Kategorie: Musikdings

Adele, 15.5.2016 in der Lanxess-Arena in Köln

Adele 15.5.2016

Wir sind da. 15.5.2016 in der Lanxess-Arena in Köln. Ich beglückwünsche mich zweifach. Erstens dazu, dass ich überhaupt Karten bekommen habe, zweitens, dass ich aus reinem Zufall welche am 15.5. und nicht einen Tag vorher gekauft habe, weil ich natürlich am Verkaufstermin nicht auf dem Schirm hatte, dass da irgendwann ESC ist. Aber das ist ja jetzt kein Problem, ESC war ja gestern, heute ist Adele. Ein dritter Glückwunsch dann zu den zwar teuren, aber sehr guten Karten. Beim Konzert von Paul Simon & Sting war ich geiziger und es reichte nur für Karten auf den oberen Rängen an der Seite. Leider ist die Akustik in der Lanxess-Arena sehr, sehr mies und wenn man ganz oben sitzt, bekommt man Echos ab, die das ganze Konzert über irritieren. Jetzt sitzen wir direkt mittig und sehr viel weiter unten, was sich später als gute Entscheidung herausstellt. Keine irritierenden Echos dieses Mal.

Adele 15.5.2016

Wir haben einen Fertigcocktail (immerhin für akzeptable 6,50 Euro) und ein großes Bier gekauft, mein Mann holt noch eine Riesenschüssel Popcorn, dann warten wir ab, bis das Konzert losgeht, kein Support vorneweg, das ist gut. Wobei ich generell eine zwiegespaltene Meinung zu Support Acts habe. Einerseits möchte ich, wenn ich auf ein Konzert gehe, den Künstler sehen, für den ich die Karten gekauft habe und zwar möglichst schnell und möglichst lange. Auf der anderen Seite kann man so auch gute neue Künstler kennenlernen. Wallis Bird trat als Support für Emiliana Torrini auf, das war sehr schön, genau so wie Amanda Palmer einfach drei Bands als Support auftreten lies, allesamt auf unterschiedliche Arten spannend. Trotzdem: Ich möchte jetzt Adele sehen und nix anderes. Und Adele sehen wir dann auch.

Nachdem wir minutenlang auf ihre geschlossenen Augen starren konnten, wird es aufgeregter im Publikum. Irgendwas passiert, ich weiß aber nicht was und kann auch nichts erkennen. Im Nachhinein wird klar: Adele wird in einer geschlossenen Kiste in den Saal und zu der mittleren Bühnen gefahren. Das Licht geht aus, die Augen auf der Leinwand gehen auf, es erklingt ein „Hello“, dann noch eins, dann noch eins und dann fährt Adele auf der kleinen Bühne in der Mitte nach oben und es geht los.

Adele 15.5.2016

Natürlich geht es mit Hello los, Adele allein auf der Bühne, von einer Liveband noch nichts zu sehen. Irgendwann macht sie sich, umringt von Security auf den Weg zur großen Bühne, man sieht die Menschen unten im Saal aufstehen, um einen Blick zu erhaschen. Immer noch ohne sichtbare Band wird direkt das zweite Lied angestimmt, Hometown Glory. Im Hintergrund Bilder von London, Adeles Heimatstadt. Im zweiten Refrain singt sie dann nicht mehr über my hometown, sondern über your hometown und zack! Bilder vom Kölner Dom werden gezeigt und das reicht mir eigentlich schon, um gefühlsmäßig am Ende zu sein. Dann heule ich eben jetzt auf einem Konzert hemmungslos rum. Smart move, Adele, smart move. Das Publikum ist außer sich.

Die Frage bleibt aber. Wo bleibt die Band? Oder bleibt das so? Ich bin mit gemischten Erwartungen hergekommen. Einerseits hatte ich immer das Konzert in der Royal Albert Hall im Hinterkopf, das wir mal im Fernsehen sahen und das der Auslöser dafür war, dass ich unbedingt, unbedingt, unbedingt Adele live sehen wollte. Allerdings eben auch, weil Adele so charmant parlierte, weil das Publikum mitsang und weil alles so wundervoll war. Ich war also voll mit Erwartungen und habe genau so damit gerechnet, dass es vielleicht gar nicht so toll wird, wie ich es mir vorstelle. Wundervoll ist es ja insgesamt schon, aber viel parliert hat Adele noch nicht und wo ist die Band?

Die Frage wird beim nächsten Song beantwortet. Tatsächlich habe ich geahnt, was passieren wird, aber die Kamera nicht rechtzeitig in Position bringen können. Denn beim ersten Refrain von One and Only geht auf den Punkt genau das Licht an, die Band ist zu sehen, Adele wird groß auf der Leinwand gezeigt und das Publikum flippt schon wieder aus und ich, na ja, ich weine halt schon wieder vor Freude.

Und dann wird der ganze Abend von vorne bis hinten wundervoll. Bei diesem Konzert wird die Balance zwischen Perfektion und Authentizität so grandios gehalten wie ich es noch nie erlebt habe. Natürlich wissen die Leute genau, was sie machen müssen, um mich (und vermutlich auch alle anderen) emotional zu kriegen, aber das ist ja nicht verkehrt. Trotzdem ist es keine durchinszenierte Show, denn Adele ist Adele, erzählt zwischen den Songs Geschichten, holt Leute auf die Bühne, macht beim Singen Grimassen, die weder albern noch aufgesetzt wirken und ist auf der ganze Linie charmant, witzig, authentisch.

Adele 15.5.2016

Zwei Mädchen aus den vorderen Reihen werden auf die Bühne geholt, weil sie Adele aufgefallen sind. Die beiden sind fassungslos, man hat ein bisschen Angst, dass sie gleich hyperventilieren und umkippen, aber ich würde vielleicht auch hyperventilieren und umkippen, wenn Adele mich umarmen würde. „We saved three years for the tickets“, stammelt eine der beiden und man hat das Gefühl, das sich Adele keine besseren Fans hätte aussuchen können, um sie vor mehreren tausend Menschen zu umarmen.

Adele 15.5.2016

Zu Make You Feel My Love lässt uns Adele unsere Handytaschenlampen einschalten. „I promise you, it looks incredible“ sagt sie und es sieht wirklich ziemlich incredible aus. Immer wieder fragt sie, wo wir herkommen „Someone from… France? From South Africa? From Canada?“ Selbst aus Island ist jemand da, die ganze Welt ist anscheinend nach Köln gekommen, um Adele zu sehen. Auf der kleinen Bühne wandert sie einmal die komplett alle Seiten ab, damit die Menschen sie fotografieren können. Adele ist Diva, aber dann auch wieder nicht. „This was the worst burp“, entschuldigt sie sich und erklärt später: „I could drink anyone of you under the table.“

Auf der großen Leinwand wird neben ein paar Filmen sonst immer nur Adele eingeblendet, niemals die Band. Auch wenn ich es sonst sehr schätze, wenn ich auch das Geschehen auf der Bühne sehen kann, gefällt mir diese Entscheidung. Es bleibt so ein Abend mit Adele, man wird von nichts abgelenkt und jeder im Saal kann ihr beim Singen und erzählen zusehen. Das passt hier ganz wunderbar.

Adele 15.5.2016

Zu Someone Like You darf das Publikum wieder mitsingen. Weil ich klug bin und das geahnt habe (oder eventuell, weil Adele es angekündigt hat), schmeiße ich die Kamera an. Es ist schon sehr ergreifend, wenn eine ausverkaufte Lanxess-Arena gemeinsam singt. Genau wegen dieser Momente wollte ich unbedingt auf dieses Konzert und ich wurde sehr viel mehr als nicht enttäuscht.

Danach gibt es noch richtigen Regen von oben zu Set Fire to the Rain und dann verschwindet Adele wieder nach unten und wird in ihrer Kiste rausgefahren. Das Publikum klatscht und klatscht und klatscht und jubelt, aber vermutlich dauert es etwas länger, wenn man sich erst aus einer Kiste befreien und dann noch irgendwie durch Arena-Geheimgänge wieder auf die große Bühne begeben muss. Denn natürlich kommt Adele noch mal.

Adele 15.5.2016

Drei Lieder gibt es noch als Zugabe, All I AskWhen We Were Young, und Rolling in the Deep. Zu When We Were Young werden Kinder- und Jugendbilder von Adele eingeblendet, Familienalbumbilder, mehr oder weniger vorteilhaft und gerade deswegen wieder so authentisch. Genau diese Bilder gibt es von allen von uns. Natürlich fange ich wieder an zu weinen, weil es so schön ist und so gut passt und dann wird wieder wild auf meiner Emotionsklaviatur gespielt: Das letzte Bild ist ein Bild von der schwangeren Adele. Das ist gemein. Gemein, gemein, gemein, aber eben auch so unglaublich schön.

Zum Schluss werden kleine Papierschnipselchen auf das Publikum geblasen. Adele verschwindet hinter einer Wolke aus weißen Schnipseln und man weiß jetzt nicht, worauf man sich konzentrieren soll und versucht, Schnipsel zu fangen. (Ungeduldige Interessierte spulen in diesem Video weiter zu Minute 3:50.) Das war’s. Vorbei. Und so schön.

Adele 15.5.2016

Als wir auf den Platz vor der Arena treten, sagt mein Mann „Das beste Konzert, auf dem wir je waren!“ und ich kann nur zustimmen. Jederzeit wieder, am liebsten sofort und wenn es geht, noch weiter vorne, aber egal, Hauptsache wieder. Völlig euphorisiert laufen wir Richtung Parkplatz, essen noch eine Kleinigkeit beim Mexikaner und fahren dann voll mit Gefühlen nach Hause.

Die geretteten Papierschnipsel liegen auf dem Nachtisch. Adele sagt „Hello“ und „We could have had at it all“, aber nach diesem Konzert kann man eigentlich nur glücklich feststellen, dass man nicht nur alles hätte haben können, sondern eigentlich auch alles gehabt hat.

Adele, 15.5.2016

Die Setlist gibt’s hier.

Gelesen: Richard Wagner von Martin Geck

9783570552391_CoverDass ich mir ehegattenbedingt gelegentlich Wagneropern angucke und anhöre, sollte treuen Lesern dieses Blogs hinlänglich bekannt sein. Dass ich im Sommer 2014 sogar bei den Festspielen in Bayreuth war und an drei von vier Abenden während des ersten Aktes einschlief, hat vielleicht auch der ein oder andere mitbekommen. Ich bin also nicht komplett unbeleckt und habe schon einige Stunden damit verbracht, mir abgefahrene Alliterationen vorsingen zu lassen.

Von Wagner selber weiß ich das, was man eben so weiß und noch ein bisschen mehr. Das kommt davon, wenn man einen Musikwissenschaftler mit Wagnerfaible heiratet, da macht man nix. Ich dachte aber, ich könnte mein Wissen etwas erweitern und las nun Wagner von Martin Geck.

Wagner ist eine Biographie, das steht jedenfalls auf dem Buch drauf. Ich habe mehrfach nachgesehen, um mich zu vergewissern. Nach der Lektüre muss ich wohl mein Verständnis des Begriffs „Biographie“ erweitern. Alternativ könnte es aber auch sein, dass es sich bei Gecks Wagnerbuch um alles mögliche, aber sicher nicht um eine Biographie handelt. Das macht das Buch nicht schlechter, man bekommt nur nicht ganz das, was man sich erhofft hat.

Erhofft hatte ich mir Informationen und Geschichten rund um Wagner und sein Leben. So ein Leben enthält ja viel: Familie, Freunde, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Hochs und Tiefs, Arbeit und Reisen und was weiß ich nicht noch. In Wagner geht es vor allem um: Musik. Das ist prinzipiell nicht falsch, auch in Wagners Leben ging es vermutlich vor allem um Musik. Es sind bislang unbestätigte Vermutungen meinerseits, dass Wagner aber zwischendurch auch noch etwas anderes tat. Ich werde ein anderes Buch finden müssen, um diese Vermutung zu bestätigen.

Geck jedenfalls hat hier keine Biographie geschrieben, sondern eine musikwissenschaftliche, geschichtliche, politische und gesellschaftliche Analyse und Einordnung des Werks. Schon beim Durchblättern fällt auf, dass es mehr Notenbeispiele als Bilddokumente gibt. Das ist auch interessant, aber eben nicht das, was vorne drauf steht.

Zudem fordert Geck den Leser auch. Wagner ist nichts für Wagner-Neulinge. Wer nicht mindestens drei bis acht Wagneropern gesehen hat, braucht möglicherweise gar nicht erst mit dem Lesen anfangen, denn Geck geht davon aus, dass man sich mit den Geschichten bereits auskennt. Alternativ kann man vielleicht parallel dazu in der Wikipedia alles aufarbeiten, was Geck voraussetzt, das verlängert die Lektürezeit dann zwar, aber man versteht zumindest, worum es eigentlich geht und wer Alberich ist, und wer Wotan, was in Tristan und Isolde eigentlich passiert und worum es in Parsifal geht.

Trotz all der Vorwarnungen, ich möchte nicht von dem Buch abraten. Wenn man alle Voraussetzungen erfüllt, die für Gecks Wagnerbiographie benötigt werden, lernt man eine Menge. Geck verschwendet keinen Satz für Geplänkel, in jedem Absatz steckt eine Fülle von Informationen. Er schreibt angenehm unaufgeregt, trotzdem ist sein Enthusiasmus für Wagner jederzeit spürbar. Geck lehrt statt zu belehren und freut sich sichtbar, sein Wissen weiterzugeben.

Nachdem ich jetzt also quasi alles über Wagneropern weiß (oder zumindest wissen sollte), was man wissen kann, muss ich nur noch eine Wagnerbiographie finden, die auch wirklich eine ist. Aber da wird sich ja was finden lassen.

Richard Wagner von Martin Geck, erschienen 2012 im Siedler Verlag, 416 Seiten, 14,99 Euro (broschiert) [Amazon-Werbelink]

Martin Geck in der Wikipedia

Das Buch auf der Verlagsseite

Wirklich sehr unpassende Ohrwürmer

Beim Surfen hatte ich dieses Jahr immer einen sehr unpassenden Ohrwurm, und das kam so:

An einigen Tagen bot es sich an, dass der Surflehrer, er hieß Thomas beziehungsweise Tom, einen gelegentlich mal anschubste. Angeschubst werden hat zwei Vorteile. Erstens sucht der Surflehrer die Welle aus und hat da ja ein bisschen mehr Erfahrung und zweitens muss man nicht wie wild paddeln, nur um dann sowieso festzustellen, dass die Welle eh nicht geeignet war.

„Anne1, tu veux un taxi?“ rief Tom also gelegentlich, manchmal auch auf Englisch. „Anne, you want a taxi?“

Menschen, die in den Achtziger Jahren einigermaßen bei Bewusstsein waren, werden das Problem sofort erkennen. Sobald ein Franzose das Wort „Taxi“ ausspricht, grätscht einem Vanessa Paradis ins Hirn und man summt „Joe le taxi“ vor sich her. Für alle, die sich gerade fragen, wovon ich fasele, hier kann man sich das ganze anhören.

Das ist aber noch nicht der unpassende Ohrwurm. Im französischen Atlantik einen Achtzigerjahrehit im Kopf haben, wäre ja noch irgendwie okay gewesen. Leider hatte ich eine ungünstige Assoziationskette, die ich auch nicht losgeworden bin und bin von der Melodie von „Joe le taxi“ immer wieder innerhalb von weniger als einer Minute zu „Hohe Berge“ von Frl. Menke gekommen. Auch hier wieder ein Beispiel für Spätergeborene:

Da hing ich also auf einem Surfbrett im Atlantik und summte Liedzeilen, in denen hohe Berge und Luis Trenker vorkamen und kam mir jedes Mal etwas seltsam vor. Aber da macht man eben nix.

1 In Wirklichkeit heiße ich ja im Ausland immer Anna, weil die Menschen weder im Französischen noch im Englischen das E am Ende aussprechen. Ich könnte also entweder die landestypische Aussprache nehmen oder ich stelle mich als „Anne“ (deutsch ausgesprochen) vor und heiße dann für die Zeit der Bekanntschaft „Anna“.

Mehr Dinge, die mein Klavierlehrer sagt

„Wenn Sie üben, dann üben Sie richtig. Spielen dürfen Sie, so viel Sie wollen. Vom Spielen wird man nicht schlechter. Aber üben Sie richtig oder üben Sie gar nicht.“

„Das, was andere Leute denken, da haben Sie keinen Einfluss drauf. Aber auf das, was Sie denken, was andere Leute denken, da haben Sie Einfluss.“

„Timing. Im Jazz ist Timing kein Luxus, den man eben noch mal so oben drauf tut. Ohne Timing geht im Jazz gar nichts. Das dritte Sechzehntel auf der Drei fühlt sich anders an als das dritte Sechzehntel auf der Zwei.“

(Man bräuchte ein Diktiergerät.)

Die automatische ESC-Kritik: Nacharbeiten

Ich brauche die Mithilfe meiner Leser, vor allem derer, die gestern den Eurovision Song Contest gesehen haben.

Der ein oder andere wird es mitbekommen haben: Seit diesem Jahr gibt es die automatische ESC-Kritik nach dem Vorbild der automatischen Kultur- und Literaturkritik der Riesenmaschine. Bei der automatischen ESC-Kritik gibt es nur festgelegte Kriterien, die man mit Ja oder Nein beantworten kann. Daraus ergeben sich Plus- und Minuspunkte, die verrechnet werden und am Ende einen Gewinner ergeben.

Das Spreadsheet für dieses Jahr kann man hier einsehen und bearbeiten, wer glaubt, noch Fehler oder Ergänzungen haben, darf sie eintragen, dann aber bitte mit Kommentar an der entsprechenden Zelle, damit ich das auch noch mitbekomme und die Beweggründe einschätzen kann. Außerdem nehme ich Vorschläge für das nächste Jahr an, dazu melde ich mich aber gesondert noch mal.

Da wir uns im ersten Jahr der ESC-Kritik befinden, brauchen wir noch etwas Übung, und das ein oder andere Kriterium konnte ich in konkreten Fällen nicht immer eindeutig beantworten. Und dafür brauche ich jetzt Mithilfe. Bitte beurteilen Sie die folgenden Sachverhalte. Ja oder nein?

 

Generell

Minuspunkt 12: Im Titel des Beitrags kommt einer der folgenden Begriffe vor: Music, Love, Happy, Heart, Sing, Song, Peace, Voice

Der italienische Beitrag hatte ein „Amore“ im Titel, was selbst des Italienischen nicht mächtige als „Liebe“ erkennen. Das warf die Frage auf, ob dieser Punkt nur bei englischsprachigen Titeln zählen sollte. Ich bin zwiegespalten. Erst dachte ich: Nein, weil wir ja dann alle Titel übersetzen müssten, und das kann ich nicht leisten. Die Wikipedia leistet das aber, also ist das Argument hinfällig. Ich bin noch unschlüssig, ob hier der tatsächliche Inhalt abgestraft werden soll oder das englische Wort als Songtitelklischee. Wie sieht der Rest des Internets das denn?

 

Slowenien

Minuspunkt 15: Unnütze Accessoires (Plexiglasstäbe, Wippen)

Die Kopfhörer mögen das Markenzeichen der Sängerin sein, scheinen mir aber doch einigermaßen unnütz. Einwände?

 

Frankreich 

Pluspunkt 18: Lied bedient ernsthaft ein eindeutiges Genre (Blues, Swing, Phillysound, Heavy Metal, Reggae, …)

Ich würde das sehr eindeutig als Chanson einordnen, aber vermutlich klingt fast alles, was eine französische Ballade ist, wie ein Chanson und wir sind da nur sprachverwirrt. Kann ich den Punkt also geben oder nicht?

Pluspunkt 20: Nur an dem Lied direkt Beteiligte auf der Bühne (keine Tänzer, keine Schwimmer, keine Dita von Teese in einer Wasserschüssel)

Irgendwann kommen diese Trommler, die zwar im Prinzip am Lied beteiligt sind (Bandmitglieder und Backgroundsänger zählen), aber auch eher als visuelles Gimmick dienen. Punkt erfüllt oder nicht?

 

Großbritannien

Pluspunkt 18: Lied bedient ernsthaft ein eindeutiges Genre (Blues, Swing, Phillysound, Heavy Metal, Reggae, …)

Klingt für mich sehr eindeutig nach Elektroswing. Andere Meinungen?

Minuspunkt 19: Artistische Darbietung auf der Bühne (Feuerschlucken, Trapez,…)

Die Tänzer und Backgroundsänger haben zwar tatsächlich hauptsächlich getanzt, es kam mir aber doch der ein oder andere Salto zu viel vor, um diesen Punkt nicht nicht zu geben. Passt das wohl?

 

Aserbeidschan

Minuspunkt 19:  Artistische Darbietung auf der Bühne (Feuerschlucken, Trapez,…) sowie
Minuspunkt 28: Ausdruckstanz auf der Bühne

Es kam die berechtigte Frage, ob das schon artistische Darbietung wäre. Ich habe es als Ausdruckstanz gewertet und finde, man kann hier nur einen Punkt vergeben, es sei denn, es findet völlig voneinander getrennt statt (also ein Ausdruckstänzer UND ein Trapezkünstler oder so). Eigentlich ist es egal, weil es beides Minuspunkte sind, aber vielleicht gibt es ja doch gute Gründe, beide Punkte zu vergeben.

 

Diese sieben Punkte sind also im Moment noch nicht ganz geklärt. Bitte helfen Sie mit. Je schneller wir hier Einigung erzielen, desto schneller kann ich ja auch das Ergebnis präsentieren. Und das interessiert ja hier bestimmt jeden brennend.

 

Eine Tüte Gemischtes

Heute morgen erst verschlafen, dann den Zug verpasst. Den Zug verpasst hab ich aber vor allem, weil die Straßenbahn zu spät kam. Die U17 hat nämlich das Zusatzfeature „sehr krankheitsanfällig“. Sobald ein bisschen Schnee liegt oder es einfach nur sehr kalt ist, muss man damit rechnen, dass irgendwas kaputt geht.

Vor ungefähr vier Jahren sind wir ja nach Essen gezogen. Mitten im schlimmsten Schnee-und-Eis-Winter nämlich, wir hatten das sehr gut geplant. Am Abend vorher fuhren wir noch einige Kisten von Düsseldorf und Essen und sahen ein paar Autos auf der Autobahn, die falsch rum in der Gegend rumstanden. Tatsächlich klappte dann doch alles ganz gut, lediglich ein Tisch wurde zerschrammt, als einer der Möbelpacker beim Aussteigen aus dem Umzugswagen ausrutschte.

Ich lernte die U17 also mitten im Winter kennen und deswegen im Prinzip erst mal gar nicht, weil sie einfach zwei Wochen lang  sehr konsequent gar nicht fuhr. Und heute dann eben nicht nur später kam, sondern auch zwischendurch immer weider stehen blieb und nicht weiterwollte. Ich kann es aber auch irgendwie verstehen, ich will ja bei der Kälte auch nicht raus.

Frau Novemberregen ließ uns letztens in ihre Handtasche schauen und fand im Portemonnaie zwei Plektren/Plektrums/Plektrons/wie-auch-immer. Daraufhin grübelte sie ein bisschen darüber nach, warum sie wohl zwei Plektr… Gitarrendingsis mit sich rumschleppte. Aber das kann man auch selber hier nachlesen.

Dazu muss ich folgendes beitragen: Ich habe auch zwei Gitarrendingsis im Portemonnaie, es ist ebenfalls ein härteres und ein weicheres und ich weiß ebenfalls nicht warum. Das heißt, eigentlich weiß ich ganz genau, warum. Ich wollte nämlich damals beim Gitarrenunterricht sehr gerne lernen, wie man mit einem Plektrum spielt und hatte deswegen zwei gekauft und trug sie mit mir rum. Und weil die Dinger sehr klein und flach sind und quasi kein Gewicht haben, passen sie halt sehr gut ins Portemonnaie. Das hat den weiteren Vorteil, dass man sie nicht verliert. Es ist also weniger so, dass ich damit rechne, spontan irgendwo eine Gitarre zu finden und auf einmal mit einem Plektrum spielen zu wollen, es scheint einfach einer der besten Aufbewahrungsorte zu sein. Stört ja nicht.

Heute Morgen auf Facebook bei Thomas Jungbluth einen Link zu einer Crowdfunding-Kampagne für einen veganen Burgerladen gefunden und kurz darüber nachgedacht, warum ich diese Kampagne eher ärgerlich finde. Also nicht die Kampagne selber, bzw. schon die Kampagne selber, aber ich unterstelle den Initiatoren da nichts böses, sie wollen sicher nur einen schicken verganen Burgerladen in Köln eröffnen, aber da fängt es schon an: In Köln. Man könnte da jetzt alternativ jede etwas größere Stadt mit funktionierender Gastronomieszene nehmen, bei jeder fände ich das albern.

Und das auch nicht, weil ich vegane Sachen doof finde, sondern weil es zumindest gefühlt in jedem Hipsterburgerladen, in dem ich in den letzten Jahren war, mindestens eine vegetarische und vegane Variante gab. Gerade in der Hipsterburgerszene scheint mir da also der geringste aller Handlungsbedarfe zu bestehen, jetzt noch einen weiteren Burgerladen aufzumachen, wo es dann wirklich nur vegane Burger gibt. Der unfaire Verdacht liegt nahe, dass das auch die Banken so gesehen haben und das Geld jetzt eben woanders herkommen muss.

Auf der anderen Seite, vielleicht möchten Veganer auch gerne mehr als einen Burger zur Auswahl zu haben. Man kann da also gerne Geld hinwerfen, letztlich ist es mir auch egal, und vielleicht war ich heute morgen auch nur noch etwas müde und unnötig gereizt.

(Um das mal in Zahlen aufzudröseln: Bei Hans im Glück gibt es Unmengen von Burgern auf der Speisekarte, davon neun vegetarisch, davon einer vegan, bei Freddy Schilling gibt es neun Burger insgesamt, davon drei vegetarisch, davon einer vegan, das Konzept von der fetten Kuh erschließt sich mir nicht ganz, hier gibt es anscheinend vegetarische Varianten, von vegan steht da aber nüscht. Bei What’s Beef sieht das Konzept sowieso vor, sich die Burger selber zusammenzubasteln, es gibt zwei Fleischvarianten, eine vegetarische und eine vegane, lediglich bei den Beef Brothers gibt es noch Luft nach oben, da gibt es nämlich bei insgesamt sieben Burgervariante nur eine vegetarische und nix veganes.)

Und zuletzt: Wer was wirklich witziges lesen will, der sollte hierhin klicken und lesen, wie Andrea Diener mit sehr vielen Hessen auf einen Flug wartete. So schön. Wer auf Anhieb weiß, was Dischäende ist, hat gewonnen. Ich musste erst die Auflösung im nächsten Absatz lesen.

Über Jim Henson (oder: Betreutes Lesen)

Ich wollte oder sollte vielmehr ja eigentlich über Germknödel aus dem Reiskocher schreiben, aber dafür ist jetzt nicht genug Zeit, das kommt später. Statt dessen saß ich eben in der Küche vor dem Rechner und heulte Rotz und Wasser und das kam so:

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten die Biografie von Jim Henson geschrieben von Brian Jay Jones [Werbelink] gelesen. Jim Henson, sollte das jetzt jemand unerwarteterweise nicht wissen, hat ja die Muppets erfunden und die ganzen Figuren in der Sesamstraße und die Fraggles und noch ganz viel anderen Kram, von dem man gar nichts wusste, bis man die Biografie liest und staunt, was ein Mensch in knapp 35 Jahren so alles schaffen kann.

Jim Henson starb 1990, sehr plötzlich im Alter von 53 Jahren. Viel zu früh also. Sehr, sehr viel zu früh. Das wusste ich schon, trotzdem lag ich gestern auf dem Sofa und weinte hemmungslos die letzten zwanzig Seiten lang auf das Buch, weil eben ja doch alles so furchtbar traurig war.

Etwas anderes habe ich aber auch gelernt. Das Internet bietet mittlerweile viele Möglichkeiten zum betreuten Lesen. Man lernt in der Biografie zum Beispiel, dass Jim Henson in seiner Anfangszeit viele Werbefilme gedreht hat, u.a. für den Kaffee von Wilkins. Die Protagonisten waren Wilkins und Wontkins. Wilkins wollte Kaffee trinken, Wontkins nicht und kriegte dementsprechend jedes Mal was auf die Mütze. Das wurde in dem Buch schön beschrieben, aber das reicht natürlich nicht. Netterweise gibt es aber ja jetzt das Internet und da kann man gucken, wie die Werbespots mit Wilkins und Wontkins wirklich aussahen.

Auch unser aller Lieblingspianistenhund Rowlf wurde erstmalig für Werbung für Hundefutter von Purina Dog Chow erdacht und auch das kann man sich prima angucken.

Man kann sich dann noch Folgen der Fraggles auf Englisch oder alternativ Französisch angucken oder den Trailer zu The Dark Crystal oder Labyrinth und überhaupt finde ich dieses vom Internet betreute Lesen so schön, dass ich schon überlege, wie man das auch in Zukunft hilfreich einsetzen und weiterführen kann.

Das Buch endet aber eben leider damit, dass Jim Henson stirbt. Ein paar Tage nach seinem Tod gab es eine Gedenkfeier in New York, bei der gesungen und vorgetragen wurde, es wurden bunte Schmetterlinge verteilt und die Menschen sollten sich über das freuen, was Jim Henson sich in seinem Leben ausgedacht hatte. Bei dieser Gedenkfeier gab es ein Medley der Puppenspieler, die jahrelang mit Jim Henson zusammengearbeitet hatten und auch das kann man auf YouTube angucken. Es ist alles sehr herzergreifend und wunderbar, es wird noch herzergreifender, wenn man weiß, dass diese Leute ein paar Tage vorher völlig unerwartet einen Menschen verloren haben, mit dem sie viel Zeit verbracht haben. Spätestens ab der dreizehnten Minute wird es dann herzzerreißend, aber ich hatte ja schon bei der zweiten Minuten mit Weinen angefangen, insofern machte das dann auch keinen großen Unterschied mehr, was meinen allgemeinen Gemütszustand anging.

Jedenfalls, so war das heute Abend. Und morgen schreibe ich dann über Germknödel. Es muss ja weitergehen. So würde Jim Henson das jedenfalls vermutlich sehen.

Was Udo Jürgens mit Südfrankreich zu tun hat

Im September waren wir ja in Frankreich und wie es der Zufall wollte, gab es am ersten Wochenende ein dreitägiges Fest. Auf dem Marktplatz standen lauter Buden irgendwelcher Vereine und Restaurants, überall gab es leckeres Essen auf Papptellern und Bier in Plastikbechern.

Und dann spielte eine Band auf einmal „Griechischer Wein“, nur dass eben niemand den deutschen Text sang, sondern irgendetwas französisches und ich wunderte mich ein bisschen, aber wer weiß schon, wo so Melodien herkommen und wo sie hinwandern. In Biscarrosse-Plage spielt man jedenfalls beim Dorffest „Griechischer Wein“, warum auch nicht?

Weil ich es heute dann aber doch mal genauer wissen wollte, guckte ich im Internet nach, was es damit auf sich gehabt haben könnte und erfuhr dabei auf Wikipedia folgendes:

Die Melodie schrieb Jürgens nach einem Urlaub auf der griechischen Insel Rhodos, laut eigener Aussage in nur 20 Minuten.

[…]

José Vélez (Vino Griego) sang das Lied in einer spanischen Version, die auch im südfranzösischen Gebiet bekannt wurde. Sie ist die Hymne des Rugby-Vereins von Bayonne (mit einem französischen und einem baskischen Text) und wird bei den verschiedenen Ferias in Südfrankreich gespielt.

Und so ist das mit Südfrankreich und Udo Jürgens. Mach’s gut, Udo. War immer schön mit deiner Musik.

Dinge, die mein Klavierlehrer sagt

„Wenn Sie an so ein Stück rangehen und Sie haben selber keinen musikalischen Grundstock, dann sind Sie wie ein Vampir, der das Stück nur aussaugt. Sie brauchen einen Grundstock, mit dem Sie etwas in das Stück hineinbringen können. Wir wollen weniger vampiristisch sein.“

„Es ist ja so: Wenn Sie mit anderen Musikern spielen, dann werden Sie als Pianistin automatisch als harmonisch kompetent angesehen.“

„Und was ist das jetzt für ein Ton? Das müssen Sie wissen als Informatiker.“
„Aber warum denn ausgerechnet als Informatiker?“
„Als Informatiker sind Sie doch informiert.“

Große Liebe.

Mehr Musik, aber nur ganz kurz

Da standen wir gestern im Musikzimmer des werten Gemahls und überlegten, welche Songs man so mal aufnehmen könnte, als er etwas erzählte von einem Lied, dass wir „letztens“ irgendwann aufgenommen hätten, mit so einer ganz einfachen Melodie in G-Dur und ich kam und kam aber ums Verrecken nicht drauf, was er meinen könnte.

Also suchten wir in den Tiefen des Rechners und fanden tatsächlich. Ein total niedliches Lied, ja, ich erinnere mich daran, das muss ich wohl irgendwann mal geschrieben haben. Faszinierend. Ich fand sogar in einem Notizheft den Text zu einer zweiten Bridge, auch total faszinierend, was man alles so aufschreibt und dann wieder vergisst. Selbstverständlich bekomme ich das Lied seitdem auch sehr schwer wieder aus dem Kopf, ich tendiere dazu, Ohrwurmmelodien zu schreiben, oder jedenfalls solche, die sich bei mir sofort als Ohrwürmer im Kopf breitmachen.

Das könnte man also tatsächlich noch mal neu aufnehmen. So ist der Gesang nämlich noch nicht gut und am Text könnte man auch noch schrauben und überhaupt.

Apropos „und überhaupt“: Ich bin mal wieder auf der Suche nach einem MiniDisc-Spieler, weil ich ja immer noch diese MiniDisc habe, eine Komplettaufnahme von einem Konzert von vor zehn Jahren. Da sind bestimmt auch noch Sachen dabei, die ich längst wieder vergessen habe. Außerdem eine Stunde Live-Konzert, total abgefahren, liegt hier aber eben auf einer MiniDisc rum, zu der mir ein Abspielgerät fehlt. Tragisch. Möglicherweise bekommen wir demnächst eines von einem Arbeitskollegen geliehen, aber das glaub ich auch erst, wenn ich’s habe. Sollte also unter der Leserschaft im Ruhrgebiet jemand sein, der so ein Gerät besitzt, ich bräuchte es nur für zwei bis drei Tage. Ich besitze nur diese eine MiniDisc, habe also gar kein Interesse am längerfristigen Besitz eines solchen Gerätes.

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte. Weil wir ja jetzt eine Kamera haben und die auch irgendwie ausprobiert werden will, habe ich einfach ein lustiges Musikvideo zu einem ganz alten und sehr kurzen Song gemacht. Eigentlich war das auch nur eine Entschuldigung, um irgendwas zu haben, was man bei YouTube hochladen kann und es regnete gerade.

Wer also mal eine Aufnahme von 2001 oder so hören will, ich hätte hier was. Und demnächst gibt’s hoffentlich mehr. Wir arbeiten dran. Es kann sich nur noch um Jahre handeln.

Update: Wir haben mittlerweile einen MiniDisc-Player aufgetrieben und erfolgreich die MD auf den Rechner überspielt. Jetzt muss natürlich noch geschnitten und bearbeitet und was-weiß-ich werden, aber nach elf Jahren und zwei Monaten hätten wir dann zumindest den ersten Schritt getan. Alles danach wird vermutlich gar nicht mehr so schwer. Vielen Dank an alle, die mir per Kommentar, Twitter oder Mail Hilfe angeboten haben. Es scheinen doch noch mehr MiniDisc-Player in irgendwelchen Schubladen zu schlummern, als man so meinen könnte.