Tagebuchbloggen oder so

Man kommt ja zu gar nichts, hier also das wichtigste der letzten zwei bis sechs Wochen in Kürze.

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In Amsterdam gewesen. Wir schliefen im Bus auf dem Campingplatz Zeeburg etwa sechs Kilometer östlich der Innenstadt. Leider waren wir beide krank, so dass wir die zwei Tage nicht voll ausnutzen konnte, denn mindestens einer schwächelte immer etwas rum. Gegessen: Ein Zehn-Gänge-Menu im Flüsterrestaurant Graphite, Crêpes und heiße Schokolade bei einer reizenden Französin im Cocotte, Pfannkuchen im Pancakes Amsterdam und indonesische Reistafel im Blauw. Dazwischen durch die Stadt gelaufen und mit der Straßenbahn gefahren, das funktioniert alles erwartungsgemäß gut.

Von Essen zum Campingplatz braucht man etwas über zwei Stunden, die Übernachtung kostete (Vorsaison, unter der Woche) 28 Euro mit Strom, WLAN, Wasser und Poké-Arena. Der Campingplatz ist theoretisch wunderschön am IJmeer gelegen, praktisch ist die Aussicht auf eine Autobahnbrücke eher mäßig pittoresk, aber wir wollten uns ja auch die Stadt angucken und nicht den Campingplatz. Da man die Brücke nur sah und nicht hörte, war es also egal, wir vermerken das mal als Ausgangspunkt für weitere Amsterdamausflüge, dann werden wir auch zu einer besseren Zeit in die Foodhallen gehen, zum Beispiel nicht direkt nachdem wir einen Stapel Pfannkuchen gegessen haben.

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In anderen Neuigkeiten ist unser Edeka umgezogen. Er ist jetzt größer und schöner, aber auch eine Straßenbahnhaltestelle weiter weg, auf der anderen Seite kann ich im Notfall auch immer noch zu Aldi gehen und komme ansonsten an fünf Pokéstops mehr vorbei als vorher, das ist ja auch was wert. Es wurde außerdem im Prospekt eine saisonbedingte Spargelschälmaschine versprochen, ich bin gespannt.

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Apropos Spargel, wir erklärten die Saison gestern für eröffnet. Eigentlich wurde sie schon am Donnerstag für eröffnet erklärt, da war nämlich Hochzeitstag und wir aßen bei Schiffers in Essen-Werden, ich Rumpsteak, mein Mann eben Spargel mit Kartoffel und Schinken. Es war lecker, wenn auch nicht überragend, vor allem aber stimmt alles, was man über den freundlichen Service in den Bewertungen liest, ich kann das also empfehlen.

Gestern dann selbst gemacht, vor allem auch selbst geschält, ich kann die Spargelschälmaschine kaum erwarten.

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Wo wir gerade beim Essen sind, es gibt neue Erkenntnisse in der Pfannkuchenforschung. Die New York Times berichtete über japanische Soufflé-Pfannkuchen und da ich sämtliche Pfannkuchenentwicklungen betreffend gerne up to date bin, probierte ich das am Sonntag gleich aus. Eventuell muss ich noch etwas am Rezept feilen oder es war doch ein Fehler, den Teig auf fünf statt auf vier Dessertringe aufzuteilen, aber geschmacklich gab es nichts zu meckern. Wir machen das wieder.

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Die Dessertringe kaufte ich übrigens am Freitagabend in Köln im Kölner Kochhaus, ich empfehle das gerne, weil ich dort letztens eine Kuchenschachtel kaufte und man mir noch im Laden half, den Kuchen in die Kuchenschachtel zu hieven und ich dann mangels Kleingeld trotz lächerlich kleinem Betrag mit Karte zahlen durfte, ein sehr hilfsbereiter und kulanter Laden also. Deswegen kaufte ich auch da meine Dessertringe und bezahlte den gar nicht mehr so lächerlich kleinen Betrag, den man für sechs Dessertringe zahlen muss bar. Ich hoffe, ich habe mich so wieder von meiner EC-Gebührschuld reingewaschen.

Das passte auch sonst ganz großartig, weil ich mit octodontidae und der Drehumdiebolzeningenieurin zum Karaoke verabredet war. Es ist in Köln und im Prinzip im ganzen Rheinland und Ruhrgebiet sehr schwierig, brauchbare Karaokeläden zu finden. Meistens gibt es große Rudelveranstaltungen in Irish Pubs und dergleichen, da möchte ich aber nicht so gerne hin, ich gehe ja zum Karaoke, um zu singen und nicht, um anderen Leuten dabei zuzuhören. In der Praxis haben sich deswegen Etablissements bewährt, bei denen man sich eine Kabine mieten kann, die gibt es aber so gut wie gar nicht oder sie werden sehr zurückhaltend beworben. Octodontidae hatte jedenfalls ein obskures chinesisches Restaurant in einer obskuren Lage mitten in Köln entdeckt, das Karaokekabinen anbietet. Man kann da vorher auch sehr gut und günstig essen und sich danach in einer großzügigen Kabine die Lunge aus dem Hals singen. Die Songauswahl ist eher klassisch und offensichtlich für asiatische Kundschaft ausgerichtet, wenn man sich einmal an die Software gewöhnt hat und das Song-Repertoire ans Angebot angepasst hat, funktioniert es aber problemlos. Ein Highlight sind die Videos zu den Liedern, die von den Originalmusikvideos über Liveauftritte asiatischer Coverbands bis hin zu privat anmutenden Urlaubsvideos.

Gelernt jedenfalls: „Here You Come Again“ von Dolly Parton funktioniert super, „Who Can It Be Now“ von Men at Work nicht so gut. Werde das auf meinem Karaoke-Spickzettel ergänzen müssen.

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Gelesen (nur die Highlights):

Kurt von Sarah Kuttner – Die Geschichte einer Patchwork-Familie, die mit dem Tod eines Kindes umgehen muss. Sehr schön und lebensnah, wie nicht anders erwartet. Auch die Lesung auf der lit.Cologne hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich die Zuständigen, die Veranstaltungen um 21 Uhr starten lassen, ein bisschen dafür hauen möchte.

The Calculating Stars von Mary Robinette Kowal – Eine Art Retro-Science-Fiction. In den fünfziger Jahren schlägt ein Meteor auf der Erde ein. Als Wissenschaftler herausfinden, dass dieses Ereignisse katastrophale Folgen für das Klima haben könnte, wird die bemannte Raumfahrt  und die Besiedelung anderer Planeten zur Überlebensfrage. Die Protagonistin Elma ist Mathematikerin und träumt davon, selber als Astronautin ins All zu fliegen. Im Amerika der 50er Jahre muss sie dazu aber gegen viele Vorurteile und Machtstrukturen kämpfen. Tolles Buch mit sehr lebendigen Charakteren. Man möchte allerdings permanent das Patriarchat zerschlagen, was aber auf der anderen Seite grundsätzlich kein schlechtes Ziel ist.

Down and Out in the Magic Kingdom von Cory Doctorow – In der Zukunft, in der der Tod keine Rolle mehr spielt, geht es nicht mehr um Geld, sondern um Ansehen. Julius arbeitet in Disney World, als sein alter Freund Dan auftaucht. Kurz darauf wird Julius ermordet, was grundsätzlich kein Problem darstellt, weil einfach sein Backup in einen neuen Klon geladen wird, ihn aber vor das Rätsel des Mordmotivs stellt. Währenddessen siedelt sich in Disney World eine neue Gruppe an, die die mechanischen Fahrgeschäfte durch VR-Simulationen ersetzen will. Julius wittert eine Gefahr für die Zukunft des Parks und gerät auf einen selbstzerstörerischen Pfad. Das Buch wurde von Cory Doctorow unter Creative Commons veröffentlicht und liest sich mit knapp 200 Seiten ziemlich zackig runter. Die Frage bleibt, ob die Geschichte nicht auch etwas größer hätte erzählt werden können, da viele Ideen nur angerissen werden. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch genau so richtig, wie es ist.

Alle Links zu den Büchern sind Amazon-Affiliate-Links.

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Die Osterglocken sind jetzt am Ende ihrer Lebenszeit, ich muss mir langsam Gedanken über die Sommerbegrünung der Balkons machen.


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Graphite, Amsterdam, 28.3.2019

Man steht in einer Seitenstraße am Rembrandtsplein vor einer Holzfassade ohne Fenster und scannt einen QR-Code, den man per Mail erhalten hat. Leider funktioniert das nicht, die Tür bleibt geschlossen, irgendwann aber öffnet uns Daniel und lässt uns rein. Wir sind ein bisschen zu früh, weil wir die Zeit überschätzt haben und außerdem Hunger haben, nehmen erst mal zwei Cocktails an der Bar und bekommen ein Schälchen mit den leckersten Rauchmandeln, die ich je gegessen habe.

Danach werden wir an den Tisch geführt und gefragt, ob wir das Menü sehen wollen, oder ob es eine Überraschung sein soll. Überraschung bitte, ich möchte eigentlich überhaupt nur noch in Restaurants gehen und nichts mehr bestellen müssen. Dann werden nacheinander zehn Gänge aufgefahren, sehr minimalistisch und frisch. Beim Besteck gibt es keine Vorgaben, man darf nehmen, was einem am sinnigsten erscheint und bekommt jederzeit sauberen Ersatz. Dazu drei Weine, einen Grünen Veltliner, einen Chardonnay und einen Dessertwein. Hier wäre eventuell noch etwas Luft nach oben, die Weinqualität selber ist nicht zu bemängeln, aber ein bisschen mehr Variation wäre uns auch recht gewesen.

Das Interieur soll nicht fotografiert werden, das Graphite will sich ein bisschen Geheimnis bewahren. Das Konzept des Speak Easys wird aber auch hier fortgeführt, der Raum ist groß, man sitzt aber sehr intim und ungestört beieinander. Beim nächsten Mal aber die 15 Gänge, sagt mein Mann. Was impliziert: Wir kommen auf jeden Fall wieder.

Graphite, Amsterdam, 28.3.2019

Salat aus frischen Kräutern und eingelegtem Gemüse mit einem Melonenravioli

Auster mit roter Bete und Kaviar

Tartar im Rettichwickel

Zweierlei von der Krabbe, einmal als Tartar, einmal im Tandoorimantel

Tartar von der Garnele in Orangensauce, mit Lauch und Lebkuchencroutons

Kabeljau mit Bonitoflocken mit Gnocchi

Geschmortes Fleisch-leider-vergessen mit einer Rettichrose und eingelegten Enoki-Pilzen

Zweierlei von der Ente mit Artischocke und Birne

Beignet gefüllt mit Dulce de leche und Vanilleeis

Weiße Schokolade mit Eis

Maracujasorbet und Nougatpralinen

Tagebuchbloggen 3.3.2019

Das Ausmisten ist derzeit ein bisschen in den Hintergrund getreten, was vor allem daran liegt, dass die wichtigsten Stationen in der Wohnung abgearbeitet sind. Man kann sich jetzt immer mal wieder Kleinkram vornehmen oder müsste an die großen Baustellen.

Dafür versuche ich andere Routinen zu etablieren, die mir das Leben erleichtern oder schöner machen oder beides. Zum Beispiel fange ich jetzt immer am Freitagabend an, zu waschen und bin dann im besten Fall am Samstag, im schlechtesten Fall am Sonntag mit allem durch. Das bedeutet auch, dass ich im allerbesten Fall auch schon Sonntag den Wäschenständer wieder wegstellen kann, der steht nämlich aus Platzgründen im Schlafzimmer und ist dort zwar kein logistischer, für mich aber ein visueller Störfaktor. Das mit der Wäsche klappt jetzt immerhin schon zwei Wochenenden hintereinander und ich konnte heute Morgen die letzten vier Hemden zusammenfalten und den Ständer in die Ecke stellen.

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Als nächstes werde ich mal das Projekt Abendessen und Kantinenvermeidung angehen. Kantinenvermeidung nennt sich in fancy Sprache „Meal Prep“ und ich möchte das nicht deswegen machen, weil die Kantine hier schlecht wäre, sondern weil man meistens zwischen gesund und lecker wählen kann, relativ selten beides gleichzeitig, es sei denn, man nimmt die Salatbar, dann ist es aber vor allem auch teuer. Dass man selten gesund und lecker zusammen bekommt, liegt auch gar nicht unbedingt an der Kantine, sondern an mir, ich bin nämlich zum Beispiel bei Gemüse immer noch sehr wählerisch und finde Blumenkohl zwar mittlerweile als Beilage grundsätzlich okay, einen ganzen Blumenkohl als Hauptgericht hingegen eher nicht. Es ist also kompliziert.

Also jedenfalls würde ich lieber öfter Essen mitnehmen, schon allein, weil ich ja auch gerne esse, was ich koche, ich muss es nur besser planen.

Frau Novemberregen ist gerade auch dabei unter dem Projekttitel „Kochen ohne Denken“ die eigene Abendessenroutine zu optimieren und hat dazu unter anderem mal alles notiert, was sie einfach so ohne Rezept kochen kann und kam dabei auf eine höhere zweistellige Zahl. Das möchte ich auch mal machen, ich glaube, das meine Zahl kleiner ist, ich koche zwar viel, brauche für vieles aber immer noch das Rezept. Allerdings weiß ich dann, wo das Rezept und habe es meistens schnell rausgesucht und ich weiß auch grob, was ich dafür im Haus haben muss, nur die genauen Mengen bzw. Arbeitsschritte sind nicht präsent.

Jenseits von konkreten Gerichten gibt es ja aber auch „Resteessen“ und das kann auch je nach Vorratsschrankinhalt und gewünschtem Ergebnis unterschiedlich aussehen. Ich habe hier mal die bei uns typischen Variationen zu Inspirationszwecken aufgeführt:

 

Italienisch

Man braucht zwingend: Irgendwelche Nudeln

Verbrauchen kann man: Eier, Speck, Parmesan, Tomaten, Tomatensauce, Sahne, diverse Käsesorten, Pesto, Zwiebeln, diverses Gemüse, Hackfleisch, Schinken, Krabben

Im Wesentlichen kocht man Nudeln und bastelt sich entweder auf Basis auf Tomatensauce eine Sauce zusammen, greift auf Pesto zurück oder versucht sich an einer der Zahlreichen Carbonara-Varationen. Wenn alle Stricke reißen, tut es auch ein bisschen Butter, Salz und frisch gemahlener Pfeffer, dann ist es aber schon kein Resteessen mehr, es sei denn, es handelt sich um einen Butterrest.

 

Asiatisch

Man braucht zwingend: Nix eigentlich, Reis hilft

Verbrauchen kann man: Diverses Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Kokosmilch, Currypasten, Eiernudeln, Eier

Asiatisches Resteessen funktioniert so, dass man Gemüse und was man sonst auch immer hat, klein schneidet und entweder mit etwas Sojasauce anbrät oder in Currypaste und Kokosmilch gar kocht. Es kann helfen, wenn man Reis als Beilage oder asiatische Nudeln hat, letztere kann man auch noch mal schön anbraten. Das ausschlaggebende hier sind die Gewürze, ich habe aus Gründen, die mir selber nicht ganz klar sind, immer irgendwelche Thai-Currypasten im Kühlschrank, aktuell sogar zwei Mal grün, warum auch immer. Außerdem kaufe ich gelegentlich Dosen mit Kokosmilch, genau für solche Zwecke. Hilfreich sind außerdem Ingwer und Chilischoten, man muss aber gar nichts zwingend da haben, solange es ein Ausweichprodukt gibt.

 

Mexikanisch

Man braucht zwingend: Tortillafladen, irgendeine Art Käse

Verbrauche kann man: Diverse Fleisch- und Wurstsorten, diverses Gemüse, Schmand, Crème Fraîche, Sour Cream, Frischkäse, Koriander, Salsa

Mexikanisches Resteessen ist bei uns Quesadilla, man nimmt also zwei Tortillafladen, belegt einen mit allerhand Zeug, was halt gerade so da ist, streut Käse drüber, legt den anderen drauf, streut noch ein bisschen Käse drüber (Profitipp, das ergibt eine leckere Käsekruste) und schiebt das ganze kurz im Ofen unter den Grill, bis der Käse geschmolzen ist. Das geht vergleichsweise schnell, man muss also aufpassen. Die Zutaten sollten entsprechend auch entweder roh genießbar oder bereits vorgegart sein, es gibt keinen eigentlichen Garprozess mehr bei diesem Gericht. Meines Wissens werden Quesadillas auch eigentlich in der Pfanne gemacht, da fallen sie mir aber regelmäßig auseinander, im Backofen geht es auch gut.

 

Sobald man seinen Restverwertungsmanöver kennt, weiß man auch, was man so sicherheitshalber im Haus haben sollte, um handlungsfähig zu sein. Wir haben also meistens Nudeln, Reis, Dosentomaten, Kokosmilch und seit der Entdeckung der Quesadilla auch Tortillafladen im Haus. Wobei man letztere streng genommen auch noch selber machen könnte, sofern Mehl zur Verfügung steht.

Gestern hab es jedenfalls eine Art Massaman Curry, also gelbes Thaicurry mit Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Garnelen. Weil ich wirklich alle Kartoffel und Garnelen verarbeiten wollte, war es dann auch so viel, dass ich heute eine Portion ins Büro mitnehmen konnte, die Aktion war also in doppelter Hinsicht erfolgreich.

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Aktuell lese ich The Gray House von Mariam Petrosjan [Amazon-Werbelink], einer armenischen Autorin. Interessanterweise gibt es eine englische Übersetzung, aber noch keine deutsche. Das Buch lag schon länger auf meinem Kindle rum, ich hatte längst vergessen, warum ich es damals gekauft hatte und es fordert mich sehr angenehm. Im Guardian las ich die Beschreibung „Rowling meets Rushdie meets Tartt“, ich habe zwar nur einen (ziemlich mäßigen) Rushdie und überhaupt keine Tartt gelesen, kann mir aber ungefähr vorstellen, was damit gemeint ist.

Es geht um ein Internat für behinderte Kinder und Jugendliche, in dem die Kinder ihre eigenen Regeln machen, es gibt Gruppen, Anführer und seltsame Riten, die Welt außerhalb des Hauses wird ausgeblendet und so verselbstständigt sich ein eigener kleiner Kosmos innerhalb des Hauses. Man tut sich nicht leicht mit dem Buch, zumal man es auch mit mehreren Zeitebenen zu tun hat und die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen. Nach 300 Seiten weiß ich auch noch gar nicht so richtig, wie ich das Buch finde, es ist definitiv nicht locker-fluffig, sondern eher sperrig, aber es ist auf der anderen Seite auch nicht schwer zu lesen, sondern eher zugänglich. Anders gesagt, ich komme eher langsam voran, aber ich komme auch gleichzeitig sehr gut voran. Eine Empfehlung spreche ich vielleicht noch nicht aus, aber wer sich generell angesprochen fühlt, ich rate zumindest nicht davon ab.

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Die Osterglocken blühen und es wird jetzt abends schon spürbar später dunkler. Das stimmt mich insgesamt gnädig.


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Lime, Malden, 16.2.2019

Am Samstag verschlug es uns über die Grenze nach Malden bei Nijmegen, wo wir im Lime noch einen Tisch für zwei ergattern konnten. Der Tisch war ein Hochtisch direkt bei der offenen Küche, so dass wir auch den ganzen Abend lang beobachten konnten, wie die vier Köche rotierten und im vollbesetzten Restaurant einen Teller nach dem anderen rausschickten. Wir entschieden uns für das Sechs-Gänge-Überraschungsmenü mit Weinbegleitung. Die Weine wurden vom Sommelier mit spürbarer Begeisterung präsentiert. Einziger Wermutstropfen, die Portionen waren einen kleinen Tacken zu groß, gerade beim Fisch- und Fleischgang hätte es auch ein kleineres Stück getan. Dafür hätte ich auch noch einen zweiten Nachtisch genommen, die Kombination aus Ruby-Schokolade, Roter Bete und Mandelcracker war ein Traum. Insgesamt also ein wirklich gelungener Abend mit viel Küchenunterhaltung.

Lime, Malden, 16.2.2019

Parmesancracker

Guacamole-Eislolli mit Zitrusgelee

Variation von der Roten und Gelben Bete mit Apfel-Pastis

Upside Down Tartar mit Wachtelei und Parmesanschaum

Geflämmter Lauch mit Ziegenkäse, Sherrysauce und Knoblauch

Kabeljau mit Sellerie, Spinat und Austernschaum

Entenbrust und -confit mit Süßkartoffel, Kichererbsenwaffel, Zweierlei von der Schwarzwurzel und Ingwerjus

Ruby-Schokolade und Rote Bete mit Mandelcracker und Blutorangensorbet

Tagebuchbloggen, 10.2.2019

Seit letzter Woche steht in meinem Büro ein Kinderwagen. Der Kinderwagen ist nicht für mich, er ist für Angela, er steht nur bei mir, weil ich meine Eltern als Kinderwagen-Mulis zwischen Berlin und Köln eingesetzt habe und nun wartet er eben hier auf Abholung.

Warum ich das eigentlich schreibe. Nichts verwirrt Kollegen so sehr wie ein Kinderwagen im Büro. Wenn Sie mal wieder mit sämtlichen Kollegen auf dem Flur ein paar Worte wechseln möchten, stellen Sie sich einen Kinderwagen ins Büro, ich schwöre, Sie kommen ins Gespräch.

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Seit letzter Woche kommt wieder „Kitchen Impossible“ auf VOX, die Kochsendung, die mein Mann und ich aus ganzem Herzen lieben. Die gestrige Folge war besonders schön, erstens, weil Max Stiegl so ein angenehmer Wettbewerbskoch war und zweitens, weil es fast nur Essen gab, dass ich sofort essen wollte. Allerdings war mein Mann etwas irritiert, als ich in New York City „MATZENKNÖDEL“ rief, als Stiegl in New York City eine Hühnersuppe mit Einlage aus der schwarzen Box holte. Eventuell lese ich zu viele Kochbücher, wobei das natürlich gar nicht geht, zu viele Kochbücher lesen. Ich habe auch schon weiter recherchiert, in Köln gibt es einen koscheren Supermarkt, man kann jetzt ahnen, was ich demnächst aufsuchen werde.

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Die Fähre für den ersten langen Campingurlaub ist gebucht, leider nur noch Innenraumkabine mit Hochbett, aber egal. Wir fahren jetzt also wirklich nach Litauen und gucken uns an, wo meine Oma ihre Kindheit und Jugend verbrachte und auf dem Nachhauseweg von der Schule nach eigenen Wort „das Haff glitzern sah“.

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Mein Büro hat Aussicht auf einen Hinterhof mit zwei Vogelbeeren und zwei Hortensienbeeten. Das bedeutet auch, dass man quasi das ganze Jahr Vögel beobachten kann. In diesem Winter ist eine Wacholderdrossel neu, die jeden Tag vorbeikommt, um Beeren zu naschen. Heute ist ein neuer Vogel hinzugekommen, eher Finkgröße, graues Gefieder mit einem hellroten Schwanz. Eine erste Internetrecherche legt die Vermutung nahe, es könne sich um Hausrotschwanz handeln, ich bin aber noch nicht sicher und werde das weiter beobachten. Fotos sind gerade schwierig, der Baum ist noch etwas weit weg, der Vogel sehr klein und es steht außerdem ein Kinderwagen im Weg.

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Mit viel Begeisterung gelesen: The Psychology of Time Travel von Kate Mascarenhas [Amazon-Werbelink], der Geschichte einer Pioniergruppe von Frauen, die 1967 eine Zeitmaschine entwickeln und einem Mord im Jahr 2017. Sehr schön durchdacht, in gewissem Sinne ein Whodunnit mit Zeitreise.

Außerdem Der Proceß von Franz Kafka [Amazon-Werbelink] und The Mystery of Edwin Drood von Charles Dickens [Amazon-Werbelink]. Beiden Büchern ist gemein, dass sie unvollendet blieben und posthum veröffentlich wurden. Bei Kafka merkt man es nicht ganz so, denn es gibt immerhin einen Schluss und außerdem ist es ja fast egal, ob man jetzt noch die sechste oder siebte Schleife bürokratischer Albtraumszenen mitmacht. Bei Dickens bleiben tatsächlich viele Fragen offen, weil es kein Ende gibt und die ganze Geschichte auf eine Auflösung hinauslief. Hat trotzdem Spaß gemacht, Top-Schriftstelle, gerne wieder, A+++.

Cabillaud, Venlo, 30.12.2018

Morgens aus dem Feiertagskoma erwacht und spontan überlegt nach Venlo zu fahren. Auf der Fahrt das Cabillaud ergoogelt und sehr direkt angesteuert, es liegt am Marktplatz im zweiten Stock des Theaters „De Maasport“, von der Dachterrasse hat man entsprechend einen Blick auf die Maas.

Da unsere Ankunftszeit um 14:30 Uhr etwas unorthodox war, saßen wir alleine im Restaurant und aßen uns gemütlich durch ein sehr schönes und kreatives Vier-Gänge-Menü, das Kalbfleisch war vielleicht etwas zu dick aufgeschnitten und der Hauptgang in der Portionsgröße zu viel, ansonsten gab es nichts zu klagen. Als Aperitif gab es einen belgischen Sekt von der Maas, da haben wir also auch diesbezüglich etwas dazu gelernt. Toller Nachmittag, überzeugendes Essen und ein sehr aufmerksamer Service.

Cabillaud, Venlo, 30.12.2018

Eingelegte Oliven, indisches Brot mit Artischokencreme und Puffreis, Kartoffelküchlein mit Grünkohlcreme und Käsemadeleines mit Brokkolicreme

Bonbon vom Sauerkohl mit Miso- und Ziegenkäsecreme und gerösteten Spinatsamen

Zweierlei Brot mit Butter, Öl und Salz

Kalbsfleisch mit Kürbis, Babymais, Olivenölpulver und Cracker

Fisch in Dashibrühe und Curryöl mit niederländischen Krabben

Hirsch mit Hirschragout in Fünf-Gewürze-Sauce mit Gemüse und Oliebol

Ananasmousse und Bananencreme mit Bergamotten-Eis

anna Bar und Restaurant, 17.12.2018

Ein wunderbares spontanes Abendessen mit zwei wundervollen Twittermenschen im Restaurant im anna hotel direkt am Münchener Hauptbahnhof. Es gab exzellente Dim Sum und ebenso tolle Cocktails, wir tauschten viele kulinarische Anekdoten aus und ich werde sicherlich wiederkommen, wenn ich mal wieder in München bin.

Da beide Cocktails von der „Cocktails of the Season“-Karte kamen, kann ich leider nicht mehr nachgucken, worum es sich genau handelt, aber sie waren beide sehr gut.

 

anna, 17.12.2018

Dim Sum Selektion

Variation von Crème Brûlée

Anneliese, 7.12.2018

Niemand weiß mehr genau, wer wann von wem gehört hatte, dass sich ein Besuch bei Anneliese in Heisingen lohnt, jedenfalls reservierten wir für ein Dankeschön-Essen für Freunde kurzerhand einen Tisch und wurden nicht enttäuscht. Vier Gänge für einen sehr fairen Preise, es gab eine tolle Jakobsmuschel, ein sensationelles Onsen-Ei, sehr gute Entenbrust und ein überzeugendes Schokoladenmousse. Auch die Weinbegleitung war gelungen, wir kommen gerne wieder.

Sekt

Anneliese, Essen-Heisingen, 7.12.2018

Geflügelpraline auf Persimmoncreme mit Zitronengras-Eistee

Rinderbrustsülze mit Lachsrogen

Jakobsmuschel mit Kürbis, Kaffeöl und Schnittlauch 

Onsenei mit Trüffel

Entenbrust mit Kartoffel-Ingwer-Schaum, Rotkohlcreme und mit Single-Malt-Whisky geräuchertem Apfel

Valrhona-Schokoladenmousse mit Mangosorbet, Avocadocreme und Timut-Pfeffer

Schokoladentrüffel zum Espresso

Le Jardin, Haguenau, 25.11.2018

Auf dem Rückweg vom Bodensee spontan im Elsass in Haguenau ein Hotelzimmer gemietet und abends im Le Jardin untergekommen. Eine schöne kleine Karte, ein wechselndes Drei-Gänge-Menü, tolle Weine und vor allem eine sehr persönliche Bedienung. Vater und Sohn stehen gemeinsam in der Küche, kamen beide auch am Tisch vorbei und der Sohn gab uns noch einige Tipps fürs Einkaufen am nächsten Morgen. So geht Kundenbindung, sag ich mal.

La Jardin, Haguenau, 25.11.2018

Erbsensuppe mit gebeiztem Lachs

Fischsuppe mit Croutons

Foie Gras mit Feigenchutney

Jakobsmuscheln auf Wildreisrisotto mit Schinken

Windbeutel mit Zitrusfrüchten

Gourmandises

Eatdoori, 8.11.2018

Restauranterkundung mit Angela und Sophie am Kölner Hohenzollernring. Indische Küche, viel Gemüse und vegetarisch, mein scharfes Curry war leider allemal gut gewürzt, aber nicht scharf, trotzdem lecker. Umso besser die Mint and Lime Lassi und die Pfannkuchen mit Kardamom. Und natürlich die Begleitung, die war besonders gut.

Bestellt werden konnte mit einem Zettel, der an Wäscheklammern über dem Tisch aufgehangen wurde, allerdings auch ganz normal beim aufmerksamen Service.

Eatdoori, 8.11.2018

Pimm’s Cup

Pappadams mit Mango-Ingwer-Chutney

Goan-Curry mit Hühnchen

Beilagengemüse

Pfannkuchen mit Kardamom-Honig-Soße und Pistazieneis