#609060 oder was normale Menschen so anziehen

Wer mir auf Instagram oder Twitter folgt oder auf Facebook mit mir befreundet ist, dem sind vielleicht die ominösen und visuell eher so mäßig ansprechenden Bilder aufgefallen, die ein kopfloses Ich in meist trister Umgebung zeigen und mit “Normale Menschen in Oberbekleidung” und dem Tag #609060 betitelt sind.

Möglicherweise hat sich der ein oder andere auch gefragt, was der Unfug soll. Das erkläre ich jetzt.

Angefangen hat damit die Madame Journelle, die erst diesen Artikel schreibt, darüber, wie doof das ist, dass uns überall und jederzeit suggeriert wird, wir müssten in Modelgrößen passen, dass es keine vernünftige Klamotten gibt für Leute, die vielleicht nicht den wie auch immer ersonnenen Idealvorstellungen entsprechen und dass es im Übrigen auch vollkommener Bullshit ist, das es diese unrealistischen Idealvorstellungen gibt und auch noch erwartet wird, dass wir diesen Idealen tatsächlichen hinterher rennen.

Ein bisschen verschrieb sie sich dabei und so wurde aus 90–60–90 eben 60–90–60 und unter dem Hashtag schubsen jetzt immer mehr Menschen täglich Bilder von sich mit ihren Alltagskörpern in ihrer Alltagskleidung ins Netz. (Auch darüber schrieb Madame Journelle dann ein paar Tage später hier.)

Ich hab erstmal einfach mitgemacht, weil ich ja bekanntlich gerne bei irgendwelchen lustigen Sachen mitmache, einfach so.

Dann sind mir aber drei Sachen aufgefallen und die finde ich alle gut:

1. Ich mach das zwar erst knappe zwei Wochen, aber ich habe mich schon am Sonntagabend dabei ertappt, wie ich den Kleiderschrank durchguckte und einen Rock rausfischte, den ich nun wirklich seit Ewigkeiten nicht mehr anhatte, einfach weil ich dachte: “Ach guck mal, der sieht ja eigentlich hübsch aus. Mal sehen, wie der so ankommt.” Soll heißen, ich gucke anders in meinen Kleiderschrank, etwas bewusster, auch etwas eitler vielleicht, aber in einem Rahmen, den ich für mich eher positiv finde.
Schließlich hat man ja auch nichts von Klamotten, die nur noch im Schrank rumliegen. Wenn ich mir also ob der erhöhten Beobachtung überlege, mal wieder was anzuziehen, was ich schon lange nicht mehr anhatte, oder Sachen anders kombiniere, dann ist das ein schöner Effekt.

2. Ich gucke mir gerne an, was andere Leute so tragen und vor allem, ich sage dann auch gerne, wenn mir was gefällt. Hier kann man auch schön den Bogen zu dem Blogpost vom Lieblingsnuf spannen, die ja letztens erst darüber schrieb, dass man mehr loben sollte. Das habe ich gelegentlich auch schon vorher gemacht, aber jetzt ist es viel einfacher.

3. Ich freue mich, wenn sich jemand positiv über das äußerst, was ich an dem Tag anhabe. Ein bisschen Eitelkeit, na klar, auf der anderen Seite will man sich ja in den Sachen, die man trägt, wohlfühlen und zumindest bei mir ist auch so, dass ein bisschen fremdes Lob durchaus auch das Wohlfühlen unterstützen kann. Es ist eben schön, wenn nicht nur ich das gut finde, was ich anhabe, sondern andere Leute auch. “Wieder was richtig gemacht”, denke ich dann und freu mich.

Ich weiß nicht wie oft und wie lange ich bei #609060 mitmachen werde, aber ich würde mich freuen, wenn ich demnächst den ein oder anderen in seiner Alltagskleidung bei Instagram oder Twitter sehen würde und uns auch auf diesem Weg ein bisschen klarer wird, dass unsere Alltagskörper in unseren Alltagskleidern vollkommen in Ordnung sind. Mehr als dass, meistens sehen wir darin ziemlich gut aus. Es wird nur zu selten gesagt.

Also bitte, auf, auf! Es herrscht auch ein gewisser Männermangel, lediglich der gute Jawl macht mit – zumindest weiß ich von keinem anderen männlichen #609060–Fotografen (das muss aber nichts heißen). Ihr müsst euren Kopf auf den Bildern auch nicht abschneiden, aber ich seh auf so selbstgeschossenen Bildern immer höchstkonzentriert und dementsprechend bescheuert aus, deswegen mach ich das jetzt so. Und die triste Umgebung bitte ich zu entschuldigen, der beste, bzw. größte Spiegel ist nun mal leider der im Büro vor den Toiletten und da ist es leider ansonsten nicht so hübsch.

Zum Abschluss noch eine kleine Zusammenfassung der letzten #609060–Bilder. So seh ich also aus:

Instagram

Oben: graues Sommerkleidchen (bei Coffee & Kleid auf der Rü gekauft), Rotkehlchenkleid (in Edinburgh gekauft), Blümchenkleid (von Blutsgeschwister)

Mitte: Egal-Shirt (von JR Sewing) und Jeans, noch mal graues Sommerkleidchen diesmal mit Jeans, neue Blutsgeschwister-Strickjacke mit Faulenzerhose

Unten: Shirt mit Aussage (von Glarkware) und Jeans, lange nicht getragener Rock mit Bluse, das grandiose Eulenkleid

112 Cupcakes und eine Torte: Ressourcen und Danksagungen

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Bevor ich mich demnächst an die Rezepte für die Hochzeitscupcakes mache, hier zunächst die leichtere Übung: Danksagungen und Ressourcen. Damit ihr euch nicht fragen müsst, wo der ganze Krempel herkam.

Die Cupcakeförmchen und Strohhalme kamen von dem wunderbaren Onlineshop der Schönhaberei und ich war begeistert: Superqualität, schnelle Lieferung und ein nettes Dankeschön. Es hat mich wirklich gefreut und ich warte nur auf die nächste Gelegenheit, hier wieder tolle Sachen bestellen zu können.

Die “Love”-Zuckerdeko auf dem Hochzeitskuchen kam von Bertine. Dort wollte ich auch eigentlich die Marzipanherzen bestellen, aber es gab nur noch eine Packung mit 15 Stück und das war eindeutig zu wenig. Gott sei Dank habe ich dann die gleichen oder extrem ähnliche Marzipanherzen noch zufällig bei Hema in Essen gefunden.

Die Hochzeitstortenfigur kam von Amazon. Die hat aber die Braut bestellt und nicht ich.

Die Fähnchen haben ich mit Zahnstochern und masking tape von der tape factory selbst gebastelt. Geht supersimpel und sieht total hübsch aus.

Der Tonic für die Gin-Tonic-Cupcakes war von Fentimans, und wird in Deutschland z.B. von manufactum vertrieben, dort habe ich jedenfalls bestellt.

Als Gin habe ich Hendrick’s Gin genommen, den ich selbstverständlicherweise bei Banneke in Essen sofort gefunden habe. Die haben einfach alles. Und noch ein bisschen mehr.

Und nicht zuletzt war die Etagere eine freundliche Leihgabe von Schnitzlers Restaurant in Essen-Byfang. Bei der Abholung wurden von Peter Schnitzler höchstpersönlich noch schnell alle Schräubchen angezogen und die Stützen noch mal angeleimt. Dafür ein besonderes Dankeschön, es sah dann nämlich auch super aus.

Vollkommen außer der Reihe: Der sensationelle Petticoat kam ganz fix vor der Abfahrt zur ersten Hochzeit noch vom Onlineshop der Blutsgeschwister. Seit ich ihn habe, finde ich, dass man unbedingt einen Petticoat besitzen sollte. Also zumindest, wenn man auch Kleider und Röcke trägt.

(Alle anderen Zutaten gab’s bei EDEKA und REWE und vom Wochenmarkt in Essen-Holsterhausen. Und ich hab jetzt hoffentlich nichts vergessen.)

Schöner Suchen, Teil 2

Hier haben sich wieder schöne Suchbegriffe angesammelt und sharing ist ja bekanntlich caring.

warum keine marabou schokolade mehr bei ikea

Erstens: Keine Ahnung, was das sollte. Zweitens: Gute Nachricht, ich habe letztens wieder Marabou-Schokolade bei IKEA erspäht. Wahrscheinlich hat man da eingesehen, dass das Blödsinn war und ist ganz schnell wieder vernünftig geworden. Drittens: Ich habe Marabou-Schokolade auch schon in anderen Supermärkten gesehen, IKEA hat da also kein Schokomonopol. Und viertens will ich jetzt Marabou-Schokolade.

wir können heute nichts machen; wir haben nämlich keine sachen dabei!

Man braucht ja nicht immer Sachen, um was zu machen. Vieles geht auch ohne Sachen: Spazierengehen zum Beispiel, oder lustige Lieder singen oder einfach nett zusammmensitzen und sich nett unterhalten.

seit wann gibt es woolworth in opladen ?

Also auf jeden Fall mindestens seit 1994, da bin ich nämlich dahin gezogen und da gab’s den auch schon. Da gab’s auch noch das Kaufhaus Upladin und ZWEI Buchläden und den Teeladen. Aber den Woolworth gibt’s immer noch, das Kaufhaus Upladin schon lange nicht mehr.

stand by me…ohne das f moll…was anstatt? gitarre spielen lernen…

Man kann zum Beispiel den ganzen Mist auch einfach transponieren. G-Dur und D-Dur sind immer dankbar, weil da naturgemäß weniger doofe Griffe vorkommen, jedenfalls bei klassischen Harmoniefolgen.

wer kann mir torte machen

Theoretisch ich, praktisch kommt das natürlich drauf an, wer da fragt. Ansonsten einfach mal im Bekanntenkreis rumfragen, vielleicht gibt’s ja da jemand, der oder die gerne Torten backt. Vor allem aber ist das gar nicht so schwer und man kann es auch einfach selber machen. Ich versteh die ganzen Aufregung um dieses Backen auch nicht, einfach Rezept raussuchen, Anweisungen befolgen und selber machen.

verstehe die walküre nicht Oper

Akustisch oder von der Geschichte her? Soll ich den Mann mal mitschicken, der kann das zwischendrin und während der Pause erklären? Es geht hauptsächlich um Götterkram und dann ist immer wer beleidigt und es gibt Intrigen und Kram. Göttergeschichten sind auch immer ein bisschen Seifenoper.

ich habe am samstag geheiratet und weiß nichts mehr davon.

Das ist jetzt natürlich… schlecht.

traum blauer hund

Oh Mann, noch so einer? Ich weiß aber auch nicht, was es bedeuten sollte, ich bin ja schon froh, wenn ich Träume erinnere und muss dann nicht zwangsweise wissen, was mir mein Bewusstsein damit sagen wollte. Bestimmt nichts Gutes.

konstanz komische schlangenlinien

Ist Kunst. Kann man drauf rumlaufen. Man kann’s aber auch sein lassen.

nur bekloppte hier und ich mittendrin

Kenn ich. Ich hab sogar ein Shirt, auf dem steht “Surrounded by Stupidity” und dann trau ich mich nie, das anzuziehen. Tragisch.

Schöner Suchen, Teil 1

Und hier hätten wir dann was Neues im Blog. Ich kann ja schön gucken, von wo die Leute so auf den Blog kommen. Meistens ist das nicht so spannend, für Außenstehende noch weniger als für mich, aber gelegentlich sind da auch sehr interessante Sachen dabei, und die möchte ich nicht länger für mich behalten. Hier also zehn schöne Suchanfragen bei Google und Konsorten, die die Suchenden – aus welchen Gründen auch immer – auf diese Seite geführt haben. Ich wünsche viel Vergnügen, ich hatte schon welches.

kein joghurt im kindergarten hanau

Tragisch. Leider fehlen mir dazu nähere Informationen. Um welchen Kindergarten geht es denn? Und sollte da Joghurt sein? Ich weiß gar nicht, ob wir damals Joghurt hatten, aber ich musste auch nur einmal über Mittag im Kindergarten bleiben und das war nicht meine Lieblingserinnerung, denn ich wurde genötigt, grüne Bohnen zu essen. Dafür gab’s dann Eis zum Nachtisch, gar keinen Joghurt.

was meinen frauen mit „und sonst so ?“

Ich meine meistens “Und sonst so?”, also sowas wie: “Gibt’s sonst noch was, was mich interessieren könnte?” Ich weiß aber nicht, ob’s einen geheimen Frauencode gibt, in den mich noch keiner eingeweiht hat und wo “Und sonst so?” was ganz anderes meint. Ich würde da aber nicht zu viel reininterpretieren.

starbucks becher klauen

Och nö. Klauen ist doch doof. Kauft lieber schöne Starbucks-Becher, zum Beispiel die mit den Stadtmotiven. Dann kann man zu Hause immer an den schönen Urlaub denken, wenn man Kaffee trinkt. Außerdem sind die schön groß und gut verarbeitet.

bei mir ist es so das ich plötzlich sehr schnell ejakuliere

Tja. Doof. Kann ich aber leider auch nicht helfen.

entschuldigung bin noch mit mir selbst beschäftigt

Kein Problem. Bin ich ja auch oft. Sag einfach Bescheid, wenn du fertig bist, und dann können wir reden.

scheiss bundesjugendspiele

Ich stimme zu und berichtete bereits hier darüber. Dass immer noch tausende und abertausende Schüler mit diesem verkappten Sozialsportevent gefoltert werden, erschließt sich mir nicht. Können wir Schulsport nicht so machen, dass es Spaß macht? Nur so als Idee?

ich freue mich am we nach frankfurt nach hause fahren

Ich freue mich immer, wenn ich über die Hohenzollernbrücke nach Köln reinfahre. Da kommt Heimatnostalgie in geballter Form auf. Ich kann das also prinzipiell sehr gut nachvollziehen, auch wenn ich die Stadt austauschen würde.

frankfurt ubahn drogen kaufen

Drogen sind doof. Sogar nach dööfer als Starbucksbecher zu klauen. Keine Drogen nehmen. Ich weiß auch gar nicht, wo man welche kriegt und rate außerdem sehr davon ab.

hilfe ich bin in benedict cumberbatch verliebt

Du, ich und das gesamte Internet. Deal with it.

Plan des Weg Zufuß Regionalbf zu Frankfurt(M) Flughafen

Immer den Schildern nach. Dauert nicht so lange, wie die Bahn bei den Streckenverbindungen angibt, aber ein Stückchen laufen muss man schon. Dafür kann man ein Rollband benutzen. Das ist lustig.

Zum ersten Mal: Für einen Artikel im Spiegel Online interviewt werden

Sollte es irgendwer nicht mitbekommen haben: Ich war Ende Juni im Spiegel Online. Genauer gesagt wurde ich in einem Artikel über Frauen in der IT-Branche zitiert.

Wie es dazu kam und wie das so war, das erzähl ich jetzt. Das war nämlich so:

Vor ein paar Monaten schrieb ich in dem anderen Blog darüber, wie doof ich das finde, dass es in meinem Beruf so wenig Frauen gibt. Da dieser Blog eher so mäßig frequentiert wird (ich könnte da auch mal wieder was schreiben), war das Feedback eher so gehtso, die großen Diskussionen blieben jedenfalls aus.

Dann trudelt vor ein paar Wochen am Montag eine Mail von einer Mitarbeiterin von Spiegel Online ein. Ob ich Lust hätte zu einem Telefoninterview, es ginge um Frauen in der IT-Branche. Ja sicher hab ich das. Frauen in der IT-Branche, da kann ich sogar richtig was zu sagen, vor allem, weil ich das ja bin, also eine Frau in der IT-Branche.

Der Artikel soll nächste Woche schon erscheinen, Interview also möglichst diese Woche, wann ich eben kann. Mittwochs feiert Oma Geburtstag, Freitag ist große Team-Präsentation, Donnerstag ist möglicherweise Stress wegen großer Team-Präsentation am Freitag. Dienstag, schlage ich vor. Dienstag ist eigentlich nichts, da kann ich auch früh nach Hause gehen.

Ob ich mich irgendwie vorbereiten solle, frage ich noch, ob man die Fragen schon vorher kriegt, und sich dann kluge Sachen dazu ausdenken kann, damit man am Telefon nicht auf einmal anfängt, wirres Zeug zu reden. Das traue ich mir nämlich durchaus zu. Gerade bei Themen, die mich emotional auch mal ein bisschen aufregen, da fange ich gerne an, wirres Zeug zu reden. In meinem Kopf klingt das dann zwar alles viel besser, intelligenter und geordneter, aber das weiß ja leider keiner außer mir.

Nein nein, kommt die Antwort, vorbereiten braucht man sich nicht, wir würden einfach am Telefon nett reden und das wäre schon okay so. Ein bisschen klingt mir das ja nach einer Falle, “nett reden”, ja klar, und dann sagt man was Wirres und prompt steht man dann mit einem wirren Zitat in der Zeitung. Aber ich vertraue da mal darauf, dass das auch ernst gemeint ist und das mit “nett reden” auch wirklich einfach nur “nett reden” gemeint ist. Dienstag also, 17 Uhr. Geht klar.

Ich bin hibbelig.

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Dienstag nachmittag verlasse ich das Büro schön pünktlich, um rechtzeitig zu Hause zu sein. Vorher mache ich noch ein paar kryptische Andeutungen auf Twitter, aber erzählt habe ich kaum jemandem davon. Ich bin da schrecklich zweckpessimistisch und verrate sowas immer erst, wenn es auch wirklich soweit ist. Je mehr Leute von sowas wissen, desto mehr Leute fragen dann nach und desto mehr Leute muss man dann im schlimmsten Fall erzählen: “Nee, war doch nichts.” Also ganz ruhig bleiben, aber innen rumhibbeln wie blöd.

Meinen Artikel im englischen Blog habe ich auch noch mal gelesen, damit ich überhaupt weiß, was ich da gesagt habe, und festgestellt, dass ich da total gute Sachen geschrieben habe. Faszinierend. Auch die anderen Blogartikel, die ich damals verlinkt habe, gucke ich mir noch mal an, damit das mit den Fakten auch einigermaßen hinhaut, sollte ich mich dazu hinreißen lassen, irgendwas faktenähnliches zu behaupten. Ich mache mir Notizen auf einem Post-It, exakt zwei, damit ich wesentliche Punkte nicht komplett vergesse und das war’s. Mehr kann ich jetzt nicht tun. Außer warten und hibbeln.

Um kurz nach fünf klingelt das Telefon. Das Interview geht los. Und tatsächlich, es ist total nett, wir reden eine knappe Dreiviertelstunde. Die Fragen sind gut, ich kann mich gar nicht verhaspeln, weil sie so schön formuliert sind, dass ich sofort den Faden kriege und auch behalte. Gut recherchiert sind sie auch, ich merke, da hat sich jemand den Artikel durchgelesen, hat sich ein bisschen mit meiner Person beschäftigt und sich Gedanken darüber gemacht, was man mich fragen könnte. Zwischendurch ist irgendwann mal die Verbindung weg, das passiert aus Gründen, die ich nicht verstehe gelegentlich mal, wenn ich telefoniere. Aber dann klingelt das Telefon wieder und wir reden weiter.

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Als ich auflege hab ich ein gutes Gefühl. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwas gesagt zu haben, das ich im Nachhinein doof finden könnte. Nach mir kommen noch zwei Interviews, das hab ich auch erfahren, außerdem bekomme ich eine Mitschrift der Zitate, die verwendet werden sollen und kann dann noch abnicken bzw. Einspruch erheben, wenn da was dabei sein sollte, das ich so nicht gut finde. Wie versprochen schicke ich noch eine Mail mit ein paar Links, auf die ich im Gespräch hingewiesen habe. Später kommt eine Mail zurück mit einem Dankeschön und der Anmerkung, sie habe sich jetzt auch schon zwei Bücher bestellt zum Thema “Geschichte der Informatik”. Das finde ich erstens total schön und erinnert mich zweitens daran, dass ich mich damit ja eigentlich auch noch mal ein bisschen beschäftigen könnte.

Die Mitschrift kommt einen Tag später. Passt alles so, das schreibe ich auch zurück. Allerdings ahne ich schon zu diesem Zeitpunkt, dass mindestens eines der Zitate ein Aufregerzitat sein könnte. Ich finde mich aber damit ab, dass man, wenn man interviewt wird und dann nachher Teile des Interviews aus dem Kontext des Gesamtgesprächs gerissen veröffentlicht werden, durchaus missverstanden werden kann und verbuche das schon mal vorträglich als wichtigen Erfahrungswert.

Danach bin ich weiter hibbelig und kann die nächste Woche kaum abwarten. Montag passiert nichts, Dienstag auch nicht, dann habe ich Panik, dass meine letzte Mail mit den Fotos und Blogverlinkungsinstruktionen nicht angekommen sein könnte und panike innerlich ein bisschen rum, bis ich eine Nachfragemail schreibe, ob denn alles heil angekommen sei. Ja, sei es, kommt die Antwort zurück, und der Artikel erscheint morgen. Morgen ist Mittwoch, ich schreibe noch einen Kryptiktweet und gebe den informierten Kreisen Bescheid, morgen das Karriereressort des Spiegel Online etwas aufmerksamer zu beobachten.

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Mittwoch passiert nichts. Ich drücke F5 auf der Spiegel-Online-Seite, aber ohne Erfolg. Auf Nachfragen muss ich mit einem “Na ja, wohl doch nicht heute” antworten und weiß wieder, warum ich so ungern irgendwelche Ankündigungen mache, wenn ich selber keine Kontrolle darüber habe, ob etwas passiert oder nicht. Ich behalte aber erstaunlicherweise die Ruhe. Was weiß ich, wie das bei so einer Online-Redaktion funktioniert. Kein Grund zur Unruhe, das wird schon kommen, nur eben dann nicht heute.

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Am Donnerstagmorgen also das gleiche Spielchen, hibbeliges Neuladen der Spiegel-Online-Seite, bis der Kollege gegenüber auf einmal vorliest “Mädels in der IT-Branche”. Hihi, denke ich, hihihi, und rufe die Seite auf. Erstmal gucken, ob ich überhaupt drin vorkomme. Ah ja, da steht mein Name, ich bin Pionierin, toll ist das. Auf die Bilder zum Artikel geklickt, da bin ich auch. Nur den Link zum Blog finde ich erst nicht, der steht rechts an der Seite, wo er wirklich nicht die Bohne zu finden ist. “Guck halt mal die Bilderstrecke”, sage ich total kryptisch und dann klickt der Kollege die falsche Bilderstrecke an, bis er schließlich doch mal ein bisschen weiterliest und über meinen Namen stolpert. Hihihi!

In der Zwischenzeit schreibe ich noch eine Mail, Artikel hab ich gefunden, finde ich gut, schreibe ich, aber das mit dem Link ist ein bisschen doof, den findet da doch niemand, ob man da nicht den Namen als Link nehmen könnte im Artikel selber. Und einen Grammatikfehler hab ich auch gefunden. Keine Ahnung, wie das in so einer Online-Redaktion funktioniert, aber ich steh ja nicht jeden Tag im Spiegel Online, ich finde, da kann man auch ein bisschen pedantisch sein, rein aus egoistischen Gründen. Tatsächlich kommt wenig später eine Mail zurück, schön, dass mir der Artikel gefällt, und das mit dem Link und dem Fehler ist jetzt behoben. Ich bin begeistert, denn insgeheim habe ich gar nicht damit gerechnet, dass man noch nachträglich und so schnell auf Änderungsvorschläge reagiert.

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Jetzt kann ich auch Mails rumschicken und auf Twitter und Facebook davon erzählen. Yeah! Ich bin im Spiegel Online! Lest das alle! Im Büro ist das Feedback sehr positiv, das freut mich jetzt mal extra. Und auch sonst scheinen sich die Leute darüber zu freuen und ich mich damit erst recht. Dann machen wir alle den Fehler, die Kommentare zu dem Artikel zu lesen und ich falle ein bisschen vom Glauben ab. Schon fast toll ist ja, dass mein Aufregerzitat direkt im allerersten Kommentar einen Hitlervergleich provoziert, damit hab selbst ich nicht gerechnet. Und man weiß ja auch, dass man keine SpOn-Kommentare lesen soll, aber ich mach’s jetzt natürlich trotzdem und bin doch ein bisschen entsetzt über das, was da abgeht. Schnell vergessen und weiterfreuen.

Abends sind wir auf der Gourmetmeile in Essen unterwegs und ein bisschen ist das natürlich auch hier Thema. Der Mann kommt nicht über die Kommentare im Diskussionsforum hinweg, auch wenn ich ihm mehrfach erkläre, dass das doch mittlerweile bekannt ist, dass man die nicht lesen soll. Den Hitlervergleich finden wir aber alle ob seiner Absurdität doch ein bisschen witzig und irgendwann nennen mich alle nur noch Adolfine.

Und das war’s dann eigentlich schon. Der Rummel um den Urheberrechtsartikel war um Längen größer, schon nach einem Tag ist der Artikel von den Headlines über die rechte Spalte im Archiv versandet. Die Onlinewelt ist schnelllebig, der Ruhm kurz, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Die Frage, ob ich sowas noch mal machen würde, stellt sich kaum: Na klar würde ich!

2012 halb rum. Eine Bilanz.

2012 ist halb rum. Ach komm, geh wech! ist ein halbes Jahr halt. Offiziell habe ich den ersten Artikel meiner Erinnerung nach am 6. Januar geschrieben und ihn einfach vordatiert, weil es um Vorsätze ging und die macht man ja bekanntlich am ersten Tag des Jahres.

Die Vorsätze lauteten wie folgt:

Mehr machen.
Mehr Ja sagen.
Mehr Nein sagen.
Mehr Tomatensalsa essen.

Insgesamt hat das sehr prima geklappt. Gemacht habe ich eine ganze Menge (dazu später mehr), sehr oft Ja gesagt und gelegentlich auch mal Nein gesagt. Sogar das mit dem Tomatensalsa hat geklappt, ich weiß jetzt, wie man schnell selbst welches macht (Koriander ist dabei ganz wichtig) und habe als Bonusfeature auch noch gelernt, wie einfach und lecker Guacamole ist.

Ich habe angefangen, Gitarrenunterricht zu nehmen, bin zwei Mal aufgetreten, wir haben Songs aufgenommen, ich habe unzählige Fotos gemacht, dabei mitgeholfen, ein Bloggerinnen-Netzwerk zu gründen, habe zwei Mal Currysoßen und einmal deutsche Rieslingweine verkostet, war in AschaffenburgFulda, Mainz, Münster und Brüssel, auf drei Konzerten (Randy, Florence und Elvis), bin geklettert, habe viele Torten und Cupcakes gebacken, bin mit der Seilbahn auf ein Schloss gefahren und wieder runter, habe die Burns‘ Night mitgefeiert, war in der Oper, aufm Dorf in Oberorke und im Spiegel Online.

Ein paar Dinge habe ich nicht geschafft. Das mit dem Steppen hat nicht geklappt, das ist zwar schade, aber im Moment reicht mir einmal die Woche Gitarrenunterricht aus, also verschiebe ich dieses Projekt ein bisschen nach hinten. Ich habe mich sogar darum gekümmert, aber es war schwieriger als ich dachte, eine Tanzschule zu finden, die Anfängerkurse fürs Steptanzen anbietet. Aufgetreten bin ich auch nur zwei Mal, da muss jetzt nach der Sommerpause was passieren, denn das ist definitiv zu wenig. Auch an dem Buch, dass ich im Dezember so schön geschrieben habe, habe ich nicht weitergearbeitet, weil es sehr einfach ist, so etwas vor sich hin zu prokrastinieren. Wir waren nicht in Hamburg und nicht noch mal in Edinburgh, wie ich eigentlich total euphorisch geplant hatte. Dafür sind wir viel im Ruhrgebiet rumgegondelt und da war’s auch schön.

Insgesamt fällt die Bilanz aber sehr positiv aus. Ich habe dieses Jahr bis jetzt zumindest gefühlt deutlich mehr gemacht und erlebt als sonst. Ich habe mich öfter aufgerafft, habe mehr gewagt und ausprobiert, habe eben schneller und öfter “Ja!” gesagt. Ich habe tolle Leute kennengelernt und bin durch schöne Städte gelaufen. Das Bloggen und Fotografieren hat dabei sehr geholfen, denn ich bin motivierter, wenn nachher etwas Fassbares dabei rauskommt. Und natürlich hat es geholfen, dass das mit dem Blog so gut angelaufen ist, dass es positives Feedback gab und erkennbares Interesse. Ich behaupte gar nicht erst, Besucherzahlen würden mich nicht interessieren, natürlich tun sie das und natürlich schiele ich auf meine Blogstatistik und freue mich, wenn es mehr Leser werden. Vor allem freue ich mich aber, wenn ich Kommentare kriege oder sogar – wie in einem Fall – eine nette Mail eines Lesers. Das dürft ihr ruhig öfter machen.

Deswegen gibt es hier auch noch mal kurz ein paar Zahlen zum Blog von Januar bis (einschließlich) Juni:

Blogstatistik

Haha, ohne Zahlen, die darf man sich selber überlegen. Das im Mai war zu geschätzt 75% der Urheberrechtsartikel und im Juni hat der Artikel auf Spiegel Online noch mal nachgeholfen. Aber auch ansonsten geht die Kurve nach oben und ja, das freut mich.

  • Artikel: 173
  • Kommentare: 564 (inklusive meiner Antworten und Trackbacks)
  • Page Views: 38.536 (davon geschätzt 15.000 ob des Urheberrechtsartikels)
  • Abonnenten (laut Google Reader): 83

Lieblingssuchanfragen (gefühlt, denn Statcounter speichert immer nur die letzten paar Tage oder Wochen):

  • Irgendwas mit Bubble Tea.
  • Die Frage, ob Marc Blucas verheiratet ist. (Ich weiß es doch auch nicht!)
  • Irgendwas mit Cinemaxx und Lovechair. (Dazu empfehle ich diesen Artikel.)
  • Diverse Anfragen Bahnhöfe betreffend.
  • Irgendwas mit Starbucks und Tassen und meistens auch Klauen.

Ich muss mal anfangen, die schönsten Suchanfragen zu sammeln, da sind nämlich richtige Perlen dabei und dann bin ich wieder zu langsam und Statcounter weiß nichts mehr davon. Insofern beende ich diesen Halbjahresrundumschlag mit der allerallerbesten Suchanfrage. Und bevor mich das jemand fragt: Nein, ich weiß auch nicht, warum man ausgerechnet damit auf diesem Blog landet. Ich weiß auch nicht, ob ich’s wissen will. Sei’s drum, hier ist sie nun, die schönste Suchanfrage, die irgendeinen armen Tropf auf meine in diesem Bezug total unhilfreiche Seite geführt hat:

bei mir ist es so das ich plötzlich sehr schnell ejakuliere

Hachja. In diesem Sinne also: Auf ein weiterhin tolles Jahr 2012!

Einfach mal glücklich sein lassen

Ich bin bekanntermaßen eine Weltschönrednerin. Das macht mich auf der einen Seite irre sympathisch und umgänglich, auf der anderen Seite kann es aber auch tierisch nervig sein, denn es bedeutet auch, dass ich mir sehr erfolgreich einreden kann, alles wäre eigentlich super, wenn es vielleicht auch mal angesagt wäre, sich aufzuregen und zu beschweren.

Im Wesentlichen bin ich einfach lieber glücklich als auf mein Recht zu bestehen. Das kann auch bedeuten, dass ich Konfliktsituationen aus dem Weg gehe, aber ich weiß genau, dass, wenn ich mich jetzt da aufrege und rumstreite, ich nachher nur selber ein paar Stunden schlecht drauf bin. Da vergesse ich das lieber schnell wieder, finde einen guten Grund, warum alles eigentlich so okay ist und bin weiter zufrieden.

Kann sein, dass dadurch zwei, drei, fünf, zehn oder hundert Menschen bisher nicht von mir angepfiffen wurden, obwohl es vielleicht angebracht gewesen wäre. Vielleicht hat sich fünf Minuten später jemand anders aufgeregt, jemand, der das besser kann als ich und der das vielleicht auch braucht, um glücklich zu sein. Es gibt so Leute, die eine Konfrontration glücklicher macht, die unzufrieden sind, weil so unangesprochene Aufreger an ihnen nagen, und das ist genauso okay wie sich die Welt schön zu reden. Auf keinen Fall sollen alle Leute so sein wie ich, das wäre ganz furchtbar, das ist ja gerade das Schöne, das Leute anders sind und das wir alle unsere eigenen Empfindlichkeiten haben und gleichzeitig ganz unterschiedliche Wege zum Glücklichsein.

Es können auch nicht immer alle glücklich sein. Das wäre wunderschön, wenn das so wäre, geht aber leider nicht, denn manchmal hängt das Glück des anderen leider vom Kummer eines anderen ab – und das muss noch nicht mal absichtlich geschehen. Aber so lange es geht und so lange wie wir uns beim Durchsetzen unseres eigenen Glücks nicht gegenseitig unglücklich machen, bin ich sehr doll der Meinung, jeder soll erst mal das machen, was ihn glücklich macht.

Es ist geradezu vermessen, irgendjemandem vorzuschreiben, wie er bitte schön glücklich zu sein hätte, was ein akzeptables Maß an Gefühlsoffenbarung wäre und wann er sich bitte schön zurückhalten sollte. Ich möchte auch nicht gezwungen werden, mich beim nächsten verspäteten Zug mit dem armen Schaffner anzulegen, rein aus Prinzip. Dann bin ich nämlich nachher ganz mies drauf, kreuzunglücklich und beim nächsten Mal kommt der Zug im Zweifelsfall trotzdem nicht früher.

Warum ich das schreibe? Weil ich mich heute ganz doll aufgeregt habe. Es ging um das Video mit dem unglaublich rührenden Lip-Dub-Heiratsantrag, dass gerade aktuell so die Runden macht. Ich saß davor und fing an zu weinen, weil ich es so unheimlich toll und schön und rührend fand, wie sich da jemand so eine Mordsarbeit gemacht, die ganzen Leute mobilisiert, sich eine mehrminütige Choreografie ausgedacht hat, alles, um seine Freundin zu fragen, ob sie ihn heiraten will.

Ich glaube auch, dass ausnahmslos alle, die bei diesem Heiratsantrag mitgemacht haben, einen irren Spaß gehabt haben. Ich glaube, die Verlobte-in-Spe saß die ganze Zeit hinten auf dem Auto und war nur noch hin und weg und überwältigt. Ich glaube, das ist eine Geschichte, die man nie vergisst und an die man sich immer wieder gerne erinnert.

Das finden anscheinend nicht alle so. Auf Facebook entbrannte eine kurze Diskussion bei jemandem, der das Video auch dort geteilt hat. Nun finde ich es vollkommen okay, wenn nicht alle mit Tränen in den Augen vor diesem Video sitzen. Ich erwarte das auch nicht und ich weiß sehr wohl, dass ich für diese Art Gefühlsduselei extrem empfänglich bin. Mit Flash-Mobs kriegt man mich eigentlich immer, erst recht, wenn Musik eine Rolle spielt. Dass andere Leute da nicht so drauf abfahren, davon gehe ich mal aus, das ist total in Ordnung.

Von Gruppendruck war die Rede, davon, dass das Video gruselig und der Typ (also der zukünftige Bräutigam) aus dem Horrorkabinett sei, ein schnauzbärtiger Gebrauchtwarenhändler und das sowieso alles narzisstischer Hochzeitsterror sei, eklige Inszenierung von Gefühlen als Realityshow.

Und ich denke noch… BITTE? In was für einer Welt sind wir eigentlich angekommen, wo ich das wie auch immer zur Schau gestellte Glück von mir völlig fremden Personen erstmal in Frage stellen und schlecht machen muss? Wie verbittert müssen wir eigentlich noch werden, um hinter allem, was wir sehen, eine oberflächliche, von Narzissmus getriebene Inszenierung von unechten Gefühlen zu sehen? Und brauch ich das wirklich, dass ich über jemanden, der jetzt vielleicht keine Schönheit per se ist, sage, dass er aus dem Horrorkabinett sei?

Man kann dieses Video scheiße finden, inszeniert und gefühlsduselig. Man kann sich fragen, ob es eine tolle Idee ist, seine Freundin vor versammelter Mannschaft zum Ja-Wort zu drängeln, man kann auch hinterfragen, ob man sowas dann im Internet veröffentlicht. Alles vollkommen berechtigt. Aber teilweise strotzten besagte Kommentare (nicht alle, wohlgemerkt, einige waren nämlich auch wieder angetan, anderen war es wahrscheinlich schlichtweg egal) so vor Zynismus und Bitterkeit, und das entlud sich vor allem auf den armen Initiator und Ja-Frager.

(Mal abgesehen davon, wenn man jemanden fragt, ob er ihn heiraten will, dann setzt man ihn immer unter Druck, selbst wenn man dabei zu zweit auf dem Sofa sitzt. Denn was passiert jetzt, wenn der andere “Nein” sagt, ist dann die Beziehung direkt vorbei, streitet man sich erstmal tagelang und zehrt das so an der Beziehung, dass in ein paar Monaten dann Schluss ist? Vielleicht keins davon, vielleicht steckt die Beziehung das locker weg, vielleicht aber auch nicht. Bei einem Heiratsantrag wird aber immer irgendwie ein “Ja” erwartet, vollkommen unabhängig davon, wie viele Leute mit anwesend sind.)

Mein Vorschlag: Einfach mal glücklich sein lassen. Einfach mal am Glück der anderen erfreuen und keinen Haken suchen. Keiner muss beim Gucken eines solchen Videos weinen. Viel besser noch: Man muss es gar nicht gucken. Das ist ja das total tolle am Internet und generell an der Welt, dass man viele Dinge, die man nicht mag, gar nicht tun muss. Ich muss zum Beispiel auch keine Bananen essen. Oder mir ein teures Auto kaufen. Oder mir Musik anhören, die ich nicht mag.

Wenn alles halbwegs gut läuft, dann kann ich meine Freizeit (und oft sogar meine Arbeit) mit Sachen füllen, die mich glücklich machen und die Sachen, die mich unglücklich machen, sein lassen. Das funktioniert nicht immer, aber erstaunlich häufig. Und ich möchte, dass andere Leute das auch tun können. Und wenn ich lese, wie manche Leute das Glück von anderen zerreden und miesmachen, dann verwirrt mich das sehr.

Auf gut Kölsch gesagt: Man muss auch jünne künne. Ich sage: Genau so ist es. Und wenn das jetzt alles naiv und rosarot und furchtbar optimistisch klingt, dann ist das richtig so. Aber ich bin lieber all das, als zynisch, bitter und unglücklich zu sein. Und ich falle lieber einmal mehr mit diesem Optimismus auf die Schnauze, als dass ich mit einem wohlbalancierten Pessimismus sicher durchs Leben schreite.