Süßkind und Sauermann, 31.10.2018

Spontan bei Norman Brazda im Süßkind und Sauermann, eigentlich wollten wir zwei Gänge und das Dessert teilen, am Ende überzeugte uns Norman aber, doch die vier Gänge zu nehmen. Besonders schön das gebackene Ei mit sauer eingelegtem Gemüse, aber auch alles andere in gewohnt großartiger Qualität mit passender Weinbegleitung. Den Abschlussespresso gab’s am Tresen.

Süßkind und Sauermann, 31.10. 2018

Gebackenes Ei mit sauer eingelegtem Gemüse, Kerbelschaum, grüner Sauce, Trüffel, Kaviar und Pumpernickel

Zweierlei von der Taube mit Maronenknödel, Schwarzwurzel und Trauben

Zander mit Gnocchi, Stengelkohl und Muscheln in Muschelsud

Quitte Helene mit Mousse au Chocolat

Hugenpöttchen, 3.10.2018

Ich werde zum nachträglichen Geburtstagsessen eingeladen und nach acht Jahren, die wir mittlerweile in Essen wohnen, sind wir zum ersten Mal im Hugenpöttchen.

Wir entscheiden uns fürs Kürbismenü, obwohl wir beide keine Kürbisfans sind. Das Menü überzeugt aber, lediglich die Portionen sind alle ein bisschen zu groß, zumindest für ein Vier-Gang-Menü. Irgendwo im Park findet eine chinesische Hochzeit statt und auf der anderen Seite des Burggrabens sitzt ein einsamer Mann und isst Kuchen, glaube ich. Zusammengefasst ist es eher unverständlich, dass wir zum ersten Mal hier sind, gute Küche, gute Weine (Weingut Klaus Gallé), guter Service. Beim nächsten Mal dann vielleicht doch das besternte Laurushaus nebenan als kleine Steigerung?

Hugenpöttchen, 3.10.2018

Aperitif: Belsazar Rosé Tonic

Brotauswahl mit Butter und Dip

Kürbis-Gewürz-Risotto mit roten Garnelen

Cremesuppe vom Butternut-Kürbis mit Erdnuss-Crunch und Gremolata

Auf der Haut gebratener isländischer Rotbarsch mit eingelegtem Kürbis, Grapefruit, Kartoffelflan und Tamarassauce

Saftiger Schokoladenkuchen mit Zwetschgenkompott und Popcorneis

La Petite Cave de Jeannette, 4.9.2018

Zum 51. Geburtstag meines Mannes endlich wieder bei Jeannette und Peter Schnitzler im La Petite Cave de Jeannette in Essen-Rüttenscheid gewesen, wie immer ein schöner, entspannter Abend mit gutem Essen und leckeren Weinen. Das Konzept mit einer kleinen, wechselnden Karte bewährt sich, wir nahmen das Vier-Gänge-Überraschungsmenü.

Schnitzlers 4.9.2018

La Petite Cave de Jeannette, 4.9.2018

Austern und Crevettes Roses (aktuell noch nicht im Bild, wird aber nachgeliefert)

Gemischte Antipasti

Saibling auf getrüffeltem Wirsing

Entrecôte vom Dry-Aged-Rind mit Pfeffersauce und wildem Brokkoli

Zitronentarte mit Lavendel im Glas

Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018

My Dad Made, 17.8.2018

Eigentlich beim Vorbeifahren entdeckt, bei der Suche nach interessanten Restaurants dann aber auch by TripAdvisor gefunden und kurzentschlossen einen Tisch reserviert.

Der Service schien geringfügig überfordert, aber sichtlich engagiert und freundlich, der Laden war auch sowohl drinnen als draußen voll, insofern vielleicht einfach ein Ressourcenproblem. Ansonsten gute vietnamesische Küche, natürlich an den europäischen Geschmack angepasst, aber immer noch ausreichend nah am Original, so wie ich mich daran erinnere. Leider kein thịt bò lá lốt, dafür aber cà phê sữa đá, den vietnamesischen Eiskaffee mit gesüßter Kondensmilch, den wir im Büro in Ho-Chi-Minh-Stadt immer bekamen und den ich so liebte, dass mir die Kollegen irgendwann ihre Gläser überließen.

My Dad Made, 17.8.2018

Ginger Aperol

Tôm chiên com – Frittierte Garnelen mit Hühnchen

Bún chả – Schweinehackbällchen und Schweinebauch mit Gemüse, Reisnudeln und Dip

Cà phê sữa đá

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Tagebuchbloggen, 20. – 22.7.2018

Ich habe ein ganzes Wochenende zu verarbeiten und wir haben auch noch viel erlebt und gemacht, es wird also lang.

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In der Nacht von Donnerstag auf Freitag verschwand unser Internet und damit auch der Festnetzanschluss und der Fernsehempfang. Anrufe bei der Telekom ergaben erst mal nichts Konkretes, am Freitagabend einigten wir uns darauf, dass ich erst mal am nächsten Tag das DSL-Kabel austauschen würde, und dann würde man weitersehen. In der Zwischenzeit bekam ich zusätzlich 10 GB Datenvolumen für den Mobilfunkvertrag, damit fühlte ich mich dann auch ausreichend gewappnet, die internetlose Zeit zu überstehen. An dieser Stelle möchte ich auch mal anmerken, dass sich bei der Telekom einiges in Sachen Kundenservice getan hat, kurze Reaktionszeiten, Mitarbeiter, die einen ernst nehmen und glaubhaft bemüht scheinen, kurzfristige Technikertermine, brauchbare Ideen, um mich als Kunden nicht im Regen stehen zu lassen, das war alles sehr erfreulich.

Long story short, der Kabelaustausch brachte auch nichts, wir hatten also sowohl Modem als auch Kabel als Störfaktor ausgeschlossen und es blieb nur der Technikertermin. Am Sonntagnachmittag  fiel mir dann zufällig auf, dass auf einmal wieder alle Lämpchen blinkten und jetzt haben wir wieder Internet. Es war ansonsten aber auch gar nicht so schlimm, zum Beispiel haben wir festgestellt, dass man vollkommen überraschend auch auf dem Balkon zu Abend essen kann, möglicherweise machen wir das jetzt öfter.

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Es gab noch andere Vorteile. So entdeckte ich zum Beispiel bei der morgendlichen Fahrradtour zum Telekomshop, dass auf der Rüttenscheider Straße ein Ramen-Japaner aufgemacht hat. Im Ruhrgebiet kommen ja alle hippen Foodtrends erst so drei bis fünf Jahre nach fläschendeckender Einführung in Berlin, Hamburg und Köln an. Jetzt also auch Ramen in Essen, ein Traum geht in Erfüllung.

Wir waren also Ramen essen, und können das Genki Ramen in der Dorotheenstraße in Essen empfehlen, das Lava-Ei hätte etwas weicher sein können, aber das ist eigentlich auch alles, was ich an Beschwerde hätte.

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Vorher ließ ich mich von meinem Mann beschenken, ich hatte schon seit längerem den Wunsch nach einem schönen Füller und jetzt besitze ich einen hübschen Kaweco-Reisefüller und bin ganz angetan, weil es sich damit eben doch anders schreibt als mit dem Kugelschreiber. Vermutlich sitze ich also demnächst abends bei Kerzenschein in meinem Schreibstübchen und verfasse Briefe, möchte hier jemand einen, ich habe einen Füller, ich bin bereit!

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Eine schöne Alltagsbeobachtung im Vorraum der Commerzbank. Ein alter Mann nähert sich vorsichtig einem anderen Mann, der gerade Geld abgeholt hat.

„Darf ich fragen, wie groß Sie sind?“

„Zwei Meter“, antwortet der jüngere, sehr große Mann.

„Oh, das kommt bestimmt selten vor.“

„Es gibt noch größere.“

„Aber schon praktisch, Sie kommen an alles dran.“

Allgemeines Verabschiedungsgeplänkel und während der alte Mann jetzt selber zum Automaten geht, murmelt er noch sehr gut hörbar: „Mein lieber Scholli!“

Das war schön.

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Nach Füllerkauf und Ramenessen noch zum großen Trödelmarkt am Girardethaus gefahren, ein sehr schöner Trödelmarkt, der allerdings auch nur einmal im Jahr stattfindet, wenig Neuware oder zumindest Neuware deutlich vom Trödel getrennt. Wir erstanden ein Sonor Glockenspiel für fünf Euro und eine Melodica für zehn Euro, dabei hatte ich vom letzten Flohmarkt erst eine Melodica mitgebracht, jetzt haben wir halt zwei. Es hätte eventuell auch noch eine Ukulele gegeben, ich entschied mich dann aber dagegen, dafür habe ich jetzt eine neue Dienstleistung erfunden: Kostenloses Instrumentestimmen auf Flohmärkten. Ich mache das gerne für Sie, sprechen Sie mich einfach an.

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„Ich bin viele“ von Dennis E. Taylor [Amazon-Werbelink] zu Ende gehört, nachdem es so viel Lob in den einschlägigen SF/F-Foren bekam und endlich mal wieder so richtig enttäuscht und angenervt von einem Buch gewesen. Ich wiederhole mich vielleicht, aber ich freue mich immer, wenn ich ein Buch doof finde, das kommt nämlich so selten vor, dass ich gelegentlich an meinen Qualitätskriterien zweifle und mich frage, ob ich zu einfach gestrickt bin. Im Prinzip will ich von einem Buch ja nur unterhalten werden.

Dieses Buch jedenfalls, die Synopsis ist mehr oder weniger, dass ein Mann namens Bob irgendeine Art Gehirnabdruck einfrieren lässt, um bei einem Todesfall wiederbelebt werden zu können, dann relativ schnell stirbt und entgegen der Absprache nicht als Mensch aus Fleisch und Blut, sondern als AI wiederbelebt wird, auf dass er ins All fliege, neue Planeten für die Menschheit entdecke und sich dabei immer wieder selbst klone. Nachher gibt es also viele Bobs, die alle nach irgendwelchen popkulturell relevanten Figuren (Ryker, Homer, Khan, Ernie und Bert, you get the picture) benannt sind (gähn) und natürlich alle den gleichen sarkastischen Humor haben (doppelgähn) und mit irgendwelchen lustigen popkulturellen Referenzen um sich werfen (dreifachgähn). Damit man es nicht vergisst, erwähnt der Ich-Erzähler dann auch regelmäßig, wie er (haha!) ja einen total kindischen Humor hätte (hahaha!) und ach, ach…

Es wäre auch alles noch gar nicht so schlimm, wenn in dem Buch wenigstens relevante Frauenfiguren vorkämen. Ich habe, bei allem Bemühen um Verständnis und Nachsicht, einfach keine Geduld mehr für Bücher (oder Filme oder Serien), in denen alle relevanten Figuren Männer sind, es sei denn, es gibt einen wirklich, wirklich guten und nachvollziehbaren Grund. Es gibt aber keinen guten oder nachvollziehbaren Grund, warum unter den ganzen Wissenschaftlern und Staatsoberhäuptern oder FUCKING ALIENS in diesem Buch keine weiblichen Repräsentanten sind. Es ist so ermüdend.

Keine Empfehlung für „Ich bin viele“ also, ein ähnlich überbewertetes Buch wie „Der Marsianer“, das ich von nun an dem Science-Fiction-Subgenre „White Male Geek Wet Dream“ zuordnen werden, Bücher, die weiße Nerdmänner für andere weiße Nerdmänner schreiben und dann erstaunt gucken, wenn man anmerkt, dass sie eventuell zu sehr in ihrer eigenen Wahrnehmungsblase stecken. Von dem happy Genozid, der damit gerechtfertigt wird, dass man ja die guten Aliens vor den bösen schützt mal ganz zu schweigen. Auch da waren wir in der Science-Fiction-Literatur schon mal deutlich weiter.

Positiv zu vermerken ist, dass das Hörbuch von Simon Jäger gelesen wird, aber das war’s dann auch schon.

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Erfreulicher hingegen war „Mortal Engines“ von Philip Reeve [Amazon-Werbelink], Young Adult-Fantasy-Science-Fiction, die in einer Welt spielt, in der Städte nicht mehr stur auf einem Fleck hocken, sondern sich fortbewegen, bekämpfen und aufessen. Ja, das klingt absurd, funktioniert aber ganz gut. Das ist alles solide Popcornliteratur, aber es kommen relevante weibliche Charaktere vor, auch sonst sind die meisten Figuren erfreulich ambivalent und man wird gut unterhalten.

Das Buch ist schon etwas älter und kommt demnächst als Verfilmung von Peter Jackson in die Kinos.

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Außerdem erfolgreich weiter ausgemistet. In meinem Arbeitszimmer gibt es jetzt nur noch einen großen Papierstapel, der mal gesichtet und auf entsprechende Ordner verteilt werden müsste und eine kleine Schublade, die ich aber auch schon grob sortiert habe.

An dieser Stelle ist „Magic Cleaning“ [Amazon-Werbelink] auch ein bisschen naiv, vielleicht ist das auch ein Japanding, jedenfalls soll man sich laut Marie Kondo auch hemmungslos von Papieren trennen, weil man die meisten ja sowieso nie wieder braucht und sie einen selten glücklich machen. Ich sag mal so: Wenn man nebenbei noch gelegentlich selbstständig arbeitet und außerdem Immobilien besitzt, greift das ein bisschen zu kurz, ich könnte mir auch vorstellen, dass das Finanzamt da anderer Meinung ist. Eventuell könnte ich aber mal darüber nachdenken, ob ich sämtliche Bankauszüge und Kreditkartenabrechnungen aus den letzten zehn Jahren wirklich noch mal brauche, jetzt stehen die Ordner auf jeden Fall etwas besser sortiert und beschriftet in den unteren Regalfächern. Sie machen mich immer noch nicht direkt glücklich, hier liegt das Glück im Zweifel darin, dass ich weiß, wo was ist, wenn ich was brauche und dass es sauber und chronologisch richtig abgeheftet ist. Es sind die kleinen Dinge.

Apropos kleine Dinge: Zahnarztbonusheft und Heiratsurkunde wiedergefunden.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Genki Ramen, 21.7.2018

Neue Entdeckung auf der Dorotheenstraße in Essen-Rüttenscheid, endlich gibt es auch Ramen in Essen. Die Suppen sind klassisch mit Nudeln, Schweinefleisch und Sprossen und je nach Geschmack auch mit Ei und Tofu. Außerdem günstige Gerichte und Vorspeisen und eine tolle hausgemachte Limonade. Und wenn man einen Platz an den hohen Tischen ganz vorne bekommt, kann man nebenbei noch die Passanten beobachten.

Genki Ramen, 21.7.2018

Hausgemachte Limonade

Agedashi Tofu – Gebratener Tofu mit hausgemachter Soße

Ramen mit Lava-Ei

 

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Da ich gerne viel mehr über das gute Essen schreiben würde, das uns so begegnet, aber keine Zeit habe, es ausführlich zu tun, habe ich einfach bei Bernd Labetzsch geklaut und präsentiere nun in Zukunft „Gute Dinge, die ich aß“ ohne viel Kommentar. Nur Ort, Zeit, Beschreibung und Bild. Eventuell interessiert es ja den ein oder anderen auch in dieser Kurzversion

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Gegrillte Wassermelone mit Trüffelkäse und Earl-Grey-Gelee

Sauer marinierte Dorade & Jakobsmuscheln mit Bohnen, Salicorn, Chips und Makrelen-Consommé mit Zitrusaromen

Offener Ravioli von Kohlrabi & Ochsenschwanz auf Erbsenpüree & wildem Blumenkohl

Roulade vom Kalb auf Kartoffelpüree mit Kräuterseitlingen & Bohnen an Pfirsich-Pfifferling-Marmelade

„Stück Fisch“ auf Brennesselgemüse mit Kartoffel-Krebs-Gratin, Krustentierschaum & Krebskrokette

Stachelbeer-Strudel mit Ziegenquarkeis, Pumpernickel und Pet-Nat-Schaum

(Wenig später gewann Deutschland gegen Schweden, was ihnen aber auch nicht half, die Vorrunde zu überstehen. Sagen wir, das Essen war deutlich besser als das Spiel, trotz des schönen Tors von Kroos.)

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Süßkind und Sauermann, 23.6.2018

Nachbarschaft

Ich habe üblicherweise Seifenblasen im Haus. Wenn mir gerade danach ist, stelle ich mich auf den Balkon, puste ein paar Seifenblasen in die Welt, freue mich daran und hoffe, dass es vielleicht irgendwo in den Nachbarhäusern oder auf der Straße Menschen gibt, die zufällig gerade aus dem Fenster gucken oder in den Himmel gucken und sich auch über unerwartete Seifenblasen freuen.

Heute stand ich wieder auf dem Balkon und pustete Seifenblasen. Dann füllte ich die Gießkanne in der Badewanne und goß die Pflanzen, als mir jemand von der anderen Straßenseite etwas zurief: „Da haben Sie meinen Sohn eben sehr glücklich gemacht!“

Was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr und dass ich ohne Hose auf dem Balkon stand, na ja, geschenkt. So jedenfalls stelle ich mir Stadtnachbarschaft vor.

Oben auf dem Turm über Blankenstein

Der letzte Teil des Aufstiegs ist etwas ungewöhnlich. Mein Mann holt sein Handy raus und leuchtet uns auf im dunklen Turm die Treppe nach oben aus. Noch nicht mal kleine funzelige Lampen gibt es hier, wie haben das die Leute gemacht, als man gar nicht dauernd ein Smartphone mit Taschenlampenfunktion mit sich rumtrug?

Dann geht es noch eine Holztreppe hoch, am Ende wartet eine schwere Metalltür und dann stehen wir oben auf dem Turm von Burg Blankenstein, irgendwo vor, hinter oder neben Hattingen und gucken runter auf die Ruhr und Blankenstein und die Rehe und eben das Ruhrgebiet.

„Hier ungefähr haben wir mal das Riverrafting gemacht“, hatte mein Mann vorher schon gesagt. Wir gucken auf die langsam vor sich hindümpelnde Ruhr. „Ja“, bestätige ich. „Das sind schon krass Stromschnellen.“

Weil ich leider süchtig nach „[Hier beliebigen Teil der Welt einfügen] von oben“-Formaten bin, haben wir uns neulich im WDR das Ruhrgebiet von oben angeguckt und gelernt, dass hier einfach so Burgen rumstehen. Ganz in der Nähe, wer hätte das gedacht, und weil das Wetter schön war, sind wir jetzt eben spontan nach Blankenstein gefahren und stehen jetzt auf einem Turm und gucken nach unten.

Später laufen wir noch eine Runde durchs Dorf und durch den Gethmannschen Garten und dann setzen wir uns auf die Terrasse eines Tapas-Restaurants und essen so lange Tapas, bis wir nicht mehr können. Und dann fahren wir nach Hause, aber nicht so wie das Navi möchte, sondern einmal an Hattingen vorbei, quer über Land, an der Ruhr vorbei, wo gerade Rinder grasen und staunen mal wieder, was es hier alles gibt und was wir alles nicht kennen. Zum Beispiel eine Burg, aber na ja, die kennen wir ja jetzt.

Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017Blankenstein 21.5.2017

Kochprofileaks oder wie ich einmal im Fernsehen war

Letztes Wochenende war ich im Fernsehen. Da saß ich mit zehn anderen Leuten in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber. Insgesamt saß ich sogar zwei Mal in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber.

Und das kam so:

Anfang Mai bekam ich eine Anfrage von einer Produktionsfirma, ob ich Lust hätte, bei einem neuen Format einer Kochsendung mitzumachen. Details standen nicht in der Mail, also meldete ich mich, bekundete generell mein Interesse und es kam zu detaillierteren Mails und Telefongesprächen. Das Grundkonzept: Die Kochprofis von RTL II machen ein Restaurant Battle. Jeweils vier Restaurants kochen ein Drei-Gänge-Menü von der Karte, das wird gegessen und bewertet, dann werden die Köche einen Tag von den Kochprofis gecoacht und die Gerichte überarbeitet und dann kommt die gleiche Jury und isst und bewertet noch mal. Das Restaurant mit der größten Punktedifferenz zwischen dem ersten und dem zweiten Abend gewinnt Geld.

Das schien mir recht risikofrei zu sein. Bei ähnlichen Kochsendungen dieser Art, die ich zugegebenermaßen gelegentlich auch gucke, spielt die Jury eine untergeordnete Rolle, die sitzen halt rum und essen und sagen ein paar Sätze in die Kamera, die Chancen, hier irgendwie etwas peinliches zu tun oder zu sagen, schienen mir gering. Außerdem will ich ja immer wissen, wie Dinge funktionieren, wie das also auch zum Beispiel ist, bei einer Fernsehsendung mitzumachen und was da so alles passiert. Also sagte ich zu und fuhr an zwei Nachmittagen nach der Arbeit nach Witten und wurde beim Essen und Reden, zwei meiner Kernkompetenzen, gefilmt. Und weil es vielleicht noch andere Leute interessiert, wie das so ist, beantworte ich hier die drängendsten Fragen einfach im Blog.

 

War die Sendung gescripted?

Ein klares Nein, zumindest für die Teile, bei denen ich dabei war. Was tatsächlich passiert: Die Storyverantwortlichen sagen gelegentlich, wer was sagen soll, wo er stehen soll und was die anderen in der Zeit tun sollen. Das sah dann ungefähr so aus: „So, und jetzt kommt ihr rein und dann steht da der J. und begrüßt euch.“ Vor, während und nach dem Essen wurde gelegentlich einzelnen Personen Fragen gestellt, die wir dann beantwortet haben und zwar, ganz wichtig, in ganzen Sätzen! Die Fragen würden später schließlich nicht in der Sendung gezeigt werden, nur die Antworten. Auch Formulierungen wie „wie gesagt“ waren verboten. Außerdem liefen dauernd Leute um den Tisch und hörten sich an, was wir redeten und wenn etwas Sendungstaugliches dabei war, durften wir das noch mal sagen. Und eventuell noch mal. Und eventuell noch mal. Grundsätzlich haben wir aber immer nur Dinge gesagt, die wir auch so meinten bzw. eine Minute vorher spontan gesagt hatten und im Wesentlichen saßen wir einfach zu zehnt an einem Tisch und haben uns über das Essen (und andere Dinge) unterhalten.

Anne und Holger

 

War die Currysuppe wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich habe ja auch schon mal aus Verzweiflung Gemüsebrühepulver vernascht.

 

War die Crème zum Nachtisch wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich esse ja auch Nusspli pur aus dem Becher.

Kamera

 

Waren die Punkte abgesprochen?

Nein. Natürlich bekam man während des Essens und Drehens mit, wie so die Meinung der anderen zum Essen war. Ansonsten hat aber jeder seine Punktzahl auf das Täfelchen geschrieben bzw. den umherlaufenden Punkteeinsammlern leise mitgeteilt. In der zweiten Sendung schien es tatsächlich eine Gruppe zu geben, die die Punkte durchdiskutiert hat, sowas haben wir nicht gemacht.

Täfelchen

 

Wurde etwas Wesentliches rausgeschnitten?

Ich habe die Mangosauce des Todes vermisst, die uns zum Hauptgang gereicht wurden. Niemand hat kapiert, was sie sollte und woraus sie bestand und so richtig wollten wir das auch nicht wissen. Es gibt sogar ein Behind-the-Scenes-Video feat. Mangosauce, aber das kursiert nur brav in der WhatsApp-Gruppe der Teilnehmer. Und der Hund eines Teilnehmers, der zwar eigentlich draußen warten sollte, wo es ihm aber offensichtlich zu langweilig wurde, so dass er irgendwann interessiert mitten im Restaurant stand und zugucken wollte.

 

Wie war die Stimmung?

Super. Wir haben uns von Anfang an verstanden, sowohl als Jury, als auch mit dem Produktionsteam, hatten sehr viel Spaß und haben eigentlich die meiste Zeit gelacht. Gerüchten zufolge war das nicht bei jeder Gruppe der Fall und manche haben sich eher angeschwiegen. Wir wurden eher zurechtgewiesen, jetzt aber mal bitte leise zu sein, weil jemand anders gerade etwas in die Kamera sagte und in einer anderen Ecke wild gekichert wurde. Die Gruppe war zwar wild zusammengewürfelt, von der Mentalität her hat es aber sehr gut gepasst, vielleicht auch gerade, weil sie wild zusammengewürfelt war.

Gruppe im Fernsehen

 

Würdest du das noch mal machen?

Ja.

 

Sonja vom Vest-Blog war auch dabei und hat schon Ende September darüber geschrieben.

Zu sehen gibt es das Ganze auch bei TV NOW, dazu muss man sich aber meines Wissens anmelden.