Ich bin die Böse

Liebe Urheber.

Ich habe heute einen Text gelesen, den 1.500 von euch unterzeichnet haben, weil sie ihn offensichtlich gut, richtig, unterstützungs- und umsetzungswürdig finden. Ich habe den Text gelesen und war etwas… nun ja… erschüttert. Offensichtlich fühlt ihr euch sehr bedroht von denen, die da draußen ein bisschen lauter werden und irgendetwas bezüglich Reformierung des Urheberrechtes schwafeln. Das sind eure Feinde, die wollen euch ans Leder, ans Geld und an die Kunst. Um das ganze einfacher zu gestalten, biete ich einfach ein Feindbild an, mit dem ihr dann in Zukunft super arbeiten könnt: mich.

Liebe Urheber, ich bin die Böse.

Ich wollte letzte Woche noch einen furchtbar bösen Artikel über die ebenso furchtbar bösen Piraten schreiben. Dann habe ich mal geguckt, was so im Parteiprogramm der NRW-Piraten steht und dann habe ich den doch nicht geschrieben, denn was da drin stand, war überhaupt gar nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Eigentlich war es ganz vernünftig, vielleicht ein bisschen wischi-waschi und bestimmte Stellen sollten wohl noch mal ordentlich durchdiskutiert werden. An keiner Stelle stand da aber: “Wir sind dafür, dass in Zukunft alles umsonst ist und alle Urheber ihre Rechte abgeben und anschließend verhungern.” Das stand da nicht. Echt nicht.

Dann kam euer Schreiben und das liest sich auf den wenigen Zeilen so unglaublich verbohrt und uneinsichtig, dass ich feststellen musste: “Mist, ich stehe wohl doch auf der anderen Seite.” Eigentlich stehe ich einfach irgendwo dazwischen. Das Problem ist nur, so wie ihr euch in diesem kurzen Text geriert, mit dieser Hybris des besseren Menschen und der Gewissheit, sämtliche Moral auf der eigenen Seite zu haben, das macht euch nicht zwingend sympathisch. Und das, was ich daraus lese, ist sehr simpel: Ich bin die Böse.

Ich bin die Böse, weil ich der Meinung bin, dass das Teilen von Inhalten im Netz normal und moralisch nicht verwerflich ist. Ich bin die Böse, weil ich nicht glaube, dass das Teilen von Inhalten im Netz im Großen und Ganzen den Urhebern schadet. Zugegebenermaßen habe ich dafür keine Zahlen. Ich kann nur von dem ausgehen, was ich bei mir selber und meiner Umwelt beobachte. Ich gebe jedenfalls nicht weniger Geld für Musik und Bücher aus, nur weil ich auch mal was im Internet für lau höre. Maximal wird das Geld anders verteilt, weil ich im Internet auf Künstler und Urheber stoße, die ich so vielleicht gar nicht gefunden hätte. Das geht natürlich auch auch auf euer Portemonnaie. Denn Geld, was ich für Pomplamoose ausgebe, das ist dann möglicherweise nicht mehr für das neueste Album einer etablierteren Band übrig. Klar. So, wie ich mich kenne, und ich kenne mich ziemlich gut, kaufe ich mir dann aber eher kein neues Paar Schuhe und einfach beide Alben.

Ich bin die Böse, weil ich die zumindest gefühlte Sonderstellung der GEMA im internationalen Vergleich für höchst albern, anmaßend und anachronistisch halte. Vor ein paar Wochen war ich bei meinen Eltern und wollte meinem Vater ein bisschen Musik von Florence + the Machine vorspielen, weil wir am gleichen Abend auf ein Konzert von Florence gehen wollten. Meine Vesuche, auf YouTube ein Video eines der bekannteren Stücke zu finden, scheiterten alle kläglich. Wobei das Finden eigentlich kein Problem darstellte, es gab genug davon, nur in Deutschland durfte man sich keins davon angucken. Also, dachte ich, bin ich mal klug und wir gehen direkt auf die offzielle Seite von Florence + the Machine, da wird’s bestimmt was geben. Gab’s auch. Nämlich eingebettete Videos von YouTube. Die man in Deutschland nicht gucken darf. Letztlich endete es so, dass ich meinen Laptop auspackte, und ein bisschen in meinem iTunes gewühlt habe. Das kann doch so nicht gewollt sein.

Ich bin die Böse, weil ich glaube, dass das Internet für viele, viele Künstler die erste Möglichkeit ist, ihre Kunst öffentlich zugänglich zu machen. Vielleicht erschreckt euch das ja auch so, dass man eben nicht mehr auf den Schutz der Verlage, Labels und Verwertungsgesellschaften angewiesen ist und trotzdem Geld verdienen kann. Ich mache da einfach mal eine simple Rechnung: Ich habe z.B. hundert Euro im Monat, die ich in Bücher, Musik, Kino und so investieren kann. Vor dem Internet gab es 50 Künstler, an die ich mein Geld verteilen konnte. Also bekam im gerechtesten Fall jeder 2 Euro von mir. Total super. Jetzt, wo die Filter wegfallen, sowohl was die Vertriebswege als auch die lokale Beschränkung angeht, gibt es 500 Künstler, an die ich mein Geld verteilen kann. Oder 5.000. Dass da für den einzelnen weniger übrig bleibt, ist ein sehr simpler und nachvollziehbarer Effekt. Das hat nicht zwingend etwas damit zu tun, dass ich mir auf einmal ganz viel kostenlos runterlade, sondern, dass ich mein Geld jetzt eventuell auch an die Urheber verteile, die vorher gar nicht auf eurem Plan standen. Weil es eben jetzt geht. Wer das doof findet, der entlarvt sich zumindest schon mal selber als egoistischer Sack. Was ja jetzt für mich als Geldgeber auch ein ganz guter Indikator ist, wem ich in Zukunft mein Geld eher nicht gebe.

Ich bin im Übrigen auch die Böse, weil ich meinen kreativen Output umsonst ins Netz stelle und weil ich das, was andere Leute für umsonst ins Netz stellen, angucke. Man stelle sich vor, was da an Zeit draufgeht, die wir alle sonst mit Bezahlcontent verbringen könnten. Mein Blog ist kein großes Literatenwerk, meine Fotos keine Kunst, aber ich schreibe und fotografiere gerne und ich freue mich darüber, wenn andere Leute das lesen und gut finden. Und anderen Leuten scheint es ebenso zu gehen. Wer weiß, was da an Geld verloren geht, nicht weil Leute kopieren oder verleihen, sondern weil sie einfach andere kostenlose Angebote nutzen.

Ich bin die Böse, weil ich ungehemmt anpinne, verlinke, empfehle und zitiere. Das muss man sich mal vorstellen, da finde ich etwas im Internet, was ich gut finde und dann verbreite ich das einfach weiter übers Internet, möglicherweise noch mit einem Bild, das ich gar nicht selber gemacht habe. Und dann schreibe ich noch sowas dazu wie: “Guckt mal, wie toll dieses Produkt ist und ihr kriegt das hier für soundsoviel Euronen.” MIT EINEM BILD, DAS ICH GAR NICHT SELBER GEMACHT HABE. Und dann geht nachher noch jemand hin und kauft sich dieses Produkt. Wo kommen wir denn hin, wenn das alle machen würde. Oder das mit dem Zitieren, das ich fleißig auf quote.fm betreibe, wo ich mit einem schönen Zitat drauf hinweise, dass hier, da und dort im Internet ein Text steht, den ich total gut finde und von dem ich gerne möchte, dass ihn andere auch lesen.

Liebe Urheber, ich bin die Böse.

Ich bin die Böse, obwohl ich schon mit sechzehn fast mein gesamtes Taschengeld für CDs verbraten haben, und meine CD-Sammlung vermutlich so zwischen 400 und 500 CDs beinhaltet. Dazu kommen noch (laut Statistik) 1205 total legal bei iTunes erworbene Titel. Die rund 50 Bücher, die ich im Jahr lese, kaufe ich mir fast alle neu selbst, weil ich die meisten davon in der Bücherei eh nicht bekommen würde und musste sie schon in Stapeln an Büchereien und Second-Hand-Läden verschenken, damit wieder Platz im Regal ist. Ich bin die Böse, trotz meines Lovefilm- und meines Audible-Abos, trotz der hunderte Euro, die ich in den letzten zwei Jahren für Konzert-Karten ausgegeben habe, trotz der Kinokarten und der Tatsache, dass ich jenseits von Kino und Lovefilm immer noch DVDs und BluRays kaufe.

Trotzdem muss ich mir immer wieder anhören, wie böse wir Internetmenschen sind, weil wir immer nur alles umsonst haben wollen und nicht mehr bereit wären, Geld für Kunst zu bezahlen. Liebe Urheber, ich bin sehr wohl dafür, dass ihr Geld für das bekommt, was ihr macht. Es ist mir eigentlich auch schnurzpiep, was ihr bekommt, ich wage überhaupt nicht, eine Meinung darüber zu haben, was welcher Inhalt wert sein sollte. Wenn hunderttausend Leute ein Buch kaufen wollen, dann liegt es mir fern, beurteilen zu wollen, ob das Buch bzw. dessen Autor das jetzt verdient hätte oder nicht. Ich bin für Kulturförderung und ich hab noch nicht mal was gegen die GEZ.

Trotzdem funktioniert die Art, wie das Urheberrecht gehandhabt wird in meinen Augen nicht mehr und ich habe schlicht und einfach ein Problem damit, als jemand, der von dem ihm zur Verfügung stehenden Geld einen nicht unerheblichen Anteil sehr, sehr direkt in vom Urheberrecht betroffene Konsumgüter und Veranstaltungen steckt, dann noch kriminalisiert zu werden.

Es enttäuscht mich, wenn sich in der Liste der 1.500 Urheber Namen von Leuten finde, die ich sehr gern mag, rein als Künstler, ich kenne sie ja nicht persönlich. Frank Goosen, beispielsweise, bei dem ich jetzt nicht sicher bin, ob ich sein neuestes Buch nicht doch lieber erstmal von meiner Audible-Liste schmeißen sollte. Oder Charlotte Roche, deren Bücher ich zwar gar nicht lesen möchte, die ich aber jahrelang verehrt habe, weil sie mit Roger Willemsen zusammen Pipi machen war (die Sendung, in der das passierte, musste ich im Übrigen auf YouTube gucken, weil sie nie ausgestrahlt wurde). Oder Sven Regener, dessen Echauffierungsvideo ich lieber nicht gucken möchte, um mir die Musik von Element of Crime nicht mental zu vermiesen. (Übrigens alles legal erworben. Gekauft! FÜR RICHTIGES GELD!) Liebe Urheber, das, was ihr da macht, ist ein großer Vertrauensbruch. Ihr traut mir nicht. Ihr glaubt, ich will euch was Böses. Will ich gar nicht. Ich will nur was ändern. Und weil das, was ich ändern will, möglicherweise auch euch und euer Leben betrifft, findet ihr das nicht gut.

Liebe Urheber, ich hab eine Idee. Wie wär’s mal mit Dialog? Wie wär’s mal damit, sich die Vorschläge anzuhören, wie mit dem Urheberrecht umgegangen werden könnte? Nicht gut? Umständlich? Aufwändig? Zu krass?

Hm. Tja. Dann bleibt es wohl dabei: Ich bin die Böse.

025

Aus lauter Nettigkeit hab ich euch noch ein prima Feindbild gebastelt. Und jetzt kommt der Knaller: Ihr dürft es ausdrucken, aufhängen und mit Pfeilen drauf werfen. UND IHR MÜSST MIR KEINEN CENT BEZAHLEN! WIE GEIL IST DAS DENN?!?

Total feministisch motivierter Blog-Meta-Content

Mein Lieblings-Nuf schrieb heute morgen etwas über die Relevanz von von Frauen geführter Blogs und weil sie das so schön gemacht hat und mich außerdem noch als einen ihrer gern gelesenen Blogs (Hurra! Juchu! Yay!) verlinkte, möchte ich es ihr gleich tun und da ebenfalls mal meine soundsoviel Cents zu beisteuern.

Ich bin ja eher so halb-politisch engagiert. Innerlich bin ich immer total engagiert, aber nach außen dringt da nur wenig vor, schon weil ich ja so grauselig harmoniebedürftig und ungesund tolerant bin und mir zu jeder Meinung, die ich so habe, direkt zwei weitere Gedanken einfallen:

Erstens: “Also das ist jetzt meine Meinung, aber ich kann natürlich auch verstehen, wenn man Sache X, Y oder Z aus diversen Gründen anders sieht.”

Zweitens: “Ogottogottogott, hoffentlich hab ich jetzt niemanden, der eigentlich total nett ist, in irgendeiner Weise damit vor den Kopf gestoßen. HILFE!”

Das ist nicht immer so gut, aber ich war halt auch schon immer so. Fakt ist, dass mich vor mittlerweile fast schon zehn Jahren der beste Freund in der Berufsschule darauf hinwies, dass ich mich nicht immer schon im Vorfeld für das entschuldigen sollte, was ich gleich sagen würde. Und damit hatte er leider recht.

Aus diesem Grund geht es in diesem Blog eher um hübsche Fotos und nette Geschichten, um Bahnhofsrezensionen und Sachen, die ich so erlebe und seltener um die politisch oder gesellschaftlich relevanten großen Themen oder kritische Töne zum aktuellen Weltgeschehen. Ein weiterer Grund ist vielleicht, dass ich mich tatsächlich stundenlang über bestimmte Themen auslassen könnte, das tut mir aber selbst nicht gut, ich bin dann nachher schlecht gelaunt und finde die Welt doof und ungerecht und weil ich das schon vorher weiß, lasse ich es einfach.

Jetzt habe ich es also schon wieder gemacht. Mich schon mal im Vorfeld, ohne dass überhaupt die Frage bestand, dafür entschuldigt, warum mein Blog möglicherweise, wenn man alle Eventualitäten und so betrachtet, unter Umständen nicht relevant sein könnte.

Aber da kann man ja schon wieder fragen: Relevant für was? Oder für wen? Und warum überhaupt? Und was bedeutet das? Relevanz ist ja kein objektives Kriterium. Man könnte ja jetzt die Besucherzahlen angucken, aber wer weiß denn, ob jemand, der auf welchem Weg auch immer, auf einem Blog gelandet ist, auch gelesen hat, was da so steht. Und selbst wenn, was nützt das, wenn derjenige das sofort wieder vergisst. Oder doof findet.

In einem Mini-Selbstversuch hab ich mir mal meine eigene Blogroll angeguckt, und festgestellt, bei mir überwiegen eindeutig die von Frauen geschriebenen Blogs und zwar so doll, dass ich mir jetzt dringend ein paar gute von Männern geschriebene suchen sollte, um mir nicht selber vorwerfen zu müssen, ich wäre nachher noch männerfeindlich. Ich weiß auch gar nicht, was jetzt den typischen Männer- vom typischen Frauenblog unterscheidet. Gefühlsmäßig kenne ich mehr Frauenblogs, auf denen es hübsche Bilder vom Selbstgekochtem und Selbstgemachten gibt. Gefühlt ähneln einige dieser Blogs noch eher dem klassischen Tagebuchschreiben. Männer sammeln (ebenso gefühlt) eher Links zusammen und kommentieren diese und äußern sich zu irgendwas Gesellschaftlichem, das mich vielleicht interessiert aber eventuell auch nicht.

Ich glaube aber, dass das alles wirklich nur gefühlt ist. Ich vermute nämlich, dass es ebenso viele Frauenblogs gibt, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen, genau wie Männerblogs existieren, auf denen es schöne Fotos, leckere Rezepte gibt oder wo sich auch einfach mal ganz dezent emotional ausgekotzt wird.

Wenn ich aber so aus dem Stand zwei der meiner Ansicht nach bekanntesten und damit auch irgendwie relevantesten Blogs nennen müsste, dann würde ich sagen: ankegroener.de und dooce.com. Beides Frauen.

Das sind Blogs, von denen ich weiß oder zumindest vermute, dass sie Zugriffszahlen haben, von denen ich nur träumen kann. Heather Armstrong kann mittlerweile davon leben, dass sie bloggt. Das ist natürlich Blödsinn, sie kann davon leben, dass sie bloggt und Bücher geschrieben hat und auftritt und Zeugs verkauft und was-weiß-ich-nicht-noch. Beides sind aber auch Blogs, in denen die Autorinnen in erster Linie von sich selbst berichten. Erweitertes Tagebuchbloggen, sozusagen.

Selbstverständlicherweise ist meine Sicht auf Blogs schlicht und einfach durch meine persönliche Präferenz verzerrt. Ich habe, um es einfach zu sagen, überhaupt keine Ahnung, was so die meistgelesensten deutschen Blogs sind und ich behaupte, die meisten lese ich auch gar nicht, entweder, weil ich sie noch nicht entdeckt habe, oder weil ich sie nicht interessant finde. Das mag auch an meiner Scheu vor Polarisierungen liegen, damit kann ich nichts anfangen. Provozieren, um eine Reaktion zu bekommen, da stehen mir die Haare zu Berge, da verstecke ich mich ganz schnell in der Ecke und komme erst wieder raus, wenn die Reaktionsprovozierer, die “Ich sag das doch nur so krass, damit du dich auch mal äußerst…”-Sager, wieder weg sind. Ich diskutiere gerne, und ich durchschaue solche Spielchen gewöhnlich sehr schnell, ich mache da aber nicht mit.

So kommen wir über Hölzchen und Stöckchen zu dem, was ich eigentlich sagen wollte. Meine persönliche Blogpräferenz ist genau das: sehr persönlich. Ich lese gerne Alltagsgeschichten, vor allem, wenn diese in amüsante und/oder schöne Worte verpackt sind. Ich gucke gerne schöne Bilder und werde von tollen Ideen inspiriert. In den letzten Wochen sammle ich Ruhrpott-Blogs, weil ich gerne lese und gucke, wie andere Leute die Region, in der ich lebe, und die ich schon sehr, sehr liebgewonnen habe, wahrnehmen. Und ich vertraue darauf, dass die Leute, deren Blogs diese meine Wunschkriterien erfüllen, alles intelligente Menschen sind, die sich auch gelegentlich mal zu anderen Themen äußern und mich zum Nachdenken anregen.

Diese Blogs sind für mich relevant, weil sie meinen Alltag positiv bereichern. Ihr findet sie ohnehin schon in meiner Blogroll. Und weil ich finde, dass da sehr viele schlaue, hübsche und äußerst amüsante Frauen dabei sind, hebe ich diese noch mal besonders hervor:

Im Übrigens habe ich ganz viele Dinge ausgelassen, zum Beispiel meine Ideen dazu, warum auf Veranstaltungen wie der rp12, auf der ich ja nun auch selber nicht war, Frauen immer noch unterrepräsentiert werden. Oder meine Gedanken zu der Frage, wie wichtig man seine Blogstatistik so nimmt oder nehmen sollte. Es ist ein weites Feld. Wie so oft.

Little Big Things: Caine’s Arcade

Das ist vielleicht das beste und schönste, was ich seit langem gesehen habe. Der 9-jährige Caine aus LA baut Karton-Spielautomaten neben dem Laden seines Vaters, hat aber ein bisschen mit dem Desinteresse der Laufkundschaft zu kämpfen. Bis Nirvan Mullick zur Caine’s Arcade kommt, einen Fun Pass kauft und das alles so toll findet, dass er einen Flashmob organisiert und einen wunderbare Film macht.

Und den Rest muss einfach selber sehen. Ich muss aber warnen: Wenn man wie ich so ein bisschen nah am Wasser gebaut ist, kann das schon passieren, dass man vor Rührung ein wenig ungraziös rumschnieft. Weil’s so toll ist, wie man mit kleinen Sachen so viel Freude verbreiten kann.

Caine’s Arcade from Nirvan Mullick on Vimeo.

Du bist nicht allein

Das Internet. Unendliche Weiten. Lauter bekloppte Leute. Und mittendrin ich.

Manchmal finde ich es ja schwer, die Leute zu beschreiben, die sich da mit mir im Internet tummeln. Sind das jetzt Freunde? Internetfreunde? Bekannte? Kontakte? Interessensverbandelte? Wer sind die da draußen? Die, deren Blogs ich lese, denen ich auf Twitter folge und die mir folgen, die auf meinem Blog Kommentare hinterlassen, mit denen ich über Bücher diskutiere, deren Bilder ich begucke? Wer sind die und warum gibt es denn kein vernünftiges Wort dafür?

Es ist ja so. Bei so Leuten wie mir, die sich für sehr viele, teilweise etwas seltsamere Dinge interessieren, ist das nicht immer so einfach mit dem ganzen Sozialkram. Was nicht heißen soll, dass ich generell nicht sozialverträglich bin, aber manchmal fragt man sich dann eben schon, ob’s noch andere Leute gibt, die so bekloppt sind wie ich.

Leute, die ihr Essen fotografieren und es im Zweifelsfall auch noch begeistert zeigen.

Leute, die irgendwie versuchen, fünfzig Serien in ihrem Freizeitplan unterzubringen.

Leute, die bei den Namen Joss Whedon, Stephen Fry, Neil Gaiman, Benedict Cumberbatch und Felicia Day nicht gucken wie Autos, sondern ein entzücktes Strahlen in den Augen kriegen.

Leute, denen man ein bisschen den Tag retten kann, wenn man ihnen Videos mit Faultieren oder Seeottern schickt. (Ich bin übrigens auch der Meinung, dass es zu wenig Videos mit Axolotl gibt, aber das nur am Rande.)

Leute, die ihre Kamera lieb haben und sie überall mitnehmen.

Leute, die Köln lieben oder alternativ das Ruhrgebiet und diese Liebe ganz laut im kund tun.

Leute, die es nicht komisch finden, ihren Alltag, ihre Interessen, ihre Kreativität, ihre Erlebnisse und gelegentlich auch ihre Befindlichkeiten mit fremden Leuten zu teilen.

Solche Leute eben. Solche Leute kenne ich im richtigen Leben, keine Sorge. Aber ich kenne sie auch im Internet, ohne dass ich dabei ernsthaft behaupten könnte, sie zu kennen. Wir haben uns ja noch nie getroffen, wir haben noch nicht mal gesprochen. Wer weiß, vielleicht fände ich manche von ihnen auch doof, wenn ich ihnen persönlich begegnen würde, obwohl ich das nicht glaube.

Was ich im Internet gelernt habe ist, dass ich mit meinen Beklopptheiten nicht allein bin. Dass andere Leute in anderen Städten genauso wie ich innerlich quiekend vor ihrem Rechner sitzen, weil da Faultiere auf dem Bildschirm sind. Oder Seeotter. Oder Seeotter, die aussehen wie Benedict Cumberbatch. Dass da Leute sind, die ihre Kamera überall dabei haben, nicht nur im Urlaub. Die ihr Essen fotografieren und ihren Alltag und das nicht doof und überflüssig finden. Dass andere Leute noch viel mehr Kochbücher haben als ich und genauso gerne und ausdauernd darin blättern.

Manche von diesen Leuten wohnen weit, weit weg, andere nicht so weit, manche ganz nah. Manche haben Kinder und manche nicht. Manche machen was mit Medien, manche was ganz anderes. Manche sind so alt wie ich, oder jünger oder älter. Vollkommen egal. Ich möchte sie alle gerne mal kennenlernen, damit ich nicht immer nach Worten suchen muss, wenn ich davon rede, nicht zu so seltsamen Formulierungen wie “die kenn ich aus dem Internet” greifen muss, sondern statt dessen sagen kann: “Die kenn ich. Und die sind toll.”

Und übrigens: Wer sich hier angesprochen fühlt, ist vermutlich auch gemeint.

Trend. Meiner.

Trend.Meiner

Es ist schon eine Weile hier, dass die Artikel zum persönlichen Social-Media-Konsum im Netz geisterten, initiiert (meines Wissens jedenfalls) von Cem Basman und unter anderem weitergeführt von meinem Lieblingsnuf, wo ich’s auch entdeckt habe. Aktuell findet sich auf dem Blog von Christoph Koch die Reihe “Mein Medien-Menü”. Die Grundidee ist ähnlich, wenn nicht fast gleich: Es geht darum, wie man persönlich Medien und vor allem das Angebot im Netz nutzt, was einem wichtig ist und was eher nicht so.

Bei mir ändert sich das ja dauernd, deswegen ist das hier eher eine Momentaufnahme, deren Mittelfristigkeit ich in keinster Weise garantieren kann. Und von Langfristigkeit reden wir am besten gar nicht.

Meinen liebsten Internetwerkzeuge sind wohl doch meine Blogs, denn die gehören mir, ganz allein mir, und weil ich (bis auf den englischen, der bei Squarespace gehostet wird) für alle eine eigene Domain hab, kann ich da wirklich tun und lassen, was ich will. Es ist mir gar nicht einfach von der Hand gegangen, Anfang des Jahres diesen Blog hier neu anzufangen. Schreiben ist anstrengend. Schreiben mit Bildern nicht minder. Dann noch etwas schreiben, was andere hoffentlich interessieren könnte, das kostet Zeit und Mühe. Aber es macht Spaß und nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten ging es auch recht schnell aufwärts, es gab Kommentare, eine wunderbare Empfehlung von Frau Nessy und überhaupt. Letztens gab es auf dem Foodblog einen Kommentar, weil jemand eins meiner Rezepte nachgekocht hatte. Wie toll ist das denn! Ich mag das. Leider leidet der englische Blog ein wenig, da muss ich demnächst mal wieder aktiv werden.

Ich glaube, danach kommt gleich Twitter. Zugegebenermaßen habe ich Twitter lange Zeit nicht verstanden. Ich habe fröhlich vor mich hingezwitschert, wollte aber anderen und vor allem fremden Leuten nicht auf die Nerven gehen. Replies und so habe ich kaum geschrieben, denn wer weiß schon, ob die überhaupt was mit mir zu tun haben wollen. Dann war ich auf einer Konferenz und hab angefangen, die Konferenz per Twitter zu begleiten. BÄM! Lauter Leute, die mir auf einmal folgten, mir antworteten, mich retweeteten, zackzackzack. Da hab ich kapiert: Scheißegal. Und seitdem retweete ich zwanglos, sende replies und mentions. Wenn die Leute, denen ich da antworte, mich doof finden, sollen sie mich halt ignorieren oder blocken, denke ich, das macht aber gar keiner. Seitdem macht es viel mehr Spaß, allerdings macht es so auch deutlich süchtiger. So ein Tatort ohne Gezwitscher von @happyschnitzel ist doch Mist. Echt mal.

Facebook kann ich nicht so. Ich nutze es zwar, auch ausreichend, aber was meine eigenen Inhalte geht, wird eigentlich hauptsächlich alles von Twitter und anderen Diensten durchgeschleift. Wenn ich was neues im Blog geschrieben hab, preise ich das da auch gerne gesondert an, aber ich werde mit Facebook einfach nicht richtig warm. Ich integriere alles ganz fleißig, hab da auch keine Berührungs- oder gar Privatsphärenängste, aber ich nutze es eher, weil es da ist, und weil doch einige Leute, die ich kenne – gerade aus der Schulzeit – nur auf Facebook sind und sonst nirgendwo.

Und ach, wie habe ich Google+ geliebt, und ich liebe es immer noch, halte es für ein tolles Tool und nutze es trotzdem nur gelegentlich (wehe, jetzt sagt jemand “Siehste!”), denn es überfordert mich, und ich hab immer das Gefühl, dass sich entweder nichts tut oder gerade viel zu viel. Vielleicht muss ich das noch mal forcieren und erneut meine Kreise ein wenig sieben, damit ich mit dem Stream wirklich was anfangen kann. Begeistert hat mich von Anfang an, dass man bei Google+ das beste, meiste, schnellste Feedback bekommt, aber es scheint mich nicht ausreichend bei der Stange zu halten. Schade.

Andere Blogs lese ich über den Google Reader. Ich hatte zwischendurch auch andere RSS-Feed-Reader (z.B. Feedly) ausprobiert, aber irgendwie lande ich immer wieder da. Lesen tu ich fast ausschließlich am Laptop, so gut wie nie auf mobilen Geräten. Längeres, bzw. konzentrieteres Lesen auf kleinen Geräten liegt mir nicht.

Für Bücher gibt’s das Kindle. Mein Lieblingsgadget. Ich hatte so Sorge, dass ich das Kindle doof finden würde, dass mir das Umblättern fehlen würde, das Buchgefühl, das Fühlen, wie die linke Seite des Buches immer dicker und die rechte immer dünner wird. Pustekuchen. Ich hab noch nie so viel gelesen wie jedes Jahr. Ich lese schneller auf dem Kindle und ich lese mehr. Ich mag Bücher immer noch, aber ich mag vor allem Geschichten, da ist es mir egal, ob die auf Papier gedruckt sind oder auf meinem Kindle erscheinen. Ohne das Kindle möchte ich nicht mehr, erst recht nicht jetzt, wo es von Jasper Fforde signiert wurde.

Neu zu den Lieblingen hinzugekommen sind Instagram und Pinterest. Bei Pinterest bin ich ja, das muss mal gesagt werden, schon ganz lange und auch wenn ich viele Leute gehört habe, die nichts damit anfangen konnte (der Vergleich mit Tumblr fiel), so kann ich das schon. Pinterest ist für mich Inspirationsboard, eine schöne Ablenkung für zwischendurch, wenn ich mal fünf Minuten einfach schöne Dinge angucken will. Aber auch bei konkreten Sachen ist es hilfreich. Für die Hochzeitstortenchallenge war das einer meiner ersten Anlaufpunkte. “Wedding cake” als Suchbegriff eingegeben und gleich mal einen Schreck gekriegt. Pinterest ist aber auch ein Dienst, den ich eher konkret aufrufe und nicht nebenher laufen lasse, es kann also auch mal sein, dass ich ein paar Tage gar nicht gucke, und dann auf einmal einen Pinterest-Flash kriege und ganz viele Sachen auf einem an- und repinne. Instagram wollte ich ja schon die ganze Zeit haben, aber das ging ja nicht wegen Android. Für mich ist Instagram ganz einfach hübsch. Die Leute, denen ich folge, hab ich recht bewusst ausgewählt, weil ich nicht stündlich hunderte neue Bilder durchscrollen muss, sondern nur die von Leuten kriege, die ich entweder kenne (persönlich oder aus dem Internet) oder solche, die einfach gute Bilder machen. Da ich hier noch sehr am rumprobieren bin, ändert sich bestimmt noch was.

Foursquare hätten wir noch, das benutze ich ja doch hauptsächlich aus Langeweile und Eitelkeit, ich kenn einfach zu wenig Leute, die auch noch in meiner Nähe wohnen, die das auch nutzen. Ich hab aber (dank dem Nuf) letztens kapiert, dass man ja auch die To-Do-Listen-Funktion von Foursquare prima nutzen kann. Ich hab ewig lang nach einem Service gesucht, bei dem ich Orte markieren kann, die ich mal aufsuchen möchte (vor allem Restaurants und andere kulinarische Entdeckungen), das geht bei Foursquare natürlich prima und das mach ich jetzt auch. Ich weiß noch nicht, was passiert, wenn ich dann irgendwann mal in der Nähe bin, aber das sehen wir ja dann.

Bei Tumblr guck ich gelegentlich mal rein, wenn’s mich überkommt, poste ich auch was, aber die Sachen, die ich früher auf meinen Tumblr-Blog gepackt habe, landen jetzt eher bei Twitter, Google+, Facebook und Pinterest. Dabei ist es eigentlich ein wunderbares Tool, es passt nur irgendwie nicht mehr zu meinem Nutzungsverhalten.

Ansonsten hätten wir noch Goodreads für die Bücher und den Lieblingsbuchclub, Last.fm für die Musik und zum gelegentlichen “Radio” hören, MyEpisodes, damit ich auch weiß, welche Folge welcher Serie ich zuletzt gesehen habe, Quote.fm, das ich erst kürzlich entdeckt, in das ich mich aber sofort ein bisschen verliebt habe, Formspring, wo ich aber viel zu wenig gefragt werde, als dass ich’s besonders aufmerksam verfolgen würde,  Foodspotting, das zwar total toll ist, das ich aber genauso oft vergesse, und natürlich meine About.me-Seite, wo fast alles hier noch mal hübsch verlinkt ist (auch Sachen, die ich hier völlig vergessen habe).

Kurz gesagt, es ist zuviel, aber es ist auch alles so toll. Das Internet ist anstrengend und wahrscheinlich würde dieser Artikel in drei Monaten ganz anders aussehen. Wisster Bescheid getz, ja?