Tagebuchbloggen, 28.09.2021

Noch wenige Tage bis zum 41. Geburtstag und der Körper beginnt mit Verfall. Ich wachte mit Nacken auf und konnte nicht mehr nach links gucken. Die anderen Richtungen taten auch weh, waren aber noch möglich, links ging gar nicht. Das wurde über den Tag nicht besser, am Abend brauchte ich gefühlt zehn Minuten, um mich von einer Seite auf die andere zu drehen, aufstehen auch nur über mehrere Zwischenschritte möglich, die Nacht entsprechend problematisch, man will sich ja doch gelegentlich mal drehen, aber jetzt langsam wird es besser.


Am Montag fand ich abends einen Kong auf dem Bett. Das war neu. Ein Kong ist ein Hundespielzeug, das man einerseits werfen kann, das aber auch innen hohl ist und mit Futter gefüllt werden kann. Der Hund bekommt einen Kong, wenn man ihn ein bisschen beschäftigen will. Offensichtlich wollte mein Mann den Hund etwas beschäftigen, während er (also mein Mann, nicht der Hund) Dinge mit dem neuen Beamer ausprobieren wollte. Die Anschaffung des Beamers hat konkrete Gründe, der Hund ist noch nicht überzeugt, im Gegenteil, er ist höchst entrüstet über die Existenz des Beamers in diesem Haushalt und findet alles daran suspekt. Deswegen wurde der Kong nicht auf der Hundedecke leergefuttert, sondern möglichst weit weg vom Beamer ins Bett getragen und dort geleert.


Ansonsten ein Schreibwarenabo aus Großbritannien gekündigt, weil ich jetzt überraschend 9 Euro für Zoll bezahlen muss. Das Abo war so schon zu teuer, aber ich habe mich monatlich über hübsche Schreibwaren gefreut. Mit 9 Euro mehr ist es jetzt aber auch wirklich deutlich zu teuer, also, in dem Maße, in dem ich es auch nicht mehr mit „Das gönn ich mir halt“ rechtfertigen kann und jetzt habe ich es also gekündigt und als Grund die Zollgebühren angeführt. Mal gucken, wann es dafür Lösungen gibt, der Brexit ist damit auch ganz offiziell bei uns angekommen, ich hätte gut darauf verzichten können, danke für nix.

Tagebuchbloggen, 04.09.2021

Heute hat mein Mann Geburtstag, es gab aber nix, wir überlegten eine Weile, am Wochenende weg zu fahren, irgendwo auf einen Campingplatz und Campen mit Hund zu üben, aber ich muss das korrigieren, er überlegte das, nicht ich, ich habe nämlich schon seit Wochen, vielleicht auch Monaten keine mentalen Kapazitäten für Überlegungen, die über das absolut Nötigste hinausgehen, ich weiß auch, woran das liegt, aber ich habe noch keine Strategie gefunden, etwas dagegen zu machen. Jetzt war das Wetter auch nicht super und der Campingplatz, den er empfohlen bekommen hatte, ging tagelang nicht ans Telefon und dann hatte waren wir einfach auf der Hundewiese und haben danach die fünfte Staffel von Haus des Geldes zu Ende geguckt und es gab Sekt.

Weil es nix gab, habe ich mich dafür beim Einkaufen hart ins Zeug gelegt, es gab also zwei Überraschungseier, eine große Packung Celebrations und ein Stück Pflaumenkuchen, das muss jetzt reichen. Nächstes Jahr ist Schnapszahlgeburtstag, da hab ich dann hoffentlich vorher wieder Nachdenkkapazitäten für Geschenke und Unternehmungen.

Ich wollte aber eigentlich über etwas anderes schreiben, nämlich über Wassersport und das kam so. Frau Herzbruch hat gerade Klassenfahrt zum Skifahren, also nicht sie, sondern das Kind und das ist aus mehreren Gründen problematisch, die kann sie aber selber erzählen. Mir fiel dann ein, dass ich in der 6. oder 7. Klasse im Ruderlager war, dazu muss man wissen, dass ich bis zur 8. Klasse auf eine Schule in Köln ging, die wirklich direkt am Rhein liegt und deswegen ist da Rudern ein Sportangebot. Mit direkt am Rhein ist gemeint, dass da der Schulhof ist und dann kommt eine Mauer und dann kommt ein Fußweg und dann kommt der Rhein.

Jedenfalls fuhr man deswegen ins Ruderlager, man muss die Kinder ja anfixen, in dem Fall halt an den Baldeneysee in Essen, das ist von Köln aus gesehen auch klassenfahrttechnisch eine machbare Geschichte, es gibt da eine Jugendherberge oder sowas direkt am Baldeneysee. Jetzt fand ich Klassenfahrten eh immer problematisch, ich war eigentlich gerne zu Hause, ich hatte gerne mein eigenes Bett und ich musste ja auch nie zu irgendeiner Uhrzeit ins Bett, sämtliche Vorteile der Klassenfahrt der elterlichen Bevormundung zu entfliehen, trafen bei mir mangels Bevormundung nicht zu, es gab dafür sehr viele Nachteile, zum Beispiel schlechtes Essen und laffen Früchtetee oder H-Milch zum Frühstück. Ich kann mich aber auch an keine Klassenfahrt erinnern, die ich doof fand, es war also dann offenbar insgesamt immer alles okay.

Aber auch darüber wollte ich gar nicht schreiben, sondern übers Rudern, es war ja nicht nur Klassenfahrt, sondern auch noch Klassenfahrt mit Sport und Sport war ja bei mir auch immer kacke, weil ich Sport nicht kann und jetzt fordern Sie nicht, spezifisch zu werden, es gibt keinen „welchen Sport“, ich kann keinen Sport, Punkt. Ich hab noch keine Sportart gefunden, die ich entweder gut fand oder gut konnte, manchmal eins von beiden, nie beides zusammen und in Zusammenhang mit Schulsport ist das eine schlechte Kombination, glauben Sie nie die Mär vom „Dabei sein ist alles“, ich war immer dabei und hab immer eine schlechte Note bekommen, ich wurde sogar schon mal deswegen aus einem selbstgewählten Sportkurs geworden, aber das ist eine andere Geschichte, in der meine Mutter zum ersten Mal in meinem Schulleben das Bedürfnis hatte, sich zu beschweren. Erfolgreich übrigens.

Aber ich wollte ja übers Rudern schreiben. Es stellte sich komplett überraschend raus, dass ich Rudern super fand. Ich war immer noch eher schlecht im Rudern, das war mir aber egal, weil – und jetzt kommt das, worüber ich eigentlich schreiben wollte – ich offenbar Wassersport super finde. Ich habe aus dieser Erkenntnis noch nichts gemacht, aber ich habe in den letzten Jahren Surfen, Stand-Up-Paddeln und Wasserski ausprobiert und war sogar ganz erfolgreich. Ich schwimme gerne und ich war mehrfach in irgendeiner Art Boot, das man selbst in Bewegung setzen musste. Deswegen bin ich auch von der Idee eines Privatpools so besessen, weil es mir komplett naheliegend erscheint. Wasser ist das Medium, das mich offenbar zu Aktivität anregt, ich gehe auch bei 19 Grad Celsius Wassertemperatur in den Atlantik (nein, viel weniger nicht, wobei vielleicht schon, ich habe das noch nicht ausprobiert).

Das wollte ich jedenfalls erzählen.

Tagebuchbloggen, 18.08.2021

Zurück von der Besichtigung eines Hauses, das ich auf Basis der mir zur Verfügung stehenden Fakten sehr angestrengt nicht gut finden wollte, was mir aber überhaupt nicht gelang, jetzt also wieder sehr intensives Nachdenken über potentielle Renovierungsarbeiten, aber im Ernstfall sind da ja auch noch Banken dazwischen, die uns irgendwas sagen müssen und eine Eigentümerin und ein Makler auch und überhaupt.

Es gibt diesmal auch nur einen halbfertigen Pool und zwar nicht draußen, sondern drinnen, was einerseits super abgefahren ist, andererseits laut Internet auch super teuer im Unterhalt. Außerdem gibt es einen Garten, dessen Größe aufgrund seines Dschungelcharakters nicht wirklich ersichtlich war, man wird aber auch nicht alles wegholzen können, weil ein paar sehr charmante Pflanzen und Bäume dazwischen sind, die man gerne behalten möchte, man muss nur erst rausfinden, was und wo. Es wird einem wirklich auch nichts einfach gemacht.

Der Hund fand’s jedenfalls super und hat direkt alle Katzenfutternäpfe geleert, allerdings unter Aufsicht der Eigentümerin, das war also offiziell erlaubt. Der Sohn des Maklers betreibt einen Barf-Laden im Ort, das passt also alles sehr gut zusammen (auch wenn wir den Hund gar nicht barfen).

 

Tagebuchbloggen, 12.08.2021

Heute morgen beging ich einen schlimmen Anfängerfehler und verpasste die Auffahrt auf die A3 von der A52, Menschen aus der Region verstehen vielleicht, was ich meine. Es ist ein ähnlicher Anfängerfehler, wie aus Versehen in Köln auf die Deutzer Brücke zu fahren, man denkt sogar ein bisschen vorher drüber nach und trifft dann trotzdem eine sehr falsche Entscheidung, die man auch sofort bemerkt, wenn es gerade zu spät ist.

Dann war auch noch Stau und jetzt könnte ich noch mehr schreiben muss aber leider auf den Balkon, Sternschnuppen gucken. Tja.

Tagebuchbloggen, 11.08.2021

Ich kann gar nichts schreiben, ich habe heute sehr viele Mails gelöscht und auch insgesamt den Speicherplatz meines Google-Kontos aufgeräumt, bin aber natürlich noch längst nicht fertig, das Ordnungschaffen (und -halten) in der Kohlenstoffwert hat ja immer seinen Gegenpart in der digitalen. Zum Beispiel erlaube ich keine Dateien mehr im Download-Ordner. Dateien müssen entweder zeitnah an ihren entsprechenden Langzeitort verschoben werden oder sie werden in irgendeiner Form verarbeitet und danach gelöscht. Und dann muss auch der virtuelle Papierkorb zeitnah gelöscht werden.

Währenddessen hat mein Mann den Keller aufgeräumt, was erstmal bedeutet, dass er sehr viele Kartons kleingerissen und grob die Hälfte davon auch schon zum Altpapier gebracht hat. Ich bin schon sehr gespannt auf den Kellerzustand gegen Ende der Woche. Heute sah es schon sehr gut aus, aber es stand auch noch sehr viel vor der Kellertür rum. Falls jemand einen alten Vorwerk-Staubsauger braucht, wir haben demnächst einen abzugeben, ich weiß nur noch nicht, in welchem Zustand und für wie viel Geld.

Morgen muss ich ins Büro und raten Sie mal, wie viel Lust ich auf zwei Stunden durch die Gegend fahren habe. EXAKT SO VIEL, GENAU!

Tagebuchbloggen, 23.07.2021

Ich hatte in den letzten Tagen mehrere Ereignisse, bei denen sich erwachsene Leute sehr vorbildlich verhielten. Heute Abend zum Beispiel bot jemand an, den eigenen Parkplatz freizugeben, weil wir es ja mit unserem Auto deutlich schwerer hätten bei der ohnehin schon problematischen Parkplatzsituation.

Dann legte ich mich beim Hundespaziergang fast mit einer Frau an, weil erst der Hund unsouverän reagierte und dann sie und dann ich und dann atmete ich kurz durch und mir fiel auf, dass jetzt wirklich alle unsouverän reagiert hatten und entschuldigte mich und dann entschuldigte sie sich und der Hund konnte sich leider nicht entschuldigen, aber er machte auch nichts mehr. Man muss sich einfach öfter mal daran erinnern, dass man Situationen ja durchaus auch deeskalieren kann, wenn man nur mal in der ganzen Aufregung innehält.

Und dann gab es auf der Hundewiese noch eine Situation, wo mehrere Menschen mit Hunden rumstanden und ein sehr aufgeregter Hund mit seinen Menschen dazukam und die Familie ihn schon entschuldigend an die Leine nahmen und dann sagte jemand, jetzt lassen sie ihn halt von der Leine, sonst lernt er das ja nie mit dem Sozialverhalten und dann wurde der Hund von der Leine gelassen und verhielt sich völlig normal für einen Hund, nur halt vielleicht etwas aufgeregter und dann standen mehrere Leute rum und lobten den Hund dafür, dass er doch total sozialverträglich ist und alles super macht und die Menschen waren dann auch glücklich, dass überhaupt niemand über sie oder den Hund rummotzte.

Jedenfalls haben die letzten Tage mit diesen kleinen Vignetten meinen Glauben an die Menschheit wieder etwas bestärkt. Ich glaube ja eh insgesamt an das Gute im Menschen, auch wenn an anderen Stellen (Impfverweigerer, Klimaleugner, you name it) vieles dagegen spricht. Aber die meisten Menschen, denen ich im Alltag begegne, scheinen eigentlich ganz okay zu sein.

Tagebuchbloggen, 21.07.2021 (über Aphantasie)

Gestern passierten tatsächlich Dinge, zum Beispiel haben wir Zeug aus dem Turmzimmer geräumt, dass ist ja nicht so unkompliziert, weil man mindestens zwei Leute dafür braucht, von denen einer auf dem Speicher sitzen und das Drahtseil für die Zugbrücke führen muss, ich erkläre das jetzt nicht weiter, es ist jedenfalls mit etwas Aufwand verbunden und gestern auch mit dem Zerstören einiger Spinnennetze.

Im Turmzimmer ist es weniger schlimm als befürchtet, aber schlechter als gut. Ich hatte es mir vollgerümpelter vorgestellt, es war so mittel vollgerümpelt. Der Hauptgrund für diese Aktion war, dass wir den alten iMac verkauft haben und die Originalverpackung suchten. Tatsächlich haben wir sie da auch gefunden, außerdem auch noch zwei kleine Weinregale, einen Schubladeneinsatz und diverse Kartons, die jetzt zum Altpapier kommen. Außerdem zwei Werkzeugkisten und die Koffer für Akkuschrauber und Bohrmaschine. Außerdem zwei Stuhlkissen, die ich zum Müll brachte und ein paar Bücher, die ich zum Bücherschrank brachte.


Eigentlich wolle ich aber über etwas anderes schreiben, nämlich über Aphantasie. Ich höre nämlich gerade alle Folge des Tropenhaus-Podcasts und da ging es um Aphantasie, es wurde nämlich über Yoon Ha Lee, dem Autor von „Ninefox Gambit“ [Amazon-Werbelink] geredet, der hat das nämlich und ich eben auch.

Aphantasie ist bislang kein besonders erforschtes Phänomen, das meiste, was man dazu findet, sind also persönliche Berichte von Menschen, die sich unter dem Regenschirmchen dieses Begriffs wiederfinden. Ich erfuhr davon zum ersten Mal über den Online-Buchclub auf Goodreads. Wir lasen nämlich in dem Monat eben genau Ninefox Gambit und ich erzählte davon, dass ich enorme Schwierigkeiten hätte, mir die beschriebenen Szenen im Buch vorzustellen, weil alles sehr abstrakt war. Ich war unsicher, ob ich irgendwas wichtiges verpasst hatte oder ob das tatsächlich eine Eigenheit des Buches war. Es stellte sich heraus, dass es erstens nicht an mir lag und dass zweitens Yoon Ha Lee selber darüber geschrieben hatte, wie es ist als Autor Aphantasie zu haben und als ich dann das las, war es ein bisschen, als ob diverse Glühbirnen über meinem Kopf aufleuchteten. OH MEIN GOTT, APHANTASIE, DAS IST ES, DAS IST DAS, WAS ICH HABE! ICH BIN NICHT ALLEIN!

Ich musste also knapp 40 werden, bis ich erfuhr, dass ich beim Lesen nichts falsch mache, dass auch sonst nichts kaputt ist, sondern, dass es einfach ein Spektrum gibt, wie bildlich sich Menschen Dinge vorstellen können und ich bin auf dem Spektrum einfach relativ weit auf der einen Seite. Jahrzehntelang war ich irritiert, wenn Leute sich über Buchverfilmungen beschwerten, weil das in ihrem Kopf ganz anders aussah und fragte mich, ob ich einfach nicht richtig aufgepasst hatte beim Lesen. Die Antwort ist noch viel einfacher: Ich hatte mir einfach nichts vorgestellt beim Lesen. Das passiert bei mir nicht und bei anderen eben schon, aber das eine ist nicht besser oder richtiger als das andere, es ist schlicht anders.

Aphantasie wird schnell als „kann sich nichts bildlich vorstellen“ verstanden, das ist aber nicht richtig. Ich kann mir schon Dinge vorstellen, ich sehe Bilder in meinem Kopf, aber es sind dann eben vorrangig Dinge, die ich kenne. Ich kann mir einen Apfel vorstellen, weil ich weiß, wie ein Apfel aussieht, ich sehe regelmäßig Äpfel. Ich kann mir auch meine Mutter oder meinen Mann oder meinen Hund vorstellen. Ich mache sogar gelegentlich Rundgänge durch Orte oder Häuser, die ich sehr gut kenne und versuche mich an viele Details zu erinnern. Menschen mit Aphantasie träumen auch bildlich, ich kann ja gucken und habe Erinnerungen und mein Unterbewusstsein bastelt sich daraus fleißig absurde Geschichten zusammen. Ich kann mir mit viel Anstrengung sogar beim Lesen Bilder zusammenbasteln, das ist dann aber eine bewusste Handlung, die mich aus dem Lesefluss eher rausholt als reinzieht, es passiert nicht automatisch. Anders gesagt: Ich kann Bilder im Kopf reproduzieren, aber ich kann sie nicht neu kreieren.

Auf dem Spektrum der Aphantasie bin ich auch nicht ganz am Rand des Spektrum, ich sehe nicht gar nichts, aber es bleiben Blobs oder Schemazeichnungen. Am ehesten kann man sich das vielleicht als vage Ideen von Dingen vorstellen. Wenn also zwei Personen sich in einer Szene unterhalten, dann sehe ich grob personenförmige verschwommene Formen, die sich gegenüber stehen (oder wie auch immer die Situation gerade ist). Wenn Leute am anderen des Spektrums direkt Filmszenen sehen, sehe ich die erste grobe Skizze, die der Regisseur mit einem stumpfen Bleistift auf Papier gezeichnet hat. Kampfszenen gehen komplett an mir vorbei, ich verstehe die Worte, aber es ist mir völlig unklar, was ich bildlich damit anfangen soll. Landschaftsbeschreibungen gehen oft besser, weil ich da zumindest Anhaltspunkte in der Realität habe, aus denen ich mir was zusammenpuzzeln kann.

Aus diesem Grund finde ich Buchverfilmungen oft super hilfreich, es ist für mich eine Serviceleistung der Filmemacher, dass mir endlich jemand zeigt, wie ich mir etwas vorstellen könnte, das ist wirklich sehr praktisch. Ich habe ja auch nicht den Nachteil, dass ich mir diesen Charakter oder jenen Ort komplett anders vorgestellt habe, ich freue mich darüber, dass ich endlich mal Bilder zu den Worten sehe. Ich google auch regelmäßig Fan Art von Fantasy- oder Science Fiction-Büchern, wenn ich verstehen will, wie ich mir ein Fantasiewesen oder einen Außerirdischen vorzustellen habe.

In „on writing with aphantasia“ schreibt Yoon Ha Lee auch folgendes:

There are some weird side-benefits to this.  I am a wuss about watching certain types of violence/gore on the screen.  I had to bail out of a Hannibal vid recently not because the vid was poorly edited (it was gorgeously done) but because the violence freaked me out.  But I have a much higher tolerance for violence in prose format, because I can’t see what’s going on.  If I bail, it’s much likelier to be because the emotion is too intense, rather than the gore.

Exakt das gleiche ist bei mir auch der Fall. Ich kann supergut Horrorbücher lesen, bei Horrorfilmen verbringe ich die halbe Zeit unter der Decke oder gucke angespannt auf mein Smartphone. Das gleiche gilt generell für Gewaltszenen. Ich will das nicht sehen und wenn ich es lese, sehe ich es ja nicht, ich verstehe die Worte, aber sie setzen sich nicht zu einer bildlichen Szene zusammen. Ich finde auch das ein superpraktisches Feature meiner Aphantasie, denn sie bewahrt mich vermutlich regelmäßig vor schlechten Träumen.

Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass ich nicht defizitär bin, denn das war jahrelang mein Gefühl. Ich wusste nicht, ob ich zu schnell lese oder zu oberflächlich oder ob mir irgendetwas fehlt, was alle anderen Menschen selbstverständlich haben. Als Mensch, der sich über seine Kreativität definiert, empfand ich es als sehr schmerzhaft, dass es mir an Fantasie mangeln könnte. Die Idee, dass es sich um ein Spektrum handelt, auf dem ich eben relativ weit am Rand sitze, dass es nicht grundsätzlich ein Mangel an Fantasie ist, sondern lediglich eine Unfähigkeit, sich erfundene Dinge automatisch bildlich vorzustellen, und dass es eben viele andere Leute gibt, denen es genauso geht, hilft mir sehr. Es freut mich auch, dass jedes Mal, wenn ich darüber schreibe, Leute mit „OH MEIN GOTT, DAS GIBT ES WIRKLICH! ICH BIN NICHT ALLEIN!“ reagieren und ich gebe dieses Wissen deswegen gerne weiter.

So. Bildungsauftrag hiermit für heute erledigt.

Tagebuchbloggen, 18.07.2021

Es ist jetzt also so, dass der Hund morgens zu uns ins Bett kommt. Das ist auch von uns so gewollt, es lag am Hund, dass es so lange gedauert hat. Irgendwann zwischen 8:30 und 9:00 Uhr kommt er mal gucken, warum wir noch im Bett sind und darf jetzt dazu kommen. Er möchte dann auch nur ein bisschen am Bauch gestreichelt werden, ansonsten liegt er hauptsächlich rum. Insgesamt darf der Hund ja relativ viel, weil er nur ganz selten nervt.

Gestern Abend nervte er dann ein bisschen, aber das war ja auch der Tag, an dem auf Wunsch des Hundes der Hundewiesenbesuch vormittags nur sehr kurz ausfiel. Weil das Wetter aber super war und wir sonst nichts vorhatten, fuhren wir dann einfach noch mal zur Hundewiese. Ich hoffe, der Hund hat sich nicht gemerkt, dass zwei Mal am Tag Hundewiese tatsächlich eine Option ist, ich muss das nämlich nicht dauernd machen, aber gestern war es die richtige Entscheidung, die Temperatur war viel angenehmer, der Hund fand zwar keine Hunde, die mit ihm rennen wollten, dafür wurden Frisbees und Bälle für ihn geworfen, das fand er auch super. Am Ende gab es schon wieder eine Hundeeinfangaktion, an der wir nur passiv beteiligt waren, indem wir im Auto saßen und explizit nicht losfuhren, damit der Hund nicht noch zusätzlich irritiert wurde. Es ging dann aber doch verhältnismäßig schnell gut aus, der einzufangende Hund war gar nicht generell abgeneigt, aber etwas überfordert mit der Gesamtsituation.


In other news habe ich meinen Mann mit True-Crime-Podcasts angefixt und jetzt müssen wir immer irgendwo sitzen und zuhören. Leider schlafen wir dabei schnell ein, ich kenne also jetzt schon viele Kriminalfälle so halb.


Ansonsten gab es noch folgendes:

  • Meloneneis gemacht, weil eine Honigmelone verarbeitet werden musste. Das Eis war von der Konsistenz nicht ganz optimal, geschmacklich aber überraschend gut.
  • Backups von allen Blogdatenbanken gemacht. Es wird hier einfach alles ekelhaft organisiert.
  • Ein kleines Glasgewächshaus bei Facebook zum Schenken eingestellt, es wurde direkt ein Termin für Montagvormittag vereinbart.
  • Nachträgliche Geburtstagsgeschenke für meine Cousine gesucht und gefunden, sie wünschte sich vielleicht ein schönes Buch oder eine schöne Blechtasse, und weil ich es zum Geburtstag nicht richtig geschafft habe, gibt es jetzt ein Buch und zwei Emaillebecher, vor allem, weil ich einen Shop mit unfassbar niedlichen Emaillebechern gefunden habe und mich nicht entscheiden konnte. Eventuell bekommen jetzt in der nächsten Zeit einfach alle Emailletasssen als Geschenk, ich kann es nicht ausschließen.
  • Ein Abo für AppleTV+ abgeschlossen (ein Jahr kostenlos) und festgestellt, dass weder Fernseher noch Receiver noch der Adapter von MagentaTV AppleTV+ als App anbieten. Ich teste noch mal den Chromecast, sonst muss ich mir was anderes überlegen.

Tagebuchbloggen, 12.07.2021

Die Wohnung hat mittlerweile einen soliden Aufräumgrundzustand, so dass ich mangels Beschäftigung zum digitalen Aufräumen übergegangen bin. Es ist ja nämlich so, dass ich derzeit sehr viele Geräte doppelt habe, weil etwas neu gekauft wurde, aber das alte noch keinen neuen Besitzer gefunden hat oder aber in einem anderen Fall, dass es auch noch kein neues Gerät gibt, das alte aber in einem Zustand ist, der eine Ersetzung durch etwas neues innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre wahrscheinlich macht und wir wissen ja alle spätestens seit der Pandemie wie schnell so ein bis zwei Jahre vorbeigehen.

Jedenfalls habe ich gestern angefangen und erstmal sämtliche Downloadordner auf allen Geräten aufgeräumt, Dateien umsortiert oder gelöscht und dann habe ich mit dem Dropbox-Ordner weitergemacht und dann habe ich auf dem privaten Windows-Laptop weitergemacht und da sehr fleißig Dateien verschoben und gelöscht und dabei tatsächlich exakt die Bilddateien wieder gefunden, die ich letztens verzweifelt noch auf alten SATA-Festplatten suchte. Es gibt nämlich noch einen Uraltblog, auf dem ich nur Alltagsbildchen mit lustigen Captions veröffentlicht hatte, das muss in einem kurzen Zeitraum gewesen sein, als Smartphone-Fotografie schon verbreitet war, es aber noch kein Instagram gab oder Instagram auf meinem Smartphone noch nicht lief, und dann denkt man sich eben sowas aus. Die Bilder sind von beeindruckend schlechter Qualität, aber irgendwie ja auch Zeitdokumente. Jedenfalls konnte ich so den Inhalt des Blogs komplettieren, das machte mich sehr glücklich.

Als nächstes muss ich vermutlich Bilder sortieren und da graut es mir schon etwas vor. Zumal das Kabel für die externe Festplatte abhanden gekommen ist, das einzige, dass natürlich kein Standard-USB-Anschluss hat. Es kann auch nicht weg sein, dieses Kabel verlässt nur selten diese Wohnung, es ist nur nicht auffindbar.

Hundewiese war auch recht erfolgreich, es fanden sich mehrere Hunde, mit denen unserer gerne rennen wollte, gegen Ende gab es eine gescheiterte Hundeeinfangsituation, die uns aber nur am Rande betraf, wir versuchten, mitzuhelfen und irgendwann fuhren wir dann aber nach Hause (mit unserem Hund, der ja brav mit uns mitkommt, wenn wir die Wiese verlassen), es gibt da auch keinen Grund zur Sorge, die Situation ist bekannt und erprobt, leider weiß das auch der entsprechende Hund.