Tagebuchbloggen, 13.05.2021 (mit viel einerseits, aber auch andererseits)

Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Das ist eine äußerst unangenehme Situation, ich hätte hier gerne irgendeine Entscheidung, offensichtlich muss ich die aber selber treffen, also ich und mein Mann, aber leider sind wir nach zwanzig Jahren Beziehung sehr ähnlich gepolt und können uns nicht großartig mit Pro- oder Contra-Argumenten helfen, auf die der jeweils andere nicht schon selber gekommen wäre.

Das Problem gestaltet sich auch insofern schwer, als dass ich diese Situation nicht kenne. Bislang war es bei mir immer so, dass ich bei einer Wohnungssuche sehr schnell wusste, ob eine Immobilie in Frage kommt oder nicht. Selbst wenn wir während oder nach der Besichtigung ein bisschen mit „Könnte gehen, wenn…“ oder “ Gar nicht so schlecht, aber…“ rumgehampelt haben, dann war das Thema eigentlich spätestens am nächsten Tag gegessen und wenn es das richtige war, dann wussten wir das auch immer sofort. Wir sind einmal nach einer Besichtigung auf dem Weg nach Hause wieder umgedreht, sind zurückgegangen und haben zugesagt.

Hier ist jetzt alles schwieriger, weil ich mich einerseits noch nicht zu einer Zusage in der Lage sehe, aber offensichtlich auch nicht loslassen will. Man muss dazu auch folgendes Wissen: Das Haus ist super. Ungefähr genau das, was wir suchen mit ein paar Bonusfeatures, die ich super charmant finde. Der Garten ist auch super, die Hälfte der Pflanzen, die ich gerne hätte, steht da schon, ich brauche nur noch Hortensien, die fehlen irgendwie, aber Flieder, Azaleen, Rhododendron, alles da. Größe ist auch super, Südlage mit etwas Hang, optimal.

Die Makrolage ist auch super, viel besser geht eigentlich nicht. Wir haben ja sowieso ungefähr drei Optionen: Entweder wir ziehen dahin, wo meine Cousinen wohnen, dann wäre ich super schnell bei denen, bräuchte aber ein bisschen länger zu den anderen Familienstandorten. Oder wir ziehen dahin, wo meine Eltern wohnen, selbes Spiel, aber vermutlich utopisch, in Opladen gibt es anscheinend keine Häuser auf dem freien Markt, jedenfalls keine, die wir haben wollen würden und auch bezahlen könnten. (Vor allem aber gibt es einfach nichts.) In die Nähe meines Cousins zu ziehen ergibt wenig Sinn, die wohnen richtig, richtig auf dem Dorf, fußläufig erreichbar wäre man nur in der gleichen Straße und da wollen wir tatsächlich gar nicht zwingend wohnen. Alternativ bliebe etwas in der Nähe zur Arbeit, das wäre in Köln und haha, haben Sie sich die Immobilienpreise für Köln angeguckt? Also nein.

Die dritte Option (also neben Lindlar und Opladen) ist demnach etwas, was möglichst zentral mittendrin ist und EXAKT DA ist das Haus, 15 Minuten zu den Cousinen, 15 Minuten zum Cousin, 25 Minuten zur Arbeit und 30 Minuten zu meinen Eltern, viel besser geht es eigentlich nicht (alles Autofahrtzeiten, für Köln und Leverkusen gäbe es aber auch einen Bahnhof in der Ortsmitte mit halbstündlich verkehrender Regionalbahn).

Aber: Das Haus liegt in einem Ortsteil, wo nichts ist. Der nächste Bäcker ist 2 Kilometer weit weg, der Bahnhof 5 Kilometer und ich habe mich die letzten 40 Jahre zu oft über Leute gewundert, die irgendwo wohnen, wo der nächste Bäcker 2 Kilometer weit weg ist, als dass ich sicher sagen könnte, dass ich das wirklich für mich so haben möchte.

Wir fassen also zusammen, Haus super, Garten super, Makrolage super, nur die Mikrolage passt nicht so ganz oder ist zumindest nicht genau das, was wir uns vorgestellt haben, nur weiß ich leider aktuell nicht, ob das der eine Tod ist, den wir bei jedem Haus sterben müssen, weil wir eben erst zwei gesehen haben und beim ersten wusste ich ganz schnell, dass es das nicht werden würde.

Ich bin also seit gestern Abend maximal verwirrt. Vielleicht klärt sich das in den nächsten Tagen, erstmal möchte ich mehr Unterlagen bekommen und dann fahren wir vielleicht noch mal hin und gucken uns die Gegend ein bisschen besser an und dann wissen wir hoffentlich mehr. Aktuell kann ich auch nicht entscheiden, ob ich mir Dinge schönrede, weil ich mich in einen fucking Pool verknallt habe oder ob die guten Argumente tatsächlich einfach überwiegen. Außerdem habe ich einerseits Bedenken, dass wir zu schnell zugreifen und dann drei Monate später das perfekte Haus angeboten wird, andererseits aber auch Angst, dass das jetzt schon das beste war und dann zwei Jahre nichts Vergleichbares mehr kommt und wir nur nicht zusagen, weil ich denke, es würde zu schnell gehen. Frau Herzbruch empfahl, ich solle mir vorstellen, ich würde eine Absage kriegen und wenn ich dann traurig wäre, dann würde das heißen, dass ich es eigentlich gerne gehabt hätte. Ich kenne den Trick anders, nämlich eine Münze zu werfen und dann zu gucken, ob man sich über das Ergebnis spontan freut oder ärgert. Hab ich auch versucht (also den Herzbruch-Trick), funktioniert leider auch nicht, weil ich wäre einerseits traurig und andererseits froh, nicht mehr selber entscheiden zu müssen. Oder sagt das auch schon was aus?

Ich versuche jetzt einfach, nicht die ganze Zeit über Häuser und Gärten und Fahrtdauern nachzudenken, vielleicht muss ich ja ausnahmsweise keine Nacht drüber schlafen, sondern eher drei oder vier.

Letzte Nacht träumte ich, mein Mann hätte aus Versehen unsere Immobilienrechtsschutzversicherung mit 230.000 Euro Beitrag jährlich abgeschlossen, das hat mich sehr geärgert, weil wir uns dann auch kein Haus mehr kaufen könnten und ich hielt es auch für etwas viel. Ich bin dann Gott sei Dank aufgewacht, habe kurz nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir deutlich weniger für die Versicherung zahlen, dann war ich beruhigt. Bestimmt träume ich heute Nacht wieder was von Häusern, ich bin schon ganz gespannt.

Tagebuchbloggen, 12.05.2021 (mit Kryptikauflösung)

Ich hab’s mit meinem Mann geklärt und kann die Kryptik auflösen. Die Unterschrift, die nicht meine war, wurde unter einen Aufhebungsvertrag gesetzt, er wird ab Juli nicht mehr bei seiner aktuellen Firma arbeiten. Was dann kommt, er nennt es Sabbatical, ich nenne es „Ich habe endlich einen Hausmann!“

Was aber viel wichtiger ist: Wir sind dann nicht mehr an Essen als Lebensmittelpunkt gebunden und da wir seit letztem August oft „So ein Garten wäre jetzt praktisch mit dem Hund“ sagen und ich ja schon länger „Wenn wir noch mal umziehen, dann wieder zurück nach Köln“ denke, können wir das jetzt in Angriff nehmen.

Jedenfalls suchen wir jetzt ein Haus. Da ich Familie in Leverkusen, Lindlar und Neunkirchen-Seelscheid (und halt Köln) habe und außerdem in Köln-Deutz arbeite, wäre irgendwas in einem der Orte oder dazwischen gut. Ideal für uns wäre Lindlar zentral oder Overath, wir sind aber flexibel, solange die Anbindungen und das Gesamtpaket stimmen.

Wir suchen ab 130 qm Wohnfläche, das Budget haben wir uns aktuell bei 600.000 Euro gesetzt, ein bisschen Luft nach oben ist da noch, ich sehe aber aktuell nicht zwingend, dass das nötig ist. Gerne freistehend mit großem Grundstück, ich möchte Flieder und Hortensien pflanzen, mein Mann möchte dem Hund Bälle werfen. Am oberen Ende des Budgets müsste es schon mehr oder weniger einzugsfertig sein, wenn es günstiger ist, stecken wir auch gerne Geld in Renovierung (und im Zweifel auch Sanierung). Konkrete Vorstellungen vom Haus haben wir nicht, mein Traum wäre Fachwerk bzw. Bruchstein, alternativ erliege ich auch gerne dem Retrocharme so mancher Nachkriegsbungalows. Aber auch da sind wir flexibel, wenn es passt, dann passt es, wenn nicht, dann nicht.

Soweit die Rahmendaten, Fragen beantworte ich gerne, wenn Sie also etwas hören oder selber was haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der… na ja, also wir suchen jedenfalls.

Tagebuchblogtechnisch haben wir heute ein Haus in Overath angeguckt und ich verhandle gerade mental sehr viele Dinge mit mir selber und mit meinem Mann, das ist emotional sehr anstrengend. Ich hatte mir – ausgehend vom Exposé und den Rahmendaten – ein „Sicher nicht“ von der Besichtigung erhofft, das funktionierte leider nicht, es ist alles sehr verwirrend. Beim letzten Haus funktionierte das ganz wunderbar. Anscheinend kommt jetzt der Teil, wo man mal eine Nacht drüber schläft.

Nach der Besichtigung gab es Essen vom guten Liefertürken und Aktenzeichen XY, da passieren immer Fälle, die mich sehr wütend machen, weil ich nicht verstehe, wie Menschen so sein können. Aktenzeichen XY also gar nicht gut für die Stimmung, ich kenne auch keine Verbrecher, so dass meine Chancen, auch mal so eine ausgesetzte Belohnung zu bekommen, gegen Null tendieren. Aber ich kann jetzt auch nicht länger über Verbrechen nachdenken, ich muss Immobiliendinge mit mir aushandeln.

Tagebuchbloggen, 09.05.2021 (Angrillen)

Es wurde angegrillt. Aber der Reihe nach.

Wir hatten Besuch, der kam erst auf die Hundewiese, weil der konkrete Wunsch geäußert wurde, mit dem Hund spazieren zu gehen und die Hundewiese auch auf dem Anreiseweg lag. Für den Hund war ein Huskymix da, mit dem er gerne spielt. So langsam können wir ganz gut einschätzen, mit welchen Hunden der Hund gut spielen kann, Huskys und Border Collies sind hoch im Kurs, die passen von der Größe und haben meistens ähnliche Vorstellung vom Spielen. Unser Hund mag Rangeleien mit Körperkontakt, aber auch schnelles Wegrennen mit Hakenschlagen, wenn es zu ruppig wird, ist er manchmal raus, aber man stumpft ja auch als Hundehalter irgendwann ab und erweitert seinen Definitionsraum von „ruppig“.

Danach gab es Sekt und Gegrilltes und Brot vom dänischen Wunderbäcker mit drei Olivenölen, die in unterschiedlichen Kategorien Testsieger waren und die ich im Probierpaket bestellt hatte. später Gambas und Eis mit Erdbeeren und später noch mal Eis von der Eisdiele, um den Sechsjährigen zu einem zweiten Spaziergang mit Hund zu überreden. Es ist außerdem gut zu wissen, dass das hier zwar ein knallharter Erwachsenenhaushalt ist, sich Zwölf- und Sechsjährige aber dank Gravitrax-Murmelbahn, Switch und Hund tatsächlich nicht langweilen müssen. Leider durfte ich aus logistischen Gründen nicht mehr am Wettpuzzeln teilnehmen, das war doof.

Als den Besuch weg war, waren wir sehr müde von Sekt und Sonne und auch nicht mehr in der Lage, großartig aktiv zu werden, deswegen gab es abends Liefersushi und Ninja Warrior. Vorher saß ich zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Nordostbalkon und las Network Effect zu Ende. Als nächstes mache ich mit der Wayward-Children-Reihe von Seanan McGuire weiter. Das sind alles Novellen, liest sich außerdem sehr gut, da kann man auch abends mal locker ein Drittel des Buches weglesen.

Tagebuchbloggen, 08.05.2021

Wenn man einen Hund hat, steht man anscheinend gelegentlich Samstagsmorgens am Herd und kocht Hühnerleber, Reis und Möhren und ein paar Eier, bevor man zu einer Wiese fährt und anderthalb Stunden im Kreis läuft, damit der Hund mit anderen Hunden spielen kann.

Außerdem gab es wieder Erlebnisshopping, was bedeutet, dass ich zu einem Edeka in Mülheim an der Ruhr fuhr, den mir meine Gesangslehrerin empfohlen hatte und den ich auch noch nicht kannte. Der Edeka war riesig und toll und dementsprechend ließ ich sehr viel mehr Geld da, als ich geplant hatte, es gab nämlich zum Beispiel Kriek von Lindeman’s, da konnte ich sehr schwer widerstehen. Leider gab es keinen Pimm’s, der zuständige Mensch erzählte zwar, dass er für eine andere Filiale welchen bestellt hätte, aber das half mir ja in der konkreten Situation nicht weiter. Auch ein interessantes Kassenerlebnis gab es: Die Kassiererinnen sitzen nicht mehr hinter einer Kasse, sondern stehen vorne an einem Band, man selber muss weiter nach vorne gehen, sie nehmen einem dann den Einkaufswagen ab und geben einem einen neuen, in den man alles packt. Bezahlen tut man dann selber noch weiter vorne, wo zwei Bezahlstationen sind. Ich weiß nicht, was genau damit verbessert wird, aber es wird sich schon irgendjemand Gedanken darüber gemacht haben.

Danach kaufte ich zwei Flaschen Sekt bei Jacques Weindepot und dann fuhr ich zurück nach Essen, machte einen Umweg und brachte uns Nachmittagsessen von McDonald’s mit, weil mir danach war und ich manchmal gerne einen BigMac oder einen McChicken esse und das nachweislich seit über einem Jahr nicht gemacht habe. Ich war damit auch zum ersten Mal alleine bei einem McDrive, also auch ein großes Ding. Man muss sich seine aufregenden Erlebnissen aktuell halt selber suchen.

Weil morgen Besuch kommt, gab es noch Aufräumung und zwischendurch gab es schweres Einschlafen mit Hund und Mann auf der Couch. Jetzt läuft „Findet Dorie“ auf SAT.1, kann man immer gucken, großartiger Film.

Tagebuchbloggen, 07.05.2021

Heute war ich beim Arzt, genauer gesagt beim HNO. Ich habe nämlich immer mal wieder so ein Flattern im Ohr, das dauert nicht lang, tut auch nicht weh, nervt aber und es gibt Phasen, wo es öfter und häufiger vorkommt. Als ich das dann mal googelte, sagte das Internet sehr schnell „Huiuiui, könnte Tinnitus sein“ und irgendwann dachte ich jetzt, ich frag einfach mal jemanden, der sich damit auskennt, zum Beispiel einen Arzt.

Ein anderer Teil des Internets empfahl unterschiedliche Ärzte, darunter einen direkt um die Ecke, wo ich dann Mittwoch anrief und einen Termin für heute um 10 Uhr bekam.

Long story short: Es ist nichts, ich höre super, Flattern im Ohr ist so was ähnliches wie Augenzucken, kann also mit Stress zu tun haben oder einfach Muskeln, die nicht immer ganz das tun, was sie sollen. Wenn es zu sehr nervt, hat der Arzt gesagt, soll ich es mit Magnesium versuchen und vor allem soll ich keine Symptome im Internet googeln, OKAY ICH HAB’S VERSTANDEN!

Es war aber eine insgesamt angenehme Erfahrung, ich höre lieber sowas als ein „Wärense doch mal eher damit gekommen“.

Auf dem Rückweg brachte ich noch ein kleines Päckchen zur Post und dann kaufte ich in der Apotheke zwei Schnelltests, aus keinem besonderen Grund, vor allem, weil ich einfach einmal das dringende Bedürfnis hatte, nach über zwölf Monaten Pandemie mit einigermaßener Sicherheit „Ich hab nix“ sagen zu können. Ich bin ja latente Psychosomatikerin, ich bilde mir eigentlich nicht unnötig häufig krank zu sein, aber wenn ich kurz überlege, ob ich Halsschmerzen haben könnte, bekomme ich recht zuverlässig Halsschmerzen. Das ist in einer Pandemie sehr ungünstig, man entdeckt laufend Symptome, die vielleicht Corona sein könnten, ziemlich sicher aber nicht. Ich habe erstmal mit einem Wattestäbchen geprüft, wie tief ich wirklich in die Nase komme und ob ich das aushalte oder dabei leider sterben muss, und dann habe ich alles brav nach Anleitung durchgeführt und… Trommelwirbel… kein Corona. Na dann.

Tagebuchbloggen, 06.05.2021

Notiz an mich selber: Nach 19 Uhr mit dem Auto nach Rüttenscheid und eine Stunde später wieder nach Hause zu fahren ist eine saudumme Idee. Dafür, dass ich in Rüttenscheid verhältnismäßig schnell einen Parkplatz verhältnismäßig nah am Zielort fand, kurvte ich bei uns geschlagene zehn Minuten durch die Gegend, begegnete dabei drei Mal einer Nachbarin, die ebenfalls einen Parkplatz suchte und dann fand ich einen, weil ich aber vor ungefähr elf Jahren das letzte Mal rückwärts einparkte und der Parkplatz auch einigermaßen knapp war, praktizierte ich Einparken in hundert Zügen mit anschließendem Anruf bei meinem Mann, er möge mich bitte von meinem Elend erlösen und den Wagen für mich einparken. Ich beobachtete mich bei diesem Anruf dabei, wie ich den Feminismus eigenhändig begrub, aber das ist natürlich Blödsinn, Feminismus bedeutet gar nicht, dass man als Frau super einparken kann. Außerdem kenne ich mindestens zwei Frauen, die ganz hervorragend rückwärts einparken, nämlich unter anderem meine Mutter. Aber die fahren eben auch sehr regelmäßig mit dem Auto und haben nicht wie ich einfach mal zehn Jahre lang das Autofahren komplett eingestellt.

Mein Mann kam dann jedenfalls und parkte einfach woanders, aber da hätte ich auch nicht einparken wollen, da war nämlich ein Laternenpfahl. Nächstes Mal fahr ich jedenfalls wieder mit dem Fahrrad, das geht in etwa genauso schnell, nur ohne Parkplatzsuchen, also schneller. Ich hatte heute sogar einen vorgeschobenen Grund, das Auto zu nehmen, aber der war natürlich genau das, nämlich vorgeschoben. Aktuell kann ich alles immer noch ganz guten Gewissens mit „Fahrpraxis bekommen“ verargumentieren, aber lange hält dieses Argument auch nicht mehr.

Dann gab es Essen vom Türken, gut, aber nicht so gut wie bei dem anderen Türken, der heute aus ungeklärten Gründen nicht liefert und jetzt lese ich noch ein bisschen Network Effect von Martha Wells [Amazon-Werbelink]. A Deadly Education von Naomi Novik [Amazon-Werbelink] hab ich durch, das war ganz erfrischend, ein bisschen Zauberschule, allerdings mit dem netten Twist, dass es keine Lehrer gibt, dafür aber massig tödliche Monster, so dass man als Schüler eine gute Motivation hat, Dinge zu lernen, hauptsächlich, um nicht zu sterben. Die anderen Bücher von Novik fand ich besser, aber je länger ich drüber nachdenke, desto wahrscheinlicher werde ich auch den nächsten Band lesen, der erscheint aber erst im September.

Außerdem wollte ich ja inspiriert von Frau Herzbruch noch meinen Alltag durch Sparabos optimieren, Sandra hat mir auch noch ein paar Tipps gegeben. Aktuell stehen Zahnbürstenköpfe, Spülmaschinentabs und Tintenpatronen (für Füller, nicht für Drucker) auf der Einkaufsliste, aber ich werde da noch ein bisschen rumschubsen müssen. Mit meiner Gesangslehrerin konnte ich auch von unserem gemeinsamen Pandemie-Hobby „Supermarkttourismus“ schwärmen. Relativ nah bei ihr hat nämlich der neue Supermarkt aufgemacht, in dem ich gestern einkaufte, sie empfahl mir noch einen in Mülheim-Dümpten, das kommt direkt auf die Ausflugsliste. WIR HABEN JA SONST NIX IM LOCKDOWN!

Tagebuchbloggen, 05.05.2021

Erst fiel mir nichts ein, über dass ich bloggen könnte, aber dann erinnerte mich doch noch an diese Begebenheit.

Ich war nämlich heute im Supermarkt, das passiert ja in den letzten Monaten nicht mehr so häufig, so dass es jedes Mal ein großes Erlebnis ist. Zumal ich sehr viel Anstrengung darauf verwende, in immer andere Supermärkte zu gehen, damit es wenigstens ein bisschen spannend bleibt. Der heute wurde auch gerade erst neu eröffnet, entweder es weiß noch keiner davon oder ich habe einen sehr seltenen Slot mit sehr wenig Kundschaft erwischt, es war jedenfalls sehr viel Platz. Die Einkaufswagen haben eingebaute Handyhalterungen und eine sehr nette Supermarktangestellte hat an der Selbstbedienerkasse alles für mich eingescannt, wir denken jetzt einfach nicht zu sehr über diese Widersinnigkeit nach, es war alles super. Ich werde beizeiten im Techniktagebuch weitere Details verraten.

Mein eigentliches Problem beim Supermarkteinkaufen dieser Tage ist aber folgendes. Teile unserer Lebensmittel kommen ja mit der Biokiste, also das bisschen Obst und Gemüse, das hier gegessen oder verarbeitet wird, Milch, Eier, auch Käse und gelegentlich Wurst und Joghurt. Dann kommen ja mindestens drei Gerichte pro Woche mit der Kochbox und die Getränke bringt der Getränkekistenlieferservice.

Das führt dazu, dass wir hauptsächlich zum Supermarkt müssen, um den ganzen Unsinn zu kaufen, für den sich die Biokiste zu fein ist. Unsinn und Innereien und Hüttenkäse für den Hund. Das ist auch sehr praktisch, wenn ich sage, wir müssen zum Supermarkt und mein Mann fragt, aber wofür denn, muss ich nur sagen, Hühnchen und Hüttenkäse für den Hund und er ist sofort einverstanden. Trotzdem sehen die Einkäufe beim Supermarkt oft so aus, als hätte man einer Zwölfjährigen 40 Euro in die Hand gedrückt und mitgeteilt, sie könne sich einfach für die nächsten Tage kaufen, was sie gerne essen würde. Falls Sie also demnächst eine Vierzigjährige an der Supermarktkasse sehen, deren Einkauf vorrangig aus Chips, Süßigkeiten, Eis, einer Packung Hühnerherzen und zwei Bechern Hüttenkäse besteht, grüßen Sie mich doch einfach, ich schwöre, wir haben auch richtiges Essen zu Hause, aber das müssen wir halt nicht im Supermarkt kaufen.

Tagebuchbloggen, 04.05.2021

Es gibt eigentlich wieder nichts zu berichten, ich habe gerade noch die Küche wirklich sehr gut aufgeräumt, das mache ich gerne abends, dabei kann man gut Hörbuch oder Hörspiel hören oder meinetwegen auch Podcasts und am nächsten Morgen freut man sich.

Mir ist aber dank der Diskussion, die sich über einen Tweet von mir übers Alleineschlafen entspann, noch etwas Erzählenswertes eingefallen. Ich schlafe ja gerne zu Hörspielen von den Drei ??? ein, das ist aber etwas schwierig, weil ich nicht alleine schlafe, sondern ein anderer Mensch das Bett mit mir teilt und der will gar nicht zwingend abends Hörspiele hören, der schläft lieber zu YouTube-Videos über Musikproduktion ein, na ja, jeder, wie er mag.

Deswegen höre ich dann über Kopfhörer. Das tat ich sehr lange mit normalen Kopfhörern mit Kabel, also immer so, dass nur einer eingesteckt war, nämlich der in dem Ohr, auf dem ich nicht lag. Mit Kabel ist aber immer auch schwierig beim Umdrehen und weil ja auch das Gerät mit dran hängt. Außerdem verschleißen die Kabel deutlich schneller, wenn man sie jeden Abend noch mal extra im Halbschlaf verwurschtelt, irgendwann hatte ich einfach keine mehr, weil alle kaputt waren.

Dann versuchte ich es kurzzeitig mit einem Paar Kopfhörer, die mein Mann noch über hatte, da schaffte ich es dann relativ schnell, den Bügel zu schrotten und man kann damit natürlich gar nicht auf der Seite schlafen, eine überaus schlechte Lösung.

Also brachte mein Mann mir In-Ear-Kopfhörer mit ohne Kabel mit und das funktioniert eigentlich super. Ich nehme immer nur einen und kann den dann bei eventuellem Umdrehen schnell ins andere Ohr stecken, es sind keine Kabel im Weg und das Abspielgerät (also das Smartphone) kann auf dem Nachtisch liegen. Einziges Problem ist, dass die Kopfhörer natürlich nachts rausfallen. Dann wandern sie auch mal gut durchs Bett und man muss sie am nächsten Morgen suchen. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich meinen Schlaf damit sabotiere, wie die Prinzessin auf der Erbse eigentlich, nur eben mit einem kleinen Kopfhörernupsi, der sich mir ungünstig in die Seite oder in den Rücken bohrt.

In der ersten Nacht mit Kopfhörernupsi bin ich übrigens panisch aufgewacht und weil ich den Kopfhörer nicht sofort fand, dachte ich überraschend lang, er könnte mir ins Ohr gerutscht sein und fummelte hektisch an meinem Ohr rum. Das kann natürlich nicht passieren, aber das wusste ich zu der Uhrzeit nicht und mein Gehirn brauchte verhältnismäßig lange, um da selber drauf zu kommen.

Ein Freund, dessen Frau das gleiche Einschlafritual hat, empfahl übrigens einen kleinen Lautsprecher, den man unter das Kissen legen kann. Sie wäre glücklich und er würde nichts hören. Über diese Alternative werde ich noch mal nachdenken, bis dahin schlafe ich halt auf einer Kopfhörererbse.