Kategorie: Weihnachten

Weihnachten 2015

Weihnachten dieses Jahr sollte eigentlich mehr oder weniger so werden wie sonst auch. Heiligabend zu zweit rumgammeln, leckeres Essen kochen, Geschenke auspacken, sich freuen und dann auf dem Sofa fernsehen gucken und irgendwann ins Bett fallen.

Letztes Jahr zum Beispiel fiel die Geschichte mit den Geschenke etwas schwierig aus, weil ich mich hartnäckig weigerte, das Geschenk meines Mannes, eine knapp 2,50 m hohe Staffelei zu finden. Darüber schrieb ich aber ja bereits vor einem Jahr.

Dieses Jahr habe ich statt dessen ein paar Schwierigkeitshürden ins Kochen eingebaut, so dass ich diesen Text auch gerade mit neun Fingern tippe oder vielmehr einem Finger weniger als sonst üblich. Aber keine Sorge, der Finger ist noch da, er ist nur verbunden und kann gerade nicht tippen.

Es fing eigentlich ganz harmlos an. Die Vorspeise (Maronensuppe mit Parmaschinken-Wan-Tans) wurde unfallfrei hergestellt und die Nachspeise (Panna Cotta) stockte auf dem Balkon so rum. Allerdings gab es dann beim Rühren des Kartoffelgratins einen kleinen Unfall. Der genau Hergang ließ sich nicht rekonstruieren, aber irgendwie muss es wohl einen ungünstigen Hebeleffekt gegeben haben und auf einmal hatte ich die linke Hand und den halben Herd voll mit gerade noch kochender Sahne. Daraufhin ließ ich erst mal einige Minuten lang die Hand unter kaltes Wasser, knetete ein paar Eiswürfel und kam dann auf die blendende Idee, man könnte ja auch einfach so ein Kühltaschenkühldings in der Hand halten. Das funktionierte dann auch ganz gut.

Dann sollte noch Estragon-Cognac-Sahne hergestellt werden, ein Rezept, das aus ungefähr sechs Schritten besteht. Viel Zeug mit Butter pürieren, kalt stellen, Sahne schlagen, einen Großteil der Sahne Aufkochen, Butter unterrühren und Rest Sahne unterheben. Leider kam es beim ersten Schritt zu einem kleinen Unfall, dessen Hergang etwas klarer ist, den ich mir aber trotzdem nicht so ganz erklären kann. Ich sag mal so: Man kann Panik am Weihnachtsabend sehr gut vermeidet, indem man die Finger schön von dem Einschaltknopf des Zauberstabes lässt, während man gerade mit der anderen Hand, Butter aus dem Schneideteil des Gerätes pult. Am besten steckt man das Gerät einfach aus, bevor man irgendwelche Körperteile in die Nähe der Messer lässt. Sicher ist sicher.

So ein Unfall läuft ja so ab. Es passiert irgendwas und der Körper merkt sehr schnell, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dann macht man erstmal das Naheliegendste und hält den nun schon deutlich schmerzenden Körperteil unter Wasser oder was auch immer einem das Panikhirn gerade ohne Nachzudenken empfiehlt. Dann, erst dann, hat man Zeit zu überlegen, was gerade passiert ist und wenn man alle Puzzleteile zusammen hat, bricht die richtige Panik aus, dann weiß man nämlich, dass man gerade seinen Finger in einem laufenden Stabmixer hatte und beginnt, seinem Mann zusammenhanglose Befehle zu erteilen.

Der Mann bekommt dann übrigens auch Panik, so dass man sich wieder zusammenreißen muss. Nach einigem Nachdenken und Betrachten der Schnittwunde, überlegt man, dass man jetzt lieber keine Experimente mit dem eigenen Körper anstellt, sondern einfach mal das Angebot der örtlichen Krankenhäuser in Anspruch nimmt, wickelt den Finger ordentlich in Klopapier und fährt zum Universitätsklinikum in die chirurgische Notaufnahme.

Tatsächlich ging dann alles sehr schnell und problemlos. Die nette Ärztin desinfizierte die Wunde, klebte ein paar Strips drüber und legte einen hübschen Verband an. Letzteren vor allem, damit man dran erinnert wird, dass man da was hat. Dann bekam ich noch eine Tetanusimpfung und wir durften wieder nach Hause.

Ausflug zur chirurgischen Notaufnahme. Ist aber noch alles dran. Pro-Tipp: Nicht den Zauberstab anmachen, wenn Finger drin. #twitter

Ein von Anne Schuessler (@anneschuessler) gepostetes Foto am

Der Rest des Abends verlief dann einigermaßen wie geplant.Vor der Inbetriebnahme des geschenkten Crêpeeisens, das in etwas so viel wiegt wie ein kleiner Elefant, ging ich zwar im Kopf noch mal alle potentiellen Unfalloptionen durch (Gerät fällt runter, Fuß gebrochen; Anne fasst aus Versehen auf die Platte, Hand verbrannt; Kabel schmort durch, Wohnungsbrand), wir beschlossen dann aber, das Risiko einzugehen und dann gab es als zweiten Nachtisch noch unfallfrei hergestellte Crêpes. Bevor das so lässig und ordentlich läuft wie bei den Crêperien, müssen wir aber wohl noch was üben.

Ich will nicht sagen, dass ich nicht auf das ein oder andere hätte verzichten können, aber immerhin haben wir jetzt auch für Weihnachten 2015 eine spannende Geschichte zu erzählen.

Mehr Geschenke an Weihnachten!

Jedes Jahr vor Weihnachten das gleiche Spiel. Menschen erzählen davon, wie sie sich glücklicherweise schon seit Jahren in der Familie verständigt haben, dass man sich nichts schenke. Andere Menschen weisen darauf hin, dass man doch dieses Jahr sein Weihnachtsbudget lieber spenden solle. Egal wie, egal wo, allgemein scheint es zum guten Ton zu gehören, sich als erwachsener Mensch zum weihnachtlichen Geschenkewahnsinn zu erziehen.

Wir haben doch alles! Und außerdem ist das doch nur Konsum! Pfui! In die Stadt will man auch nicht, da ist es so voll, da sind all die Menschen, die nicht so vernünftig waren, sich zum Nichtschenken zu verabreden! Und online ist böse, da geht der Einzelhandel kaputt! Genau genommen kann man Weihnachten gar nichts schenken, es sei denn, man hat an einem ruhigen Tag im Juni bereits alles erledigt. Beschenkt werden kann man erst recht nicht, es sei denn man ist höchstens, aber allerhöchstens 15 Jahre alt. Wer älter ist, hat Vernunft angenommen, wünscht sich nichts, will nichts, erst recht nicht als Geschenk, erst recht nicht zu Weihnachten!

Ich aber werde gerne beschenkt. Ich esse allerdings zum Frühstück auch ungetoastetes Weißbrot mit Nusspli, trinke dazu einen Becher kalte Milch und bin nachweislich eigentlich nur eine Achtjährige mit Führerschein und festem Job. Ich möchte einen Haufen Geschenke unterm Weihnachtsbaum haben, am besten alle in buntes Papier eingepackt mit Schleifchen und Glitzer. Ich möchte auch nicht wissen, was drin ist, ich bin ein Mensch, der Überraschungen liebt. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, vor Weihnachten das Geschenkeversteck meiner Eltern zu finden und schon mal zu gucken, wo ist denn da der Sinn, wenn man schon weiß, was man bekommt? An Ostern habe ich meine Oma gerne mehrfach genötigt, alle Ostersüßigkeiten noch mal zu verstecken. Das Interesse an den Süßigkeiten war eher so mäßig, das Suchen im Garten hingegen konnte mich stundenlang beschäftigen.

Allerdings verschenke ich auch gerne. Ich verschenke sogar noch lieber als ich beschenkt werde. Geburtstage und Weihnachten bietet sich da natürlich an, aber man kann natürlich das ganze Jahr durch Menschen beschenken, mit oder ohne Anlass. Man kann ihnen etwas mitbringen oder ein Überraschungspäckchen schicken, und dann tagelang rumhibbeln, weil man natürlich nicht allzu offensichtlich nachfragen kann, ob es angekommen ist, man will ja die Überraschung nicht kaputt machen.

Das beste aber ist: Man muss ja gar nicht immer viel Geld ausgeben, um andere zu beschenken. Ein Buch tut es auch, oder eine Flasche Wein, ein niedliches Stofftier gibt es bei IKEA für wenige Euro, selbstgebackene Plätzchen, selbstgemachtes Pesto, eine kleine Flasche aufgesetzten Likör. Generell geht: Wer seine Freunde und Angehörige nicht mit nutzlosem Tand belästigen will, schenkt Verbrauchbares. Ich habe aber auch schon Zeitschriften und hübsche Geschirrtücher verschenkt, habe beim Bastelladen Glanzbilder aufgetrieben und in Weihnachtskarten gesteckt und die Leute haben sich gefreut oder zumindest sehr überzeugend so getan als würden sie sich freuen. Wer Weihnachten zum Konsumfest verkommen lässt, ist selber schuld. Wer sich ein bisschen Mühe gibt, kann fast alles haben: Weihnachten, Geschenke, Konsumeingrenzung und gar nicht mal so viel Stress.

Die Geschenkeverweigerung an Weihnachten ist vielleicht oft nur ein Versuch, unserer Überforderung im vorweihnachtlichen Stress Herr zu werden und es klingt natürlich so schön vernünftig, abgeklärt und erwachsen. Wer aber gar nicht immer vernünftig, abgeklärt und erwachsen sein will, der braucht andere Mechanismen, um auch ohne Geschenkeverbot nicht durchzudrehen. Es muss ja nichts Großes sein.

Letztes Jahr konnte ich alle Geschenke für Eltern, Tanten und Cousins in exakt zwei Läden abhandeln. Einem mit nutzlosem Tand (ein Windlicht mit Insekt für Papa, ein Tyrannenquartett für den Cousin und Schlagzeugschlägerbleistifte für einen anderen Cousin) und einem mit Gewürzen, Schokolade und anderem kulinarischen Schnickschnack. Läden mit kulinarischem Schnickschnack kann ich nur empfehlen, man hat da im Nu ein kleines Paket zusammen, dass hoffentlich innerhalb eines Jahres aufgebraucht ist. Ich war geschätzt eine Dreiviertelstunde im Stress, weil beide Läden leider voll mit Leuten waren, die offensichtlich eine ähnliche Idee hatten wie ich, dann war gut.

Vielleicht hilft es ja auch, das Weihnachtsgeschenke nicht mehr als Pflicht zu sehen, sondern als Kür, nicht als notwendiges Übel, sondern als Herausforderung. Man lernt auch kein Klavierspielen ohne regelmäßig zu üben, aber mit der richtigen Einstellung kann auch das Üben Spaß machen. Fragen Sie da mal meinen Klavierlehrer, der hält Ihnen einen halbstündigen Vortrag darüber. Sehen wir es doch so: Man muss zu Weihnachten gar nichts schenken, nein nein, man darf und man kann und man sollte die Gelegenheit nutzen, zu schenken. Auch „Bei Tante Lisa weiß ich nie, was ich ihr schenken soll“, ist ja nur eine Ausrede. Statt dessen ruft man lieber „Challenge accepted!“ und findet raus, worüber sich Tante Lisa so richtig freuen würde. Im Zweifel kann man immer noch in einen Laden mit kulinarischem Schnickschnack gehen.

Irgendwann in den Siebziger Jahren hatten meine Mutter und ihre Geschwister die Idee, dass an jenem Weihnachten jeder jedem etwas schenken sollte. Dazu muss man vielleicht erklärend hinzufügen, dass meine Mutter acht Geschwister hatte. Neun mal acht, da ist man schon mal bei 72 Geschenken ohne dass Eltern und die Großmutter berücksichtigt sind. Natürlich waren die einzelnen Geschenke klein, aber der Geschenkeberg muss beachtlich gewesen sein, so beachtlich, dass auch die Kinder der nächsten Generation, ich und alle meine Cousinen und Cousins die Geschichte kennen. Ein Weihnachten, das in die Legendensammlung der Familie eingegangen ist als das Weihnachten mit den vielen Geschenken. Und ob man es jetzt wirklich mit oder ohne Geschenke feiern will oder vielleicht auch gar nicht, es ist vielleicht nicht das schlechteste Weihnachten, von dem man sich auch nach dreißig Jahren noch erzählt.

Deswegen bleibt vielleicht nur: Schenkt und lasst euch beschenken! Zu jedem Anlass und zu keinem. Oder lasst es bleiben, schenkt nichts, spendet und helft an anderer Stelle, macht das, was euch glücklich macht. Nur die Klage, Weihnachten würde zum Konsumfest verkommen, entlockt mir schon seit längerem nur ein müdes Gähnen. Die Klage ist alt und abgestanden, sie mag nicht immer von der Hand zu weisen sein. Aber ich möchte ein Weihnachten mit Geschenken, kleine, große, selbstgemachte, gekaufte, gut überlegte und spontane. Geschenke machen Freude, dem Schenker und dem Beschenkten und wir sollten diese Freude nicht jedes Jahr wieder verachten, weil es die einfachste Lösung ist.

Wie ich zweieinhalb Mal an meinem Weihnachtsgeschenk vorbei lief und den Mann zur Verzweiflung brachte

Der werte Herr Gemahl behauptete zwar auch diese Weihnachten steif und fest, dass wir abgemacht hätten, uns nichts zu schenken, ich halte das aber für Einbildung. Ich sage ja immer: „Ich schenke nur was, wenn ich was finde.“ Das bewahrt vor Verlegenheitsgeschenken, schließt aber Schenken und Beschenktwerden nicht kategorisch aus.

Nun äußerte ich meinen Geschenkwunsch mindestens zwei Mal relativ konkret, davon einmal, nachdem im Wohnzimmer der Schwiegervater dem Herrn Gemahl Geschenkvorschläge so intensiv einflüsterte, dass ich in der Küche alles hören konnte und dementsprechend noch mal daran erinnerte, dass ich mir, wenn überhaupt irgendwas, dann eine Staffelei wünschte. Ich kann zwar gar nicht malen, aber das weiß ja niemand. Außerdem kann ich ja vielleicht doch malen, konnte das aber mangels Ausrüstung bislang nicht feststellen.

(Tatsächlich habe ich mal eine Zeitlang Bilder in Postkartengröße gemalt und davon sahen ein paar ungefähr so aus.)

Nun bin ich aber ein extrem genügsamer Mensch und bin auch nicht traurig, wenn ich nichts geschenkt bekomme, weil ich mir ja auch fast alles selber kaufen kann, wenn ich unbedingt möchte. Und so erwartete ich Weihnachten in so einer Art Schrödingerscher Lauerstellung, gleichzeitig mit einem und mit keinem Geschenk rechnend.

Wir aßen die Vorspeise. Kein Geschenk. Dann den Hauptgang. Immer noch kein Geschenk. Zwischendurch packte ich das Geschenk für den werten Herrn Gemahl ein und legte es unter den Baum. Der werte Herr Gemahl hat nämlich den wirklich äußerst unangenehmen Charakterzug, 90 Prozent der Geschenke vor dem Auspacken zu erraten und ich wollte ihm keine unnötige Vorlaufzeit geben. Für mich: Immer noch kein Geschenk.

Kauf ich mir die Staffelei also selber, dachte ich. Der Hauptgang war gegessen, für den Nachtisch musste erst noch der Teig angerührt werden, danach aufs Sofa legen und Fernsehen gucken.

„Mach aber erst mal die Festbeleuchtung in deinem Zimmer aus“, sagte der werte Herr Gemahl. Die Festbeleuchtung in meinem Zimmer bestand aus einer kleinen Stehlampe, bei der zwei von vier Birnen durch mattes Glas schimmerten, aber gut. Die Meinungen, was in welchem Zimmer zu welchem Anlass akzeptable Beleuchtung ist, gehen in diesem Haushalt sowieso auseinander.

Ich ging also ins Zimmer, knipste die Lampe aus und kümmerte mich weiter um den Nachtisch.

„Dann mach doch schon mal den Fernseher an“, sagte der werte Herr Gemahl. Ich ging also ins Wohnzimmer, setzte mich aufs Sofa, machte den Fernseher an, sah Richtung Küche und… Moment!

Dieses große braune Holzding steht doch sonst nicht hier rum!

Staffelei

Ich hatte den Mann beinahe zur Verzweiflung getrieben, in dem ich konsequent an meinem Geschenk vorbei lief ohne es zu beachten. Mühsam hatte er es heimlich in mein Zimmer gestellt und mich dann zum Licht ausschalten dahin geschickt und war leicht irritiert, als ich ohne irgendeine Reaktion wiederkam. Dann also wieder heimlich von meinem Zimmer ins Wohnzimmer geschleppt, mich zum Fernsehen geschickt und beobachtet, wie ich sehr straight an der Staffelei vorbei lief, mich aufs Sofa setzte, den Fernseher anschaltete und erst dann, endlich, endlich, irgendwie merkte, dass im Raum noch etwas stand, dass da vorher noch nicht gestanden hatte.

Ich kann mir das nur mit dem Effekt erklären, den man auch bei Filmen so schön beobachten kann. Man sieht nur das, was man erwartet oder vielmehr das, von dem das Gehirn meint, es wäre irgendwie wichtig. Bei einer Folge „Malcolm in the Middle“ zum Beispiel gibt es eine Szene, in der man einen Kameramann sieht. Mehrere Sekunden lang. Mitten im Bild. Weil man aber nicht damit rechnet und sich auf die Handlung konzentriert, sieht man ihn nicht, es sei denn, man weiß, dass er da ist, dann sieht man ihn immer. Man nennt das (um hier wieder dem Anspruch des Bildungsblogs gerecht zu werden) auch Unaufmerksamkeitsblindheit oder inattention blindness  und es gibt lustige Videos, mit denen man das Phänomen quasi im Selbstversuch beobachten kann (zum Beispiel hier und hier).

Tatsächlich hätte ich die Staffelei schon beinahe zwei Tage früher gefunden. Sie war nämlich in der anderen Wohnung im Bad versteckt. Ein an sich recht sicheres Versteck, wenn nicht die Katze der Nachbarin zufällig spontan in die Wohnung gerannt und ich hinterher gelaufen wäre, worauf der werte Herr Gemahl mir hinterherlief, um bloß zu vermeiden, dass ich auf Katzensuche mal ganz unbedarft ins Bad gucken würde. Die Katze war dann aber nicht im Bad und so brauchte es noch zwei Tage und zwei Versuche, bis ich endlich mein Weihnachtsgeschenk entdeckte.

Frohe Weihnachten

Da simma wieder! Ich wünsche euch ein tolles Weihnachten, genau so, wie ihr es gerne hättet. Besinnlich, chaotisch, mit vielen oder gar keinen Geschenken, mit oder ohne Baum, mit Aschenbrödel oder Bruce Willis! Feiert schön oder eben nicht und habt wunderbare Tage!

Kugel

Auf uns! Auf euch! Auf alles!

Stößchen!

Diese Woche im Fernsehen (21.12.2014 – 26.12.2014)

Sonntag, 21.12.2014

Die Marx Brothers – Animal Crackers (22:30 bis 0:05 auf arte)
Von den Marx Brothers habe ich ja immer eher etwas mitbekommen, weil sie in amerikanischen Filmen referenziert werden. Selbst gesehen habe ich noch nichts, aber das kann man zum Beispiel heute ändern.

Kurzschluss (0:05 bis 4:00 auf arte)
Heute Nacht zeigt arte 17 Kurzfilme von 1926 bis 2013. Was genau dabei ist, kann man hier nachgucken.

Montag, 22.12.2014

Tatort: Die fette Hoppe (20:15 bis 21:45 im Ersten)
Der Weihnachtstatort aus Weimar aus dem vorletzten Jahr, bei dem wir uns sehr amüsiert haben. Da es dieses Jahr keinen Weimarer Tatort gibt, muss man sich eben dann hiermit zufrieden geben.

Burgarach – Chronik eines Weltuntergangs (23:00 bis 0:40 im WDR)
Als vor zwei Jahren ja beinahe die Welt unterging, lag ich wahrscheinlich auf dem Sofa. Andere Leute begaben sich nach Burgarach, ein Dorf in Frankreich, wo man die Apokalypse aus mir unbekannten Gründen überleben können sollte. Da konnten sich die Dorfbewohner über eine Menge skurriler Menschen freuen.

Dienstag, 23.12.2014

Ben Hur (20:15 bis 23:40 auf arte)
Wer heute Abend wirklich viel Zeit hat, kann das Historenepos aus dem Jahr 1959 gucken. Es gibt tolle Pferderennen und Charlton Heston und sehr viel Drama und überhaupt.

Free Jimmy (22:05 bis 23:50 auf Tele 5)
In Norwegen befreit man keine Wale, sondern digitale Elefanten, jedenfalls in diesem Film, wo ein Zirkuselefant auf Drogen, der zwar von Tierschützern befreit, aber dann eben von der Mafia und Kiffern verfolgt wird. Klingt absurd? Das ist vermutlich Absicht.

Mittwoch, 24.12.2014

Es folgt eine Auswahl von Filmen, die ich ohne viel Erklärung empfehlen kann. Ja, ich weiß, Heiligabend, muss man denn da Fernsehen, aber ich meine, erstens muss man gar nichts und zweitens hat es auch was, wenn man sich vormittags auf dem Sofa einmummelt und einen Klassiker nach dem anderen guckt. Oder nur einen. Oder zwei.

Pippi geht von Bord (12:10 bis 13:30 im ZDF)

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (12:15 bis 13:35 im Ersten)

Der kleine Nick (12:35 bis 14:00 auf Eins Festival)

Michel in der Suppenschüssel (13:30 bis 15:00 im ZDF)

Weihnachten bei den Hoppenstedts (15:45 bis 16:10 im Ersten)
Der Einhand-Saugbläser! Das Atomkraftwerk! Und dann macht es bumm und die Kühe fallen um! Hurra!

Lederstrumpf (1) (15:45 bis 17:15 auf 3sat)

Die unendliche Geschichte (17:05 bis 18:40 auf Eins Festival)

Mary Poppins (17:15 bis 19:55 auf SAT 1)

Eselshaut (20:15 bis 21:45 auf arte)
Märchen für Erwachsene mit Catherine Deneuve als Prinzessin, die sich verkleidet und ein bisschen Feenhilfe in Anspruch nimmt, um nicht vom Vater zwangsverheiratet zu werden.

Die Geister, die ich rief… (20:15 bis 22:15 auf Kabel Eins)
Die etwas chaotischere Variante der Dickens’schen Weihnachtsgeschichte mit Bill Murray. Sehr New York, sehr Achtziger und deswegen auch irgendwie sehr nostalgisch schön.

Billy Joel „Live at the Shea Studium“ (20:15 bis 22:10 auf Tele 5)
Konzert des Musikers aus dem Jahr 2008 im Baseballstadion der New York Mets. Billy Joel geht ja meiner Meinung nach immer. Leider mag er nicht mehr auf Tour gehen.

Weihnachten bei den Hoppenstedts (21:45 bis 22:10 im NDR)
Siehe oben. Kam heute schon mal.

Das kalte Herz (22:40 bis 0:20 im RBB)
DEFA-Klassiker zu nachtschlafender oder zumindest recht später Zeit. Ein armer Köhler verkauft sein Herz. Völlig unerwartet entpuppt sich das als gar nicht mal so gute Idee.

Ist das Leben nicht schön? (0:50 bis 2:55 im ZDF)
Der verschuldete George will an Weihnachten von der Brücke springen, ein Engel hält ihn davon ab und zeigt ihm, wie das Leben ohne ihn wäre. Weihnachtsklassiker, ins Nachtprogramm verbannt. Schade.

Donnerstag, 25.12.2014

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (8:35 bis 10:00 auf Bayern)

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (10:35 bis 12:00 im SWR)

Heidi (12:55 bis 14:30 auf Bayern)

Der Schatz im Silbersee (13:50 bis 15:35 im NDR)

Lederstrumpf (2) (15:45 bis 17:05 auf 3sat)

The King’s Speech – Die Rede des Königs (20:10 bis 21:55 auf 3sat)
Colin Firth als britischer Thronfolger Albert, der leider stottert und deswegen zum Sprachtherapeuten muss. Da stimmt ungefähr alles, von der Story bis zur wunderbaren Besetzung.

Lorots Ödipussi (20:15 bis 21:40 auf Hessen)
Wer schon immer stirnrunzeln da stand und nicht wusste, warum Menschen immer so seltsame Sachen wie „Quallenknödel“, „Hundnase“ oder „Schwanzhund“ sagen und das irgendwie witzig finden: Dieser Film wird dieses Rätsel lösen. Auch sonst kann man ja alles von und mit Loriot durchaus öfter gucken.

Citizen Kane (23:40 bis 1:35 auf Servus TV)
What the hell is Rosebud? Dieser Klassiker wird irgendwann auch diese Frage beantworten, allerdings erst, nachdem man das Leben des Medienmoguls Kane einmal von vorne bis hinten verfolgt hat.

Freitag, 26.12.2014

Pippi in Taka-Tuka-Land (8:00 bis 9:25 im ZDF)

Der Fuchs und das Mädchen (10:30 bis 12:00 im Ersten)

Winnetou (3) (13:00 bis 14:30 im MDR)

Michel muss mehr Männchen machen (13:35 bis 15:05 im ZDF)

Lederstrumpf (3) (15:25 bis 16:55 auf 3sat)

Loriots Pappa ante portas (15:30 bis 16:55 im RBB)

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (16:25 bis 17:50 im MDR)

Thementag Zirkus (9:25 bis 3:10 auf arte)
Einen Tag lang Zirkuskram auf arte. Circus Roncalli, Cirque Soleil, Sarrasani. Aufführungen und Dokus.

Tatsächlich… Liebe (20:15 bis 22:45 auf VOX)
Muss ich mich jetzt hoffentlich auch nicht großartig drüber auslassen, oder? Der moderne Weihnachtsklassiker aus Großbritannien, mit tollen Schauspielern, schönen Geschichten und quasi Wohlfühlgarantie.

Das fünfte Element (23:15 bis 1:15 auf Eins Festival)
Wer jetzt genug hat von dieser Besinnlichkeit, der kann auf Eins Festival Luc Bessons „Das fünfte Element“ gucken. Mit Bruce Willis und Milla Jovovich und ganz viel Spektakel und Kostümen von Gaultier.

Bei Oma

Wir sitzen bei Oma und essen Rinderrouladen aus der Dose. Die Caritas hat den Seniorenheimbewohnern lustige Carepakete zu Weihnachten gepackt, worauf meine Mutter kurz wieder in einen Rant verfällt, wie bescheuert das sei, es ist ja nicht so, als ob die Leute im Seniorenheim notleidend wäre und dann wären fast nur Sachen drin, die man zubereiten muss, Puddingpulver und Kartoffelpüreepulver und eben Dosenessen. Oma verschenkt alles und behält nur die Fertiggerichte, die man nur noch in die Mikrowelle packen soll.

Aber dafür essen wir jetzt Rinderrouladen aus der Dose mit Erbsen und Möhren aus der Dose und es ist kein gastronomisches Highlight aber ausreichend okay.

Wie’s denn beim Adventskonzert war, will Mama wissen. „Blöd“, sagt Oma. „Die haben nur so ganz klassische Weihnachtslieder gespielt.“ Letztens war’s schön, sagt sie, da haben noch Jugendliche Klavier gespielt und es wurden Gedichte vorgelesen und das war schön.

Gedichte können wir selber aufsagen, zum Beispiel „Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen„. Wir können es aber nur in dem kölschen Singsang, in dem mein Onkel es 1964 bei der Produktion der ultimativen Weihnachtskassette als Zehnjähriger aufsagte. Die ultimative Weihnachtskassette haben meine Großeltern aufgenommen, ein Potpourri aus Gedichten, Liedern (mit und ohne Gesang) und einem Krippenspiel, bei dem auch die Nachbarskinder mitwirkten. Mama war da drei, fast vier und durfte als ersten Beitrag „Advent, Advent“ aufsagen. Wir überlegen uns Vermarktungsstrategien für die Weihnachtskassette, die mein Onkel vor Jahren auf CD brannte und an alle Geschwister verteilte. Da muss doch was gehen. „Kölner Großfamilie Weihnachten 1964 – unplugged und ungekürzt“.

Dann überlegen wir, wie das wohl wird, wenn die Nachkriegsgenerationen ins Seniorenheim kommen. Die, die wirklich gar nicht mehr zum Adventskonzert wollen, noch nicht mal, wenn ihnen sehr langweilig ist. Oder nachher, die Generation wie mein Vater. Der nicht zum Adventskonzert ginge und auch nicht zum Gottesdienst, dafür aber auf seinem Zimmer laut Neil Young hören will. Da müssen sich die Organisationsleute sämtlicher Seniorenheime ganz schön umstellen in ihrer Programmgestaltung. Ganz, ganz später, aber das fällt mir erst jetzt ein, wird das Hauptkriterium bei der Seniorenheimwahl sein, ob es da WLAN gibt. In ein Seniorenheim ohne WLAN geh ich nicht.

Wir essen Kekse und Omas Weihnachtszeug. Dominosteine mag ich nicht, dem Gelee stehe ich neutral gegenüber, aber ich habe eine Schwäche für dieses komische Fondantzeug. Jedesmal, wenn es sowas gibt, muss ich das essen und bin zwischen Abscheu und Genuss hin- und hergerissen. Viel zu süß und so pampig und irgendwie schmeckt es nach Rum, warum ess ich das eigentlich, hmmmm, lecker, ich nehm noch eins.

Wenigstens kann Oma meine Vanillekipferl essen, die sind mürbe genug, zerbröseln ja schon so ein bisschen, wenn man sie zu streng anguckt. „Und?“ fragen wir. „Lecker“, sagt Oma.

Na, dann ist ja gut.

Falalalala la la la la!

Ich flitze heute ein bisschen durch die Wohnung und intoniere „Deck the halls“, gerne auch etwas lauter. Man muss sich ja auch nur vorstellen, dass es 12 Grad kälter wäre, dann wäre das da draußen kein Dauerregen, sondern wunderbar weihnachtlicher Schnee.

Alle Plätzchen gebacken, alle Geschenke verpackt, alle Karten und Päckchen verschickt (die Leute, die Karten von mir bekommen, sollten sie ggf. vorsichtig und nicht im Wind öffnen, das trifft aber auch nicht für alle zu, es ist wie immer kompliziert). Ich war sogar einmal auf dem Weihnachtsmarkt, weil die Kollegen mich dazu nötigten und musste feststellen, dass es sogar ganz nett ist, wenn man sich hauptsächlich von Fressbude zu Fressbude bewegt.

Gestern im FrischeParadies eine unvernünftige Summe Geld ausgegeben und mit zwei Frauen über die Unterschiede des Foie-Gras-Angebots diskutiert (man wollte mir nicht glauben, dass „oie“ Gans und „canard“ Ente heißt), dafür haben wir jetzt Maisentenbrust und Ochsen-Entrecôte im Kühlschrank und echten Champagner (also natürlich den günstigsten, den es gab, was anderes kann man ja nicht bezahlen) vorm Weinregal. Danach das Weihnachts-Carepaket bei Sandra abgegeben und da noch mit selbstgemachtem Chili und Astra versorgt worden. So kann Weihnachten gerne losgehen.

Jetzt noch überlegen, was es eigentlich heute als Vorspeise und als Dessert geben soll und dann in den potentiellen Schneeschauer raus und sich in die Supermarkthölle schmeißen. Geplant ist sonst nichts, das haben wir wieder geschickt angestellt. Wir könnten also rein theoretisch drei Tage lang auf dem Sofa liegen und Kekse essen und dabei kitschige Weihnachtsfilme gucken und ungefähr so hab ich mir das auch vorgestellt.

Und weil ich es dieses Jahr noch nicht mal geschafft habe, ein Weihnachtsliedvideo aufzunehmen, gibt’s halt was anderes. Die diesjährigen musikalischen Weihnachtswünsche werden von diversen Haustieren präsentiert. Ich wünsche nicht nur viel Spaß, sondern auch wunderbare Weihnachten!

Webgedöns wegen Tödlichem Männerschnupfen

Ich würde total gerne was über den Besuch bei der Bäckerei Förster schreiben, bei der wir mit Stollen, Keksen und Schokolade abgefüllt wurden und nach Hause hätten rollen können, wenn es nach Hause nicht (zumindest teilweise) bergauf gegangen wäre.

Stollentesten

Stollentesten (Serviervorschlag)

Ebenso gerne würde ich etwas über Antwerpen schreiben. Also über Antwerpen und den Antwerpener Bahnhof und natürlich über den „Der Rosenkavalier“, der in der Antwerpener Oper von Christoph Waltz inszeniert wurde und wirklich sehr gut war. (Das ist schon mal die Kurzfassung für Leute, die sich fragen, ob sich das lohnt: Ja, tut es.)

Frituur

Antwerpen (Serviervorschlag)

Statt dessen liege ich im Bett und schniefe und huste, weil mich gestern Abend wieder mal der Tödliche Männerschnupfen heimsuchte und sich jetzt mittlerweile im Kopf schön breit gemacht hat.

Oper

Hochkultur (Serviervorschlag)

Was Sie aber machen können: Schon mal bei Sandra und Doreen lesen, wie’s beim Stollentesten war, oder bei diversen Zeitungen nachlesen, wie die Journalisten Waltz‘ Inszenierung fanden. (Spoiler: Von gelungen bis gescheitert ist alles dabei, googeln Sie halt nach „Rosenkavalier Waltz“, und Sie können sich was aussuchen.) Ich fand die Kritik auf Nachtkritik.de am zutreffendsten, habe jetzt aber auch nicht alles gelesen.

Oper II

Der Rosenkavalier (Serviervorschlag)

Und wenn Ihnen dann immer noch langweilig sind, können Sie ja meinen Artikel über das schlechteste Buch des Jahres lesen, den ich letzte Woche noch schrieb, also damals, vor dem tödlichen Männerschnupfen. Im CULTurMAG steht jetzt jedenfalls, warum ich Joël Dickers Bestseller „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ [Werbelink, wenn Sie sich dieses Buch trotz aller Warnungen kaufen, möchte ich wenigstens etwas davon abbekommen] so unfassbar furchtbar fand. Ich habe es trotzdem komplett gelesen bzw. gehört, es war ja ein Hörbuch, was das Raussuchen der schönsten Zitate erheblich erschwert, aber ich schweife ab. Lesen Sie dieses Buch nicht. Oder warten Sie, bis es als Taschenbuch rauskommt und geben Sie wenigstens nicht so viel Geld dafür aus. Wofür es taugt: Die Leute in irgendwelchen sozialen Netzwerken mit Gejammer und Zitaten amüsieren. Immerhin.

Ich geh jetzt noch etwas husten und schniefen.

Eine Tüte Gemischtes

Aus aktuellem Anlass habe ich bei der letzten längeren Autofahrt die Akzeptanz von Sanifairwertgutscheinen an deutschen Raststätten getestet.

Bisherige Bilanz: An der Raststätte Bad Camberg akzeptierte man bei Burger King ohne mit der Wimper zu zucken drei Sanifairwertgutscheine für einen einzigen Bestellvorgang. Ein paar Stunden später durfte ich auch ohne Ermahnung einen hoffnungslos überteuerten Schokoriegel mit zwei Sanifairwertgutscheinen kaufen (Raststätte vergessen, irgendwas zwischen Frankfurt und Stuttgart vermutlich). Vor mir wurde gar ein Einkauf über 4,50 Euro mit sieben Sanifairwertgutscheinen verrechnet, ohne dass mit der Polizei gedroht werden musste.

Bei Gelegenheit werde ich das weitertesten, aber im Moment sind keine längeren Fahrten geplant. Zumal ich ja sonst auch eigentlich nie unterwegs auf Toilette muss.

Ich bin derzeit in einer schwierigen Situation. Ich habe nämlich für den Herrn Gemahl ein Weihnachtsgeschenk besorgt.

Ansonsten ist das nämlich so: Wir schenken uns eher nichts, es sei denn, es bietet sich etwas an. Jetzt bot sich allerdings etwas an und in dem Zusammenhang fielen mir noch so zwei bis drei Dinge an, die auch ganz nett wären. Ich habe also akut keine Geschenkeideenkrise, eher im Gegenteil.

Es ist jetzt aber so, dass wenn ich dem Mann das sage, er erstens bis Heiligabend versuchen wird, rauszufinden, was ich ihm schenke und ich das vermutlich nicht durchhalten werde und dass ich ihn zweitens dann in die Bedrängnis bringe, mir auch unbedingt was schenken zu müssen. Das wäre jetzt zwar auch nicht so schlimm, aber ich gehöre leider zu den Menschen, die selten konkrete Wünsche haben und sich gerne überraschen lassen, was natürlich dann den ganzen Druck wieder auf den Schenker überträgt.

Sage ich aber nichts, dann kann es gut sein, dass ich da Heiligabend mit drei bis vier Geschenken stehe und nichts kriege. Was erstens irgendwie doof für mich ist und zweitens bedeutet, dass der Mann dann wieder mindestens drei Tage lang ein schlechtes Gewissen hat, was er ja gar nicht haben muss, weil wir uns ja eigentlich nichts schenken.

Man sieht, es ist kompliziert.

Freitag in einer Woche bin ich bei einer Bäckereiführung, bei der mir Kostproben von Christstollen, Dominosteinen, Zimtsternen und Baumkuchen versprochen wurden. Jedenfalls wurde dieses Gebäck erwähnt, ich habe da einfach mal ganz galant interpretiert, dass man das auch probieren könnte. Jetzt backe ich ja sehr gerne und esse auch gerne so Gebäckzeug.

Was ich von diesem ganzen Weihnachtsgebäckzeugs nicht so gerne mag sind übrigens Christstollen, Dominosteine und Zimtsterne. Ich habe aber beschlossen, damit so offen wie offensiv umzugehen und trotzdem tapfer zu probieren. Eventuell stellt sich ja raus, dass ich sehr wohl Christstollen, Dominosteine und Zimtsterne mag und jahrelang einem schlimmen Irrtum aufgesessen bin. Ansonsten sage ich sowas wie: „Würde bestimmt total gut schmecken, wenn ich das mögen würde.“ Und esse die vierfache Portion Baumkuchen.

Wie meine Großeltern mal ein gefälschtes Bayer-Weihnachtspaket bekamen

Mein Opa war bei Bayer, so wie sich das gehörte. Was er da gemacht hat, weiß ich gar nicht so genau, irgendwas mit Buchhaltung, wo er ganz sauber und ordentlich in kleiner Schrift viele Zahlen in langen Reihen untereinander schreiben konnte. Damals war es ja auch noch so, dass man, wenn man einer Firma war, auch treu da blieb. In Leverkusen und Köln gibt es ganze Siedlungen, wo nur Bayermitarbeiter in hübschen Bayerhäuschen wohnten, die dann mit ihrem roten Bayerrad morgens ins Bayerwerk fuhren. Da, wo meine Großeltern wohnten, gab es auch lauter ehemalige Bayermitarbeiter. Auch ansonsten war man seiner Firma treu, deswegen reden wir auch an Opas Grab nie schlecht über Bayer, und fallende Bayeraktien sind sowieso ein Tabuthema. Wenn jemand in Köln-Mülheim auf dem Friedhof eine abfällige Bemerkungen über Bayer machen sollte und irgendwo ein Erdhaufen bebt, dann ist das mein Opa, der sich gerade im Grabe umdreht.

Das allerallerbeste im Leben eines Bayerpensionärs war aber das Bayer-Weihnachtspaket. Das kam einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten und war prallgefüllt mit ein paar tollen Sachen, ein paar nützlichen Sachen, und ein paar Sachen, die man nicht mochte und seinen Kindern mitgeben konnte. Jedes Jahr war mehr oder weniger das gleiche drin, Kaffee, Tee, Dauerwurst, Bonbons, Schokolade, Lebkuchen und was man sonst noch so verschicken kann. Außerdem gab es eine Liste, auf der der Inhalt verzeichnet war und die man abhaken konnte, um zu prüfen, dass man auch wirklich alles gekriegt hatte.

Dann trug man die Kiste ins Nebenzimmer und wenn dann zu Weihnachten die Familie da war, wurde die Kiste noch mal sehr ausführlich begutachtet und das, was man sowieso nicht brauchte (Tee, wer braucht schon Tee?) an die jeweiligen Interessenten verteilt. Das Bayer-Weihnachtspaket, ich scherze hier nicht, war das Highlight des Weihnachtsfestes, wenn nicht des ganzen Jahres. Welch besseren Beweis konnte man denn haben, dass sich die Firma immer noch um einen sorgte, als so ein prallgefülltes, ordentlich verpacktes, mit einer Liste versehenes Paket? Keinen, eben.

Und irgendwann ging es Bayer dann nicht mehr so gut und dann gab es keine Weihnachtspakete mehr. Dürre Jahre. Hungerjahre. Im Stich gelassen von der Firma, Weihnachten quasi kaputt. Ein Drama.

Das ging ein paar Jahre so, bis meine Eltern und meine Tante* auf eine Idee kamen. Da sie der Bayer-Weihnachtspaketzeremonie jahrelang beigewohnt hatten und den Inhalt so mehr oder weniger auswendig kannten, würden sie einfach selber ein Bayer-Weihnachtspaket bauen und verschicken. In mühevoller Arbeit wurden die einzelnen Komponenten zusammengesucht und in einen Karton gepackt. Von einem Freund lieh man sich ein Schreiben mit einem Bayer-Briefkopf und bastelte sich so ein 1A-Bayer-Anschreiben. Die Sachbearbeiterin hieß passenderweise „Frau Gönner“ und im Kleingedruckten stand zur Abwechslung nicht die Liste des Vorstands, sondern ein Weihnachtsgruß, aber das war ja im Kleingedruckten und wer liest schon das Kleingedruckte?

Das Paket wurde verschickt und dann abgewartet. Die Überraschung und die Freude war erwartet groß. Endlich wieder ein Bayer-Weihnachtspaket! Und zwar – so hieß es auch im Anschreiben – nur für „besonders verdiente Mitarbeiter“! Was niemand ahnen konnte war, dass sich Opa selbstverständlich mit stolzgeschwellter Brust in der Nachbarschaft erkundigte, wer denn noch als besonders verdienter Mitarbeiter ein Weihnachtspaket erhalten hätte. Keiner nämlich! Alles keine besonders verdienten Mitarbeiter, nur er! Da kann man mal sehen! (Hatte er übrigens schon immer geahnt.)

Außerdem hatte er natürlich bemerkt, dass der Inhalt leicht vom üblichen Inhalt abwich und vor allem nicht so ordentlich verpackt war wie er es sonst von Bayer gewöhnt war. Das, so schlussfolgerte er knallhart, läge aber daran, dass das jetzt „irgendwelche Mädchen“ bei Bayer machen würden, und die wären bekanntlich ja nicht so ordentlich und sorgsam.

Eigentlich sollte das Geheimnis um das Weihnachtspaket am Weihnachtsabend aufgelöst werden, aber dann traute sich auf einmal niemand mehr, Opa reinen Wein einzuschenken und wir mussten alle nur sehr doll aufpassen, nicht hemmungslos loszukichern. Statt dessen nahmen meine Eltern dann halt wieder den Tee mit, den sie selbst mit in das Paket gepackt hatten. Glaubwürdigkeit muss eben sein.

Im nächsten Jahr gab es dann wieder kein Weihnachtspaket mehr. Und Oma weiß bis heute nichts und das muss auch so bleiben.

 

*Meine Tante hat schon angemeldet, dass sie gerne mal in diesem Blog erwähnt werden möchte. Hiermit erledigt. Huhu, Judith!