Kategorie: Konsum

Einkaufen III

Wo hier gerade die großen Konsumwochen im Blog sind, hätte ich da noch eine Geschichte. So haben wir ja beim letzten Umzug vor viereinhalb Jahren unsere Waschmaschine geringstbietend verkauft. Wo genau die Waschmaschine herkam, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, irgendwie wurde sie zum Einzug in Leverkusen von meinen Eltern gestiftet und begleitete uns bis nach Düsseldorf. In Essen hatten wir dann keinen Platz für eine Waschmaschine in der Wohnung und das Konstrukt im Keller war zwar clever ausgedacht, führte aber dazu, dass wir da auch keine Waschmaschine hinstellen konnten.

Im Keller sind nämlich mehrere Wasseranschlüsse, aber nur ein Stromanschluss, der mit einem Münzgerät verbunden ist. Für 50 Cent kann man da 45 Minuten Strom zum Waschen kaufen. Aus historischen Gründen stand dort die Waschmaschine von Herrn H., seines Zeichens Student und Mieter im zweiten Stock. Ein neuer Plan hätte so ausgesehen, dass sich alle interessierten Eigentümer zusammen eine Waschmaschine kaufen und Herrn H. sein Waschmaschinengewohnheitsrecht entziehen. Dazu kam es aber aus Prokrastinationstechnischen Gründen und allgemeinem mangelnden Interesse der betroffenen Parteien nie.

Fast vier Jahre lief ich deswegen mindestens alle zwei Wochen zum 500 Meter entfernten Waschsalon und erlebte dort erstmals den Charme eines mittelgroßen Waschsalons. Tatsächlich finde ich die Alternative Waschsalon gar nicht so schlecht, sie geht nur ins Geld und kostet Zeit und Aufmerksamkeit, weil man ja, selbst wenn man wie ich, zwischendurch nach Hause laufen konnte, immer aufpassen muss, rechtzeitig wieder da zu sein, um die Wäsche rauszuholen, damit es kein anderer für einen macht. Andererseits hat es etwas sehr verbindendes, man sieht sehr viele Menschen aus dem Stadtteil. Der Waschsalon als moderner Brunnen, wo man sich trifft, um zu waschen und zu tratschen. Das könnte man auch mal erforschen.

Bei der letzten Eigentümerversammlung sprach ich aus anderen Gründen die Waschmaschinensituation an und erfuhr, dass Herr H. die Benutzung seiner Waschmaschine freigegeben hatte, zumindest solange die Waschmaschine noch funktionierte und er dort wohnte. Seit knapp einem Jahr wasche ich nun also im Keller mit der Waschmaschine von Herrn H. und sammle 50-Cent-Stücke, um Strom zu kaufen. Nun zieht Herr H. aus. Und da wir ja mittlerweile auch in einer größeren Wohnung wohnen und dort Platz für eine Waschmaschine haben, war das nun der letzte Grund, den wir brauchten, um eine Waschmaschine zu kaufen.

Genau genommen waren wir schon anderthalb mal eine Waschmaschine kaufen, leider erfolglos. Beim ersten Mal fiel uns auf, dass man ja schon mal genau die Lücke ausmessen müsste, in die die Waschmaschine später sollte, vor allem in der Höhe. Das hatten wir aber nicht und zogen erfolglos ab. Beim zweiten Mal saßen wir schon im Auto mit dem festen Willen, jetzt noch schnell eine Waschmaschine kaufen, bis uns auffiel, dass wir immer noch nichts ausgemessen hatten. Dementsprechend brachen wir das Vorhaben ab, bevor wir einen Schritt in den Elektrohandel gesetzt hatten.

Vorletzten Samstag aber waren wir vorbereitet. Die Lücke war ausgemessen, ich hatte mich schon vor Monaten auf Twitter informiert und daraus zwei wesentliche Informationen gezogen: KAUFT EINE MIELE! und NEHMT EINE MIT TIMER! Es gab auch Miele-Gegenstimmen, es gab aber auch andere Gründe, die mich von einer Miele überzeugten, unter anderem meine Aversion gegen Auswahl. Ich möchte bei solchen Dingen so wenig Auswahl wie möglich haben, das verwirrt mich nur. Wenn man sich schon mal auf eine Marke festlegt, wird die Auswahl gleich sehr viel geringer und mein Gehirn muss dann doch nicht explodieren. Das ist positiv.

Das Verkaufsgespräch ist hier so minder interessant. Am Ende kauften wir die teuerste. Das kommt davon, wenn man seinen Mann mitnimmt. Oder zumindest, wenn man meinen Mann mitnimmt. Er entwickelte ein ungeahntes Interesse für den ganzen Funktionsscheiß und war dann überraschend von einem Feature überzeugt, das mir eher so mittelwichtig bis verzichtbar vorkam, während ich von einem anderern Feature überzeugt war und die einzige Maschine, die beides hatte, war dann selbstverständlich die teuerste. Außerdem lebe ich ja mit einem audiophilen Menschen zusammen, der nicht nur den Energieverbrauch sorgfältig prüft, sondern eben auch die Lautstärke. Sagen wir mal so: Dass der Verkäufer im Sonderprogramm noch die Option „Extra leise“ zeigte, hat nicht geholfen.

Ich bin ja sehr gegen Genderklischees. Der Satz „Männer/Frauen sind halt so!“ zaubert mir jedes Mal eine Schaudergänsehaut. Ich möchte das nicht hören. Ich habe aber nun beobachtet, dass man, wenn man mit meinem Mann irgendwelche Geräte kaufen geht, immer automatisch bei dem teuersten landet, das dafür aber immerhin ALLES KANN!

Auf der anderen Seite musste ich in Düsseldorf immer den Müll runterbringen, weil mein Mann den Keller fies fand. Irgendwann musste ich auch mal nachts im strömendem Regen eine über den Tag komplett zerfledderte tote Taube von der Dachterrasse klauben. Man muss sich das so vorstellen: Ich hocke von Flutlicht umleuchtet mit einem Regenschirm auf einer Dachterrasse und sammele kleine Vogelstücke von der Terrasse. Es war ein bisschen wie in einem Fernsehkrimi. Mein Mann putzt zum Ausgleich und hat drei mal so viele Parfums wie ich. Wir bemühen uns also, nicht in irgendeine Genderstereotypfalle zu tappen und es klappt ganz hervorragend. Nur beim Elektrogerätekauf nicht.

Das Positive ist aber natürlich jetzt: Wir kriegen die allerbeste Waschmaschine. Heute nach Hause geliefert und angeschlossen. Ab heute Abend wird gewaschen. DIE GANZE NACHT! Die Nachbarn werden staunen. Wer weiß, eventuell sagen wir den Urlaub ab, weil wir lieber zu Hause sitzen und Dinge waschen. Alles ist möglich!

Einkaufen II

Nach dem „Shoppen“, von dem ich ja bereits berichtete, war ich dann aber tatsächlich auch Einkaufen. Also das mit dem Waschmittel und den Nudeln und den Tomaten. Der Plan für Samstag war Paella zu machen, dazu braucht man zum Beispiel Paprika und laut dem Rezept, das ich hatte auch Orangensaft. Ich habe keine Ahnung, ob wirklich Orangensaft in eine richtige Paella kommt, aber da das Endergebnis sehr befriedigend war, kann ich im Nachhinein zumindest sagen, dass es nicht schadet.

Ich stand also vor dem Direktsaftregal, weil ich ja immer nur mit den allerallerbesten Zutaten koche, das behaupte ich jetzt jedenfalls, die Wahrheit kann hier sowieso kaum jemand überprüfen. Im Direktsaftregal standen auch Smoothies. Gelbe Smoothies, rote Smoothies, pinke Smoothies und natürlich auch: GRÜNE SMOOTHIES!

Ich stehe ja dem ganzen Clean-Eating-Hype eher skeptisch gegenüber. Seit ich in einer Dokumentation gelernt habe, dass glutenfreies Brot oft weniger gesund ist, weil so viele Ersatzstoffe da rein müssen, damit es überhaupt irgendwie brauchbar schmeckt, und das Chia-Samen abführend wirken und man auf gar keinen Fall mehr als eine ziemlich geringe Menge pro Tag davon zu sich nehmen sollte, muss ich eigentlich permanent grinsen. Zumindest finde ich es höchst amüsierend, wie mittlerweile auf Lebensmitteln, in denen wirklich noch nie Laktose drin war, „laktosefrei“ steht, und sich der Hersteller diesen zusätzlichen Aufdruck teuer bezahlen muss.

Noch schöner finde ich da eigentlich nur, dass allgemein vermutet wird, dass die wirklich am allerverbreitetste Intoleranz die Fructoseintoleranz ist.* Wir haben ja Fructoseintoleranz im Haus, das ist mal gar nicht so lustig, weil mein Mann jetzt wissenschaftlich belegt einfordern kann, dass ich für ihn nicht mit Knoblauch kochen darf. In Knoblauch ist nämlich quasi ausschließlich Fructose. Außerdem in Äpfeln und Aprikosen und Birnen, in Zwiebeln und generell in ziemlich viel Obst und Gemüse. Außerdem in vielen Mehlsorten. Fructoseintolerante Menschen können Körnerbrot nicht so gut, Weizen hingegen ist top.

Jedenfalls scheint die Fructoseintoleranz deutlich verbreiteter zu sein als Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit, trotzdem hört man quasi nichts davon, während gefühlt jeder zweite Mensch, dem man begegnet irgendwas von „laktosefrei für mich, danke“ murmelt. Meine Theorie ist ja, dass es einfach eher uncool ist, Fructoseintoleranz zu haben. Fructose nicht zu vertragen geht ganz schlecht mit allen Grundsätzen dieser seltsamen clean and healthy living Bewegung zusammen. Das meiste darf man dann nämlich gar nicht oder nur in Maßen essen. Wie soll man sich bitte das Powerfrühstück basteln, wenn man keine Äpfel, keine Rosinen, keine Datteln und auch kein Körnermüsli verwenden darf? Da bleibt ja nur der Magerquark übrig und das sieht auf Instagram scheiße aus.

Darüber denke ich jedenfalls regelmäßig nach, aber wir waren ja mit mir beim Direktsaftregal stehengeblieben. Da stand ich also und fixierte die grünen Smoothies. Nun mag ich ja schon mal generell viel Gemüse nicht. Praktischerweise mag ich vor allem das Gemüse nicht, das üblicherweise in diese grünen Smoothies kommt. Spinat und Grünkohl (KALE!) und Mangold und was weiß ich. Aber dauernd höre ich jetzt von grünen Smoothies und letztlich bin ich ja doch sehr neugierig. Vielleicht schmeckt es ja gar nicht so eklig, wie es aussieht und klingt. Vielleicht schmeckt es großartig! Wie werde ich das aber je rausfinden, wenn ich es nicht probiere? Mal abgesehen davon, dass eigentlich nichts schlimmer sein kann als die Andouillette damals in Lüttich. Oder Bionade-Cola. Wer zwei Schlücke Bionade-Cola geschafft hat, wird wohl auch einen Schluck grünen Smoothie schaffen.

Ich stellte also den weniger eklig klingenden grünen Smoothie in den Einkaufswagen, mäanderte dann noch recht lange im Laden rum und bezahlte schließlich. Zu Hause wartete ein möglicherweise lebensveränderndes Smoothie-Erlebnis auf mich.

Zu Hause stellte sich heraus, dass ich den Smoothie im Supermarkt vergessen hatte. Jedenfalls war er weder im Körbchen noch in der Getränketasche. Ich vermute, mein Unterbewusstsein hat beschlossen, dass ich noch nicht so weit bin. Das ist auch okay, das Unterbewusstsein wird schon wissen, was es tut. Ich warte also ab und versuche es demnächst irgendwann noch mal.

 

*Ich habe aktuell keine verlinkbaren Quellen für diese Behauptung parat, aber ich habe in der letzten Zeit mindestens drei verschiedene Lebensmittelunverträglichkeitsdokumentationen gesehen und in ALLEN wurde gesagt, dass es noch keine belastbaren Zahlen gibt, aber dass alles darauf hindeutet, dass Fructoseintoleranz die häufigste Unverträglichkeit ist.

 

UPDATE

Weil es Nachfragen gab. Die Dokus waren „Der Feind in meinem Bauch“ auf 3sat (hier zu finden) und eine Folge über Unverträglichkeiten bei „Quarks & Co“ (hier zu finden).

Einkaufen

Gestern war ich Einkaufen. Eigentlich nennt man das glaube ich „Shoppen“, es handelte sich nämlich um die Art einkaufen, wo es nicht um Waschmittel oder Tomaten und Nudeln geht, sondern um die Art, wo man durch die Innenstadt läuft und mehr oder weniger wahllos Geschäfte ansteuert in der Hoffnung, durch Konsum glücklich zu werden. Was nicht heißen soll, dass der Konsum von Tomaten und Nudeln nicht glücklich machen kann.

Jedenfalls war ich Shoppen. Erst im Bücherladen, der in letzter Zeit dauernd umräumt ohne vorher mit mir Rücksprache zu halten und außerdem zumindest gefühlt die Kochbuchabteilung seltsam reduziert, so dass ich kaum noch was interessantes da finde und außerdem dauernd über Bücher von Attila Hildman stolpere und dann kurz Aggressionen kriege. Das war also kein großer Erfolg.

Danach war ich, und jetzt geht die eigentlich Shoppinggeschichte los, in einem Laden für Sportbekleidung und Zubehör. Einem Laden also, in dem ich eigentlich nichts verloren habe und von dem man auch denken könnte, es würde mich dort furchtbar langweilen. Allerdings mache ich ja in letzter Zeit wieder Sport und laufe gelegentlich durch die Gegend und weil ich anders als im letzten Jahr noch keinen Aua-Fuß dank Bänderdehnung habe, dachte ich, ich mache mal etwas Sinnvolles und kaufe mir einen Sport-BH. Frauen mit einer gewissen Körbchengröße, zu denen ich halt gehöre, brauchen sowas nämlich tatsächlich. Erstens zwickt so ein normaler BH beim Laufen gelegentlich ungünstig und außerdem schwitzt man ja beim Sport. Ich kaufte also da den ersten Sport-BH meines Lebens, direkt einen für EXTREME ACTIVITY, allerdings nur, weil ich mich an den Piktogrammen auf der Schachtel orientierte und bei HIGH ACTIVITY war nur eine Tennisspielerin und eine Gewichtheberin und noch irgendwas drauf, das ich vergessen habe und das wollte ich ja alles nicht machen. Bei EXTREME ACTIVITY war allerdings ein Piktogramm einer Läuferin drauf und das schien mir dann das richtige zu sein.

Ich probierte mehrere Varianten und Größen aus und lief dann doch noch mal durch den Laden, weil, und jetzt kommt das Erstaunliche: Weil das alles so interessant war. Für jede Sportart andere Bekleidung in unterschiedlichsten Farben und Formen. In der Surfabteilung zwar leider keine Surfbretter aber immerhin lustige Skate- und Longboards. Auf eines stellte ich mich testweise mal drauf, drohte aber schon nach zwanzig Zentimetern auf besonders peinliche Art runterzufallen und ließ es dann lieber. Kurz juckte es mich in den Fingern, vielleicht doch etwas Yoga-Equipment zu kaufen. Allerdings mache ich ja gar kein Yoga und selbst, wenn ich es vorhätte, sind wir immerhin im Besitz einer Unterlage, die man sicherlich für den Anfang auch als Yogamatte missbrauchen könnte und lustige Leggings und Hemdchen besitze ich auch. Es blieb also bei dem Sport-BH.

In der untersten Etage bewunderte ich noch ein bisschen die Kletterseile und das Wanderzubehör, befingerte kurz ein paar Rucksäcke und Taschen und verließ dann das Geschäft. Das ist alles ganz furchtbar faszinierend, was man für unterschiedliche Sportarten alles kaufen kann. Sicherlich ist das meiste davon sehr praktisch, sofern man eben vorhat, die dazugehörige Sportart zu machen. In Köln gibt es zum Beispiel einen sehr großen Sport- und Outdoorladen. Dort kann man sogar Tauchzeug und Boote ausprobieren, weil es im untersten Geschoss einen Pool gibt. Außerdem gibt es dort kleine Parcours, um zu testen, wie sich ein Wanderschuh auf verschiedenen Untergründen anfühlt und noch ganz viel anderes total faszinierendes Zeug. Tatsächlich könnte ich sehr lange in diesem Geschäft verbringen und der Fantasie freien Lauf lassen. Was, wenn ich tatsächlich Wandern gehen würde? Oder Campen? Was davon würde ich alles dringend benötigen? Und warum? Auf welche Neuentwicklung hätte ich immer schon gewartet, weil sie mein Wanderer- oder Camper- oder Taucher- oder Yogaleben um mindestens 200% verbesserte? Ich brauche natürlich nichts davon, ich will auch nichts davon, ich will ja gar nicht Wandern oder Tauchen und erst recht nicht Campen, geh mir weg mit Campen, aber ich stehe trotzdem mit großen Augen vor den Auslagen und bewundere das Zubehör. Alles so unglaublich praktisch und funktionell. So sinnvoll! Es ist großartig.

Nach soviel Sinnvolligkeit musste ich danach schnell in so ein Home-Dekor-Geschäft, wo es ausschließlich Sachen gibt, die man nicht braucht. Manche davon sind auch sinnvoll, man kann da Gläser und Teller kaufen und die braucht man ja tatsächlich gelegentlich mal. Meistens kauft man dort aber Dinge, die zu 99% hübsch sind und zu 1% irgendwie sinnvoll. Ich erstand ein Frühstücksbrettchen aus der schon ausgelaufenen Muppets-Kollektion mit dem Swedish Chef.

Um das Universum dann endgültig in Balance zu bringen guckte ich dann noch mal bei Zara vorbei, um rauszufinden, ob es da mittlerweile wieder Kleidung gibt, die man als normaler Mensch sowohl versteht als auch anziehen kann. Ich fand ein hübsches Kleid mit einem Siebziger-Jahre-Tapetenmuster-Stoff, ein etwas weniger hübsches, aber ganz niedliches Kleid, das im Schlussverkauf aber auch nur 9 Euro kosten sollte und eine Bluse mit lustigen Meerjungfraruen drauf. Das niedliche Sommerschlussverkaufskleid war leider doch sehr kurz. Ich tendiere ja zu zu kurzen Kleidern, aus keiner besonderen Absicht, es passiert einfach so. Wenn ich also bei einem Kleid denke: „Huch, ganz hübsch, aber doch sehr kurz!“, dann ist es definitiv zu kurz, da brauche ich weder meine Mama noch meine Oma, um das festzustellen. Das Tapetenmusterkleid war komplett untragbar. Es hatte, was man im Hängezustand nicht so sehen konnte, Trompetenärmel, also Ärmel, die nach vorne hin weiter werden. Wie Schlaghosen quasi, nur eben an den Armen. Das sah schon mal sehr albern aus. Außerdem war es noch kürzer als das andere Kleid, jedenfalls glaube ich das, ich bekam es nämlich noch nicht mal richtig angezogen und gab auf halber Strecke den Versuch auf. Die Bluse hätte sogar fast gepasst, zwickte aber ungünstig an den Schultern und auf einmal fiel mir auf, dass ich gar nicht unbedingt eine Bluse mit Meerjungfrauen brauche.

Wichtig aber vor allem: Nein, bei Zara kann man immer noch keine Kleidung kaufe, die man versteht und die man auch anziehen kann. Mit der Produktion tragbarer Kleidung hat Zara irgendwann zwischen 2002 und 2005 aufgehört. Davor habe ich dort mal zwei sehr schöne Kleider gekauft, danach immerhin noch mal einen Rock und dann war es vorbei. Eigentlich scheint mir das ja auch nicht so schwer zu sein. Üblicherweise ist Kleidung ja genormt. Hosen zum Beispiel haben oben ein großes Loch und unten zwei kleinere. Pullover und andere Oberbekleidung haben oben und unten jeweils etwas größere Löcher und dann an den Seiten noch zwei Schläuche, an deren Ende jeweils ein Loch ist. Röcke sind noch einfacher. Oben und unten ein Loch, fertig! Üblicherweise weiß man, für welchen Körperteil welches Loch gedacht ist, das ist alles gar nicht so schwierig. Bei Zara stand ich allerdings schon in der Umkleide und scheiterte schon in der Theorie, weil mir völlig unklar war, welches Loch jetzt für welches Körperteil da war. Manchmal hingen auch noch so Bänder an der Kleidung, die auch irgendeinen Zweck erfüllen sollten, der sich mir aber nicht erschloss und fragen war mir dann doch zu peinlich. Wer gibt schon gerne zu, dass er zu dumm zum Anziehen ist.

Vielleicht überprüfe ich in ein paar Jahren noch mal, ob es dort wieder Kleidung gibt, mit der ich umgehen kann. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich mir in der Zeit irgendwas funktionelles in einem Sportgeschäft kaufen werde. Da weiß ich wenigstens, wozu es da ist und wie man es anzieht.

Antizyklisches Einkaufsverhalten

Ich habe letztes Wochenende wieder viel Geld beim Einkaufen gespart. Genauer gesagt: Beim Kauf von Kleidung. Das war aber gar nicht so geplant, weder hatte ich generell vor, zwei Pullover und ein Kleid zu kaufen, noch hatte ich irgendwann gedacht, och, gehste mal Schnäppchen beim Winterschlussverkauf machen.

Eher ist es so, dass ich immer erst das Bedürfnis verspüre, irgendwelche saisonalen Textilerzeugnisse zu erwerben, wenn der Rest der Menschheit anscheinend schon längst damit abgeschlossen hat.

Ich kaufe Pullover dann, wenn es kalt ist. Genauer gesagt kaufe ich Pullover dann, wenn mir schon mindestens drei Mal kalt war. Dann ist aber eben meistens schon Januar und alles kostet nur die Hälfte. Bei Sandalen und Badesachen sieht es ähnlich aus. Hier an Rhein und Ruhr kennen wir ja ohnehin keinen richtigen Sommer. Meistens regnet es und dann ist es kurz mal eine Woche heiß und sonnig. Bis man das begriffen hat und sich entsprechend mit passender Kleidung versorgen konnte, ist es auch schon wieder vorbei.

Sommerklamotten kaufe ich ein bis zwei Wochen, bevor wir nach Südfrankreich in Urlaub fahren, was aus diversen Gründen meistens im September ist. Ich kaufe das also im August, frühestens, wenn der Rest der klamottenkonsumierenden Bevölkerung schon alles besorgt hat und dementsprechend wieder alles nur noch die Hälfte kostet.

Es ist auch ein mentales Problem. Wenn es draußen kalt ist, bin ich unfähig ein Sommerkleid zu kaufen. Alles, was ich nicht theoretisch am nächsten Tag anziehen könnte, scheint mir unsinnig, warum sollte ich das jetzt kaufen, wenn ich erst frühestens in zwei Monaten etwas davon habe.

Diese Unfähigkeit, Kleidung außerhalb der Saison, in der man sie auch sinnvollerweise anziehen könnte, zu kaufen, spart also viel Geld. Antizyklisches Einkaufsverhalten ist also durchaus zu empfehlen, abgesehen davon, dass es mir deutlich natürlicher vorkommt.

Viel Geld spart man übrigens auch, wenn man in Frankreich antizyklisches Essverhalten entwickelt. Das haben wir zwei Urlaube lang praktiziert. Wir hatten immer exakt dann Hunger, wenn alle Restaurants geschlossen hatten*. Man kann dann nur noch in irgendeinem Straßencafé ein Sandwich essen, zum Supermarkt oder halt hungern. Das spart auch Geld, macht allerdings auch nicht besonders glücklich. Im Gegensatz zum antizyklischen Kleidungskauf kann ich das also nicht empfehlen.

*For future France tourists: Restaurants haben üblicherweise zwischen 12 Uhr und 14 oder 15 Uhr geöffnet und dann ab 19 Uhr wieder. Wer in der Zeit dazwischen kommt und hungrig aussieht wird amüsiert angeguckt oder ausgelacht.

Eine Tüte Gemischtes

Ich bin ja jetzt fast eine Woche im neuen Job und abgesehen davon, dass ich auf diesem Blog ja sowieso nur sehr selten und unkonkret über meine Arbeit schreibe, kann ich folgendes berichten:

Im Büro ist das so: Es gibt Büros, von denen man nach draußen guckt und solche, von denen man in den Innenhof guckt, wo auch der Empfang ist und die Kantine und all sowas. Das klingt seltsamer als es ist, eigentlich ist es sehr schön, weil das Gebäude auch hauptsächlich aus Glas besteht (jedenfalls gefühlt) und man auch mit Innenhofausblick Tageslicht hat. Angeblich kommen regelmäßig Architekturstudenten und zeichnen irgendwas, ich programmiere also quasi in modernem Kulturgut.

Für mich ist das super, weil – und jetzt kommt die zweite Sache über die ich schreiben wollte – ich ein Starrer bin. Es gibt nach meiner Erfahrung zwei Typen von Softwareentwicklern: Die Starrer und die Wanderer. Die Starrer brauchen etwas zum Hingucken, wenn sie nachdenken. Das kann die Wand sein oder die Decke oder der Bildschirm, das darf aber auch gerne irgendwas sein, was sich vorm Fenster abspielt. In einem anderen Büro saß ich im Erdgeschoß und draußen war Bahndamm, also Wiese mit Fußweg und vor allem: Häschen! Häschen gucken war super! Jetzt habe ich Leute, die rumlaufen oder sitzen oder irgendwas tun, und das ist auch super. Es darf ja auch nicht zuviel passieren, sonst ist man wieder abgelenkt.

Dann gibt es die Wanderer, das sind die, die zum Nachdenken rumlaufen müssen. Davon kenne ich nicht ganz so viele, vielleicht sind viele Starrer auch verhinderte Wanderer, weil Wandern doch deutlich eher auffällt und doofe Kommentare der Kollegen provoziert als Rumgucken. Eventuell gibt es auch noch Softwareentwickler, die gar nicht nachdenken, das ist dann aber auch keine wirkliche Lösung.

Ein kleines Problem ergibt sich im neuen Büro aber so ab 11 Uhr, wenn nämlich die Kantine so langsam auf Touren kommt und es auf einmal nach Essen riecht. Dann sitze ich da nämlich und habe sehr, sehr lange Hunger, weil es ja schon so lecker riecht, bis die Kollegen zum Mittag vorbeikommen.

Möglicherweise sollte ich jetzt auch von Starrer auf Wanderer umsatteln, weil ich ja jetzt ein Fitbit [Werbelink] habe. Das ist so ein kleines Ding, das man in der Tasche rumträgt und das einem dann sagt, wie viele Schritte oder Etagen oder Kilometer man so am Tag gelaufen ist. Ich hätte mir das auch gar nicht gekauft, wenn andere Leute das nicht schon gehabt hätten und wir uns somit gegenseitig motivieren, sprich frustrieren und anpöbeln können. Gestern war ich zum Beispiel kurz vor 10 km und musste noch ein bisschen zwischen Schlafzimmer und Küche hin und her laufen, bis der Zähler dann endlich umsprang.

Der Mann hat seit heute übrigens auch eins, und ist direkt mal ein paar Runden um den Esszimmertisch gelaufen. Ich laufe also aktuell oft sinnlos durch die Gegend. Auf der anderen Seite ist es natürlich gut möglich, dass genau dieses sinnlose Rumlaufen der Sinn der Sache ist. Perfider Kram.

Fitbits kann man übrigens quasi nicht im Einzelhandel kaufen, ich habe das ausführlich getestet. Nachdem man mich sowohl im Saturn als auch in diversen anderen Sport- oder Technikläden erst mit großen Augen ansah und mich dann zu einem anderen Laden schickte, bei dem ich mit mindestens genauso großen Augen angeguckt wurde, war ich schon kurz davor, im Internet zu bestellen. Tatsächlich kann man aber im Apple Store Fitbits kaufen, das habe ich noch kurz recherchiert. Das ist jetzt konsummoralisch auch nicht besser als Amazon, aber da konnte ich heute wenigstens nach der Arbeit kurz vorbeilaufen.

Und dann lief ich noch vom neuen Kö-Bogen bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof, weil ich ja irgendwie auf meine 10.000 Schritte kommen musste. Das Leben mit Fitbit ist nicht einfach, aber man ist schön viel zu Fuß unterwegs.

Ein Kölnshirt von Shirtbee

Vor nicht allzu langer Zeit bekam ich eine Mail von Shirtbee, die anfragten, ob ich nicht gerne ein Shirt bei ihnen bestellen würde, um den Service zu testen und dann drüber zu schreiben.

Weil ich bei sowas immer sehr lange nachdenke, weil ich nur Sachen mache, die ich wirklich machen will, habe ich es ungefähr drei Tage vor Ablauf der Aktion geschafft, mir doch etwas zusammenzuklicken. Etwas überfordert saß ich am Rechner vor der Produkt- und Motivauswahl und musste erstmal überlegen, was ich überhaupt anziehen würde.

Da ich genug T-Shirts mit U-Ausschnitt habe und ich die meistens zu eng am Hals finde, sollte es diesmal ein Shirt mit V-Ausschnitt sein und nach ein bisschen Sucherei wurde ich dann auch fündig. T-Shirt-Typ gefunden, Farbe ausgesucht (KNALLBLAU!), jetzt nur noch Motiv.

Ha ha, nur noch Motiv. Sehr lustig. Bei Shirtbee gibt es ungefähr unendlich viele Motive, was es für so entscheidungsfreudige Menschen für mich total einfach macht. Vermutlich hat nur das Zufallsshirt mehr Motive als Shirtbee. Ich klickte mich also durch diverse Kategorien und landete schließlich bei den Stadtmotiven. Essen oder Köln sollte es werden, die eine oder die andere Heimat, und für beides gab es durchaus hübsche Sachen. Letztlich landete das kinderzeichnungsstilisierte Kölnpanorama auf dem Shirt, in der „samtigen“ Flockdruckoption, noch mal zurechtgerückt, abgeschickt, fertig.

Ein paar Tage später war das Shirt im Briefkasten und ich bin sehr zufrieden. Schöner, überraschend leichter Stoff, guter Druck, da kann man an keiner Stelle meckern.

Und so sieht eine glückliche Kölnshirtbesitzerin mit Kölnshirt aus:

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Bei Shirtbee gibt’s auch anderes Zeug, vom Mousepad bis zum Thermosbecher. Ich danke Shirtbee für die nette Aktion und das hübsche T-Shirt.

 

Annes kleine Weinstunde

Nachdem unser kleines Weinregal lange Zeit eher spärlich befüllt war, bin ich seit Anfang des Jahres wieder fleißig dabei, die Vorräte aufzustocken. Außerdem haben wir vor ein paar Monaten wieder sechs schöne große Rotweingläser gekauft, unkaputtbar, was der Verkäufer erstmal demonstrierte, indem er ein Glas ohne Vorwarnung gegen das Verkaufsregal schmetterte. Wir zuckten zusammen, das Glas machte nichts.

Ich bin ja eher so ein Rotweinmensch, auch hier ist die Rollenverteilung bei uns total verkehrt, ich mag eher Rotwein, der Mann eher Weißwein. Wobei das auch gelogen ist, wir mögen beide Rotwein und Weißwein, nur Rosé kommt hier nicht ins Haus, das liegt aber wiederum nicht an mir. Rosésekt dagegen wird akzeptiert. Es ist wie immer kompliziert.

Jahrelang habe ich Weißwein abgelehnt, eine Woche in Colmar hatten mir 2008 ein kleines Weißweintrauma beschwert. Da gibt’s nämlich dauernd Weißwein, aber gerne aus Keramikkeraffen und nur so mittelkühl. Ich hatte eine Woche lang Kopfschmerzen und wollte danach von diesem Höllenzeuchs nichts mehr wissen. Irgendwie hab ich mich jetzt aber wieder rangetastet und bei richtiger Temperatur klappt’s jetzt auch wieder mit dem Weißwein.

So viel zur Vorgeschichte. Tatsächlich haben wir keine Ahnung von Wein, außer, dass wir doch mittlerweile genug davon getrunken hätten, um doch so langsam so etwas wie Geschmack zu entwickeln. Das ist immer ein bisschen irritierend für die Weinhändler, die sich Kunden gegenüber sehen, die zwar einigermaßen anspruchsvoll sind, aber auf die Wörter „Tannin“ und „Sulfit“ immer noch mit einem freundlichen „Hä?“ reagieren. Auf der anderen Seite kann man uns so ziemlich alles verkaufen, wenn man es nur ansprechend genug beschreibt, dafür sind wir eben viel zu neugierig.

Und weil ich gemerkt habe, dass ich mir Dinge besser merke, wenn ich sie aufschreibe, und dass ich sie schöner aufschreibe, wenn ich sie für andere Leute aufschreibe, gibt es jetzt Annes kleine Weinstunde mit Weinen (und andere leckeren Getränken), die ich für gut befunden habe und deswegen empfehlen kann. Vielleicht mach ich das nur einmal, vielleicht regelmäßig, mal gucken. Alle Angaben sind übrigens ohne Gewähr.

Parra Jimenez – Sauvignon Blanc, Spanien, 2012

Weißwein

Etikettkauf. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, ich gucke schon, wo der Wein herkommt, was es für eine Rebsorte ist und lese die Beschreibung, wenn es denn eine gibt, um grobe Fehlkäufe auszuschließen.

Der Parra Jiménez aus dem Bioladen war eine glatte Punktlandung. Gestern einfach so zum Fernsehen getrunken. Was heißt „getrunken“, wir haben ihn quasi inhaliert und auf einmal war die Flasche leer. Heute direkt drei Flaschen nachgekauft, passte super zum Spargel, fruchtig, frisch, toll und dann noch mit Biosupersiegel von demeter. (Ich sehe gerade auf der Webseite des Weinguts, dass die auch Rotweine haben. Hm. Muss wohl auch mal probiert werden.)

Gibt’s für ungefähr 6 Euro z.B. bei basic.

 

Mairena – Bonarda, Argentinien, 2010

Mairena

Auch ein Etikettkauf, so weitestgehend und auch direkt ein Volltreffer. Dabei ist das leider schon etwas her, dass wir diesen Wein getrunken haben, zumindest lange genug, dass ich mich jetzt an Details nicht mehr erinnere. Das ist natürlich etwas ungünstig, wenn man einen Wein anpreisen will, aber sagen wir so: Entkorkt, ins Glas gegossen, dran gerochen und „WHOA!“ gedacht. Getrunken und noch mal „WHOA!“ gedacht, schön weich und gleichzeitig kräftig, genauso, wie ich das am liebsten hab.

Kam vom FrischeParadies in Essen und kostete irgendwas so um die 9 bis 10 Euro. Am besten gleich mehrere Flaschen mitnehmen, sag ich mal so.

 

La Ferme Julien – Frankreich, 2011

Ferme Julien

Hübsches Etikett, nicht? Öhm ja. Wenn ich mich richtig erinnere, eine Sortenmischung, aber vielleicht vertu ich mich jetzt auch, die Flasche ist leider heute im Altglascontainer gelandet, und ich kann nicht mehr nachgucken.

Schön an diesem Wein fand ich, dass er beinahe lächerlich unaufgeregt ist. Das klingt jetzt vielleicht etwas bescheuert, aber wenn man wirklich einen ganz einfachen Rotwein mit nicht viel davor und nicht viel dahinter haben möchte, den man gut zu quasi allem trinken kann (auch zu „Game of Thrones“, wie man auf dem Bild erahnen kann), dann kann ich den empfehlen. Hat außerdem ein hübsches Etikett.

Kostete irgendwas um die 6 Euro und gab’s ebenfalls im FrischeParadies.

 

Dieser Artikel wurde auch auf meinem Foodblog veröffentlicht. Bei allen Lesern, die beide Blogs lesen, entschuldige ich mich direkt mal für die Redundanz, aber ich konnte mich nicht entscheiden.

Tendenziell monothematisches Webgedöns

Seit über einem Monat bekommen wir jetzt die Biokiste, und sind sehr zufrieden. Der Mann ist mehr Obst, ich kratze Rahm vom Milchflaschenrand, esse mehr Joghurt und lerne neue Lebensmittel kennen, die ich mal mehr und mal weniger toll finde.

Zu allem Überfluss habe ich dann thematisch passend „Eating Animals“ von Jonathan Safran Foer gelesen, das unter anderem von der reizenden Isa übersetzt wurde, ein Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Das Thema Massentierhaltung kommt hier für meinen Geschmack sehr schön ohne moralischen Weltverbesserungszeigefinger aus. Die Kritik, das Buch wäre zu essayhaft und subjektiv, kann ich zwar nachvollziehen, genau das fand ich aber sehr angenehm. Objektiv kann man zu diesem Thema nämlich eigentlich nur sagen: Massentierhaltung ist scheiße. Welche Konsequenzen man daraus zieht, sollte jedem  selber überlassen werden.

Mit Biokiste und neuem schrecklichen Wissen über Fleisch geht es jetzt also bei mir weiter.  Mit welchen Konsequenzen ist noch nicht genau abzusehen. Ich war in den letzten Wochen öfter im Biosupermarkt als vermutlich im ganzen letzten Jahr. Ich habe zwei Mal Hühnchenfleisch für das Dreifache des normalen Preises gekauft, wobei man sich natürlich fragen kann, was denn eigentlich der „normale“ Preis sein sollte. Ich habe bei REWE nach der Biomilch mit Biosiegel gesucht und festgestellt, dass es nur eine Sorte gibt.

Ich habe mich zumindest ein bisschen mit Biosiegeln beschäftigt, denn auch da ist ja bekannt, dass viel Augenwischerei und Geldmacherei betrieben wird. Sicher ist man oft nicht, aber ich bin lieber ein bisschen unsicher, dass es vielleicht doch nicht so bio ist, wie ich es gerne hätte, als ganz sicher, dass es definitiv nicht bio ist.

Wie viel ich von den ganzen „Ich mach’s jetzt besser“-Plänen dauerhaft einhalten kann, weiß ich nicht. Aber versuchen ist immer noch besser als nicht versuchen. Sag ich mal.

Passend gibt es gerade bei Isa eine Reihe mit dem schönen Titel „Besser ist das“. Isa beschäftigt sich schon ein bisschen länger mit diesen Fragen und hat in den letzten Tagen lauter Texte geschrieben, die ich nur unterschreiben kann:

Zur gleichen Zeit hat Jenny als Gastautorin auf Isas Blog über ihren veganen Selbstversuch geschrieben, den sie leider aus nachvollziehbaren Gründen nach nicht mal einer Woche abbrechen musste. Die Erfahrungen, die sie in diesen Tagen gemacht hat, lesen sich aber nichtsdestotrotz sehr spannend.

Als Reaktion kann ich den Artikel „The first rule of Food Club is: You do not talk about Food Club.“ von Anke Gröner empfehlen, der mir auch sehr aus der Seele spricht. Ich habe zum Beispiel weniger ein Problem damit, kein „böses“ Hackfleisch mehr zu kaufen als damit, nach den gleichen Grundsätzen nicht mehr die Comfort-Food-Dosenravioli zu kaufen, auf die ich alle halbe Jahre mal ganz schlimmen Nostalgie-Heißhunger bekomme. Ich möchte mir nichts versagen und manchmal wird es wohl darauf hinauslaufen, dass man mit dem ganzen guten Willen, alles richtig machen zu wollen, gegen eine Wand läuft, oder eben gegen das Süßigkeitenregal bei Edeka, mit einem Jieper auf garantiert nicht fair gehandelte After Eights. Und sie dann kauft. Und isst. Und lecker findet.

Zu diesem Thema und auf den Artikel von Anke bezogen, hat Isa dann noch mal einige Sachen erklärt: Besser ist das: Zwischenbemerkung

Ebenfalls passend, wenn auch aus einer etwas anderen Richtung und schön strukturiert schreibt Sandra neuerdings darüber, welche Lebensmittel man durch welche Lebensmittel ersetzen kann. Dankbarerweise fängt sie gleich mit zwei unverzichtbaren Lebensmitteln an: Schokolade und Nougatcreme. Aber es geht natürlich noch weiter.

Wer sich übrigens an Biokistenbildern nicht sattsehen kann, der kann wöchentlich die jeweiligen Kisten bei Frische Brise und Frau Serotonic bestaunen. Diesen beiden Damen ist es auch zu verschulden, dass ich dann irgendwann auch wollte, denn kaum etwas macht mehr Appetit als das bunte Obst und Gemüse anderer Leute.

(Ich mag das ja, wenn sich sowohl unabhängig als auch als Reaktion auf andere Beiträge in meiner persönlichen Filterblase bestimmte Themen rauskristallisieren und man dann völlig ungeplant auf einmal Themenwoche im Internet hat und sich auf ganz andere Art mit diesem oder jenem beschäftigt.)

Dritte und vierte Biokiste

Die Biokistensaga geht weiter. In der dritten Woche bekommen wir: Einen Blumenkohl, drei kleine Rote Beten, mehrere Möhren, mehrere Äpfel, drei Birnen, eine weiße Grapefruit, Ziegencamembert, Zitronen-Limetten-Holunderblüten-Joghurt, Bionudeln, wie immer (und nicht im Bild) einen Liter Milch, sechs Eier (diesmal bunt und hargekocht wegen Ostern) und ein Brot. Außerdem dazubestellt habe ich eine Tafel Schokolade.

Dritte Biokiste

Das auf dem Bild immer schon Obst fehlt, liegt daran, dass der Mann in den zwei Tagen, die er allein mit der Biokiste ist, immer schon fleißig Äpfel und Konsorten verspeist. Auch die ein oder andere Möhre ist diesem Übereifer meistens schon zum Opfer gefallen, bis ich zum Fotografieren komme. Aber so soll das ja auch sein.

Gekocht habe ich damit:

–  Blumenkohlcurry mit Reisbandnudeln
–  Blumenkohlcremesuppe

Blumenkohlcurry

Blumenkohlcurry mit Möhren und Reisbandnudeln

Blumenkohlcremesuppe

Blumenkohlcremesuppe

Die Roten Beten stellten sich dagegen als nicht ganz unproblematisch dar. Bislang rätsele ich noch rum, was ich damit anstellen soll, und hoffe, dass das, was ich über die Haltbarkeit bei richtiger Lagerung gelesen habe, stimmt.

Aus dieser Lieferung sind dementsprechend die Rote Beten und die Grapefruit übriggeblieben. Weggeschmissen wurde dafür nichts.

Die vierte Biokiste kam dann so daher: Ein Brokkoli, eine Kohlrabi, zwei Fenchelknollen, ein Puntarellensalat, mehrere Möhren, mehrere Äpfel und Bananen (bereits vom Mann dezimiert), einige blaue Trauben, irgendeine Art extremst leckerer Käse, ein Liter Vollmilch, Biohirse, Kirsch-Vanille-Joghurt und wie immer ein Brot und sechs Eier.

Vierte Biokiste

Auch wenn ich ja versucht war, den Puntarellensalat abzubestellen, weil Salat hier so schlecht funktioniert, wollte ich mutig sein. Tja. Dazu kommen wir dann später. Von den Trauben waren wohl schon einige angeschimmelt und wurden vom Mann entsorgt. Bei dieser Lieferung bin ich von der Tetrapackmilch auf die Milch von Demeter umgestiegen. Die ist anscheinend noch mehr Bio, man darf nämlich beim ersten Öffnen erst mal den Rahm vom Flaschenhals kratzen und muss die Milch regelmäßig vorm Konsum durchschüttelt, weil sich sonst kleine Flöckchen bilden. Oder so. Ich hab ja keine Ahnung von Milch, außer, dass ich niemals Veganer werden könnte, weil Milch zu meinen Grundnahrungsmitteln gehört.

Gekocht habe ich damit:

–  Pasta mit Tomaten-Fenchel-Raspelsoße (leicht abgewandelt aus dem Greenbox-Kochbuch von Tim Mälzer)
–  Putranellensalat mit Möhrchen
–  Asia-Nudelpfanne mit Brokkoli und Möhrchen
–  Mozzarella-Fenchel-Salat mit süßen Kirschtomaten (auch aus dem Greenbox-Kochbuch)

Tomaten-Fenchel-Soße

Tomaten-Fenchel-Soße

Mozzarella-Fenchel-Salat

Tomaten-Fenchel-Salat mit süßen Tomaten

Die Trauben konnten uns leider überhaupt nicht begeistern. Ich vergesse regelmäßig, dass Trauben ja auch mit Kernen sein können und ich die nicht mag. Dementsprechend sind davon auch relativ viele im Müll gelandet (schweren Herzens, aber es fanden sich in diesem Zwei-Personen-Haushalt einfach keine Abnehmer). Übrig geblieben sind die Kohlrabi und ein halber kleiner Fenchel.

Nach vier Biokisten kann ich zusammenfassend folgendes feststellen:

–  Obst ist bei uns überhaupt kein Problem. Alles, was nicht gekocht werden muss und im Zweifelsfall mit ins Büro genommen werden kann, wird hier auch gegessen. Gut die Hälfte des Obstes bekomme ich ja gar nicht mehr zu sehen.
–  Der Käse war bisher jede Woche super. Ebenso der Joghurt, den ich auch gerne morgens mit Haferflocken zum Frühstück esse.
–  Bei Milch werde ich komplett auf die Demeter-Milch umsteigen, die ist toll.
–  Beim Brot werde ich eventuell auch komplett auf ein bestimmtes Brot umsteigen, bei dem ich sicher weiß, dass wir es auch essen, weil es einen hohen Roggenanteil hat und nicht zu viel ist.
–  Im Zweifelsfall macht man eben ein Thai-Gemüsecurry. Dazu braucht man lediglich grüne Currypaste (alternativ geht natürlich auch rote) und einen kleinen Vorrat an Kokosmilch. Zumindest Möhren, Brokkoli und Blumenkohl bekommt man da immer untergebracht.
–  Was außerdem immer geht: Gemüsesuppen.
–  Salat bleibt schwierig. Den Puntarellensalat habe ich entweder falsch zubereitet oder wir mögen einfach keine Puntarelle. Dass ich den Salat in der fünften Biokiste trotzdem nicht rausgeschmissen habe, lag einzig und allein daran, dass er im Topf ist und nicht schon nach drei Tagen schlapp rumliegt und mich traurig macht.
–  Brokkoli und Blumenkohl sind dafür sehr vielfältig einsetzbar, allerdings auch ein bisschen langweilig.
–  Das Greenbox-Kochbuch von Tim Mälzer ist super und von den drei vegetarischen Kochbüchern, die ich besitze, das, was mich von den Rezepten her am ehesten anspricht. Ottolenghi ist mir zu aufwändig und abgefahren, obwohl es als Inspirationsquelle sehr gut taugt. Daraus darf mir gerne jemand anders was kochen, der mehr Zeit, Nerven und Gewürze hat.

In der Konsequenz bedeutet das, dass ich in Zukunft wohl nur in seltenen Fällen die Biokiste so lassen werde, wie sie standardmäßig daherkommt. Ich werde Milch und Brot austauschen, je nach Bedarf auch den Joghurt weglassen. Außerdem werde ich beim Gemüse schweren Herzens weniger experimentierfreudig sein, bzw. den Gemüseanteil reduzieren und dafür mehr Obst in die Kiste packen. Ich habe einfach in den letzten vier Wochen zu viel Gemüse weggeschmissen, bzw. tapfer versucht, irgendwas zu essen, was ich eigentlich nicht so wirklich mochte. Auch wenn ich durchaus finde, dass man auch experimentieren sollte, was immer die Gefahr birgt, dass sich nach zwei Bissen rausstellt, dass man es leider doch nicht mag, dafür sind mir Lebensmittel eigentlich zu schade.

 

Die Biokiste wird einmal wöchentlich von der Flotten Karotte geliefert. Wir haben das „Komplettpaket“ mit Gemüse, Obst, Eiern, Brot, Milch, Käse, Joghurt und oft noch irgendwas anderem und sind sehr zufrieden. Wer nicht in Essen und Umgebung wohnt, aber auch gerne so eine Biokiste hätte, kann sich bei www.oekokiste.de informieren, ob es in seiner Nähe ähnliche Anbieter gibt.

Biokiste: Zweite Woche

In der nächsten Woche kommen gleich zwei Kisten an, ich habe an der Zusammenstellung nichts geändert, dafür allerdings noch eine Flasche Rotwein dazugepackt.

Wir bekommen: 2 kg Kartoffeln, 2 Mangold, 1 Endiviensalat, ein paar Möhren, ein Tütchen mit Kräuterseitlingen, 2 Pastinaken, 2 Stangen Porree, 1 Ananas, mehrere Äpfel, 1 Glas Vanille-Rhabarber-Joghurt, 1 Liter Milch, 6 Eier, ein Roggenbrot und ein Stück Wildblütenkäse.

Biokiste

Ganz neue Herausforderungen also, vor allem der Mangold und die Kräuterseitlinge, der Rest macht mir nicht so viele Sorgen. Darum gehen wir am Donnertagabend erst mal beim Thai essen und ignorieren die Küche voller Gemüse.

Am nächsten Tag frage ich erstmal, wie man Mangold einfriert. Mangoldeinfrierexperte Dentaku rät: Kurz blanchieren, dann schockfrosten. Also wird ein Mangold blanchiert, dann schnell in Eiswasser abgekühlt und dann halbwegs abgetrocknet ins Gefrierfach gepackt. Ob ich alles richtig gemacht habe, sehen wir dann, wenn ich den eingefrorenen Mangold wieder verwende.

Das mit dem Einfrieren ist bei uns überhaupt ein Problem, wir haben nur ein kleines Eisfach im Kühlschrank integriert. Das reicht für ein bisschen Notvorrat, aber großartig einfrieren kann ich damit nicht. Das ist im Übrigen Absicht, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man (oder zumindest wir) Dinge, die man einmal eingefroren hat, gerne vergisst und ich da nicht in Versuchung kommen will. Ich weise aber noch mal darauf hin, weil ich schon mehrfach gute Tipps bekommen habe, was man alles einfrieren kann, das bringt mir nur selten etwas, weil es einfach nicht geht.

Ein Mangold passt aber noch ins Gefrierfach und da ist er jetzt auch noch.

Ansonsten zaubere ich aus der Gemüsekiste:

  • Einmal Mangold-Cannelloni nach dem Rezept von Frische Brise
  • Ungefähr ein Liter Gemüsebrühe aus Möhren, Pastinaken und Porree
  • Endiviensalat mit weichgekochtem Ei
  • Frittata mit Kräuterseitlingen (und Porree)

Suppe mit Maultasche

Gemüsebrühe mit Möhre, geschmelzten Zwiebeln und Maultasche (letztere nicht selbstgemacht)

Salat

Endiviensalat mit weich gekochtem Ei

Frittata

Frittata mit Kräuterseitlingen und Porree

Das klappt alles ganz gut, wobei das Befüllen der Cannelloni mich einige Nerven kostet. Die Gemüsebrühe ist mir ein bisschen zu süß, der Mann ist hingegen begeistert und isst die Suppe mit Maultaschen und geschmelzten Zwiebeln tellerweise. Dafür finde ich den Endiviensalat mit auf den Punkt gekochtem weichen Ei leckerer als erwartet, allerdings reicht auch dieser Enthusiasmus nicht für den ganzen Salat. Die Frittata mit Kräuterseitlingen wäre wahrscheinlich total super gewesen, aber in diesem Haushalt leben einfach keine Pilzfreunde. Wir essen tapfer, aber unbegeistert.

Die Ananas hingegen ist super, die mag sogar ich als ausgesprochene Ananasskeptikerin. Möhren und Äpfel gehen immer, die futtert der Mann einfach zwischendurch, dafür mampfe ich den Joghurt fast alleine auf. Auch das Brot wird fast bis zum Knäppchen aufgegessen, Roggen ist genau richtig für den Mann und der Käse ist auch richtig gut.

Übrig bleiben:

  • Der ganze Sack Kartoffeln (was wohl nicht schlimm ist, die halten ja)
  • Der eingefrorene Mangold
  • Das weichgekochte Gemüse von der Gemüsebrühe, das ich noch püriert und dann ebenfalls eingefroren habe
  • Ein Apfel
  • Eine halbe Pastinake
  • Milch, zwei Eier und ungefähr der halbe Käse
  • Der Rotwein

Weggeschmissen habe ich:

  • Ungefähr ein Viertel Endiviensalat
  • Den Rest Salat von der Vorwoche

Gelernt habe ich:

  • Mangold und ich werden keine Freunde. Die Cannelloni waren lecker und vor allem gut geeignet, um den Mangold zu verstecken, aber es ist einfach nicht mein Ding. Vielleicht finde ich noch ein anderes Rezept oder eine bessere Zubereitungsart.
  • Gemüsebrühe ist nicht nur einfach zu machen, sondern auch sehr befriedigend. Next step: Hühnerbrühe!
  • Frische Ananas ist doch ziemlich lecker.
  • Perfekt weichgekochte Eier sind sowieso das Größte. (Wusste ich eigentlich auch schon vorher, kann man aber nicht oft genug sagen.)
  • Pilze und ich, das wird auch keine Freundschaft fürs Leben. Ich kann das essen, möchte aber eigentlich nicht. Lediglich nur kurz gegarte oder angebratene Champignons oder Pfifferlinge, das ist gut. Oder einfach ganz roh, im Salat, geht auch. Das Problem ist bei mir weniger der Geschmack, als die Konsistenz und letztlich ist es einfach Geschmackssache. Aber ich lass mich weiterhin gerne vom Gegenteil überzeugen.
  • Ein großer Salatkopf ist zu viel für uns. Ich mag nichts wegwerfen, aber es ging nicht anders, ich möchte auch nicht schüsselweise Salat in mich hineinstopfen, nur, weil ich sonst ein schlechtes Gewissen habe. Beim nächsten Mal nehme ich den Salat ganz aus der Kiste oder frage nach, ob wir einen kleineren haben können.
  • Es ist unglaublich, wie viele Rezeptideen und Verarbeitungstipps ich aus dem Internet bekomme. Ich muss nur auf Twitter was von „Mangold“ schreiben, schon überschlagen sich alle, erwähne ich Kräuterseitlinge, schwärmt die ganze Timeline auf einmal von Kräuterseitlingen. Es ist toll! Und nur, weil ich nicht sofort dazu komme, alle Rezepte gleichermaßen zu würdigen, heißt das nicht, dass ich das einfach so ignoriere. Im Moment mache ich vieles sehr spontan, aber ich freue mich in jedem Fall über jede Idee und jeden Ratschlag, den ich bekomme. Weitermachen!

Die nächste Kiste ist schon da, aber ich werde den Inhalt wohl erst Sonntag begutachten können, weil es morgen erst mal für ein paar Tage nach Konstanz geht. Aus diesem Grund habe ich zum ersten Mal auch ein paar Sachen abbestellt, weil es sonst einfach zu viel gewesen wäre. Keine Aubergine, kein Eisbergsalat, und statt eines großen Brots ein kleineres, ansonsten aber alles wie vom Lieferanten vorgeschlagen, plus eine Tafel Schokolade. Die nächste Herausforderung heißt dann also Blumenkohl und Rote Bete. Challenge accepted!