Mein Teil 1 und Teil 2 sind hier, der Rest folgt wie gewohnt.
e13/Kiki Teil 1
Familienbetrieb Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Ma vie est faite de morceaux qui ne se joignent pas.
STRIP-SPITZ-PASS-AUF! SALZBUTZEN! MARMELADENGLÄSER IN DER HANDTASCHE! SCHIRMCHENDRINKS! ENTGEGENKOMMENDE FUSSGÄNGER! KASTANIEN! KÜRBISSE! UND KUCHEN! IMMER WIEDER KUCHEN!
Ja klar, für die alberne Büro-Fußball-Tippgemeinschaft einschreiben, aber über meine Strip-Spitz-pass-auf-Runde nur den Kopf schütteln.
— Vicky Leaks (@SpeedleDum) September 14, 2015
Jetzt geht dieser Kürbisscheiß wieder los.
— MICHEL! (@hejmichel) September 14, 2015
Tagesgericht: Pampiger Stampfzander à la meunière mit reichlich Salzbutzen. Zum Nachtisch ein spätsommerliches Geleck aus Gümpeltalg.
— Eilenbrat (@Eilenbrat) September 15, 2015
Hey Mr. Herbst. Ich weiß, wir haben a so eine On-Off Beziehung. Aber ich schwöre, ich liebe dich sehr. Hast du mir Kastanien mitgebracht?
— Kathrin Weßling (@ohhellokathrina) September 15, 2015
Mich schlägt nie jemand für einen Preis vor. Dabei habe ich gesundes, volles Haar und beherrsche den Zahlenraum von 1-1000 souverän!
— Kiki (@e13Kiki) September 15, 2015
Diese Hunde-App ist doch Bullshit. Den Hund will ich sehen, der sich mit dem Smartphone hinsetzt und die Aufgaben lösen kann. #dhdl
— (Deluxe-Edition) (@Agent_Dexter) September 15, 2015
Seit ich Hausarbeiten mit meinem Zuckerstift verziere, freuen sich auch die Studenten wieder auf die Noten. http://pic.twitter.com/2ommDrk3mi
— stephan porombka (@stporombka) September 5, 2015
Finally, a portable banana! Amazing things are happening in banana technology. We have truly seen the future. http://pic.twitter.com/DGeaxvLJVO
— Dana Schwartz (@DanaSchwartzzz) September 13, 2015
Wenn mir doch nur alles so egal wäre wie Bergsteigerfilme.
— Julia Bähr (@ComeOnBaehr) September 16, 2015
französische touristen, die einen mitten in japan auf französisch ansprechen. da ärgert man sich ja fast, dass man sie versteht.
— m. (@ohaimareiki) September 17, 2015
"Hast Du da ein Glas Marmelade in der Handtasche?!" "Vielleicht."
— Evangeline Cooper (@Twelectra) September 17, 2015
"Du sollst dich nicht lustig machen über Leute, die an krude Dinge glauben, du sollst die Leute dort abholen." "Da will ich aber nicht hin."
— Ute Weber (@UteWeber) September 17, 2015
Ich lerne jetzt Italienisch. So ein mezzo litro Schirmchendrink am Strand bestellt sich schliesslich nicht von selbst.
— Kiki (@e13Kiki) September 18, 2015
Begonnen, die heruntergefallenen Blätter wieder an die Äste zu kleben. Jetzt heißt es natürlich, in den nächsten Wochen am Ball zu bleiben.
— Peter Breuer (@peterbreuer) September 18, 2015
“Eigentlich habe ich nicht so Hunger.” Ich verstehe die Menschen manchmal nicht.
— Muermel (@Muermel) September 20, 2015
Er liest gerade das Buch Nehemia und ich will nicht spoilern, aber er hat noch echt viel vor sich.
— Frau Haessy (@orbisclaudiae) September 20, 2015
„Was ist das?“ „Irish Stew.“ „Hm. Schmeckt irgendwie so… italienisch…“ „Das ist ein italienisches Irish Stew.“
— WhoEver (@WhoEver7up) September 19, 2015
Denken uns gerade Namen für ein Waxing Studio aus. Mein Vorschlag: Mad Wax – Furry road. Jetzt redet niemand mehr mit mir.
— Anna Dushime (@AnnaDushime) September 20, 2015
Penne Arrabiata mit SCHINKEN und ERBSEN? Wird dieser Lieferservice von Margot Honecker betrieben oder was?
— Theophilus Knesebeck (@dickebuerste53) September 20, 2015
Mit mir würde ein Let’s-Play-Video keinen Spaß machen. Ich bin so ein Spieler, der schon im Tutorialteil dreimal stirbt. Bei einem Puzzle.
— Maori (@MaoriHH) September 20, 2015
"Was gefällt dir am Besten an deinem Büro Job?" – "Manchmal haben Menschen Geburtstag. Dann gibt es Kuchen."
— Lizz (@FrauLizz) September 19, 2015
game of thrones: mord, mord, mord, sex, hä, wer war das nochmal?, mord, mord, wieso ist die jetzt bei dem?, mord, sex, mord.
— katjaberlin (@katjaberlin) September 21, 2015
Warmes Bier und ungetoastetes Toast mit Gewürzgurken und Majo. Ich muss Mama morgen fragen, ob sie wirklich nix mit dem Briten hatte 1971.
— alles b. (@alles_b) September 21, 2015
Ich würde gerne was twittern, aber alle Züge sind pünktlich.
— Angela Leinen (@innere_simone) September 22, 2015
Sich ein Paar Ballettschläppchen in der Pfanne anbraten.
— Ada Blitzkrieg (@bangpowwww) September 22, 2015
Bringt ja nix, Rosinen aus dem Müsli zu sammeln, alles riecht rosinig. Rosinen lecken nachts die Haferflocken an, die neben ihnen schlafen.
— Ani Gaddadavida (@yacketayakking) September 22, 2015
Schon wieder 3 Abwesenheiten im Anruf.
— Doch noch ein Hase (@urmels) September 24, 2015
Migration gut und schön. Aber was machen wir mit so vielen Herzchirurgen?
— gallenbitter (@gallenbitter) September 25, 2015
Zwar verstehe ich die Relativitätstheorie seit Lieferando die Lieferzeit durchgibt immer noch nicht, aber ich weiß, wie Einstein drauf kam.
— Ding (@karstenloh) September 25, 2015
Zweijähriger: „Morgen bringe ich mein scharfes Messer mit und schlitze Dich auf.“ Vierjähriger: „Morgen ist kein Mitbringtag.“
— Ben (@stadtneurotikr) September 23, 2015
Früher dachte ich, ich wäre mit Mitte 20 schon verheiratet, hätte 2 Kinder und eine grossartige Karriere. Ich hab Kuchen. Das ist auch nett.
— Apfelkernchen (@Apfelkernchen) September 27, 2015
ich bin 35. jetzt lohnt sich ein hundertjähriger kalender auch nicht mehr.
— katjaberlin (@katjaberlin) September 28, 2015
Eines Tages werde ich entgegenkommenden Fussgängern nicht als Erste ausweichen, um endlich zu sehen, was dann passiert.
— Claudia Vamvas (@akkordeonistin) September 28, 2015
Veilleicht dachte ich gerade, dass die Mehrzahl von "Park" "Pärkte" sei. Sonst ist alles super.
— Mrs Greenberry (@MrsGreenberry) September 28, 2015
Im Inneren besteht der Mars ja bekanntlich aus 1 Mio Grad heißer Karamellcrème, aber ein bisschen Wasser an der Oberfläche, ok, auch nett.
— Ahoi Polloi (@ahoi_polloi) September 28, 2015
Mit meiner Bafög-Rückzahlung könnte man sechs Meter BER-Mauer einreißen!
— Brienne of Tarte. (@dielilly) September 29, 2015
Akuter Schlafmangel macht mich ja nicht gereizt und unzufrieden, ihr Knallchargen. MICH NICHT!
— Max. Buddenbohm (@Buddenbohm) September 30, 2015
Vor dem Haus spielen Kinder mit einem Springseil auf der Straße. Was ist nur aus der Jugend geworden? Haben die keinen Strom mehr!?
— SE7ENBEN ✪ (@SE7ENBEN) September 26, 2015
In die S-Bahn steigen und die Moderationskärtchen vergessen haben.
— Mann vom Balkon (@MannvomBalkon) September 30, 2015
Sich an seinen Taten messen lassen statt an seinen Worten – so weit kommt's noch! Am Ende hat man nur Muskelkater.
— Jan-Uwe Fitz (@vergraemer) September 30, 2015
Berlin tut schon was, zum Beispiel wird hier gerade die Ostkreuzpfütze saniert. http://pic.twitter.com/bIcaKtcAsW
— alles b. (@alles_b) September 30, 2015
Der Bahnhof in Opladen wird ja umgebaut. Seit Jahren eigentlich schon, aber seit einigen Monaten merkt man es auch so richtig. Es ist zum Beispiel eine neue Fußgängerüberführung da, mit Treppen und Aufzügen sogar. Bisher gibt es nur einen Tunnel mit Treppen. Den muss man auch nach wie vor benutzen, aber die Überführung steht auch schon sehr eindrucksvoll rum, man darf nur noch nicht drauf.
Ich weiß das, weil ich ja regelmäßig auf Elternbesuch in Opladen bin und da dann üblicherweise am Bahnhof in Opladen ankomme.
Heute fiel mir schon im Zug kurz vorm Halt ein lustiger Tweet ein, den ich später zu schreiben beabsichtigte. Er hätte ungefähr so ausgesehen:
Mittlerweile muss man jedes Mal, wenn man am Bahnhof in Opladen ankommt, Angst haben, dass der Bahnhof weg ist.
Ich hatte dann aber keine Zeit mehr, zu schreiben, ich musste aussteigen, die Treppe runter, durch den Tunnel, Treppe wieder hoch. Oben angekommen stellte sich heraus: Der Bahnhof war weg. Statt dessen ein sehr großes Loch mit Bauzaun drumherum.
Da wäre natürlich dann auch der Tweet völlig witzlos gewesen. Gut, dass ich keine Zeit zum Tippen hatte.
Früher gab es Freundebücher, die man in der Klasse und im Freundeskreis rumgehen ließ und in die jede und jeder ein Passbild kleben und Fragen beantworten konnte. Sollte. Musste. Je nachdem, wie man’s sieht. Geburtstag, Haarfarbe, Augenfarbe, Lieblingsfach, Lieblingstier, Hobbys, alles, was man so mit zwölf Jahren brauchte, um sich irgendwie als individuelles Wesen zu identifizieren. Obwohl dann ja doch immer dasselbe drin stand. Ironie war uns damals noch sehr fremd und unsere Hobbys waren „Lesen, Musik, Schwimmen“ oder – noch nichtssagender – „Alles, was Spaß macht!“
Die beiden schönsten Fragen waren aber: „Was ich mag…“ und „Was ich nicht mag…“, alternativ auch manchmal als „Was ich doof finde…“ Hier wurde es dann besonders uninteressant. Doof fand man: Lügner, Angeber und Krieg und vielleicht in einem moralisch nicht ganz so integren Moment auch Hausaufgaben oder Gemüse. Grundsätzlich war der Was-ich-nicht-mag-Teil jedoch nicht hinterfragbar, sondern im höchsten Maße offensichtlich: Lügner, Angeber und Krieg sind eben Dinge, die nur ganz wenige Menschen und die Rüstungsindustrie gut finden und die meisten sind dann wenigstens klug genug, zu wissen, dass man das nicht öffentlich äußert.
Heute findet man immer noch Dinge doof: Lügner, Angeber und Krieg zum Beispiel. Das ist ja auch nicht falsch. Lügen, Angeben und Kriegführen ist prinzipiell abzulehnen. Zu den anderen offensichtlichen Dingen, die man doof finden kann oder sogar muss, um sich als gesellschaftlich integrer Mensch zu fühlen gehören (eine Auswahl): Shoppingcenter, Fast-Food-Ketten, Mainstream-Pop, Fertiggerichte, überteuerter Kaffee aus amerikanischen Kaffeefranchises mit Nixen im Logo, IKEA, Privatfernsehen und Dudelfunk im Radio.
Stattdessen geht man erst in den super individuellen Pop-Up-Concept-Store mit den Kleidchen eines skandinavischen Labels, von dem nur Eingeweihte wissen und der netten Inhaberin, mit der man kurz noch über Gott und die Welt plaudert. Danach geht man in das hübsche Café nebenan mit selbst gemachten Kuchen und Quiches. Das Inventar aus Flohmarktmöbeln zusammengebastelt, alles so hübsch. Im Hintergrund läuft ein alternativer Folk-Mix von Spotify, der Kaffee wird jetzt wieder ganz altmodisch überm Filter gebrüht (voll schön, wie bei Oma damals) und wenn man dann zu Hause ist, überlegt man kurz, ob man jetzt die Dokumentation auf arte gucken soll, entscheidet sich dann aber dafür, doch lieber ein gutes Buch zu lesen.
Um das klarzustellen. Ich gehe gerne in hübsche kleine Läden und habe in eben einem solchen auch schon ein sehr teures Kleidchen eines skandinavischen Labels gekauft. Ich finde kleine Cafés ganz wunderbar und bin immer noch ein bisschen traurig, dass das kleine Café mit dem selbstgebackenen Kuchen bei uns um die Ecke wieder schließen musste. Ich habe Jahre meines Lebens damit verbracht, Musik allgemein eher unbekannter Künstler zu suchen und zu hören, ich gucke Opernaufführungen auf 3sat und lese mehr als 50 Bücher im Jahr, die meisten davon sind sogar gut.
Nur eins versuche ich, weitgehend zu vermeiden: Dinge grundsätzlich doof zu finden. Auch Shoppingcenter haben ihren Berechtigungsgrund. Für Quartalsshopper wie mich sind Shoppingcenter ein wunderbares Konzept, wenn man wirklich mal dringend ein paar Dinge braucht, weder Zeit noch Lust hat und halt nur schnell mal durch ein paar Geschäfte huschen muss. Danke, liebes Shoppingcenter, dass bei dir alles unter einem Dach ist und dann eben auch… genau… unter einem Dach. Man muss noch nicht mal mehr raus in die Kälte. Toll!
Auch die Wichtigkeit des quasi lebensrettenden McDonalds darf man nicht unterschätzen. Mein Mann und ich verbinden längere Autofahrten gerne mit einem Besuch eines Raststätten-Fast-Food-Restaurants, das hat schon Tradition. Überhaupt habe ich vermutlich unangemessen viel Zeit meines Teenagerlebens auf Plastikschalenstühlen in diesen kulinarisch fragwürdigen Etablissements verbracht und diesen Schnellrestaurants eine kleine Ecke in meinem Nostalgieherzen freigeräumt.
Die Hälfte unseres Mobiliars stammt von IKEA, ich habe mit Faszination mehrere Male hintereinander das Video von Taylor Swifts „Shake It Off“ gesehen und begeistert mitgewippt, unser Radio ist standardmäßig auf Radio Essen eingestellt und einer meiner häufigsten Sätze in Facebookdiskussionen über C-Promis ist „Ich guck halt jeden Scheiß!“
Shoppingcenter öffentlich doof finden ist mir zu einfach. Doof finden kann jeder. Es ist allgemein bekannt, dass die Erfindung des Shoppingcenters nicht die Sternstunde der menschlichen Geschichte darstellt, ebenso würde auch keine Fast-Food-Kette von sich behaupten, nachhaltige und kulinarisch ausgefeilte Kost anzubieten. Die Shopping-Center-Doof-Finder der heutigen Zeit sind die Angeber-Doof-Finder aus den Freundebüchern. Da steckt mir einfach zu wenig Fantasie hinter. Die liebsten Exemplare sind mir die, bei denen ein Besuch in gesellschaftlich geächteten Lokalitäten auch direkt physische Schmerzen herbeiruft. Im Shoppingcenter bekommt man Kopfschmerzen wegen der schlechten Luft und der miesen Akustik, von einem Burger von McDonald’s gibt’s direkt Bauchschmerzen, weil der sensible Magen, der seit Jahren nur noch hausgemachte Kuchen mit Obst aus Region bekommt, so was nicht mehr gewöhnt ist. Ja. Genau.
Frau Herzbruch hat in einem ganz anderen Zusammenhang mal was Schönes gesagt, da ging es ums Fernsehen bei Kindern, aber ich glaube, man kann das in leicht abgewandelter Form auf fast alles im Leben anwenden: „was schadet ist das fehlen der dinge, die das fernsehen ersetzt“. (Man darf an dieser Stelle das Wort „Fernsehen“ durch irgendwas anderes vermeintlich Doofes oder Doofmachendes ersetzen.)
Man kann prima in Shoppingcentern einkaufen, überteuerte zuckerhaltige Kaffeegetränke mit seltsamen Namen kaufen, im Auto Dudelfunk mit Nullmusik (Nullmusik ist mein Name für Musik, die so belanglos ist, dass man sie noch nicht mal wirklich wahrnimmt. Die Rotation bei WDR 2 besteht geschätzt zu 85 Prozent aus Nullmusik.) hören und abends eine belanglose Show mit mittellustigen Promis auf einem beliebigen Privatsender gucken und trotzdem am nächsten (oder sogar am gleichen!) Tag geile hausgemachte Marmelade aufs Brötchen vom Biobäcker schmieren, während man einen spannenden Podcast zu einem wichtigen aktuellen Thema hört, abends noch ein tolles Buch liest und sich für den nächsten Tag die Dokumentation über eine italienische Familie, die in einem Bergdorf in der fünften Generation Nudeln komplett in mühevoller Handarbeit herstellt notiert. In einem Moleskine. Mit E hintendran.
Ich habe noch nie verstanden, warum das eine das andere ausschließen muss. Das erschließt sich mir nicht. Mein Bloguntertitel steht ja auch nicht umsonst da oben. Und deswegen finde ich Dooffinden von weitgehend irrelevanten Aspekten des Alltags auch eher doof. Es führt zu nix, außer, dass man einmal mehr demonstriert hat, dass man weiß, was man aktuell doof zu finden hat. Wer Shoppingcenter doof findet, braucht ja keines zu betreten. Im Gegensatz zu Leuten übrigens, die Krieg doof finden, die müssen dann nämlich manchmal aus ihrem eigenen Land fliehen. Das Dooffinden von Shoppingcentern macht einen nicht zu einem besseren Menschen, auch nicht zu einem klügeren, ethisch korrekteren oder gar schöneren. Es macht einen noch nicht mal zu einem interessanteren oder individuelleren Menschen, weil es ja nun wirklich genug Menschen gibt, die Shoppingcenter doof finden. Man ist einfach ein Mensch, der Shoppingcenter doof findet. Ob man sich aber über das Dooffinden von Banalitäten identifizieren möchte, muss dann wahrscheinlich jeder selbst wissen.
Dooffinden ist auch immer ein aus- und abgrenzender Akt. Klar, man erntet auch immer schöne Kommentare wie „Genau!“ und „Stimmt. Total doof, hab ich auch schon immer gesagt!“, aber wer Ding A doof findet und das mitteilt, tritt damit auch den Leuten unangenehm auf die Füße, die Ding A vielleicht gar nicht so schlimm oder gar ganz okay finden und nun verschämt auf den Boden schauen und sich ob ihrer zweifelhaften Situation nichts mehr zu sagen trauen. Im Gegensatz dazu ist Tollfinden ja eher inklusiv gedacht. Das Tollfinden von Ding B bewirkt im besten Fall, dass jemand, der Ding B noch nicht kannte, sich jetzt auch dafür interessiert.
Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Nazis darf man zum Beispiel immer doof finden, und sollte das auch gerne überall äußern, das befürworte ich sehr. Genauso ist das Tollfinden von Kinderarbeit nicht ohne Protest hinzunehmen. Aber in den meisten anderen Bereichen bin ich doch sehr dafür, weniger doof zu finden und viel mehr toll zu finden. Denn, um es mit Frau Herzbruch zu sagen: „Was schadet sind nicht die doofen Dinge, sondern das Tolle, das von den doofen Dingen ersetzt wird.“
„Der kleinste je verzeichnete Kuss. Ein grelles Licht, und dann nichts.
Sie war fort.
So plötzlich, wie sie aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Zurück blieb nur die asthmatische Melodie ihrer Lungen in d-Moll.“
Der Protagonist des Buches, ein deprimierter Erfinder, küsst eine Frau, die daraufhin unsichtbar wird und verschwindet. Betört von dem kleinsten je verzeichneten Kuss macht sich der Mann auf die Suche nach der unsichtbaren Frau, trifft auf die Apothekerin Louisa, der er sein Leid klagt und die ihn an den Privatdetektiv Gaspard Neige vermittelt, der ihm seinen abgerichteten Papagei Elvis leiht, der ihm bei der Suche helfen soll.
So einfach, so gut. Malzieus Märchen zeichnen sich eben auch weniger durch eine komplexe Handlung aus, sondern durch die wirklich wunderbare Sprache, die einem immer wieder ein verträumtes „Hach!“ entfahren lässt. Das war schon bei Die Mechanik des Herzens und Metamorphose am Rande des Himmels so, zumindest gefühlt ist es bei Der kleinste Kuss der Welt noch eine Spur besser, schöner, perfekter. Kleine Sätze wie Schokoladenküsse, und zwar nicht die, die man bei uns kaufen kann, sondern die von dem Protagonisten fabrizierten Schokoladenküsse, die nicht nur so heißen, sondern auch genauso schmecken: Wie ein Kuss eben.
Während mich Die Mechanik des Himmels noch etwas unterwältigt zurückgelassen hatte, läuft Malzieu bei Der kleinste Kuss der Welt zu seiner Hochform auf. Hier passt alles, nichts wirkt fehl am Platz, man wird von der Geschichte mitgenommen, vor allem aber von den wunderbaren Ideen und den schönen Sätzen, in die diese Ideen gepackt wurden. Deswegen eignen sich möglicherweise auch ein paar Zitate am besten dazu, herauszufinden, ob Der kleinste Kuss der Welt ein Buch ist, das einem gefallen könnte.
„Als erstes pflanzte ich einen Mundharmonikabaum auf die Dielen. Mittlerweile erntete ich ungefähr ein Instrument pro Woche. Später kamen Ukulelen dazu, eine alte Gitarre aus Mississippi und schließlich eine ganze Skateboardfamilie. Ich begann sogar, Kampfeichhörnchen zu züchten, die sich im Dachboden einnisteten. Sie wärmten mir das Herz und machten mir Mut.“
„Ich hatte vor, mich als Vertreter für magische Krawatten auszugeben. Ich verstand etwas vom Fach, weil ich ein paar Jahre zuvor am Strand von Palavas-les-Flots lebendige Hotdogs verkauft hatte: warme Welpen zwischen zwei riesigen Brotscheiben.“
„Sie weckten das Werwolfeichhörnchen, das in meinem roten Blutkörperchen schlummerte. Normalerweise erwacht es nur, wenn mein Melancholiewert 80 % überschreitet und ich es großzügig mit Whisky-Cola begieße, aber jetzt lief es zu Hochtouren auf und schoss in meinem Körper Feuerwerksraketen ab.“
Wer bei diesen Sätzen eher „Hach!“ als „Hä?“ sagt, dem sei diese ungewöhnliche, aber nie alberne Liebesgeschichte wärmstens an sein Kampfeichhörnchenherz gelegt.
Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu, deutsch von Sonja Finck, erschienen 2015 bei carl’s books, 144 Seiten, 12,99 Euro (Broschiert). Erhältlich bei Amazon [Werbelink], bei der Halder-Buchhandlung in Winnenden und in jedem anderen Buchladen.
Beim Surfen hatte ich dieses Jahr immer einen sehr unpassenden Ohrwurm, und das kam so:
An einigen Tagen bot es sich an, dass der Surflehrer, er hieß Thomas beziehungsweise Tom, einen gelegentlich mal anschubste. Angeschubst werden hat zwei Vorteile. Erstens sucht der Surflehrer die Welle aus und hat da ja ein bisschen mehr Erfahrung und zweitens muss man nicht wie wild paddeln, nur um dann sowieso festzustellen, dass die Welle eh nicht geeignet war.
„Anne1, tu veux un taxi?“ rief Tom also gelegentlich, manchmal auch auf Englisch. „Anne, you want a taxi?“
Menschen, die in den Achtziger Jahren einigermaßen bei Bewusstsein waren, werden das Problem sofort erkennen. Sobald ein Franzose das Wort „Taxi“ ausspricht, grätscht einem Vanessa Paradis ins Hirn und man summt „Joe le taxi“ vor sich her. Für alle, die sich gerade fragen, wovon ich fasele, hier kann man sich das ganze anhören.
Das ist aber noch nicht der unpassende Ohrwurm. Im französischen Atlantik einen Achtzigerjahrehit im Kopf haben, wäre ja noch irgendwie okay gewesen. Leider hatte ich eine ungünstige Assoziationskette, die ich auch nicht losgeworden bin und bin von der Melodie von „Joe le taxi“ immer wieder innerhalb von weniger als einer Minute zu „Hohe Berge“ von Frl. Menke gekommen. Auch hier wieder ein Beispiel für Spätergeborene:
Da hing ich also auf einem Surfbrett im Atlantik und summte Liedzeilen, in denen hohe Berge und Luis Trenker vorkamen und kam mir jedes Mal etwas seltsam vor. Aber da macht man eben nix.
1 In Wirklichkeit heiße ich ja im Ausland immer Anna, weil die Menschen weder im Französischen noch im Englischen das E am Ende aussprechen. Ich könnte also entweder die landestypische Aussprache nehmen oder ich stelle mich als „Anne“ (deutsch ausgesprochen) vor und heiße dann für die Zeit der Bekanntschaft „Anna“.
Patrick Ness: Die Nacht des Kranichs
Blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, konnte aber in den richtigen Momenten auch verzücken. Ich schrieb bereits hier darüber.
Zoë Beck: Schwarzblende
Eigentlich für meinen Mann gekauft, damit er auch mal was von Frau Beck liest, danach habe ich es auch gelesen, erstens, weil ich wollte und zweitens, weil mein Mann sich mit mir darüber unterhalten wollte. Kameramann Niall wird durch einen Zufall mitten in einen Terroranschlag reingezogen. Zwei Männer ermorden mitten am Tag und mitten in London einen Mann im Namen des islamischen Staaten. Erst wird Niall verdächtigt, mit beteiligt zu sein, dann bekommt er den Auftrag, eine Dokumentation über den Fall zu drehen. Und dann kommt natürlich alles ganz anders und tatsächlich auch ganz anders, als man es als Leser erwartet.
Zoë Beck schreibt wie gewohnt sehr straight und schnörkellos, Schwarzblende liest sich quasi von alleine. Über die überraschende Auflösung muss man dann auch erst mal nachdenken oder – wie in unserem Fall – diskutieren. Es wird spannend, düster und auch deutlich politisch und wer mal wieder genau so einen Thriller lesen will, kann hier sehr schön zugreifen.
Schwarzblende von Zoë Beck, erschienen 2015 im Heyne Verlag, 416 Seiten [Amazon-Werbelink]
Patricia Cammarata: Sehr gerne, Mama, du Arschbombe
Noch mehr Bücher von Menschen, die ich kenne. Hurra! Patricia Cammarata aka Das Nuf schreibt jetzt nicht nur auf ihrem Blog, sondern auch in höchstoffiziellen Büchern über das Leben mit Kindern. Das ist nicht nur amüsant sondern auch in hohem Maße lehrreich, erst recht für kinderlose Menschen wie mich. Eine ausführliche Rezension folgt, ansonsten kann man aber schon beim Familienbetrieb und bei Frau Nessy nachlesen, wie sie das Buch fanden.
Nina Fröhlich: 100 Dinge, die man im Liegen machen kann
Liegen. Ganz mein Thema. Ich berichtete hier darüber.
„Wir nennen es Wirklichkeit“: Denkanstöße zur Netzkultur
Letztes Jahr irgendwann gekauft, schon allein, weil Texte von Kathrin Passig, Moritz Metz und Holger Klein dabei waren, alles Leute, die ich kenne (schon wieder). Es handelt sich um eine Reihe von Essays zu unterschiedlichen Aspekten der Netzkultur über Post Privacy, Datenschutz und die digitale Bohème bis hin zu Podcasts und Mobbing. Wie zu erwarten fand ich einige Texte mehr und andere weniger interessant, etwas gelernt habe ich aber jedes Mal. In Teilen vielleicht etwas akademisch, aber hey, es ist der Reclam-Verlag, das war zu erwarten. Ansonsten habe ich viele bunte Post-Its ins Buch geklebt, es hat sich also auch immer wieder etwas merkens- und wieder nachschlagenswertes gefunden.
Joanna Rakoff: Lieber Mr. Salinger
Joanna Rakoff arbeitete in den Neunziger Jahren direkt nach dem Studium in New York City für genau die Agentur, die auch J.D. Salinger vertritt (bzw. vertrat) und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben. Es geht um die Agenturarbeit, ihre Kollegen und ihre Chefin, und natürlich auch ihr Leben vor und nach der Arbeit mit ihrem Freund, der sich als missverstandener Schriftsteller geriert und die kleine Wohnung, die im Winter über den Herd geheizt werden muss, weil es keine Heizung gibt. Das ganze mäandert erstmal so etwas rum, man ist unsicher, ob man das jetzt wirklich alles so interessant ist, gewinnt aber an Fahrt und wird vor allem ab der Stelle spannend, als es um die gescheiterte Veröffentlichung von Salingers Kurzgeschichte „Hapworth 16, 1924“ geht. Ich habe ja als Teenager alles von Salinger gelesen, was man so bekommen konnte (was überschaubar ist) und weiß noch, wie aufgeregt war, als es hieß, es sollte ein neues Buch erscheinen, was dann eben doch nicht passiert ist. Kann man schön machen, vor allem, wenn man wie ich ein gewisses Faible für Salinger und/oder New York City hat.
Andreas Brendt: Boarderlines
Beim Surfurlaub ein Buch übers Surfen gelesen. Kann man gut machen. Berichtet habe ich hier darüber.
Boarderlines von Andreas Brendt, erschienen 2015 im CONBOOK Verlag, 416 Seiten [Amazon-Werbelink]
WEISSWEIN AUS ROTWEINGLÄSERN! 50 SHADES OF KARTOFFELSALAT! QUINOA! VERSCHWUNDENE FLÖTEN! UND DAS FERIENENDEZEN!
• Kids who see C:\> on a screen today are going to automatically turn their heads sideways to figure out what emoticon it's supposed to be.
— Peter Glaser (@peterglaser) August 29, 2015
»VW hat doch auch so'n Slogan.« »Stimmt. Sagen Sie der Agentur, wir nehmen den Spruch. 30.000 € sind fair.« http://pic.twitter.com/8r3PSGyRbE
— Maori (@MaoriHH) August 31, 2015
"Wenn die aufwachen, müssen sie über Legosteine. Dann wissen sie, wie das ist" "Schatz, das sind Kinder" "Du meinst enger zusammen stellen?"
— Der__Papa (@der__Papa) August 23, 2015
"Ihr sollt Klopapierrollen so aufhängen, dass man sie nach vorne abwickeln kann." – 2. Brief des Paulus an die Epheser
— Schnupperluft (@Schnupperluft) August 17, 2015
Weisswein aus Rotweingläsern. Wie so Tiere
— Jan (@agento) August 22, 2015
@ankegroener *clutching her pearls*
— kaltmamsell (@kaltmamsell) September 6, 2015
#wasfehlt: Ein Twitter-Button "Ich habe das Problem verstanden, ich möchte keine weiteren Tweets zu diesem Thema mehr"
— Christoph Kappes (@ChristophKappes) September 6, 2015
50 Shades of Kartoffelsalat – mein Romanzyklus über eine Berliner Imbissbude. Zum Erfolg verdammt.
— Stecke Indiana fest (@rall0r) September 9, 2015
Während mein Computer eingerichtet wird, hat man mich mutterseelenallein in den Meetingraum mit den Keksen abgeschoben. P.S.: Juchuu!
— Frau Haessy (@orbisclaudiae) September 10, 2015
Ich bin ein schlechter Vater und ein böser Mensch, aber wenn so eine Flöte einmal verschwunden ist, lässt sich praktisch nichts mehr machen.
— Sisyphos Potjomkin (@Schreyeisen) September 10, 2015
Beim Quinoa kochen (und dem komischen Grasgeruch) Panik gekriegt und noch Reis gekocht. Wie so ein ängstlicher Hipster.
— P.J. (@BubuHose) September 13, 2015
Größte Rätsel im #Tatort Frankfurt: "Wo gibt es ein Polizeirevier mit so einem Parkplatz?" & "Ist das Kaiserlei?".
— Wondergirl (@Wondergirl) September 13, 2015
stimmen sie noch ihre instrumente oder ist das schon schönberg?
— katjaberlin (@katjaberlin) September 13, 2015
"Niemand hat die Absicht, eine Absicht zu haben."
— Guenter Hack (@guenterhack) September 13, 2015
Mein neuer Bestseller heißt: Ferienendezen. Oder wie ich wirklich beinahe fast überhaupt nicht ausgeflippt bin um 21 Uhr 28.
— Pia Ziefle (@FrauZiefle) September 13, 2015
Zwei kleine Surfer, die schwammen im Meer.
Da sprach die eine, „Ich kann nicht mehr!“
„Ich will zurück in meinen kleinen grünen Teich.
Denn von dem ganzen Paddeln sind meine Arme ganz weich.“
(Ende, aus, Applaus!)
Da ich unangemessen viele Kochzeitschriften besitze und zwar nicht nur deutsche, sondern auch französische und englisch und ja, tatsächlich auch niederländische, habe ich erstaunliche Kenntnisse, was die französischen, englischen (und niederländischen) Wörter für gastronomische Begriffe, allen voran eben Zutaten sind.
Neulich saßen wir in einem Restaurant in Bayonne und der Fisch des Tages wurde als „espadon“ angekündigt, woraufhin mein Mann sein wandelndes Lexikon fragte, was das denn sein könnte.
„Ich möchte Schwertfisch sagen“, antwortete ich. „Aber ich habe wirklich keine Ahnung, wo dieses Wissen herkommt.“
(Es ist übrigens wirklich Schwertfisch und ich weiß immer noch nicht, warum ich das weiß.)
Jedenfalls saßen wir in Bayonne und ich hatte als Beilage zu den Jakobsmuscheln mit eingelegten Zitronen ein Püree (puree) aus Kartoffeln (pommes de terre) und Kürbis (potimarron), auf dem Schnittlauch obendrauf lag.
Ciboulette, sprang es in mein Hirn, und ich weiß nicht, warum ich an das französische Wort für Schnittlauch denken musste, aber da war es eben. Ciboulette, ein sehr schönes Wort eigentlich.
Daraufhin teilte ich meinem Mann nicht nur mit, dass Schnittlauch ciboulette heißen würde und ich auch nicht wüsste, warum ich gerade jetzt daran denken müsste, außer eben, weil da ciboulette auf meinem Püree wäre und dass ich außerdem lange von dem Wort aneth verwirrt gewesen wäre, weil ich natürlich immer gedacht hätte, das würde Anis bedeuten, in Wahrheit ist der französische aneth aber der deutsche Dill und das wäre so dermaßen überhaupt nicht naheliegend, dass ich auch jetzt immer wieder irritiert wäre.
Noch viel irritierender fand ich aber, dass mir das englische Wort für Dill nicht einfallen wollte. Schnittlauch, klar, ist chives, aber was ist nur Dill? Ich habe diesen Gedankenfaden irgendwann verloren, aber heute morgen ist er wieder in mein Hirn geploppt und seitdem weiß ich es auch wieder.
Dill, meine Damen und Herren, heißt auf Englisch natürlich dill. Da hätte man auch gleich drauf kommen können.