Gesehen: Die Muppets (2011)

USA 2011
Regie: James Bobin
Darsteller: Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper, Rashida Jones, Walter, Kermit, Miss Piggy, Fozzie Bear, Scooter,…

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Ich glaube, mit den Muppets ist es so: Man findet sie super oder eben nicht so. Und wenn man sie super findet, dann geht man sich auch diesen Film angucken, und dann findet man ihn auch gut, weil Muppets drin vorkommen, weil gesungen und getanzt wird, weil doofe Witze gemacht werden und sehr gute. Vor allem aber, weil Muppets drin vorkommen.

Die Story ist relativ einfach erklärt und der Film macht auch keinen Hehl draus, dass es eine eher simple Geschichte ist. Der Held des Filmes ist Walter, der Bruder von Gary (Jason Segel), der verdächtig wie ein Muppet aussieht. Die Muppets sind Walters große Helden, und dementsprechend ist die Freude groß, als er mit seinem Bruder und dessen Freundin Mary (Amy Adams) nach Los Angeles fährt, wo er sich den langersehnten Traum erfüllen und einmal die Muppet Studios besichtigen will.

Die Muppet Studios erweisen sich allerdings als Bruchbude, von den Muppets keine Spur, und dann kriegt Walter auch noch mit, dass der bösewichtige Tex Richman (Chris Cooper) die Studios abreißen will, um auf dem Grundstück nach Öl zu bohren. Wenn die Muppets nicht schnellstmöglich 10 Millionen Dollar auftreiben, um das Studio zurück zu kaufen, sieht es also schlecht aus.

Ich glaube, ich verrate hier nicht zu viel, wenn ich sage, dass Walter, Gary und Mary es selbstverständlich schaffen, Kermit davon zu überzeugen, die alte Truppe wieder zusammen zu trommeln und dass die Muppets das alte Theater selbstverständlich wieder auf Vordermann bringen und das selbst der kleine Walter selbstverständlich auf den letzten Drücker sein Talent entdeckt. Welches Talent das ist, verrate ich aber nicht.

Dass der Film jetzt nun nicht die abgefahrenste, unvorhersehbarste Story der Filmgeschichte hat, ist zu erwarten und ist auch nicht schlimm. Dafür kriegt man ein wunderbares Ensemble von Menschen–  und Puppenschauspielern, furchtbar altmodische und unrealistische Tanzszenen, und für jeden Witz eine ebenso rührende Szene.

Man kann sich sehr schön vorstellen, wie nah der Film an der Realität ist. Der letzte Muppet-Film ist zwölf Jahre her, Mitte der 90er gab es eine Neuauflage der Muppet Show, die es aber nicht lange durchhielt und das Original? Eben. Auf der anderen Seite scheint es zumindest im Internet einen Muppet-Kult zu geben (dem ich zugegebenermaßen auch anhänge), der einem das gute Gefühl vermittelt, dass die Welt eben doch nicht schlecht ist, weil es immer noch Muppets gibt und genug Leute, die das gut finden.

Und schon während man im Kino sitzt, wünscht man sich, dass man es vielleicht doch noch einmal mit einer Neuauflage probiert, aber einer nostalgischen Neuauflage, die wieder im Theater stattfindet und nicht in einem Fernsehstudio, und bei der Kermit vor einem roten Vorhang steht und “Applaus, Applaus, Applaus!” ruft und wo das Orchester und die Band noch im Graben vor der Bühne spielt. Ich weiß nicht, ob es funktionieren würde, aber wünschen kann man es sich ja mal.

Jedenfalls gab es schon lange keinen Film mehr, bei dem ich gleichermaßen herzlich gelacht und gekichert habe (gerne auch bei den besonders albernen Witzen, Furzschuhe, hihi) und an anderen Stellen Tränen in den Augen hatte. Ich bin da ja auch besonders empfänglich, aber spätestens (Vorsicht, es folgt ein geringfügiger Spoiler), wenn Floyd Pepper Animal seine Trommelstöcke bringt, die er all die Jahre für ihn aufgehoben hatte und Animal dann zu Rainbow Connection eben diese Trommelstöcke zum ersten Mal schwingt, da ist es eben mit mir vorbei. Nicht viel besser geht es mir, wenn bei einem Kameraschwenk über an die Wand gepinnte Bilder kurz ein Bild von Kermit und Jim Henson zu sehen ist.

Neben all der Musik und den Witzen geht es nämlich eben auch ums Erwachsenwerden, um den Glauben an sich selbst und an seine Talente und darum, dass man eben manchmal über sich selbst hinauswachsen muss und dass es Momente gibt, wo man sich entscheiden muss, was man will im Leben. Ja ja ja, es ist eine altbekannte Hollywood-Botschaft, aber sie wirkt umso glaubwürdiger, wenn sie einem von Kermit (oder wahlweise Jason Segel) vorgetragen wird.

Mal wieder hat mich erstaunt, wieviel Charakter den Muppets in ihrer langen Karriere eingehaucht wurde, und wie es überhaupt keinen Unterschied macht, ob da Menschen oder Puppen spielen. Ich hab mich genauso über die Cameos von Sarah Silverman, Donald Glover und Neil Patrick Harris gefreut wie über die kurzen Auftritte von Rizzo, Camilla und Sweetums.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Muppets über all die Jahre treu geblieben sind, und der Film genau diese nostalgischen Gefühle auslöst, weil es eben keine unglaublichen Special Effects braucht, sondern nur diese ziemlich simplen, aber liebevoll gestalteten Puppen. Ein kleiner Wehmutstropfen ist die Eindeutschung der Musiknummern, die teilweise ein bisschen holprig ist. Auf der anderen Seite fand ich es konsequent und auch ein bisschen mutig, hier eben nicht mit Untertiteln zu arbeiten.

Ansonsten gibt es kaum etwas zu meckern. Oder besser: gar nichts. Außer vielleicht, dass es für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Electric Mayhem gab, aber das sind jetzt schon persönliche Präferenzen.

Abschließendes Urteil: Wer Muppets mag, der wird diesen Film auch mögen, aber auch andere Leute kann man mitnehmen (der Mann musste mit, hat halbherzig versucht, sich zu wehren, war aber nicht unzufrieden). Problematisch wird es wahrscheinlich bei Leuten, die mit lustigen, aber hemmungslos überzogenen Tanzeinlagen nichts anfangen können. Und auch Neil Patrick Harris hätte meines Erachtens mehr Screentime bekommen können. Aber wie gesagt: persönliche Präferenzen. (Und jetzt warten wir darauf, dass Man or Muppet hoffentlich, hoffentlich wirklich einen Oscar abräumt. Verdient wär’s.)

Lieblingstweets Januar 2012 (Teil 1)

Ihr habt wieder zu viel getwittert. Oder ich war vielleicht ein bisschen zu aufmerksam. Auch diesen Monat deswegen wieder in zwei Teilen.

 

Teil 2 kommt dann, wenn der Monat auch wirklich vorbei ist. Also bald.

Daily Music: Man or Muppet von Jason Segel & Walter

Seit ich dieses Video gesehen habe, versuche ich die ganze Zeit, den Mann anzurufen, um zu fragen, ob wir nicht vielleicht heute, so ganz spontan, weil Donnerstag ist, eventuell, wenn’s möglich ist, ins Kino gehen können.

If I’m a muppet
Then I’m a very manly muppet.

Vollkommen berechtigterweise für den Oscar nominiert.

Daily Trailer: Where the Wild Things Are

Claudia ist schuld, weil sie ja unbedingt den Trailer zu Extremely Loud and Incredibly Close verlinken musste, und da musste ich an Where the Wild Things Are denken, einen Film, der nicht nur sowieso wunderbar ist, sondern auch einen wunderbaren Trailer mit wunderbare Musik hat und für den vor allem der wunderbare Dave Eggers das Drehbuch und einen unglaublich schönen Roman geschrieben hat. Es gibt überhaupt keine validen Argumente gegen diesen Film.

Und als Zugabe gibt es noch Wake Up von Arcade Fire. Bitteschön.


Edinburgh – Tag 9 (HOGMANAY!)

Edinburgh

Endlich kommt der 31.12., der Tag auf den ich mich gleichzeitig am meisten freue und vor dem ich auch ein bisschen Angst habe, denn wir wissen ja überhaupt nicht, was heute hier noch so passieren wird, außer, dass es vermutlich laut wird.

Streicht das „vermutlich“ im vorigen Satz, es wird laut. Das merken wir schon morgens (also mittags), als der Soundcheck gemacht wird. Da wummern bei uns die Fenster, wenn der Bass aufgedreht wird. Also ein schöner Vorgeschmack auf das Programm später.

Wir lassen den Tag langsam angehen. Weil wir wieder so spät rauskommen, geht es wieder zu Pret A Manger, und dann –  haltet euch fest – schreib ich meinen Roman zu Ende. Im Hotelzimmer in Edinburgh haue ich das 50233. Wort in den Rechner, speichere ab und bin fertig. FERTIG!

Edinburgh

Der erste Gedanke ist tatsächlich ein begeistertes “Geil, ich muss mir da jetzt nichts mehr ausdenken. Ich hab frei. Ich bin fertig.” Ein bisschen schade ist es ja fast, dass die ersten Gedanken darum kreisen, jetzt nichts mehr mit dieser Geschichte zu tun haben zu müssen, die Datei nicht mehr öffnen zu müssen, seine eigenen Worte und Ideen nicht laufend irgendwie in Frage stellen zu müssen. Kurz, nicht mehr dran denken zu müssen. Es fühlt sich ein bisschen wie Verrat an. Aber gleichzeitig so toll, weil eben: 50.000 Wörter. Fünfzigtausend! In einem Monat! Es ist so toll.

Und zur Belohnung, weil ich jetzt den Kopf frei hab, gehen wir ins Kino und gucken Mission Impossible, der irgendwie deutlich besser ist, als ich erwartet habe, was vor allem an Jeremy Renner liegt, den ich vorher nicht kannte, jetzt aber gerne als nächsten James Bond haben möchte.

Nach ein paar vergeblichen Versuchen rund um die Broughton Street noch etwas zu Essen zu bekommen (alles zu oder ausgebucht), landen wir im The Conan Doyle am York Place, wo’s genau das gleiche gibt wie im Greyfriar Bobbys, aber ich zumindest etwas anderes bestelle und der Kellner wahnsinnig irre höflich und nett ist und außerdem ein bisschen so aussieht wie Michael Cera, mal abgesehen davon, dass er uns wegen irgendwelcher Verwirrungen, die noch nicht mal wirklich schlimm sind, zwei Nachtische aufs Haus anbietet. Als wir trotzdem nur einen nehmen, fragt der Michael-Cera-Kellner erst noch gefühlte zehn Mal nach, ob wir wirklich nicht zwei wollen. Wir teilen uns einmal Cranachan, was allerdings so lecker ist, dass man tatsächlich noch ein zweites hinterher bestellen könnte. Tun wir aber nicht, sondern wandern vorfreudig zurück ins Hotel.

Dabei müssen wir tatsächlich über die Partymeile, also müssen die speziellen Hoteleintrittskarten vorzeigen und können dann direkt mal einen Eindruck gewinnen, wie das wohl heute so wird. Laut wird es und Bühnen stehen überall rum, direkt am Eingang eine mit DJ und wohl noch unten irgendwo im Park eine, und die direkt bei uns am Hotelfenster und die Kirmes macht heute besonders laut Wumpa-Wumpa. Insgesamt aber alles sehr angenehm, Flaschen darf man sowieso nicht mit aufs Gelände nehmen und mittlerweile hat es auch wieder aufgehört zu regnen.

Und im Hotelzimmer machen wir dann das Fenster auf und hören der Musik zu und gucken runter und machen Photos von den Menschen da unten, die gleich mit uns Silvester, pardon: Hogmanay, feiern wollen.

Edinburgh

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Weil ich zwischenzeitlich hibbelig werde, schleusen wir uns vermutlich halblegal auch noch mal auf die Partymeile und laufen ein bisschen auf und ab. Die Schlange für die Getränkebude ist lang, ein paar Leute haben wohl doch schon etwas zu viel getrunken und so wirklich viel gibt es gar nicht zu sehen, zumal man auch für das ein oder andere Konzert Extra-Karten braucht und unsere Hotelkarten sind ja schon eher so zweifelhaft, sie legitimieren vermutlich nur zum Hin- und Wegkommen vom Hotel, wobei mal allerdings zwangsweise auf das Gelände der Street Party muss. Die beste Bühne allerdings, die können wir tatsächlich deutlich besser vom Hotelzimmer gucken, also machen wir uns wieder auf ins Warme.

Wir lungern in der Hotelbar auf den Sesseln rum und schließlich ist es fast soweit, ich besorge zwei Gläser Champagner oder Sekt oder wie auch immer, irgendwas Sprudeliges, es gibt kurz Verwirrung wegen des Zimmerschlüssels, der erst weg ist und dann aber doch in der Handtasche auftaucht und dann geht es raus.

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Im Reiseführer oder so hab ich gelesen, dass alle um Mitternacht „Auld Lang Syne“ singen und ich stelle mir das sehr schön vor, wie wir gleich mitten unter Schotten und anderen Hogmanay-Touristen stehen und zusammen singen.

Um Mitternacht geht aber auch das Feuerwerk los, vor uns und hinter uns und es ist vielleicht nicht so spektakulär und groß, wie man es erwarten hätte können, aber dafür umso schöner, vor allem, weil alle ganz andächtig gucken und zwischendurch jubeln und klatschen, wenn gerade was besonders schönes am Himmel leuchtet. Wahrscheinlich steh ich die ganze Zeit nur mit einem Grinsen auf dem Gesicht da und gucke und gucke und gucke und entweder es hat keiner gesungen, oder ich habe es nicht gehört, wegen dem Feuerwerk und den jubelnden Leuten, aber an diesem Hogmanay gibt es wohl kein „Auld Lang Syne“ für mich. Auch nicht so schlimm, dann eben ohne. Oder beim nächsten Mal.

Als alles vorbei ist, ziehen wir ab ins warme kuschelige Hotelzimmer und gucken dann bestimmt noch eine Stunde lang abwechselnd oder zusammen aus dem Fenster, wo die Peatbog Fairies spielen und alle glücklich sind und hüpfen und tanzen und noch mehr hüpfen und ganz viel tanzen. Weil Hogmanay ist und weil die Musik so toll ist und überhaupt.

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Und jetzt ist 2012. Wir sind in Edinburgh, unten tanzen Menschen, und es ist 2012. Alles gut.

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Daily Music: Hallelujah von John Cale

Gestern mochte der Laptop nicht so wirklich. Ich weiß auch immer noch nicht, was los ist, aber es war nervig genug, dass es nicht zum Verbreiten schöner Musik gekommen ist. (Außerdem musste ich die mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten von Sofia Coppola bewundern.)

Dafür gibt’s heute was sehr Schönes, auch wenn’s wahrscheinlich schon jeder kennt.