Tagebuchbloggen 28.10.2018

Morgens im Stadtwald joggen und es wird langsam kalt. Das beste am Joggen sind eh dicie Hunde, denen man begegnet, ansonsten ist es einfach nicht meine Sportart, ich wüsste aber auch nicht, was meine Sportart sein könnte. Ich kann nix mit Bällen und laufen und schwimmen finde ich einfach unglaublich langweilig. Ich halte das durch und irgendwann sind 30 oder 40 Minuten vorbei und ich bin froh, dass es vorbei ist.

Beim Schreiben fällt mir aber wieder ein, was meine Sportarten sind, nämlich alles, wo man in irgendwas auf dem Wasser sitzt oder steht. Surfen, Stand-Up-Paddeln, Kanu, ich könnte mir auch Windsurfen vorstellen oder Segeln. Das Problem ist aber, dass man dafür immer irgendwo hinfahren muss und Equipment braucht, auch wenn die Equipmentfrage immerhin dank aufblasbarer Stand-Up-Paddelbretter einigermaßen vereinfacht wurde.

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Am frühen Nachmittag guckte ich dann erst auf arte eine Doku über Estland im Winter, es gab Männer, die in alten Ladas Rennen auf dem Eis fuhren und Männer, die Schilf ernteten und Männer, die neben ihrem eigentlichen Fischerberuf noch eine Band gründeten und zwischendurch eine Frau, der eine Wollfabrik gehörte, vor allem aber leider Männer, das war etwas enttäuschten, ich vermute, dass es in Estland gar nicht nur Männer gibt. Es war trotzdem sehr bildend und die ganzen Schneebilder machen, dass ich ganz dringend Weihnachten haben möchte, ist bald Weihnachten?

Danach kam eine Doku über das Leben unter der Erde und ich merkte, dass ich viel zu wenig über Regenwürmer weiß, das scheinen faszinierende Geschöpfe zu sein, da muss ich mich dringend weiterbilden. Der zweite Teil der Dokureihe handelte dann vom Leben in Höhlen und dabei schlief ich dann auf dem Sofa ein.

Nach dem Mittagsschlaf wechselte ich zu 3sat, wo es erst eine Doku über den Arlberg gab, den es – das weiß ich jetzt – eigentlich gar nicht gibt, was anscheinend niemand daran hindert, Dokumentation darüber zu drehen. Danach gab es eine weitere Doku über die Schladminger Berge, es ist aber auch fast egal, Naturdokus über irgendwelche Alpenregionen sind eh immer nach dem gleichen Muster aufgebaut, und das geht ungefähr so: Gämsen im Schnee, Schneeschmelze mit anschwellenden Gebirgsbächen, Kühe werden auf irgendeine Alm getrieben, MURMELTIERE! OMG!, röhrende Hirsche auf Brautschau, der Wolf kommt zurück, balgende Junggämsen und sich jagende Gamsböcke und zum Schluss irgendwas halbmoralisches über den Menschen als Eindringling.

Es ist aber gar nicht schlimm, dass es immer das gleiche Muster ist, ich würde auch eine halbe Stunde Murmeltiere gucken oder Junggämsen oder Wölfe, ich bin da sehr einfach zufriedenzustellen.

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In Hessen wurde gewählt. Es kam alles wie erwartet.

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Zwischendurch sollte ich „Bésame mucho“ einsingen, das Ergebnis kann man hier hören.

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In letzter Zeit ausgelesen:

On Such a Full Sea von Chang-rae Lee [Amazon-Werbelink], eine sehr feinfühlige Dystopie über ein Amerika, in dem die Menschen in hierarchisch kontrollierten Siedlungen leben. Die Elite lebt im Luxus, die Arbeiter in kommunistisch anmutenden Siedlungen und alle anderen im chaotischen Draußen. Als ihr Freund und Vater ihres ungeborenen Kind die Siedlung ohne Nachricht verlässt, folgt die siebzehnjährige Fan ihm in eine unbekannte Welt. Das ist alles sehr zurückhaltend erzählt, als Leser bekommt man nie etwas Festes, an dem man sich festhaltend kann, die Krassheit mancher Szenen verliert sich in einer eigentümlichen Vagheit. Trotzdem sehr gerne gelesen, ich habe nur recht lange dafür gebraucht.

Schnell hingegen bin ich durch The Barrow Will Send What It May von Margaret Killjoy [Amazon-Werbelink] gekommen, was einerseits daran liegt, dass es sich um eine Novelle handelt, andererseits liest man die Bücher auch aus reiner Freude einfach so weg. The Barrow Will Send What It May ist der zweite Teil der Danielle-Cain-Serie und ein bisschen so wie Supernatural mit einem LGBT-Anarchie-Dreh. Im zweiten Teil landet die Gruppe um Danielle Cain in einem verschlafenen Nest, in dem sie nicht nur eine okkulte Bibliothek finden, sondern direkt zwei Einwohner, die von den Toten wieder auferstanden sind. Das ist alles flott und amüsant und wenn jemand sich die Filmrechte für eine Serie besorgen würde, hätte ich nichts dagegen.

„So they went out to the backcountry wilderness in the dead of winter to kill a hibernating bear – which by the way doesn’t count as hunting – and turn it into a zombie bear, and then they didn’t come back?“ Thursday asked. „Gee, I can’t think of anything that might have gone wrong with that plan. What a mystery.“

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Abends gab es Spätzle mit Zwiebeln, Speck und Spiegelei. Es gibt in diesem Haushalt ein paar Gerichte, die immer gehen und gerne genommen werden. Das ist eines davon und Erbe meines Opas, von dem ich nicht wüsste, dass er besonders viel in der Küche gemacht hätte, aber eben Spätzle mit Ei.

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Es wird kalt. Bei dm hatten sie Strumpfhosen für 8 Euro, jetzt hab ich also wieder eine neue, die hoffentlich den Winter hält.


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Tagebuchbloggen, 11.10.2018

Abends hatte ich strumfrei, musste mir also nach der Arbeit erst mal sturmfreikompatibles Junk Food kaufen, von dem ich dann am Ende nur den Instant Ramen und ein bisschen Weingummizeugs verspeiste.

Seit einiger Zeit habe ich ja die Bezahl-App von Edeka auf dem Handy und bin total angetan. Man verknüpft die App mit dem Konto, wenn man bezahlen will, muss man den Edeka-Markt auswählen, bekommt einen Code generiert und sagt oder zeigt diesen der Person an der Kasse. Außerdem gibt’s extra Gutscheine, ich habe diese Woche schon eine Packung Gratis-Puderzucker abgestaubt, toll ist das. Letztens fiel mir dann auf, dass ich damit tatsächlich theoretisch ohne Portemonnaie Einkaufen gehe könnte, aus Gewohntheit habe ich es natürlich trotzdem immer noch dabei. Außerdem braucht man keine Kassenbons mehr, die Bons werden digital gespeichert. Natürlich spuckt die Kasse immer noch was aus, da gibt’s also noch Verbesserungspotential.

Gestern wollte ich testen, ob es für jeden Kunden nur einen Gratis-Puderzucker gibt oder ob man bei jedem Einkauf eine Packung mitnehmen kann. Die Antwort ist: Jeder nur einen Gratis-Puderzucker. Wenn Sie sich jetzt fragen, wofür ich überhaupt zwei Packungen Puderzucker brauche, möchte ich nur anmerken, dass in ungefähr zwei Wochen die Weihnachtsplätzchenbacksaison anfängt, ich werde also Verwendung dafür haben, ganz sicher.

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Außerdem gibt es immer noch das Paketmysterium. Das war so gewesen:

Am Montag lag ein Benachrichtigungszettel von Hermes im Briefkasten. Ein Paket läge bei meinem Nachbarn „Hoffmann“. Ich kenne keinen Nachbarn Hoffmann, bei uns im Haus wohnt niemand, der so heißt, also lief ich draußen die Klingelschilder ab und wurde Gott sei Dank direkt im Nachbarhaus fündig. Allerdings öffnete niemand.

Dienstag immer noch keinen Erfolg beim Nachbarn, Mittwoch gleiches Spiel. Die Jalousien im Erdgeschoss, wo ich den unbekannten Nachbarn ob der Klingelposition vermute, sind unten, das kann natürlich auch eine andere Wohnung sein, aber mehr Indizien habe ich nicht.

Mittwochabend fällt mir auf, dass gar nicht mein Nachname auf dem Zettel steht, sondern mein Vorname und das „E“ seltsam verschnörkelt ist. Mein Mann wirft eine neue Theorie auf. Eventuell ist das Paket gar nicht für mich, sondern für unsere Nachbarin im zweiten Stock, die Anna heißt. Der Nachname ist zwar grundlegend anders, aber wir hatten auch schon anderweitig falsche Post im Briefkasten, warum also nicht. Außerdem meint mein Mann, er hätte diese Woche ein Paket im Hausflur für die Nachbarin gesehen.

Gestern laufe ich zufällig eben dieser Nachbarin über den Weg, sie weiß aber nichts von irgendeinem Paket, hat auch keines bekommen. Dafür macht der Hoffmann-Nachbar jetzt auf. Er hat kein Paket und heißt auch gar nicht Hoffmann, so hieß seine Frau mal, deswegen steht es noch auf dem Klingelschild. Ich laufe also noch mal die ganze Straße ab auf der Suche nach einem alternativen Hoffmann, allerdings ohne Erfolg.

Die letzte Chance ist jetzt noch die Agentur im Hinterhof. Eventuell heißt dort irgendeine Mitarbeiter Hoffmann und hat bei Paketabnahme mit seinem Namen unterschrieben. Hier haben wir jetzt ein ganz anderes Problem, ich bin nämlich nie zu Hause, wenn jemand in der Agentur ist und umgekehrt. Unsere Arbeitszeiten ergänzen sich da wirklich sehr gut.

Heute Abend wissen wir also vielleicht mehr. Da ich auch kein Paket erwarte und sich bisher niemand gemeldet und nach dem Verbleib gefragt hat, kann ich auch gar nicht mehr machen. Vielleicht war es doch für die Nachbarin und die Schwangerschaftsdemenz hat zugeschlagen, wir werden sehen.

Hier anschließend also noch mal zwei Bitten:

  1. Wenn Sie ein Paket angenommen haben, das nicht abgeholt wird, fragen Sie eventuell selber mal nach, der Empfänger weiß unter Umständen überhaupt nicht, wo er danach suchen soll. Sie haben aber den großen Vorteil, dass der komplette Name inklusive Adresse auf dem Paket steht.
  2. Wenn Sie als Mitarbeiter einer Firma ein Paket annehmen, unterschreiben Sie mit Firmenname oder achten Sie darauf, dass auf dem Benachrichtigungszettel die Firma und nicht Ihr Nachname steht. Ich kenne in diesem Fall die beiden Geschäftsführerinnen namentlich, aber das war’s, woher sollte ich den Nachnamen der Mitarbeiter kennen, die ich wirklich nie treffe?

Ach so, und: Bitte schickt mir nix mit Hermes.

Update: Zwischenzeitlich konnte ich mit Hilfe des Twitteraccounts von Hermes rausfinden, dass es tatsächlich ein Paket für die fast gleichvornamige Nachbarin ist. Muss ich jetzt also nicht weitersuchen, Geschichte zu Ende.

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Dann habe ich noch zufällig in einen Münsteraner Tatort reingeschaltet und gleich bei einer Szene auf Pause gedrückt, weil ich zunächst hundertprozentig davon überzeugt war, diese Straße zu kennen, unter anderem, weil ich direkt da 13 Jahre gewohnt habe. Es ist auch kein Geheimnis, dass viele Szenen des Münsteraner Tatorts in Köln gedreht wurde, es passte also alles.

Ich musste also schnell den Laptop aufklappen und auf Google Street View meine Vermutung überprüfen. Diese stellte sich allerdings als falsch raus, erstens fand ich nirgendwo eine identische Aneinanderreihung der Häuser und zweitens sind die Fenster oben rechts bei der Vergleichsstraße anders.

Dass die Häuser etwas weiter zurückstehen, war übrigens gar kein Indiz, die Länge der Vorgärten in „meiner“ Straße variierte auf der Länge der Straße etwas. Den Screenshot habe ich ausgewählt, weil da verhältnismäßig wenig Häuser verpixelt waren.

Die nächste Szene spielte dann in einem dieser Häuser und mein erster Instinkt war, aufgebracht „NEVER EVER SEHEN DIESE HÄUSER INNEN SO AUS!“ zu rufen, aber es war niemand da, dem ich es hätte zurufen können, insofern schrieb ich es nur aufgeregt in den Techniktagebuch-Redaktionschat.

Erstens scheinen mir die Zimmer viel zu groß zu sein, zweitens passt es schon von der Aufteilung nicht. Der Innenraum zeigt eindeutig die rechte Hälfte eines Grundrisses, da sind aber ja laut Außenaufnahme schon die Haustüren und vermutlich ein kleines Bad, nie im Leben aber zwei große Räume. Vor allem aber kenne ich diese Häuser und sie sind halt von innen leider nicht größer als von außen.

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Ich wollte dann den Tatort aber gar nicht gucken, sondern Videos auf YouTube. Allerdings kam ich auf die dumme Idee, YouTube-Videos über die PS3 auf dem Fernseher gucken zu wollen. Eingeweihte wissen, was das bedeutet:

  1. PS3 starten.
  2. Controller aktivieren. Feststellen, dass der Akku vom Controller leer ist.
  3. Ladekabel suchen.
  4. Controller laden, aktivieren und dann mit dem Nutzerkonto anmelden.
  5. YouTube öffnen.
  6. YouTube kann sich nicht verbinden. Man kann aber nur auf OK drücken, worauf YouTube wieder versucht, sich zu verbinden und so weiter.
  7. Das Programm kalt beenden und die Netzwerkeinstellungen prüfen. Feststellen, dass keine Internetverbindung besteht.
  8. Internetverbindung neu einrichten.
  9. YouTube öffnen.
  10. Die PS3 möchte, dass ich mich mit dem PS3-Netzwerk verbinde.
  11. Mit dem PS3-Netzwerk verbinden.
  12. Verbindung funktioniert nicht, weil erst ein Systemupdate installiert werden muss.
  13. YouTube beenden und das Update starten.
  14. Warten.
  15. Wieder einloggen, YouTube starten, Video raussuchen.

In der Zwischenzeit hatte ich das Video schon auf dem Laptop gestartet und musste dann außerdem noch rausfinden, wie man YouTube-Videos auf der PS3 vorspult. Immerhin war es eine insgesamt lehrreiche Veranstaltung.

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Ich bekam eine nette Leserinnenzuschrift, die ich mich auf Strumpfhosenoptionen bei HEMA und Tchibo aufmerksam machten. Das werde ich dann alsbald prüfen. Vielen Dank!


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Tagebuchbloggen, 10.10.2018 – Rantmode on

Ich wollte mich eigentlich nicht mehr ärgern und tue es trotzdem immer und dann auch meistens öffentlich, weil mich Dinge so elend aufregen.

Letztens war es zum Beispiel ein Literaturpodcast, über den ich mich aufregen musste. Dabei war das Urspungsaufregelevel noch im Rahmen, ich störte mich lediglich daran, dass von allen vorgestellten Büchern lediglich eins von einer Frau war und alle Interviewpartner männlich. Besonders fiel es mir deswegen auf, weil vier der Bücher auch noch thematisch sehr nah beieinander waren, nämlich alles Coming-of-Age-Romane mit jungen, männlichen Protagonisten. Solche Schieflagen ärgern mich. Wenn ich eine Sendung plane und merke, dass ich vier Coming-of-Age-Romane von männlichen Autoren mit männlichen Protagonisten habe, dann prüfe ich, ob ich nicht doch als kleinen Ausgleich vielleicht nicht noch ein thematisch ähnliches Buch einer Autorin mit einer weiblichen Sicht habe. Natürlich ist eine Sendung über den aktuellen Literaturbetrieb auch immer von den tatsächlichen Neuerscheinungen abhängig, aber ich behaupte, dass in jeder Woche auch Bücher von Autorinnen erscheinen. Steile These, ich weiß.

So weit, so schön. Ich habe mich geärgert und meinem Ärger auf Twitter Luft gemacht. Der Tweet war etwas missverständlich formuliert, da ich die Sendung so zusammenfasste, dass Männer über Bücher von Männern über Männer reden würden, was insofern falsch war, als dass die Moderatorinnen beide weiblich waren. Jedoch: Ich erwarte auch so viel Transferleistung, dass man besprochene Inhalte und Interviewpartner von einem festen Moderatorenteam trennen kann. Bei Anne Will ist auch nicht Anne Will die Quotenfrau, sondern die eine eingeladene Frau.

Daraufhin wurde mir jedenfalls von einer der Moderatorinnen eine „Wahrnehmungsstörung“ diagnostiziert und auf meine kurzen Hinweis auf die tatsächlich Verhältnisse, geantwortet, das wäre eben mal so und es wäre auch mal umgekehrt und alles wäre prima. Das ist natürlich gelogen, ich habe die letzten Wochen zurückgescrollt und gezählt und in keiner Sendung gab es ein derart unausgeglichenes Verhältnis zugunsten von von Frauen geschriebener Bücher über Frauen (die Interviewpartner ließen sich schlechter nachvollziehen).

Ich fand die Literaturagenten auf Radio Eins eigentlich immer eine sehr schöne Sendung mit interessanten Buchtipps, und habe sie deswegen auch schon an anderen Stellen ausdrücklich gelobt, aber ich habe die Sendung nach diesem kurzen und wenig fruchtbaren Austausch aus dem Podcatcher geschmissen. Mir war schon vorher der teilweise dünkelhafte Tonfall, wenn es um SF/F-Literatur ging, unangenehm aufgefallen, da konnte ich aber irgendwie noch drüber weghören. Wer jedoch so mit Hörern umgeht und noch nicht mal bereit ist, sich mit Kritik auseinanderzusetzen (ob berechtigt oder nicht, lässt sich ja oft klären), dem brauche ich meine Zeit nicht zu schenken.

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Auf einem ganz anderen Level schlimm war eine Diskussion in einem Musikerforum, bei der ich gestern beteiligt war. Ich bin in diesem Forum eigentlich nicht aktiv, wurde aber auf einen Thread aufmerksam gemacht, in dem es um die Frage geht, wieso es so wenige weibliche Produzentinnen gibt.

Ich kenne mich in der Branche nicht aus, vermute die Gründe sind aber ähnlich gelagert wie in anderen männerdominierten Bereichen auch. Das führe ich hier jetzt aus Platz- und Nervengründen nicht näher aus, es ist eine komplexe Gesamtlage, an der niemand konkret Schuld hat, an der man aber sehr schnell etwas verbessern könnte, wenn man nur wollte. (Spoiler: Oft wollen die Leute halt nicht.)

Jedenfalls habe ich gestern von explizit frauenfeindlichen Kommentaren über die üblichen langweiligen Klischeevorstellungen („Frauen mögen Technik nicht so.“) bis zu Schulbuchdefinitionen des Begriffes „transphob“ so alles gelesen, was ich eigentlich immer gerne erfolgreich verdrängen würde. Da der Thread mittlerweile geschlossen wurde, konnte ich kein schönes Schlusswort schreiben, dabei hatte ich es schon im Kopf vorformuliert: „Wer sich immer noch fragt, warum so wenig Frauen Produzentinnen sind, der muss sich nur die letzten Seiten durchlesen und kennt die Antwort.“

Na ja. Das erstaunlichste an dieser Geschichte ist vielleicht, dass ich mich immer noch über solche Diskussionen wundern kann, aber ich bin eben doch hoffnungslose Optimistin.

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Das bringt einen aber auch zur nächsten Frage, nämlich, ob es vielleicht hier tatsächlich ein Wahrnehmungsproblem ist. Natürlich ist der Musikproduktionsbereich ein Männerbereich, man muss sich hier nur die Liner Notes in der CD-Sammlung angucken. Wenn man aber etwas genauer hinguckt und sich die richtigen Künstlerinnen raussucht, hat man auf einmal einen ganzen Strauß an Frauen, die sehr wohl selber produzieren und mixen. Eventuell findet man sie allerdings auch nicht in Foren, in denen man für die These, dass Frauen „halt nicht so kreativ“ seien, Dankeschöns von anderen Leuten bekommt.

Ich werde da mal weitersuchen, weil mich diese Frage jetzt interessiert. Außerdem schadet es nie, im Ernstfall direkt konkrete Beispiele runterrattern zu können, sollte das Thema noch mal irgendwo aufploppen.

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In other news können sich interessierte Menschen schon mal so grob den 25.1.2019 im Kalendar freihalten. Die Gesangslehrerin hat jetzt mit mir und zwei anderen Schülerinnen einen Plan entwickelt und wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, gibt es an genau diesem Abend ein Konzert in Essen-Steele, an dem jede von uns eine halbe Stunde Musik machen wird. Wir wissen noch nichts genaues, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es auf jeden Fall sehr toll werden wird.

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The Taste kommt wieder, eine meiner Lieblingskochsendungen. Ich mag Sendungen, bei denen Menschen nett zu einander sind und kreative Dinge tun. Die dürfen dann auch vier Stunden dauern, allerdings habe ich parallel auch Gruselstorys hier in den Kommentaren gelesen. Sagen wir: Ich mag Sendungen, bei denen man nebenbei rumtüddeln kann, die dürfen dann auch gerne vier Stunden dauern.

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Steuerrückerstattung! \o/

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Immer noch keine Strumpfhosen im ALDI-Prospekt. Auf nix ist mehr Verlass.


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Tagebuchbloggen, 7.10.2018

Der Klavierlehrer hat jetzt ein Smartphone mit WhatsApp und Spotify. „Von Spotify haben Sie mir ja erzählt, das ist toll.“

Es erleichtert aber auch etwas, weil ich sonst üblicherweise immer erst kurz vorher wusste, ob ich es zum Unterricht schaffe oder nicht und dann aber nie Bescheid sagen konnte. Ich finde es sehr gut, dass er jetzt ein Smartphone hat.

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Seit kurz vor dem Südafrikaurlaub haben wir das neue noch größere Bett. Aus dem alten neuen Bett habe ich meinen Mann angeblich immer rausgeschubst, ich weiß davon nichts, ich habe sehr gut geschlafen. Jedenfalls reichten 1,60 Meter Breite auf einmal nicht mehr und weil die Bettenfirma sehr kulant war, durften wir noch einmal gegen 1,80 Meter Breite umtauschen.

Jedenfalls gehe ich jetzt manchmal einfach schon um 22 Uhr ins Bett, weil es da so unfassbar weich und gemütlich ist und schlafe dann oft auch schnell ein, weil es so unfassbar weich und gemütlich ist.

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Auf Netflix Hilda durchgebinged, die schönste Zeichentrickserie, die ich seit langem sah. Ich mochte ja schon Disenchantment sehr gerne, aber Hilda ist noch so viel besser. Die Comics stehen schon lange auf meiner Wunschliste (HINT! HINT!), die Serie kann ich von ganzem Herzen empfehlen, wirklich.

Eine Folge Maniac versucht, aber nicht wirklich reingekommen und dann nicht weitergeguckt. Mal gucken, ob ich der Serie noch eine zweite Chance gebe.

Statt dessen mit der spanischen Serie Élite angefangen. Nachdem uns schon Haus des Geldes so gefesselt hat, schien das eine gute Anschlussserie zu sein und bislang sind wir sehr zufrieden. Es irritiert etwas, dass drei der Hauptdarsteller aus Haus des Geldes mitspielen.

Außerdem gehört, dass Zumbo’s Just Desserts eine zweite Staffel bekommt. Nachdem ich sehr viele Schwierigkeiten am Anfang der ersten Staffel hatte, war ich zum Ende hin immer begeisterter, was eben eher an den Kandidaten und weniger an den Moderatoren lag, und bin schon ganz hibbelig, dass es jetzt doch weitergeht.

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Auf Spotify The Wife Between Us [Amazon-Werbelink] gehört. Diese Mystery-Thriller à la Gone Girl sind aktuell ja so das große Ding, aber sie eignen sich wirklich sehr gut, wenn die intellektuelle Kapazität gerade nicht für mehr ausreicht. Ich habe die meisten Twists nicht kommen sehen, was nichts heißen muss, ich bin generell nicht so gut darin, Twists kommen zu sehen, auch wenn mir ein zentrales Thema des Buches (SPOILERGASLIGHTINGSPOILER) relativ schnell klar war.

Vor und nach dem Urlaub habe ich allerdings ein viel interessanteres Buch gelesen, nämlich Wir letzten Kinder Ostpreußens
[Amazon-Werbelink]  von Freya Klier. Das Buch hatte ich meiner Oma, die in Memel aufgewachsen ist, zu Weihnachten geschenkt, eher zufällig hatte ich es im Buchladen entdeckt. Jedenfalls war sie sehr begeistert und ich durfte es mit ausleihen, aber nur, wenn ich es auf jeden Fall wieder zurückbringe, denn sie will es noch mal lesen. In diesem Buch werden die Geschichten mehrerer Kinder erzählt, die in den letzten Kriegsjahren in Ostpreußen lebten. Vom jüdischen Junge Michael Wieck, der die Belagerung von Königsberg erlebte bis zu der dreijährigen Roswitha-Anne, die von einer Estin mitgenommen und adoptiert wird. Obwohl die Struktur des Buches etwas verwirrend ist, und der Schreibstil gelegentlich etwas zu einfach wirkt, ich habe viel gelernt. Auf der Suche nach mehr Ostpreußenlektüre bin ich auch auf Ulla Lachauer gestoßen, das wird dann wohl eines der nächsten Bücher und nach dem Lesen selbstverständlich an Oma weitergegeben.

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Ich habe immer noch keine neuen Strumpfhosen. Der Einzelhandel ruft für Baumwollstrümpfe Fantasiepreise aus. Ich wäre sogar bereit, diese auszugeben, wenn ich mir einigermaßen sicher wäre, dass die Strumpfhosen länger als eine Saison halten würden. Jetzt warte ich weiter, ob ALDI dieses Jahr wieder Wollstrumpfhosen für einen Fünfer hat und schlage dann zu.


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Tagebuchbloggen 8.9. bis 12.9.

Am Wochenende hatte ich sturmfrei, weil mein Mann seine Eltern am Bodensee besuchte. Die Zeit konnte ich aber dann nur am Samstagmorgen nutzen, weil ich ab frühem Nachmittag mit einer sich bereits am Freitag ankündenden Erkältung mehr oder weniger bis Dienstag flach lag.

Vorher erledigte ich noch folgende Dinge:

  • Großeinkauf beim Asia-Supermarkt, wo ich auch einen vietnamesischen Kaffeefilter und vietnamesischen Kaffee erstand, mir jetzt also jederzeit ca phe sua da machen kann.
  • Beim Feinkostsupermarkt kaufte ich drei Kalmare, weil Jamie Oliver in seiner Netflix-Serie sehr appetitlich aussehende frittierte Calamari gemacht hat und das alles gar nicht so schwierig aussah. Dazu später mehr.
  • Bei Wonderwaffel in der Essener Innenstadt aß ich eine Waffel mit weißer Schokolade, Kirschen und Haselnüssen und war wirklich sehr angetan von der Fluffigkeit des Waffelteigs.
  • Dann erstand ich noch eine Flasche Mandelsirup bei einem hiesigen Spirituosenladen. Es ist erstaunlich schwierig, Mandelsirup aufzutreiben. Amaretto ist kein Problem, Mandelsirup gibt es hingegen offensichtlich nur in sehr gut ausgestatteten Märkten

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Nach einem eigentlich sehr erfolgreichen Vormittag dann eben flachliegen, viel trinken und mehr oder weniger Netflix leergucken. Ich habe die gesamten zwei Staffeln „Don’t Trust the Bitch in Apartment 23“ in vier Tagen durchgeguckt, außerdem die Verfilmung des Musicals „Les Misérables“ von 2012, bei deren Ende ich sehr geweint habe. Dann war ich nicht sicher, ob ich mir emotional endgültig den Rest geben sollte und noch irgendwas anderes schwer emotionales gucken sollte, entschied mich dann aber für „Findet Dorie“. Es ist schon etwas her, dass ich „Findet Nemo“ geguckt habe, aber ich mochte den Nachfolger eventuell noch etwas lieber, schon allein wegen Hank, dem grantigen Septopus, der im Original von Ed O’Neill gesprochen wird. Ich guckte dann am nächsten Tag einfach noch mal „Findet Dorie“, weil ich den Film so mochte und ich hätte eigentlich schon wieder Lust drauf. Das ist mir das letzte Mal bei „Frances Ha“ passiert und davor glaube ich das letzte Mal bei „Chihiros Reise ins Zauberland“.

Außerdem gesehen: „Julie und Julia“, die Hälfte von „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ und eine Folge „My Little Pony“. Dazu gab es Orangensaft, Ingwertee, Wasser und diverse Suppen.

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Überhaupt Suppen. Ich kaufte im Asia-Laden auch eine Packung Tom-Yum-Paste und weiß jetzt, wie man daraus eine ziemlich gute Tom Yam Gai macht. Man braucht nur noch ein bisschen Brühe (eigentlich Hühnerbrühe, ich hatte aber nur noch Rinderbrühe im Haus), Fischsoße und was auch immer man so in seiner Tom Yam Gai mag. Also Brühe mit der angemessenen Menge Tom-Yum-Paste (steht auf der Packung) zum Kochen bringen, in meinem Fall eine halbe Zwiebel, eine halbe Möhre, ein bis zwei Frühlingszwiebeln, einen großen Champignon, ein bisschen Chilischote, vier bis sechs Kirschtomaten und so grob ein Drittel Hähnchenbrust klein schnippeln und in die heiße Brühe geben. Da etwas mitkochen, mit Fischsoße abschmecken, fertig.

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Wo ich mit dem Kauf der Tom-Yum-Paste quasi prophetenhafte Weitsicht in Hinblick auf meine Erkältung bewies, war das mit den Kalmaren eher ein Problem. Sie mussten ja weg, wenn man aber auf eins mit einer Erkältung sicher keinen Hunger hat, dann sind das Meeresfrüchte. Weil sie aber weg mussten, lernte ich dann Sonntagabend noch, wie man Kalmare küchenfertig macht, was ein bisschen weniger einfach war als mir Jamie Oliver versprochen hatte, aber auch tatsächlich gar nicht so kompliziert. Irgendwas anderes machte ich aber anscheinend grundlegend falsch, die Panade haftete nicht gut an den Kalmarstücken und so blieb es eher beim guten Willen und ich behielt die Erkenntnis, dass das Ausnehmen und Präparieren von Kalmaren durchaus machbar ist, an der Zubereitung aber noch geübt werden muss. Es tut mir sowohl leid für die Tiere, die weitestgehend umsonst starben und für mein Konto, denn die Tiere waren nicht günstig. So ist das dann aber eben mit diesem ganzen Kochgedöns, auch da wird man unter anderem aus Fehlern klug.

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Der Montag war der schlimmste Erkältungstag mit konstant erhöhter Temperatur den ganzen Tag über. Dienstag ging schon etwas besser, aber auch noch nicht gut. Ich blieb zu Hause, hörte Drei-Fragezeichen-Hörspiele  und spielte ein Würfelspiel namens „Einfach clever“ auf dem Smartphone. Schlimmes Suchtpotential, ich kann davon guten Gewissens eigentlich nur abraten. Es gibt ansonsten nicht viel zu berichten.

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Gestern schleppte ich mich dann hustend auf die Arbeit. Ich möchte an dieser Stelle nicht diskutieren, warum das nötig war, es war halt nötig aus diversen Gründen, die mit Kollegen und Kunden zu tun hatten und mit einer insgesamt realistischen Einschätzung meinerseits, wie viel ich mir zumuten kann und wie es mir geht. Was ich nicht wusste war, dass die Firma just diesen Tag zum „Mehr-bewegen-Aktionstag“ auserkoren hatte, am Aufgang zum Gebäude lustigen Dehngummibänder verteilt wurden UND DIE VERDAMMTEN ROLLTREPPEN AUSGESCHALTET WAREN! Ich bin ja all for mehr Bewegung, aber ich möchte doch selbst entscheiden, wann ich Treppen laufe und wann ich Rolltreppe fahre und an diesem Morgen wollte ich sehr dringend Rolltreppe fahren.

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Dafür fuhr ich dann abends mit dem Leihrad zum Music Store in Köln-Kalk, wo mein Mann gerade konsumierend aktiv war und das kam so. Im November ist des Schwiegervaters 80. Geburtstag, und der wünschte sich anscheinend Klavierunterhaltung zur Feier. Es gibt allerdings kein Klavier in der Feierlokalität, mein Schwiegervater dachte, wir würden halt eins mitbringen. Das ist weniger absurd, als es klingt, bis vor kurzem besaßen wir tatsächlich ein Stage Piano, das wurde aber zwischenzeitlich an einen jungen Jazzmusiker verkauft und bis gestern hätten wir dann auch kein Klavier „zum Mitbringen“ gehabt. Jetzt haben wir wieder eins, es hat viele Blinkenlights und noch mehr Sounds, durch die ich mich dann abends erfolgreich durchklimperte. Im Moment steht es im Wohnzimmer, ich finde aber nach wie vor auch die Idee eines Schlafzimmersynthesizers reizvoll. Ansonsten kann man es aber auch sehr bequem durch die Wohnung schleppen und einfach dahin stellen, wo gerade ein Klavier gebraucht wird. Sehr praktisch.

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Ich darf nicht vergessen, noch aufzuschreiben, warum ich mich am Dienstagabend so über die Keksteigbarbetreiber bei „Die Höhle der Löwen“ aufregte. Aber das dann ein andermal.

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Es ist jetzt definitiv Herbst, auch erkennbar an den Kastanien auf dem Boden. Ich habe immer noch keine neuen Strumpfhosen. Der erste Versuch im normalen Kaufhaus schlug fehl, weil ich für die Neupreise von Markenwaren nicht bereit war. Eventuell warte ich wieder, bis ALDI Baumwollstrumpfhosen für 7 Euro oder so hat und decke mich dann damit ein.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Tagebuchbloggen, 29.8. und davor

Wenig Zeit, weil anderweitig viel zu tun ist, darunter leidet dann eben auch das gerade neu etablierte Tagebuchbloggen. Das wichtigste also Kürze.

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Das Schlafzimmer ist jetzt fast fertig, allerdings bekommen wir doch noch ein größeres Bett, weil ich Gerüchten zufolge aus ungeklärten Gründen im neuen Bett mehr Platz in Anspruch nehme als vorher im alten. Dafür gibt es jetzt eine Mustertapete und das Bild, das ich vor über einem Jahr kaufte und das mein Mann vor einem Dreivierteljahr rahmen ließ, hängt jetzt auch endlich.

Mit der Tapete sind wir beide sehr zufrieden. Es war aber natürlich so, wie es immer ist: Ich schickte meinem Mann eine Auswahl von 15 bis 20 Tapeten, die ich online gefunden hatte und akzeptabel fand. Mein Mann schickte dann den präferierten Kandidaten zurück (zu sehen im Foto) und wählte damit auch zielsicher die teuerste Tapete der Auswahl. Na ja. Ist ja nur eine Wand und soll ja lange halten.

Untitled

Das ist zwar kein wirklicher Aufräumcontent, aber wir brauchen jetzt eigentlich nur noch zwei neue Nachtschränkchen, das ist das Schlafzimmer einigermaßen perfekt. Eventuell könnten wir auch an der einen Seite noch ein halbhohes schmales Regal anbringen, eine Zeit lang stapelten sich die Bücher neben meinem Nachttisch, die stehen jetzt zwar im Arbeitszimmer im Regal, das bedeutet aber auch, dass im Arbeitszimmer nicht mehr so viel Platz im Regal ist und wir haben immer noch vierzig Kisten mit Büchern eingelagert, die wir irgendwann auch wieder auslagern möchten.

Dazu muss man wissen, dass die Wohnung zwar wunderschön ist, es aber an brauchbarem Wandplatz für Regale mangelt. Da, wo wir in anderen Wohnungen im Wohnzimmer oft eine ganze Wand frei hatten, sind bei uns viele kleine Nischen oder eben eine Feuerstelle oder eine zweite Tür. Es liegt also nicht allein daran, dass wir vielleicht auch mal sinnvoll Druckerzeugnisse ausmisten könnten, sondern auch daran, dass der Stauplatz zugunsten von einer Attraktivität des Grundrisses etwas weichen musste.

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Außerdem habe ich auf Netflix Disenchantment geguckt und zwar mittlerweile komplett. Vor vielen Jahren habe ich regelmäßig die Simpsons geguckt, vermutlich, bis Pro Sieben die Rechte kaufte und ich aus rein technischen Gründen nicht mehr gucken konnte. Aus den gleichen Gründen bin ich nie bei Futurama eingestiegen, jetzt also eine neue Chance, nach Science Fiction kommt Fantasy, und ich war sehr schnell sehr verliebt. Die Serie kommt bei den Kritiken nur so mittel weg, sie strotzt auch nicht vor krachendem Humor, aber genau deswegen mochte ich sie. Zum Ende der Staffel entspinnt sich übrigens dann tatsächlich noch ein guter Storybogen und ich war etwas konsterniert, als es auf einmal keine neue Folge gab.

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In der letzten Woche war ich auch zwei Mal in Wuppertal. Dort sitzt eine unserer Entwicklerfirmen und aus Gründen bot es sich an, dass ich tageweise direkt bei den Entwicklern sitzen konnte/sollte/durfe. Das war eine nette Abwechslung, es gab einen Getränkekühlschrank mit Eistee und freitags Eis aus dem Eiscafé im Erdgeschoss. Vor allem aber war ich positiv überrascht von Wuppertal.

Man muss das vielleicht historisch betrachten, ich lebte relativ lange in dem Glauben, dass Wuppertal wunderschön sei. Hier kamen mehrere Missverständnisse zusammen, ich hatte offenbar ein verklärtes Bild der Lage und könnte jetzt noch nicht mal sagen, wie oft und zu welchen Anlässen ich überhaupt mal da war. Dazu kam der Besuch unseres Französisch-LKs bei unserem Lehrer, der in irgendeiner Wuppertaler Villengegend wohnte, also jedenfalls hatte ich Wuppertal immer als geographisch herausgeforderte, aber ansonsten wunderhübsche Stadt im Kopf.

Das, so stellte sich irgendwann heraus, stimmte so nicht. Als ich einmal aus einer Laune heraus mit meinem Mann nach Wuppertal fuhr, stellte sich die Innenstadt als mindestens genauso uninteressant, wenn nicht noch uninteressanter als die meisten anderen Großstädte in NRW heraus. Dieses Bild festigte sich dann im Laufe der Jahre und entwickelte sich nicht zum Positiven, als ich zwei Mal am Bahnhof Vohwinkel strandete und mich einmal abends vom Hauptbahnhof abholen ließ, als die Wuppertaler Innenstadt sich gerade in den schlimmsten Baustellenphase ihrer Existenz befand und sich zwei Leute mit nicht vorhandenen Ortskenntnissen und Mobiltelefonen kurz vor Akkuaufgabe irgendwie koordinieren mussten.

Als ich letzte Woche dann aus der Bahn purzelte, wurde ich von einem wirklich schönen neuen Bahnhofsgebäude mit einem wirklich angenehmen Vorplatz empfangen, aus dem ich direkt über die Wupper in die Innenstadt laufen konnte. Zum Mittag ging es ins Luisenviertel, das wirklich sehr hübsch ist und jetzt bin ich Wuppertal gegenüber wieder sehr viel positiver eingestellt.

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Die Gesangslehrerin freut sich, dass wir jetzt „Case of You“ von Joni Mitchell machen, es ergab sich irgendwie so aus dem Gespräch. Da hab ich mir was eingebrockt, aber es ist endlich auch ein Lied, das mich richtig fordert und in dem Tonhöhen verlangt werden, die mir nicht sofort liegen. Es lässt sich auch überraschend gut auf Gitarre spielen, wenn man das Griffmuster verstanden hat.

Daraus ergab sich ein unerwartet Inspirationsschub und daraus ein ziemlich guter neuer Song. Die Akkordfolge ist untypisch, zumindest für mich, ich hatte aber nach einigem Probieren schnell etwas sehr Spannendes zusammengeklöppelt. So lag ich dann auch abends im Bett und puzzelte mir den gesamten Song auf dem iPhone mit Garageband zusammen. Das ist nach wie vor etwas frimelig, funktioniert aber gut, wenn man Songideen festhalten will. Die iOS-Variante von Garageband mag ich dabei sogar lieber als die Desktopversion, weil sie ein paar Features hat, die zwar etwas grobschlächtiger, aber viel zielführender für das schnelle Notieren von Ideen sind.

Dann erstellte ich noch ein Leadsheet mit musescore, einem kostenlosen Notensatzprogramm, das nicht optimal ist, was intuitive Benutzerführung ist, ich weiß aber auch gar nicht, ob es sowas gibt, ein Notensatzprogramm mit intuitiver Benutzerführung und musescore kostet halt nichts und macht mit etwas Mühe und Murren meinerseits auch am Ende das, was es soll.

Mit Leadsheet und Garageband-Beispiel konnte ich das ganze dann an meinen Mann übergeben, der das dann deutlich professioneller umsetzen konnte. Als ich das erste Mal eingesungen habe, war dann blöderweise der Text noch nicht komplett da, deswegen ist die aktuelle Version noch arg redundant, instrumental und etwas fehlerhaft, das kommt dann aber demnächst, der Text ist jetzt nämlich auch schon fertig.

So ist das jedenfalls manchmal, ich habe hier Songideen rumfliegen, die seit Jahren auf Vervollständigung warten, oft ist es vor allem der Text, bei dem ich nicht weiterkomme oder ich habe den Refrain, aber keine vernünftige Strophe. Ein anderes Mal ist es ein Selbstläufer, Harmonien, zack, Melodie, zack, Struktur, zack, Text, fertig.

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Gestern wieder Zugchaos wegen Bombenfund in Köln-Deutz. Es hielt sich aber in Grenzen, ich konnte zu Fuß zum Hauptbahnhof laufen und da dann relativ zeitnah eine Bahn nach Essen erwischen. Weiterer Vorteil: Im REWE im Hauptbahnhof gibt es Strawberry Cheesecake Mochis von Wakame. Jetzt habe ich wieder einen kleinen Vorrat zu Hause.

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Erinnert sich noch jemand an den netten amerikanischen Tänzer, dem ich im Supermarkt den Prozess des Gemüseabwiegens erklärte?

Es verhält sich jetzt nämlich so, dass wir seit fast acht Jahren in diesem Haus in dieser Straße wohne und ich kenne ungefähr die Leute in unserem Haus, ein paar der Leute von gegenüber – allerdings hauptsächlich vom Sehen und die Leute, die in den Geschäften und Restaurants in der näheren Umgebung arbeiten. Ich bin knapp 12 Stunden am Tag nicht im Haus, ich gehe nicht in die Kirche, bin in keinem Verein, und habe auch sonst eher begrenzten Kontakt zu den anderen Menschen im Viertel.

Jedenfalls habe ich Mason, den amerikanischen Tänzer, jetzt innerhalb eines Monats vier Mal getroffen. Eventuell ist es also Schicksal, da warte ich aber noch mal ab. Das zweite Mal war auf dem Weg zur Burgerbraterei unseres Vertrauens, das dritte Mal lief ich einen Weg nach Hause, den ich sonst nie laufe (er ergab sich aus mangelnder Autofahrortskenntnis meinerseits, so dass ich mich an einer eher ungewohnten Ecke absetzen ließ) und hatte keine Kopfhörer in den Ohren wie sonst immer und hörte deswegen eine bekannte Stimme auf einem Balkon telefonieren. Das letzte Mal war in der U-Bahn vom Hauptbahnhof nach Hause. Da konnte ich aber auch gleich helfen, weil es um die Schwierigkeiten des Beschaffens des richtigen Monatstickets ging und ich sag jetzt mal so: Ich habe das als Muttersprachler mit einigermaßen gut trainierten ÖPNV-Skills nicht alles auf Anhieb verstehen und erklären können, wie soll das bitteschön jemand verstehen, der aus einem anderen Land kommt?

Vermutlich haben wir uns aber gemeinsam die richtige Wahl erschließen können. Der Bestellvorgang funktioniert übrigens online auch auf Englisch bis exakt zu der Stelle, wo man sich dann als Nutzer registrieren muss, mit so töften Sicherheitsfragen wie „Name des Haustiers“ und „Mädchenname der Mutter“. Natürlich alle auf Deutsch, wie sollte es anders sein.

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Es wird Herbst. Ich brauche neue Strumpfhosen.


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Tagebuchbloggen 14. bis 19.8.

Freitagabend bei einem neuen Vietnamesen auf der Rüttenscheider Straße gegessen, sehr angenehm, wir konnten draußen sitzen, das Essen war wirklich gut und es gab cà phê sữa đá, den vietnamesischen Eiskaffee mit gesüßter Kondensmilch, den ich damals in Ho-Chi-Minh-Stadt so liebte.

Unangenehm immer wieder, sobald man man im Restaurant draußen sitzt, steigt die Chance, dass sich jemand in der Umgebung eine Zigarette ansteckt. Wir haben uns dann einen Tisch weiter gesetzt, da ging es dann. Dazu muss man wissen, dass ich Zigarettenrauch auf Entfernungen wahrnehme, die eventuell schon nicht mehr ganz normal sind.

Das war aber nur ein kleiner Wermutstropfen, ansonsten ein sehr schöner Abend, guter Moscow Mule auch, das My Dad Made in Essen-Rüttenscheid kann ich also auch empfehlen.

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Samstag war Familientag. Also zunächst nach Opladen zu Oma, bei der das Gespräch eher zufällig auf ihre Ostpreußenerinnerungen kam, sie lebte damals mit ihrer Mutter in Memel. Nachdem der alte Diercke-Atlas keine ordentliche Karte des Baltikums aufweisen konnte, musste das Smartphone her und wie das so ist, erzählte sie, ich suchte auf dem Smartphone, fand Bilder oder guckte auf Google Maps, darüber stolperten wir über das GenWiki, auf dem man sogar die Einwohner einzelner Häuser einsehen konnte.

„Der Schulz war der Nachbar, mit dem sich meine Oma die Zeitung teilte. Da musste ich immer hin und nach der Zeitung fragen und abends musste ich dann die Zeitung zurückbringen. Und in der Villa Lieselotte in Schwarzort habe ich mein Pflichtjahr gemacht. Ja, genau, das war das Haus, da unten haben wir gearbeitet, wieso hast du denn jetzt ein Bild davon?“

„Aus dem Internet, Oma, das ist alles im Internet.“

Als meine Eltern dann dazukamen, strahlte Oma: „Das war das schönste Gespräch meines Lebens!“

Es ist also ganz einfach, ich kann dieses Internet nur empfehlen, auch für Anverwandte, die vielleicht sonst nicht so viel damit anfangen können, mit denen man aber beim betreuten Internetstöbern der ein oder anderen Erinnerung nachstöbern kann.

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Weiter ging es ins Bergische Land, wo der dritte Geburtstag des Großcousinenkindes anstand. Das Großcousinenkind wohnt eigentlich bei Stuttgart, war aber mit Familie auf Großelternbesuch.

Es gab Kuchen und Schnittchen, Pflaumen frisch vom Baum und selbstgemachten Feigenwein und es war ungefähr genauso idyllisch, wie es sich anhört. Insgesamt sehr glückliche Kinder, es wurde nur einmal geweint, während die dreijährige Großcousine einem schon seit knapp einem Jahr sehr souverän eine Frikadelle an die Backe plappert, hat der zweijährige Großcousin noch eine eigene Sprache, sagt sehr souverän „Ja“ und „Nein“, kann aber mit beeindruckender Genauigkeit mit der Wasserpistole zielen. Beide sind leider außerdem verboten niedlich. Da Bilder aus offensichtlichen Gründen nicht möglich sind, hier als Ersatz meine bescheidenen Kneterfolge, im Hintergrund ein Hase.

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Sonntag dann eine Mischung aus Arbeiten und Schlafen. Da der Familientag aus mehreren Stationen bestand, und sowohl An- als auch Abfahrt mindestens anderthalb Stunden in Anspruch nehmen, musste halt alles andere irgendwie in den Sonntag rein, inklusive Erholung. Diese Wochenenden sind eben grundsätzlich zu kurz, all das nachzuholen, zu dem ich unter der Woche nicht komme.

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Außerdem war Sonntag großer Skandinavien-Doku-Tag auf 3Sat. Ich habe nur zwei verfolgt, einmal ging es um Island, da musste ich natürlich an Frau Drehumdiebolzen denken, die erst gerade mit Mann und zwei Kindern einmal komplett mit einem Geländewagenoldtimer rund um die Insel gefahren ist. Ja, das ist schon richtig, das Auto hat auch einen Twitteraccount.

Darauf folgte eine Doku über Tiere in Dänemark und ich war besonders verzückt von dem Eulenpapa, der seinen Jungeulen Futter brachte und sehr genervt in die Kamera guckte, als die Jungeule das Stück Fleisch fallenließ und ohne Pause einfach weiter krakelte. Natürlich guckte die Eule vermutlich gar nicht gernervt, sondern eben so, wie Eulen gucken, aber schauen Sie selbst.


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Tagebuchbloggen, 24.7.2018

Gestern kam das neue Bett. Ich war ja nicht da und bekam nur Erfolgsbilder per WhatsApp. So sieht es aus, wir sind jetzt also offiziell alte Menschen, die morgens möglichst rückenschonend aufstehen wollen. Aus irgendeinem Grund wirkt es schmaler, obwohl es eindeutig genau so breit ist wie das alte Bett, ich habe das durch Querlegen getestet.

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Eine Doku über IKEA gesehen, die inhaltlich okay bis interessant war, aber mit Offensichtlichkeiten um sich warf, dass ich wieder alle fünf Minuten frustriert den Fernseher anschrie. Also, passen Sie auf, folgendes haben die investigativen Journalisten herausgefunden:

  1. IKEA möchte die Leute zum kaufen verführen.
  2. IKEA ist tatsächlich billiger als andere vergleichbare Möbelhäuser.
  3. Grundsätzlich, vor allem aber, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist die Qualität der Möbel und anderer Waren durchaus gut.
  4. Vom Handwerker gefertigte Möbel sind aber besser.
  5. Die Qualität der Möbel ist heute tendenziell besser als früher.
  6. Das Essen im IKEA-Restaurant ist gar nicht frisch zubereitet und schmeckt einem Ein-Sterne-Koch nicht so gut.
  7. IKEA findet Steuern doof.

Ich lasse das einfach mal so stehen.

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Ich möchte außerdem kurz über Küchengeräte sprechen. Die Aufräumaktion in der Küche steht noch aus, das sorgt mich ein wenig, denn ich vermute schlimmes, immerhin besitzen wir doch ein ganz gutes Arsenal an Küchengeräten. Es hilft auch nur bedingt, dass mein Mann, wenn ich zum Beispiel sage, dass ich gerne ein Crêpe-Eisen hätte, erst zwei Wochen recherchiert und dann das original bretonische Crêpe-Eisen aus Gusseisen bestellt, dass man maximal von einer Ecke der Arbeitsplatte in die andere schieben, aber auf keinen Fall öfter als nötig ernsthaft tragen möchte.

Man kann sich da durchaus auch mal fragen, ob man das alles wirklich braucht, aber natürlich ist die Antwort immer: Ja, klar!

Am Sonntag fror ich nämlich Soffritto ein, weil der Staudensellerie weg musste und ich Staudensellerie nur in Soffritto akzeptiere und das nur zähneknirschend, weil ich keine Italiener böse machen will. Soffritto ist die kleingehackte Mischung aus Sellerie, Möhren und Zwiebeln, die man braucht, wenn man eine ordentliche Bolognesesauce machen will. Nur deswegen war überhaupt Staudensellerie im Haus.

Dafür jedenfalls steckte ich das grob geschnittene Gemüse in den Blitzhacker aus dem umfangreichen Stabmixerset, das ich letzte Weihnachten bekam, weil ich mir einen (im Sinne von „einen“) Stabmixer gewünscht hatte. Der Blitzhacker ist ein einziges Wunder und schnippelt in zwei Minuten Zeug in einer Feinheit, die ich per Hand überhaupt nicht hinbekommen würde und wenn dann nur mit sehr viel Zeitaufwand. Obwohl ich Kochen und Backen ja grundsätzlich als kontemplative Beschäftigung empfinde, habe ich großen Spaß an der Blitzhaftigkeit des Blitzhackers.

Weil ich nicht nur einen Blitzhacker besitze, sondern auch einen Vakuumierer, wurde es noch schöner: Das fertige Soffritto wurde auf zwei Portionen verteilt und mit dem Vakuumierer so luftfrei wie möglich verschweißt.

Ich kann also noch zwei Mal Spaghetti Bolognese machen, ohne Staudensellerie kaufen zu müssen. Und wenn ich jetzt noch die Bolognesesauce mit dem Sous-Vide-Gerät zubereite und es anschließend mit auf der Mandoline gehobelten Gemüse in einem Buchweizengalette serviere, dann kann ich auch noch die Existenz von drei weiteren Küchengeräten rechtfertigen.

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Im Übrigen habe ich keine Meinung zum Wetter.

Tagebuchbloggen, 18.7.2018

Seit ein paar Wochen gehe ich wieder Joggen, zur Abwechslung mit anderen Menschen, was einerseits schön, andererseits aber auch anstrengend ist. Wenn ich alleine jogge, höre ich meistens Hörspiele, Hörbücher oder Musik und halte dabei gefühlt länger durch, weil ich insgesamt konzentrierter bin. Mein Mann und ich sind uns jedenfalls einig, dass wir beide Laufen nach wie vor leider immer noch doof finde, es aber die effektivste Methode für uns ist, sowohl etwas fitter zu werden als auch ein paar Pfunde zu verlieren (die Waage bestätigt es sogar).

Eine nette Story am Rande dabei übrigens, ich habe mal an einem 10-Kilometer-Lauf teilgenommen, das waren ein paar Runden über die Düsseldorfer Kö. Ich war mäßig trainiert, hatte aber immerhin vorher die ein oder andere Strecke zwischen sechs und acht Kilometern gelaufen und hatte irgendwo gehört, dass das ausreicht und man dann bei dem tatsächlichen Lauf schon wegen der ganzen Aufregung und den Endorphinen oder dem Adrenalin oder was auch immer der Körper da produziert, quasi problemlos die zwei Kilometerchen mehr läuft.

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Ich kann heute sagen, die Mär des letzten Kilometers, den man quasi von selbst läuft, weil man es eh fast geschafft und jetzt noch das kleine Stück, was ist das schon, so’n Kilometer, schaff ich locker, die ist jedenfalls nicht wahr.  Jedenfalls nicht bei mir. Den gesamten letzten Kilometer legte ich innerlich „Warum mach ich diese Scheiße eigentlich?“ fluchend zurück, kontemplierte den vorzeitigen Abbruch und habe vermutlich nur deswegen das Ziel als vorvorletzte erreicht, weil ich mich nicht rechtzeitig dafür entscheiden konnte.

Positiv: Sehr viele Pokémon-Eier ausgebrütet. Es ist also doch zu was gut.

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Desweiteren habe ich mit viel Durchhaltevermögen und Rumdiskutieren erreicht, dass der Zweitname von Katrin Bauerfeind in der Wikipedia von Sibylle zu Sybille geändert wurde. Wenn man jetzt fragt, warum einem das so wichtig ist, es geht mir gar nicht um das Ändern, wobei doch auch, in der Wikipedia sollen die Sachen ja richtig stehen, sonst steht es nachher im gesamten Internet falsch, weil erst alle aus der Wikipedia und dann voneinander abschreiben. Vor allem aber lernt man bei solchen Geschichten immer viel über die inneren Abläufe der Wikipedia und wundert sich danach nicht mehr, warum die deutsche Wikipedia Probleme mit Diversität und Neumitgliederanwerbung hat.

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Zum anderen mit Bedauern festgestellt, dass alle Drei-Fragezeichen-Podcasts rein männlich besetzt sind. Das ist ein außerordentlicher Missstand und ich würde ihn sofort beheben, wenn ich irgendwie Zeit für einen Podcast hätte. Wenn aber da draußen jemand für einen Drei-Fragezeichen-Podcast eine weibliche Gesprächspartnerin sucht, die jede Folge mindestens fünf Mal gehört hat, dann bitte melden.

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Schlimmes Trash-TV geguckt. Ich wurde von Sarah Kuttner auf Twitter darauf hingewiesen, dass „Die Bachelorette“ noch toller ist als „Der Bachelor“, weil  die Männer in dieser Konkurrenzsituation noch zickiger sind als die Frauen und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Leider ist die Bachelorette zu schlau und hat den größten Trottel, in den ich mich ob seiner komplett ironiefreien Bräsigkeit quasi sofort verliebt habe, direkt in der ersten Nacht rausgeschmissen. Wie soll man noch glauben, dass das alles geskriptet ist, wenn sie freiwillig auf den größten Unterhaltungsfaktor verzichten? Hoffentlich wird der der nächste Bachelor, das wäre ein Traum.

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Hier noch ein Bild vom beinahe täglichen Pausenspaziergang im Rheinpark. Dabei war ich gestern gar nicht spazieren, das Bild ist dementsprechend auch gar nicht von gestern, aber ich hätte gestern spazieren sein können, es ist eigentlich völlig egal und das Bild hätte von gestern sein können, es ist hübsch, reicht das nicht?

Die letzte Fernsehzuschauerin

Gestern befand ich mich wieder in einer unmöglichen Situation. Zum 461. Mal John Grishams „Die Akte“ mit einer sehr jungen Julia Roberts, einem lebenden Sam Shepard und einem sehr, sehr jungen Denzel Washington oder doch eine Dokumentation über eine Zugfahrt durch Skandinavien gucken?

Schwierig.

Die Menschen im Internet verstehen meine Sorgen nicht. Ob ich denn kein Internet hätte, fragen sie. Ja, natürlich habe ich Internet, aber was hilft es mir, wenn ich abends entscheidungsschwach auf dem Sofa liege und eigentlich nur möglichst energiesparsam unterhalten werden möchte. Wenn ich mich jetzt noch bei Netflix zwischen 26 Serien und 17 Filmen entscheiden müsste, das würde mich nur heillos überfordern.

Ich bin ein großer Freund des linearen Fernsehens. Also eigentlich: Ich bin ein großer Freund des Fernsehens. Ich finde Fernsehen super, schon immer, das Fernsehen begleitete mich treu durch Kindheit und Jugend bis heute. In den Achtzigern saßen wir bei Joana im Keller und guckten schlimme Spielshows auf Tele 5 und das grandiose Full House, das später von einem schlechteren, aber deutlich beliebteren Full House abgelöst wurde, und, wie ich nach langer Internetrecherche herausgefunden habe, im Original Rags to Riches hieß. Die Kurzfassung: Ein Millionär nimmt einen Haufen Mädchen aus einem Waisenhaus bei sich auf, es wird viel rumpubertiert, jede Folge ein Drama, das sich natürlich zum Ende der Folge wieder auflöst und vor allem wurde in jeder Folge in Sechziger-Jahre-Outfits gesungen! Ein Traum unserer jungen Mädchenjahre, aber leider von der deutschen Fernsehlandschaft vergessen und auf YouTube nicht in zufriedenstellender Quantität und Qualität im Angebot. (Ich hab geguckt.) Die Folge, in der der drohende Atomkrieg mit der Sowjetunion thematisiert wurde, kam in ihrer traumatisierenden Wirkung fast an die Wattenmeer-Szene aus der letzten Folge von Nesthäkchen heran. Noch heute fürchte ich Atomkriege und würde mich nie im Leben auch nur einen Zentimeter zu weit ins Wattenmeer wagen.

Unser erster Fernseher war noch schwarz-weiß und hatte Knöpfe am Gerät, so dass man zum Ein- und Ausschalten aufstehen und hingehen musste. Das war allerdings auch kein großes Problem, denn der Fernseher war sehr klein, so dass man ohnehin fast in Reichweite auf dem Boden davor saß. Er stand außerdem bei meinen Eltern im Schlafzimmer, allerdings eher aus wohnungslogistischen Gründen und nicht wegen irgendwelcher potentiellen erzieherischen Restriktionsmaßnahmen. Im Gegenteil, man musste erfinderisch werden, wenn man vor dem Fernseher essen wollte und deswegen weiß ich jetzt: Ein Bügelbrett ist ein guter Tischersatz, bietet den Vorteil, dass man ihn höhenverstellbar auch auf Betthöhe bringen kann, allerdings auch den Nachteil, dass verschlabberte Tütensuppe direkt einzieht.

Der Übergang von Kindheit zur Präpubertät fiel bei mir praktischerweise zeitgleich auf den Einzug des Privatfernsehens, so dass sich im Nachhinein nicht mehr auseinanderhalten lässt, ob wir die schlimmen Sachen (Talk Shows! Beverly Hills 90210!) guckten, weil wir gerade dumme Teenager waren oder weil es halt gerade im Trend war (vermutlich beides). Später im Studium konnte man die ersten zwei bis drei Staffeln Big Brother immerhin auch noch mit der Ausrede einschalten, man würde das allein aus medientheoretischem Interesse gucken. Das war zu 90 Prozent gelogen und zu zehn Prozent besitze ich tatsächlich die Essaysammlung „Big Brother: Inszenierte Banalität zur Primetime“ (Herausgeber Frank Weber, erschienen 2000 im LIT Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich).

Heute ist mir alles egal. Weil wir alle auch ein bisschen unsere Eltern sind, gucke ich jede Vogelzugs-, Tiefsee- und Seeotterdokumentation, die mir unterkommt, genauso wie gute und weniger gute Filme und schlimme und weniger schlimme Sendungen in denen Leute kochen, Trödel verkaufen, schlechte und weniger schlechte Start-Up-Ideen präsentieren und mit Restaurants pleite gehen. Mit Hingabe sehe ich fernsehgeschichtliche Kleinode wie „Guter Rat am Zuschneidetisch“ und verpasse keine Gelegenheit, mich zwei Stunden lang mit Musikvideos der Neuen Deutschen Welle sanft berieseln zu lassen. Dazwischen mogelt sich die Serienversorgung über Netflix und schlimmes Trashfernsehen.

Und dann sind da eben die Tage, an denen man abends auf dem Sofa liegt und nichts kommt außer zum 461. Mal „Die Akte“ und eine Dokumentation über Zugfahren in Skandinavien. Mein Mann schlug vor, man könnte ja auch abschalten und sich unterhalten, wir haben also folgerichtig zum 462. Mal „Die Akte“ geguckt.

Ich stelle mir vor, wie das lineare Fernsehen irgendwann doch zu Grunde geht und die letzten Stationen abgeschaltet werden und dann sitzen da nur ich und ein paar verwandte Seelen, schalten mit Tränen in den Augen den Fernseher aus, verbrennen unsere letzte Fernsehzeitung im Kamin und seufzen einmal laut und tief. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.