, ist zum Beispiel eine ganz gute Sache, denn so fällt man nicht runter und stirbt. Angst vor großen Tieren mit scharfen Krallen und ebenso scharfen Zähnen zu haben, ist auch nicht grundsätzlich verkehrt, und bringt uns dazu, uns zu verstecken oder schnell wegzulaufen, damit wir nicht gefressen haben. Auch andere Ängste helfen uns dabei, weniger dumme und gefährliche Dinge zu tun.

Angst erfüllt auch einen anderen Nutzen, sie gibt uns die Chance, mutig zu sein. Wer keine Angst hat, muss sich auch nicht selbst überwinden, kann die Angst nicht besiegen und mit dieser Erfahrung eventuell zu einem weiseren Menschen werden. Ein prominentes Beispiel ist Peter von den drei Fragezeichen, der ja bekanntlich ein Angsthase ist, sich dann aber Mal um Mal zusammenreißt und Dinge tut, vor denen er sich fürchtet. Nur, wo Angst ist, ist auch Mut, denn etwas zu tun, das einen emotional kalt lässt, erfordert keine besondere Leistung. Der junge Mann aus dem Märchen, der auszieht, um das Fürchten zu lernen, ist auf der Suche nach einem Gefühl, das ihm fehlt.

Angst zu haben, zu äußern, zuzugeben, zu überwinden oder auch ihr klein beizugeben, ist also keineswegs schlecht oder verwerflich. Wir haben alle Dinge, vor denen wir Angst haben, und solange diese Angst uns in unserem Bewegungs- und Handlungsraum nicht übermäßig einschränkt, ist das auch kein Problem.

Dann gibt es aber noch die zweite Variante und die ist gefährlich. Es ist das Angstmachen, besonders das systematische Angstmachen, das eine Gesellschaft im schlimmsten Fall handlungsunfähig macht. Mit Angst hält man Menschen klein, damit sie exakt das tun, was man von ihnen möchte oder eben einfach gar nichts. Angstmacherei hat immer etwas mit der Einschränkung von Freiheit zu tun, mit der Furcht vor den Konsequenzen. Im besten Fall ist sie abstrakt und nicht fassbar, denn dann kann ich mich noch weniger dagegen wehren.

Am Flughafen lassen wir unsere Koffer durchleuchten, schütten Flüssigkeiten weg, laufen durch Ganzkörperscanner und ziehen Gürtel und Schuhe aus, weil irgendjemand der Meinung ist, das würde uns vor Terroranschlägen bewahren. Und jedes Mal, wenn dann doch etwas passiert, wird nicht überlegt, ob die bisherigen Methoden vielleicht einfach unsinnig sind und man nie alles überprüfen und absichern kann, sondern wir bauen noch eine weitere Sicherheitsstufe ein. Mit jeder Sicherheitsstufe sollen wir uns sicherer fühlen. Gleichzeitig geben wir unsere Freiheit ab. Ein fairer Tausch, eventuell. Ich weiß es nicht, ich kann es noch nicht mal beurteilen.

Über systematische von oben gesteuerte Angstmacherei kann man seit einigen Jahren besonders gut in der Science-Fiction-Literatur nachlesen und Science-Fiction gehört ja bekanntlich zu meinen präferierten Genres. Das bekannteste Beispiel sind wohl „The Hunger Games“ (bzw. auf Deutsch „Die Tribute von Panem“, wo die Menschen mit Restriktionen und der ständigen Bedrohung von Hunger und Tod kleingehalten werden, während die Elite in Saus und Braus lebt. Auch die „Divergent“-Reihe von Veronica Roth spielt in einer abgeschotteten Welt, in der die Menschen unwissend gehalten werden und sich möglichst nur damit beschäftigen sollen, nicht aus der Rolle zu fallen, denn wer aus der Rolle fällt, wird ausgestoßen.

In „Matched“ von Ally Condie bestimmt einfach die Gesellschaft, was man zu tun, wen man zu lieben, und was man zu lesen und zu hören hat. Schreiben ist verpönt und wird nicht gelehrt. Wer einen Brief schreiben will, darf sich diesen aus vorgefertigten Textbausteinen zusammenklicken, und dann abends in einen der 100 Filme im Kino ansehen, der nach einer sorgfältigen Auswahl nicht vernichtet wurde. Das Thema ist auch hier das gleiche, wer sich nicht anpasst, fliegt raus, wird verstoßen oder in schlimmeren Dystopie eben einfach getötet. In anderen Zukunfstvisionen wie die in „Super Sad True Love Story“ von Gary Shteyngart funktioniert das ganze etwas subtiler, aber nicht weniger effektiv. In einer Welt, wo alles transparent ist, wo ich jederzeit den „Fuckable“-Score meiner Mitmenschen erfahren und über ihre finanzielle Situation Bescheid weiß, sind die Ängste eben anders gelagert, aber nicht weniger schlimm. Auch hier gilt: Was, wenn ich aus der Reihe tanze? Nicht sexy genug bin? Nicht reich genug?

Natürlich reden wir hier von Fiktion. Doch über die Jahre habe ich gemerkt, wie weit und wie nah wir doch gleichzeitig von diesen Zukünften entfernt sind. Immer wieder passieren Dinge, werden Gesetze beraten oder gesellschaftliche Diskussionen geführt, die mir viel zu nah an irgendwas ist, was ich schon einmal gelesen und beim Lesen für nicht erstrebenswert empfunden habe. Wo ich eine Gänsehaut bekomme oder zumindest im Kopf die Alarmglocken angehen, weil irgendwas in mir sagt, dass das ein falscher Weg ist, der bei allen guten Intentionen, mit denen er gepflastert sein mag, eher wie der Weg in die Hölle aussieht

Angst, auch die individuelle Angst, die ich ja für nichts falsches halte, hemmt. Sie lähmt. Sie macht uns handlungsunfähig und sprachlos. Angst macht uns zu Egoisten, denn wo ich um mein eigenes Leben oder zumindest meine eigene Lebensgestaltung fürchten muss, da habe ich keine Zeit, mich um andere zu kümmern.

Angst ist dazu da, nicht in die Schlucht zu fallen und nicht mit dem Tiger spielen zu wollen. Angst ist aber auch dazu, sie zu überwinden und vor allem, sie überwinden zu können. Angst ist nicht dazu da, Individualität und Freiheit zu beschneiden. Mit meinen eigenen Ängsten muss ich lernen, umzugehen, ich muss lernen, welche ich besiegen kann und mit welchen ich mich arrangieren muss. Aber das sind meine eigenen Ängste, die ich selbst gemacht habe und die ich nach meinen Möglichkeiten hegen, pflegen und ablegen kann. Dazu brauche ich niemanden, der mir zusätzliche Ängsten aufdrückt, damit ich nicht auf dumme Ideen komme und nachher auch noch verlange, selber denken zu dürfen. In diesem Zusammenhang ist Angst immer schlecht, denn sie führt zu nichts außer Unsinn. Und deswegen sollte Angstmacherei immer, wirklich immer geächtet werden.

(In Wahrheit ist natürlich wieder alles komplizierter, aber so ist sie nun mal, die Welt. Immer ist alles kompliziert.)

[Werbelinks]
Suzanne Collins: The Hunger Games
Veronica Roth: Divergent
Ally Condie: Matched
Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story

Podcasteigenwerbungsdingsi

Da ich mir ja altes neues (oder neues altes) Hobby aufgehalst habe und wieder podcaste, geht da natürlich auch Zeit drauf, die man anderweitig zum Beispiel ins Bloggen investieren könnte. Jetzt rede ich halt manchmal in meinem Arbeitszimmer anstatt brav einfach stumm zu schreiben. Manchmal rede ich sogar MIT anderen Leuten.

In der letzten Zeit habe ich zum Beispiel wieder mit Charlotte über die aktuelle BRAVO und die BRAVO GiRL! (Ja, so schreibt man das!) geredet. Den Podcast mit dem schönen Titel „Schokolade in der Kopfhörerbuchse“ kann man sich hier anhören.

Gestern habe ich wieder alleine über interessante neu gelernte Dinge erzählt, und was man über Bücher, Chips, Bienen und Sprachlerndingsis noch so wissen kann, kann man hier nachhören.

Außerdem war Stefan vom Homestorys-Podcast wieder zu Gast bei mir und musste sich eine knappe Dreiviertelstunde lang eine Schwärmereitirade über unsere neue Wohnung anhören. Aber es ging zwischenzeitlich auch um introvertierte Dackel.

Aber demnächst schreib ich auch wieder. Versprochen.

Die Sache mit der Kolumne und der Wired

Ich schreibe ja seit letzten Jahr zusammen mit Kathrin Passig eine Kolumne für die deutsche Wired. Tatsächlich kam das so überraschend und hat mich gleichermaßen erfreut wie emotional überfordert, so dass ich ganz vergaß, die ganze Zeit ununterbrochen darüber zu reden. Andere Leute nennen das vermutlich Professionalität oder so.

Die Kolumnen erscheinen jeden Monat in der Wired. Auf einer Seite erklären wir irgendwas mit Programmierung und Softwareentwicklung, das uns selber so sehr interessiert, dass wir es auch gerne anderen Menschen mitteilen wollen.

Zwei Eine dieser Kolumnen haben hat sich durch die Wired-Paywall geknabbert und sind ist auch für Nicht-Abonnenten frei verfügbar. In der ersten haben wir darüber geschrieben, warum man sich als Programmierneuling bloß keine Profiprogrammierer als Berater anlachen sollte. In einer der neueren Kolumnen ging es dann um Gummienten und was das mit Problemlösungen zu tun hat.

Ich wünsche viel Vergnügen und vielleicht sogar ein bisschen Erkenntnisgewinn.

(Update: In einem kurzen Zeitfenster waren mal zwei Kolumnen frei verfügbar. Das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein und man kann eben doch nur noch die erste Kolumne lesen. Ich hab mir das nicht so ausgedacht.)

Hurra! Hurra! Der BRAVO-Podcast ist da!

Endlich ist er da! Ich habe mir meinen lang gehegten Traum erfüllt und den ersten BRAVO-Podcast zusammen mit Charlotte aufgenommen. Wir haben die aktuelle BRAVO gelesen und knapp anderthalb Stunden darüber geredet. Es hat sehr viel Spaß gemacht, eine Fortsetzung ist quasi garantiert. Zusammenfassend lässt sich sagen: Früher waren mehr Buchstaben. Und weniger YouTuber.

Aber hört selber, hier geht’s entlang zur aktuellen Folge des Abendbrot-Podcasts.

Jetzt redet sie auch noch!

Weil ich ja nicht genug Projekte habe, bei denen ich allesamt regelmäßig „Ich müsste mal wieder…“ denke, habe ich jetzt eben wieder mit dem Podcasten angefangen.

Das Ergebnis der ersten Versuche meines Podcastes mit dem wunderschönen Namen „Abendbrot Podcast“ kann man auf dem gleichnamigen Blog bewundern. Mittlerweile gibt es auch Feeds und irgendwann demnächst findet man dieses neue Produkt aus dem Hause Schüßler dann auch bei iTunes.

In den ersten Folgen erzähle ich immer drei Dinge, die ich in den letzten Tagen gelernt habe, es gibt aber noch weitere Ideen, bei denen ich dann auch mit anderen Menschen reden möchte. Aber davon erzähle ich dann, wenn es auch irgendwas vorzuweisen gibt.