Tagebuchbloggen, 4.8.2020

Noch drei Tage bis Hundi. Ich verstehe langsam einen Zusammenhang zwischen Minimalismus und Tierhaltung, wir sind seit einigen Tagen damit beschäftigt, untere Regalfächer leerzuräumen und halten Ausschau nach allem, was für einen 55-Zentimeter-Schulterhöhe-Hund wie interessantes Kauspielzeug aussehen könnte.

Sagen wir, es ist grundsätzlich seit Corona schon super ordentlich in der Wohnung und jetzt wird es noch ein bisschen ordentlicher, wobei natürlich unklar ist, wie viel Unordnung Hundi dann mit ins Haus bringt, also ist es eventuell auch nur ein sehr temporärer Zustand.

Gestern waren wir deswegen auf Anraten der Vorkontrolle-Frau bei einem ominösen Laden namens Action, weil es dort Welpenmatten zum Vorzugspreis geben sollte. Welpenmatten sind so saugfähige Unterlegmatten, die wir gleichermaßen großzügig wie strategisch in der ganzen Wohnung verteilen sollten, weil die Stubenreinheit von Hundi noch nicht bekannt ist. Außerdem konnte man bei Action so einen Bürstenhandschuh, Anti-Floh-Tropfen und Kotbeutel kaufen, es war also insgesamt erfolgreich, auch wenn wir das Konzept des Geschäftes nicht verstanden haben.

Danach waren wir bei einem uns bisher noch unbekannten Edeka, der sehr groß und schön war, was dazu führte, dass wir sehr viel Unsinn kauften, unter anderem sehr teuren löslichen Kaffee, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit machen soll, aber es stand „Walnut Maple“ drauf und ich werde immer sehr unzurechnungsfähig, wenn irgendwo Maple draufsteht.

Was sonst noch geschah:

  1. Ich habe eine Tomate umgetopft, also vielmehr „die“ Tomate, denn es gibt hier nur eine, jedenfalls als Pflanze. Die Tomate kommt aus Essen-Haarzopf und überlebte nur haarscharf, sieht jetzt aber insgesamt recht stabil aus, deswegen durfte sie auch in einen größeren Topf.
  2. Wir haben noch mal angefangen, Stromberg von ganz vorne zu gucken und es ist bemerkenswert gut gealtert, aber halt immer noch genauso fremdschämschlimm wie früher.
  3. Eine weitere Großcousine wurde geboren. Mehr Infos habe ich noch nicht, aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Lieblingstweets im Juli

Tagebuchbloggen, 30.7.2020

Es ist einigermaßen irre, dass schon Ende Juli ist. Seit Mitte März war ich exakt einmal im Büro. Aktuell dürfen 30 Prozent der Mitarbeiter vor Ort in Köln sein, mich treibt aber tatsächlich relativ wenig dahin, ich säße dann auch nur alleine im Büro, eben weil ja nur 30 Prozent zurück dürfen und es gibt quasi nichts, was ich im Büro könnte, was ich zu Hause am Wohnzimmertisch nicht auch kann.

Gestern eskalierte ich dann abends ein bisschen beim Shoppen, das hatte aber Gründe, nämlich genauer gesagt eine anstehende Geburt und einen anstehenden Geburtstag. Für das Patenkind kaufte ich das unfassbar tolle „Alle Welt“ von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski [Amazon-Werbelink], ein Landkartenbuch mit ganz vielen Bildern zu den jeweiligen Ländern, berühmte Personen, Sehenswürdigkeiten, landestypisches Essen und heimische Tiere. Zu Hause bestellte ich es gleich noch mal, entweder für uns oder für den Großcousinengeburtstag, mal sehen, es scheint mir ein exzellentes Geschenk für eigentlich fast jedes Alter zu sein.

Dann nahm ich noch spontan ein Südafrika-Kochbuch (nämlich dieses hier) mit und eben ein Sachbuch über Hunde, weil ja bald ein Hund hier einzieht. Offiziell sind wir Pflegestelle, es glaubt aber anscheinend mittlerweile exakt niemand mehr, dass wir den Hund wieder abgeben, obwohl er ja noch gar nicht hier ist und wir – weil es ja nur als Pflegestelle gedacht war – exakt 30 Sekunden mit dem Aussuchen des Hundes verbracht haben. Vielmehr erklärte ich der Frau von der Tierschutzorganisation grob, wie unsere Rahmenbedingungen sind, damit sie einen passenden Hund aussuchen konnte und dann sah der erste Vorschlag schon gut aus und wir sagten, ja, okay, das passt. Genau genommen schickte sie drei oder vier Vorschläge, ich zeigte meinem Mann den ersten und als ich dann die anderen durchscrollte, fragte er nur, was jetzt mit dem ersten sei, der sähe doch gut aus.

Es zieht also demnächst für kurz oder lang ein Hund bei uns ein und wir haben keine Ahnung, worauf wir uns da eingelassen haben. Wobei, wir haben natürlich schon eine Ahnung, weil uns auch bei der Vorkontrolle sehr ausführlich erzählt wurde, worauf wir uns einlassen. In der Theorie wissen wir also super Bescheid, sogar über unterschiedliche Konsistenzen von Kot wurde referiert und wir haben uns alles gemerkt und sogar Notizen gemacht. Wie das aber in der Praxis aussieht, das scheint uns alles noch sehr unvorstellbar.

Um schon mal reinzukommen, üben wir einfach, in dem wir mit einem unsichtbaren Hund reden, der den gleichen Namen und in etwa die gleiche Größe hat wie der Pflegehund. Man muss sich das so vorstellen, dass in diesem Haushalt jetzt gelegentlich Sätze fallen wie „Hundi, geh da weg!“ oder „Hundi, nein! Das ist mein Essen, du kriegst gleich auch was.“ oder „Hundi, komm her!“ begleitet mit einem auffordernden Klopfen auf das Sofakissen (selbstverständlich darf der Hund aufs Sofa, wir sind doch keine Unmenschen, mal abgesehen davon, dass einer der wesentlichen Vorteile eines Hundes ist, dass er als flauschiges Wärmekissen einen großen Beitrag zum Liegekomfort beitragen kann).

Das sind soweit die Neuigkeiten aus dieser Ecke der Pandemie. Stay tuned und noch 9 Tage bis Hundi.

Lieblingstweets im Juni

Ob es hier demnächst auch mal wieder so richtige Qualitätsbeiträge geben wird? WHO KNOWS? Bis dahin reichen hoffentlich Qualitätstweets wie die folgenden.

Lieblingstweets im Mai

So langsam wird das auch mit den Lieblingstweets wieder. Wir leben wahrlich in seltsamen Zeiten.

Der Urlaub, der irgendwie keiner war

Man denkt ja, in so Selbstisolationszeiten wäre das mit dem Urlaub noch mal ereignisloser. Jetzt ist es aber so, dass man ja sehr viel Zeit hat und auf einmal sehr viele Ideen, was man machen könnte. Folgendes ist in diesem Urlaub passiert:

  • Drei längere Radfahrten. Noch nicht das, was man als „Tour“ bezeichnen könnte, aber immerhin schon mal Austesten der Reichweiten und des Radeinsatzes im Alltag. An dem Tag, an dem wir eigentlich vielleicht tatsächlich eine Radtour hätten machen wollen, wurde es unerwartet kühl, so dass wir in Steele abbrachen und zurückfuhren. Dabei gelernt, dass die Fahrradtrasse zwischen Gruga und Steele an schönen Sonntagen mehr so Spießrutenlauf mit Slalom ist. In Douglas Adams „Die Letzten ihrer Art“ beschreibt er eine Verkehrssituation entweder in Madagaskar oder China oder ganz woanders, bei der ein Auto ein anderes überholt, das wiederum ein Auto überholt, während das gleiche Manöver auch im Gegenverkehr passiert. Ungefähr so muss man sich Wochenendverkehr auf Essener Fahrradtrassen vorstellen. Entspanntes Fahrradfahren ist anders.
  • Vier Restaurantbesuche. Man tastet sich vorsichtig ran, aber es geht. Zutritt nur mit Maske, Tische werden in großem Abstand besetzt, überall muss man seine Daten hinterlassen, was teilweise per Papierzettel, teilweise per App geschieht. Drei von den vier Restaurantbesuchen geschahen auf den ausdrücklichen Wunsch meines Mannes, es möge jetzt bitte Poutine gegessen werden. Wir können hier die Traumkuh in Essen-Rüttenscheid empfehlen, die Burger sind angenehm portioniert, so dass man sie tatsächlich noch mit der Hand essen kann und die Pommes werden mit Dillsalz gewürzt.
  • Einmal Familienbesuch in Köln, der erste seit über zwei Monaten, damit auch das erste Mal Bahnfahren seit über zwei Monaten. Es ist alles gleichzeitig sehr seltsam und ganz normal, man weiß gar nicht, wie man das mental verarbeiten soll.
  • Einmal Küchenplanung, das kam so: Eigentlich brauchen wir einen neuen Backofen, weil der alte mittlerweile zehn Jahre und schon ziemlich runtergerockt ist. In so einem Küchenladen überlegt man dann, ob man nicht vielleicht doch noch irgendwas ändern könnte und na ja, unsere Küche ist leider so gebaut, dass man quasi nichts ändern kann, ohne das Konzept komplett neu zu überdenken, weil man an jeder Stelle zumindest mal die Arbeitsplatte erweitern müsste, aber vermutlich gibt es das Dekor nicht mehr, man müsste also die Arbeitsplatte komplett austauschen und dann natürlich am besten überall, damit es nicht komisch aussieht und am Ende kann man auch einfach eine neue Küche planen. Küchenplanung dauert übrigens ungefähr drei Stunden und danach kann man nicht mehr geradeaus denken.
  • In dem Zusammenhang schnell noch ein neues Sofa gekauft oder vielmehr bestellt, weil wir endlich eins gefunden habe, das erstens von der Größe passt und das ich auch gar nicht furchtbar hässlich fand, sondern sogar richtig schön. Ich und Sofas, das ist eine komplizierte Geschichte. In dem Zusammenhang noch schnell einen neuen Couchtisch bestellt.
  • Auf der Suche nach Balkonmöbeln spontan nach Venlo gefahren, weil der Gartenmöbelladen in Venlo zeitlich ungefähr so weit weg ist wie der in Recklinghausen, aber den entscheidenden Vorteil hat, direkt neben Albert Heijn zu liegen. Das interessiert hier vielleicht den ein oder anderen: Aktuell keine Grenzkontrollen, in den Niederlanden auch keine Maskenpflicht, dafür viel Abstandhalten und Desinfektionsmittel überall. Keine Gartenmöbel gefunden, aber dann später angemessen bei Albert Heijn eskaliert.
  • Am Samstag spontan Kunstrasen gekauft, einen der Balkone abgedeckt, geputzt und Rollrasen verlegt. In dem Zusammenhang dann noch spontan nach Neuss gefahren, um eine Balkonbank zu kaufen, dabei direkt in eine Vollsperrung gefahren, was ich dazu nutzte den Bulli mal ein bisschen aufzuräumen, denn es lag noch sehr viel Kram aus dem letzten Urlaub herum. Die Bank haben wir dann am Sonntag aufgebaut, jetzt braucht es noch einen Tisch und dann kann man auch auf dem Nordbalkon frühstücken.
  • Beim Notar gewesen, aufgeräumt, endlich wieder gelesen, Gesangsunterricht gehabt, ein kleines Regal aufgehängt und bestimmt noch andere Dinge getan.

Ich brauche jetzt also eigentlich Urlaub vom Urlaub, denn es war wirklich sehr anstrengend, und es hört ja noch gar nicht auf, weil das Küchenthema natürlich noch nicht durch ist, wir den ganzen Balkonmüll wegbringen müssen, der Südbalkon jetzt auch noch mit Kunstrasen belegt werden soll und ja auch die Balkonmöbelsituation noch nicht abschließend geklärt ist. Auf der anderen Seite: Da die Chancen auf Sommerurlaub mit richtig Wegfahren zunehmend sinken, kann man es sich jetzt wenigstens zu Hause schön machen.

Lieblingstweets im April

Ich dachte, ich hätte mehr Lieblingstweets gefunden, aber jetzt müsst ihr mit dieser schwachsen Ausbeute leben.

Auf der einsamen Insel

Kurz nachdem das losging mit der Selbstisolation, legte ich mir auf nicht ganz subtiles Drängen diverser Leute aus dem Internet eine Nintendo Switch und das Spiel „Animal Crossing“ zu. Bei Animal Crossing lebt man auf einer Insel und kann den ganzen Tag fischen, Muscheln sammeln, an Bäumen schütteln, Blumen pflanzen und Insekten fangen. Das klingt erstmal sehr beschaulich, in Wahrheit ist man aber in die Fänge eines hochkapitalistischen Waschbären geraten und muss dauernd irgendwelche Kredite abbezahlen, nur weil man noch ein Zimmer mehr in seinem Häuschen haben wollte. Der Waschbär will zwar keine Zinsen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass er hart an der Immobilienpreisschraube dreht und sich so irgendwo auf dem Land seine Villa mit drei Pools finanziert.

Wie auch immer, der Waschbär hat sich relativ schnell eine Assistentin namens Melinda angeschafft, die – KEIN SCHEISS – 24/7 vermutlich für einen Hungerlohn in seinem Büro schuftet, denn während der Inselladen, der vom Waschbärnachwuchs Nepp und Schlepp geführt wird, immerhin nur von 8 bis 22 Uhr auf hat, ist das Rathausbüro zu jeder Tag- und Nachtzeit geöffnet. Soll aber nicht mein Problem sein, ich habe ganz andere Probleme.

Bei Melinda nämlich kann man erfahren, wie die Insel so bewertet wird. Meine Insel hat jetzt schon sehr lange 3 von 5 Sternen, was ich ehrlich gesagt für eine Unverschämtheit halte, schließlich rupfe ich jeden Tag Unkraut und pflanze bunte Blumen wie eine Irre. Deko fehlt, sagt Melinda, ich solle einfach ÜBERALL irgendwelche Dekorationsdinge hinstellen, dann würde die Insel schon abgehen und die schönste im ganzen Land oder vielmehr im ganzen Ozean sein.

Nun das Problem: ICH WILL NICHT DEKORIEREN! Ich bin doch nicht auf eine verfickte einsame Insel gezogen, um jetzt an jeder Ecke irgendeinen Dekoscheiß aufzustellen! WOSIMMADENNHIER!?! Während ich auf anderen Inseln schon gut getrennte Natur- und Wohnbereiche gesehen habe, fälle ich Bäume nur, wenn sie wirklich im Weg sind oder weil ich aus Versehen drei Mal hintereinander beim Holzfällen mit der Axt dagegen geschlagen habe. Ich will dieses schöne Fleckchen Natur nicht mit Dekoration zumüllen. DAS IST DOCH SCHÖN SO!

Das erinnert mich ein bisschen an das Assessment Center, dass ich für meine Ausbildung 2002 gemacht habe. Als erstes stand ein standardisierter Test an, bei dem logisches Denken, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und anderer Kram abgefragt wurde. Insgesamt eine einfache Übung für jemanden, der Matheaufgaben eher entspannend findet und manchmal das Logikrätselheft von P.M. kauft. Bis der Kreativitätsteil kam.

Nun halte ich mich eigentlich auch für recht kreativ, ich meine, ich schreibe gerne Dinge, kann mir selber Lieder ausdenken und zumindest ein bisschen malen kann ich auch, what could possibly go wrong. Die Aufgabe war, auf einem DIN-A4-Blatt mit ungefähr 24 Kästchen oder so in jedes Kästchen etwas zu malen, so viel wie möglich in so und so viel Minuten. Jetzt scheint mir Kreativität unter Zeitdruck ein zumindest hinterfragbares Konzept zu sein, aber das ist eine andere Sache.

Als ich die Kästchen also so vor mir sah, dachte ich „Ein Hochhaus!“ Die Kästchen waren eindeutig Fenster eines Hochhauses und ich begann, Blümchen und Gardinen und Menschen, die aus Fenstern guckten, zu zeichnen. Ein sehr schönes Konzept, wie ich fand, schlüssig und charmant. Natürlich auch etwas schwierig, man muss ja Abwechslung reinbringen, gleichzeitig muss es aber zum Gesamtbild passen. Long story short, ich kam nicht so weit mit meinen Kästchen, weil ich erstens sehr ordentliche Jalousien gezeichnet habe und zweitens ja auch sehr viel überlegen musste.

Wie auch immer, ich schnitt in allen Bereichen ziemlich gut aber, nur nicht im Kreativitätsteil. Wahrscheinlich hatte ich einfach zu wenig Kästchen gefüllt. Ein Kollege, der sich selber weder Zeichentalent noch Kreativität bescheinigte, hatte die Höchstpunktzahl, weil er „einfach in jedes Kästchen schnell irgendwas gemalt“ hatte.

Ich hab die Ausbildungsstelle trotzdem bekommen und irgendwie werde ich auch irgendwann 5 Sterne für meine Insel bekommen OHNE ÜBERALL DEKOSCHEISS HINGESTELLT ZU HABEN! Es wird nur etwas länger dauern.