Sechs Wochen fast vegetarisch

Dieses Jahr kam ich relativ spontan auf die Idee, ich könnte ja in der Fastenzeit mal auf Fleisch verzichten, einfach nur um zu gucken, ob ich das kann und wie das dann so ist. Die Fastenzeit habe ich mir ausgesucht, weil sie halt da ist und weil ich mir nicht extra Regeln ausdenken musste, das hatten andere Leute schon für mich gemacht.

Folgende Regeln habe ich von den klassischen katholischen Fastenregeln übernommen:

  • Von Aschermittwoch bis Ostersamstag wird gefastet.
  • Kein Fleisch.
  • Sonntags darf man aber.

Eigentlich habe ich auch noch die Regel „Auf Reisen muss auch nicht gefastet werden“ übernommen, allerdings gab es dazu Diskussionsbedarf in der Techniktagebuchredaktion, da man sich nicht ganz einig war, ob das eine Regel ist, die historisch betrachtet zwar mal irgendwann Sinn ergab, heute aber eigentlich unnötig ist. Generell sind die katholischen Fastenregeln und vor allem die vielen Ausnahmen ein (Achtung! Schlimmes Wortspiel!) Heidenspaß, ich kann nur empfehlen, sich damit zu beschäftigen.

Was ich damit eigentlich sagen wollte, folgende Regeln habe ich nicht beachtet bzw. zusätzlich auferlegt:

  • Eier, Milch, Zucker und generell alles andere darf.
  • Fisch und Meerestiere dafür aber auch nicht. Auch keine Biber und keine Maultaschen
  • Beim schon länger geplanten Straßburgausflug durfte auch alles.

Gleich vorweg: Ich habe es nicht ganz geschafft. Gleich am zweiten Tag wurde ich in der Kantine schwach und griff zum Cordon Bleu, dafür habe ich dann immerhin an dem folgenden Sonntag nur vegetarisch gegessen. Außerdem habe ich einmal aus Versehen Kartoffelpüree mit Soßenresten vom Sonntag verputzt und eventuell einmal in der Kantine Hühnerbrühe gegessen, vielleicht war es aber auch Gemüsebrühe, das ist unklar.

Ansonsten bin ich mit der Sonntagsausnahmeregel gut gefahren, hätte ich das nicht gehabt, wäre es mir deutlich schwerer gefallen. So wurde das erste Spargel-mit-Kartoffeln-und Schinken-Massaker dann halt für Sonntag statt Samstag geplant. Während Freunde vermuteten, dass genau diese Ausnahmeregel es schwerer machen würde („Wenn, dann schon richtig durchziehen!“), wurde es für mich leichter, denn wenn ich wirklich, wirklich Bock auf etwas hatte, dann musste ich halt nur warten. Dafür habe ich mich umso mehr darauf gefreut. Das war eigentlich auch eine schöne Erfahrung, sich mal wieder richtig auf ein Essen freuen, weil man es halt – selbst so gewählt natürlich – nicht einfach so sofort haben kann.

Gekocht habe ich an Wochentagen komplett vegetarisch, wenn mein Mann selber Lust auf Fleisch hatte, konnte er sich halt etwas dazu braten, es war ja meine Fastenidee, nicht seine. Gelernt habe ich dabei folgende Dinge:

  • Es ist zwar sehr einfach, lecker vegetarisch zu kochen, aber erstaunlich viele Gerichte fallen auch weg. Beim Durchblättern meiner Kochzeitschriften und -bücher konnte ich es mantraartig runterbeten: „Geht nicht, geht nicht, geht nicht, geht nicht.“ Und dann ging aber doch immer irgendwas.
  • When in doubt make Bratreis. Bratreis mit schön angebranntem Gemüse, Ei und Sojasoße geht eigentlich immer. Ich kann dieses Rezept für den Einstieg empfehlen.
  • Eier. Ohne Eier wäre ich durchgedreht. Gott sei Dank gibt es Eier, die man auf alle möglichen denkbaren Weisen zubereiten kann.
  • Auch neu entdeckt: Nudeln mit scharfer Tomatensahnesoße, Paprika und Champignons. Direkt zwei Mal hintereinander gemacht.

Kochen zu Hause war also manchmal etwas mehr Aufwand, weil ich nicht auf altbewährte Rezepte (Spätzle mit Speck und Ei! Spaghetti Bolognese! Asiatische Nudelpfanne mit Gemüse und Hühnchen! CHILI!) zurückgreifen konnte, aber wenn man erstmal etwas gefunden hatte, gab es keine Beschwerden. Im Gegenteil. Als sich mein Mann einmal ein Steak zum Bratreis briet, gab er nachher zu: „Das Fleisch hätt’s eigentlich nicht gebraucht.“

Auswärts essen hingegen war eine größere Herausforderung. Gelegentlich schob ich einen Restaurantplan auf Sonntag, ansonsten galt es eben, die Speisekarte genauer zu studieren. Manchmal blieben nur noch ein paar Gerichte übrig. Das hat allerdings auch Vorteile, vor allem, wenn man wie ich sowieso mittlerweile schon genervt ist, dass man selber(!) etwas aussuchen muss und bei der Abendplanung im Urlaub grundsätzlich nur noch Restaurants aussucht, bei denen es ein festes Soundsoviel-Gänge-Menü gibt und man einfach gar nicht mehr selbst entscheiden muss. Wenn beim hiesigen Asiaten dann eben nur noch sechs Gerichte übrig bleiben und davon auch noch zwei uninteressant ist, geht es jedenfalls leichter mit dem Auswählen. Aber auch sonst habe ich Erkenntnisse gewonnen.

  • Man ahnt nie, wo es gutes vegetarisches Essen gibt und wo man innerlich augenrollend das kleinste Übel auswählen muss.
  • Unser Thai um die Ecke bietet sowieso fast alles ohne Fleisch oder mit Tofu an, das war also überhaupt kein Problem.
  • Auch die hiesigen Burgerbuden stellten kein Problem dar. In Köln nahm ich einfach einen Burger mit vegetarischem Patty, in Essen bestellte ich Falafel- und Rote-Linsen-Spießchen mit Grillgemüse.
  • Generell: Falafel statt Döner und alles ist gut.
  • Bei einem Türken in der Essener Innenstadt hingegen musste ich auf Vorspeisen zurückgreifen. Nun ist die türkische Küche zwar auf der einen Seite fleischlastig, auf der anderen Seite gibt es aber ja auch viel Gemüsezeug und ich hatte es mir eigentlich einfacher vorgestellt. Das einzige vegetarische Hauptgericht war aber ein obskures Nudelgericht mit Gemüse, das mir zu verdächtig nach „Jetzt noch eins für Vegetarier“ klang, also bestellte ich den Vorspeisenteller und gefüllte Weinblätter. Immerhin musste ich nirgendwo auf Pommes mit Ketchup oder Ofenblumenkohl zurückgreifen.

Und dann gibt es natürlich noch die Kantine. Herrje. Fairerweise muss man sagen, dass die hiesige Kantine immer mindestens ein vegetarisches Gericht zur Auswahl hat, allerdings ist das oft etwas, was ich nicht essen will. Dann gibt es noch die Salatbar und ein Beilagenbuffet mit zwei Soßen, außerdem kann man sich meistens auch nur Teile eines Gerichts geben lassen. Man muss also lernen, die Kantine zu hacken.

  • Neben der Salatbar bewährte sich eine einfache Form von mexikanischen Nudeln. Dazu holt man sich Nudeln und Tomatensoße von der Beilagentheke und dann Mais, rote Bohnen, Jalapenos, Zwiebeln und was es sonst noch gibt von der Salattheke.
  • Dienstag und Donnerstag ist Pizzatag und von den drei Sorten, die angeboten werden, ist eine immer vegetarisch.
  • Nie den vegetarischen Burger mit dem Kichererbsenpatty nehmen! Niemals!
  • Falafel hingegen sind kein Problem. Das macht das desaströse geschmacksneutrale Kichererbsenpattyerlebnis noch mysteriöser.

Ich habe mir aber jetzt trotzdem wieder eine Bentobox bestellt (nach Beratung von Sandra wurde es diese hier [Amazon-Werbelink]), weil mein eigenes Essen doch fast immer geiler ist als das in der Kantine. Mal gucken, was ich davon in Zukunft berichten kann.

Was ich jetzt mit all meinen Erkenntnissen mache, weiß ich noch nicht. Erstmal auflisten vielleicht:

  • Auf Fleisch und Fisch zu verzichten ist gar nicht so schwer.
  • Vor allem, wenn man es sich an einem Tag in der Woche erlaubt.
  • Eier! Mit Eiern wird alles besser.
  • Man findet auf fast jeder Restaurant- oder Cafékarte etwas vegetarisches. Im besten Fall sogar etwas, das man mag.
  • Es ist trotzdem überraschend, in wie vielen Gerichten irgendwas mit Fleisch oder Fisch verarbeitet wird.
  • Abnehmen tut man davon übrigens nicht. Und man isst auch nicht zwangsläufig gesünder.
  • Ich habe vielleicht weniger Geld für Lebensmittel ausgegeben, das mag aber auch Einbildung sein und/oder andere Gründe gehabt haben.

Ich bin nach Ostern viel zu schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen und dachte direkt nach dem ersten Kantinenmittag: „Eigentlich hätte es das Fleisch jetzt nicht gebraucht!“ Aber vielleicht war das auch nicht verwunderlich, erst mal wieder voll reinschlagen, um dann zu merken, dass es gar nicht besser ist. Inwiefern ich in Zukunft weniger Fleisch essen werden, wage ich nicht zu prophezeien. Ich hoffe weniger, aber ich kenne mich auch gut genug, um zu wissen, dass es sehr einfach ist, alte Gewohnheiten wieder aufzunehmen.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass es mir weniger schwer fällt als gedacht, im Alltag auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Ich habe auch gemerkt, dass eine Umkehr der Sichtweise gar nicht so schwer ist: Wenn man eben im Restaurant nicht negativ darauf guckt, was man alles nicht essen kann, sondern eben darauf, was man leckeres zur Auswahl hat, kommt es einem gar nicht wie Verzicht vor.

Aber auch: Vegetarierin werde ich erstmal nicht, dafür war mir der Ausnahmesonntag zu wichtig, dafür finde ich eben auch Essen viel zu interessant, ich möchte ja immer alles (aus-)probieren, wie schmeckt das, wie schmeckt das, wie kann man das zubereiten, wo kommt das her? Trotzdem bin ich optimistisch, dass irgendwas hängenbleiben wird. Und nächstes Jahr, hat mein Mann gesagt, da macht er vielleicht mit.

Kann man nicht kochen können?

Ich stellte gestern auf Twitter und auf Facebook die wirklich ernst gemeinte Frage, ob Menschen, die von sich behaupten, nicht kochen zu können, es auch mehr als drei Mal versucht haben?

Die Frage stieß auf erstaunliche Resonanz und die Antworten zeigten eine große Bandbreite sowohl in Hinblick darauf, wie man die Frage verstehen konnte, als auch in Hinblick darauf, vor welchen Probleme Kochneulinge stehen. Probleme, die mir so gar nicht klar waren.

Eines gleich vorweg: Mir ging es nicht um den Spaß am Kochen. Mir ging es auch nicht darum, ob man ein Drei-Gänge-Menü für Gäste kochen kann oder darum, Menschen, die nicht gerne kochen, irgendwie zu beschämen. Ja, ich koche gerne, aber ich mache andere Sachen auch nicht gerne, die anderen Leuten großen Spaß bereiten und ich habe da auch keine Lust, Rede und Antwort zu stehen, warum ich diese Dinge nicht tun möchte.

Es ging mir aber tatsächlich nicht ums Mögen oder um ein bestimmtes Niveau, sondern um das wirklich ganz basale Können.

Hier lauerte direkt die nächste Falle: Menschen definieren Können unterschiedlich. Deswegen hier auch direkt meine Definition von „Kochen können“: Kochen können bedeutet, dass ich in der Lage bin, aus Lebensmitteln etwas herzustellen, dass man nachher auch essen möchte und das jetzt über das Belegen eines Brotes mit einer Käsescheibe hinausgeht. Wer ein Rührei braten, Nudeln oder Kartoffeln kochen und den Teig für einen Pfannkuchen (für die Leser aus dem Osten: Eierkuchen) zusammenquirlen kann, qualifiziert sich schon für das Prädikat „Kann kochen“. Es darf auch mit Fertigmitteln geholfen werden und die Tomatensoße aus dem Glas genommen werden. Hätten wir das auch geklärt.

Kurz nachdem ich die Frage gestellt hatte, schrieb Kathrin Passig:

Programmieren übrigens genauso. Ich vermute, auch die Hindernisse sind ähnliche: mit jemandem im selben Haushalt leben, der es halt schon kann, zum Beispiel.

Und Kerstin Hoffmann fügte hinzu:

„Können Sie Klavier spielen?“
„Keine Ahnung, noch nie ausprobiert.“

Wir sind also immer noch nicht beim eigentlichen Kochen angekommen, sondern klären weiter Grundsätzlichkeiten: Natürlich kann man die Frage für ungefähr alles, was man irgendwie Lernen muss, stellen, denn etwas Neues zu lernen beinhaltet erstens immer, dass man es öfter als drei Mal versucht und zweitens, dass man es überhaupt ausprobiert.

Auf letzteres kam es mir eben genau auch bei meiner Frage an, bezieht sich die Aussage „Ich kann nicht kochen“ üblicherweise darauf, dass man es einfach noch nie gemacht hat, oder bezieht sie sich auf zahlreiche erfolglose Versuche, es zu versuchen. Beide Varianten öffnen sofort die Tür für weitere interessante Fragen: „Wenn man es noch nie versucht hat, warum?“ und „Besteht die Annahme, dass man Kochen einfach kann oder nicht kann?“ und „Wenn man es schon oft versucht hat, woran ist es gescheitert?“ und natürlich die Frage: „Gibt es Menschen, die einfach nicht kochen können?“

Jetzt gibt es natürlich berechtigte Gegenfragen: „Warum geht es dir ausgerechnet ums Kochen?“ „Muss man Kochen können?“ und „Wie kommst du drauf, dass es dich was angeht, ob ich Kochen kann oder will?“

Auf letztere Frage habe ich die einfache Antwort: Es geht mich gar nichts an, aber es interessiert mich, weil es für mich so selbstverständlich ist, dass man kocht oder zumindest kochen kann, dass ich in der Tat verstehen will, was andere Menschen daran hindern könnte. Es geht mir ums Kochen, weil das ein Bereich ist, der immer präsent ist, weil wir alle essen. Man kann es wie Frank Lachmann machen und auf Soylent umsteigen, dann ist man dieses Problem natürlich auch los, aber selbst Soylent muss man zusammenrühren. Und nein, man muss nicht Kochen können.

Kochen kann man nicht, Kochen lernt man

Und jetzt kommen wir zu dem, worauf ich eigentlich hinauswollte: Fast niemand kann einfach so kochen. Ich habe das auch in vielen Jahren gelernt, Stück für Stück und ich habe erst vor kurzem begriffen, wie man Kartoffeln richtig kocht und kämpfe immer noch mit Hefeteig. Mit sechs Jahren notierte ich das Rezept für Bobos. In der Grundschule konnte ich Spiegeleier braten. Als Teenager verfeinerte ich Dosenbohnen in Chilisauce mit Zwiebeln, Paprika und Dosenmais oder strich Fertigsalsasauce auf TK-Blätterteig, streute Käse drüber und überbuk es im Ofen. Mein Lieblingssalat bestand aus Mais, roten Bohnen, Zwiebeln und unglaublich viel Essig. Auch alles Sachen, die ich als „Ich kann kochen“ durchgehen lassen würde, übrigens.

Mich interessiert, ob es ein Missverständnis gibt, nach dem Leute, die kochen können das selbstverständlich in die Wiege gelegt bekommen haben oder von ihren Eltern oder Großeltern von Kindesbeinen an in die große Kochkunst eingewiesen wurden. Ich bin zwischen Tütensuppe und ausgenommener Forelle großgeworden. Tatsächlich habe ich bei meiner Oma in der Küche zugeguckt und mit meiner Mutter Kekse gebacken, aber ich erinnere mich nicht daran, dass es jemals größere Kochlehrstunden gab. Was es immer gab, unbestritten, ist ein Interesse an Essen und das, obwohl ich als Kind ein ganz schlimmes Mäkelkind war und quasi kein Gemüse gegessen habe.

In der neunten und zehnten Klasse hatte ich Hauswirtschaft als Wahlpflichtfach und habe auch da ein bisschen Kochen gelernt. Das klingt übrigens nur so lange lustig und antiquiert, bis man weiß, dass die Hauswirtschaftslehrerin auch Chemielehrerin war und man zwar alle paar Wochen mal in der Schulküche kocht, aber den Rest der Zeit etwas über Nährstoffe, die unterschiedlichen Garmethoden und was da so mit dem Essen passiert und Essstörungen lernte. Dann klingt es auf einmal wie etwas, das man wie Informatik und Wirtschaftswesen sinnvollerweise direkt als Pflichtfach einführen sollte, aber das ist eine andere Diskussion.

Trotzdem sind mir im Laufe der Jahre auch viele Gerichte missglückt, ich habe das Salz an den Nudeln vergessen und dafür die Soße versalzen, Kuchen sind im Ofen verkokelt oder waren trocken und verklumpte Vanillesoße wurde in den Ausguss geschüttet. Von Hefeteig will ich gar nicht anfangen, der hat mir erst vor wenigen Tagen wieder die Mitarbeit verweigert.

Dementsprechend frage ich mich eben, ob es ein Missverständnis gibt, dass bei Leuten, die wie ich gerne und viel kochen, nie irgendwas schief geht oder einfach nicht schmeckt. Doch, doch, tut es. Wie bei allen anderen Dingen auch, hat Können etwas mit Lernen zu tun und Lernen etwas mit Fehler machen. Auch, wie man lernt, ist vollkommen unterschiedlich. Ich habe mich über Fertigprodukte und einfache Rezepte an die Sache rangetastet. Andere Leute halfen als Kind in der Küche mit. Wieder andere schnappten sich irgendwann ein Schulkochbuch und haben erstmal gelernt, wie man Salzkartoffeln kocht.

Glasig dünsten, hä?

Das Problem ist eben auch, dass man irgendwann den Blick dafür verliert, was alles überhaupt nicht selbstverständlich ist, eben weil man es so verinnerlicht hat, dass man gar nicht mehr drüber nachdenkt. Wenn in Rezepten „Zwiebeln glasig dünsten“ steht, dann weiß ich, was damit gemeint ist, aber warum ich das weiß, kann ich noch nicht mal mehr sagen.

Auf Facebook schrieb Max von Webel:

Das ist definitiv eines der Hauptprobleme mit Rezepten, dass sie zum einen hyper-exakt sind: 200g Butter! Nicht 201g, nicht 199g sondern exakt! 200g! Andererseits dann aber in die totale Beliebigkeit abrutschen „nach Geschmack würzen“ (wtf?). Meine Lieblingsformulierung ist „goldbraun anbraten“. Ich hab noch nie irgendwas gesehen, was „goldbraun“ war, das ist einfach keine Farbe.

Meine spontane Reaktion war: Natürlich müssen es nicht genau 200 Gramm Butter sein, es dürfen in fast allen Fällen sogar 190 Gramm sein oder 205 Gramm. Selbst beim Backen, wo es ja durchaus exakter zugeht als beim Kochen, muss man nicht grammgenau abmessen. Und: Ich weiß vermutlich auch, was „goldbraun anbraten“ bedeutet, auch wenn mir diese Formulierung gar nicht so geläufig vorkommt. Butter lässt man goldbraun werden, aber nicht das, was man darin anbrät. Es ist genauso wie „Zwiebeln glasig dünsten“, ich weiß, was gemeint ist und wie es aussehen soll und darüber, dass man es nicht wissen könnte, muss ich mir erst bewusst klar werden.

Darauf aufbauend ergab sich die Frage, warum es denn nicht einfach ganz genaue Rezepte gibt, so dass es wirklich keinerlei Raum für Abweichungen gibt. Die Antwort darauf hat Franziska Robertz gegeben:

Zum einen ist z.B. jeder Ofen anders, was das gleichmäßige Backen betrifft. Auch sollte man seine technischen Küchengeräte schon gut kennen und wirklich die Gebrauchsanweisung zumindest überfliegen. Ich erlebe es in einigen Backgruppen immer wieder, dass Leute z.B. ihre KitchenAid töten, weil sie den Hefeteig darin auf höchster Stufe vermengen (geringste Stufe wird empfohlen).
Zum anderen sind besonders fleischige Zutaten nicht immer gleich. Nur weil heute das eine Steak perfekt gelingt, muss es das morgen unter gleichen Bedingungen keineswegs. Gerade Naturprodukte wie Fleisch sind extrem individuell. Das gleiche Stück Fleisch kann nächstes Mal total zäh sein, obwohl man es genauso gebraten hat wie das davor. Eben weil es von einem anderen Tier stammt, das völlig andere Eigenschaften hat. […] Geht auch mit Zitronen: Der Saft einer Zitrone kann unter Umständen nur 15 ml sein oder eben 115 ml. Wenn in Rezepten solche ungenauen Angaben stehen wie 1 Zitrone oder so und man noch kein Gefühl für das Kochen bzw. für Rezepte entwickelt hat, kann einem das Ergebnis ganz schön sauer aufstoßen.

Auf einmal diskutierten wir Dinge, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, weil sie für mich Selbstverständlichkeiten sind. Dass sich nicht jede Zutat immer gleich verhält, dass Rezepte immer Raum für Interpretationen lassen und an vielen Stellen nur Vorschläge sind und man die Paprika statt in Würfel auch in kleine Rauten schneiden kann, weil „in Würfel schneiden“ in Rezeptlingo einfach ein gängiger Begriff ist. Dass wir es generell bei Rezepten mit Grundannahmen und Begriffen zu tun haben, die sich für komplette Anfänger gar nicht wie selbstverständlich erschließen.

Nicht können oder nicht wollen?

Nach wie vor suche ich noch auf Antworten auf meine Frage, es haben sich eher noch mehr Fragen aufgetan und spannende Diskussionen ergeben, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Oft wurde meine Frage mit „Warum willst du nicht Kochen lernen?“ verwechselt und entsprechende Gründe angegeben: Keine Lust, kein Interesse, keine Zeit, der Partner kocht gut, es gibt Lieferdienste und Fertiggerichte und ich esse sowieso lieber kalt (wobei ich einen selbst zusammengeschnibbelten Salat auch schon als Kochen gelten lassen würde). Es besteht keine Notwendigkeit, es zu lernen, also tut man es nicht.

Wenn man jetzt aber zu meiner Basisvorstellung von „Kochen können“ zurückkommt, also Rührei und Nudeln mit Soße, gibt es dann immer noch Leute, die von sich sagen, sie könnten das nicht und vor allem: Mit welchen Vorstellungen geht man an die Sache heran?

Ich habe mich letztes Jahr sehr über einen Artikel bei Vice.com geärgert, in dem eine Kochanfängerin darüber schrieb, wie sie versuchte, Rezepte von Tasty nachzukochen und kläglich scheiterte. (Zur Erklärung, bei Tasty handelt es sich um die gerade auf Facebook veröffentlichten Kochanleitungen, wo man alles nur von oben sieht und es jenseits des Visuellen keine begleitende Erklärung gibt.) Die Autorin machte aus meiner Sicht einen entscheidenden Fehler, den sie sogar kokett ankündigte: Sie erklärte, dass sie zwar keine Ahnung vom Kochen hätte, wenn ihr aber etwas nicht klar wäre, dann würde sie das einfach frei Schnauze und nach Gefühl machen.

Hier ein kleines Geheimnis: Wenn man sich beim Kochen nicht sicher ist und keine große Kocherfahrung hat, dann hat man auch ziemlich sicher kein Gefühl dafür, wie etwas zu tun ist. Das gilt vermutlich nicht nur fürs Kochen.

Wie erwartet ging ungefähr alles schief, teils, weil die Rezepte zu kompliziert waren, teils, weil die Mengenangaben in amerikanischen cups angegeben waren und die Autorin ja eben nicht nachgucken wollte, wie viel das ist (Spoiler: eine amerikanische cup sind ungefähr 235 ml) und dementsprechend einfach irgendwas gemacht hat und teils, weil es halt einfach nicht geklappt hat.

Meine Quintessenz war: Wenn man sich selbst als Kochanfänger bezeichnet, dann ist die Chance, dass man erfolgreich ist, wenn man nach Rezepten kocht, die man nicht komplett versteht, erstaunlich gering. Es ist ein bisschen so, als würde man nach drei Wochen Klavierunterricht versuchen, eine Sonate von Beethoven zu spielen und dann erbost das Notenheft gegen die Wand werfen, wenn es nicht klappt.

Was heißt überhaupt (nicht) kochen können?

Bevor dieser Beitrag jetzt aber endlos umhermäandert und nicht zum Punkt kommt, versuche ich noch mal auf die Ursprungsfrage zurückzukommen und darauf, wie ich überhaupt darauf kam:

Haben Menschen, die von sich behaupten, nicht kochen zu können, es mehr als drei Mal versucht?

Die Frage beschäftigte mich, weil ich dahinter eben ein Missverständnis des Kochenkönnens und -lernens vermutete. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich Menschen, die gerne kochen könnten, die es auch schon oft versucht haben, aber bei denen es einfach nicht klappt. Da interessiert mich, was da nicht klappt, wie an die Sache herangegangen wird und wo die Frustrationsgrenze ist. Aber ich glaube auch, dass es Menschen gibt, die einerseits kein Interesse daran haben, es zu lernen und es deswegen auch noch nie versucht haben, die aber vielleicht auch irgendein Grundtalent bei ihren kochenden Mitmenschen vermuten, das so meiner Erfahrung nach in den allerwenigstens Fällen tatsächlich da ist. Wir haben das eben auch alles gelernt und auf dem Weg ist uns ziemlich viel verbrannt, verkocht oder ungewollt halb roh auf den Teller gekommen.

Es geht nicht um Freude, Spaß oder Interesse, sondern die einfache Frage, ob man in der Lage wäre, ein akzeptables Rührei mit Speck hinzukriegen, wenn es halt sei müsste.

Wenn mir ein Knopf an der Jacke abfällt, dann bringe ich das auch meistens zu meinem spanischen Schneider und zahle ihm zwei Euro fürs Wiederannähen. Ich könnte den Knopf im Ernstfall aber auch selber annähen, ich besitze Nadel und Faden und kann einen Knoten machen. Der Knopf sitzt dann ein bisschen wackliger, auf der Rückseite sieht es scheiße aus und ich habe zehn Mal geflucht, aber es geht irgendwie. Und wenn ich es schöner machen wollte und der spanische Schneider in Urlaub ist, dann google ich, wie man Knöpfe annäht und dabei weniger fluchen muss.

Wenn ich von „Kochen können“ schreibe, dann meine ich also in Schneideranalogie nicht „Ein Abendkleid entwerfen und nähen“, noch nicht mal „einen Kissenbezug nähen“, sondern „einen Knopf wieder annähen“ oder vielleicht noch „einen Rocksaum wieder so zusammennähen, dass man sich damit in die Öffentlichkeit trauen kann“.

Die nächste Fragerunde

Es bleiben also für mich folgende Fragen:

  1. Was meinen die Leute, die „Ich kann nicht kochen“ sagen, damit? Haben sie es schon versucht und wenn ja, wann und warum haben sie aufgegeben?
  2. Gibt es Leute, die wirklich nicht kochen können? Was geht schief? Auf welchem Weg gehen sie an die Sache ran?
  3. Mit welchen Selbstverständlichkeiten, die für Kocherfahrene vollkommen klar sind, werden Kochanfänger konfrontiert, und welche Missverständnisse be- und entstehen auf diesem Weg?

Auf der anderen Seite sollte ich mich vielleicht nicht so anstellen. Wenn wirklich ausreichend viele Leute nicht kochen können und das auch nicht lernen wollen, sehen meine Chancen nach der Zombiekalypse doch gar nicht so schlecht aus. Bisher hatte ich mich als fahrende Musikerin gesehen, weil mir alles das, was ich für meinen Job können muss, noch weniger hilfreich fürs Überleben vorkam, ich kann ja nur Programmieren und Erklären und noch nicht mal einen Notstromgenerator in Gang bringen. Aber wenn alle Konservendosen geplündert sind, kann ich immerhin aus Mehl, Salz und Wasser einen Teig zusammenrühren und daraus irgendeine Art Fladenbrot backen. Das ist doch auch was.

Kochprofileaks oder wie ich einmal im Fernsehen war

Letztes Wochenende war ich im Fernsehen. Da saß ich mit zehn anderen Leuten in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber. Insgesamt saß ich sogar zwei Mal in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber.

Und das kam so:

Anfang Mai bekam ich eine Anfrage von einer Produktionsfirma, ob ich Lust hätte, bei einem neuen Format einer Kochsendung mitzumachen. Details standen nicht in der Mail, also meldete ich mich, bekundete generell mein Interesse und es kam zu detaillierteren Mails und Telefongesprächen. Das Grundkonzept: Die Kochprofis von RTL II machen ein Restaurant Battle. Jeweils vier Restaurants kochen ein Drei-Gänge-Menü von der Karte, das wird gegessen und bewertet, dann werden die Köche einen Tag von den Kochprofis gecoacht und die Gerichte überarbeitet und dann kommt die gleiche Jury und isst und bewertet noch mal. Das Restaurant mit der größten Punktedifferenz zwischen dem ersten und dem zweiten Abend gewinnt Geld.

Das schien mir recht risikofrei zu sein. Bei ähnlichen Kochsendungen dieser Art, die ich zugegebenermaßen gelegentlich auch gucke, spielt die Jury eine untergeordnete Rolle, die sitzen halt rum und essen und sagen ein paar Sätze in die Kamera, die Chancen, hier irgendwie etwas peinliches zu tun oder zu sagen, schienen mir gering. Außerdem will ich ja immer wissen, wie Dinge funktionieren, wie das also auch zum Beispiel ist, bei einer Fernsehsendung mitzumachen und was da so alles passiert. Also sagte ich zu und fuhr an zwei Nachmittagen nach der Arbeit nach Witten und wurde beim Essen und Reden, zwei meiner Kernkompetenzen, gefilmt. Und weil es vielleicht noch andere Leute interessiert, wie das so ist, beantworte ich hier die drängendsten Fragen einfach im Blog.

 

War die Sendung gescripted?

Ein klares Nein, zumindest für die Teile, bei denen ich dabei war. Was tatsächlich passiert: Die Storyverantwortlichen sagen gelegentlich, wer was sagen soll, wo er stehen soll und was die anderen in der Zeit tun sollen. Das sah dann ungefähr so aus: „So, und jetzt kommt ihr rein und dann steht da der J. und begrüßt euch.“ Vor, während und nach dem Essen wurde gelegentlich einzelnen Personen Fragen gestellt, die wir dann beantwortet haben und zwar, ganz wichtig, in ganzen Sätzen! Die Fragen würden später schließlich nicht in der Sendung gezeigt werden, nur die Antworten. Auch Formulierungen wie „wie gesagt“ waren verboten. Außerdem liefen dauernd Leute um den Tisch und hörten sich an, was wir redeten und wenn etwas Sendungstaugliches dabei war, durften wir das noch mal sagen. Und eventuell noch mal. Und eventuell noch mal. Grundsätzlich haben wir aber immer nur Dinge gesagt, die wir auch so meinten bzw. eine Minute vorher spontan gesagt hatten und im Wesentlichen saßen wir einfach zu zehnt an einem Tisch und haben uns über das Essen (und andere Dinge) unterhalten.

Anne und Holger

 

War die Currysuppe wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich habe ja auch schon mal aus Verzweiflung Gemüsebrühepulver vernascht.

 

War die Crème zum Nachtisch wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich esse ja auch Nusspli pur aus dem Becher.

Kamera

 

Waren die Punkte abgesprochen?

Nein. Natürlich bekam man während des Essens und Drehens mit, wie so die Meinung der anderen zum Essen war. Ansonsten hat aber jeder seine Punktzahl auf das Täfelchen geschrieben bzw. den umherlaufenden Punkteeinsammlern leise mitgeteilt. In der zweiten Sendung schien es tatsächlich eine Gruppe zu geben, die die Punkte durchdiskutiert hat, sowas haben wir nicht gemacht.

Täfelchen

 

Wurde etwas Wesentliches rausgeschnitten?

Ich habe die Mangosauce des Todes vermisst, die uns zum Hauptgang gereicht wurden. Niemand hat kapiert, was sie sollte und woraus sie bestand und so richtig wollten wir das auch nicht wissen. Es gibt sogar ein Behind-the-Scenes-Video feat. Mangosauce, aber das kursiert nur brav in der WhatsApp-Gruppe der Teilnehmer. Und der Hund eines Teilnehmers, der zwar eigentlich draußen warten sollte, wo es ihm aber offensichtlich zu langweilig wurde, so dass er irgendwann interessiert mitten im Restaurant stand und zugucken wollte.

 

Wie war die Stimmung?

Super. Wir haben uns von Anfang an verstanden, sowohl als Jury, als auch mit dem Produktionsteam, hatten sehr viel Spaß und haben eigentlich die meiste Zeit gelacht. Gerüchten zufolge war das nicht bei jeder Gruppe der Fall und manche haben sich eher angeschwiegen. Wir wurden eher zurechtgewiesen, jetzt aber mal bitte leise zu sein, weil jemand anders gerade etwas in die Kamera sagte und in einer anderen Ecke wild gekichert wurde. Die Gruppe war zwar wild zusammengewürfelt, von der Mentalität her hat es aber sehr gut gepasst, vielleicht auch gerade, weil sie wild zusammengewürfelt war.

Gruppe im Fernsehen

 

Würdest du das noch mal machen?

Ja.

 

Sonja vom Vest-Blog war auch dabei und hat schon Ende September darüber geschrieben.

Zu sehen gibt es das Ganze auch bei TV NOW, dazu muss man sich aber meines Wissens anmelden.

Bordeaux-Vorfreude

Bordeaux (5.9.2015)

In anderthalb Wochen brechen wir wieder gen Süden auf, um schon wieder in Biscarrosse-Plage Urlaub zu machen. Eigentlich widerstrebt es mir, jedes Jahr an den gleichen Ort zu fahren, es gibt aber auch sehr gute Argumente dafür oder zumindest für Biscarrosse: Erstens wollen wir ja surfen und ja, das geht auch woanders, aber in Biscarrosse geht es erwiesenermaßen sehr gut, man kommt mit dem Auto hin und wir fahren einfach sehr gerne nach Frankreich. Zweitens haben wir festgestellt, dass wir so locker jeden Tag zwei zusätzliche Erholungstage raushauen, weil die ganze Einlebephase wegfällt. Ungefähr in der Minute, in der wir das Ortsschild passieren, bin ich entspannt, es gibt keine Übergangsphase mehr, wir sind da, das Meer ist da, die Surfschule ist da, der Supermarkt ist da, der Bäcker ist da, alles da, kann losgehen. Drittens kennen wir da mittlerweile Leute und es ist tatsächlich ganz nett, auch im Urlaub nicht ganz fremd zu sein.

Bordeaux 8.9.2015

Viertens machen wir ja doch jedes Jahr etwas neues. Im dritten Jahr machen wir einen Zwischenstopp auf der Hinreise, 2014 waren wir in Montbéliard und in Clermont-Ferrand, letztes Jahr in Barbizon und dieses Jahr werden wir in einem Dorf in der Nähe von Blois übernachten. Außerdem werden wir wohl wieder die Gegend erkunden. Arcachon kennen wir jetzt so langsam, wir waren in Mont-de-Marsan, Biarritz und Bayonne, aber wir waren noch nicht in Biarritz im Aquarium. Und vor allem haben wir noch längst nicht genug von Bordeaux gesehen, da haben wir uns nämlich erst letztes Jahr zum ersten Mal hingetraut, weil wir die Größe der Stadt etwas überschätzt hatten und schlimmes Verkehrschaos befürchteten.

In Wirklichkeit sieht ein Bordeauxausflug so aus. Man fährt eine Stunde mit dem Auto, fährt dann die Autobahnausfahrt Bordeaux-Centre raus, fährt ungefähr fünf Minuten geradeaus und dann am Place de la Bourse in ein Parkhaus. Fertig. Das hat uns überzeugt.

Bordeaux (5.9.2015)

Für dieses Mal habe ich mindestens drei Bordeaux-Ausflüge geplant, denn sobald man begriffen hat, dass es kein Verkehrschaos zu befürchten gibt, ist man nicht nur dem Charme der Stadt erlegen, sondern verbringt zu viel Zeit auf TripAdvisor und hat in Nullkommanix eine Liste mit Restaurants, in die man unbedingt mal gehen muss. Das funktioniert zwar auch mit anderen Städten, in Bordeaux kommt es mir aber besonders schlimm vor.

Für das Garopapilles habe ich schon vor Wochen eine Reservierung gemacht, das Restaurant hat nämlich nur an zwei Abenden in der Woche geöffnet, da war mir das Risiko zu groß, abzuwarten.

Außerdem möchten wir wieder ins Dan, wo wir letztes Jahr eines der leckersten Menüs unseres Lebens essen konnten. Darüber hab ich hier bereits geschrieben.

Bordeaux 8.9.2015

Als wir da beim ersten Versuch sehr freundlich abgewiesen wurden (keine Reservierung), wurde uns das Le Chien de Pavlov empfohlen, wo wir auch sehr lecker aßen und vor allem alten Rum probierten. Die Information, dass man dort auch Kochkurse buchen kann, erwies sich leider als veraltet. Man könne noch Cocktailkurse oder ein Weinseminar machen, aber hier kommt uns ein bisschen die lange Rückfahrt mit dem Auto in die Quere.

Bordeaux (5.9.2015)

Dann steht noch das Miles auf der Liste und damit müssten wir dann schon drei Mal nach Bordeaux, was zwar machbar ist, aber eben auch schon ein ganz gutes Programm, immerhin muss man halt von unserem kleinen Küstendorf erstmal hinkommen. Man könnte auch noch einen Besuch im neuen Weinmuseum einplanen oder den Le Creuset-Shop leerkaufen oder ach ach, ich seh schon… wir fahren zwar bald erst hin, sollten aber jetzt schon planen noch mal wiederzukommen.

Bordeaux (5.9.2015)

Einkaufen 5

Ich habe ein Problem. Genau genommen habe ich eventuell zwei Probleme, wobei das eine Problem aber ohne das andere nicht existieren würde.

Das erste Problem ist, dass ich leider an Chipssucht leide. Schon als Kind fand ich Knabberkram deutlich anziehender als Schokolade und das ist bis heute so geblieben. Dazu kommt allerdings, dass ich sehr sehr wählerisch bin, was Knabberkram im Allgemeinen und Chips im Besonderen angeht. Man kann mir zum Beispiel prima eine Schüssel mit Erdnussflips hinstellen, die ich nicht einmal eines Blickes würdigen würde. Anders sieht es aus, stellte man mir eine Schüssel Essigchips vor die Nase, dann kommt es aber auch wieder auf die Sorte an. Die von Chio sind gut, aber sehr intensiv, die Kesselchips von Funny Frisch ziemlich gut, aber etwas teuer, die von Lorenz kann man knicken (Balsamico, pah!) und die Eigenmarke von Edeka ist gehtso, aber ganz okay.

Und so geht das übrigens bei allen Variationen, es ist kaum vorhersehbar, was ich mag und was nicht, aber ich habe sehr genaue Vorstellungen, und selbst wenn ich gerne Junkfood esse, heißt das ja nicht, dass ich jedes Junkfood esse. Da gibt es sehr große Unterschiede.

Bei meinem Mann ist es ähnlich, leider gibt es aber sehr geringe Überschneidungspunkte, so dass wir gelegentlich zwei unterschiedliche Sorten Chips im Haus haben, die, die ich mag und die, die er mag. Ansonsten konnte wir uns auf die Riffels Naturell von Funny Frisch als kleinstem gemeinsamen Nenner einigen.

Soweit zum ersten Problem. Kommen wir zum zweiten Problem: Unser Haus-Edeka hat das Sortiment umgestellt. Genauer genommen wurden exakt alle Sorten Chips aus dem Sortiment genommen, die ich am liebsten mag. Wie genau die das herausgefunden haben und was ich wem bei Edeka Henrichs getan habe, dass sie mich auf so gemeine Weise bestrafen mussten, weiß ich nicht.

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Es fehlen, um genau zu sein: Funny Frisch Frit-Sticks, Funny Frisch Kesselchips Essig, Funny Frisch Riffels Naturell (und alle anderen Riffels-Sorten), Chio Chips mit Essig, sowie Chio Tacos in sämtlichen Sorten. Es fehlen auch noch viele andere Sorten, aber die waren für mein Seelenheil nicht so essentiell.

Ich bin ob dieses Dramas auf die Urmutter aller Chipssorten, also Funny Frisch Ungarisch, umgestiegen, verzweifle aber zunehmend. Das ist doch wirklich kein Zustand! Der Alternativ-Edeka in Rüttenscheid gehört ebenfalls zu Edeka Henrichs, man hat hier offensichtlich sehr sauber und flächendeckend gearbeitet, auch hier werde ich nicht fündig. Aus Verzweiflung haben wir schon alles mögliche probiert, seltsame italienische Flips, Lays Chips (ganz okay, aber überarbeitungswürdige Oberflächenstruktur) oder ganz aparte Reispopper, die ich aber auf Dauer doch zu langweilig fand. Crunchips und Pringles empfinde ich als Chipsgourmet als Affront, Tyrells sind mir zu hipster und gäbe es Kettle Chips, so bin ich da sehr desillusioniert, seit ich mal die amerikanische Produktlinie (Maple! Jalapeno! Sriracha!) gesehen habe und bittere Tränen weinte über die Einfallslosigkeit der europäischen Sorten.

Man sieht: Es ist kompliziert. Regelmäßig überlege ich, bei einem Ausflug zu einem REWE mal ein Dutzend Tüten Frit-Sticks als Vorrat mitzunehmen, aber dann hätte ich ein Dutzend Tüten Chips zu Hause und da befürchte ich, dass das kein gutes Ende nehmen würde. Ich habe noch keine Lösung für mein Problem gefunden. So sehr ich die Bemühungen, ein bisschen Abwechslung ins Chipsregal zu bringen, befürworte, so bin ich doch der Ansicht, als Stammkunden am Chipsregal hätte es nichts gekostet, mich kurz um meine Meinung zu bitten. Ich habe immer jahrzentelange Erfahrung auf diesem Gebiet.

Essen wie Anne in Frankreich: À table in Bayonne

Bayonne 02/09/2015

Als wir im letzten Jahr ankündigten, wir würden nach Bayonne oder Biarritz fahren wollen, schrieb uns Antoine den Namen eines Restaurants auf, in das wir unbedingt gehen sollten. „À table“ hieß es, in Bayonne sei es, direkt am Fluß und sehr empfehlenswert, aber auch sehr klein, wir sollten reservieren, er könne das aber auch gerne für uns machen. Wir hatten aber noch keine konkreten Pläne, wir hatten ja noch keine Vorstellung, was man in Bayonne und Biarritz so machen könnte und wollten uns nicht direkt einen fixen Termin in den Tag legen.

Mittags kamen wir also in Bayonne an, hatten Hunger und fanden recht schnell zu À table. Sehr hübsch sah das aus. „Ich möchte da essen!“ sagte ich nach kurzem Studieren der Tageskarte. Daraus wurde aber nichts. Ob wir reserviert hätten, fragte uns eine kleine, resolute Frau und wir mussten verneinen. Dann wäre leider nichts möglich, erfuhren wir und wurden weiter geschickt. Dieses Jahr waren wir schlauer und am Abend vorher reservierte ich Online einen Tisch um 12 Uhr im Restaurant von Claire und Wilfried. Die Bestätigung blieb zwar aus, aber wir waren mutig und machten uns trotzdem auf den Weg. Es ist ja nicht so, als ob es in französischen Städten üblicherweise einen Mangel an Restaurants gäbe.

Bayonne 02/09/2015

Um zehn vor zwölf standen wir vor dem kleinen Restaurant und fragten vorsichtig an, ob denn die Reservierung erfolgreich gewesen wäre. War sie, aber da es noch zehn Minuten vor der offiziellen Öffnungszeit war, wurden wir noch eine Runde spazieren geschickt. Auch so eine französische Eigenheit, an die man sich gewöhnen muss. Wenn um 12 Uhr oder um 19 Uhr aufgemacht wird, wird auch erst um 12 Uhr oder um 19 Uhr aufgemacht. Da kann schon alles bereit stehen, los geht es dann, wenn es ganz hochoffziell losgeht. Das mag erstmal unhöflich erscheinen, ist aber einfach so. Manchmal darf man auch schon sitzen, in diesem Fall liefen wir noch eine Runde durch die kleinen Sträßchen von Bayonne.

Dann aber war 12 Uhr und wir durften sitzen und bestellen. Claire entschuldigte sich für das Fehlen einer englischen Karte. Alle paar Monaten wird die Karte von À table saisonbedingt runderneuert und der Wechsel wäre gerade erst gewesen, sie hätten noch keine Zeit für eine englische Karte gehabt. Egal, geht auch mit einer französischen. Auf der einzigen Terrasse (eigentlich der Bürgersteig) stehen kleine Tische, von denen man einen wunderbaren Ausblick auf den Kanal hat. Drinnen ist noch mal Platz für eng aneinander sitzende zehn bis zwölf Personen.

Bayonne 02/09/2015

Im Laufe des Bestellvorgangs steht uns Claire immer beiseite. Zwei Ratschläge hat sie: Nie das gleiche bestellen wie die anderen am Tisch. Und: Immer etwas nehmen, was man so noch nicht gegessen hat. Wir entscheiden uns also für die Vorspeisenvariation für zwei, der Mann nimmt Steak tatare (was Regel 2 widerspricht, aber gut) und ich nehme den Spieß mit Jakobsmuscheln und eingelegter Zitrone. Das Gemüse des Tages ist Ratatouille sowie ein Kartoffelstampf mit Kürbis.

Bayonne 02/09/2015

Die Vorspeisenplatte ist üppig, es gibt Burrata, Römerherzsalat, etwas Sojasprossen, spanischen Schinken, Kapern, Wraps mit Ziegenkäsecreme und Foie Gras in Sangria mariniert. Dazu gibt es einen Brotkorb, zur Foie Gras empfiehlt Claire das Schwarzbrot – unüblich eigentlich, sonst gibt es meistens Brioche, aber es passt auch gut. Das ganze ist recht bodenständig, aber mit guten Zutaten. Wir schaffen natürlich nicht alles, etwas Schinken und Salat und einige Kapern bleiben zurück. Dazu einen schönen Weißwein und für die Foie Gras noch mal extra einen etwas süßeren. Das passt alles ganz hervorragend.

Bayonne 02/09/2015

Das Steak tartare wird schon fertig angemacht serviert, das sonst übliche Soßentablett mit Worcestershiresauce und Tabasco entfällt also. Als Beilage gibt es das Ratatouille und ein sehr leckeres Kartoffelplätzchen, um das ich meinen Mann ein bisschen beneide.

Bayonne 02/09/2015

Allerdings gibt es gar keinen Grund, neidisch zu sein, mein Spieß mit Jakobsmuscheln ist auch toll, statt Kartoffelplätzchen bekomme ich das Püree aus Kartoffeln und Kürbis. Alles schmeckt gut und frisch. Die Portionen sind aber doch etwas zu groß, so dass vom Püree etwas übrig bleibt, was Claire mit strengem Blick zur Kenntnis nimmt und uns dazu rät, dann lieber vielleicht bei einem Nachtisch zu bleiben. Wenn es nicht reichen würde, könnten wir ja immer noch einen zweiten nehmen.

Schon am Anfang haben wir das Pain Perdu (die französische Version des Armen Ritter) mit Mirabellen  bestellt. Zwei der Nachtische haben eine Vorbereitungszeit, so dass man sich direkt für sie entscheiden muss. Darauf hat uns Claire glücklicherweise auch direkt hingewiesen und da eine unsere gastronomischen Missionen heißt, sämtliche Varianten von Pain Perdu, Armer Ritter oder French Toast zu probieren. Das Pain Perdu kommt zwar nicht an die Armen Ritter von Schmitzlers Restaurant ran, ist aber wirklich richtig lecker und kommt nicht nur mit Mirabellenkompott, sondern auch mit Mirabellensorbet, Sahne und ganzen Mirabellen. Und mir wird wieder klar, wie gut Mirabellen schmecken. Einen zweiten Nachtisch brauchen wir aber tatsächlich nicht, obwohl es sehr verlockend wäre.

Bayonne 02/09/2015

Zum Abschluss einen Kaffee. Wir waren die ersten Gäste und sind die letzten, die an diesem Tag gehen. Bei À table werden die Tische nicht gewechselt, jeder Tisch wird jeweils mittags und abends exakt einmal besetzt. Auch wir erleben, wie sich am Nebentisch ein Paar niederlässt und kurz darauf wieder gehen muss, weil hier eben ohne Reservierung fast nichts läuft. Die Plätze sind begrenzt und das Essen eben so gut, dass es genug reservierende Gäste gibt. Wir bekommen noch einen Petit Café. Seit wir uns damit abgefunden haben, dass das Konzept Espresso in Frankreich weitgehend unbekannt ist und man halt einfach statt dessen einen kleinen Kaffee bekommt, wundern wir uns auch nicht mehr dauernd.

Beim Bezahlen plauschen wir noch mit Claire, die sehr eloquent auf Englisch erzählt. Nach uns kann der Laden wieder bis zum Abend zugemacht werden. Und wir melden uns quasi jetzt schon fürs nächste Jahre an: „A la prochaine année.“ Doch, die Empfehlung war gut.

Bayonne 02/09/2015

Die Bestätigung der Reservierung finde ich am Abend in meinem Posteingang. Hat ja aber alles geklappt.

À table
27 Quai Amiral Dubourdieu
64100 Bayonne
Frankreich

+33 5 59 56 79 22
info@restaurant-a-table-bayonne.fr
Webseite

(Dieser Artikel erschien zunächst auf meinem Blog “Annes kulinarische Abenteuer”, schien mir aber auch für dieses Blog passend. Leser beider Blogs bitte ich, die Redundanz zu entschuldigen.)

Linguistische Gewürzverwirrung

Da ich unangemessen viele Kochzeitschriften besitze und zwar nicht nur deutsche, sondern auch französische und englisch und ja, tatsächlich auch niederländische, habe ich erstaunliche Kenntnisse, was die französischen, englischen (und niederländischen) Wörter für gastronomische Begriffe, allen voran eben Zutaten sind.

Neulich saßen wir in einem Restaurant in Bayonne und der Fisch des Tages wurde als „espadon“ angekündigt, woraufhin mein Mann sein wandelndes Lexikon fragte, was das denn sein könnte.

„Ich möchte Schwertfisch sagen“, antwortete ich. „Aber ich habe wirklich keine Ahnung, wo dieses Wissen herkommt.“

(Es ist übrigens wirklich Schwertfisch und ich weiß immer noch nicht, warum ich das weiß.)

Jedenfalls saßen wir in Bayonne und ich hatte als Beilage zu den Jakobsmuscheln mit eingelegten Zitronen ein Püree (puree) aus Kartoffeln (pommes de terre) und Kürbis (potimarron), auf dem Schnittlauch obendrauf lag.

Bayonne 02/09/2015

Ciboulette, sprang es in mein Hirn, und ich weiß nicht, warum ich an das französische Wort für Schnittlauch denken musste, aber da war es eben. Ciboulette, ein sehr schönes Wort eigentlich.

Daraufhin teilte ich meinem Mann nicht nur mit, dass Schnittlauch ciboulette heißen würde und ich auch nicht wüsste, warum ich gerade jetzt daran denken müsste, außer eben, weil da ciboulette auf meinem Püree wäre und dass ich außerdem lange von dem Wort aneth  verwirrt gewesen wäre, weil ich natürlich immer gedacht hätte, das würde Anis bedeuten, in Wahrheit ist der französische aneth aber der deutsche Dill und das wäre so dermaßen überhaupt nicht naheliegend, dass ich auch jetzt immer wieder irritiert wäre.

Noch viel irritierender fand ich aber, dass mir das englische Wort für Dill nicht einfallen wollte. Schnittlauch, klar, ist chives, aber was ist nur Dill? Ich habe diesen Gedankenfaden irgendwann verloren, aber heute morgen ist er wieder in mein Hirn geploppt und seitdem weiß ich es auch wieder.

Dill, meine Damen und Herren, heißt auf Englisch natürlich dill. Da hätte man auch gleich drauf kommen können.

Einkaufen II

Nach dem „Shoppen“, von dem ich ja bereits berichtete, war ich dann aber tatsächlich auch Einkaufen. Also das mit dem Waschmittel und den Nudeln und den Tomaten. Der Plan für Samstag war Paella zu machen, dazu braucht man zum Beispiel Paprika und laut dem Rezept, das ich hatte auch Orangensaft. Ich habe keine Ahnung, ob wirklich Orangensaft in eine richtige Paella kommt, aber da das Endergebnis sehr befriedigend war, kann ich im Nachhinein zumindest sagen, dass es nicht schadet.

Ich stand also vor dem Direktsaftregal, weil ich ja immer nur mit den allerallerbesten Zutaten koche, das behaupte ich jetzt jedenfalls, die Wahrheit kann hier sowieso kaum jemand überprüfen. Im Direktsaftregal standen auch Smoothies. Gelbe Smoothies, rote Smoothies, pinke Smoothies und natürlich auch: GRÜNE SMOOTHIES!

Ich stehe ja dem ganzen Clean-Eating-Hype eher skeptisch gegenüber. Seit ich in einer Dokumentation gelernt habe, dass glutenfreies Brot oft weniger gesund ist, weil so viele Ersatzstoffe da rein müssen, damit es überhaupt irgendwie brauchbar schmeckt, und das Chia-Samen abführend wirken und man auf gar keinen Fall mehr als eine ziemlich geringe Menge pro Tag davon zu sich nehmen sollte, muss ich eigentlich permanent grinsen. Zumindest finde ich es höchst amüsierend, wie mittlerweile auf Lebensmitteln, in denen wirklich noch nie Laktose drin war, „laktosefrei“ steht, und sich der Hersteller diesen zusätzlichen Aufdruck teuer bezahlen muss.

Noch schöner finde ich da eigentlich nur, dass allgemein vermutet wird, dass die wirklich am allerverbreitetste Intoleranz die Fructoseintoleranz ist.* Wir haben ja Fructoseintoleranz im Haus, das ist mal gar nicht so lustig, weil mein Mann jetzt wissenschaftlich belegt einfordern kann, dass ich für ihn nicht mit Knoblauch kochen darf. In Knoblauch ist nämlich quasi ausschließlich Fructose. Außerdem in Äpfeln und Aprikosen und Birnen, in Zwiebeln und generell in ziemlich viel Obst und Gemüse. Außerdem in vielen Mehlsorten. Fructoseintolerante Menschen können Körnerbrot nicht so gut, Weizen hingegen ist top.

Jedenfalls scheint die Fructoseintoleranz deutlich verbreiteter zu sein als Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit, trotzdem hört man quasi nichts davon, während gefühlt jeder zweite Mensch, dem man begegnet irgendwas von „laktosefrei für mich, danke“ murmelt. Meine Theorie ist ja, dass es einfach eher uncool ist, Fructoseintoleranz zu haben. Fructose nicht zu vertragen geht ganz schlecht mit allen Grundsätzen dieser seltsamen clean and healthy living Bewegung zusammen. Das meiste darf man dann nämlich gar nicht oder nur in Maßen essen. Wie soll man sich bitte das Powerfrühstück basteln, wenn man keine Äpfel, keine Rosinen, keine Datteln und auch kein Körnermüsli verwenden darf? Da bleibt ja nur der Magerquark übrig und das sieht auf Instagram scheiße aus.

Darüber denke ich jedenfalls regelmäßig nach, aber wir waren ja mit mir beim Direktsaftregal stehengeblieben. Da stand ich also und fixierte die grünen Smoothies. Nun mag ich ja schon mal generell viel Gemüse nicht. Praktischerweise mag ich vor allem das Gemüse nicht, das üblicherweise in diese grünen Smoothies kommt. Spinat und Grünkohl (KALE!) und Mangold und was weiß ich. Aber dauernd höre ich jetzt von grünen Smoothies und letztlich bin ich ja doch sehr neugierig. Vielleicht schmeckt es ja gar nicht so eklig, wie es aussieht und klingt. Vielleicht schmeckt es großartig! Wie werde ich das aber je rausfinden, wenn ich es nicht probiere? Mal abgesehen davon, dass eigentlich nichts schlimmer sein kann als die Andouillette damals in Lüttich. Oder Bionade-Cola. Wer zwei Schlücke Bionade-Cola geschafft hat, wird wohl auch einen Schluck grünen Smoothie schaffen.

Ich stellte also den weniger eklig klingenden grünen Smoothie in den Einkaufswagen, mäanderte dann noch recht lange im Laden rum und bezahlte schließlich. Zu Hause wartete ein möglicherweise lebensveränderndes Smoothie-Erlebnis auf mich.

Zu Hause stellte sich heraus, dass ich den Smoothie im Supermarkt vergessen hatte. Jedenfalls war er weder im Körbchen noch in der Getränketasche. Ich vermute, mein Unterbewusstsein hat beschlossen, dass ich noch nicht so weit bin. Das ist auch okay, das Unterbewusstsein wird schon wissen, was es tut. Ich warte also ab und versuche es demnächst irgendwann noch mal.

 

*Ich habe aktuell keine verlinkbaren Quellen für diese Behauptung parat, aber ich habe in der letzten Zeit mindestens drei verschiedene Lebensmittelunverträglichkeitsdokumentationen gesehen und in ALLEN wurde gesagt, dass es noch keine belastbaren Zahlen gibt, aber dass alles darauf hindeutet, dass Fructoseintoleranz die häufigste Unverträglichkeit ist.

 

UPDATE

Weil es Nachfragen gab. Die Dokus waren „Der Feind in meinem Bauch“ auf 3sat (hier zu finden) und eine Folge über Unverträglichkeiten bei „Quarks & Co“ (hier zu finden).

Norden Berlin beim Summer of Supper im Marieneck

„Wenn du nur zu einem Abend gehst, dann geh zu Norden Berlin!“ instruierte Holger mich per Twitter, nachdem er mich auf den Summer of Supper aufmerksam gemacht hatte. Und da ich ja immer sehr glücklich bin, wenn andere Menschen mir schwierige Entscheidungen abnehmen, orderte ich zwei Tickets für den Summer of Supper im Kölner Marieneck. Das Marieneck kannte ich schon von der Vorstellung von Stevan Pauls „Auf die Hand“ [Werbelink]. Mitten in Ehrenfeld finden hier alle möglichen Arten kulinarischer Veranstaltungen statt und im Sommer eben der „Summer of Supper“, bei dem an insgesamt neun Abenden im Juli verschiedene Menschen für andere Menschen ein Mehr-Gänge-Menü kochen. Wir gehen also am 11. Juli zu Norden Berlin, die ich vorher nicht kannte, von denen ich aber in den Wochen zwischen Ticketkauf und Supperclub nur Gutes höre. Der Tipp scheint richtig gewesen zu sein und ich bin ganz aufgeregt.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Am 11. Juli fahren wir also nach Köln, mit dem Auto, ja, dämliche Idee auf der einen Seite, allerdings finden am gleichen Abend die Kölner Lichter statt und weil ich vor drei Jahren mal nach den Kölner Lichtern mit dem Zug von Köln nach Essen fahren musste, weiß ich, dass ich dieses Erlebnis nicht zwingend wiederholen möchte. Pünktlich um 18 Uhr finden wir uns vorm Marieneck ein, wo schon viele andere Menschen warten, unsicher, ob man jetzt reingehen darf oder nicht, bis die ersten den kleinen Veranstaltungsraum mit Showküche betreten und wir dann eben hinterherlaufen. Es ist direkt Betrieb im Marieneck, viele Leute sind wohl nicht zum ersten Mal hier und kennen sich. Es wird rumgewuselt, erzählt, den Köchen bei der Vorbereitung zugeguckt. Wir suchen erst mal Plätze und da wir sonst niemand kennen, setzen wir uns ganz hinten in die Ecke, was erst mal eine Diskussion heraufbeschwört, wer am Kopfende sitzen muss. Mir fallen irgendwann keine Argumente mehr ein, also sitze ich am Kopfende, was auch nur so lange etwas seltsam ist, wie der Tisch noch nicht voll besetzt ist. Danach ist es nämlich eigentlich auch schon egal, irgendwo muss man ja sitzen und irgendwer muss halt am Kopfende sitzen und alles gut im Blick haben.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Als Aperitif gibt es einen gerade volljährig geworden Riesling Spätlese von der Mosel-Saar, ich trage die Weingläser zu unserem Platz, mache ein paar Fotos und dann warten wir, bis sich alle Plätze gefüllt haben und es losgeht. Neben uns sitzen mittlerweile Lena, Maike und Kati, und nach einer kurzen Ansprache von Norden Berlin, geht es dann auch los.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Als Gruß aus der Küche gibt es ein Holunderschäumchen mit Gurke und frittierter Gurkenschale. Darauf muss man auch erstmal kommen. Es stellt sich als etwas schwierig heraus, die schwarzen Schälchen restlos auszukratzen, aber erstens haben wir Hunger und zweitens ist es lecker.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Danach wird Bier ausgeschenkt. Natürlich haben wir die als Biergläser intendierten Gläser als Wassergläser missbraucht, denn wenn man in Köln Kölschgläser irgendwohin stellt, wird davon ausgegangen, dass da das Bier reinkommt. Es gibt aber auch kein Kölsch, sonder Craft Beer von Von Freude aus Hamburg und das gehört in die bauchigen Gläser. Zum Bier gibt es Matjes. Matjes habe ich eventuell noch nie gegessen, dieser hier ist fantastisch und ich frage mich, was mich die Jahre davon abgehalten hat. Zusätzlich zum schwedisch marinierten Matjes gibt es Kartoffeln, eingelegte rote Zwiebeln, Schnittlauchcreme, etwas braune Butter und darunter ein Eigelb. Das ist alles sehr großartig, wir schwärmen rum, vor allem von dem Matjes, der irgendwie weihnachtlich schmeckt. Lena ist Halbschwedin und klärt uns auf, dass das eben schwedischer Matjes ist, so schmeckt der da immer. Seit diesem Abend denke ich regelmäßig an schwedischen Matjes und wo ich welchen herbekomme. Ich bin bekehrt!

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Mit dem zweiten Gang geht es weiter, jetzt schwenken wir zu Wein über, Paul bringt uns „Orange Wine“ oder „Orangewein“ wie man auch auf deutsche konsequenterweise sagen müssen. Gehört habe ich davon schön, probiert noch nicht. Der Wein schmeckt im Nachgang etwas bitter, nach Grapefruit oder Blutorange. Wir vermuten, dass auch Orangewein eines dieser Dinge ist, für die man einen Acquired Taste braucht, die sich also nicht direkt beim ersten Mal erschließen, sondern für die man etwas Zeit und Geduld braucht.

Dazu gibt es einen Tartar von Lachs und Flusskrebs mit Dillkronen und Brotkrumen auf Västerbottencreme. Wir lernen: Dillkronen kann man essen. Und: Västerbottencreme ist Käsecreme. Bei der letzteren Erkenntnis hilft Lena uns mit ihren Kenntnissen der schwedischen Kulinarik weiter.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Während wir uns wirklich nett mit den bis eben noch fremden Menschen an unserem Tisch unterhalten, kommt der nächste Wein und der nächste Gang. Wir schwenken um auf Weißwein und bekommen ein Schüsselchen mit einem angebratenen Römersalatherz auf einem herzhaften Dressing mit gebratener Lachshaut, liebevoll „Swesar’s Salad“ genannt. Dazu gibt es Riesling von Carl Loewen.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Es folgt der vierte Gang, ein kleines skandinavisches Waldpotpourri. Pilzcreme mit sautierten Pfifferlingen, Heidelbeeren, rohen Champignons, Kräutercroutons, Malzerde und Fichtenöl. Auch hier gibt es keine Klagen, vor allem ist es so wunderhübsch auf dem Teller angerichtet, dass man sich kaum traut, davon zu essen. Auf der anderen Seite ist es ja genau dazu gedacht, also essen wir und freuen uns. Dazu gibt es einen französischen Rotwein mit dem schönen Namen „Soif de Plaisir“.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Wir bleiben auch beim Hauptgang beim Rotwein und bekommen Ente mit dreierlei von der Karotte: Einmal als Püree, einmal eingelegt und einmal getrocknet. Mein Mann kann mit der getrockneten Karotte nichts anfangen, zu meinem großen Glück, denn dann darf ich seine Streifen auch noch haben.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Jetzt bleibt eigentlich nur noch der Nachtisch, vor dem es mich ein bisschen fürchtet, weil ich doch kein Lakritz mag, da aber neben anderen sehr leckeren Komponenten auch „Lakritzcreme“ auf dem Menü stand. Aber ich probier ja alles. Serviert wird ein Himbeersorbet mit zweierlei Schokocreme (einmal dunkel, einmal hell), etwas Schokocrumble und Himbeeren. Wir rätseln, wo sich die Lakritze versteckt hat, mein Mann meint, sie in der Schokocreme entdeckt zu haben, wo ich sie aber nun gar nicht entdecken mag. Paul löst das Rätsel. Es gibt keine Lakritzcreme, wohl aber Lakritzkraut. Die kleinen grünen Blätter, bei denen ich zunächst „Huch, schon wieder Dill!“ dachte, sind zwar nur spärlich eingesetzt, dafür schmecken sie sehr intensiv. Zum Dessert gibt es wieder eine Riesling Spätlese von Müllen, diesemal aber in der weniger alten 2005-er Variante. Dann ist der Abend auch schon fast vorbei. Die Köche laufen um die Tische und spritzen aus Spritztüten voller Schokoladencreme Nachschlag auf Teller, die ihnen entgegengehalten werden.

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Summer of Supper mit Norden Berlin im Marien-Eck, 11.7.2015

Es gibt noch Espresso, wir tauschen Email-Adressen aus und verabreden uns fürs nächste Jahr. Gleiche Zeit, gleicher Ort.   Der Abend beim Summer of Supper mit Norden Berlin und anderen sehr netten Menschen war ein voller Erfolg. Zwar kam nichts an den ersten Gang mit dem schwedischen Matjes ran, was die Dramaturgie ein bisschen schwächte, aber das ist nur ein ganz kleiner Wermutstropfen. Wir würden es jederzeit wieder tun.

Der Summer of Supper geht noch bis zum 19.7. im Marien-Eck in Köln-Ehrenfeld. Kurzentschlossene können eventuell noch Karten für einen der vier Abende ergattern.

Annette von culinary pixel war auch da und hat Fotos gemacht, auch von mir an meinem Kopfendeplatz. Samstag kocht sie.

Noch mehr Bilder gibt es in meinem Flickralbum.

Gegensätze sind überschätzt

Es gibt ja so Leute, die behaupten, Gegensätze würden sich anziehen. Das mag für so einen initialen Begegnungsmoment stimmen, was längerfristige Beziehungen angeht, glaube ich ja fest daran, dass Gegensätze hier überhaupt nicht helfen. Bei meinem Mann und mir ist das insgesamt ganz passend, wir interessieren uns für ähnliche Dinge, mögen so ganz generell ähnliche Dinge und finden dann wiederum andere Dinge beide eher irrelevant. Das erleichtert den Alltag ungemein, ich schätze das wirklich sehr.

Es gibt aber im Detail ein paar, nun ja, Probleme sind es eigentlich nicht, eher Problemchen, die den Alltag unnötig verkomplizieren. So können wir uns zum Beispiel seit Jahren nicht auf ein Brot einigen, weil mein Mann immer exakt die Sorte Brot gerne mag, die ich nicht mag und umgekehrt. Letztens brachte er ein Brot vom Jugoslawen mit, also aus einem jugoslawischen Restaurant, wo er wohl manchmal zu Mittag isst und die sehr gutes Brot haben. Da hat er dann mal nachgefragt und durfte am nächsten Tag kommen und ein Brot kaufen. Dieses Brot ist anscheinend das perfekte Brot für uns, es ist quasi das erste Brot seit Jahren, das wir beide uneingeschränkt lecker finden. Allerdings gibt es das Brot jetzt gar nicht bei einer Bäckerei, sondern eben nur auf Anfrage im jugoslawischen Restaurant, wo man uns nicht verraten will, wo es herkommt und statt dessen behauptet, sie würden das selbst backen. (Wir zweifeln das ja an, aber vielleicht stimmt es ja auch.) Wir hätten jetzt also eigentlich theoretisch die Brotfrage geklärt, in der Praxis wissen wir nicht, wie bereitwillig sich der Jugoslawe als Bäckerei missbrauchen lässt.

Das gleiche gilt für Schokolade, nur ist das hier ein bisschen anders gelagert. Ich mag ja alles, was süß ist, mein Mann eher so das herbere Zeug. Er kauft also auch sowas wie Bitterschokolade, was ich ja für Kakaoverschwendung halte, es sei denn, man backt vielleicht gerade Kuchen oder so. Mein Mann kauft also gerne Schokolade, die ich nicht essen möchte. Manchmal kaufe ich dann zum Ausgleich Schokolade, die ich gerne essen möchte. Leider stellt sich dann raus, dass das zwar nicht die Schokolade ist, die er gekauft hätte, aber durchaus welche, die er jetzt, also quasi in der Not, wo doch nichts anderes da ist und weil sie nun mal so günstig auf dem Sofatisch liegt, durchaus auch probieren würde. Ausnahmsweise. Seine Marzipanschokolade hingegen darf er alleine essen, denn die möchte ich nicht.

Allerdings darf man hier auch die Vorteile nicht verschweigen. Bei gemischter Schokolade, wie man sie ja zum Beispiel in Pralinenpackungen vorfindet, ist es durchaus hilfreich, wenn man jemanden zur Verfügung hat, der den ganzen dunklen Kram wegfuttert, während man sich selber auf die Pralinen mit Nougatfüllung konzentrieren kann. Denn beide Alternativen, also Pralinen essen, die man eigentlich nicht mag oder Pralinen wegschmeißen, sind ja abzulehnen.

Bei Chips das gleiche Spiel, nur dass ich da nicht so empfindlich bin und ja fast alles außer Erdnussflips esse. Aber während ich ja eher die etwas würzigeren Varianten präferiere, möchte mein Mann lieber die möglichst ungewürzten, am besten nur gesalzen. Wir haben uns jetzt auf diese geriffelten Chips mit Salz geeinigt, die kommen mir immerhin von der Struktur her entgegen, weil man daran so schön rumknabbern kann. In Wahrheit möchte ich aber lieber Essigchips oder irgendwas mit Chili, aber da wird dann etwas enttäuscht geguckt, wenn ich die zu Hause anschleppe. Diese kleinen Frit-Sticks muss ich sowieso immer heimlich essen, was aber vor allem an der Verzehrgeschwindigkeit liegt. Ich esse die ja einzeln, während mein Mann sich mehrere gleichzeitig in den Mund schiebt, wie es, das sei fairerweise gesagt, vermutlich 95 Prozent aller Menschen tun würden. Da kann ich dann nicht hingucken, weil mich das nervös macht und ich mich gerade beim Chipsessen, einer ausgewiesenen Freizeitaktivität, nun wirklich nicht unter Druck setzen lassen möchte.

Wenn ich das aber so recht bedenke, scheinen sich unsere Gegensätze doch auf ein sehr überschaubares Feld zu beschränken. Es ist natürlich nicht das einzige Feld. Sagen wir so, es gibt in diesem Haushalt Menschen, die grundsätzlich überpünktlich sind und andere, die glauben, man könnte sich in fünf Minuten duschen, abtrocknen, anziehen und dann auch noch Schlüssel, Handy und Portemonnaie innerhalb von dreißig Sekunden finden, obwohl in Langzeitstudien eindrücklich bewiesen wurde, dass dem nicht so ist. Aber das ist eine andere Geschichte und wird vielleicht, möglicherweise, aber eventuell auch nicht, ein andermal erzählt werden.