Tagebuchbloggen, 4.8.2020

Noch drei Tage bis Hundi. Ich verstehe langsam einen Zusammenhang zwischen Minimalismus und Tierhaltung, wir sind seit einigen Tagen damit beschäftigt, untere Regalfächer leerzuräumen und halten Ausschau nach allem, was für einen 55-Zentimeter-Schulterhöhe-Hund wie interessantes Kauspielzeug aussehen könnte.

Sagen wir, es ist grundsätzlich seit Corona schon super ordentlich in der Wohnung und jetzt wird es noch ein bisschen ordentlicher, wobei natürlich unklar ist, wie viel Unordnung Hundi dann mit ins Haus bringt, also ist es eventuell auch nur ein sehr temporärer Zustand.

Gestern waren wir deswegen auf Anraten der Vorkontrolle-Frau bei einem ominösen Laden namens Action, weil es dort Welpenmatten zum Vorzugspreis geben sollte. Welpenmatten sind so saugfähige Unterlegmatten, die wir gleichermaßen großzügig wie strategisch in der ganzen Wohnung verteilen sollten, weil die Stubenreinheit von Hundi noch nicht bekannt ist. Außerdem konnte man bei Action so einen Bürstenhandschuh, Anti-Floh-Tropfen und Kotbeutel kaufen, es war also insgesamt erfolgreich, auch wenn wir das Konzept des Geschäftes nicht verstanden haben.

Danach waren wir bei einem uns bisher noch unbekannten Edeka, der sehr groß und schön war, was dazu führte, dass wir sehr viel Unsinn kauften, unter anderem sehr teuren löslichen Kaffee, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit machen soll, aber es stand „Walnut Maple“ drauf und ich werde immer sehr unzurechnungsfähig, wenn irgendwo Maple draufsteht.

Was sonst noch geschah:

  1. Ich habe eine Tomate umgetopft, also vielmehr „die“ Tomate, denn es gibt hier nur eine, jedenfalls als Pflanze. Die Tomate kommt aus Essen-Haarzopf und überlebte nur haarscharf, sieht jetzt aber insgesamt recht stabil aus, deswegen durfte sie auch in einen größeren Topf.
  2. Wir haben noch mal angefangen, Stromberg von ganz vorne zu gucken und es ist bemerkenswert gut gealtert, aber halt immer noch genauso fremdschämschlimm wie früher.
  3. Eine weitere Großcousine wurde geboren. Mehr Infos habe ich noch nicht, aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Tagebuchbloggen, 30.7.2020

Es ist einigermaßen irre, dass schon Ende Juli ist. Seit Mitte März war ich exakt einmal im Büro. Aktuell dürfen 30 Prozent der Mitarbeiter vor Ort in Köln sein, mich treibt aber tatsächlich relativ wenig dahin, ich säße dann auch nur alleine im Büro, eben weil ja nur 30 Prozent zurück dürfen und es gibt quasi nichts, was ich im Büro könnte, was ich zu Hause am Wohnzimmertisch nicht auch kann.

Gestern eskalierte ich dann abends ein bisschen beim Shoppen, das hatte aber Gründe, nämlich genauer gesagt eine anstehende Geburt und einen anstehenden Geburtstag. Für das Patenkind kaufte ich das unfassbar tolle „Alle Welt“ von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski [Amazon-Werbelink], ein Landkartenbuch mit ganz vielen Bildern zu den jeweiligen Ländern, berühmte Personen, Sehenswürdigkeiten, landestypisches Essen und heimische Tiere. Zu Hause bestellte ich es gleich noch mal, entweder für uns oder für den Großcousinengeburtstag, mal sehen, es scheint mir ein exzellentes Geschenk für eigentlich fast jedes Alter zu sein.

Dann nahm ich noch spontan ein Südafrika-Kochbuch (nämlich dieses hier) mit und eben ein Sachbuch über Hunde, weil ja bald ein Hund hier einzieht. Offiziell sind wir Pflegestelle, es glaubt aber anscheinend mittlerweile exakt niemand mehr, dass wir den Hund wieder abgeben, obwohl er ja noch gar nicht hier ist und wir – weil es ja nur als Pflegestelle gedacht war – exakt 30 Sekunden mit dem Aussuchen des Hundes verbracht haben. Vielmehr erklärte ich der Frau von der Tierschutzorganisation grob, wie unsere Rahmenbedingungen sind, damit sie einen passenden Hund aussuchen konnte und dann sah der erste Vorschlag schon gut aus und wir sagten, ja, okay, das passt. Genau genommen schickte sie drei oder vier Vorschläge, ich zeigte meinem Mann den ersten und als ich dann die anderen durchscrollte, fragte er nur, was jetzt mit dem ersten sei, der sähe doch gut aus.

Es zieht also demnächst für kurz oder lang ein Hund bei uns ein und wir haben keine Ahnung, worauf wir uns da eingelassen haben. Wobei, wir haben natürlich schon eine Ahnung, weil uns auch bei der Vorkontrolle sehr ausführlich erzählt wurde, worauf wir uns einlassen. In der Theorie wissen wir also super Bescheid, sogar über unterschiedliche Konsistenzen von Kot wurde referiert und wir haben uns alles gemerkt und sogar Notizen gemacht. Wie das aber in der Praxis aussieht, das scheint uns alles noch sehr unvorstellbar.

Um schon mal reinzukommen, üben wir einfach, in dem wir mit einem unsichtbaren Hund reden, der den gleichen Namen und in etwa die gleiche Größe hat wie der Pflegehund. Man muss sich das so vorstellen, dass in diesem Haushalt jetzt gelegentlich Sätze fallen wie „Hundi, geh da weg!“ oder „Hundi, nein! Das ist mein Essen, du kriegst gleich auch was.“ oder „Hundi, komm her!“ begleitet mit einem auffordernden Klopfen auf das Sofakissen (selbstverständlich darf der Hund aufs Sofa, wir sind doch keine Unmenschen, mal abgesehen davon, dass einer der wesentlichen Vorteile eines Hundes ist, dass er als flauschiges Wärmekissen einen großen Beitrag zum Liegekomfort beitragen kann).

Das sind soweit die Neuigkeiten aus dieser Ecke der Pandemie. Stay tuned und noch 9 Tage bis Hundi.

Der Urlaub, der irgendwie keiner war

Man denkt ja, in so Selbstisolationszeiten wäre das mit dem Urlaub noch mal ereignisloser. Jetzt ist es aber so, dass man ja sehr viel Zeit hat und auf einmal sehr viele Ideen, was man machen könnte. Folgendes ist in diesem Urlaub passiert:

  • Drei längere Radfahrten. Noch nicht das, was man als „Tour“ bezeichnen könnte, aber immerhin schon mal Austesten der Reichweiten und des Radeinsatzes im Alltag. An dem Tag, an dem wir eigentlich vielleicht tatsächlich eine Radtour hätten machen wollen, wurde es unerwartet kühl, so dass wir in Steele abbrachen und zurückfuhren. Dabei gelernt, dass die Fahrradtrasse zwischen Gruga und Steele an schönen Sonntagen mehr so Spießrutenlauf mit Slalom ist. In Douglas Adams „Die Letzten ihrer Art“ beschreibt er eine Verkehrssituation entweder in Madagaskar oder China oder ganz woanders, bei der ein Auto ein anderes überholt, das wiederum ein Auto überholt, während das gleiche Manöver auch im Gegenverkehr passiert. Ungefähr so muss man sich Wochenendverkehr auf Essener Fahrradtrassen vorstellen. Entspanntes Fahrradfahren ist anders.
  • Vier Restaurantbesuche. Man tastet sich vorsichtig ran, aber es geht. Zutritt nur mit Maske, Tische werden in großem Abstand besetzt, überall muss man seine Daten hinterlassen, was teilweise per Papierzettel, teilweise per App geschieht. Drei von den vier Restaurantbesuchen geschahen auf den ausdrücklichen Wunsch meines Mannes, es möge jetzt bitte Poutine gegessen werden. Wir können hier die Traumkuh in Essen-Rüttenscheid empfehlen, die Burger sind angenehm portioniert, so dass man sie tatsächlich noch mit der Hand essen kann und die Pommes werden mit Dillsalz gewürzt.
  • Einmal Familienbesuch in Köln, der erste seit über zwei Monaten, damit auch das erste Mal Bahnfahren seit über zwei Monaten. Es ist alles gleichzeitig sehr seltsam und ganz normal, man weiß gar nicht, wie man das mental verarbeiten soll.
  • Einmal Küchenplanung, das kam so: Eigentlich brauchen wir einen neuen Backofen, weil der alte mittlerweile zehn Jahre und schon ziemlich runtergerockt ist. In so einem Küchenladen überlegt man dann, ob man nicht vielleicht doch noch irgendwas ändern könnte und na ja, unsere Küche ist leider so gebaut, dass man quasi nichts ändern kann, ohne das Konzept komplett neu zu überdenken, weil man an jeder Stelle zumindest mal die Arbeitsplatte erweitern müsste, aber vermutlich gibt es das Dekor nicht mehr, man müsste also die Arbeitsplatte komplett austauschen und dann natürlich am besten überall, damit es nicht komisch aussieht und am Ende kann man auch einfach eine neue Küche planen. Küchenplanung dauert übrigens ungefähr drei Stunden und danach kann man nicht mehr geradeaus denken.
  • In dem Zusammenhang schnell noch ein neues Sofa gekauft oder vielmehr bestellt, weil wir endlich eins gefunden habe, das erstens von der Größe passt und das ich auch gar nicht furchtbar hässlich fand, sondern sogar richtig schön. Ich und Sofas, das ist eine komplizierte Geschichte. In dem Zusammenhang noch schnell einen neuen Couchtisch bestellt.
  • Auf der Suche nach Balkonmöbeln spontan nach Venlo gefahren, weil der Gartenmöbelladen in Venlo zeitlich ungefähr so weit weg ist wie der in Recklinghausen, aber den entscheidenden Vorteil hat, direkt neben Albert Heijn zu liegen. Das interessiert hier vielleicht den ein oder anderen: Aktuell keine Grenzkontrollen, in den Niederlanden auch keine Maskenpflicht, dafür viel Abstandhalten und Desinfektionsmittel überall. Keine Gartenmöbel gefunden, aber dann später angemessen bei Albert Heijn eskaliert.
  • Am Samstag spontan Kunstrasen gekauft, einen der Balkone abgedeckt, geputzt und Rollrasen verlegt. In dem Zusammenhang dann noch spontan nach Neuss gefahren, um eine Balkonbank zu kaufen, dabei direkt in eine Vollsperrung gefahren, was ich dazu nutzte den Bulli mal ein bisschen aufzuräumen, denn es lag noch sehr viel Kram aus dem letzten Urlaub herum. Die Bank haben wir dann am Sonntag aufgebaut, jetzt braucht es noch einen Tisch und dann kann man auch auf dem Nordbalkon frühstücken.
  • Beim Notar gewesen, aufgeräumt, endlich wieder gelesen, Gesangsunterricht gehabt, ein kleines Regal aufgehängt und bestimmt noch andere Dinge getan.

Ich brauche jetzt also eigentlich Urlaub vom Urlaub, denn es war wirklich sehr anstrengend, und es hört ja noch gar nicht auf, weil das Küchenthema natürlich noch nicht durch ist, wir den ganzen Balkonmüll wegbringen müssen, der Südbalkon jetzt auch noch mit Kunstrasen belegt werden soll und ja auch die Balkonmöbelsituation noch nicht abschließend geklärt ist. Auf der anderen Seite: Da die Chancen auf Sommerurlaub mit richtig Wegfahren zunehmend sinken, kann man es sich jetzt wenigstens zu Hause schön machen.

Auf der einsamen Insel

Kurz nachdem das losging mit der Selbstisolation, legte ich mir auf nicht ganz subtiles Drängen diverser Leute aus dem Internet eine Nintendo Switch und das Spiel „Animal Crossing“ zu. Bei Animal Crossing lebt man auf einer Insel und kann den ganzen Tag fischen, Muscheln sammeln, an Bäumen schütteln, Blumen pflanzen und Insekten fangen. Das klingt erstmal sehr beschaulich, in Wahrheit ist man aber in die Fänge eines hochkapitalistischen Waschbären geraten und muss dauernd irgendwelche Kredite abbezahlen, nur weil man noch ein Zimmer mehr in seinem Häuschen haben wollte. Der Waschbär will zwar keine Zinsen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass er hart an der Immobilienpreisschraube dreht und sich so irgendwo auf dem Land seine Villa mit drei Pools finanziert.

Wie auch immer, der Waschbär hat sich relativ schnell eine Assistentin namens Melinda angeschafft, die – KEIN SCHEISS – 24/7 vermutlich für einen Hungerlohn in seinem Büro schuftet, denn während der Inselladen, der vom Waschbärnachwuchs Nepp und Schlepp geführt wird, immerhin nur von 8 bis 22 Uhr auf hat, ist das Rathausbüro zu jeder Tag- und Nachtzeit geöffnet. Soll aber nicht mein Problem sein, ich habe ganz andere Probleme.

Bei Melinda nämlich kann man erfahren, wie die Insel so bewertet wird. Meine Insel hat jetzt schon sehr lange 3 von 5 Sternen, was ich ehrlich gesagt für eine Unverschämtheit halte, schließlich rupfe ich jeden Tag Unkraut und pflanze bunte Blumen wie eine Irre. Deko fehlt, sagt Melinda, ich solle einfach ÜBERALL irgendwelche Dekorationsdinge hinstellen, dann würde die Insel schon abgehen und die schönste im ganzen Land oder vielmehr im ganzen Ozean sein.

Nun das Problem: ICH WILL NICHT DEKORIEREN! Ich bin doch nicht auf eine verfickte einsame Insel gezogen, um jetzt an jeder Ecke irgendeinen Dekoscheiß aufzustellen! WOSIMMADENNHIER!?! Während ich auf anderen Inseln schon gut getrennte Natur- und Wohnbereiche gesehen habe, fälle ich Bäume nur, wenn sie wirklich im Weg sind oder weil ich aus Versehen drei Mal hintereinander beim Holzfällen mit der Axt dagegen geschlagen habe. Ich will dieses schöne Fleckchen Natur nicht mit Dekoration zumüllen. DAS IST DOCH SCHÖN SO!

Das erinnert mich ein bisschen an das Assessment Center, dass ich für meine Ausbildung 2002 gemacht habe. Als erstes stand ein standardisierter Test an, bei dem logisches Denken, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und anderer Kram abgefragt wurde. Insgesamt eine einfache Übung für jemanden, der Matheaufgaben eher entspannend findet und manchmal das Logikrätselheft von P.M. kauft. Bis der Kreativitätsteil kam.

Nun halte ich mich eigentlich auch für recht kreativ, ich meine, ich schreibe gerne Dinge, kann mir selber Lieder ausdenken und zumindest ein bisschen malen kann ich auch, what could possibly go wrong. Die Aufgabe war, auf einem DIN-A4-Blatt mit ungefähr 24 Kästchen oder so in jedes Kästchen etwas zu malen, so viel wie möglich in so und so viel Minuten. Jetzt scheint mir Kreativität unter Zeitdruck ein zumindest hinterfragbares Konzept zu sein, aber das ist eine andere Sache.

Als ich die Kästchen also so vor mir sah, dachte ich „Ein Hochhaus!“ Die Kästchen waren eindeutig Fenster eines Hochhauses und ich begann, Blümchen und Gardinen und Menschen, die aus Fenstern guckten, zu zeichnen. Ein sehr schönes Konzept, wie ich fand, schlüssig und charmant. Natürlich auch etwas schwierig, man muss ja Abwechslung reinbringen, gleichzeitig muss es aber zum Gesamtbild passen. Long story short, ich kam nicht so weit mit meinen Kästchen, weil ich erstens sehr ordentliche Jalousien gezeichnet habe und zweitens ja auch sehr viel überlegen musste.

Wie auch immer, ich schnitt in allen Bereichen ziemlich gut aber, nur nicht im Kreativitätsteil. Wahrscheinlich hatte ich einfach zu wenig Kästchen gefüllt. Ein Kollege, der sich selber weder Zeichentalent noch Kreativität bescheinigte, hatte die Höchstpunktzahl, weil er „einfach in jedes Kästchen schnell irgendwas gemalt“ hatte.

Ich hab die Ausbildungsstelle trotzdem bekommen und irgendwie werde ich auch irgendwann 5 Sterne für meine Insel bekommen OHNE ÜBERALL DEKOSCHEISS HINGESTELLT ZU HABEN! Es wird nur etwas länger dauern.

Tales from the Self Isolation

Eigentlich wäre ja genug Zeit, um endlich mal wieder ordentlich zu bloggen, könnte man denken. Stimmt auch. Auf der anderen Seite arbeite ich nach wie vor jeden Tag acht Stunden oder mehr, wenn es denn anfällt, weil man ja eh zu Hause sitzt und ach ja, was soll’s?

Außerdem bin ich mit Aufräumen beschäftigt, die Wohnung ist super ordentlich, ich habe jetzt schon zwei Stapel Bücher zum Bücherschrank gebracht, wir haben es irgendwie geschafft noch Anfang März einen Küchenschrank bei IKEA zu bestellen, der dann auch tatsächlich noch geliefert wurde. Nun stellte sich zwar heraus, dass wir die Tür nicht anbringen können, weil nun ja, da eine Ecke von der Stufe zur Terrasse überraschend überstand und es auch keine Möglichkeit mehr gab, den Schrank noch etwas mehr nach links zu rücken und jetzt ist es halt ein Regal, aber immerhin ein Regal, in das man sehr viel Zeug stellen kann, was vorher in andere Schränke gestopft war und das ist schon deutlich besser so.

Es ist auch eine Zeit der sinnlosen, aber tollen Anschaffungen. Wir haben jetzt eine Switch, finnische Designervasen und seit heute eine Murmelbahn, was könnte man sich noch wünschen. Den Balkon kann man auch ein bisschen auf Vordermann bringen, indem man einfach regelmäßig beim Einkaufen noch ein bis drei Pflanzen mitnimmt, man muss dazu gar nicht ins Gartencenter, wobei ich schon sehr gerne ins Gartencenter fahren würde, das hat meines Wissens auch auf, aber wir gehen wirklich nur sehr selten raus und ein Teil von mir findet es sehr, sehr falsch jetzt ins Gartencenter zu fahren. Kann aber sein, dass der Teil, der sehr, sehr gerne noch mehr Pflanzenzeug hätte demnächst Oberhand gewinnt, ich warte hier noch ab, wie sich die Gemütslage so entwickelt.

Dafür stehen Schnittblumen in der Designervase, es ist unfassbar, wie so eine Wohnung auf einmal wirkt, als wüsste man, was man täte und hätte so sein Leben tatsächlich richtig im Griff, nur weil irgendwo Blumen rumstehen. Faszinierend. Man muss diesen ungewohnten Anblick an Erwachsenheit dann schnell ausgleichen, indem man auf dem Wohnzimmertisch die Murmelbahn aufbaut.

Blumen und Quokka

Man muss aber auch fair bleiben und sich regelmäßig erinnern, dass man zu den glücklichen Leuten gehört, die gerade keine Kinder haben, die nicht rausdürfen, die einen sicheren Job haben und mal ganz abgesehen davon auch eine grundsätzliche Disposition, der „zu Hause bleiben“ eher leicht fällt. Mein Arbeitsweg beträgt im Moment eine Minute im Vergleich zu den anderthalb Stunde (eine Strecke), die ich sonst brauche. Ich bekomme Quokkas geschickt und da meine Freunde sowieso fast alle im Internet wohnen, habe ich etwas länger gebraucht, um zu merken, dass irgendwas anders ist.

Jedenfalls ist das der aktuelle Stand. Bleiben Sie dran, eventuell wird ja demnächst auch wieder gebloggt.

2019 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Glaub ich. Jedenfalls nicht ab.

Haare länger oder kürzer?

Immer irgendwie gleich. Zwischendurch mal ein Experiment mit Hennafarbe, das aber total enttäuschend ausfiel. Beim nächsten Mal sind wir weniger vorsichtig mit dem Rotanteil, damit man überhaupt was sieht.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich kurzsichtig. Glaub ich. Ich könnte mal wieder zum Optiker, die Brille ist ja auch schon wieder über zwei Jahre alt.

Mehr Kohle oder weniger?

Etwas mehr wegen überraschender Auszahlung der VG Wort.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Der große Urlaub war trotz Hauptsaison und Cornwall günstig und es gab keine überraschenden Ausgaben. Allein das E-Bike war eine größere Anschaffung, aber das hat mein Mann mir ja zum Geburtstag geschenkt, also zählt es nicht wirklich

Mehr bewegt oder weniger?

Nicht weniger, aber auch nicht mehr. In den letzten zwei Monaten dann dank E-Bike vermehrtes Fahrradfahren, aber aktuell sind das eher Kurzstrecken, weil das Wetter jetzt nicht zwingend zu großen Fahrradtouren einlädt. Ich hatte vergessen, wie unglaublich gerne ich Fahrrad fahre und freue mich ungelogen jedes Wochenende, wenn ich Samstag einfach nur zum Einkaufen fahren kann.

Der hirnrissigste Plan?

Zum Ausruhen in die DB Lounge am Berliner Hauptbahnhof zu fahren. Offenbar machen das in Berlin nämlich alle. Ich war aber auch einfach sehr müde.

Die gefährlichste Unternehmung?

Als wir in Woolacombe vorzeitig den Campingplatz verließen, weil es nur stürmte und regnete, war ich kurzfristig nicht so sicher, ob es so eine kluge Idee sei, bei Sturm durch die englische Landschaft zu fahren. Es war dann aber überhaupt kein Problem.

Die teuerste Anschaffung?

Das E-Bike. Hab ich aber auch wieder nicht bezahlt.

Das leckerste Essen?

10-Gänge-Überraschungsmenü bei Graphite in Amsterdam. Wenn ich irgendwas empfehlen kann, dann das. Schön war auch der Besuch bei La Cuisine Rademacher in Köln-Dellbrück und im Souvenir in Gent.
Außerdem zum ersten Mal Hummer gegessen, weil wir halt in Padstow waren, wo es eine Hummerzucht hat und wir dachten, wenn nicht hier, wo dann (St. Petroc’s Bistro).

Das beeindruckendste Buch?

Es war ein gutes Buchjahr, ohne Frage, obwohl mich so ab November aus bislang ungeklärten Gründen die Leselust verließ. Sehr beeindruckend, aber auch anstrengend war The Gray House von Mariam Petrosyan [Amazon-Werbelink]. Außerdem mochte ich sehr The Book of the Unnamed Midwife von Meg Elison [Amazon-Werbelink] und Planetfall von Emma Newman [Amazon-Werbelink], gefreut habe ich mich aus diversen Gründen über Kurt von Sarah Kuttner [Amazon-Werbelink] und Take That von Anja Rützel [Amazon-Werbelink].

Der ergreifendste Film?

Ich habe „Rocketman“ so geliebt, dass ich ihn mir direkt zwei Mal hintereinander angeschaut hätte (haben wir aber dann doch nicht). Geweint habe ich allerdings bei „Derry Girls“ (Finale erste Staffel) und natürlich bei „Please Like Me“.

Das beste Lied?

Sehr gefreut über Okkervil River, die Famous Tracheotomies besangen.

Hamliar von Toby Sebastian

Sehr begeistert war ich auch von Sidney Gish und Presumably Dead Arm (617 Session)

Dann hatte ich noch eine spontane Udo-Jürgens-Phase, bei der ich mich unter anderem in Lieb Vaterland ein bisschen neu verliebt habe:

Ansonsten sehr gut mit meinen Quartalsplaylisten gefahren, wer will, kann gerne reinhören:

Winter 2019
Frühling 2019
Sommer 2019
Herbst 2019

Das schönste Konzert?

Unser Konzert am 25.1. war sehr schön und gemütlich, das am 25.10. war aber auch sehr schön und gemütlich und gefühlt war ich da etwas besser in Form. Toll waren beide.

Konzert

Anderer Leute Konzerte habe ich  dafür nicht besucht, hatte aber bei der Live-Tour der Drei ??? in der Kölner Lanxess-Arena viel Spaß.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Gefühlt Zugfahren. Es war kein gutes Zugjahr. Dauernd war irgendwas gesperrt, dann wurden Abfahrtszeiten ungünstig geändert und ach, überhaupt. Ansonsten viel Arbeit am Tag und viel Ausruhen am Abend.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Mann und Familie. An Weihnachten mit der einen Großcousine Halli Galli, Domino und Junior Activity gespielt und mit der anderen zwei Tage später „Hängequatsch“ gemacht. Freunde sind aber auch super, neue wie alte. Ich habe hier vor zwei oder drei Jahren mal den Entschluss gefasst, bewusst mehr Raum für Familie und Freunde zu schaffen, weil ich gemerkt habe, dass mich das zufrieden macht und es ist erfreulich, wie gut sich alles seither zurechtgeruckelt hat.

Vorherrschendes Gefühl 2019?

Nach August auf jeden Fall: „Wann fahren wir wieder nach Cornwall?“

2019 zum ersten Mal getan?

Cornwall

Auf einer Fähre übernachtet, in Litauen gewesen, in Cornwall gewesen, einen Grimme-Online-Award bekommen, einen ganzen Hummer gegessen, E-Scooter gefahren, einen Red Velvet Cake gebacken. (Entweder mein Gedächtnis lässt mich im Stich oder mir gehen die neuen Erlebnisse aus.)

2019 nach langer Zeit wieder getan?

Auf die re:publica verzichtet, Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattet (nichts Schlimmes, aber auch nichts für die Öffentlichkeit), in Amsterdam gewesen, in Nijmegen gewesen, mit Magen-Darm flach gelegen, aber dafür alle drei Teile von Zurück in die Zukunft hintereinander geguckt (sie sind wirklich alle gut).

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Sturmnacht auf dem Campingplatz in Woolacombe. Meinen Mann in diese eine steile schmale Straße zu einem vermeintlichen Campingplatz zu lotsen, wo erstens überhaupt keiner war und wo wir zweitens tatsächlich nicht wussten, was wir hätten machen sollen, wenn uns jemand entgegengekommen wäre. Das mit dem Magen-Darm kurz nach Weihnachten. Ich hatte vergessen, wie schlimm das ist, auch wenn es nur zwei Tage dauert.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Wüsste jetzt tatsächlich nicht was. Es gab keine großen Entscheidungen, die mit meiner Beteiligung gefällt werden mussten und bei anderen wichtigen Sachen haben die Leute selber richtig entschieden. 

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Der übliche Romantikscheiß halt.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Siehe oben.

2019 war mit einem Wort…?

Rückblickendbetrachteteigentlichganzokay. (Wann fahren wir wieder nach Cornwall?)

 

Zum Fragebogen für 2018 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2017 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2016 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2015 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2014 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2013 geht es hier.

Tagebuchbloggen, 24.9.2019

Großer Releasetag. Was zu beweisen war, wurde bewiesen. Zwischenzeitlich schimpfte ich wie ein Rohrspatz, dann funktionierte aber fast alles und das, was nicht funktionierte, bekommen wir auch in den Griff.

Um kurz nach 21 Uhr war ich dann am Hauptbahnhof, die U-Bahn war gerade weg, deswegen nahm ich wieder einen E-Roller, fuhr einen etwas dämlichen Umweg, war aber trotzdem in 15 Minuten zu Hause. Ich finde es immer noch zu teuer, aber es hat auch für mich aktuell das beste Kosten-Leistungs-Verhältnis. Zu Fuß gehen ist gratis, dauert aber länger, Leihrad ist auch günstiger, aber anstrengender, auf die Bahn warten ist auch gratis (und das Bahnfahren auch) und dauert noch länger als zu Fuß gehen und Taxi geht zwar schneller, ist aber teurer. Ich finde die „Letzter-Kilometer“-Argumente, die ich vereinzelt gelesen habe, und nach der so ein E-Roller eben nutzlos ist, weil die Strecken, die man damit gut zurücklegen kann, könnte man auch mit dem Verkehrsmittel zurücklegen, mit dem man eh unterwegs ist. Ich habe dauernd  letzte Kilometer zurückzulegen, die auch immer im Bereich ein bis drei Kilometer sind und aus Erfahrung weiß ich, gerade die nerven am meisten und es macht eine enorm großen Unterschied, ob ich für genau diesen letzten Kilometer 5 oder 15 Minuten brauche. So.

Zu Hause „Höhle der Löwen“ geguckt, dabei sehr gefreut, als sich Kofler in Rage redete und zwischendurch erfreut festgestellt, dass ein weiteres Puzzlestein des großen Releases fehlerfrei funktionierte.

 

Tagebuchbloggen 23.9.2019

Morgens ist es jetzt dunkel, wenn ich aufstehe, das kann ich nicht gutheißen. Ich bin relativ sicher, dass der Sommer zu kurz war, irgendwas ist da schief gelaufen.

Auf der Arbeit abwechselnd gute Nachrichten und Komplikationen. Die Komplikationen führten dazu, dass wir bis 18 Uhr immer noch beweisen konnten, was wir beweisen wollten.

Zu Hause Restchili, dazu dieses Jenke-Selbstexperiment mit Plastik auf RTL. Ich wollte es eigentlich nur gucken, weil ich vermutete, dass irgendwann die Mülltonnenszene kommen würde, bei deren Dreh wir ja quasi in der Mittagspause direkt daneben standen. Sie kam dann auch inklusive diverser Szenen im Bürogebäude, was dazu führte, dass ich immer wieder Pause machte, um genauer zu gucken oder sowas wie „Uh, kenn ich!“ sagte. Ansonsten war die Sendung besser als ich erwartet hatte, wenn auch an einigen Stellen zu überzogen und emotional. Immerhin kann ich nicht behaupten, nichts Neues erfahren zu haben.

Dann guckten wir noch einen Film im ZDF-Montagskino. Der Film war insgesamt ganz ordentlich, ich machte aber währenddessen Kreuzworträtsel und musste immer wieder an meinen Rechner, um zu gucken, ob irgendein Skript schon durchgelaufen war und dann das nächste anzustoßen. Wir müssen ja immer noch was beweisen.

Um Mitternacht war dann alles durch, ich ließ noch die wichtigsten Vergleichsskripte zur Beweiserbringung laufen, die alle die erhofften Ergebnisse brachten und dann machte ich das Licht aus. Den Rest können die zuständigen Fachleute morgen machen.

Tagebuchbloggen, 21.9.2019

Freitag war tagsüber Arbeit und abends Besuch inklusive Showkochen. Showkochen, weil es zum Nachtisch Crêpes gab und die werden natürlich live vor den Gästen hergestellt, mit genug Teig für einmal Nachschlag für jeden.

Samstag musste ich dann erstmal ausschlafen, dann noch etwas für die Arbeit machen, dann fuhr mein Mann zum Segelkurs und ich ging Einkaufen. Es gab nämlich Chili, weil das für Sonntagabend (wieder Gäste) versprochen wurde und Chili macht man ja sowieso am besten einen Tag vorher. Beim Einkaufen vergaß ich zwei Ordnungsboxen, die es am Tchibo-Stand gab im Einkaufswagen. Also vermutlich vergaß ich sie im Einkaufswagen, sie lagen jedenfalls beim Bezahlen auf dem Band und waren zu Hause nicht in einer der Taschen oder im Korb. Ich überlegte kurz, ob ich zurück zum Supermarkt gehen sollte, dann war ich aber zu faul und hakte den Verlust ab. Fürs Protokoll: Meine Grenze fürs Zurückgehen zum Supermarkt liegt irgendwo oberhalb von 7 Euro.

Dann noch etwas arbeiten.

Mein Mann wünschte sich eine Dokumentation über die letzten Ureinwohner im Amazonasgebiet auf arte, die auch tatsächlich sehr interessant und auf mehreren Ebenen etwas irritierend war, vor allem aber, weil man sich wirklich nicht vorstellen kann, wie die Welt dieser Stämme aussieht und es mir auch schwer fällt, mir in irgendeiner Weise eine Meinung zu bilden, weil das alles so weit weg ist von meinem Leben. Die Dokumentation heißt „Das Ende von Eden“ und man kann sie in diversen Mediatheken sehen, wenn man den Google-Suchergebnissen trauen darf. Dann schlief ich fast auf dem Sofa ein, aber nur fast.

Tagebuchbloggen, 18.9.2019

Abends ging es noch spontan ins Irish Pub, ich kam von der Arbeit direkt dahin, mein Mann und ein Kollege von einer Fahrradtour. Irish Pub ist natürlich super, weil es Cider gibt, beim Essen muss ich wohl noch ein bisschen suchen, bis ich etwas finde, das mich richtig überzeugt.

Für den Nachhauseweg suchte ich einen E-Roller, mit dem ich dann so knapp 2/3 des Weges zurücklegte und dann für das letzte 1/3 mit meinem Mann tauschte, also ich Fahrrad, er E-Roller. Wir sind jetzt beide vom Konzept E-Roller überzeugt, es muss nur noch etwas günstiger werden.

Jetzt Bett und weiter in Sing Down the Stars lesen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, gerade erst mit dem Buch angefangen zu haben, aber anscheinend habe ich schon 28 Prozent gelesen, interessant.