Über Grauzonen, politische Korrektheit, Kinderbücher und Sprachlosigkeit

Im Moment ist das ja in meiner kleinen Filterbubble eines der Hauptthemen. In Kinderbüchern werden böse Wörter durch nicht ganz so böse ersetzt. Genauer gesagt: Bei Pippi Langstrumpf wird Pippis Vater vom “Negerkönig” zum Südseekönig” und in “Die kleine Hexe” wird ebenfalls das Wort Neger durch irgendwas anderes ersetzt, genauso wie das Wort durchwichsen, das in diesem Fall eben “verhauen” bedeutet.

Mein Initialreaktion dazu war: “Och nö.”

Das ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, denn in jahrzentealten Werken rumzuändern, weil irgendwas nicht mehr zeitgemäß erscheint, klingt für mich erstmal nach Zensur und da reagiere ich zunächst instinktiv und finde das doof.

Dann habe ich viel im Internet gelesen, auf verschiedenen Blogs und anderen Seiten haben Leute geschrieben, die zu diesem Thema die unterschiedlichsten Ansichten haben, von “geht gar nicht” bis “wurde auch mal Zeit”.

Mein übliches Problem: Ich kann irgendwie alle Sichtweisen verstehen und nachvollziehen und weiß mittlerweile immer weniger, was ich selber davon halten soll.

Auf der einen Seite finde ich “zeitgemäße Korrekturen” nach wie vor problematisch bis falsch. Nicht mal so unbedingt aus Prinzip, sondern weil Bücher eben von einem bestimmten Autor in einer bestimmten Zeit geschrieben werden und ich der Meinung bin, dass man diesen Büchern ihre Entstehungszeit ruhig anmerken darf.

Auf der anderen Seite geht es hier um Kinderbücher und gerade die betroffenen Bücher zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine Zeitlosigkeit aus, die dann auch dazu führt, dass sie heute genauso (vor)gelesen werden wie vor fünfzig Jahren. Ob das in der Konsequenz auch bedeutet, dass man bei solch zeitlosen Kinderbuchklassikern gelegentlich auch mal gucken darf, ob das, was da drinsteht oder das, wie es drin steht, sich noch mit den aktuellen Gegebenheiten verträgt, ist dann die nächste Frage.

Außerdem ist es in diesen speziellen Fällen nun auch so, dass weder das Wort “Neger” noch das Wort “durchwichsen” eine größere Bedeutung hätten. Man kann sie ersetzen, ohne dass sich die Geschichte wesentlich verändert. Ob in der kleinen Hexe ein Kind als Neger oder als Fliegenpilz verkleidet sind, ist vollkommen irrelevant und ob der Vater von Pippi Langstrumpf “Negerkönig” oder “Südseekönig” ist ebenso. Südseekönig ist, das muss man sogar sagen, sogar richtiger, wenn auch, wie man hier und hier nachlesen kann, nicht zwingend unproblematischer.

Dann denke ich wieder, dass man das den Kindern ja auch erklären könnte, was es damit auf sich hat, dass man früher Neger sagt, aber heute nicht mehr und dass durchwichsen eben verhauen heißt. Will man den Vorleseeltern ein bisschen Hilfe an die Hand geben, kann man ja auch eine Fußnote setzen, wo man Wörter, die eine Bedeutungsveschiebung erhalten haben oder einfach nicht mehr so verwendet werden, erklärt. Erstens sind Kinder ja nicht dumm und zweitens ist es auch nicht unbedingt verkehrt, wenn man schon früh lernt, dass Sprache sich ändert, sowohl was die Wörter selber als auch was deren Bedeutung angeht.

Und dann lese ich Blogartikel, in denen es darum geht, dass man als Eltern vielleicht auch mal einfach vorlesen möchte und nicht noch einen linguistischen Bildungsauftrag dabei erfüllen möchte, weil man eben seinen Kindern schon genug erklären muss, jeden Tag, dauernd und das dann nicht noch abends an der Bettkante haben muss. Da kann ich natürlich mangels Kinder nicht mitreden.

Und dann gibt es Stimmen, die sagen, dass vielleicht das Ersetzen von rassistischen Wörtern wichtiger ist als das unbedingte Erhaltenwollen des Originalzustands, weil Rassismus verletzend ist und weil man vielleicht gar nicht erst damit anfangen sollte, Kindern rassistische Wörter beizubringen, erst recht nicht in einem Kontext, der sie glauben lassen könnte, das Wort wäre eigentlich ganz harmlos.

Wie gesagt, es ist schwierig. Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gekommen, dass es vermutlich okay ist, wenn in den genannten Büchern die paar Stellen geändert werden.

Wovor ich ein bisschen Angst habe, ist die Grauzone, die danach kommt. Bleibt es bei diesen beiden Beispielen oder kommt da dann direkt mehr? Wer bestimmt, was darf und was nicht? Und wer bestimmt, wann die Verwendung eines rassistischen oder anders problematischen Wortes für das Buch wichtig ist und wann nicht?

In diesem Zusammenhang fällt mir auch immer die Geschichte von J.D. Salingers “Der Fänger im Roggen” ein. Das wurde dann erst von einer Schweizerin übersetzt und dabei wurde auch noch mal gestrichen und geändert. Und dann kam Heinrich Böll und hat dann noch mal übersetzt, aber nicht das amerikanische Original, sondern die britische Version. Da wurde nämlich schon direkt mal im Englischen sehr stark lektoriert, weil es dem britischen Verleger zu krass war. Und diese zweite Übersetzung einer bereits sehr angepassten Version ist dann das, was wir hier bis 2003 kaufen konnten, dann gab’s nämlich eine neue Übersetzung. Da kann man mal sehen.

Hat das was mit dem Ursprungsthema zu tun? Ich denke schon, ein bisschen zumindest, denn es zeigt, wie wenig transparent diese Vorgänge sind, wie wenig man eigentlich weiß, was der Autor da wirklich stehen haben wollte und an welcher Stelle der Lektor oder der Übersetzer möglicherweise etwas geändert haben oder sogar ändern mussten. (Wer mehr über die Tücken des Übersetzens wissen möchte, der liest bitte bei Isabel weiter.)

Aber letztlich wollte ich auf etwas ganz anderes zu sprechen kommen, nämlich mein ganz persönliches Problem mit der erzwungenen politischen Korrektheit. Sie macht mich sprachlos, und das finde ich ganz furchtbar.

Denn ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich noch sagen darf, ohne gleich in die Rassismusfalle zu tappen. “Neger” geht nicht, ist klar. Irgendwann sollte man mal “Schwarzer” sagen, aber das ist meines Wissens auch schon wieder passé, weil eben auch rassistisch. “Farbiger”, geht das? Ist doch genauso bekloppt wie “Schwarzer”. “Afro-Amerikaner” ist hier total beknackt, denn wir sind hier nicht in Amerika. “Afrikaner” geht natürlich auch nicht, erstens weiß ich nicht, ob der oder die Gemeinte überhaupt aus Afrika kommt und selbst wenn, das impliziert doch auch, dass ich irgendwie denke, wenn man eine dunkle Haut hat, könne man nicht Deutscher sein. Bekloppt.

Das Gefühl, das ich habe ist, dass es eben irgendwann gar nicht um die Worte geht, sondern wir uns vielmehr in so einer Endlosschleife der politischen Korrektheit befinden, in der wir bei den ersten Anzeichen negativ konnotierter Wörter hektisch an der Notbremse ziehen und uns was neues einfallen lassen. Jeder, der dann noch das alte Wort benutzt, wird zumindest komisch angeguckt, denn man weiß doch, dass man das nicht mehr sagt, ist das etwa ein Rassist?

Natürlich bin ich nicht rassistisch. Ich bemühe mich, meine Worte so zu wählen, dass ich niemanden damit irgendwie unabsichtlich beleidige, aber ich möchte auch keine 1984–Neusprech-Sprache sprechen, in der alles, was auch nur in den Verdacht einer negativen Konnotierung fällt, ersetzt wird.

Ich habe in den knapp dreißig Jahren, in denen ich sprechen und verstehen kann, den Weg von “Neger” über “Schwarzer” über “Farbiger” mitgemacht und habe keine Ahnung, was die aktuell angesagte Bezeichnung ist. Geht das jetzt so weiter? Weil, wenn ja, dann haben wir ein anderes Problem, denn dann ist es wohl eher so, dass wir trotz aller Bemühungen, dagegen zu wirken, immer noch mit explizitem und implizitem Rassismus zu kämpfen haben, der früher oder später jedes Wort, das wir uns ausdenken, negativ einfärbt, bis wir es nicht mehr verwenden wollen oder dürfen.

Ich weiß, dass das kleine Probleme sind, dass ich als Nichtbetroffene nur ein beschränktes Mitspracherecht habe, weil es eben nicht meine Gefühle sind, die verletzt werden (dazu empfehle ich den Text von Christian vom Jawl sowie diesen Artikel bei Schreibgold). Ich habe auch so spontan niemanden zur Hand, den ich fragen könnte.

Das, was ich relativ sicher sagen kann, ist, dass die stete Suche nach weniger anstößigen Wörtern niemandem hilft, wenn ihre Halbwertzeit begrenzt ist. Dass diese Unsicherheit, ob eines falsch gewählten Wortes als rassistisch abgestempelt zu werden, eher dazu führt, dass ich dann lieber gar nichts sage. Das ist mein persönliches Problem, das ich auch nicht überbewerten möchte. Sollte es das Problem von mehr Menschen sein, dann müssen wir uns aber auch nicht wundern, wenn wir aus der Endlosspirale der Wortneuerfindungen nicht raus kommen, denn eine dauerhaft wertfreie Konnotierung eines Wortes ist kaum möglich, wenn die Mehrheit der Leute sich nicht traut, es auszusprechen.

17 Antworten auf „Über Grauzonen, politische Korrektheit, Kinderbücher und Sprachlosigkeit“

  1. Stellt sich ja – um auf den letzten Teil Deines Artikels zu kommen – die Frage, warum wir überhaupt auf die Idee kommen (gekommen sind), Menschen auf Grund Ihrer Hautfarbe einordnen zu wollen. Also warum es die Idee gab, eine „negroide“ „Rasse“ zu konstruieren. Ersetzt man das „schwarze“ in gängigen Sätzen, die immer noch gerne im Hinterkopf schwirren, dann wirds lustig: „Linksträger können ja generell sehr gut tanzen“. „C-Körbchen laufen ja immer sehr schnell“. Und so weiter.
    Ich mag das „Menschen mit …“-Konstrukt inzwischen recht gern. Da kann man dann auch viel besser sich das Merkmal rausnehmen, das für den Zusammenhang wichtig ist. In dem Raum voller Anzugträger „der Typ mit der Jeans“, im Büro „der neue“ und so weiter.

    1. Ich denke, prinzipiell gehört die Hautfarbe ja zu einem Menschen wie auch seine Augen- oder Haarfarbe, seine Größe oder sein Geschlecht. Warum sollte man da nicht drüber reden sollen, das ist ja nichts Schlimmes oder Schlechtes? Schlimm oder schlecht wird es eben erst, wenn das beschreibende Wort von doofen Menschen missbraucht wird oder zumindest das Gefühl entsteht, dass dies der Fall sein könnte.

      Wenn einem dafür die Worte fehlen, dann leugnet man ja auch einen Teil seiner Identität. Auch doof.

  2. Genau – sie gehört dazu. Aber sie beschreibt ihn ebenso wenig wie Haarlänge, Augenfarbe, Schuhgröße oder sonst irgendetwas.
    Deswegen ist jeder „Schwarze … (sind/machen/…)-Satz per se ziemlicher Blödsinn.
    Ich würde mich vehement wehren, wenn jemand „Mendener sind katholisch“ sagt – obwohl es prozentual sicher nicht falsch ist.
    Du würdst Dich sicher gegen „Frauen können nicht programmieren“ wehren, ob wohl es in meinem Bekanntenkreis prozentual sicher zutrifft.
    Warum als verallgemeinernde Sätze mit „Schwarze…“ überhaupt erst benutzen; sie stimmen eh nie ;)

  3. Zu der Frage, wie die Bedeutungsverschiebung bei Wörtern kommt, empfehle ich die Talks von Anatol Stefanowitsch bei der OM 12 und dem 29C3. Negative Bedeutungsverschiebungen kommen nicht bei (weißen) Männern vor, dafür immer wieder bei Bezeichnungen für (wie wir heute sagen) Frauen und Schwarzen Menschen. Das sind aber keine unaufhaltsamen Prozesse. Das sollte sich jede und jeder vor Augen halten, bevor die „aber was ist wenn der Begriff in 20 Jahren auch wieder veraltet ist“-Debatte begonnen wird.

    Heute gibt es ansonsten auch viele Verbände und Institutionen, bei denen man sich informieren kann, welche Selbstbezeichnungen gelten (sollten). Z.B. beim Braunenen Mob. Und ja manchmal ist das verwirrend. Die „Zigeuner“ etwa haben sich auf keinen Begriff einigen können. Aber warum sollten sie auch? Es gibt sehr viele verschiedene Bevölkerungsgruppen, die damit zusammengefasst wurden, die aber selten alle gemeint sind. Da sollte es heutzutage drin sein, zu differenzieren und sich erst zu informieren, wen man gerade eigentlich meint, bevor man spricht.

    1. Danke für die Links und Hinweise, werde ich mir mal anschauen.

      Ich frage mich halt, ob man nicht darauf hinarbeiten kann, dass solche negativen Bedeutungsverschiebungen in Zukunft eben nicht mehr so häufig vorkommen, indem man Bezeichnungen bewusst positiv oder beschreibend wertfrei verwendet. Denn eine Bezeichnung ist ja oft selber gar nicht negativ, sie wird erst von den Menschen dazu gemacht, die sie negativ einsetzen. Bei „Neger“ oder „Weib“ ist der Zug wohl abgefahren, aber bei anderen Begriffen vielleicht noch nicht.

      Natürlich ist das erstmal eher maximal-optimistisch und theoretisch, aber man kann sich ja schon die Frage stellen, ob man möchte, dass Rassisten und Sexisten einen der eigenen Sprache berauben.

      1. Ja, genau. Bei bestimmten Begriffen ist der Zug abgefahren. Deswegen sollte am N-Wort eben nicht mehr festgehalten werden. Da ist es auch wichtig, zwischen Fremd- und Selbstbezeichnungen zu unterscheiden. Denn Fremdbezeichnungen sind tendenziell abwertend gemeint, Selbstbezeichnungen eben nicht. Und dazu gehört z.B. Schwarze Menschen. Deshalb ist es eben wichtig, sich da auch regelmäßig zu informieren, auch wenn es vielleicht Umstände macht.

        Am Ende geht es genau um die Frage, wer die Sprache bestimmt, ob sie rassistische und sexistische Wörter duldet. Genau das ist der Punkt all derer, die für das Streichen von z.B. dem N-Wort eintreten.

        Wenn sich nun darüberhinaus alle damit beschäftigen, warum und wie es zu negativen Bedeutungsverschiebungen kommt und wie das verhindert werden kann – ja, das wäre super.

  4. Solange in deutschen Grundschulen im Jahr 2009 noch immer im Sportunterricht (!) ganz offiziell „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ gespielt wird, haben wir ganz andere Probleme. Finde ich.
    (in den frühen 80ern haben wir das auch gespielt, meine Eltern haben protestiert, es hat nichts genützt und ich war das einzige Kind, das panisch erklärt hat, es handle sich ganz sicher um den Kaminkehrer und nicht um einen N. Erstaunlicherweise war das auch 2009 die Erklärung der betreffenden Schule – während wir damals und die Kinder von heute selbstredend von einem N. ausgegangen waren.)
    Mir gehts genauso wie dir: ich kriege einen Knoten in die Zunge, wenn die Kinder nach Hause kommen und vom neuen Lehrer erzählen, der einen eindeutig (eindeutig, weil ich so schrecklich gebildet bin und das somit weiß…) afrikanischen Namen hat, und ich mir sehr sehr verkneifen muss, da nachzufragen, um mir meine Assoziation bestätigen zu lassen. Wie er aussieht, beispielsweise. Obwohl ich mir alle Lehrer beschreiben lasse, weil ich sie schlicht nicht alle kenne. Und das Unbehagen, wenn andere Eltern von „dem Schwarzen“ sprechen – und ich dann sage, der hat doch einen Namen, reicht das nicht? Reicht nicht, bei den Lehrerinnen reicht das ja auch nicht, und ich bin froh, wenn ich wenigstens erfahre, ob sie groß oder klein sind, oder eine Brille haben oder rote Haare.
    Trotzdem, und das klingt jetzt paradox, achten wir sehr darauf, andere Kinder beim Namen zu nennen und Äußerlichkeiten nicht zum Unterscheidungsmerkmal zu machen. Es gibt also nicht z.B. „das dicke Kind von nebenan“, oder „das türkische Kind von gegenüber“, usw. Es gibt die Namen, evtl. die Haarfarbe, etwa die Straße wo sie wohnen und fertig.
    Schwierig.
    Zu den Büchern noch kurz: beide sind verzichtbar, können kommentiert so bleiben, und wir nehmen andere. Fertig. (Zu Jim Knopf habe ich ja noch eine weitere Meinung: selten so einen verklemmtem konzeptionellen Mist in die Finger bekommen und selten so passiv-aggressiv vorgelesen, weil ich dachte, das gehöre dazu. Gehört es ü-ber-haupt nicht. So auch nicht Pipi, schon garnicht TakaTukaLand. Nonkonformistische Kinder gibts zuhauf in anderen Büchern, und das Wesentliche bei Pipi kann man auch erzählen.)

    1. Als wir als Kind »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann« spielten, hatte ich nie, wirklich nie das Bild eines Menschen dunkler Hautfarbe im Kopf. Als irgendwann die Diskussion aufkam, das wäre ja ganz schlimm, weil rassistisch, war ich erst einmal extrem verdutzt; ich wäre niemalsnie auf die Idee gekommen, dass man einen echten Menschen meinen könnte. Aber mir ist es ja auch nie merkwürdig vorgekommen, dass der Klaus den Peter liebte, oder die Irene ein Kopftuch trug, ich war da schon immer recht unbedarft.

      (Und auch heute würde ich lieber offen und freundlich in die Welt sprechen können, anstatt voller Misstrauen vor der eigenen Sprache jedes Wort fünf mal herumzudrehen – und am Ende dann doch lieber die Goschn zu halten.)

      1. Ich hab beim schwarzen Mann auch immer an einen unheimlichen undefinierten schwarzen Mann gedacht, also eher so mit langem schwarzen Umhang, aber letztlich auch nichts konkretes. Geht mir also ähnlich.

  5. Zu der Schwierigkeit, welche Bezeichnung gerade als korrekt angesehen wird: Das geht mir genauso; ein Kommilitone mit dunkler Hautfarbe meinte dazu, für ihn wäre im alltäglichen Sprachgebrauch, z.B. unter Freunden, „Schwarzer“ völlig in Ordnung. Wenn er das hingegen in einem Zeitungsartikel lese, fände er es unangebracht und wünsche sich mehr Feingefühl und Differenzierung. Wobei das ja auch wieder eine Einzelmeinung ist.

    Zur Verwendung der Begriffe in Kinderbüchern habe ich mich ja im Blog schon geäußert. Den Hinweis auf die Schwierigkeit bei Übersetzungen und Neuauflagen finde ich interessant. Von strikten Gegnern einer Änderung wird ja öfter vorgebracht, als nächstes würde wohl „Huckleberry Finn“ oder „Onkel Toms Hütte“ auch „zensiert“. Auch wenn ich das in diesen beiden Fällen nicht glaube – grundsätzlich ist das natürlich schon eine kritische Frage: Wann gehört ein Begriff zum historischen Kontext, und wann kann er ersetzt werden, ohne dass sich die Aussage des Buches ändert? Letztendlich ist es wohl immer Abwägungssache.

    1. Das hat der Braune Mob schon sehr schön beschrieben:

      Ganz einfach: „Schwarze (Deutsche)“. – Wenn es um Rassismus, unterschiedliche Erfahrungen und Sozialisationen geht, ist der politisch korrekte Begriff „Schwarz“.

      In allen anderen Fällen gibt es aber meistens gar keinen Grund, dazu zu sagen, ob jemand Schwarz oder weiß ist. „Ich hab neulich nen Schwarzen Fotografen getroffen, der hat aber viele Bilder gemacht!“ ist zum Beispiel so ein Fall, in dem der Hinweis überflüssig und sinnfrei ist, was sofort einleuchtet, wenn man sich im Vergleich dazu etwa die Aussage „Der weiße Busfahrer hat aber schnell gebremst“ betrachtet.

      Es ist höflicher, Menschen danach zu bezeichnen, wer oder was sie sind, nicht wie sie pigmentiert sind oder in welche Schublade sie gesteckt werden. Im persönlichen Gespräch mit Einzelnen ergibt sich vielleicht, dass jemand lieber einen bestimmten anderen Ausdruck als „Schwarz“ bevorzugt wie z.B. „afrodeutsch“. Da man grundsätzlich respektieren sollte, wie jemand sich selbst bezeichnet, ist es eine Frage der Manieren, dies auch zu befolgen. „Schwarze Deutsche“ ist aber in jedem Fall politisch korrekt (und eine angemessene und selbstbestimmte Bezeichnung). Schwarz wird dabei oft groß geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt, und keine reelle „Eigenschaft“, wie auch in den USA und UK „Black“.

  6. Hm, also zur Bezeichnungskrise: Afroamerikaner bezeichnet tatsächlin (noch) legitim den Amerikaner mit dunkler Hautfarbe. Der Afrikaner indes kann ja auch dunkel- oder hellhäutig sein. Hier wird nur bezeichnet, dass jemand ursprünglich aus Afrika stammt.

    Ich habe die Diskussion als solche verstanden, dass es darum geht, dass von der „weißen Rasse” grundsätzlich keine Differenzierung anhand von Hautfarben getroffen werden soll. Weil wir grundsätzlich rassistisch agieren, wenn wir das tun. Anstatt aber nun zu sagen, lasst uns ausschließlich von Menschen reden, haben die Menschen, die das Thema mögliche Auszeichnung über ihre Hautfarbe betrifft, weil sie sich durch solche Differenzierungen diskriminiert sehen, für uns – oder für sie – als Herausstellungsmerkmal einer anderen Hautfarbe den Begriff „People of Color” erfunden. Sie schubladisieren sich m. E. damit nur wieder selbst ( ich hatte diesen ganzen Begriffkampf ja als Weg zur Angleichung also nicht mehr sprachlichen Differenzierung verstanden) und ich frage mich, warum ist das so gewollt? Auch bin ich sicher, dass in 20 Jahren wir wieder als Rassisten geschimpft werden, wenn wir diesen Begriff verwenden.

    Ich versuche – den Auftrag habe ich so verstanden – nunmehr so eine Differenzierung im Sprachgebrauch gar nicht mehr zu verwenden. Es geht ganz gut.

  7. Ich habe auch noch als Kind „wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ gespielt und echt nie im Leben daran gedacht, es könne sich um etwas anderes als den Schornsteinfeger handeln. Wahrscheinlich, weil es in dem Kaff in dem ich in den frühen 70ern aufwuchs gar keine Schwarzen gab. Diese gedankliche Brücke habe ich daher nie geschlagen. Ich habe mich auch gewundert, warum jemand Angst vorm Schornsteinfeger haben sollte, schliesslich war unserer sehr nett und brachte Glück – jedenfalls hat er uns Kinder immer lachend den Ärmel hingehalten, damit wir etwas Ruß auf die Finger nehmen konnten. Aber ich habe das nie groß hinterfragt, es war halt ein Kinderspiel und kein besonders interessantes dazu.

  8. Aus solchen Diskussionen halte ich mich grundsätzlich raus. Sprache ist nämlich grundsätzlich immer ein Stolperstein und sie kann grundsätzlich immer Diskriminierend wirken – auch wenn einem das selbst nicht bewusst ist. Entscheidend ist nämlich immer der Gesprächspartner, den ich „anspreche“.

    Ich kann gar nicht wissen, welche Assoziationen mein Gegenüber mit einem Wort verbindet. Wurde er mit bestimmten Dingen aufgezogen, vielleicht sogar gemobbt? Dann können bestimmte Wörter negative Gefühle auslösen, obwohl das Wort gar nicht negativ gemeint war und es bei anderen wiederum positive Gefühle auslöst.

    So kommt es dazu, dass bestimmte Menschen eine Beschreibung als rassistisch einstufen, eben, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass diese Beschreibungen oder Umschreibungen abwertend gebraucht worden sind. Und genau dieser Umstand macht es schwer, nicht in die Sprachfalle zu tapsen. Vermeiden könnte man das nur, wenn man tatsächlich für jeden Gesprächspartner eine „eigene“ Sprache lernt, in welcher man Wörter mit einer negativen Assoziation austauscht. Und sind wir ehrlich, dass wird sehr schwer werden und auf einen Blog bezogen würde das wohl bedeuten, dass man entweder tatsächlich in Neu-Sprech schreibt, oder jeden Artikel 10 Mal verfasst – für jede Gruppe einen eigenen.

  9. Zu dieser Thematik gehen mir so viele Gedanken im Kopf herum, der erste ist:
    „Der Gedanke macht das Wort zur Sau!“
    Wie hier schon mehrmals angeklungen ist, werden bestimmte, eigentlich erstmal neutrale Begriffe von irgendwelchen Menschen abwertend benutzt und schon sollen alle diesen Begriff nicht mehr verwenden. Man überlässt also den tatsächlichen Rassisten, Faschisten und wie diese Menschen, die sich einfach nur auf Grund ihrer Existenz als was besseres dünken, sonst noch nennen mögen, kampflos das Feld. Die Schwulen haben vor gemacht, wie man es besser machen kann, indem man sich einfach des ursprünglichen Schimpfwortes bemächtigt und damit den Ewiggestrigen weg nimmt.
    Dann kamen mir so Gedanken, wie: Wird es demnächst Schneewitchen und die 7 Personen von kleinerem Wuchs heißen? Also, wie vom Autor schon gefragt: „Wo soll das noch hin führen?“ In Filmen sollen heute schon die Helden nicht mehr rauchen, der Kinder wegen, natürlich, wer weiß, vielleicht werden Cojack-Filem bald nur noch im Spätprogramm gesendet, der Kinder wegen, denn Cojack lutscht ständig Zucker und das ist doch ein schlechtes Beispiel, das sie nicht sehen sollen bewahren.
    Was mich wirklich ganz doll daran stört, dass „Säuberungen“ in der Geschichte immer negativ waren, ob man Kunstwerke vernichtet, wie z.Z. in Teilen der Welt, wo einmaliges Kulturerbe gesprengt wird, weil die falschen Götter damit verherrlicht werden, ob man Lieder von bestimmten Künstlern nicht im Radio sendet (auch schon mal da gewesen und eben nicht nur in fiesen Diktaturen), ob man Leute aus ihren Berufen drängt, weil sie das flasche Parteibuch haben, das ist alles eine bestimmte Geisteshaltung, die meiner Meinung nach schlimmer ist als einfach nur Zensur, denn sie will uns zwingen, so zu denken, wie man es uns vorschreibt. Man entmündigt uns und meint, dass wir nicht selber denken können!

    Bei Säuberung kommt mir auch gleich der Gedanke: Nachgewiesener Maßen führt zu viel Sauberkeit zu Allergien. Was ist schlimm daran: „Mama, was ist ein Negegkönig?“ “ So hat man früher Menschen bezeichnet, die…“ (ich will den Satz mal lieber unvollendet lassen, damit ich nicht was Falsches sage), „Heute werden solche Bezeichnungen nur noch von schlechten Menschen benutzt, um andere Menschen damit zu beleidigen, das ist ein ganz schlimmes Schimpfwort, das solltest du niemals benutzen.“ Damit wäre der Fall klar. Das Kind wäre selber in der Lage, wenn es die coolen Größeren sieht, die andere mit „Neger“ beschimpfen, zu erkennen, dass das wohl keine guten Freunde sind. Im Gegensatz zu einem Kind, das dieses Wort gar nicht kennt und es nun selber überall benutzt, weil es die anderen halt auch tun.
    Warum sind wir nicht überhaupt entspannter, niemand findet was dabei, wenn du irgendwo hinkommst und fragst:“Du ich suche Ken…“ „Ja das ist der kleine dicke da hinten bei dem der Kopf wie eine Tomate aussieht“ Aber wehe, du sagst etwas in de Art über einen Menschen, dessen hervorstechendes Merkmal seine andere Hautfarbe ist. Menschen sind nun mal nicht alle gleich (zum Glück!) Sie sind unterschiedlich und jeder ist irgendwie einzigartig, warum freuen wir uns nicht darüber und nutzen das, warum darf ich meine Kumpels „Dickerchen, Bohnenstange, Feuerlocke, Sachse, Nordlicht“ nennen, aber warum ist es schlimm einen Spitznamen zu verwenden, der mit seiner Hautfarbe oder Herkunft zu tun hat, wenn letztere nicht Deutschland ist?
    Ist das nicht auch eine Form der Diskriminierung, wenn alle in der Gruppe lustige Spitznamen haben, nur einer nicht?
    Ein skluger Mann hat mal sinngemäß gesagt: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, dass über ihn gelacht wird! Es ist eine üble Form der Ausgrenzung, wenn man über jemanden oder eine Gruppe keine Witze macht! Und ich sehe das auch hinsichtlich von Äußerlichkeiten so.
    Jetzt noch ein tatsächliches Beispiel zum Thema Rassismus, urteilt selbst.
    Ein Politiker, dessen Name man sich nicht merken muss, hat sehr korrekt gefordert, dass unsere ausländischen Mitbürger doch dazu verpflichtet werden sollten, zu Hause nur noch deutsch zu reden.
    In der S-Bahn hörte ich dazu folgenden Kommentar: „Jetz wolln se die Kanaken doch verbieten, zu Hause ihre Sprache zu sprechen, was kommt denn als nächstes, dürfen die dann nur noch deutsch kochen?! Man, wie bekoloppt kann man denn nur sein!“
    Versöhnen kann mich mit dem ganzen Mist eigentlich wirklich nur der Gedanke, dass es immer unterschiedliche Übersetzungen gibt, selbst die Bibel gibt es ja in verschiedenen Varianten und sie wird aktuellen sprachlichen Gepflogenheiten angepasst. Und wer weiß, was im Original für ein Wort steht, vielleicht hat der ursprüngliche Übersetzer tatsächlich einfach kein passenderes deutsches Wort gefunden und dann halt „Negekönig“, weil das für ihn das exostischste war, was er kannte. Heute sind wir schon einen Schritt weiter. Schade isses trotzdem, weil ich mir als Kind unter Negerkönig immer was ganz tolles, buntes exotisches vorgestellt habe…

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