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Besser Bahnfahren

Bahnfahren ist kompliziert. Das scheint mir nicht zu leugnen zu sein. Ich finde es gar nicht so kompliziert, beizeiten komplex, aber insgesamt mit ein bisschen Mühe und Nachdenken ganz gut zu erfassen. Allerdings habe ich auch eine BahnCard 100 und muss mir über Preise keine Gedanken zu mache. Aber jenseits von dem Geld, dass man fürs Bahnfahren ausgeben kann oder manchmal auch muss, scheint das System Bahn viele Menschen zu überfordern. Und ich meine das gar nicht böse oder ironisch, ich stelle das nur fest.

Etwas Sorge macht mir dann tatsächlich (und auch eher unironisch), dass man den gleichen Leuten, die nicht in der Lage scheinen, eine Bahnfahrt zu planen, erlaubt, sich in kleine Metallkisten zu sitzen, mit denen sie mit irren Geschwindigkeiten und vollkommen ohne Aufsicht durch die Gegend fahren können, aber das ist ein anderes Problem, über das man bei Gelegenheit mal nachdenken könnte.

Nebenbei fahre ich seit grob 22 Jahren regelmäßig Bahn und habe dadurch auch in bestimmten Regionen und auf der ein oder anderen Strecke Expertenwissen angesammelt, das ich aber auch gerne teile, damit nicht immer alle die gleichen Fehler machen. Denn so schwer ist es ja dann doch nicht.

1. Wichtige Kennzahlen bei der Fahrtplanung

Plant man eine Bahnfahrt, so muss man zunächst mal wissen, von wo man nach wo will. Man will zum Beispiel von Köln nach Berlin oder von Hamburg nach Stuttgart (warum auch immer, egal). Ausreichend techaffine* Menschen gehen dann ins Internet auf die Seite der Bahn und geben beide Bahnhöfe ein, außerdem den Tag der Anreise und die ungefähre Abfahrts- oder Ankunftszeit. Dann erhält man verschiedene Vorschläge. Hier sollte man jetzt schon mal die wichtigsten Kennzahlen angucken, die da wären: Dauer der Fahrt, Anzahl der Umstiege und Art der Beförderungsmittel. Damit arbeiten wir weiter.

*Mir ist durchaus bewusst, dass es viele nicht techaffine Menschen gibt, die auch viel Bahn fahren. Tatsächlich scheint mir an dieser Stelle der Gang ins nächste Bahnservicecenter der geeignete Weg. Ich bin da auch tatsächlich noch nie unfreundlich behandelt worden, aber das mag auch daran liegen, dass ich der Bahn monatlich sehr viel Geld überweise und das mit meiner Karte auch beweisen kann.

2. Weniger Umsteigen ist mehr

Ein Umstieg weniger wiegt locker zwanzig Minuten mehr Fahrtzeit auf. Das ist natürlich Geschmackssache und kommt auch auf die individuelle Situation an, trotzdem sollte man die Anzahl der Umstiege nicht unterschätzen. Zumal ein Umstieg auch immer das Risiko mitbringt, dass man einen Zug verpasst, weil man nicht genügend Umstiegspufferzeit eingeplant hat.

Die schönsten Fahrten sind die, wo man in A in den Zug steigt und in B aus dem Zug steigt und nicht zwischendurch irgendwelche Cs, Ds und Es rumliegen hat. Umsteigen ist anstrengend. Man kann zum Beispiel beim Umsteigen sehr schlecht schlafen, beim Sitzenbleiben im Zug hingegen schon. Wie viel zusätzliche Fahrtzeit und/oder Kosten einem einmal weniger Umsteigen wert ist, ist sicherlich eine persönliche Frage, man sollte den Wert aber nicht unterschätzen, sondern stets in die Fahrtplanung mit einbeziehen.

3. Supergeheimer Geheimtipp

Der supergeheime Geheimtipp existiert leider nicht. Ich hatte hier wohl mal Platz für irgendwas gelassen und dann vergessen für was und außerdem war es sehr früh morgens.

Aber, damit man hier nicht leer ausgeht: Im ICE sind die Steckdosen üblicherweise zwischen den Sitzen unter den Sitzflächen, es gibt also eine pro zwei Sitzplätze. So lernt man im Zweifelsfall auch mal seine Sitznachbarin kennen, die auch gerne ihr mobiles Endgerät laden möchte. Im EC sind sie übrigens direkt unter den Lehnen und es gibt zwei davon. Jetzt wissen Sie auch das und müssen nicht mehr doof fragen. (Ich habe übrigens in den letzten vier Jahren ungefähr einmal erlebt, dass eine Steckdose nicht funktioniert hätte. Die Mär der nie funktionierenden ICE-Steckdose scheint mir eine ähnliche urban legend wie die fehlende IKEA-Schraube.)

4. Ein Bahnhof ist nicht wie der andere

Tatsächlich sollte man bei der Wahl der Umsteigebahnhöfe auch darauf achten, dass man nicht in Hintertupfingen umsteigt, sondern vielleicht eher in Frankfurt. Hierbei handelt es sich um ein Thema aus dem Bereich des Risikomanagements. Wenn alles gut geht, ist es selbstverständlich egal, wo man umsteigt, geht aber irgendwas irgendwo nicht gut und man bekommt den Anschlusszug nicht, dann möchte man die eine Stunde bis zum nächsten Zug lieber an einem Bahnhof verbringen, der zum Beispiel ausreichend überdacht und mit den üblichen Unterhaltungsoptionen ausgestattet ist. In Hintertupfingen hingegen zieht es unangenehm und im einzigen Bahnhofscafé gibt’s nur schlechten Filterkaffee. Zudem ist es bei größeren Bahnhöfen wahrscheinlicher, dass die nächste Weiterfahrtmöglichkeit vielleicht doch schon eine halbe Stunde später geht.

5. Ein Zug ist nicht wie der andere

Ob man mit dem ICE oder dem Bummelzug fährt ist natürlich zunächst mal eine Preisfrage. Es gibt allerdings auch gute Gründe, mehr Geld zu bezahlen – sofern es sich im Rahmen hält -, um in die Vorzüge der Personenbeförderung per Schnellzug zu kommen.

Beispielsweise ist so ein ICE schneller. Das ist schon mal ein Vorteil, es sei denn man will gar nicht dahin, wo man hinfährt und möchte es möglichst hinauszögern. Zudem hat man zumindest ein bisschen mehr Platz als in den üblichen Doppelstockregionalzügen. Das gilt sowohl für einen selber so als Mensch als auch für das möglicherweise mitgeführte Gepäck. Wir können jetzt selbstverständlicherweise mal wieder darüber diskutieren, wie unverschämt das mangelnde Kofferabstellangebot in deutschen Zügen ist, das ändert aber auch nichts.

Es gibt auch andere Vorteile. Zum Beispiel ist der Kuchen im Bordbistro überraschend gut, wie ich mal eher aus Zufall festgestellt habe. Außerdem gibt es im ICE Tischchen und Steckdosen und manchmal sogar Internet, jedenfalls, wenn man Zugangsdaten zu den Telekom-Hot-Spots hat. Für letzteres kann ich aber nicht garantieren. Es klappt öfter als in Social-Media-Kreisen (auch von mir selber) beunkt, aber leider auch oft genug eher so nicht.

6. Reservieren schadet nie

Folgende Situation erleben Profibahnfahrer immer wieder: Laienbahnfahrer mit vielen Koffern steigen an einem beliebigen Bahnhof in den Zug. Meistens sind sie auf dem Weg vom oder zum nächsten Flughafen, sie fahren sonst nie, wirklich nie Bahn und die Irritation, dass die Bahn nicht wie erwartet gähnend leer ist, steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Selbstverständlich haben sie nicht reserviert. Wieso auch? Es war ja nicht abzusehen, dass auch andere Leute mit der Bahn fahren. Niemand, wirklich niemand konnte das ahnen.

Hier ein Tipp: Planen Sie eine längere Bahnfahrt und wissen nicht wirklich hundertprozentig, dass nicht viel los sein wird, RESERVIEREN SIE UM GOTTES WILLEN! Wenn man alleine unterwegs ist, kann man das Risiko ja noch eingehen, aber spätestens, wenn man zu zweit ist und möglicherweise plant, sich während der Fahrt zu unterhalten, sollte man einfach sicherstellen, dass man auch nebeneinander sitzt.

Dieser Hinweis gilt noch mal besonders für Eltern mit Kindern oder Reisegruppen: RESERVIEREN SIE! Planen Sie die Kosten einfach von Anfang mit ein, lassen Sie den Gedanken, man könnte ja auch nicht reservieren, einfach nicht zu.

Protipp: Ein Wasser im Bordrestaurant kostet 3 Euro (Stand irgendwann vor zwei Jahren). Man kann also ganz risikobewusst nicht reservieren und hoffen, dass im Bordrestaurant was frei ist und man nicht nach einer Stunde höflich rausgeschmissen wird, weil man sich an seinem Wasser festklammert. So spart man sich aber die Reservierung und hat zusätzlich noch ein Getränk.

7. Aufpassen im Erdkundeunterricht

Mangels magischer Fähigkeiten hält sich die Bahn im Wesentlichen an die geographischen Grundbedingungen des Landes. Es hilft also, wenn man weiß, wie die Städte auf der vorgeschlagenen Strecke so grob liegen, um zu erkennen, ob die vorgeschlagene Strecke vielleicht doch etwas albern ist. Im Prinzip erkennt man das auch an der Fahrtzeit.

Zudem hilft es enorm, wenn man möglicherweise bei einem Zugausfall, einem verpassten Zug oder weil man es halt aus irgendeinem anderen Grund eilig hat relativ schnell entscheiden kann, ob ein Zug einen zumindest in die richtige Richtung bringt. Da spielt natürlich auch die konkrete Streckenführung der Bahn eine Rolle, das ist aber tatsächlich schon ein Expertenthema. Möchte ich aber zum Beispiel von Köln nach Essen, dann ist es nicht verkehrt, wenn ich die Züge nach Aachen, Krefeld und Bonn recht schnell als nicht zielführend ausschließen kann. Züge nach Dortmund, Hamburg oder Berlin hingegen könnten vielversprechend sein, da hilft dann ein Blick auf die Zwischenstationen, um rauszufinden, ob sich der Weg zum Gleis lohnt.

8. Bahnfahren ist keine Magie!

Worüber ich mich tatsächlich nicht äußern kann, ist die Frage nach der Preisgestaltung. Diese scheint mir auch insgesamt das magischste an dem ganzen Prozess des Bahnfahrens zu sein. Bevor ich jedoch gefährliches Halbwissen auspacke, konzentrieren wir uns auf die Aspekte, bei denen ich mir recht sicher bin:

Bahnfahren ist keine Magie. Man kann das nicht nur lernen, mit ein bisschen Nachdenken bei der Planung und bei der Fahrt selber braucht man noch nicht mal wahnsinnig viel Erfahrung, sondern nur ausreichend viel gesunden Menschenverstand. Ich selber habe auch genug anekdotisches Geschichtenmaterial dafür, wie eine Bahnfahrt eher so suboptimal klappte und mir keiner der obigen Hinweise großartig weitergeholfen hätte. Aber die habe ich fürs Autofahren auch. Und fürs Fliegen. In der Bahn musste ich zum Beispiel noch nie 50 Dollar für ein zweites Gepäckstück zahlen. Ich wurde auch noch nie von hinten angeblinkt und angehupt, weil ich darauf bestand, den Wagen neben mir mit 150 km/h statt mit 180 km/h zu überholen.

Niemand muss zum Profibahnfahrer werden. Aber es gibt weniger Hürden auf dem Weg dorthin, als man vielleicht vermuten könnte.

Einmal um die ganze Welt

Weltreisen sind ja spätestens in seit Meike Winnemuth 2011 zwölf Monate in zwölf Städten verbrachte und erst darüber bloggte, um dann später ein sehr schönes Buch [Werbelink] darüber zu schreiben.

Seitdem wissen wir: Weltreisen sind machbar, man muss sich nur aufraffen.

Genau das hat meine Cousine jetzt gemacht und ist seit drei Monaten unterwegs. Einen Endtermin gibt es nicht, irgendwann geht die Lust oder das Geld aus oder das Heimweh wird zu groß, was davon zuerst eintritt, wird sich zeigen. Von Köln aus ging es zuerst nach Namibia zur Safari, dann nach Südafrika und von da aus zum aktuellen Aufenthalt nach Sri Lanka. Danach geht es weiter nach Thailand. Es ist alles so furchtbar aufregend!

Blog_Screenshot

Damit wir uns zu Hause keine Sorgen machen müssen, sondern nur neidisch Geschichten lesen und Bilder und Videos gucken können, versorgt sie uns auf ihrem Blog Travel Makes You Richer mit dem dazu geeigneten Material. So saß ich dann auch gestern frisch geschminkt und fertig für die Einladung zum Adventsbrunch noch kurz vor dem Rechner, guckte das Südafrika-Video (BERGSTEIGEN! SEILBAHN! LÖWENBABYS! KAPSTADT VON OBEN!) und fing dann bei der Szene mit der Fahrradtour durchs Township an zu weinen. Warum das so schön ist, findet man am besten selber raus, ich spoile ja hier nicht unnötig rum.

Jedenfalls finde ich, es sollten viel mehr Leute Monas Blog lesen – und das nicht nur, weil ich das natürlich familiär bedingt ganz furchtbar spannend finde. Endlich wieder live bei einer Weltreise dabei sein! Das Internet macht’s möglich.

Und weil, eben… genau, das Internet alles möglich macht kann man auch über Facebook, Instagram und Twitter voller Neid beispielsweise auf Eiskaffee am Strand von Sri Lanka starren, während bei uns jetzt endgültig die Winterjacken rausgeholt werden.

Hach.

Damals am Meer

Damals ist jetzt zwar noch nicht mal zwei Monate her, kommt mir aber vor wie Ewigkeiten. Damals, in Biscarrosse, jeden Tag auf dem Surfbrett, ich kam total ramponiert aus dem Urlaub zurück, überall blaue Flecken und kaputte Knie, die ich mit Stolz jedem präsentierte, der nicht “TMI! TMI!” schreiend weglief. Die ersten Blessuren holte ich mir direkt am Sonntag, als man uns das Entleihen von Softboards verweigerte, ein Missstand, den wir direkt am Montag beseitigten, der für mich aber mangels langem Wetsuit erstmal aufgeschürfte Knie bedeutete. Die letzten Blessuren holte ich mir beim Stand-Up Paddeln. Beim Stand-Up Paddeln fällt man zunächst sehr oft sehr unvermittelt ins Wasser. Das sieht nicht nur lustig aus, wenn man mit einer Gruppe Anfänger unterwegs und dauernd Leute scheinbar völlig grundlos ins Wasser fallen, es ist auch gar nicht schlimm, aber je nach dem, wie ungünstig man fällt, sieht man dann nachher eben auch auch.

So war das jedenfalls. Die blauen Flecke sind weg, dafür habe ich mich gestern unter der Dusche noch still gefreut, weil man immer noch sieht, wo mein Shorty aufhörte und die nackten Beine anfingen.

Anders gesagt: Ich könnte schon wieder, aber ich werde wohl geduldig warten, bis wir nächstes Jahr wieder im schönsten Spätsommer Richtung Frankreich aufbrechen.

Und jetzt alle: Hach!

Stand-Up Paddler Surferrobben Immer noch Surferrobben Fähige Surferrobbe Strandleben Eismann macht Pause Board an Land Surfer Und hopp! Strandmenschen Kleiner Strandmensch Kleiner Strandmensch und großer Strandmensch Surferin Mehr Strand Zu den Wellen

Clermont-Ferrand mit schönem Wetter

Bei eher schlechtem Wetter hatten wir Clermont-Ferrand ja schon. Dann war damit auf einmal Schluss und die Sonne kam raus. Da war die Stadt auf einmal noch ein Eckchen schöner. Wir mäanderten durch die Gässchen, guckten uns den Dom von außen an und fanden den Blick auf die Vulkanberge sehr hübsch und pittoresk. Nebenbei informierten  wir uns schon mal über das gastronomische Angebot und entschieden uns dann allerdings für ein Etablissement, das ich schon vorher im Internet ausgemacht hatte, obwohl es erst um 19:30 Uhr öffnete (im Gegensatz zu den sonst üblichen 19:00 Uhr… überhaupt, französische Sturheit bei Öffnungszeiten, da muss eigentlich auch noch ein Blogbeitrag drüber geschrieben werden).

Vielmehr, ich guckte so lange betroffen, bis der werte Gatte diesem Vorschlag zustimmen musste. Dafür mussten wir dann eine halbe Stunde länger durch Gässchen wandern, wurden aber immerhin mit astreiner Landküche aus der Auvergne belohnt. Ich bestellte aus Prinzip Truffade, weil das anscheinend eine auvergnische Spezialität ist. Truffade besteht zu 40 Prozent aus Kartoffeln, zu 40 Prozent aus Käse und zu 20 Prozent aus Speck. Man muss nach der Hälfte aufgeben, den fragenden Blick der Kellnerin mit “C’était très bon, mais je dois réserver quelque place pour la dessert!”* beantworten, worauf sie wissend nicken und alles ist in Ordnung.

Danach waren wir satt und glücklich und wanderten ins Hotel. Wie ich schon sagte, Clermont-Ferrand kann man gut machen.

*Sollten in diesem Satz Fehler sein, dann sei es so. Ich beklagte ja schon, dass mein Französisch sehr eingerostet ist. Zumindest ist es wahrscheinlich, dass ich ihn so oder so ähnlich gesagt habe.

Restaurant Durchs Tor Frosch Häuser und Himmel Fensterbänke Plastikstühlchen Plakate Haus und Himmel Boulangerie Dom von weitem Café Blau mit viel Grün Dom Straßenschild Fußgänger aufpassen Café Französischer Fensterzwerg Tricolore Sonne kommt raus Domspitzen Gässchen Laterne und Himmel

Clermont-Ferrand mit schlechtem Wetter

Arbeiten wir doch den Urlaub weiter auf. Nach Mömpelgard waren wir in Clermont-Ferrand, das liegt dann noch mal so ungefähr auf halber Strecke zwischen Mömpelgard und Biscarrosse. Nachdem ich im Hotel im Bad Berneck immer lauter fluchend zwei Stunden lang nach einem netten Chateäuchen irgendwo im Nichts (aber gerne nahe an der Autobahn) suchte, gab ich leise grummelnd auf und buchte ein recht unattraktives Hotel mitten in Clermont-Ferrand. Das Hotel entpuppte sich architektonisch als noch unattraktiver als auf den Bildern, innendrin aber als recht luxuriös. Außerdem hatten wir ein Zimmer mit Blick auf die Berge, was bedeutet, dass man erst auf ziemlich viele hässliche Häuser guckt, und dann im Hintergrund auf grüne erloschene Vulkane oder so. Irgendwo da wurde wahrscheinlich auch diese Volvic-Werbung gedreht, kann man sich jedenfalls gut vorstellen.

Clermont-Ferrand hingegen entpuppt sich nach einem kurzen Weg durch eine wenig attraktive Innenstadt als erstaunlich hübsch. Dann kommt nämlich die Altstadt mit ganz vielen kleinen Gässchen, Unmengen von Restaurants, Cafés und kleinen Läden und es ist wirklich sehr nett. Clermont-Ferrand kann ich empfehlen, da würde ich drei Tage durch die Stadt laufen, schon allein, weil wir an zu vielen Restaurants vorbeikamen, die wirklich gut aussahen.

Jedenfalls war erst schlechtes Wetter und so stiefelten wir unter grauem verhangenen Himmel durch enge Gässchen und guckten uns die Stadt an. Nachher wurde es dann tatsächlich noch schön. Aber weil ich sowieso viel zu viele Bilder gemacht habe, fangen wir mit denen mit grauem Himmel und ohne Sonne an.

(In Clermont-Ferrand gibt es übrigens die angeblich erste Straßenbahn Frankreichs und zwar eine Einspurenstraßenbahn. Was bewirkte, dass ich die ganze Zeit glücklich Straßenbahnen anstarrte. Ich bin halt ein simples Gemüt und einfach glücklich zu machen.)


Dingsi Straßenbahn La Montagne Erste Straßenbahn Place de Jaude McDonalds Elefant Gässchen Café Truffade Plakate Dom Altstadt und Berge Steindingsi Bibendum Stadt

Mömpelgard

Dieses Jahr sah die Urlaubsplanung ja etwas anders aus. Wir mussten nämlich zwischen Bayreuth und Biscarrosse noch zwei Tage überbrücken. Mittwochabend dämmerten die Götter auf dem grünen Hügel, aber die Ferienwohnung am Meer war erst ab Samstag gemietet.

Weil wir aber einigermaßen kluge Menschen sind, nutzten wir diesen Umstand, um die tägliche Fahrtzeit zu verkürzen und noch etwas mehr von Frankreich zu sehen. Die erste Etappe ging also lediglich von Bayreuth ins Burgund, knapp hinterm Elsass, nach Montbéliard oder wie mir Leute in den sozialen Netzwerken enthusiastisch in die Kommentare schrieben: MÖMPELGARD!

Montbéliard entpuppte sich dabei als sehr niedliches Städtchen mit einer kleinen Fußgängerzone, einem Schloss, das wir aber nur von weitem sahen und schönem Wetter. Tatsächlich haben wir nicht viel mehr gemacht als einmal durch die Stadt zu laufen, dann in einem Restaurant einen Tisch zu reservieren, kurz ins Hotel zu huschen und dann pünktlich um 19 Uhr wieder zum Essen aufzubrechen.

Trotzdem würde ich sagen: Mömpelgard kann man gut machen. Und wenn man es macht, kann ich das Restaurant Joseph empfehlen. Man sollte sich da nicht vom Mobiliar abschrecken lassen. Wir hatten da möglicherweise das zweitbeste Essen, das wir je irgendwo hatten. Das teilte ich der recht resoluten Französin, die uns das Essen brachte und zwischendurch bemerkte, wir äßen ziemlich schnell, auch so mit und lernte: Das ehrliche Kompliment, das wäre jetzt das zweitbeste Essen, das man überhaupt je in seinem Leben gegessen hätte, wird gar nicht so enthusiastisch aufgenommen, wie man erwarten könnte. Sowas.

Grill Restaurant Angeline Mömpelgard Tabac Presse Palmenzeugs Pianos Musique Blumengedöns Café Obelix Turm Graffiti oder so

Alliterative Urlaubsplanung

Es ist nämlich so: Eigentlich wollten wir dieses Jahr drei Wochen nach Frankreich, genauer gesagt dahin, wo wir auch die letzten Jahre waren, nämlich nach Biscarrosse-Plage. Vor allem, weil man da gut surfen kann, aber auch, weil wir uns da wohl fühlen und ich außerdem letztes Jahr dann von mindestens zwei Surflehrern mit Wangenkuss und so begrüßt wurde. Wir gehören also jetzt quasi dazu, und das ist ja so als Deutscher bei Franzosen nicht selbstverständlich, das muss man mental irgendwie auskosten und noch mal hinfahren.

Jetzt kamen wir aber unverhofft zu zwei Karten für Bayreuth für den Ring. Also eigentlich sogar zu acht Karten, aber einzeln kaufen kann man die ja eh nicht. Der Ring wird in Bayreuth komplett geguckt, da kann man sich nicht irgendwas aussuchen. Oder man kann doch, muss dann aber für die anderen mitzahlen. Egal. Wir mussten jetzt jedenfalls den Urlaub spontan umplanen und haben das jetzt so gelöst, dass wir erst nach Bayreuth fahren, da dann sieben Nächte bleiben, zwischendurch Opern gucken und dann von da aus direkt weiter nach Frankreich zum Atlantik fahren. Wir werden also möglicherweise die ersten Wagnerfestspieltouristen mit Bodyboard im Kofferraum sein.

Dann ist es aber noch so, dass man Ferienwohnungen in Frankreich üblicherweise von Samstag auf Samstag bucht, die “Götterdämmerung” aber am Mittwoch kommt, wir also die Zeit von Donnerstag bis Samstag irgendwie noch sinnvoll nutzen müssen.

Weil sich dann auch noch herausstellte, dass Bayreuth überraschenderweise gar nicht näher an Frankreich ist, sondern weiter weg, haben wir uns überlegt, dass wir dann einfach ungefähr auf halber Strecke noch mal einen Halt von zwei Nächten einlegen und die Fahrt so in zwei ertragbare Strecken teilen.

Deswegen recherchierte ich heute, was so auf halber Strecke liegt. Auf der vemeintlich schöneren Südroute fand ich Besançon und dann später Beaune. Beides sieht nett aus und erfüllt so geschätzt einigermaßen die Bedingung, auf halber Strecke zu liegen. Beides kenne ich nicht.

Jetzt funktioniere ich aber auch so, dass ich mich ja schon über die Alliteration bei “wir fahren von Bayreuth nach Biscarrosse” sehr gefreut habe. Als ich dann noch Besançon fand, wurde das nicht besser. Wir würden dann nämlich von “Ba” über “Be” nach “Bi” fahren und aus der Nummer kommen wir jetzt leider nicht raus.

Ich nehme also gerne weitere Tipps für Zwischenstopps auf der Strecke Bayreuth – Biscarrosse-Plage entgegen, wenn der Name der Stadt allerdings nicht mindestens mit “B” anfängt, könnte das schon problematisch sein. Eventuell helfen ja gute Argumente. Möglicherweise sind Beaune und Besançon aber ja schon sehr gute Kandidaten. Wer sich da auskennt und wertvolle Tipps hat, darf sich auch gerne zu Wort melden.

In der Zwischenzeit gucke ich einfach schon mal hier nach, wie die Wellen so sind.

Calton Hill

Wie bei so fast allem in Edinburgh dachten wir, Calton Hill wäre viel zu weit weg. In Wirklichkeit ist Calton Hill, wie fast alles in Edinburgh (alles außer Leith) natürlich total nah und ehe man sich’s versieht, steht man schon oben und guckt auf Edinburgh runter.

Das ist sowieso das tolle an Edinburgh, dass man dauernd irgendwo raufklettern und runtergucken kann. Manchmal sogar, ohne das wirklich zu wollen. Auf einmal steht man irgendwo oben und guckt runter. Total ungeplant. Es bedeutet allerdings auch, dass man dauernd rauf und runter läuft, aber so bekommt man ein kleines Fitnessprogramm gratis zum Urlaub dazu. Auch total praktisch.

Jedenfalls stehen wir auf einmal und überraschend schnell auf dem Calton Hill. Weil ich mich über sowas nie informiere, weiß ich gar nichts über den Calton Hill, hier stehen vereinzelt irgendwelche Gebäude rum, alles schön alt und grau. Auf das Säulending kann man draufklettern, wenn man Leute hat, die einen von oben ziehen und von unten schubsen und dann ein bisschen drauf rumlaufen und Leuten im Weg stehen, die Fotos machen wollen.

Auf den Turm kann man auch klettern, aber dafür sind wir zu faul. Die Aussicht ist ja auch so schon schön genug. Nach Norden auf den Firth of Forth, nach Süden auf das Zentrum und den Holyrood Palace und natürlich Arthur’s Seat, wo wir Neujahr 2012 draufgeklettert sind. Wir laufen ein bisschen rum, machen Fotos und gucken runter und dann laufen wir wieder runter und stehen fünf Minuten später auf einmal wieder mitten in der Stadt. Faszinierend.

Calton Hill ist eine ziemlich gute Alternative für Leute, die mal irgendwo draufklettern und auf Edinburgh runtergucken wollen, denen Arthur’s Seat aber zu anstrengend oder zeitaufwändig ist. Oder zu windig. Oder man macht einfach beides, geht natürlich auch.

Erwähnte ich schon mal, dass Edinburgh dauernd den Himmel schön hat? Ja? Nein? Okay. Ist jedenfalls so.

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Blick nach Westen auf die New Town. Mehr oder weniger.

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Arthur’s Seat. In Edinburgh steht einfach so ein Berg in der Stadt rum. Ich finde das sympathisch.

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Blick nach Norden auf den Firth of Forth.

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Noch mal Blick nach Norden auf den Firth of Forth. Irgendwo da hinten ist vermutlich auch Leith. Vielleicht aber auch nicht.

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Säulendings. Konnte man auch draufklettern und Fotos machen.

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Blick auf das Zentrum von Edinburgh. Man sieht zum Beispiel den Bahnhof und die eine hübsche Brücke und hinten das Schloss und rechts das Balmoral Hotel. Und anderes Zeug. Edinburgh ist voll mit so Gebäudezeug.

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Holyrood Palace. Manchmal kommen hier auch so Königsleute hin.

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Ein zur Gesamtsituation passender Hund.

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Edinburgh by Night

Hier herrscht mal wieder tödlicher Männerschnupfen. Das sieht ungefähr so aus, dass ich schniefend und hustend auf dem Sofa rumliege und mich frage, warum es mich dieses Jahr wirklich alle Nase lang trifft. (“Alle Nase lang”, haha! Brüller!)

Damit aber auch wirklich alle etwas von der kleinen Reise nach Edinburgh haben, gibt’s jetzt einfach ohne viele Worte ein paar schöne Eindrücke von einem nächtlichen Edinburgh. Und dann geht’s wieder aufs Sofa.

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Aussicht vom Hotel auf die Cockburn Street.

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Irgendwo auf dem Weg zum Grassmarket.

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Aufstieg vom Grassmarket zur Royal Mile.

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Pub auf der Rose Street.

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Balmoral Hotel.

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Auf der Princes Street mit Blick aufs Monument.

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Monument und Bus nach Leith.

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Zeug.

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Monument mit Himmel. Edinburgh hat dauernd den Himmel schön, es ist schon unerträglich.

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Noch mal Aussicht auf die Cochburn Street, diesmal mit mehr Autos und Ausgang von Mary King’s Close.