Kategorie: Köln

Norden Berlin beim Summer of Supper im Marieneck

„Wenn du nur zu einem Abend gehst, dann geh zu Norden Berlin!“ instruierte Holger mich per Twitter, nachdem er mich auf den Summer of Supper aufmerksam gemacht hatte. Und da ich ja immer sehr glücklich bin, wenn andere Menschen mir schwierige Entscheidungen abnehmen, orderte ich zwei Tickets für den Summer of Supper im Kölner Marieneck. Das Marieneck kannte ich schon von der Vorstellung von Stevan Pauls „Auf die Hand“ [Werbelink]. Mitten in Ehrenfeld finden hier alle möglichen Arten kulinarischer Veranstaltungen statt und im Sommer eben der „Summer of Supper“, bei dem an insgesamt neun Abenden im Juli verschiedene Menschen für andere Menschen ein Mehr-Gänge-Menü kochen. Wir gehen also am 11. Juli zu Norden Berlin, die ich vorher nicht kannte, von denen ich aber in den Wochen zwischen Ticketkauf und Supperclub nur Gutes höre. Der Tipp scheint richtig gewesen zu sein und ich bin ganz aufgeregt.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Am 11. Juli fahren wir also nach Köln, mit dem Auto, ja, dämliche Idee auf der einen Seite, allerdings finden am gleichen Abend die Kölner Lichter statt und weil ich vor drei Jahren mal nach den Kölner Lichtern mit dem Zug von Köln nach Essen fahren musste, weiß ich, dass ich dieses Erlebnis nicht zwingend wiederholen möchte. Pünktlich um 18 Uhr finden wir uns vorm Marieneck ein, wo schon viele andere Menschen warten, unsicher, ob man jetzt reingehen darf oder nicht, bis die ersten den kleinen Veranstaltungsraum mit Showküche betreten und wir dann eben hinterherlaufen. Es ist direkt Betrieb im Marieneck, viele Leute sind wohl nicht zum ersten Mal hier und kennen sich. Es wird rumgewuselt, erzählt, den Köchen bei der Vorbereitung zugeguckt. Wir suchen erst mal Plätze und da wir sonst niemand kennen, setzen wir uns ganz hinten in die Ecke, was erst mal eine Diskussion heraufbeschwört, wer am Kopfende sitzen muss. Mir fallen irgendwann keine Argumente mehr ein, also sitze ich am Kopfende, was auch nur so lange etwas seltsam ist, wie der Tisch noch nicht voll besetzt ist. Danach ist es nämlich eigentlich auch schon egal, irgendwo muss man ja sitzen und irgendwer muss halt am Kopfende sitzen und alles gut im Blick haben.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Als Aperitif gibt es einen gerade volljährig geworden Riesling Spätlese von der Mosel-Saar, ich trage die Weingläser zu unserem Platz, mache ein paar Fotos und dann warten wir, bis sich alle Plätze gefüllt haben und es losgeht. Neben uns sitzen mittlerweile Lena, Maike und Kati, und nach einer kurzen Ansprache von Norden Berlin, geht es dann auch los.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Als Gruß aus der Küche gibt es ein Holunderschäumchen mit Gurke und frittierter Gurkenschale. Darauf muss man auch erstmal kommen. Es stellt sich als etwas schwierig heraus, die schwarzen Schälchen restlos auszukratzen, aber erstens haben wir Hunger und zweitens ist es lecker.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Danach wird Bier ausgeschenkt. Natürlich haben wir die als Biergläser intendierten Gläser als Wassergläser missbraucht, denn wenn man in Köln Kölschgläser irgendwohin stellt, wird davon ausgegangen, dass da das Bier reinkommt. Es gibt aber auch kein Kölsch, sonder Craft Beer von Von Freude aus Hamburg und das gehört in die bauchigen Gläser. Zum Bier gibt es Matjes. Matjes habe ich eventuell noch nie gegessen, dieser hier ist fantastisch und ich frage mich, was mich die Jahre davon abgehalten hat. Zusätzlich zum schwedisch marinierten Matjes gibt es Kartoffeln, eingelegte rote Zwiebeln, Schnittlauchcreme, etwas braune Butter und darunter ein Eigelb. Das ist alles sehr großartig, wir schwärmen rum, vor allem von dem Matjes, der irgendwie weihnachtlich schmeckt. Lena ist Halbschwedin und klärt uns auf, dass das eben schwedischer Matjes ist, so schmeckt der da immer. Seit diesem Abend denke ich regelmäßig an schwedischen Matjes und wo ich welchen herbekomme. Ich bin bekehrt!

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Mit dem zweiten Gang geht es weiter, jetzt schwenken wir zu Wein über, Paul bringt uns „Orange Wine“ oder „Orangewein“ wie man auch auf deutsche konsequenterweise sagen müssen. Gehört habe ich davon schön, probiert noch nicht. Der Wein schmeckt im Nachgang etwas bitter, nach Grapefruit oder Blutorange. Wir vermuten, dass auch Orangewein eines dieser Dinge ist, für die man einen Acquired Taste braucht, die sich also nicht direkt beim ersten Mal erschließen, sondern für die man etwas Zeit und Geduld braucht.

Dazu gibt es einen Tartar von Lachs und Flusskrebs mit Dillkronen und Brotkrumen auf Västerbottencreme. Wir lernen: Dillkronen kann man essen. Und: Västerbottencreme ist Käsecreme. Bei der letzteren Erkenntnis hilft Lena uns mit ihren Kenntnissen der schwedischen Kulinarik weiter.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Während wir uns wirklich nett mit den bis eben noch fremden Menschen an unserem Tisch unterhalten, kommt der nächste Wein und der nächste Gang. Wir schwenken um auf Weißwein und bekommen ein Schüsselchen mit einem angebratenen Römersalatherz auf einem herzhaften Dressing mit gebratener Lachshaut, liebevoll „Swesar’s Salad“ genannt. Dazu gibt es Riesling von Carl Loewen.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Es folgt der vierte Gang, ein kleines skandinavisches Waldpotpourri. Pilzcreme mit sautierten Pfifferlingen, Heidelbeeren, rohen Champignons, Kräutercroutons, Malzerde und Fichtenöl. Auch hier gibt es keine Klagen, vor allem ist es so wunderhübsch auf dem Teller angerichtet, dass man sich kaum traut, davon zu essen. Auf der anderen Seite ist es ja genau dazu gedacht, also essen wir und freuen uns. Dazu gibt es einen französischen Rotwein mit dem schönen Namen „Soif de Plaisir“.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Wir bleiben auch beim Hauptgang beim Rotwein und bekommen Ente mit dreierlei von der Karotte: Einmal als Püree, einmal eingelegt und einmal getrocknet. Mein Mann kann mit der getrockneten Karotte nichts anfangen, zu meinem großen Glück, denn dann darf ich seine Streifen auch noch haben.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Jetzt bleibt eigentlich nur noch der Nachtisch, vor dem es mich ein bisschen fürchtet, weil ich doch kein Lakritz mag, da aber neben anderen sehr leckeren Komponenten auch „Lakritzcreme“ auf dem Menü stand. Aber ich probier ja alles. Serviert wird ein Himbeersorbet mit zweierlei Schokocreme (einmal dunkel, einmal hell), etwas Schokocrumble und Himbeeren. Wir rätseln, wo sich die Lakritze versteckt hat, mein Mann meint, sie in der Schokocreme entdeckt zu haben, wo ich sie aber nun gar nicht entdecken mag. Paul löst das Rätsel. Es gibt keine Lakritzcreme, wohl aber Lakritzkraut. Die kleinen grünen Blätter, bei denen ich zunächst „Huch, schon wieder Dill!“ dachte, sind zwar nur spärlich eingesetzt, dafür schmecken sie sehr intensiv. Zum Dessert gibt es wieder eine Riesling Spätlese von Müllen, diesemal aber in der weniger alten 2005-er Variante. Dann ist der Abend auch schon fast vorbei. Die Köche laufen um die Tische und spritzen aus Spritztüten voller Schokoladencreme Nachschlag auf Teller, die ihnen entgegengehalten werden.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Es gibt noch Espresso, wir tauschen Email-Adressen aus und verabreden uns fürs nächste Jahr. Gleiche Zeit, gleicher Ort.   Der Abend beim Summer of Supper mit Norden Berlin und anderen sehr netten Menschen war ein voller Erfolg. Zwar kam nichts an den ersten Gang mit dem schwedischen Matjes ran, was die Dramaturgie ein bisschen schwächte, aber das ist nur ein ganz kleiner Wermutstropfen. Wir würden es jederzeit wieder tun.

Der Summer of Supper geht noch bis zum 19.7. im Marien-Eck in Köln-Ehrenfeld. Kurzentschlossene können eventuell noch Karten für einen der vier Abende ergattern.

Annette von culinary pixel war auch da und hat Fotos gemacht, auch von mir an meinem Kopfendeplatz. Samstag kocht sie.

Noch mehr Bilder gibt es in meinem Flickralbum.

Ausflug nach Marienburg oder wie ich mal wieder im Radio war

Gestern machte ich nach der Arbeit einen Ausflug nach Marienburg. Eigentlich ist Köln ja, was das öffentliche Nahverkehrsnetz angeht, recht gut ausgestattet und man kommt recht schnell von A nach B. Es sei denn, man will von A nach Marienburg, dann muss man mit dem Bus fahren und das ist fast genauso eine mittelprächtige Idee wie mit dem Auto durch die Stadt zu fahren.

Zusammengefasst braucht man von Deutz zum Deutschlandfunk gute vierzig Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und ein bisschen zu Fuß gehen. Die Alternative wäre gewesen, im Büro auf einen Anruf zu warten, das kam mir aber langweiliger vor als die Chance zu nutzen, sich so ein Radiostudio mal von innen anzugucken.

Ich. Jetzt. Hier. #twitter

Ein von Anne Schuessler (@anneschuessler) gepostetes Foto am

In einem Radiostudio sind überall Uhren und sehr viele Monitore, ansonsten ist es aber wie so vieles in der Medienwelt erstaunlich unspektakulär. Man sitzt ein bisschen rum, dann darf man ins Studio, setzt Kopfhörer auf, wartet, bis das Lied zu Ende ist, redet fünf Minuten irgendwas halbwegs sinnvolles in ein Mikrofon und dann kommt auch schon das nächste Lied und man darf nach Hause oder, wie in meinem Fall, zum Südbahnhof, um Pastramipizza aus dem 485°-Ofen zu essen und Craft Beer aus Weingläsern zu trinken. (Aus diesem Anlass: Hey, Berlin, ihr könnt aufhören, Dinge in albernen Gläsern zu servieren. Der Trend ist jetzt auch bei uns und somit kein Trend mehr.)

Erzählt habe ich übrigens über Bahnhöfe. Da fahre ich ja gelegentlich mal hin und dokumentiere das in Wort und Bild. Es war sehr nett und wer will, kann sich das hier auf der Seite vom DRadio Wissen anhören. Man muss übrigens auf dem großen Bild auf das „Hören“-Knöpfchen drücken, nicht im Artikel selber auf das eingebettete Dings. Ich komme so ab Minute 14, aber da es die ganze Zeit ums Bahnfahren geht, ist natürlich auch alles vorher und nachher spannend.

Der Plümmo-Test

Ich bin ja, wie mittlerweile bekannt sein dürfte, in und um Köln aufgewachsen, ich gehöre zu den Menschen, denen beim Anblick des Kölner Doms das Herz ein bisschen schmilzt und überhaupt lege ich eine teilweise erschreckende Menge Lokalpatriotismus an den Tag, obwohl oder erst recht weil ich schon seit über sieben Jahren im Exil lebe.

Dementsprechend verstehe ich Kölsch. Ich spreche es bedingt, es fehlt hauptsächlich an Übung, auch mit dem aktiven Wortschatz hapert es beizeiten, mit dem Verstehen habe ich aber keine Probleme. Ich dachte auch lange, das wäre auch für Nicht-Kölner kein Problem, bis ein hessischer Kollege erzählte, er fände zwar die Musik von BAP ganz gut, würde aber nun wirklich so gar kein Wort verstehen.

„Aber… aber…“, sagte ich. „Das ist doch gar nicht so schwer.“

Ist es wohl doch.

Tatsächlich versteht man mich im Allgemeinen deutschlandweit ausreichend gut. Ich spreche ja auch kein Kölsch. Allerdings gibt es dann doch immer wieder Wörter oder Redewendungen, die wohl doch eine stärkere regionale Begrenztheit aufweisen, als man so ahnt, wenn man es nie anders gewohnt ist.

Nach meinen langjährigen und höchst unrepräsentativen Forschungen habe ich nun das Wort gefunden, mit dem Sie relativ einfach feststellen können, ob jemand aus dem Kölner Raum kommt oder nicht. Es gibt meiner Erfahrung nach exakt zwei Reaktionen auf dieses Wort: Ein verstörtes „WIEBITTEWAS?!?“ oder ein leicht beleidigtes „Hä? Natürlich weiß ich, was das ist!“

Die Begrenztheit des Verständnisses hört bereits vor dem Ruhrgebiet auf, ob man in Düsseldorf noch weiß, was Sie meinen, muss noch in Detailstudien überprüft werden. Die Grenze nach Süden ist ebenso ungewiss, ich vermute jedoch, dass sie spätestens hinter Bonn genauso irritiert angeguckt werden wie in Essen.

Das Wort ist „Plümmo“.

Na? Wissen Sie’s?

Wer etwas Französisch kann, wird es wissen oder zumindest ahnen, denn „Plümmo“ ist – wie so einiges in der Kölschen Sprache – dem Französischen entlehnt. Es handelt sich also um ein „Plumeau“ oder, wie man es woanders in Deutschland kennt, eine Bettdecke oder ein Oberbett. Tatsächlich war mir das Wort „Oberbett“ bis vor kurzem fremd und ich musste erst nachfragen, was denn bitteschön damit gemeint war.

Während ich also die letzten Zeilen hier unter meinem Plümmo eingemummelt im Bett schreiben, haben Sie jetzt den ultimativen Rheinländertest. Einfacher geht’s nicht. Viel Spaß damit.

Im Wikipedia-Artikel zur Kölschen Sprache gibt es weitere schöne Wörter, die man möglicherweise noch nie gehört hat. Es sei denn eben, man kommt aus Köln. Dann schon.

Phonophobia – Die drei ??? live in der Lanxessarena in Köln (27.3.2014)

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Der Abend beginnt etwas chaotisch und mit optimierbarer Kommunikation. Dazu muss man erstens wissen, dass bei uns die Kulturplanung meistens so läuft, dass ich irgendwelche Karten kaufe und den Mann vor die Tatsachen stelle. Das funktioniert deswegen, weil wir beide so gestrickt sind, dass wir fast alles mitmachen, was irgendwie ganz interessant klingt. Andersrum funktioniert es übrigens auch, nur dass ich eben öfter Karten kaufen als er. Zweitens muss man wissen, dass an diesem Tag in Essen-Rüttenscheid eine alte Weltkriegsbombe gefunden wurde und wir anscheinend in irgendeinem Einzugsgebiet lagen, so dass es schon mal damit anfing, dass der Mann nicht mehr noch mal kurz nach Hause fahren konnte, um sich eine Jacke zu holen, sondern direkt vom Büro aus nach Köln fahren musste.

Und dann war es eben so, dass ich offenbar nicht ausreichend gut kommunizierte, womit wir am Abend zu rechnen hatten. Auch die in ein Telefongespräch eingebaute Bemerkung „das ist in der Lanxessarena und die ist ausverkauft“ half da nicht. (Dialog bei Ankunft an der Arena: „Was geht denn hier?“ „Ich hab doch gesagt, es ist ausverkauft.“ „Du hast auch gesagt, es ist ein Hörspiel.“) So kam es dann also, dass wir uns doch etwas später als geplant Sitze im Innenraum suchen mussten und dementsprechend weit hinten saßen, und eben – dazu kommen wir dann später noch – das Auto auf der elften Etage des Parkhauses stand. Ganz, ganz, ganz weit oben.

Aber letztlich war ja dann doch alles gut. Wir saßen, aßen Hot-Dogs und tranken Bier und warteten darauf, dass es losging. Die Bühne rot-weiß-blau beleuchtet, drei Mikrofonständer darauf und dann ging es auch relativ pünktlich los. Die drei ??? live. Auf der Bühne. In der ausverkauften Lanxessarena mit 12.000 Fans. Also. 11.999 Fans und mein Mann.

Die Anfangssequenz mit asiatischer Musik und einem japanischen Dialog, der nicht erklärt wurde (auch nicht auf dem Bildschirm dahinter), aber dessen Bedeutung sich immerhin im Laufe der Geschichte erklärte. Dann blauer Himmel, ein heruntergelassener Heißluftballon und den mit dem Jubel von Tausenden begrüßten Stimmen von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Über die Geschichte will ich zur Abwechslung mal nicht so viel erzählen, denn die Tour läuft ja noch. Anders als bei einer Wagneroper sehe ich bei der Geschichte des Live-Hörspiels jetzt auch nicht unbedingt einen Bildungsauftrag.

So viel sei gesagt: Es geht um Synästhesie, um eine Sinfonie des Angst (das ist auch der Untertitel von „Phonophobia“, fasst es aber tatsächlich überraschend gut zusammen), um ein geheimes Forschungslabor und… ach nein, alles andere wäre schon zu weit vorausgegriffen. Die eigentliche Frage lautet ja vielmehr: Was ist das überhaupt, so ein Live-Hörspiel? Was passiert da? Lohnt sich das?

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In diesem Fall läuft das so: Die drei Sprecher der berühmten Detektive stehen in Anzug und mit Fliege auf der Bühne und tun vermutlich ungefähr genau das, was sie sonst in der etwas intimeren Atmosphäre eines Tonstudios (und vermutlich nicht mit Anzug und Fliege) tun. Nämlich ein Hörspiel sprechen. Die anderen Rollen werden von zwei Sprecherinnen und einem weiteren Sprecher übernommen. Außerdem gibt es einen Geräuschemacher mit allerlei wildem Zubehör (MELONE!) und eine kleine Band. So weit, so gut.

Natürlich bleibt es nicht beim Sprechen. Es wird rumgelaufen (oder so getan, als ob), zwischenzeitlich wird auch mal die Position auf der Bühne gewechselt. Wenn Justus an die Tür klopft, klopft er eben ins Leere, und der Geräuschemacher übernimmt den Ton. Und wenn die zu öffnende Tür eben knarzt und klemmt, dann hört man das nicht nur, sondern sieht auch, wie Oliver Rohrbeck die imaginäre Klinke runterdrückt und langsam die imaginäre Tür öffnet. Zusätzlich gibt es noch die große Monitorwand hinter der Bühne, die entsprechend genutzt wird, um die aktuelle Umgebung zu zeigen oder auch einen spektakulären Ritt auf einer (leider etwas kaputten) Seilbahn mit einer Animation im wahrsten Sinne des Wortes zu untermalen.

Eine Folge der drei ??? ist üblicherweise ungefähr eine Stunde lang, „Phonophobia“ dauert gut zweieinhalb Stunden mit Pause. Auch sonst merkt man der Geschichte an, dass sie eben nicht für ein Audiohörspiel geschrieben wurde, sondern für eine Tour durch Deutschlands Stadien erdacht wurde. Alles ist ein bisschen größer als sonst, das Finale kommt fasst etwas überdreht daher, das tut dem Gesamtvergnügen aber keinen Abbruch. Dafür gibt es nicht nur eine Tanzeinlage, die Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck doch ein bisschen aus der Puste bringen, sondern auch viele kleine Anspielungen auf die lange Geschichte der drei Detektive aus Kalifornien. Man kann sich das ungefähr wie folgt vorstellen (und hier folgt nun doch ein kleiner Spoiler, wer also nicht mehr wissen will, überspringe den folgenden Dialog einfach):

„Im Black Canyon? Aber da ist doch das…“
„… Gespensterschloss!“
(Frenetischer Jubel aus dem Publikum.)
„Wie lange ist das bloß her?“
Kleine Denkpause.
„34 Jahre.“
(Noch frenetischerer Jubel aus dem Publikum.)

So ein Live-Hörspiel der drei ??? ist ganz klar eine Fanveranstaltung. Kollektives Hörspielhören mit Wohlfühlfaktor und Insiderwitzen und natürlich den Stars vieler Kindheiten live auf der großen Bühne. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch als Nichtkenner der Hörspielreihe seinen Spaß haben könnte. Der Mann hat zwar keine leuchtenden Augen wie ich sie vermutlich habe, ist aber auch nicht gelangweilt und durchaus amüsiert.

Zum Schluss gibt es Standing Ovations für alle Beteiligten. Das waren zweieinhalb Stunden schönster und vor allem unglaublicher sympathischer Unterhaltung mit großartigen Akteuren und einem sehr dankbaren Publikum. Wir schlüpfen zwar noch während des Applauses aus dem Saal und eilen zum Parkhaus, das hilft aber auch nicht weiter, schließlich müssen wir noch zahlen und als wir dann oben angekommen sind, ist schon offensichtlich, dass wir so schnell hier nicht rauskommen. Das verschafft uns noch ein Zwischenspiel beim McDonald’s im Deutzer Bahnhof, aber als wir dann wiederkommen, können wir dann auch rausfahren. Um halb eins fallen wir ins Bett. Aber, das muss man sagen, es hat sich gelohnt.

Die Tour geht noch weiter. Ob es noch Karten gibt, weiß ich nicht, ansonsten gab es zumindest in Köln den ein oder anderen Menschen, der noch vor der Arena Karten zum Verkauf anbot. Wie viel die dann kosten, kann ich aber nicht sagen, ich hatte ja welche.

Gerüchten zufolge wurde die Show, bei der wir waren auch für die DVD-Veröffentlichung gefilmt. Es kann also sein, dass ich demnächst mal irgendwo auf einer DVD ganz klein aber dafür mit umso größerem Grinsen im Publikum zu sehen bin. Ich werde berichten.

Amanda Palmer im Gloria in Köln

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Wie ich dazu kam, Konzertkarten für Amanda Palmer zu kaufen, das kann man in aller Ausführlichkeit hier nachlesen. Nach dem 15-Minuten-Konzert vor einem Jahr in Köln wusste ich, dass ich das mal in länger sehen wollen würde und letzten Freitag war es soweit. Amanda Palmer im Gloria in Köln. Der Gatte vergnügt sich allerdings derzeit in Rio de Janeiro, deswegen konnte ich das zweite Ticket abgeben, was sich relativ einfach gestaltete, schon allein, weil das Konzert ausverkauft war und ich auch drei Tickets locker losgeworden wäre.

(Für alle, die das nächste Mal keine Karten bekommen: Wenn ihr in der Nähe wohnt, im Zweifelsfall mal vorm Konzert vorbeischauen, eventuell hat man Glück und jemand versucht noch kurz vorher, Karten loszuwerden. Wie die preislich gehandelt werden, kann ich aber nicht sagen.)

So oder so ist die Schlange lang, als ich mit Sandra und Alexandra deutlich vor Konzertbeginn am Gloria auftauchen. Wir stellen uns in den Regen und warten, bis wir reingelassen werden und dann geht es immerhin recht fix.

Als wir in den Konzertsaal kommen, spielen dort Perhaps Contraption, eine Punkmarschband aus Großbritannien mit lauter Blasbläsern, ein paar Holzbläsern, Xylophon, Trommeln und Gesang aus dem Megaphon, alle gekleidet in purpur und gelb, alles ganz großartig und vor allem gar nicht auf der Bühne, sondern mitten im Zuschauerraum. Ich bin quasi jetzt schon begeistert.

Band

Nachdem Perhaps Contraction fertig sind, kommt die eigentliche Vorgruppe. Oder die zweite Vorgruppe. Jedenfalls noch eine Vorgruppe. Es sind Die Roten Punkte, ein australisches Duo à la White Stripes, Astrid Rot am Schlagzeug und Otto Rot an der Gitarre, nur halt mit Comedy dazwischen. Klingt seltsam, funktioniert aber erstaunlicherweise. Eigentlich heißen sie natürlich anders, aber das ist ja irrelevant. Das Publikum, inlusive mir, findet’s super. Generell und dann erst recht, als für „Ich bin nicht ein Roboter. I am a Lion!“ Amanda Palmer mit auf die Bühne kommt, um die Zweier-Kuhglocke zu spielen.

Die Roten Punkte

Jetzt geht es aber immer noch nicht los, jetzt kommt erst mal Jherek Bischoff, der in Amandas Band Bassist ist. Hier spielt er aber erst Gitarre und dann Ukulele und das teilweise so abgefahren, dass ich mit offenem Mund dastehe und auf die Bühne starre. Dann holt er Perhaps Contraption wieder auf die Bühne und spielt mit ihnen ein ganz entzückendes Lied namens „Eyes“ und macht, dass ich jetzt schon total glücklich und zufrieden bin, obwohl das Konzert noch überhaupt gar nicht angefangen hat. Das ist alles so schön und wundervoll, es ist ein einziger großer Hach-Moment mit Ausrufezeichen.

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Jetzt aber. Ein kurzes Intermezzo von Perhaps Contraption im Zuschauerraum und dann kommt Amanda Palmer und ihr Grand Theft Orchestra und es kann endlich richtig losgehen. Und losgehen tut’s, direkt mit „Do It With a Rock Star“. Das kenne ich sogar, obwohl ich im Amanda-Palmer-Gesamtwerk gar nicht so firm bin. Schon beim nächsten Lied passiert das, womit bei einem Konzert von Amanda Palmer immer rechnen muss. Sie springt ins Publikum und macht einfach weiter, die Leute machen ein bisschen Platz, und auf einmal wirbelt Amanda Palmer an einem vorbei.

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Das macht sie beim Cover von „Smells Like Teen Spirit“ einfach gleich noch mal, bei „Missed Me“, einem Song aus Dresden-Dolls-Zeiten geht das aber nicht, da muss sie Klavier spielen, und passend zum Weill/Brecht-Stil steht da auch nicht KURZWEIL auf dem Stage Piano, sondern KURTWEILL. Ein Konzert von Amanda Palmer ist wild und laut, es ist intim und sehr körperlich, und das sind genau die Dinge, vor denen ich ein bisschen Angst hatte, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen würde, wenn ich wirklich mittendrin bin. Es ist aber alles ganz toll und mitreißend und überhaupt nicht beängstigend. Erwähnte ich, dass es toll ist?

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Nach einem lauten Einstieg wird es aber jetzt ruhig. Amanda spielt Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ und es ist sehr herzergreifend, vor allem, wenn man weiß, dass sie Lou Reed kannte. Das Publikum darf beim Refrain mitsingen und der Song endet auf einem mehrstimmigen A-Cappella-Gesang. Keine Ahnung, wie wir das hinbekommen haben, keine Ahnung, ob das tatsächlich irgendwie harmonisch ist, für mich klingt es so, das ist wunderbar, sowas möchte ich jetzt den ganzen Abend haben, bitte. (Es gibt hier ein YouTube-Video, da ist aber leider die Soundqualität nicht besonders gut.)

Erstmal geht es wieder laut weiter, und weil Amanda einige Zeit in Deutschland verbracht hat und ziemlich gut Deutsch spricht, ist es üblich, dass sie auf deutschen Konzerten irgendwas auf deutsch covert. Man kann sich das prima auf YouTube angucken, „Seeräuber Jenny“ hat sie schon gespielt und „Eisbär“ von Grauzone. Wir kriegen passend zur Bühnendekoration „99 Luftballons“ und dürfen aus voller Inbrunst mitsingen.

Bei „Bottomfeeder“ schmeißt sich Amanda dann von der Bühne ins Publikum und lässt sich von uns singend durch den Raum tragen, etwas, das ich auch noch nie gemacht habe, weil ich sonst ja eher zu Konzerten gehe, wo die Künstler brav auf ihrer Bühne bleiben. Manchmal gibt es sogar Sitzplätze fürs Publikum. Aber das hier ist ja was anderes, hier muss ich auf einmal die Hände hoch nehmen und Amanda Palmer weiter durchgeben und hinter ihr spannt sich ein riesiges Tülllaken über das Publikum, während an der Decke Lichter funkeln, wie großartig ist das denn bitte? Mal abgesehen davon, dass „Bottomfeeder“ ein ganz toller Song ist.

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Für ihren Solopart nimmt Amanda Palmer Requests entgegen und spielt erst „Runs in the Family“, weil das gewünscht wurde und dann „The Bed Song“, obwohl das nicht gewünscht wurde, because fuck you. Und nachdem sie den Song mit Tränen in den Augen beendet hatte, dürfen wir wählen, ob wir jetzt wieder glücklicher sein wollen oder ob sie uns „deeper into depression“ führen soll, und da warnt sie uns schon mal: „I’m gonna fuck you up.“ Das Publikum wählt mehrheitlich die Depression und Amanda spielt nur mit ihrer Ukulele einen Song, den sie geschrieben hat, um sich irgendwie aus ihrer eigenen Depression rauszuwühlen, um uns direkt nach mit „Map of Tasmania“ doch noch schnell wieder zurückzuholen, damit wir nicht alle weinend nach Hause müssen.

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Dann kommt die Band wieder, es geht wieder etwas lauter weiter und zum Schluss sind wieder alle auf der Bühne, Amanda und ihre Band, Perhaps Contraption und Die Roten Punkte und spielen, singen und tanzen zu „Leeds United“. Möglicherweise wiederhole ich mich, aber es ist wirklich alles ganz wunderbar.

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Zwei Zugaben gibt es, und ganz zuletzt spielt Amanda ihre Ukulele Anthem und dann dauert es gefühlt zwei Stunden, bis ich endlich meinen Mantel abholen kann und durch den Regen durch Köln zur U-Bahn trotten kann, noch ganz high und hyperaktiv von den letzten drei Stunden. Ich kann das wirklich nur jedem empfehlen und das meine ich ernst. Die Tickets fürs nächste Konzert sind quasi schon gekauft, zumindest in Gedanken. Amanda Fucking Palmer, wie sie sich selber nennt, ist eben eine fucking force of nature. Aber eine sehr sympathische und mitreißende, die man sich unbedingt mal live angucken sollte, und die nach dem Konzert noch sehr lange im Cafébereich des Gloria sitzt und Autogramme gibt.

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(Übrigens habe ich wieder feststellen dürfen, dass es diese Menschen aus dem Internet wirklich gibt. Als ich mich einmal umgucke, steht da Jens Scholz direkt hinter mir, irgendwann fragt mich jemand neben mir, ob ich nicht Anne Schüßler sei, und das ist Marcel alias Marzelpan. Er erzählt mir kurz vor dem Konzert, dass er Amanda Palmer eigentlich nur von ihrem TED-Talk kennt und sich das jetzt auch mal angucken wollte.)

Ausflug zu Les Flâneurs

Dom

Ich bin ganz entzückt vom Großstadtblog Les Flâneurs, das von vielen tollen Menschen betrieben wird. Als ausgewiesenes Großstadtkind mit Rheinlandsozialisierung prangerte ich jedoch mal an, dass es ja gar niemanden aus NRW bei den Autoren gäbe. Ausgerechnet NRW, wo es von Städten ja nur so wimmelt und eine an der anderen klebt. Weil Meckern ohne Lösungsvorschlag aber doof ist, bot ich sofort an, einen Gastbeitrag zu schreiben.

Und das habe ich nun getan und man kann es auch schon lesen. Bei Les Flâneurs schrieb ich nämlich darüber, wie das mit den Kölner und ihrer nicht immer ganz nachvollziehbaren Liebe zum Kölner Dom ist. Das geht nämlich ganz tief und ist sogar halbwegs brauchbar zu erklären. Hoffe ich jedenfalls.

Prima Vista Lesung im Gloria-Theater in Köln

Gloria

Von der Tirili-Lesung in Hamburg ging es mit nur einer winzigen Unterbrechung zur nächsten Lesung im etwas näher gelegenen Köln. Da ich bisher immer mit einer beeindruckenden Verlässlichkeit daran gescheitert bin, rechtzeitig Karten für die berühmt-berüchtigten Record Release Partys der Drei ???-Hörspiele zu bekommen, habe ich einfach das nächstbeste gemacht und Karten für die fast genauso berühmt-berüchtigte Prima Vista Lesung gekauft.

Currywurst

Also gab es am Samstag einen schönen Köln-Ausflug, der nach ein bisschen Rumlaufen und einer schnellen Currywurst auf der Ehrenstraße im ausverkauften Gloria-Theater (auch berühmt-berüchtigt) endet. Wir schaffen es, noch zwei Plätze relativ weit vorne zu ergattern und haben so netterweise einen ganz guten Blick auf die Bühne. Ein Tisch mit lustigen Glitzerpapphütchen, Weinflaschen, Wasser und anderem Kram. Davor auf dem Boden sammen sich so langsam Bücher und ausgedruckte Zettel, immer mehr Zuschauer kommen nach vorne und legen irgendwas hin oder gucken, was andere so hingelegt hat.

Texte

Währenddessen läuft ein Theaterköbes mit einem Kölschkranz herum, dem ich in einem glücklichen Moment die letzten beiden Kölsch abnehmen kann, denn mit Kölsch wartet es sich bekanntlich besser.

Kurz nach 19 Uhr geht es dann aber auch los. David Nathan (die deutsche Stimme von Johnny Depp und Christian Bale) und Simon Jäger (die deutsche Stimme von Matt Damon und Heath Ledger) betreten unter Applaus die Bühne, beide stecken in schwarzen Adidasanzügen und tragen schwarze Hüte, haben sich also ebenfalls für diesen Abend schick gemacht. Beim Anblick der Textmassen auf dem Fußboden wird erstmal über die vermutliche Dauer der Lesung spekuliert: „Müsst ihr noch weg oder habt ihr Zeit? Vor sechs Uhr kommen wir hier nicht raus.“ Das Publikum ist entzückt.

Und so machen es sich David und Simon erst mal auf dem Boden bequem, holen sich Weingläser und Wein dazu, greifen zum ersten Buch und fangen an zu lesen. Drei irrwitzig anarchische und grandios komische Stunden stehen uns bevor und wie könnte man besser starten als mit Monty Python. Schnell wird klar, was für ein eingespieltes Team da auf der Bühne sitzt. Die machen das nicht zum ersten Mal, also sowohl Vorlesen als auch Vorlesen unter diesen speziellen Bedingungen.

Boden

Es folgen Texte von Loriot, irgendwas Ausgedrucktes aus dem Internet (zum Beispiel „Radkäppchen und der böse Golf“, dessen Wortspiele zumindest David Nathan immer wieder physische Schmerzen zuzufügen scheinen), Wolf Haas, Daniel Kehlmann, Jürgen Sprenzinger (dem „Sehr geehrter Herr Maggi“-Mann) und Warren Ellis. Von letzterem liegt „Gott schütze Amerika“ auf der Bühne. „So muss ein Buch anfangen“, lobt David Nathan und liest vor: „Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste.“ Der Bücherspender bekommt einen Schnaps und nach ein paar Seiten geht es zum nächsten Buch, dass wir, so Nathan „im Gegensatz zu dem letzten Buch alle nicht kaufen.“ Es ist „Der Kuss des Wikingers“ von Sandra Hill und bei allem Spaß, den die beiden Sprecher auf der Bühne mit der Live-Spontan-Vertonung dieses Wunderwerkes haben, nein, ich glaube, das möchte ich wirklich nicht kaufen.

Horst Evers und Walter Moers werden nach wenigen Absätzen weggelegt. Der Evers, weil David Nathan keine Bücher möchte, in denen das Wort „heile“ vorkommt und Moers einfach so, weil er gerade keine Lust drauf hat. Dafür nehmen sich beide der Herausforderung an, einen Comic von Neil Gaiman (der, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden, fälschlicherweise als Manga bezeichnet wird) szenisch darzustellen, was genauso daneben geht, wie es daneben gehen muss, aber gerade deswegen zu den Highlights des Abends gehört, auch wenn sich kein Zuschauer findet, der die Rolle des umhertollenden Kindes übernehmen will, so dass sich dann doch Simon Jäger aufopfern muss.

Lesend

Bei einer Känguru-Geschichte von Marc-Uwe Kling kommt Berlin-Lokalpatriotismus ins Spiel. „Ich mach Westberlin und du machst Ostberlin.“ Als ob in Köln da jemand den Unterschied hören könnte. (Aber wer weiß, vielleicht sind ja auch Berliner im Publikum, möglich ist alles.)

Ein weiteres Highlight des Abends kommt mit dem Buch „Regelschmerz Ade: Die freie Menstruation“, das dann nicht nur zu Entspannungsmusik, sondern auch noch parallel mit Freud gelesen wird, und irgendwann lache ich nur noch Tränen und möchte eigentlich, dass das so schnell nicht aufhört. Zum Schluss gibt es noch mal die zwei Herren im Bad von Loriot und dann ist nach knapp drei Stunden Schluss.

Bühne

Es war irgendwie alles toll an diesem Abend. Die Sprecher, der Musikmensch, die Texte und Bücher, das begeisterte Publikum, das Theater, das Kölsch und überhaupt alles. Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, dass diese Lesungen regelmäßig ausverkauft sind, man möchte eigentlich sofort die Karten für die nächste Lesung kaufen und Freunde mitnehmen. Auch der Mann, der etwas irritiert war, als ich ihm mitteilte, wir würden zu einer Lesung gehen, wo zwei Sprecher mitgebrachte Texte vorlesen würden, war begeistert. Besser geht es eigentlich nicht.

Ich kann die Prima Vista Lesungen wirklich uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen. Selten gingen drei Stunden so schnell rum und erschien mir eine Pause so endlos lang. Neben David Nathan und Simon Jäger ist mit Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt noch ein zweites Team im Rahmen dieses Lesungskonzepts unterwegs. Termine kann man in der Lauscherlounge erfahren.

Webseite der Prima Vista Lesungen

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Six Degrees II

Mama und ich rechnen am Telefon aus, ob Kardinal Woelki, der ja auch in der Bruder-Klaus-Siedlung aufgewachsen ist, wohl auf die gleiche Grundschule wie wir gegangen sein müsste. Geburtsjahr ist 1956, meine Tante (eine von den vielen) ist 1955 geboren und gehörte zu den ersten Jahrgängen, wir vermuten also, ja, wahrscheinlich schon. Das bedeutet, ich bin auf die gleiche Grundschule gegangen, wie ein Kardinal, der jetzt den Papst gewählt hat. Meine Papstzahl würde schon allein deshalb irgendwas zwischen drei und vier sein, denn die Chance, dass ich irgendwen kenne, der Kardinal Woelki aus seiner Schulzeit kannte, ist, wenn man aus so einer Großkleinstadtsiedlung kommt, erschreckend hoch.

Aber es kommt ja noch besser. Kardinal Woelki war nämlich nicht nur (vermutlich) auf der gleichen Grundschule wie ich und wohnte nicht nur (vermutlich) in einem Haus, an dem ich in meiner Kindheit hunderte Male mit dem Fahrrad vorbeifuhr, er ging auch aufs Hölderlin-Gymnaisum. Da war ich zwar nicht Schüler, aber dafür mein Onkel (einer von den vielen) Lehrer.

Wenn ich also davon ausgehe, dass die Kardinäle den Papst, den sie da wählen, irgendwie kennen, dann ergibt sich daraus eine Papstzahl von drei, denn ich kenne meinen Onkel, der Lehrer von Kardinal Woelki war, der den Papst gewählt hat. Papstzahl von drei. Sensationell!

Und zu allem Überfluss finde ich dann noch raus, dass mein Onkel bei der Ernennung von Kardinal Woelki in Rom anwesend war und da als ehemaliger Musiklehrer von eben jenem Frischernannten Klavier gespielt hat. Also auch Karnevalslieder, denn das war letztes Jahr an Karnevalssamstag und wenn am Karnevalssamstag lauter Kölner zusammenkommen, dann werden sogar im Vatikan Karnevalslieder gespielt. Da kennen wir nix.

Den Artikel, in dem das steht, und den ich heute ganz zufällig auf absurden Umwegen fand, hat übrigens ein Journalist geschrieben, den ich vor ungefähr hundert Jahren mal kannte. Die Welt, liebe Leute, sie ist verdammt klein.

Exotische Bräuche im Rheinland: Karneval

Kommen wir nun zu dem möglicherweise am häufigsten von Unwissenden verschrieenen Brauches im schönen Rheinland: Karneval.

Ja, es ist irgendwie schlimm. Aber auch: Ja, es ist irgendwie toll.

Eines gleich vorweg: Ich kenne Karneval nur aus der U18–Perspektive. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einer Karnevalskneipe gewesen zu sein, ich habe an Karneval nie exzessiv Alkohol getrunken und dann fremde Leute geknutscht, ich war kein einziges Mal an Weiberfastnacht mit Milliarden anderer Leute in der Kölner Altstadt. Ich war noch nicht mal auf dem Rosenmontagszug.

Aber als Kind, jahaha! Da wurde Karneval gefeiert. Karneval bedeutete nämlich genau zwei Sachen: Erstens durfte man sich verkleiden und zweitens gab es Süßigkeiten in Massen und für umme! Man musste sich sich nur ein bisschen die Lunge aus dem Hals brüllen und stundenlang im Kalten stehen, aber was macht man nicht alles so als Kind für Gratissüßkram.

Karneval in Köln ist eigentlich einfach erklärt. Man verkleidet sich und dann geht man auf einen Karnevalszug, steht am Straßenrand, ruft “Kamelle” und “Strüssje”, sammelt den Kram auf (oder fängt ihn gekonnt aus der Luft, wenn man nicht ich ist) und dann ist der Spaß je nach Zuglänge nach ein bis vier Stunden vorbei.

Was die Züge angeht, hat man da große Auswahl, jedes “Veedel”, also jeder Stadtteil, hat seinen eigenen, das ist Kölner Karnevalsstolz, da machste nix. Sogar in unserer kleinen Bruder-Klaus-Siedlung hatten wir unseren eigenen Zug. Der war aber wirklich sehr, sehr klein, aber auch faszinierend, wenn in der Garage des Nachbarn am Karnevalswagen gebastelt wurde und die Vorstellung, man könnte selber auf so einem Wagen stehen damit durchaus vorstellbarer wurde.

Auf der anderen Seite hatte ich schnell geblickt: Auf einem Wagen stehen ist zwar obercool, aber dann muss man die Süßigkeiten ja den anderen zuwerfen und hat selber gar nichts davon. Ist ja doof. Dann lieber Fußvolk sein und am Ende des Tages tütenweise Süßigkeiten auf dem Boden ausschütten, sortieren und begutachten.

Weil meine Eltern wohl vernünftig genug waren, die Menschenmassen beim Rosenmontagszug zu meiden, kenne ich dieses Phänomen auch nur aus dem Fernseher. A-ha-ber: Wir hatten dafür den Veedelszoch in Köln-Ehrenfeld. Und der war auch lang. Sehr lang. Sehr, sehr lang. Und dementsprechend ergiebig. Stundenlang konnte man da an der Venloer Straße stehen, “Kamelle!”, “Strüssje!” und “Kölle Alaaf!” brüllen und tütenweise Kram fangen und aufheben und dann am Abend mit glänzenden Augen vor Bergen Süßkram sitzen, von denen man mindestens die Hälfte unter normalen Umständen nie selbst gekauft hätte, aber im Karneval gelten andere Regeln.

Mal abgesehen davon, dass es da ja auch durchaus Objekte der Begierde gab, die in der Erfolgsstatistik mit deutlich mehr Punkten verbucht werden konnten als der übliche Bonbonkram. Schokoladentafeln zum Bespiel, oder, fast schon Königsdisziplin, Pralinenschachteln. Aber eben auch die “Strüssje”, also kleine Blumensträußchen, die zwar eher so ein bisschen Erwachsenenkram waren, dadurch aber eben noch attraktiver wurden, weil schwerer zu ergattern.

Was es auch standardmäßig gab: Schwämme. Das kann mir vielleicht auch noch mal irgendwer erklären, was das mit den Schwämmen sollte. Schwämme gab es nämlich immer, große quaderförmige Schwämme. Man weiß es nicht.

Außerdem Karnevalskapellen. Karnevalskapellen liefen zwischen den großen Wagen und hatten den nicht unwichtigen Nachteil, dass Menschen, die Querflöte oder Trommel spielen üblicherweise nicht gleichzeitig Kamelle werfen können. Gefühlt kommt so ein Karnevalszug übrigens immer genau dann zu einem temporären Stillstand, wenn gerade eine Karnevalskapelle vor einem steht. Wahrscheinlich stimmt das nicht, aber ich behaupte trotzdem, dass das so war. Ist ja auch egal.

Kostüme übrigens waren sehr oft selbstgemacht. An das Engelkostüm erinnere ich mich gar nicht mehr, aber die Meerjungfrau hat meine Mama in liebevoller Detailarbeit angefertigt, genauso wie den Schmetterling. Als Schmetterling ging ich übrigens mit meiner Cousine im Partnerlook, was man auf dem Beweisbild schlecht sehen kann, weil sie offensichtlich zum Tragen einer Jacke genötigt wurde. Total doof, da kann man ja gar nicht demonstrieren, dass man Flügel hat.

Das Clownkostüm scheint mir irgendwo käuflich erworben, im Nachhinein fand ich das auch eher doof. Ich bin kein Clownkostümtyp, aber man probiert ja alles mal aus. Als Prinzessin hatte ich total hübsche Löckchen, für die meine Mama die Haare am Vorabend zu ganz vielen kleinen Zöpfchen flocht. Sieht man auf dem Beweisbild leider auch nicht.

Wovon ich gerade keine Beweisbilder habe: Ich als Zauberin mit einer umfunktionierten Schultüte als Hut, ich mit meiner Cousine für den alternativen Geisterzug kostümiert mit einer sehr, sehr gruseligen Marionette um den Hals und ich als “N”.

Das mit dem “N” war aber schon zu Teenagerzeiten, da wurde man ein bisschen subtiler bei der Kostümgestaltung. Das “N” war eine Hommage an das berühmte Preisrätsel bei Schmidteinander und bestand aus zwei großen aus Pappe ausgeschnittenen “N”s, die ich mir an zwei Schnüren verbunden über die Schultern hängte. Total einfach. Natascha erklärte sich bereit, als “D” zu gehen, und so liefen wir an Weiberfastnacht als “Ende” (Kapiert? N-D. En-De. Ende! Ach, egal.) durch die Schule. Hat, wenn ich mich richtig erinnere, exakt einer verstanden. Aber gut, war eben auch total subtil.

Wie immer könnte man noch stundenlang weitererzählen, über die zu Karnevalszeiten erstaunlich beweglichen Omas, die einem beim Kamellefangen immer dazwischensprangen, über die fiesen Cowboypistolen, vor denen ich immer ein bisschen Angst hatte, über die Karnevalslieder, von denen ich dann doch erstaunlich viele problemlos mitsingen kann, über die Karnevalssitzungen in der Schule, über den Geisterzug, bei dem man nachts durch Köln zieht und bei dem es keine Süßigkeiten, aber dafür Sambatrommelgruppen gibt, und und und…

Karneval ist gar nicht so schlimm, jedenfalls nicht, so wie ich den kenne. Aber ich kenne ja auch keinen Kneipenkarneval mit Betrinken und Fremdeleuteknutschen. Ich kenn nur den mit Verkleiden und Süßigkeiten. Und der war immer sehr toll und aufregend.

Letztlich ist es so wie mit allen Traditionen, man kann das gar nicht erklären. Wer die “aufgesetzte” Lustigkeit anprangert, dem ist vielleicht nicht klar, dass sich die Karnevalsjecken ja tatsächlich irre auf diese paar Tage freuen und zwar schon seit Monaten. Die sind nicht aufgesetzt lustig, die finden das wirklich gut.

Man muss das nicht verstehen. Man muss es auch nicht gut finden. Aber es gehört eben irgendwie dazu. Und auch, wenn ich selber nicht da stehen möchte, weil mir das zu viele Menschen sind und es kalt ist und überhaupt, aber wenn ich jetzt so auf dem Sofa sitze, mir ein bisschen die Bronchien aus dem Körper huste und gleichzeitig WDR gucke, mit den Karnevalsfeiern aus Köln und Düsseldorf und Bonn, dann geht mein Kölsches Herzchen auf und ich freu mich mit. Weil’s eben doch dazugehört, zum Rheinland und eben auch ein bisschen zu mir. Da kann man nix machen.

Und bevor wir jetzt zur ultimativen Fotoshow kommen, noch mal zum Mitschreiben: Es heißt “Karneval” (was auch darf: „Fastelovend“) und es heißt “Alaaf!”. Alles andere ist Unfug.

Bei Extramittel gibt’s auch ein schönes Plädoyer für mehr Karnevalstoleranz.

Engel

1984 als Engel.

Meerjungfrau

1985 als Meerjungfrau (KEIN TÜMPEL!).

Prinzessin

1986 als Prinzessin. Die Krone ist von Woolworth.

Schmetterling

Vermutlich 1987 im Partnerlook als Schmetterling. MIT FLÜGELN!

Clown

Irgendwann als unscharfer und tendenziell unglücklicher Clown. Das war nix.

Isa liest aus „Sachen machen“

Isa liest

Freitagnachmittag, 17:30 Uhr. Sandra holt mich mit dem großen Auto ab, wir fahren nach Köln, genauer gesagt nach Köln-Nippes, denn da liest Isabel Bogdan heute aus ihrem Buch “Sachen machen”. Es hat ja lang genug gedauert, bis es mit einem Lesungstermin irgendwo hier in der Nähe mal geklappt hat, umso mehr freuen wir uns.

Kurz vor 19 Uhr parken wir neben dem neuen Eislaufstadion (Eislaufen auf zwei Ebenen, total faszinierend) und laufen die letzten Meter zur Neusser Straße. Da ist der Buchladen “einzigundartig” und da findet das heute statt. Erstmal Plätze auf einer der Bierbänke sichern, dann kurz den Buchladen erkunden, nicht groß, aber sehr schön und gut sortiert, Sandra meint, sie hätte da locker ihre gesamte Wunschliste abdecken können, und das ist nicht selbstverständlich.

Buchladen

Ich suche tatsächlich ein Buch, allerdings ein Kochbuch, und das ist im Laden nebenan und der hat schon eigentlich schon zu, aber weil die im Buchladen total nett sind, kommt einfach jemand mit, schließt auf, macht noch mal das Licht an, sucht mit mir das Buch und fährt dann extra noch mal den Rechner hoch, um im System zu gucken, ob das Buch noch da ist. Service pur! Tatsächlich finde ich es dann selber und damit laufen wir dann zurück in den anderen Laden, wo ja noch alles an ist, und da bezahle ich dann. Rein theoretisch habe ich also gestern für ungefähr eine Minute ein Buch geklaut, jedenfalls geht sogar das lustige Diebstahlssicherungsding an, als ich durchgehe, aber der Buchladenmitarbeiter ist ja dabei, ich hab’s also vermutlich noch nicht mal theoretisch für eine Minute geklaut.

Dann geht aber auch bald die Lesung los. Vorher versuche ich noch irgendwie, die Kamera dazu zu kriegen, Bilder zu machen, die nicht zu hell, zu dunkel und/oder zu verschwommen sind, krieg’s aber irgendwie nicht hin und gehe vermutlich allen um mich rum mit dem doofen Kameraklicken gehörig auf den Keks. Aber das muss jetzt so.

Und dann geht’s wirklich los. Wir erfahren die Vorgeschichte zu der Lesung, und dann fängt Isabel an zu lesen. Ich kenne das Buch ja schon, ich hab sogar schon eine Ausgabe mit Widmung, aber es ist dann eben doch etwas anderes, wenn die Autorin selber liest. Es ist nicht nur anders, es ist auch toller!

Isa liest

Das mit der chinesischen Massage liest sie vor, inklusive einer sehr überzeugenden Darstellung der chinesischen Masseurin (“TU WEH?”). Wir müssen alle lachen, weil es eben wirklich lustig ist. “Ihr seid ein Superpublikum”, sagt Isabel am Ende der Geschichte. “Aber ich muss immer aufpassen, dass ich nicht mitlache.”

Luxusprobleme eben, wenn das Publikum so aufmerksam zuhört und so gerne mitlacht wie heute. Und zwar, um das mal zu sagen, mit Recht. Als nächstes kommt das mir dem Spinning, die Geschichte, in der Isabel so wütend wird, weil Spinning so doof ist und das liest sie auch genauso vor, liest sich quasi in Rage, aber weil man ja nicht selber auf dem doofen Rad sitzt und zugeplärrt wird, macht es uns gar nicht wütend, sondern eher glücklich.

“Oh Gott, sind hier Spinning-Fans?” fragt Isabel, als in der ersten Reihe ein bisschen geflüstert wird. Heftiges Kopfschütteln, es ist wohl eher das Gegenteil der Fall.

Dann das mit der Lebensfreude-Messe, auch ganz großartig. Danach das mit dem Fliegen, auch toll. Und dann Wacken! WACKEN! Eine meiner Lieblingsgeschichten und so toll vorgelesen, dass man eben auch eigentlich direkt nach Wacken will, weil da alles so schön und nett und rührend ist.

Langsam wird das Sitzen anstrengend, die Bierbänke sind nämlich sehr viel, aber sicher nicht bequem und es sind sehr viele Leute gekommen, so dass wir alle dicht gedrängt sitzen und hinten noch ganz viele Reihen mit Klappstühlen aufgebaut worden sind. Die waren noch nicht da, als wir kamen, sind bestimmt bequemer, aber eben auch weiter hinten.

Als kleine Zugabe gibt es noch das mit dem begehbaren Darm, eine kurze Geschichte, und dann hat Isabel schon eine Stunde gelesen. Fragen gibt es nur eine, aber eine gute, nämlich, was sie seit dem Buch für Sachen gemacht hat. Die traurige Antwort ist: eigentlich so wirklich keine, weil eben auf einmal die Deadline fehlt, die einen dann doch zwingt, irgendwas tolles zu machen. Schade irgendwie, kann ich mir aber gut vorstellen. Ich kann ja auch vieles besser mit Deadline.

Eine Tupperparty möchte sie eigentlich noch machen, oder Baggerfahren. Würde ich beides sofort mitmachen. Dann gibt es keine Fragen mehr, mir fällt jetzt auch keine ein, erstens lese ich ja Isabels Blog und könnte sie im Zweifelsfall alles auch so fragen, aber vor allem brauche ich bei solchen Gelegenheiten immer so ein bisschen Vorlaufzeit, so zwei bis fünf Fragesteller, die mich irgendwie inspirieren und dann fällt mir meistens doch was ein. Es gibt aber nur einen Fragesteller und dann ist es leider vorbei, bevor ich ausreichend Inspiration zu einer eigenen Frage hatte.

Der einzige, der sich freut, dass es schon vorbei ist, ist mein Hintern. Ansonsten hätte ich auch noch länger gekonnt. Im Nachlesungstrubel kann ich endlich mal Johannes von 1ppm und der Frau Serotonic die Hand schütteln und ein bisschen quatschen, die sind nämlich auch da, ein Minibloggertreffen sozusagen. Wir schlendern noch rüber zum Rosenstock, da ist es aber so voll, dass Sandra und ich dann doch beschließen zu gehen, schon allein, weil der Parkplatz irgendwann zumacht und wir sowieso nicht so lange hätten bleiben können. Zurück zum Parkplatz, zurück nach Essen.

Schön war’s. Also wirklich. Ich mochte die Geschichten ja schon beim Lesen, aber vorgelesen ist eben noch viel besser und dann noch von Isabel selbst, die sie ja nicht nur geschrieben, sondern auch alle erlebt hat. Das merkt man nämlich, und es macht Spaß, Isabel zuzuhören, wenn sie beim Vorlesen alles noch mal erlebt.

Ich kann das nur empfehlen. Wenn Isabel also irgendwo in der Nähe liest, hingehen. Oder noch besser, wenn man Lesungen veranstaltet, Isabel einladen. Und ich freu mich in der Zwischenzeit auf die nächste Bloggerlesung, wenn alles klappt dann im Frühling in Hamburg. (Juchu!)

(Die Bilder sind übrigens alle eher schlecht geworden, weil ich die Einstellungen vermasselt habe und dann mit ISO Dreimillionen oder so fotografiert habe und das sieht man leider. Das steht wohl für dieses Jahr auch noch an, mehr über die Kameraeinstellungen lernen. Sachen machen eben.)

“Sachen machen” gibt es bei Amazon oder (nur als Beispiel) bei der Buchhandlung stories in Hamburg oder (allerbeste Alternative) bei Isabel selber mit Widmung.