Gelesen: Boarderlines von Andreas Brendt

Andreas Brendt: BoarderlinesIch verbinde Buchrezensionen ja gerne mit persönlichen Geschichten, und das ist bei Boarderlines tatsächlich eher ein Kinderspiel, wie man vielleicht auch schon an dem begleitenden Coverbild erkennen kann, das ich zur Abwechslung mal nicht von der Verlagsseite runtergeladen, sondern selbst gemacht habe. Mit passendem Hintergrund. Wir befinden uns nämlich mal wieder in Südfrankreich und stehen – mal wieder – anderthalb Stunden täglich auf einem Brett, das uns gefälligst übers Wasser zu tragen hat. Eigentlich ist es natürlich eher so, dass wir anderthalb Stunden geduldig ins Wasser waten, dann geduldig im Wasser rumstehen und auf eine geeignete Welle warten und dann versuchen, auf einem Brett zu stehen, das uns ein paar Meter nach vorne trägt, worauf wir wieder ins Wasser waten und so weiter und so fort.

Und genau das macht Andreas Brendt auch, und zwar nicht nur besonders gerne, sondern auch wesentlich länger und besser und öfter als wir. Brendt wurde schon Mitte der Neunziger Jahre mit dem Surfvirus angesteckt, auf einer Reise in den Semesterferien nach Bali. Davor war er braver Student der VWL in Köln mit wenig Surfambitionen, das war alles Zufall, aber wie das so oft ist, bestimmt der Zufall manchmal das Leben und so wurde das Surfen zur Passion, zum Lebensziel und -zweck.

Zwischen den Semestern an der Uni ging es in alle Ecken und Enden der Welt, nach Südafrika, nach Indonesien, nach Australien und Peru, nach Sri Lanka und immer wieder nach Frankreich, nur etwas weiter südlich von wo wir gerade sind und wo das Foto oben entstand, nach Moliets-et-Maâ, gerade gestern kamen wir an der Autobahnausfahrt vorbei, als wir einen Tagesausflug nach Bayonne machten. In Moliets-et-Maâ ist Andreas Brendt erst Pratikant und nachher Surfcampleiter, so finanziert er sich die Trips rund um die Welt, von Surfspot zu Surfspot, Welle zu Welle. Jeder Cent wird beiseite gelegt, um nachher monatelang in kleinen Hütten und billigsten Hotelzimmern zu leben, sich mit Händen und Füßen und gelegentlich auch auf Englisch und Spanisch mit den Einheimischen zu verständigen und immer wieder raus aufs Meer zu paddeln.

Andreas Brendt stürzt sich von einem Abenteuer ins nächste, klettert durch Höhlen eine Steilküste in Indonesien herunter, begegnet Haien und südafrikanischen Drogendealern, verhandelt mit indonesischen Polizisten die Geldstrafe fürs Rollerfahren-ohne-Führerschein, um sich dann doch noch schnell und unkompliziert einen (indonesischen) Führerschein anfertigen zu lassen. Er trifft auf andere leidenschaftliche Surfer, surft, siegt und scheitert und landet zwischenzeitlich sogar mal im Regenwald von Ecuador.

Fast zehn Jahre seines Surferlebens hat Andreas Brendt aufgeschrieben, immer sehr nah dran und packend, wobei sich gelegentlich die Frage stellt, ob sich das Buch für Leute, die wenig mit Surfen zu tun haben, ebenso packend liest wie für Leute wie mich, die zwar nur zwei Wochen im Jahr leidlich gut auf dem Brett stehen, das aber immerhin regelmäßig und mit viel Spaß. Doch neben dem Surfen geht es eben auch um die Menschen, denen Andreas Brendt auf seinen Reisen begegnet und letztlich auch um die Fragen, die man sich stellen muss, wenn man immer wieder zwischen Vernunft (richtiger Job, eigene Wohnung, fester Wohnsitz) und Leidenschaft (Surfen, fremde Länder und Abenteuer) entscheiden muss.

Ein kleiner Wermutstropfen: Frauen kommen als Surferinnen quasi nicht vor. Das mag der harschen Realität geschuldet sein, da kann Andreas Brendt vermutlich gar nichts für, aber auf Dauer ist es ein bisschen schade, wenn sich immer nur die Männer auf den Boards zusammenrotten, während die Mädels an Land bleiben und gelegentlich mal geknutscht werden.

Das Buch endet 2005 an einer Stelle, an der Brendt sich vermeintlich für einen Weg entschieden hat. Allerdings lässt die Autorenbiografie vermuten, dass es danach doch noch ganz anders weiterging. Boarderlines ist ein schönes Buch mit viel Abenteuer und Fernweh, dass sich sicher nicht ausschließlich aber vielleicht doch am allerschönsten am Strand von Biscarrosse liest, wenn man wenige Stunden später selbst wieder von der nächsten Welle an Land getragen wird. Oder eben hinfällt. Und wieder aufsteht. Und zurück ins Wasser watet. Und es noch mal versucht. So ist das beim Surfen.

Boarderlines von Andreas Brendt, erschienen 2015 im CONBOOK Verlag, 416 Seiten, 9,95 Euro. Erhältlich bei Amazon [Werbelink], bei Bücher-Lack in Fellbach und in jedem anderen Buchhandel.

Autorenporträt auf der Verlagsseite

Das Buch auf der Verlagsseite

Wer das Komplettfernwehpaket braucht, der bekommt auf der Webseite des CONBOOK-Verlags auch ein Boarderlines-Paket, komplett mit Buch, Notizblock, Zimtbonbons, Erdnussriegeln und australischem Ginger Beer und einer Reiseroute zum Selbersticken.

Lieblingstweets im August (Teil 2)

Diese Lieblingstweets werden präsentiert aus dem sonnigen Südfrankreich. Hier gibt es nämlich mittlerweile auch Internet!

Gelesen: 100 Dinge, die man im Liegen machen kann von Nina Fröhlich

100 Dinge die man im Liegen machen kann von Nina FroehlichDass ich eine besondere Beziehung zu der Tätigkeit liegen habe, sollte aufmerksamen Lesern meines Blogs und Verfolgern meiner weiteren Umtriebigkeiten im Netz bekannt sein. So gehört zum Beispiel der folgende Tweet zu einem meiner größten Erfolge auf Twitter:

Auch bei der Beantwortung des Proust-Fragebogens für Blogger bekannte ich mich als treue Anhängerin des Liegens.

Proust-Fragebogen

Der kleine Lebensratgeber 100 Dinge, die man im Liegen machen kann von Nina Fröhlich gehörte also ohne Frage in mein Buchregal oder besser noch als hilfreicher Ideenlieferant auf den Nachttisch. Auch Nina Fröhlich ist begeisterter Fan des Liegens. Doch das Liegen hat einen schlechten Ruf. Es gilt als faul und bequem, als wenig produktiv. Dabei kann man so viele Dinge im Liegen tun, dass sich Sitzen, Stehen und Laufen mal warm anziehen können. Sogar Fahrradfahren kann man im Liegen. In 100 Beispielen versucht Nina Fröhlich nun also, dem Leser die vielfachen Vorzüge des Liegens näher zu bringen und diese unterschätzte Tätigkeit aus ihrer dunklen Ecke der nachgesagten Trägheit ins Licht zu befördern.

Fröhlich unterteilt die Dinge, die man im Liegen machen kann in fünf Kategorien: Beim freudvollen Liegen schlägt sie vor, doch mal Kekse zu essen, Musik zu hören (am besten auf dem Boden), im Swimming Pool Wettrennen auf einer Luftmatratze zu machen, Freunde auf Facebook zu löschen oder die Kommunikationsskills um Klopfen an der Wand zu erweitern. Beim effektiven Liegen hingegen kann man Dinge im Internet an Selbstabholer verkaufen, auf der Wiese Regenwürmer beobachten, Abos kündigen, einen Sarg Probe liegen oder einen Schmorbraten zubereiten.

Kunstvolles Liegen beinhaltet hingegen sich tot zu stellen, in Thailand beim Liegen unter einer Kokospalme eine Gehirnerschütterung zu bekommen, Blockflöte zu lernen oder eine Komparsenrolle zu übernehmen. Auch im Surfen zu versagen ist dabei etwas, was man prima im Liegen erledigen kann. Man braucht eben nur nicht aufstehen. Und da weiß ich, wovon ich rede.

Beim kurativen Liegen darf man Psychologen vollquatschen, die stabile Seitenlage üben, Selbstdisziplin üben und dem Postboten nicht öffnen, Schmerzen wegschlafen, Verstimmungen bekommen und anschließend andere volljammern.

Schließlich gibt es noch die Paradedisziplin und mein Spezialgebiet: Das prokrastinierende Liegen. Hier gibt es auch vielfältige Möglichkeiten, das Liegen nicht zu einer langweiligen, eintönigen Veranstaltung verkommen zu lassen. Man kann Selbstgespräche führen, ein Bewerbungsgespräch führen, Kabel auseinanderknoten (unter dem Schreibtisch liegend) und in Foren diskutieren.

Dass ich hier ganz faul und wenig einfallsreich mehr oder weniger Auszüge aus dem Inhaltsverzeichnis abgetippt habe, ist selbstverständlich nur dem Einfallsreichtum der Autorin geschuldet, denn wie besser sollte ich die Vielfältigkeit der Vorschläge beschreiben. Doch das Buch gefällt nicht nur ob des Einfallsreichtums der liegeerfahrenen Autorin, sondern auch, weil sie höchst amüsant schreibt. Wer also demnächst mal wieder keine Lust zum Aufstehen hat, der besorge sich jetzt 100 Dinge, die man im Liegen machen kann und muss beim nächsten Mal immerhin ein weniger schlechtes Gewissen haben. Es gibt so viele Dinge, die man im Liegen machen kann.

Ich habe mir zum Beispiel im Liegen schon Domainnamen ausgedacht. Damals musste ich noch aufstehen, um die Domains zu registrieren. Heute könnte ich das ganze komplett im Liegen erledigen.

Sibylle Berg sagte mal in einem Interview, dass sie nur Schriftstellerin geworden ist, weil man diesen Beruf vom Bett aus ausüben kann. (Ich habe keine Beweise für diese Behauptung, bin aber ziemlich sicher, dass sie es in einem Interview mit Helge Schneider in der Sendung „Helge hat Zeit“ gesagt hat.) Es gibt also vermutlich noch hundert weitere Dinge, die man prima im Liegen erledigen kann und die im höchsten Maße sinnvoll sind. Für das Liegen!

Diese Rezension wurde im Sitzen geschrieben. Es ging leider nicht anders.

100 Dinge, die man im Liegen machen kann von Nina Fröhlich, 2015 erschienen im Goldmann Verlag, 186 Seiten, 8,99 Euro als Taschenbuch. Erhältlich bei Amazon [Werbelink], bei der Bücherstube an der Tiefburg in Heidelberg und bei jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

Das Buch auf der Verlagsseite

Das Buch wurde mir vom Verlag zu Rezensionszwecken umsonst zur Verfügung gestellt. Auf meine Bewertung hat das keinen Einfluss, ich darf schreiben, was ich will und mache das auch.

Einkaufen III

Wo hier gerade die großen Konsumwochen im Blog sind, hätte ich da noch eine Geschichte. So haben wir ja beim letzten Umzug vor viereinhalb Jahren unsere Waschmaschine geringstbietend verkauft. Wo genau die Waschmaschine herkam, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, irgendwie wurde sie zum Einzug in Leverkusen von meinen Eltern gestiftet und begleitete uns bis nach Düsseldorf. In Essen hatten wir dann keinen Platz für eine Waschmaschine in der Wohnung und das Konstrukt im Keller war zwar clever ausgedacht, führte aber dazu, dass wir da auch keine Waschmaschine hinstellen konnten.

Im Keller sind nämlich mehrere Wasseranschlüsse, aber nur ein Stromanschluss, der mit einem Münzgerät verbunden ist. Für 50 Cent kann man da 45 Minuten Strom zum Waschen kaufen. Aus historischen Gründen stand dort die Waschmaschine von Herrn H., seines Zeichens Student und Mieter im zweiten Stock. Ein neuer Plan hätte so ausgesehen, dass sich alle interessierten Eigentümer zusammen eine Waschmaschine kaufen und Herrn H. sein Waschmaschinengewohnheitsrecht entziehen. Dazu kam es aber aus Prokrastinationstechnischen Gründen und allgemeinem mangelnden Interesse der betroffenen Parteien nie.

Fast vier Jahre lief ich deswegen mindestens alle zwei Wochen zum 500 Meter entfernten Waschsalon und erlebte dort erstmals den Charme eines mittelgroßen Waschsalons. Tatsächlich finde ich die Alternative Waschsalon gar nicht so schlecht, sie geht nur ins Geld und kostet Zeit und Aufmerksamkeit, weil man ja, selbst wenn man wie ich, zwischendurch nach Hause laufen konnte, immer aufpassen muss, rechtzeitig wieder da zu sein, um die Wäsche rauszuholen, damit es kein anderer für einen macht. Andererseits hat es etwas sehr verbindendes, man sieht sehr viele Menschen aus dem Stadtteil. Der Waschsalon als moderner Brunnen, wo man sich trifft, um zu waschen und zu tratschen. Das könnte man auch mal erforschen.

Bei der letzten Eigentümerversammlung sprach ich aus anderen Gründen die Waschmaschinensituation an und erfuhr, dass Herr H. die Benutzung seiner Waschmaschine freigegeben hatte, zumindest solange die Waschmaschine noch funktionierte und er dort wohnte. Seit knapp einem Jahr wasche ich nun also im Keller mit der Waschmaschine von Herrn H. und sammle 50-Cent-Stücke, um Strom zu kaufen. Nun zieht Herr H. aus. Und da wir ja mittlerweile auch in einer größeren Wohnung wohnen und dort Platz für eine Waschmaschine haben, war das nun der letzte Grund, den wir brauchten, um eine Waschmaschine zu kaufen.

Genau genommen waren wir schon anderthalb mal eine Waschmaschine kaufen, leider erfolglos. Beim ersten Mal fiel uns auf, dass man ja schon mal genau die Lücke ausmessen müsste, in die die Waschmaschine später sollte, vor allem in der Höhe. Das hatten wir aber nicht und zogen erfolglos ab. Beim zweiten Mal saßen wir schon im Auto mit dem festen Willen, jetzt noch schnell eine Waschmaschine kaufen, bis uns auffiel, dass wir immer noch nichts ausgemessen hatten. Dementsprechend brachen wir das Vorhaben ab, bevor wir einen Schritt in den Elektrohandel gesetzt hatten.

Vorletzten Samstag aber waren wir vorbereitet. Die Lücke war ausgemessen, ich hatte mich schon vor Monaten auf Twitter informiert und daraus zwei wesentliche Informationen gezogen: KAUFT EINE MIELE! und NEHMT EINE MIT TIMER! Es gab auch Miele-Gegenstimmen, es gab aber auch andere Gründe, die mich von einer Miele überzeugten, unter anderem meine Aversion gegen Auswahl. Ich möchte bei solchen Dingen so wenig Auswahl wie möglich haben, das verwirrt mich nur. Wenn man sich schon mal auf eine Marke festlegt, wird die Auswahl gleich sehr viel geringer und mein Gehirn muss dann doch nicht explodieren. Das ist positiv.

Das Verkaufsgespräch ist hier so minder interessant. Am Ende kauften wir die teuerste. Das kommt davon, wenn man seinen Mann mitnimmt. Oder zumindest, wenn man meinen Mann mitnimmt. Er entwickelte ein ungeahntes Interesse für den ganzen Funktionsscheiß und war dann überraschend von einem Feature überzeugt, das mir eher so mittelwichtig bis verzichtbar vorkam, während ich von einem anderern Feature überzeugt war und die einzige Maschine, die beides hatte, war dann selbstverständlich die teuerste. Außerdem lebe ich ja mit einem audiophilen Menschen zusammen, der nicht nur den Energieverbrauch sorgfältig prüft, sondern eben auch die Lautstärke. Sagen wir mal so: Dass der Verkäufer im Sonderprogramm noch die Option „Extra leise“ zeigte, hat nicht geholfen.

Ich bin ja sehr gegen Genderklischees. Der Satz „Männer/Frauen sind halt so!“ zaubert mir jedes Mal eine Schaudergänsehaut. Ich möchte das nicht hören. Ich habe aber nun beobachtet, dass man, wenn man mit meinem Mann irgendwelche Geräte kaufen geht, immer automatisch bei dem teuersten landet, das dafür aber immerhin ALLES KANN!

Auf der anderen Seite musste ich in Düsseldorf immer den Müll runterbringen, weil mein Mann den Keller fies fand. Irgendwann musste ich auch mal nachts im strömendem Regen eine über den Tag komplett zerfledderte tote Taube von der Dachterrasse klauben. Man muss sich das so vorstellen: Ich hocke von Flutlicht umleuchtet mit einem Regenschirm auf einer Dachterrasse und sammele kleine Vogelstücke von der Terrasse. Es war ein bisschen wie in einem Fernsehkrimi. Mein Mann putzt zum Ausgleich und hat drei mal so viele Parfums wie ich. Wir bemühen uns also, nicht in irgendeine Genderstereotypfalle zu tappen und es klappt ganz hervorragend. Nur beim Elektrogerätekauf nicht.

Das Positive ist aber natürlich jetzt: Wir kriegen die allerbeste Waschmaschine. Heute nach Hause geliefert und angeschlossen. Ab heute Abend wird gewaschen. DIE GANZE NACHT! Die Nachbarn werden staunen. Wer weiß, eventuell sagen wir den Urlaub ab, weil wir lieber zu Hause sitzen und Dinge waschen. Alles ist möglich!

Einkaufen II

Nach dem „Shoppen“, von dem ich ja bereits berichtete, war ich dann aber tatsächlich auch Einkaufen. Also das mit dem Waschmittel und den Nudeln und den Tomaten. Der Plan für Samstag war Paella zu machen, dazu braucht man zum Beispiel Paprika und laut dem Rezept, das ich hatte auch Orangensaft. Ich habe keine Ahnung, ob wirklich Orangensaft in eine richtige Paella kommt, aber da das Endergebnis sehr befriedigend war, kann ich im Nachhinein zumindest sagen, dass es nicht schadet.

Ich stand also vor dem Direktsaftregal, weil ich ja immer nur mit den allerallerbesten Zutaten koche, das behaupte ich jetzt jedenfalls, die Wahrheit kann hier sowieso kaum jemand überprüfen. Im Direktsaftregal standen auch Smoothies. Gelbe Smoothies, rote Smoothies, pinke Smoothies und natürlich auch: GRÜNE SMOOTHIES!

Ich stehe ja dem ganzen Clean-Eating-Hype eher skeptisch gegenüber. Seit ich in einer Dokumentation gelernt habe, dass glutenfreies Brot oft weniger gesund ist, weil so viele Ersatzstoffe da rein müssen, damit es überhaupt irgendwie brauchbar schmeckt, und das Chia-Samen abführend wirken und man auf gar keinen Fall mehr als eine ziemlich geringe Menge pro Tag davon zu sich nehmen sollte, muss ich eigentlich permanent grinsen. Zumindest finde ich es höchst amüsierend, wie mittlerweile auf Lebensmitteln, in denen wirklich noch nie Laktose drin war, „laktosefrei“ steht, und sich der Hersteller diesen zusätzlichen Aufdruck teuer bezahlen muss.

Noch schöner finde ich da eigentlich nur, dass allgemein vermutet wird, dass die wirklich am allerverbreitetste Intoleranz die Fructoseintoleranz ist.* Wir haben ja Fructoseintoleranz im Haus, das ist mal gar nicht so lustig, weil mein Mann jetzt wissenschaftlich belegt einfordern kann, dass ich für ihn nicht mit Knoblauch kochen darf. In Knoblauch ist nämlich quasi ausschließlich Fructose. Außerdem in Äpfeln und Aprikosen und Birnen, in Zwiebeln und generell in ziemlich viel Obst und Gemüse. Außerdem in vielen Mehlsorten. Fructoseintolerante Menschen können Körnerbrot nicht so gut, Weizen hingegen ist top.

Jedenfalls scheint die Fructoseintoleranz deutlich verbreiteter zu sein als Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit, trotzdem hört man quasi nichts davon, während gefühlt jeder zweite Mensch, dem man begegnet irgendwas von „laktosefrei für mich, danke“ murmelt. Meine Theorie ist ja, dass es einfach eher uncool ist, Fructoseintoleranz zu haben. Fructose nicht zu vertragen geht ganz schlecht mit allen Grundsätzen dieser seltsamen clean and healthy living Bewegung zusammen. Das meiste darf man dann nämlich gar nicht oder nur in Maßen essen. Wie soll man sich bitte das Powerfrühstück basteln, wenn man keine Äpfel, keine Rosinen, keine Datteln und auch kein Körnermüsli verwenden darf? Da bleibt ja nur der Magerquark übrig und das sieht auf Instagram scheiße aus.

Darüber denke ich jedenfalls regelmäßig nach, aber wir waren ja mit mir beim Direktsaftregal stehengeblieben. Da stand ich also und fixierte die grünen Smoothies. Nun mag ich ja schon mal generell viel Gemüse nicht. Praktischerweise mag ich vor allem das Gemüse nicht, das üblicherweise in diese grünen Smoothies kommt. Spinat und Grünkohl (KALE!) und Mangold und was weiß ich. Aber dauernd höre ich jetzt von grünen Smoothies und letztlich bin ich ja doch sehr neugierig. Vielleicht schmeckt es ja gar nicht so eklig, wie es aussieht und klingt. Vielleicht schmeckt es großartig! Wie werde ich das aber je rausfinden, wenn ich es nicht probiere? Mal abgesehen davon, dass eigentlich nichts schlimmer sein kann als die Andouillette damals in Lüttich. Oder Bionade-Cola. Wer zwei Schlücke Bionade-Cola geschafft hat, wird wohl auch einen Schluck grünen Smoothie schaffen.

Ich stellte also den weniger eklig klingenden grünen Smoothie in den Einkaufswagen, mäanderte dann noch recht lange im Laden rum und bezahlte schließlich. Zu Hause wartete ein möglicherweise lebensveränderndes Smoothie-Erlebnis auf mich.

Zu Hause stellte sich heraus, dass ich den Smoothie im Supermarkt vergessen hatte. Jedenfalls war er weder im Körbchen noch in der Getränketasche. Ich vermute, mein Unterbewusstsein hat beschlossen, dass ich noch nicht so weit bin. Das ist auch okay, das Unterbewusstsein wird schon wissen, was es tut. Ich warte also ab und versuche es demnächst irgendwann noch mal.

 

*Ich habe aktuell keine verlinkbaren Quellen für diese Behauptung parat, aber ich habe in der letzten Zeit mindestens drei verschiedene Lebensmittelunverträglichkeitsdokumentationen gesehen und in ALLEN wurde gesagt, dass es noch keine belastbaren Zahlen gibt, aber dass alles darauf hindeutet, dass Fructoseintoleranz die häufigste Unverträglichkeit ist.

 

UPDATE

Weil es Nachfragen gab. Die Dokus waren „Der Feind in meinem Bauch“ auf 3sat (hier zu finden) und eine Folge über Unverträglichkeiten bei „Quarks & Co“ (hier zu finden).

Einkaufen

Gestern war ich Einkaufen. Eigentlich nennt man das glaube ich „Shoppen“, es handelte sich nämlich um die Art einkaufen, wo es nicht um Waschmittel oder Tomaten und Nudeln geht, sondern um die Art, wo man durch die Innenstadt läuft und mehr oder weniger wahllos Geschäfte ansteuert in der Hoffnung, durch Konsum glücklich zu werden. Was nicht heißen soll, dass der Konsum von Tomaten und Nudeln nicht glücklich machen kann.

Jedenfalls war ich Shoppen. Erst im Bücherladen, der in letzter Zeit dauernd umräumt ohne vorher mit mir Rücksprache zu halten und außerdem zumindest gefühlt die Kochbuchabteilung seltsam reduziert, so dass ich kaum noch was interessantes da finde und außerdem dauernd über Bücher von Attila Hildman stolpere und dann kurz Aggressionen kriege. Das war also kein großer Erfolg.

Danach war ich, und jetzt geht die eigentlich Shoppinggeschichte los, in einem Laden für Sportbekleidung und Zubehör. Einem Laden also, in dem ich eigentlich nichts verloren habe und von dem man auch denken könnte, es würde mich dort furchtbar langweilen. Allerdings mache ich ja in letzter Zeit wieder Sport und laufe gelegentlich durch die Gegend und weil ich anders als im letzten Jahr noch keinen Aua-Fuß dank Bänderdehnung habe, dachte ich, ich mache mal etwas Sinnvolles und kaufe mir einen Sport-BH. Frauen mit einer gewissen Körbchengröße, zu denen ich halt gehöre, brauchen sowas nämlich tatsächlich. Erstens zwickt so ein normaler BH beim Laufen gelegentlich ungünstig und außerdem schwitzt man ja beim Sport. Ich kaufte also da den ersten Sport-BH meines Lebens, direkt einen für EXTREME ACTIVITY, allerdings nur, weil ich mich an den Piktogrammen auf der Schachtel orientierte und bei HIGH ACTIVITY war nur eine Tennisspielerin und eine Gewichtheberin und noch irgendwas drauf, das ich vergessen habe und das wollte ich ja alles nicht machen. Bei EXTREME ACTIVITY war allerdings ein Piktogramm einer Läuferin drauf und das schien mir dann das richtige zu sein.

Ich probierte mehrere Varianten und Größen aus und lief dann doch noch mal durch den Laden, weil, und jetzt kommt das Erstaunliche: Weil das alles so interessant war. Für jede Sportart andere Bekleidung in unterschiedlichsten Farben und Formen. In der Surfabteilung zwar leider keine Surfbretter aber immerhin lustige Skate- und Longboards. Auf eines stellte ich mich testweise mal drauf, drohte aber schon nach zwanzig Zentimetern auf besonders peinliche Art runterzufallen und ließ es dann lieber. Kurz juckte es mich in den Fingern, vielleicht doch etwas Yoga-Equipment zu kaufen. Allerdings mache ich ja gar kein Yoga und selbst, wenn ich es vorhätte, sind wir immerhin im Besitz einer Unterlage, die man sicherlich für den Anfang auch als Yogamatte missbrauchen könnte und lustige Leggings und Hemdchen besitze ich auch. Es blieb also bei dem Sport-BH.

In der untersten Etage bewunderte ich noch ein bisschen die Kletterseile und das Wanderzubehör, befingerte kurz ein paar Rucksäcke und Taschen und verließ dann das Geschäft. Das ist alles ganz furchtbar faszinierend, was man für unterschiedliche Sportarten alles kaufen kann. Sicherlich ist das meiste davon sehr praktisch, sofern man eben vorhat, die dazugehörige Sportart zu machen. In Köln gibt es zum Beispiel einen sehr großen Sport- und Outdoorladen. Dort kann man sogar Tauchzeug und Boote ausprobieren, weil es im untersten Geschoss einen Pool gibt. Außerdem gibt es dort kleine Parcours, um zu testen, wie sich ein Wanderschuh auf verschiedenen Untergründen anfühlt und noch ganz viel anderes total faszinierendes Zeug. Tatsächlich könnte ich sehr lange in diesem Geschäft verbringen und der Fantasie freien Lauf lassen. Was, wenn ich tatsächlich Wandern gehen würde? Oder Campen? Was davon würde ich alles dringend benötigen? Und warum? Auf welche Neuentwicklung hätte ich immer schon gewartet, weil sie mein Wanderer- oder Camper- oder Taucher- oder Yogaleben um mindestens 200% verbesserte? Ich brauche natürlich nichts davon, ich will auch nichts davon, ich will ja gar nicht Wandern oder Tauchen und erst recht nicht Campen, geh mir weg mit Campen, aber ich stehe trotzdem mit großen Augen vor den Auslagen und bewundere das Zubehör. Alles so unglaublich praktisch und funktionell. So sinnvoll! Es ist großartig.

Nach soviel Sinnvolligkeit musste ich danach schnell in so ein Home-Dekor-Geschäft, wo es ausschließlich Sachen gibt, die man nicht braucht. Manche davon sind auch sinnvoll, man kann da Gläser und Teller kaufen und die braucht man ja tatsächlich gelegentlich mal. Meistens kauft man dort aber Dinge, die zu 99% hübsch sind und zu 1% irgendwie sinnvoll. Ich erstand ein Frühstücksbrettchen aus der schon ausgelaufenen Muppets-Kollektion mit dem Swedish Chef.

Um das Universum dann endgültig in Balance zu bringen guckte ich dann noch mal bei Zara vorbei, um rauszufinden, ob es da mittlerweile wieder Kleidung gibt, die man als normaler Mensch sowohl versteht als auch anziehen kann. Ich fand ein hübsches Kleid mit einem Siebziger-Jahre-Tapetenmuster-Stoff, ein etwas weniger hübsches, aber ganz niedliches Kleid, das im Schlussverkauf aber auch nur 9 Euro kosten sollte und eine Bluse mit lustigen Meerjungfraruen drauf. Das niedliche Sommerschlussverkaufskleid war leider doch sehr kurz. Ich tendiere ja zu zu kurzen Kleidern, aus keiner besonderen Absicht, es passiert einfach so. Wenn ich also bei einem Kleid denke: „Huch, ganz hübsch, aber doch sehr kurz!“, dann ist es definitiv zu kurz, da brauche ich weder meine Mama noch meine Oma, um das festzustellen. Das Tapetenmusterkleid war komplett untragbar. Es hatte, was man im Hängezustand nicht so sehen konnte, Trompetenärmel, also Ärmel, die nach vorne hin weiter werden. Wie Schlaghosen quasi, nur eben an den Armen. Das sah schon mal sehr albern aus. Außerdem war es noch kürzer als das andere Kleid, jedenfalls glaube ich das, ich bekam es nämlich noch nicht mal richtig angezogen und gab auf halber Strecke den Versuch auf. Die Bluse hätte sogar fast gepasst, zwickte aber ungünstig an den Schultern und auf einmal fiel mir auf, dass ich gar nicht unbedingt eine Bluse mit Meerjungfrauen brauche.

Wichtig aber vor allem: Nein, bei Zara kann man immer noch keine Kleidung kaufe, die man versteht und die man auch anziehen kann. Mit der Produktion tragbarer Kleidung hat Zara irgendwann zwischen 2002 und 2005 aufgehört. Davor habe ich dort mal zwei sehr schöne Kleider gekauft, danach immerhin noch mal einen Rock und dann war es vorbei. Eigentlich scheint mir das ja auch nicht so schwer zu sein. Üblicherweise ist Kleidung ja genormt. Hosen zum Beispiel haben oben ein großes Loch und unten zwei kleinere. Pullover und andere Oberbekleidung haben oben und unten jeweils etwas größere Löcher und dann an den Seiten noch zwei Schläuche, an deren Ende jeweils ein Loch ist. Röcke sind noch einfacher. Oben und unten ein Loch, fertig! Üblicherweise weiß man, für welchen Körperteil welches Loch gedacht ist, das ist alles gar nicht so schwierig. Bei Zara stand ich allerdings schon in der Umkleide und scheiterte schon in der Theorie, weil mir völlig unklar war, welches Loch jetzt für welches Körperteil da war. Manchmal hingen auch noch so Bänder an der Kleidung, die auch irgendeinen Zweck erfüllen sollten, der sich mir aber nicht erschloss und fragen war mir dann doch zu peinlich. Wer gibt schon gerne zu, dass er zu dumm zum Anziehen ist.

Vielleicht überprüfe ich in ein paar Jahren noch mal, ob es dort wieder Kleidung gibt, mit der ich umgehen kann. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich mir in der Zeit irgendwas funktionelles in einem Sportgeschäft kaufen werde. Da weiß ich wenigstens, wozu es da ist und wie man es anzieht.

Lieblingstweets im August (Teil 1)

DOMINANTSEPTAKKORDE! YPS-DETEKTIVAUSWEISE! NÄHRSTOFFABGABE DURCH REIBUNG! UND DREI HEUGABELN UND 407 LITER SALZPASTE!

Gelesen: Die Nacht des Kranichs von Patrick Ness

Cover Die Nacht des Kranichs

Mitten in der Nacht wird George von einem Geräusch wach und findet einen verletzten Kranich in seinem Garten. Ein Pfeil steckt im Flügel. George kümmert sich um das verletzte Tier und befreit es von dem Pfeil. Der befreite Kranich fliegt davon und George bleibt allein und verwirrt zurück.

Am nächsten Tag tritt Kumiko in sein Leben. Die geheimnisvolle Frau erschafft faszinierende filigrane Bilder aus Federn. So schaffen Kumiko und George, der aus alten Büchern kleine Scherenschnitte erstellt, Kunstwerke, die jeden, der sie sieht, sofort in ihren Bann ziehen. Und es bleibt natürlich nicht bei der rein künstlerischen Beziehung. Aber Kumiko bleibt geheimnisvoll. George weiß nichts von ihrer Vergangenheit, wo sie herkommt, was sie tut, wenn sie nicht zusammen sind.

Doch es geht nicht nur um George und Kumiko. Es geht auch um Amanda, seine Tochter, alleinerziehende Mutter von JP und dauerwütend, ohne dauerwütend sein zu wollen. Amanda eckt an, passt nirgendwo rein und weiß nicht, was sie tun soll. Genauso wie ihre Kollegin Rachel, die auch nicht weiß, wohin mit ihrer Unzufriedenheit. Dann ist da Mehmet, Georges Angestellter, der eigentlich Schauspieler sein möchte, Amandas Mutter und Georges Ex-Frau und ihr neuer Mann.

In diesem Geflecht von Beziehungen, von Wünschen und Hoffnungen spielt die Geschichte von George und Kranich, die Patrick Ness inspiriert von der Geschichte der Kranichfrau, einem alten japanischen Märchen geschrieben hat. Ness ist nicht der erste, der dieses Märchen auf moderne Weise interpretiert. Auch die Band The Decemberists  widmeten dem Märchen ein ganzes Album und besangen es in drei zusammenhängenden Songs.

Am ehesten ist die Geschichte wohl im Genre des magischen Realismus anzusiedeln, ein modernes Märchen eben, ausgebreitet auf 300 Seiten. Als Leser schwankt man zwischen Mitgefühl und dem Wunsch, die Personen mögen sich doch mal zusammenreißen. Eine Identifikation mit den Protagonisten fällt schwer, letztlich bleiben die Figuren eigentümlich unnahbar, und das gilt nicht nur für Kumiko, die ja immerhin unnahbar sein soll. Die fantastischen Elemente sind rar gesät, doch anders als bei Ness‘ Kinderbuch Sieben Minuten nach Mitternacht [Werbelink], bei dem ich beim Hören des Hörbuchs im Bus anfing, recht bitterlich zu weinen, springt der Funke nicht wie erhofft über.

Vielleicht ist das aber auch Absicht. Genau wie die Kunst von George und Kumiko bleiben die Menschen in dieser Geschichte ein bisschen wie Scherenschnitte. Klar umrissen und doch nicht ganz zu fassen. Trotz dieser Kritik habe ich Die Nacht des Kranichs  gerne gelesen. Patrick Ness packt das ganz normale Alltagsleid ganz normaler Menschen in eine im positiven Sinne glatte und geradlinige Sprache. Dabei ist er gleichermaßen schonungslos und mitfühlend. Niemand kann sich rausreden, aber weil alle Fehler haben, ist das auch gar nicht so schlimm.

Die Nacht des Kranichs ist ein schönes Märchen, dass vielleicht einfach gelegentlich daran scheitert, dass in der Wirklichkeit so wenig Platz für echte Märchen ist. Aber immerhin, das lehrt uns dieses Buch, ist in der Wirklichkeit Platz für Versöhnung. Und das ist doch eine gute Nachricht, sowohl für George, Amanda, Kumiko und all die anderen als auch für uns.

Patrick Ness: Die Nacht des Kranichs (übersetzt von Sibylle Schmidt), erschienen 2014 im Hanser Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro. Erhältlich bei Amazon [Werbelink] und in jedem anderen Buchhandel.

Lob ohne Tadel

Ich bin diese Woche schon zwei Mal gelobt worden, aber beide Male auf etwas verwunderliche Weise.

Montag rief jemand mit einer mir unbekannten Nummer an. Ich rief also zurück (was ich nicht immer tue, wer etwas von mir will, kann mir auch Mails schicken oder auf die Mailbox sprechen) und hatte eine Frau vom DRK-Blutspendedienst am Telefon, die sich erst für meinen Einsatz (11 Mal spenden!) bedankte und dann anfragte, ob ich nicht mal wieder vorbeikommen möchte. Anscheinend sind die Spenderzahlen im DRK-Blutspendezentrum in Essen etwas rückläufig und dagegen wird jetzt knallharte Kundenakquise betrieben.

„Und Sie haben doch so eine schöne Blutgruppe!“ rief sie freudig. „Null positiv!“

Ja-ha! Da hören Sie’s! Ich habe eine formidable Blutgruppe. Das kann immerhin nicht jeder. Außer natürlich man hat Eltern, die auch beide Blutgruppe Null haben, dann ist das sehr einfach und selbst wenn nicht, dann werde ich zwar gerne gelobt, meine Blutgruppe habe ich mir aber tatsächlich gar nicht selbst ausgesucht oder anderweitig dazu beigetragen. Aber andererseits, warum nicht auch mal für seine schöne Blutgruppe gelobt werden? Man nimmt, was man kriegt.

Gestern war ich dann beim Arzt, um ein Rezept abzuholen. Einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung hatte ich ein paar Tage vorher schon provisorisch gemacht, das Rezept brauchte ich aber etwas früher.

Der Doktor unterschrieb also das Rezept, schüttelte mir die Hand und sagte: „Hier das Rezept für Produkt XY, einen Termin haben Sie ja schon gemacht, alles vorbildlich!“

Auch das ließ mich etwas verwundert zurück. Ein Rezept abholen und einen Termin für eine Untersuchung zu machen gehören für mich doch eher zu den, nun ja, Alltagserledigungen, über die ich nicht all zu viel nachdenke. Würde ich mehr darüber nachdenken, würde ich zum Beispiel so rechtzeitig einen Termin vereinbaren, dass ich das Rezept einfach dann mitnehmen könnte und nicht vorher noch mal vorbeischauen müsste.

Aber vielleicht ist das auch alles nicht so selbstverständlich, wie ich immer denke. Vor Jahren bedankte sich mal eine Personalerin sehr explizit bei mir dafür, dass ich ein Vorstellungsgespräch absagte, weil ich schon einen neuen Job gefunden hatte. Auch das hielt ich für eine ganz normale und selbstverständliche Handlung, möglicherweise liege ich da aber falsch.

Ich möchte mich hier aber nicht beschweren, ich werde ja gerne gelobt. Am liebsten aber doch für Dinge, die ich nicht selbstverständlich finde. Obwohl nein, vielleicht sollte ich da nicht so wählerisch sein. Wie gesagt: Man nimmt, was man kriegt.