Category: Software und so

Wir haben da mal was vorbereitet: Techniktagebuch

Wenn es hier in den letzten Tagen etwas still war, dann nicht, weil ich keine Zeit zum Bloggen gehabt hätte, sondern, weil ich woanders gebloggt habe, nämlich hier beim Techniktagebuch: http://techniktagebuch.tumblr.com/

Das Techniktagebuch ist eine Idee von Kathrin Passig und funktioniert so: Wir schreiben da rein, was wir heute alles wie machen und in zwanzig Jahren kann man dann mit großer Verwunderung und leichtem Unglauben nachlesen, wie seltsam und absurd das damals(tm) alles war.

Oder, wie Kathrin das schön als Untertitel formuliert hat: Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!

Mittlerweile sind wir zu viert und schreiben nicht nur darüber, wie es heute so  ist, sondern versuchen auch Stück für Stück unsere Technikvergangenheit zu verarbeiten. Man kann also heute schon nachlesen, wie vollkommen abgefahren die Welt noch vor wenigen Jahren war. Krass!

Schöner Suchen – Die Softwareentwickler-Edition

Weil ich gelegentlich über meinen Beruf als Softwareentwicklerin schreibe, kommen auch öfter mal Leute auf meinen Blog, die irgendwas über Softwareentwicklung wissen wollen. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es mal wieder eine Spezialfolge “Schöner Suchen”, diesmal mit Fragen rund um Softwareentwicklung und was man da so macht. Übrigens habe ich schon 2011 mal auf Englisch darüber geschrieben, was Softwareentwickler so machen, wenn sie nicht gerade Software entwickeln.

im welchen beruf schreibt man eine software

Diesen Beruf nennt man Softwareentwickler. Alternativ Anwendungsentwickler. Gerne auch etwas fancy-anglistiziert Software Developer. Möglicherweise auch Software Engineer. Oder Programmierer. Man kann das auch aufdröseln, dann gibt es Webentwickler, Datenbankspezialisten oder Softwarearchitekten. Oder Senior Systems Architect oder so ein Unfug.

Man könnte fast glauben, der Fantasie wären an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt und tatsächlich ist das auch so. Jedenfalls muss ich immer selber nachgucken, wie denn meine aktuelle Stelle offiziell gerade heißt, wenn es um Visitenkarten oder so ein Gedöns geht.

Die Frage, die zwar keiner gestellt hat, die man aber in diesem Zuge gleich mitbeantworten kann, lautet: Was muss man machen, um Softwareentwickler zu werden?

Auch hier gibt es viele Wege, die ans Ziel führen, vom offensichtlichen Informatikstudium bis hin zum weniger offensichtlichen Quereinsteiger. Wenn man sich die eher offensichtlichen Möglichkeiten anguckt, so hat man erst mal zwei Optionen: Studieren oder Ausbildung. Studieren kann man Informatik, aber natürlich auch Wirtschaftsinformatik, Medizininformatik und was weiß ich nicht noch. Ich habe da nicht den Überblick, welche Spezialgebiete es so gibt, aber ich behaupte, es sind eine ganze Menge.

Wenn man lieber eine Ausbildung machen möchte, dann gibt es den Fachinformatiker aufgeteilt in Anwendungsentwicklung (FIAE) und Systemintegration (FISI). Den Ausbildungsberuf gibt es noch nicht so lange, nämlich seit irgendwann Ende der Neunziger. Vorher gab es aber schon den Mathematisch-Technischen Assistenten (MaTA). In unserem Ausbildungsbetrieb gab es beide Sorten Fachinformatiker und Mathematisch-Technische Assistenten. Der Hauptunterschied bestand bei uns darin, dass die Fachinformatiker Berufsschule haben mussten und die MaTAs nicht, außerdem sehen die Prüfungen anders aus. Was man nach (und während) der Ausbildung praktisch damit macht, ist aber sehr ähnlich.

Ich habe bisher übrigens noch keine Korrelation zwischen der Art der Ausbildung und der Qualität der Arbeit feststellen können, auch wenn das Studierte manchmal nicht so gerne hören wollen. Das Problem bei dem Beruf ist ja auch, dass sich dauernd irgendwas ändert, angefangen bei Programmiersprachen, über Architekturkonzepte bis hin zu Arbeitsprozessen. Wer mehr Wert auf eine theoretische Basis legt, sollte zum Studium greifen, das ist sicherlich nicht verkehrt. Man muss aber dann davon ausgehen, dass man sehr viel davon später nie mehr brauchen wird. Auch scheint es immer noch ausreichend Betriebe zu geben, in denen man ohne Studium keine Karriere machen kann (was auch immer man unter “Karriere” verstehen mag).

Die Realität ist wie immer kompliziert und individuell. In meinem Fall hatte ich nach fünf Semestern Geisteswissenschaftsstudium kein gesteigertes Interesse an weiteren acht bis zehn Semestern hauptsächlich theoretischer Informatik und habe mich dementsprechend pragmatisch für eine Ausbildung entschieden, bei der ich nicht nur Geld verdient habe, sondern auch nach zweieinhalb Jahren fertig war. Es gibt Argumente für und gegen beide Optionen, und letztendlich kann man auch immer noch beides machen, wenn man das denn unbedingt möchte.

braucht man für softwareentwickler informatik

Ja. Viel interessanter ist die Frage, was man denn unter Informatik so versteht. Was man als Softwareentwickler überraschenderweise nicht zwingend braucht, ist besonders viel theoretische Mathematik. Deswegen lernt man sowas während der Ausbildung auch nicht, während des Studiums aber schon, hab ich mir jedenfalls sagen lassen. Dafür lernt man während der Ausbildung praktisches Zeug wie Projektmangement und ordentliche SQL-Abfragen. Das lernt man zwar an der Uni angeblich auch, meine Erfahrung sagt mir aber, dass das oft auf einer eher theoretischen Ebene passiert und man sehr, sehr gut aufpassen sollte, wenn jemand sagt, er hätte ja auch an der Uni ein Seminar über Projektmanagement gehabt.

Zur Frage zurück: Softwareentwicklung IST Informatik, aber natürlich nicht nur. Man muss mit einem Rechner umgehen können und man muss programmieren können. Was man dann da genau macht und welchen Kenntnisse und Fähigkeiten man dafür braucht, hängt sehr von der konkreten Tätigkeiten ab. Ich bastele zum Beispiel mehr Programmlogik und Benutzeroberflächen, ein Kollege bastelt lustige 3D-Sachen mit vielen putzigen Dreiecken. Informatik ist das beides, aber ich muss eben keine Vektorberechnung mehr können.

was muss man als softwareentwickler können

Um den Beruf zu lernen oder tatsächlich nachher im Beruf? Um den Beruf zu lernen, muss man gar nicht so viel können, wie die Leute immer glauben (und viele Softwareentwickler immer behaupten). Zum Beispiel, ich erwähnte es bereits, braucht man gar nicht so viel Mathematik, eigentlich fast gar keine, jedenfalls nicht unbedingt. Es gibt natürlich Bereiche, wo man sehr viel Mathematik braucht, weil da komplizierte Berechnungen gemacht werden, aber es gibt ausreichend viele Arbeitsfelder, wo das eben nicht so ist. Was man aber schon können sollte: Strukturiert und logisch denken, gelegentlich auch mal ein bisschen abstrakt. Insofern besteht da schon eine Verbindung zur Mathematik.

Eine gewisse Affinität zu technischen Sachen sollte auch da sein. Es ist für diesen Job wenig hilfreich, wenn man Computer prinzipiell doof findet. Aber auch da kommt es wieder darauf an, was man macht. Ich finde zum Beispiel, es gibt kaum etwas Nervtötenderes als einen WLAN-Router einzurichten. Ich empfinde dabei weder Freude noch Genugtuung, auch wenn das viele Leute immer glauben und mich dann fragen, ob ich ihnen nicht mal helfen kann. Meistens helfe ich dann auch, aber nur, weil ich nett bin und nicht, weil mir das Spaß macht oder ich wüsste, was ich da tue.

Was außerdem hilft, auch wenn einem das oft erstmal keiner sagt: Englischkenntnisse, die Fähigkeit, sich schriftlich irgendwie ausdrücken zu können (Dokumentationen! Bugreports! Team-Wiki!) und eine gewisse Bereitschaft, mit Nicht-Softwaremenschen über technische Dinge reden zu können und zwar so, dass die das auch verstehen. Das sind alles Fähigkeiten, die oft ein bisschen außer acht gelassen werden, weil man denkt, dass die Hauptsache ja ist, dass so ein Softwareentwickler gut programmieren kann.

arbeitstag softwareentwickler

Auch hier gibt es keine Pauschalantwort, also erzähle ich jetzt, wie es bei mir üblicherweise die letzten zehn Jahre so war. Wer jetzt “Aber bei mir ist das ganz anders!” sagt, der hat bestimmt recht, und darf gerne seine eigene Geschichte erzählen.

Um die Klischees zu bestätigen: Als Softwareentwickler sitzt man schon sehr oft vorm Rechner und tippert da irgendwelchen Code rein. Wenn die Hauptaufgabe ist, Software zu basteln, die vorher noch nicht da war oder Funktionalitäten reinzufummeln, die es noch nicht gab oder Bugs zu fixen, die die Nutzer kirre machen, dann besteht ein nicht zu vernachlässigender Teil dieser Aufgabe darin, Code zu schreiben, der nachher das tut, was er tun soll.

Was Softwareentwickler aber auch noch machen: In Meetings irgendwelche Sachen besprechen, mit Kollegen diskutieren, wie man irgendein Problem am besten löst, Lösungsansätze auf Papier zu kritzeln, Aufwände schätzen, Dokumentationen schreiben, Dinge erklären und vieles mehr. Manchmal darf man sogar mit auf Messen oder zu Kunden. Ich habe dazu bereits hier etwas geschrieben.

Was die Rahmenbedingungen angeht, so unterscheidet sich das nicht groß von anderen Bürojobs. Meine Wochenarbeitszeit betrug bislang immer irgendwas zwischn 37,5 und 40 Stunden, manchmal hatte ich Gleitzeit, manchmal nicht. Wochenendarbeit musste ich geschätzt ungefähr zwei bis drei Mal machen, und die Male, die ich bis spät abends im Büro bleiben musste, weil irgendwas dringend fertig werden musste, kann ich vermutlich auch noch an zwei Händen abzählen. Ich habe aber auch ganz klug immer nur In-House-Softwareentwicklung gemacht, also keine Kundenprojekte, oder wenn dann, irgendwelche Kundenprojekte, die intern so verhandelt wurden, dass man nicht auf einmal einen aufgebrachten Kunden am Telefon hatte.

Es ist also davon auszugehen, dass es genug Softwareentwickler gibt, die schlimme Geschichten von unbezahlten Überstunden und Kunden aus der Hölle erzählen können. Dass ich das nicht kann, beschränkt zwar mein Smalltalkrepertoire auf Stehpartys, macht mich aber insgesamt eventuell zu einem glücklicheren Menschen.

was kann man besser bei spiele firmen brauxhen fachinformatiker für systemintergration oder softwareentwicklung

Ich nehme an, du meinst nicht Softwareentwicklung, sondern Anwendungsentwicklung. Fachinformatiker Softwareentwicklung gibt es nicht.

Die Antwort lautet: Beides. Aber.

Nach meiner Erfahrung braucht man (jedenfalls in Softwarefirmen) tendenziell mehr Anwendungsentwickler als Systemintegratoren. Dafür muss man verstehen, was der Unterschied ist, und der ist so: Anwendungsentwickler programmieren. Die sitzen am Rechner und schreiben Code für Programme. (Es handelt sich hierbei übrigens um stark verkürzte Beschreibungen der Berufsprofile.) Systemintegratoren kümmern sich um die IT-Infrastruktur der Firma. Üblicherweise heißt das, dass sich die Systemintegratoren um die Hardware kümmern, ebenso um die Telefonanlage, das Firmennetzwerk, die Server und die Berechtigungen, die alle sowohl auf ihrer Hardware als auch für irgendwelchen Laufwerke bekommen dürfen. Der Systemintegrator ist dein Ansprechpartner, wenn du einen neuen Rechner brauchst, dein Passwort verschlampt hast, das Internet oder das Intranet kaputt ist, du Zugang zu einem Firmenlaufwerk brauchst oder sonst irgendwas.

Spielefirmen werden sowohl die Leute brauchen, die die Software (also die Spiele) programmieren, als auch die, die den Laden in Schwung und am Laufen halten. Überleg dir einfach, was du lieber machen möchtest, beide Berufe sind ausreichend zukunftstauglich.

Vor allem aber: Lass das mit der Spielefirma und such dir eine ordentliche Firma, bei der du mit ordentlichen und modernen Technologien arbeitest, nach 40 Stunden nach Hause gehen kannst, vernünftig bezahlt wirst und eine realistische Chance hast, weiterbildende Maßnahmen wie Schulungen und Konferenzen in Anspruch nehmen zu können. Das, was man da macht, klingt vielleicht weniger cool, ist aber wahrscheinlich genauso gut.

entwixkler oder tester was ist die bessere berufswahl

Bezogen auf was? Gehaltsmäßig sind Entwickler oft besser dran, aber das liegt daran, dass viele Firmen die Leistung von Testern grob falsch einschätzen und es soll sogar Firmen geben, die Tester besser bezahlen als Entwickler.

Softwareentwickler bauen Zeug. Sie sind eher konstruktiv und optimistisch, denn sie erschaffen neuen Kram und gehen irgendwie und vollkommen irrigerweise davon aus, dass das wohl insgesamt funktionieren wird, was sie da tun. Sie versuchen kretaiv, möglichst gute Lösungen für ein bestehendes Problem zu finden. Manchmal ist das Problem auch ein nicht existierendes, von dem Leute nur glauben, das es bestünde, aber das ist eine andere Geschichte.

Tester machen Zeug kaputt. Als Tester musst du eine tendenziell trollige destruktive Ader haben und pessimistisch davon ausgehen, dass das, was der Softwareentwickler da gebaut hat, auf keinen Fall ernsthaft funktionieren kann. Tester müssen möglichst kreativ möglichst viele Wege finden, um ein bestehendes Programm aus dem Konzept zu bringen.

(Diese Unterscheidung ist deutlich verkürzt und sehr plakativ. Die Wahrheit ist wie immer kompliziert. Ich habe auch hier schon mal etwas ausführlicher und auf Englisch über die Beziehung zwischen Entwicklern und Testern geschrieben.)

Beide Berufe sind toll, wenn man Spaß dabei hat. Außerdem spricht nichts dagegen, von einem zum anderen zu wechseln, wenn man merkt, dass einem das mehr liegt. (Und wenn irgendein Vollhonk kommt und meint, dass Entwickler ja schon insgesamt der schwierigere und anspruchsvollere Beruf ist, dann darf man ihn auslachen.)

sollte ein software tester komunikativ sein

Ja. Unbedingt. Überhaupt sollten nicht nur Softwaretester, sondern auch Softwareentwickler kommunikativ sein. Am besten dann auch die Designer, Business-Analysten und Produktmanager. Kommunikation hilft im Arbeitsalltag ungemein, um Missverständnisse zu vermeiden und Arbeit nicht doppelt oder gleich umsonst zu machen. Das Bild des unkommunikativen Softwaremenschen ist allgemein überschätzt und sollte öfter und explizit verachtet werden.

sind softwareentwickler immer am pc

Nein. Ich schrieb bereits weiter oben darüber. Manchmal sitzt man sogar in ganz schlimmen Meetings und wünscht sich nichts sehnlicher, als zurück an den Rechner zu können. Wenn man aber auch sonst gar nicht so gerne am PC sitzt, ist der Beruf wohl nichts für einen.

zu dumm für software entwicklung

Ach was. Unfug. Hast du’s schon mal versucht? Und wenn ja, wo ist das Problem?

softwareentwickler verzweifelt

Das passiert auch manchmal. Aber das gibt es ja in jedem Beruf, von sowas darf man sich nicht langfristig irritieren lassen.

Mehrere sehr gute Tipps, wie man sich als Social-Media-Kasper nicht komplett blamiert.

Das ist nicht der erste Beitrag, der zu diesem Schmuckstück deutscher Beraterschreibkunst geschrieben wurde, aber ich konnte die Finger leider doch nicht davon lassen.

Was bisher geschah: Wilko Steinhagen brachte mich via Twitter auf diesen Artikel, ich sprach eine dringende Leseempfehlung auf Facebook aus, der einige Leute folgten. Dann schrieb erst Ninia etwas darüber und dann Kiki. (Jetzt können Sie hier weiter lesen.)

“Tipps, wie sich Frauen in sozialen Netzwerken noch besser präsentieren” bekommt man heute auf deutsche startups zu lesen, präsentiert von Peer Bieber, seines Zeichens Gründer von TalentFrogs.de, außerdem Berater, Social-Media-Experte und weiß-der-Teufel-was-noch. Wichtige Hinweise also, extra für uns Frauen, die wir ja schon einiges nicht ganz verkehrt machen, aber eben auch noch nicht alles ganz richtig. Aber dafür haben wir ja den Erklärpeer, der uns allen nur helfen will. Also uns Frauen. Männer brauchen das nicht. Oder jedenfalls nicht so doll.

Ich weiß gar nicht, wo man anfangen soll, den Artikel auseinanderzunehmen, denn er bietet so viele Ansätze, dass man sich gar nicht für den schönsten entscheiden kann.

Fangen wir mal bei den fünf Unterschieden an. Frauen laden weniger oft ein Profilbild hoch, sie tendieren eher dazu, ihre Softskills als die “harten Fakten” zu benennen, sie interessieren sich in ihrer Freizeit für “klischeehaft weibliche” Dinge, haben nicht so viele Kontakte und haben angeblich öfter (als Männer?) Lücken im Lebenslauf.

Nun gut, den ersten und letzten Punkt kann ich so aus meiner Erfahrung nicht bestätigen, allerdings bin ich auch kein Personaler und sichte nicht täglich hunderte von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben. Mein Lebenslauf ist lückenlos, ich bin außerdem der letzte Mensch, der sich scheut, Bilder von mir hochzuladen, aber ich kann auch nur von mir selbst sprechen.

Dass ich nicht so viele Kontakte habe, wenn es denn so ist, liegt tatsächlich daran, dass mir nichts daran liegt, einen Kontaktberg von Leuten, die ich sowieso nicht kenne, anzuhäufen. Die Kontakte, die ich habe, und dazu zähle ich auch den ein oder anderen Recruiter, habe ich sorgsam ausgesucht. Ich gucke mir die Leute und ihre Profile eben an, wäge ab, ob mir der Kontakt zu dieser Person sinnvoll erscheint und drücke dann entweder auf “Bestätigen” oder “Ignorieren”. Selbst wenn Peer Bieber mir weismachen will, dass sich potentiell JEDER Kontakt VIELLEICHT IRGENDWANN MAL als SUPERNÜTZLICH erweist, sorry, das mag in der Theorie total gut klingen. In der Praxis umgebe ich mich selbst auf eher professionellen Social-Network-Plattformen wie Xing oder LinkedIn bevorzugt mit Leuten, die ich auch irgendwie zuordnen kann, denn nur dann weiß ich auch, wann und warum es sich lohnen könnte, sie anzusprechen.

Dass mir das zum Nachteil gereichen könnte, zweifle ich an. Und die Recruiteranfragen der letzten Monate sprechen auch dagegen.

Da ich über keine nennenswerten sozialen Kompetenzen verfüge, erledigt sich der zweite Punkt für mich sowieso. Meine Liste ist voll mit Hard Skills. Aber man muss dann auch mal hinterfragen, mit was für einem Selbstverständnis Personaler und Recruiter ihre Arbeit machen, wenn sie über einfachste Filterkompetenzen nicht hinauskommen. Für meinen Beruf sind tatsächlich zunächst die harten Fakten sehr entscheidend, das fängt schon bei der Frage der Programmiersprache an. Bei vielen anderen Berufen sieht es aber anders aus. Auf was wird da bitte gefiltert? Word? Excel? Zehnfingerschreiben? Alles Dinge, die man heutzutage voraussetzen sollte und vermutlich sogar voraussetzen kann.

Mag sein, dass der Zustand, den Peer Bieber beschreibt, tatsächlich der Realität entspricht und es ratsam ist, sich schnell ein paar Hard Skills aus den Fingern zu saugen, um die filternden Personaler glücklich zu machen. Ich möchte dem Tipp, sein Profil in dieser Hinsicht zu überprüfen, noch nicht mal widersprechen, aber was für armselige Verhältnisse sind das denn bitte?

Anekdote am Rande: Ich sprach bei der letzten Jobsuche geschlagene anderthalb Stunden mit der Angestellten einer ziemlich großen Jobvermittlungsagentur. Wir gingen alle meine Skills durch, meine Vorstellungen von Aufgaben (Softwareentwicklung, am liebsten mit .NET bzw. C#) und Vertrag (festangestellt, Vollzeit), meine aktuelle Situation (festangestellt, zwei Monate Kündigungsfrist), alles im Detail, fast neunzig Minuten lang. Eines der ersten “Jobangebote”, die ich dann von dieser Agentur bekam, war für eine dreimonatige Projektarbeit mit JavaScript, Beginn in zwei Wochen. Nichts, aber auch GAR NICHTS von dem, was ich der Mitarbeiterin am Telefon erzählt hatte, kam bei diesem Angebot auch nur annähernd zum Tragen.

Was uns anekdotisch und exkursmäßig auch zu einer der Eingangsschockersätze bringt: Frauen können zwar super netzwerken (Lüge: Ich kann überhaupt nicht gut netzwerken!), aber wir kriegen drei Mal weniger Jobangebote. (Oder “Jobofferten”, wie Peer Bieber es auf beraterdeutsch ausdrückt.) Dazu muss aber vielleicht auch mal gesagt werden, dass nach meiner ganz persönlichen groben Schätzung auch zwei Drittel aller Jobangebote, die ich so bekomme, sehr zielsicher an meinem Profil vorbeigehen. Die Insistenz, mit der sich Recruiter an einzelnen Buzzwords festklammern, ohne sich das Gesamtprofil auch nur drei Sekunden lang anzugucken, ist schon beeindruckend und sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Aber weiter. Ich tanze nicht, und Yoga mache ich auch nicht. Würde ich meine Kerninteressen aufschreiben, so würde da “Lesen, Musik, Internet” stehen. Wenig aussagekräftig, aber vermutlich zumindest nicht klischeehaft weiblich. Puh. Selbst “Kochen” ist vermutlich ungefährlicher als “Reiten”, auch wenn “Kochen” wahrscheinlich jeder von sich behaupten kann, während “Reiten” tatsächlich sowas wie Disziplin und Ausdauer erfordert. Ganz schlimme Dinge also, im Berufsleben völlig fehl am Platz. Auch das, was ich vom Yoga so höre, scheint mir alles andere als harmlos zu sein und ich habe größten Respekt vor Leuten, die sich nach der Arbeit noch eine Stunde die Muskeln verdehnen, während ich nur auf dem Sofa rumliege und mich für “Politik und Wirtschaft” interessiere, mich also auf Twitter über “Hart aber fair” lustig mache.

Auch hier will Peer Bieber vielleicht gar nichts Böses. Er will wirklich nur helfen. Es bleibt sogar zu befürchten, dass er recht hat. Aber auch darauf gibt es nur eine vernünftige Reaktion: WIE BESCHEUERT IST DAS DENN BITTE? Wie billig denken denn Berater, Personaler, Recruiter und wie sie sich noch so nennen, wenn ihnen bei Tanzen, Yoga und Reiten nichts besseres einfällt als die ältesten Klischees der Welt auszupacken? An welcher Stelle gibt es irgendein stichhaltiges Argument dafür, dass “Tanzen” schlechter ist als “Fitness”, “Reiten” schlechter als “Schwimmen” und “Yoga” blöder als “Golf”? Wer hat das entschieden und vor allem WARUM ZUR HÖLLE HAT DEN NIEMAND SOFORT MINUTENLANG AUSGELACHT?

Noch wichtiger: Wird mir hier wirklich erzählt, dass sich das System eben nicht an mich anpasst und ich mich dementsprechend bitteschön ans System anzupassen habe? Als guter Tipp? Tanzen und Yoga als die ultimative Erklärung dafür, warum Frauen halt keine Karriere machen können? Weil wir die fucking falschen Hobbys haben?

Wäre ich Berater, ich hätte an dieser Stelle zumindest zugegeben, dass das alles bevormundender Patriarchen-Bullshit ist, aber man sich eben selber überlegen muss, ob man das Spielchen mitmacht oder nicht. Soviel Ehrlichkeit sollte machbar sein.

Apropos Ehrlichkeit. Nachdem Peer Bieber uns also gesagt hat, dass wir ein ordentliches und professionelles Bild von uns hochladen, bitte schön keine Lücken im Lebenslauf haben sollten, uns ein paar Hard Skills aus den Fingern saugen und unsere Interessen noch mal gründlichst auf ihre Karrieretauglichkeit überprüfen sollten, kommt er mit dem ultimativen Social-Network-Tipp: Ehrlich bleiben. Denn es fällt selbstverständlich sofort auf, wenn man etwas erfindet, übertreibt oder anderweitig nicht so ganz die Wahrheit gesagt hat.

An welcher Stelle das ein besonderer Tipp für Frauen sein soll, die ja, wie Peer Bieber selber feststellt, eher zu Untertreibungen neigen und ihr Licht gerne mal unter den Scheffel stellen, bleibt unklar. Und auch dieser Tipp ist ja nicht prinzipiell verkehrt, er hat nur nichts und wieder nichts mit den Problemen von Frauen auf Social-Network-Plattformen zu tun. Es ist ein Hinweis, den jeder beherzigen sollte. Nicht nur bei der Jobsuche, sondern eigentlich so generell im Leben. Es ist außerdem ein Hinweis, der quasi im direkten Widerspruch zu den Ratschlägen steht, sich doch bitte einen lückenlosen Lebenslauf zurecht zu basteln, bei der Angabe der Interessen im Zweifelsfall nicht so ganz die Wahrheit zu sagen und doch bitte auch jeden Hansel als Kontakt zu bestätigen, damit es aussieht, als wäre man mit der ganzen Welt vernetzwerkt und ultrawichtig.

Was Peer Bieber in diesem hilfreichen Artikel präsentiert ist ein Sammelsurium von Selbstverständlichkeiten, die für Männer und Frauen gleichermaßen gelten und Unverschämtheiten, die zwar vielleicht in der Realität wirklich so stimmen, aber trotzdem genau das bleiben: Unverschämtheiten.

Was noch zu sagen bleibt, sind zwei Sachen: In einer Welt, in der Personaler tatsächlich so agieren, wie es Peer Bieber hier beschreibt, bleibt zu hoffen, dass ein ehrliches Profil, das meine Person zeigt und kein auf einen gestrigen Karrierepfad getrimmten Kunstmenschen, eben genau die Personaler und Recruiter geschickt aussiebt, die sowieso kein passendes Jobangebot für mich gehabt hätten. Auch bei der Jobsuche gibt es zwei Seiten, und es ist nicht nur der Arbeitgeber, der entscheidet, ob ich zu ihm passe, sondern auch ich, die entscheidet, ob der Arbeitgeber zu mir passt.

Und zweitens habe ich noch einen verdammt guten Tipp für Peer Bieber: Zeichensetzung ist dein Freund. Immer. Vor allem aber, wenn ich mich als Firmengründer und Experte auf einer professionellen Seite mit einem fachlichen Artikel präsentiere. Ich sag ja nur.

Anne erklärt das Internet: CAPTCHAs, reCAPTCHAs und der Turing-Test

Ein Captcha verlangte eben von mir die Eingabe des Wortes "Entensaft". Bin irritiert.
@Buddenbohm
Max. Buddenbohm

Heute erkläre ich mal etwas, das sowieso schon alle verstanden haben und weitestgehend doof finden, nämlich CAPTCHAs. Eigentlich wollte ich mal woanders über CAPTCHAs schreiben, nämlich in dem bislang ungeschriebenen Artikel darüber, warum ich Blogspot doof finde (Spoileralert: Ein Grund sind die vermaledeiten CAPTCHAs, die mich schon  mehr als einmal erfolgreich vom Kommentieren abgehalten haben), aber da sich die schriftliche Niederlegung dieses Rants anscheinend noch ein bisschen verzögert, schreibe ich einfach jetzt schon über CAPTCHAs und das andere dann eben irgendwann später.

Interessanterweise ist die CAPTCHA-Thematik nämlich gar nicht so uninteressant. Zunächst einmal aber ist sie ärgerlich und um hier sofort mit der Wahrheit rauszurücken und jeden Verdacht der Objektivität von mir zu weisen: Ich hasse CAPTCHAs! CAPTCHAs sind die ekligen Pickel jeder Bloggerplattform! Sie gehören verboten, ausgemerzt und geächtet! Aber natürlich gibt es sie nicht ohne Grund und grundsätzlich ist der Grund ihrer Existenz erst mal nachvollziehbar und gar nicht ganz so doof.

CAPTCHAs sollen böse Internetbots davon abhalten, doofe Sachen zu tun, indem man für Maschinen vermeintlich unlösbare Aufgaben in den Weg stellt und hofft, dass die Bots daran scheitern, der Mensch jedoch nicht.* Die Idee ist also erst mal gut und soll vor bösem Kommentarspam oder unbefugtem Zugriff auf Nutzerkonten schützen.

Leider werden auch Bots schlauer und das, was vor ein paar Jahren noch als effektiver Spamschutz durchging, konnte dann auch irgendwann automatisiert gelöst werden und musste dementsprechend undurchschaubarer werden. Und genau da liegt eines der Probleme: Ein Spamschutz, der auch für Menschen teilweise unlösbar ist, ist zwar immer noch wirksam gegen Bots, wirkt sich aber auch gerne demotivierend auf den Menschen aus, der zum dritten Mal die falschen Buchstaben eintippt, weil man es einfach verdammt noch mal nicht mehr lesen kann. Ich hatte schon CAPTCHAs, auf denen die Buchstaben so verzogen waren, dass sie an den Seiten aus dem Feld herausragten und dementsprechend nicht mehr identifizierbar waren. Bei anderen CAPTCHAs drücke ich mehrere Male auf den Refresh-Button, bis tatsächlich mal eine Buchstabenkombination kommt, die ich als einigermaßen intelligenter Mensch noch entziffern kann.

Mögen diese CAPTCHAs noch so wirksam sein, nach einer guten Lösung für das Problem sieht das nicht aus.

Es gibt aber auch immer Alternativen. Auf vielen Blogs ist es mittlerweile üblich, einfach eine Frage zu beantworten, die für einen Menschen ganz leicht lösbar ist, einen automatisierten Bot aber durchaus aus dem Konzept bringen kann. Gelegentlich wird hierfür eine Prise Allgemeinwissen vorausgesetzt und ob das immer und langfristig vor Spambots schützt, kann ich nicht sagen. Für den Menschen bedeutet es zwar immer noch, dass man etwas eingeben muss, das frustrierende Entziffern willkürlicher Buchstaben bleibt aber aus und ein Wort, das man kennt, tippt sich eben immer noch leichter.

Eine andere zumindest theoretische Lösung, von der ich nicht weiß, ob sie irgendwer mal umgesetzt hat und wie hoch die Erfolgsquote ist, sah folgendermaßen aus: Spambots befüllen bekanntlich Eingabefelder, die sie so vorfinden, automatisiert. Sie wissen nicht, was sich dahinter verbirgt und machen einfach mal. (Eventuell ist es komplizierter und die Bots sind auch hier mittlerweile schlauer.) Ein Vorschlag zur Spambotbekämpfung sah so aus, ein zusätzliches Eingabefeld einzubauen, dass zwar automatisch befüllt werden kann, aber für den (menschlichen) Nutzer nicht sichtbar ist. Die Idee ist dann, dass Spambots dieses Feld sicherheitshalber mal mit irgendeinem Unsinn befüllen, ein Mensch aber gar nicht in die Verlegenheit kommt, da das Feld für ihn nicht existiert.

Anstatt also den Bot daran zu erkennen, dass er etwas nicht tun kann, erwischt man ihn dabei, wie er etwas tut, was er eigentlich gar nicht tun dürfte. Man überlistet ihn mit seinem eigenen Übereifer beim Ausfüllen der Felder, während der Nutzer einfach nichts tun muss, um als Mensch erkannt zu werden.

Wie gesagt, ob dieses Konzept irgendwann umgesetzt wurde und ob nicht auch hier Bots lernfähig genug sind, um sich auch an dieser Hürde irgendwann vorbei zu mogeln, ich weiß es nicht. Interessant ist es allemal und zeigt sehr schön, wo die Schwachstellen bei automatisierten Spambots liegen.

"Wir müssen testen, ob du ein Mensch bist." Und dann sagen einem die Captchas hinterher nie, was bei dem Test herausgekommen ist.
@HappySchnitzel
Sue Reindke

Überhaupt läuft das alles ja auf die Frage hin, wie man Mensch und Maschine überhaupt noch unterscheiden kann. Diese Frage scheint heutzutage schon allein ob solcher Spamärgernisse hochaktuell, sie ist aber tatsächlich schon etwas älter. 1950 schlug Alan Turing einen Test vor, um herauszufinden, ob eine Maschine ein mit dem Menschen vergleichbares Denkvermögen hat. Dieser Test heißt dementsprechend Turing-Test und läuft einem, wenn man es sich mal genauer anguckt, mittlerweile dauernd über den Weg, zum Beispiel, wenn ich mich mit Siri oder Anna von der IKEA-Homepage unterhalte, Menschen lassen sich von künstlicher Intelligenz sehr gerne übers Ohr hauen, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt sind, Aktionen nach ihrem Sinn hin zu interpretieren.

Dazu einen Schwank aus meinem Leben: Im Rahmen einer kleinen Kollegenchallenge habe ich mal an einer Lösung für ein “Vier gewinnt”-Spiel programmiert. Ich kam zwar nicht besonders weit, aber meine Implementation konnte am Ende doch mehr als nur zufällig irgendwo Steine reinwerfen und war damit ein bisschen schlauer als vorher, aber immer noch nicht besonders schlau. Tatsächlich lag die Stärke des Programms anderswo, nämlich in der Schwäche des Menschen, hinter jedem Zug eine Motivation zu vermuten. Obwohl ich wusste, was das Programm konnte und dementsprechend auch wusste, wann es rein zufällig agierte, neigte ich immer noch dazu, hinter jedem Zug eine Absicht zu vermuten. Zwar handelt es sich in diesem Fall um einen eher einfachen Fall von künstlicher Intelligenz (na ja, “Intelligenz”), der mit einem richtigen Turing-Test, bei dem eine Unterhaltung simuliert werden soll, nicht mehr viel zu tun hat. Zu befürchten bleibt aber, dass der Mensch mit dem ein oder anderen Trick einfacher zu überlisten ist, als wir das gerne hätten. (Ein Experiment, das in die gleiche Richtung geht, ist übrigens das sogenannte “Chinesische Zimmer”.)

Aber zurück zu den CAPTCHAs, deren Name tatsächlich ein Akronym ist, das für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart steht. (Ach guck, da isser wieder, der Turing-Test.)

Ein bisschen etwas positives lässt sich nämlich doch sagen. Google zum Beispiel hat sich nämlich überlegt, diese kleinen Plagegeister zu nutzen und jeden CAPTCHA-Entzifferer als menschliches OCR einzusetzen. Deswegen sieht man bei CAPTCHAs von Google-Diensten gerne zwei Wörter. Das Geheimnis ist hier: Nur eines der Wörter ist das eigentliche CAPTCHA. Dieses Wort ist bekannt und kann abgeglichen werden. Das andere Wort stammt (vereinfacht gesagt) aus einem abgescannten Text und konnte von der automatischen Texterkennung nicht eindeutig erkannt werden. Diese Leistung wird jetzt von uns Menschen übernommen, die zu Hause vorm Rechner sitzen und einfach nur einen Artikel auf einem Blog kommentieren wollen. Aus meiner ganz subjektiven Erfahrung würde ich behaupten, dass dabei die “offiziellen” CAPTCHAs meist schwerer zu entziffern sind als die “richtigen” Wörter, was natürlich auch daran liegt, dass die einen absichtlich unleserlich gestaltete willkürliche Buchstabenfolgen sind, während letztere meist nur ein bisschen zu verwaschen für die OCR-Software sind, ansonsten aber ganz normale Wörter.

CAPTCHA

Man rate, welches Wort das CAPTCHA ist und welches aus einem Text stammt.

Dies erklärt auch, warum es manchmal reicht, nur eines der Wörter einzutippen, denn tatsächlich wird ja nur eines abgeglichen und geprüft. Das andere ist Zusatzleistung im Dienste der Menschheit (oder zumindest im Dienste von Google). Mittlerweile nutzt Google dieses Prinzip auch, um unleserliche Hausnummern auf Street View entziffern zu lassen.

Diese Erweiterung des CAPTCHA-Prinzips ist auch als reCAPTCHA bekannt und auch wenn sich jetzt jeder selber überlegen muss, ob er es gut oder schlecht findet, dass er von Google als menschliches OCR missbraucht wird, ohne das zu wissen, so sehe ich hier ganz subjektiv und höchstpersönlich zumindest einen nachvollziehbaren Nutzen dieses nächtlichen Wadenkrampfes vieler Blogkommentarfunktionen.

Nach wie vor hoffe ich aber darauf, dass es irgendwann eine brauchbare Lösung gibt, und ich nie wieder meinen Rechner anbrüllen muss, weil ich zum dritten Mal eine unleserliche Buchstabenfolge nicht richtig eintippen kann. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

* Was fehlt: CAPTCHAs, die Trolle vor unlösbare Aufgaben stellen. Ein Weg in die richtige Richtung könnte sein, als Lösungsworte nur flauschige Begriffe zu verwenden. Wer trollt schon noch effektiv, wenn er gerade “kitten”, “rainbow” oder “cupcake” eingeben musste.**

** OMG, mit der Idee werd ich noch reich!!!!11!einself

Auf Laptopsuche oder Alter Schrott muss raus und neuer Schrott muss rein!

Ich brauche einen neuen Laptop. Es ist traurig, aber wahr. Der kleine grüne Dell macht’s irgendwie nicht mehr so richtig, ich hab jetzt schon zwei Mal Windows neu aufgespielt bzw. repariert und ich hab jetzt langsam keine Lust mehr. Drei Jahre hab ich den kleinen jetzt, aber ich befürchte unsere Zeit wird demnächst zu Ende gehen.

Akut verliebt habe ich mich in die ASUS ZenBooks, und wie das bei Liebe so ist, weniger aus rationalen Gründen, sondern weil ich davor stand und “Hui, die sind aber hübsch” dachte. Dann hab ich ein bisschen übers Gehäuse gestreichelt und liebevoll die Tastatur berührt und da war’s mit mir passiert.

Aber ich bin ja nicht ganz dumm und dachte, ich frag vielleicht einfach mal, ob diese Internetmenschen, die ja auch nicht dumm sind, da gute Tipps für mich haben.

Es gibt ein paar Anforderungen: Zum einen schleppe ich meine Rechner gerne dauernd durch die Gegend, Größe und Gewicht sind also ein (wenn nicht der) limitierender Faktor, wobei die 10,7 oder 11,1 Zoll, die der kleine grüne Dell wirklich zu klein sind, es können also in Zukunft auch 13 bis 15 Zoll sein, darüber wird’s glaube ich wieder etwas zu unhandlich.

Ansonsten brauche ich den Laptop wirklich hauptsächlich fürs Internet und zum Schreiben, Fotos bearbeiten, bisschen Rumprogrammieren ist auch nicht verkehrt und wenn Leistung und Grafikkarte auch zulassen, dass man das ein oder andere Spiel installieren und auch spielen kann, dann wär das auch nett. Letzteres ist aber kein Muss-Kriterium.

Festplattenplatz sollte auch ausreichend sein, ich tendiere dazu, alles auf dem Laptop zu speichern. Und erklärt mir jetzt nicht, warum das doof ist, und dass ich doch lieber mit externen Festplatten oder in die Cloud, ja ja, das weiß ich doch alles, in diesem Haushalt haben wir mittlerweile bestimmt vier bis sieben externe Festplatten, auf die sehr unstrukturiert und in unregelmäßigen Abständen irgendwas gesichert wird. Das klappt irgendwie, wenn auch nicht besonders gut. Vielleicht wird das das nächste Technikprojekt, aber bis dahin hätte ich gerne einen Rechner, auf den sowohl die Musik- als auch die Fotosammlung komplett passt und ich trotzdem noch Platz für andere lustige Sachen habe.

Noch Fragen? Ansonsten nehme ich jetzt Ideen und Warnungen an.

Ach so, eins noch: Ich garantiere für gar nichts. Das ASUS war schon sehr, sehr hübsch und ich bin auch bei solchen Dingen eher so mittelrational. Es kann also gut sein, dass ich trotz brillanter Ideen und sehr vernünftiger Einwände nachher irgendwas völlig anderes mache. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht gerne beraten lasse, das ist nur eine kleine Vorwarnung, ihr dürft dann nachher auch sagen: “Siehste, hab ich ja gesagt.”

Ach, und noch was: Kein Mac. Danke.

Und was macht man so als Softwareentwickler?

Ich bin Softwareentwicklerin. Das bedeutet zunächst mal, dass ich Software entwickle. Im einfachsten Fall war vorher nichts da und nachher gibt es ein Programm, eine Applikation, eine App, ein Gerät oder was auch immer, das irgendwo läuft und mit dem man irgendwas mehr oder weniger Sinnvolles oder Unterhaltsames tun kann.

Die Realität ist selbstverständlich nicht so einfach. Denn erstens ist vorher meistens doch schon irgendwas da, zweitens ist das, was man macht, selten irgendwann fertig, drittens besteht das, was man da macht, damit am Ende irgendwas dabei rauskommt, aus einer Vielzahl von einzelnen Tätigkeiten, und viertens macht man auch noch anderen Kram, entweder weil es dazugehört, oder weil sich sonst niemand findet.

Aber ich fange mal am Anfang an: Wie wird man überhaupt Softwareentwickler? Da gibt es mehrere Wege. Man kann das studieren, man kann eine Ausbildung machen, man kann eine Weiterbildung machen oder man bringt sich das selber bei. Ich habe tatsächlich in meinen knapp zehn Jahren Berufserfahrung alle diese Möglichkeiten gesehen und meiner Erfahrung nach gibt es ungefähr keine Korrelation zwischen Bildungsweg und praktischem Können und Wissen.

Mein Ausbildungsberuf nennt sich ganz offiziell “Fachinformatiker Anwendungsentwicklung”. Es gibt auch einen “Fachinformatiker Systemintegration”, das sind die Leute, die nachher eher Netzwerke einrichten und betreuen, die System-Admins in den Firmen, mit denen man sich besser gut stellt, wenn man irgendwann vielleicht doch mal einen Zugang zu irgendwas braucht.

Als “Fachinformatiker Anwendungsentwicklung” ist man dann später diejenige, die tatsächlich Anwendungen entwickelt, wie der Name schon sagt, also irgendwas tut, wo nachher irgendeine Art von Software rausplumpst.

Was macht jetzt aber so üblicherweise als Softwareentwickler? Ich muss das regelmäßig meinen Eltern erklären, damit die das anderen Leuten erklären können. Irgendwann hatte ich meinen Arbeitsrechner dabei, da konnte ich endlich mal zeigen, wovon ich überhaupt rede, wenn ich von Dental-Software spreche, wie so ein 3D-Modell aussieht und welche Teile der Software auf meine Kappe gehen. Das war sehr hilfreich, denn, wenn ich davon erzähle, klingt vieles vermutlich sehr abstrakt, was letztlich daran liegt, dass es das irgendwie auch ist.

Die Klischeevorstellung vom Softwareentwickler, einem “Programmierer” ist wohl die, dass wir jeden Tag in dunklen Räumen mit viereckigen Augen am Rechner setzen und Zeile für Zeile Code einhacken.

Um damit aufzuräumen, sei folgendes gesagt.

1. Softwareentwickler mögen Sonne. Softwareentwickler sind auch sehr heimelig, dunkle Räume mögen sie gar nicht, lieber schön hell und groß und mit einem großen Schreibtisch, auf dem sie ihren gesammelten Müll unterbringen können. Auch Pflanzen sind beliebt und begehrt und werden gepflegt und benamst. Der beste Weg, einen Softwareentwickler zu Überstunden zu motivieren, ist ihm einen hübschen Arbeitsplatz zu geben und irgendwo in der Nähe eine Kaffeemaschine und einen Wasserspender aufzustellen. (Das mit dem Kaffee ist übrigens ein Klischee, das mit der Realität übereinstimmt.) Anderweitige Kaltgetränke, Obst und/oder Schokolade sind weitere Motivatoren.

2. Softwareentwickler sitzen viel am Rechner, ja. Sie diskutieren aber auch gerne. Sie malen an Whiteboards oder laufen beim Denken auf und ab. Sie stehen gerne in Teeküchen, sofern dies die Größe der Teeküche erlaubt. Sie sitzen in Meetings und schreiben Aufgaben auf Kärtchen und hängen die an die Wand. Sie fahren auf Konferenzen und monieren langweilige Powerpoint-Präsentationen.

3. Wenn sie dann am Rechner sitzen, was (da stimmt das Klischee dann wieder) doch zu einem nicht unerheblichen Anteil der Arbeitszeit der Fall ist, dann schreiben sie nicht zwingend Code. Softwareentwickler suchen nach Lösungen für Probleme im Internet, sie testen das, was sie da gerade programmiert haben, sie finden Bugs und versuchen, diese zu fixen, schreiben Dokumentationen, benutzen eine Vielzahl von Tools, die bei irgendwas helfen sollen, lesen Anforderungen, schreiben Mails, pflegen das interne Wiki oder ihr Issue- und Bug-Tracking-System (soll heißen, irgendein System, in dem all die Dinge stehen, die noch erledigt werden müssen) und so weiter.

Es gibt eigentlich keinen typischen Arbeitstag, jedenfalls nicht im Kleinen. Richtig ist, dass ein typischer Softwareentwicklertag so aussieht, dass man irgendwann ins Büro kommt, irgendwann Essen geht und irgendwann Feierabend macht, üblicherweise in der Reihenfolge. Was dazwischen passiert, hängt davon ab, was man halt gerade so zu tun hat, wie der Arbeitsprozess organisiert ist und was überraschenderweise so dazwischen kommt.

Wenn man Glück hat, kann man tatsächlich ungestört einen oder gar mehrere Tage an einem neuen Feature arbeiten. Also guckt man sich an, was gefordert ist, diskutiert das noch mal mit dem Chef, dem Produktmanager oder den Kollegen, fängt dann an, ein bisschen Code zu schreiben, guckt sich an, ob der Code, den man geschrieben hat, tatsächlich so funktioniert, wie man sich das gedacht hat und ändert dann entweder das, was nicht funktioniert oder programmiert weiter. Zwischendurch isst man Schokolade oder Kuchen.

Das ist, wenn man Glück hat. Wenn man nicht so viel Glück hat, dann wird man irgendwann unterbrochen, weil auf einmal ein Kunde ein Problem hat, etwas anderes bis morgen gemacht sein muss, sich die Anforderungen geändert haben, oder irgendwas anderes ist.

Zusätzlich besteht die Arbeit als Softwareentwickler eben nicht nur aus der Neuentwicklung von coolen Funktionalitäten, sondern auch daraus, bestehende Funktionalitäten zu ändern oder – noch schlimmer – Bugs zu fixen.

Bugs fixen ist deshalb oft doof, weil es sehr unbefriedigend ist. Üblicherweise besteht ein Bugfix daraus, dass man erst sehr lange sucht, bis man die Stelle gefunden hat, wo das Problem überhaupt ist, dann einige Zeit damit verbringt, den Code umzuschreiben, ohne dass das Problem behoben ist, dabei eine gefühlte Million Mal die Software neu startet und testet, ob es jetzt endlich geklappt hat und dann nach einem halben Tag eine Zeile löscht, ändert oder hinzufügt und es dann endlich funktioniert.

Das Endergebnis ist dann immer sehr enttäuschend: Ein halber Tag rum und quasi nichts geändert. Ich bete dann immer das Mantra runter, dass die eigentliche Arbeit beim Bugfixen eben das Aufspüren des bösen Codes ist, und eben nicht die Menge an geändertem Code. Dennoch kommt man sich höchst unproduktiv und dezent doof vor, wenn man nach stundenlanger Arbeit nur eine Datei ins Produktivsystem hochlädt (Entwicklersprech: auf den Mainbranch eincheckt), bei der sich kaum etwas geändert hat. Aber immerhin: Der Glühbirnenmoment, wenn man endlich schnallt, was kaputt ist und es dann tatsächlich funktioniert, ist auch nicht zu verachten und löst dann große Freude und kleine Stuhltanzeinlagen aus.

Das Schöne am Entwicklerberuf ist, dass er unglaublich vielfältig ist. Zum einen gibt es eine gewisse Branchenflexiblität. Meine Ausbildung habe ich bei einer Versicherung gemacht, den ersten Job hatte ich bei einer Firma, die sich auf elektronische Transaktionen in der Pharmabranche spezialisiert hatte, es ging also darum, dass Apotheken und Krankenhäuser über unser System direkt beim Hersteller bestellen konnten. Die nächste Firma entwickelte Software für Personal- und Talentmanagement und jetzt bin ich in der Dentalbranche, auf meinem Schreibtisch liegen Zahnmodelle aus Gips und Plastik und ich bin deutlich firmer, was Dentalsprache angeht.

Auch das, was man als Softwareentwickler Tag für Tag tut, kann durchaus abwechslungsreich sein. Bei der letzten Firma arbeiteten wir mit Entwicklern aus England und Offshore-Teams aus Vietnam zusammen. Um die Codequalität zu erhalten, hatten wir in unserem Team stets jemanden, der zur Beantwortung von Fragen zuständig war. Auf einem ausrangierten Laptop lief Skype und dieser Laptop wurde dann im Tagesrhythmus weitergereicht. An dieser Stelle kann man auch gleich mit dem Klischee aufräumen, dass Softwareentwickler unkommunikative Einzelgänger wären. Die meisten Softwareentwickler, jedenfalls die, die ich kenne, sind im hohen Maße kommunikative und sozialverträgliche Menschen.

Muss man auch sein. Als Softwareentwickler redet und diskutiert man mit seinen Kollegen, mit seinem Chef, dem Produktmanager, dem Tester, dem Designer, dem Vertrieb und im schlimmsten Fall auch mit dem Kunden. Man diskutiert im Büro, in Meetings, am Telefon oder per E-Mail. Man beantwortet Fragen oder sucht selber Antworten. Die Umsetzung der Anforderung muss genauso geklärt werden wie die Priorität der Features und Bugs, wenn die Deadline naht und klar ist, dass nicht mehr alles zu schaffen ist. Es gibt sicherlich Bereiche, wo man ungestört vor sich herarbeiten kann, in meinem Berufsleben kam das nicht vor.

Und zuletzt gibt es noch die Vielfältigkeit der Aufgaben. Ich bin eher so ein Frontendentwickler. Ich mag Benutzeroberflächen, überlege gerne, wie man ein Nutzerbedürfnis am besten umsetzt, sowohl im Code als auch auf der Oberfläche, die der Nutzer dann später sieht. Andere Entwickler interessieren sich mehr für die Gesamtarchitektur einer Software, wie die einzelnen technischen Komponenten aufeinander aufbauen, wie sie miteinander kommunizieren und das möglichst effektiv. Andere wiederum basteln an sogenannten APIs (application programming interface), also an Schnittstellen, die dann wieder anderen Softwareentwicklern zur Verfügung gestellt werden, um darauf andere Software zu entwickeln. Es gibt maschinennahe Entwicklung und Entwicklung von Webanwendungen, es gibt Software, die nur auf eigens dafür gebauten Geräten läuft, es gibt Apps fürs Smartphone und Programme, die man als Desktopapplikation auf dem Rechner installieren muss. Es gibt große Applikationen mit vielen Funktionen, kleinere Tools, Plugins und Add-Ons, es gibt Spiele und Apps, deren einzige Funktion ist, dass ein Grillenzirpen erklingt, wenn man auf den Button drückt. Es gibt eine Unmenge an Software, die man braucht, um Software entwickeln zu können.

Diese Vielfältigkeit ist das Wunderbare an diesem Beruf, ich bin an keine Branche gebunden, und auch an kein spezielles Produkt. Es gibt Stellen, die ich nicht annehmen könnte, weil mir die nötigen Kenntnisse fehlen, aber das gilt für jeden Entwickler, dafür ist die Binnendifferenzierung einfach viel zu groß.

Was macht man also so als Softwareentwickler? Tatsächlich entwickelt man Software. Dazu schreibt man Code, ohne Frage. Zusätzlich schreibt man Dokumentationen, fixt Bugs, diskutiert Anforderungen und Prioritäten, redet mit Produktmanagern, Testern, Designern und Kunden, probiert rum, macht, tut, schreibt, liest, verzweifelt und freut sich.

Und zwischendurch isst man Schokolade und Kuchen.

Es ist ein toller Beruf. Und wer jetzt noch Fragen hat, der stelle sie bitte in den Kommentaren.

(Vor zwei Jahren schrieb ich auf meinem anderen Blog schon mal darüber, was man so als Softwareentwickler außer Code schreiben noch macht, allerdings aus einer etwas anderen Richtung. Es fügt sich aber schön als Bonusfeature in diesen Zusammenhang ein.)

Dieser Artikel reiht sich in die lange Liste berufserklärender Artikel ein, die von “Sinn und Verstand” hier angeregt wurde. Zwar ist Softwareentwickler kein wirklich neues Berufsbild und zudem vermutlich längst nicht so geheimnisumwoben wie “Key Account Manager” oder “Social Media Consultant”, aber ich glaube auch hier, dass viele Leute nicht wissen, was man da eigentlich so macht.

Apps im Test: Weihnachtsmärkte in NRW

Nachdem ich mit dem alten iPhone 3G vom Mann schon mal üben konnte, hab ich jetzt auch endlich mein neues iPhone 4S bekommen und habe schon fleißig neue Apps draufgepackt.

Saisonbedingt bietet es sich da natürlich auch an, sich mal eine Weihnachtsmarkt-App anzusehen. Zwar gibt es ja in jeder Stadt einen bis hunderte davon (also Weihnachtsmärkte, nicht Apps), aber wo es sich jetzt lohnt hinzugehen und wann die im Einzelnen geöffnet haben, das weiß ich meistens nicht und dann landet man eben immer nur auf den üblichen Weihnachtsmärkten und lernt gar nichts Neues kennen.

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Die App, die mir empfohlen wurde, heißt “Weihnachtsmärkte in NRW” und bietet eine hübsche Übersicht über Weihnachtsmärkte in Nordrhein-Westfalen.

Einer der praktischsten Vorteile einer solchen App ist natürlich, dass man so einfach auf alles filtern kann, auf ein bestimmtes Datum oder themenbezogen. Grüne und rote Punkte zeigen an, ob der Markt gerade geöffnet hat oder nicht.

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Ein Wermutstropfen bleibt, weil einem auf einmal klar wird, dass man es nie schaffen wird, die ganzen interessanten Weihnachtsmärkte zu besichtigen, nicht den in Monschau mit der lebenden Krippe und auch nicht den in Castrop-Rauxel mit Adventszelt und Weihnachtsscheune.

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Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dann guckt man halt, was die Weihnachtsmärkte in der Nähe so zu bieten haben und erfährt dabei, dass die Besonderheit des Essener Weihnachtsmarkt neben der großen Lichterkuppel das internationale Angebot der Buden ist. Wieder was gelernt. Und weil morgen sowieso Mädelstreffen auf dem Essener Weihnachtsmarkt geplant ist, muss das direkt mal geprüft werden.

Weihnachtsmärkte in NRW gibt’s für sagenhafte 0,89 Euro im iTunes App Store.

Konferenztwittern (oder: Was zur Hölle soll der Quatsch?)

Wer mir auf Twitter folgt, der hat es vielleicht mitbekommen: Ich war letzte Woche auf einer Konferenz. Nicht nur, dass ich es mehrfach angekündigt habe, ich habe drei von den vier Tagen eine ganz gute Twitterfrequenz hingelegt. Vorsichtig formuliert.

Jetzt ist die Gefahr bei diesem Konferenztwittern ja immer, dass Menschen, die nicht so viel damit anfangen können, verschreckt reagieren. Was zur Hölle soll das? Warum kommt da soviel? Und wovon redet die? Und warum das ganze auf Englisch?

Auf all diese Fragen gibt es Antworten. Aber von vorne…

Letztes Jahr um etwa die gleiche Zeit war ich auf der Lean/Kanban-Konferenz in München. Zwei Tage lang ging der Spaß, es war meine erste richtige Konferenz, es ging um Lean und Kanban, um Agile und Prozesse. Es gab Pecha Kuchas, Vorträge und tolle Keynotes.

Mehr oder weniger ohne groß darüber nachzudenken packte ich meinen Laptop aus und fing an, das Geschehen auf der Bühne in die Welt hinauszutwittern. Schneller als ich erwartet hatte kamen Rückmeldungen. Leute antworteten mir, retweeteten, was ich schrieb, gaben Sternchen, relativ schnell einigte man sich von Organisationsseite auf einen offiziellen Hashtag, auf den man in seinem Twitterclient filtern konnte. Damit war es noch einfacher, während und zwischen der Vorträge ins Gespräch zu kommen.

Ah, you are Anne. I think I retweeted you.”, so wurde ich begrüßt, als ich mich in einem Vortrag hinsetzte. Für mich als recht kleines Licht in der Agile-Szene war es gefühlt tausendmal einfacher mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, denn man hatte sich ja auf Twitter schon mal vorsichtig aneinander rangetastet.

Bei dieser Konferenz lernte ich letztendlich auch, was Twitter für mich so wertvoll macht, nämlich die Interaktion. Vor dieser Konferenz hatte ich immer Angst, Leuten, die mir nicht folgten zu antworten. Ich dachte, das würde irgendwie komisch, ja, fast aufdringlich wirken, schließlich kannten diese Leute mich ja gar nicht, die würden sich sicherlich fragen, was ich von ihnen wollte. Auf der Lean/Kanban-Konferenz lernte ich, dass das Bullshit ist, dass Twitter eben doch ein Kommunikationsmedium ist und ein ziemlich tolles noch dazu.

Einigen, die ich in München kennenlernte, folge ich immer noch, und einige folgen mir noch. Viele mussten danach wahrscheinlich enttäuscht feststellen, dass ich außerhalb von Konferenzen erstens gar nicht auf Englisch und zweitens eher selten über Softwarethemen twittere. Die habe ich verloren, was ich ihnen gar nicht verübeln kann. Umso mehr freue ich mich über die, die geblieben sind.

Auch dieses Jahr war ich wieder auf einer Konferenz, diesmal bei den Agile Testing Days in Potsdam. Weil ich ahnte, was kommen würde, habe ich schon mal vorgewarnt, inklusive Hashtagnennung. Und tatsächlich kam es so. Ich saß wieder in den Vorträgen, holte meinen Laptop raus und begann selber zu twittern und das Gezwitschere meiner Konferenzmitmenschen zu verfolgen. Relativ schnell kristallisieren sich da die Vielschreiber raus, zu denen nicht allzu selten gerade die Speaker der Konferenz gehören. Lisa Crispin war sehr aktiv, genauso wie Mike Scott und Matt Heusser (deren Vorträge ich leider aus unterschiedlichen Gründen verpasst habe), Sigurdur Birgisson und Huib Schoots, der in einer Pause auf mich zukam mit den Worten “I have to meet you, I’ve been retweeting you all day”.

Die Erfahrung, die ich machte, war mehr oder weniger die gleiche wie schon letztes Jahr in München. In der Timeline ging es hin und her, es wurde geantwortet, diskutiert, retweetet und Sternchen verteilt. Anscheinend bin ich recht gut im Konferenztwittern, das entnehme ich mal so der guten Retweetquote meiner Kurzzusammenfassungen. Konferenztwittern ist nämlich nicht einfach und hat gewisse Nachteile. Erstens ist es schon mal grundsätzlich gar nicht so einfach, 45 bis 60 Minuten Vortrag in ein paar 140–Zeichen-Tweets einigermaßen brauchbar wiederzugeben und zweitens ist man immer wieder abgelenkt, weil man gerade noch die letzten drei Sätze für eine möglichst wortgetreue Wiedergabe im Kurzzeitgedächtnis wiederholt, während es auf der Bühne einfach weitergeht.

Es ist wahr, wer twittert, kann nicht hundertprozentig hochkonzentriert aufpassen. Es ist ein Tauschhandel, den man eingeht. Biete ansprechende Kommunikation und Interaktion gegen einen gewissen Prozentsatz deiner Aufmerksamkeit. Da ich die Kommunikation und Interaktion auf so einer Konferenz sehr schätze, gehe ich diesen Tauschhandel ein, ich kann aber gut verstehen, wenn andere das nicht tun.

Ich werde es weiterhin tun. Und bevor jetzt alle meine “normalen” Follower einen Schreck kriegen, so sei doch gesagt: Ich bin nicht so oft auf Konferenzen und dabei wird es vermutlich auch erstmal bleiben. Aber vielleicht ist jetzt ein bisschen verständlicher, was der ganze Unfug soll und warum ich das tu. Und wen es dann immer noch nicht interessiert, dafür gibt’s ja in den meisten Twitterclients praktische Filteroptionen, die man sicher sowieso immer mal testen wollte. Besonders gefreut habe ich mich übrigens, dass nach (und teilweise sogar während) der Konferenz auch positive Rückmeldungen von Leuten kamen, die gar nicht auf der Konferenz waren, das, was ich in den drei Tagen schrieb, aber auch interessant fanden. Ich würde tatsächlich auch gerne einen Blogartikel zu dem Thema “Agile” schreiben, muss aber erstmal gründlich überlegen, wie ich das am besten angehe. Großes Fass, viele Ansichten und so, ihr wisst schon.

Nicht zuletzt ist es eben auch lustig da bei diesem Twitter. Als Scott W. Ambler bei der ersten Keynote ein paar Mal zu oft “in the real world” sagte, konnte Gojko Adzic irgendwann nicht mehr anders und schrieb:

another f*ing "in the real world". does everyone else live in the unicorn land? #agiletd
@gojkoadzic
Gojko Adzic
new task for #agiletd speakers. add unicorn pictures in your slides
@gojkoadzic
Gojko Adzic

Und so kam es, dass in schätzungsweise 75 Prozent der Präsentationen irgendwo Einhörner auftauchten, was bei den Mitwissern große Begeisterung und bei den Unwissenden eine gewisse Irritation auslöste. Erst am zweiten Tag wurde mir klar, dass die ganze Einhorngeschichte tatsächlich rein auf Twitter stattfand. Da überhörte ich morgens ein Gespräch von drei Teilnehmern, die versuchten, sich irgendwie die seltsam hohe Einhorndichte zu erklären. Wer sich also auch schon fragte, was der Einhornquatsch sollte, das war auch so’n Twitterding. (Und ich hab’s noch nicht mal verbrochen!)

Konferenztwittern ist toll. Man ist ruckzuck drin in der Konferenz, lernt tolle Leute kennen und kann nebenbei noch eine Menge Spaß haben. Außerdem freuen sich die Leute, die gerne auf der Konferenz wären, dies aber nicht einrichten konnten, und so zumindest ein bisschen teilnehmen können. Sollten also für irgendwelche Software- oder Internetkonferenzen noch professionelle Konferenztwitterer gesucht werden, ich mach das! Allerdings befürchte ich, dass das gar nicht nötig sein wird, weil genug andere Leute, die sowieso da sind, das genauso gerne machen. Schade.