Au revoir, Monsieur E.

Herr E. übernahm in 1996 den Grundkurs Französisch der elften Klasse, der im nächsten Halbjahr zum Leistungskurs wurde. Acht Mädchen und ein Lehrer, ein Zwei-Meter-Mann (jedenfalls gefühlt) mit Vollbart und Schalk in den Augen.

Einer der Lehrer, die ihre Fächer liebten und für die der Beruf Berufung war. Vielleicht habe ich selten so viel gelernt wie in den nächsten zweieinhalb Jahre bis zum Abitur, in unserem kleinen kuscheligen Französisch-LK und dem fast ebenso kleinen Geschichtsgrundkurs, den wir heimlich auch LK nannten, weil wir von Textbergen überhäuft wurden, damit wir ja so viel wie möglich über die Vergangenheit lernen konnten. Herr E. brachte uns bei, dass wildes Textmarkern doof war, man solle sich möglichst nur ein Wort anstreichen, mit dessen Hilfe man sich den Inhalt des ganzen Absatzes merken könnte.

Herr E. sorgte sich um uns, seine Schüler waren ihm wichtig, die Beziehung war von beiden Seiten von Respekt und Sympathie geprägt. Er erzählte von seinem Hörsturz und seinen Rücken- und Hüftproblemen. Er lud uns zum Kurstreffen zu sich nach Hause ein, wo wir seine zwei Kinder kennenlernten, wir trafen uns bei einem anderen Treffen bei uns zu Hause. Er war einer der freundlichsten und nettesten Lehrer, und vermutlich einer der freundlichsten und nettesten Menschen, die ich kennenlernen durfte.

Als wir einige Jahre nach unserem Abitur bei einem Schulfest waren, klopften wir ans Lehrerzimmer und erkundigten uns, aber Herr E. war nicht da, gesundheitliche Probleme, eine OP, ich weiß es nicht mehr genau.

Knapp zehn Jahre nach unserem Abitur hat sich Herr E. umgebracht. Ich erfuhr es bei unserer zehnjährigen Abifeier, eher zufällig, bei einer Führung durch die Schule, ein Bild von Herrn E. auf einem Regal im Lehrerzimmer. Der Tinnitus war zurückgekommen, die anderen Leiden wurden nicht besser, irgendwann war es zu viel.

Man findet die Rede zweier Lehrer zu seinem Tod im Schuljahrbuch, ich habe beide mehrfach gelesen. Jedes Mal, wenn ich in Frankreich bin und mich auf Französisch unterhalte, möchte ich ihm sagen: „Hier, guck! Ich kann’s noch! Das hab ich alles bei dir gelernt!“ und dann fällt mir ein, dass ich ihm das nie persönlich werde sagen können und dann bin ich kurz sehr, sehr traurig.

Ich war nicht auf der Beerdigung, ich habe es ja nur zufällig erfahren. Wir hatten schon jahrelang keinen Kontakt mehr, es ergab sich nicht, ich habe mein Leben weitergelebt und er seines und dann hat er seines nicht mehr weitergelebt. Es fühlt sich nicht abgeschlossen an, als ob ich noch irgendwas tun müsste, als ob er noch irgendwie da sein müsste, weil es ja keinen Abschied gab. Und es fühlt sich nicht richtig an, dass da einer nicht mehr da ist, obwohl er da sein könnte.

Letztens habe ich Briefe gesucht im Keller und mir fielen Briefe mit einer kantigen Handschrift in die Hand. Adressiert an eine Adresse in Hoboken, wo ich kurz nach dem Abitur als Au-Pair war. Und so stand ich da im Keller und hielt längst vergessene Briefe von Herrn E. in der Hand und fing an zu weinen.

Au revoir, Monsieur E. Vous avez fait une furieuse dépense en esprit.

Neues vom Unterbewusstsein IV

Ich schreibe meine Träume immer noch auf, das Dokument, in das ich die Träume aus der App regelmäßig übertrage, hat mittlerweile 65 Seiten. Irgendwann habe ich also einen sehr unzusammenhängenden Roman, den keiner lesen will außer mir.

Heute morgen drehte ich mich nach dem Weckerklingeln noch mal im Bett um und murmelte meinem Mann „Da kannst du ja dann gucken, was du zu essen machst“ zu. Verständlicherweise wusste er mit diesem Satz nichts anzufangen, im Traum gab es natürlich einen völlig nachvollziehbaren Zusammenhang.

Viele neue Erkenntnisse habe ich in den letzten Monaten nicht erlangt, als neues Feature kamen nur Gerüche vor, allerdings bislang auch erst einmal. Ich arbeite aktuelle Erlebnisse relativ zeitnah auf, letzte Nacht träumte ich zum Beispiel zum dritten Mal von Pokémon. Auch den anstehenden Frankreichurlaub habe ich schon im Traum verarbeitet, hoffe jedoch, dass in der Realität im Hotel auch Kartenzahlung möglich ist und wir nicht mit dem Auto ins nächste Dorf fahren müssen, um Bargeld zu holen. Seit dem Ehemaligentreffen an meiner Schule träume ich vermehrt von alten Stufenkollegen und Schulzeugs. Anfang Juli ging es um den Bachmannpreis, so steht es zumindest in den Notizen.

Den Brexit habe ich in der Nacht auf der 25. Juni so verarbeitet:

Wir fahren mit einem Boot mit der Queen an Bord irgendwo in London, Mama steuert, ich darf vorne in so einer Ecke sitzen und mitfahren. Nachher verwandelt sich das Boot in ein Auto, ein Künstler klopft an die Scheibe, es regnet stark. Wir fahren in eine dunkle Sackgasse und kommen ganz schlecht wieder raus.

 

Weiterhin bin ich auch in Träumen sehr auf Hunde fixiert. Meistens sind es fremde Hunde, aber mittlerweile habe ich auch schon von allen unseren Hunden geträumt, in diesem Fall von unseren beiden Mischlingen Nena und Frenzy, die ja auch beide nicht mehr leben:

Wir sind mit ganz vielen Hunden unterwegs, u.a. auch Nena und Frenzy. Wir machen einen langen Spaziergang einen Berg runter durch ein kleines Waldstück. Viele Hunde sind an der Leine, aber Nena und Frenzy laufen frei. Man verliert sehr schnell den Überblick. Wir kommen an einem Café an und als so langsam alle Menschen und Hunde eintrudeln, merke ich, dass Nena fehlt. Ich werde sofort panisch und sage meiner Mutter, dass wir zurückmüssen, um sie zu suchen, was wir dann auch machen. Im Traum finden wir sie allerdings nicht mehr.

 

Auch Landkarten kommen immer mal wieder vor, in diesem Fall mit einer komplett neuen Idee, wie  man Gebiete einteilen könnte:

Ich gucke Wohnungsanzeigen für Hanau, finde aber nur zwei Wohnungen, die eher ungünstig liegen. Auf einer Umgebungskarte ist die Stadt nach Biersorten aufgeteilt. Eine dritte Wohnung hat wohl extrem niedrige Decken und kaum Licht.

 

Gelegentlich gehe ich im Traum sogar shoppen, gekauft habe ich in diesem Fall aber nichts:

In der Stadt, gehe zufällig in ein Kleidungs-/Nähgeschäft, Stil wie Blutsgeschwister, es ist Sale und eine lila-grüne Latzhose kostet nur 33 Euro. Chefin bietet Nähzeug an, ich sage: „Ich kann nicht nähen, nur anziehen.“

Urlaubslektürepläne

Auch dieses Jahr geht es in den Frankreichurlaub, ganze drei Wochen werden wir an der Atlantikküste verbringen, Surfen, Essen und auch zu einem guten Anteil Rumliegen. Beim Rumliegen kann man auch schöne Dinge tun. Schlafen zum Beispiel, schlafen finde ich super. Nichts tun ist auch eine gute Wahl, einfach mal nichts tun. Alternativ kann man auch lesen und wie jedes Jahr plane ich, im Urlaub ein Buch nach dem anderen zu lesen und habe mir dementsprechend schon eine Urlaubslektüreliste angefertigt. Sie ist grob unterteilt in drei Themengebiete, die hier auch nicht im Detail zu diskutieren sind. Eventuell passen die Bücher nämlich gar nicht in das von mir ausgedachte Themengebiet, klingen aber so oder sind aufgrund einer nicht mehr nachvollziehbaren Assoziationskette dort gelandet. Da ich ja auch keines der Bücher gelesen habe, kann es auch sein, dass meine Vorstellung vom Inhalt nicht dem tatsächlich Vorzufindenden entspricht. Das ist mir aber egal.

Romane von klugen jungen Frauen, im besten Fall mit Nostalgieanteil

    

Alexandra Tobors Buch steht ohnehin schon auf der Wunschliste, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben angefangen hat. Ich hätte es auch schon längst gelesen, war aber der Meinung, es gehört unbedingt in Frankreich am Strand gelesen. Von Kirsten Fuchs Mädchenmeute habe ich auch nur gutes gehört, mal abgesehen davon, dass ich 2014 Kurzgeschichten von ihr gelesen habe und sehr lachen musste. Empfehlenswert ist hier auch der Podcast von Viertausend Hertz. Vea Kaiser habe ich auf der LitBlogCon im Juni im Interview erlebt und war sehr angetan. Hier ist die Spannung also auch groß, denn von ihr habe ich tatsächlich bislang noch nichts gelesen.

 

Moderne Literatur mit irgendwie was mit Science Fiction von deutschen AutorInnen

      

Alles fünf Bücher von jungen deutschen bzw. deutschsprachigen AutorInnen, die irgendwas mit Science Fiction oder Dystopie zu tun haben, oder so klingen, als würden sie es. Katharina Hartwell ist mir immer wieder so dazwischengeflattert, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, bilde mir aber ein, immer „Das klingt aber interessant“ gedacht zu haben. Das muss reichen. Leif Randt und Valerie Fritsch wurden beide schon von Andrea Diener gelesen und in ihrem Tsundoku-Podcast rezensiert, das klang auch so, als würde ich das mögen. Bei Roman Ehrlich sieht es wieder ähnlich aus wie bei Hartwell, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, aber ich erinnere mich, dass ich „Klingt super, will ich lesen!“ dachte. Meinem Vergangenheits-Ich traue ich Lektüreauswahlkompetenz zu. Und Saša Stanišić, den sollte ich sowieso längst gelesen haben, wenn ich meiner Literaturfilterblase so trauen kann.

 

Nicht-deutsches Science-Fiction- und/oder Fantasy-Zeugs von jetzt und von früher von Autoren, die ich sowieso super finde oder immer schon mal lesen wollte

        

Zwei Bücher von David Mitchell, die ich noch nicht gelesen habe! Was ist hier nur falsch gelaufen? Skandal! Ich habe weder bei Slade House noch bei The Bone Clocks nur den Hauch einer Ahnung, worum es gehen könnte, aber es ist fucking David Mitchell. Da macht man nix falsch. (Klopf auf Holz, das hätte ich bei Dave Eggers ja auch mal gesagt und dann kam Der Circle.) Das gleiche gilt für Nick Harkaway, da habe ich The Gone Away World geliebt. Lem gehört eher zur Kategorie „Sollte ich auch mal gelesen haben“ und von Lindqvist habe ich So finster die Nacht gelesen und für gut befunden und verspreche mir außerdem ein Buch, das ich dann auch meinem Mann weitergeben kann, ansonsten haben wir bei unser Genrepräferenz eher wenig Überschneidungen.

 

Wer sich an meiner Lektüreplanung beteiligen will, ich nehme immer noch gerne Tipps an, kann aber für nichts garantieren. Ich habe aktuell um die 600 Leseproben auf dem Kindle, es ist also unklar, ob ich je alles werde lesen können, was ich lesen möchte. Es muss auch nicht zu den drei Themenbereichen passen, wenn doch, ist das aber umso superer. Wer sich durch Sachspenden beteiligen will, für den habe ich eine Sommerlektürewunschliste bei Amazon gebastelt. Die ist nicht ganz so überfordernd wie die überfüllte andere Wunschliste und ich werde garantiert in Frankreich am Strand an den edlen Spender denken.

Alexandra Tobor bei Rowohlt
Betreutes Lesen zu Minigolf Paradiso
Kirsten Fuchs bei Rowohlt
Webseite von Kirsten Fuchs
Vea Kaiser bei KiWi
Webseite von Vea Kaiser

Katharina Hartwell beim Berlin Verlag
Katharina Hartwell in der Wikipedia
Leif Randt bei KiWi
Leif Randt in der Wikipedia
Roman Ehrlich bei Dumont
Roman Ehrlich beim Bachmann-Preis
Valerie Fritsch bei Suhrkamp
Webseite von Valerie Fritsch
Saša Stanišić bei Random House
Webseite von Saša Stanišić

David Mitchell bei Rowohlt
David Mitchell in der Wikipedia
Nick Harkaway bei Random House
Webseite von Nick Harkaway
Stanislaw Lem bei Suhrkamp
Stanislaw Lem in der Wikipedia
John Ajvide Lindqvist bei Bastei Lübbe
Webseite von John Ajvide Lindqvist

Alle Links zu Büchern sind Amazon-Affiliate-Links, wer sich also selber Urlaubslektüre bei Amazon kauft, der macht, dass ich ein bisschen was davon abbekomme. Wer sich von meinen Vorschlägen inspiriert Bücher im Buchhandel kauft, der macht den Buchhandel glücklich. So oder so hat man nachher ein hoffentlich tolles Buch.

Lieblingstweets im Juli (Teil 1)

MEERSCHWEINCHENKÄFIGE! PUDERPFUCKER! TEFAL-JAMIE-OLIVER-PFANNEN UND 12 FLASCHEN HIMBEERSIRUP! SCHÖNE TENTAKEL! DUDELDUMDEI! DUDELDUMDEI!

Webgedöns am 11.7.2016

Frau Nessy über integrative Obstarbeit im Ruhrgebiet.

The French Banksy of Fake Facades malt ganz tolle Bilder auf Hausfassaden. Man möchte selber mal vorbeifahren und das ganz im Detail angucken.

Oliver Curtis hat Sehenswürdigkeiten von der anderen Seite fotografiert, also so, wie es aussieht, wenn man davorsteht und in die andere Richtung guckt. Daraus ließe sich bestimmt auch ein schönes Ratespiel basteln.

Christoph Koch schreibt in der brand eins über Agile Softwareentwicklung. Immer wieder ein spannendes Thema.

Standfotos von dem italienischen Science-Fiction-Film L’invenzione di Morel, den ich jetzt auch gerne mal sehen würde.

Matt Crabtree fotografiert Menschen in der U-Bahn und bearbeitet die Bilder dann so, dass sie wie Porträts aus dem 16. Jahrhundert aussehen. Das ist sehr faszinierend und schön.

Geräucherte Eiscreme herstellen. Ich hab’s noch nicht ganz kapiert, finde es aber faszinierend.

Momentaufnahme

Ich sitze auf dem Balkon, auf dem Tisch ein Negroni aus der Cocktailbox und eine Kochzeitschrift mit leckeren Rezepten, die Sonne scheint, draußen fahren Autos die Querstraße entlang, gelegentlich kommt die Straßenbahn vorbei, dann bimmelt es.

Im Wohnzimmer sitzt mein Mann und schreibt, aus meinem iPhone tönen die Känguru-Trilogien, bei einer lustigen Stelle gucke ich ins Wohnzimmer, mein Mann und ich grinsen beide und kichern.

Später werden wir den Grill anschmeißen, ein Steak grillen, dazu Tomatensalat und Weißwein, als Nachtisch gibt es Marillenknödel, wie Oma sie früher gemacht hat. Noch später gucken wir dann Fußball, liegen angetüddelt auf der Couch und dann irgendwann gehen wir ins frischbezogene Bett, die Laken trocknen gerade noch. Und dann schlafen wir.

Aber es reicht eigentlich auch dieser eine Moment, ich auf dem Balkon, mein Mann im Wohnzimmer, wir beide, die wir zusammen kichern und in dem Moment weiß man, wie verdammt gut es uns geht mit diesem Leben.

Webgedöns am 6.7.2016

Christian Fischer erklärt an einem schönen Beispiel, wie Politik funktioniert und man möchte ein bisschen weinen.

Anke Gröner hat über die Frankfurter Küche recherchiert und erhellt auch ihre Blogleser. Ich finde das alles furchtbar spannend (nicht umsonst habe ich ein Semester Volkskunde studiert).

Lego Pixel Art. Berühmte Kunstwerke aus Lego. Erstaunlich, dass man trotzdem alles sofort erkennt.

Parfumiers are trying to capture the smell of old books. Ich weiß zwar nicht, warum man wie ein altes Buch riechen will, aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.

Game of Thrones Keksausstecher. Braucht eine gut ausgestattete Küche natürlich unbedingt.

Milchschnitten selber machen. Because why the hell not?

Gelesen im Juni 2016

Long Dark Dusk von James P. Smythe

Der zweite Teil der Australia-Trilogie von James P. Smythe. Den ersten Band las ich im Mai und war sehr angetan, dementsprechend kam der zweite Teil direkt hinterher. Andere Szenerie, aber auch hier alles schön zackig und spannend erzählt. Der dritte Band kommt erst im Oktober, wird aber auch gekauft und gelesen.

(Zur Story kann man nicht viel sagen ohne die entscheidenden Stellen im ersten Band zu verraten. Insofern sollte man sowieso mit dem ersten Band anfangen und dann weiß man ja, ob man weiterlesen will.)

Long Dark Dusk von James P. Smythe [Amazon-Werbelink]

 

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler

Warum man das Internet auch lieben kann, Teil 293: Überraschend hatte ich eine Mail im Postfach, jemand schrieb, er würde meinen Blog lesen und hätte auf meiner Wunschliste sein Buch entdeckt, ob er mir das schicken könnte, einfach so, ich muss es auch gar nicht rezensieren, sozusagen als Sachspende.

Der Jemand war Boris Hänßler und sein Buch heißt Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren und ist voll mit Geschichten aus der Zeit vor dem Internet. Das passt ganz hervorragend zu meiner momentanen Nostalgiestimmung. Boris Hänßler erzählt davon, wie man früher keine Handynummern austauschen konnte, sondern sich die Festnetznummer eines Mädchens auf den Arm schreiben ließ, um ihn wenig später schon nicht mehr lesen zu können und sich dann mit detektivischem Geschick, Telefonbüchern und Ausdauer durch die Anschlüsse mit passendem Nachnamen im Nachbardorf zu telefonieren. Er erzählt von Brieffreundschaften per International Youth Service und vom Offlinekaufen und -umtauschen und natürlich noch von all den anderen Dingen, die anders waren, als man noch kein Internet hatte.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren ist zwar mit einem schönen nostalgischen Blick erzählt, dabei schwingt Hänßler aber nie die „Früher war alles besser!“-Keule, so dass man mit dem Buch vor allem Spaß haben kann, ohne sich fünf Minuten später für den Blick aufs Smartphone irgendwie schlecht fühlen zu müssen. Früher war es schön und heute ist es auch schön und irgendwo dazwischen wurde das Internet erfunden.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler [Amazon-Werbelink]

 

Updraft von Fran Wilde

Für den Online-Buchclub gelesen. Kirit lebt über den Wolken in einem der Türme der Stadt, Türme aus Knochen, die immer weiter in die Höhe wachsen, teilweise mit Brücken verbunden, teilweise nur auf dem Flugweg zu erreichen, der üblichen Fortbewegung der Menschen in Fran Wildes Updraft.

Als Kirit die Gesetze des Turmes bricht und sich bei einem Angriff der Skymouths nicht im Turm verschanzt, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Anstatt ihre Mutter als Lehrling bei ihren Handelsausflügen zu begleiten, steht ihr eine Zukunft als Singer im höchsten Turm der Stadt, dem Spire bevor, eine Zukunft abgeschnitten von ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihrer Freunde, eine Zukunft voller Pflichten und Verantwortung.

Fran Wilde erschafft hier eine komplexe Welt, die auf den ersten Seiten in ihrer Seltsamkeit etwas schwer zu greifen ist, sich dann aber sehr schön entwickelt. Leider werden zu viele Dinge im Unklaren gelassen, zumindest im Online-Buchclub-Forum wurde über einige Details diskutiert. Wen das nicht stört, bekommt hier tolle YA-Fantasy in einer meines Wissens so noch nicht da gewesenen Szenerie. Ich habe das sehr gerne gelesen und bin gespannt auf den zweiten Teil, der im Herbst erscheinen soll.

Updraft von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind 

Katrin Bauerfeind, die ich noch aus Ehrensenf-Zeiten kenne, hat ihr zweites Buch geschrieben, ein Buch über Frauen, das aus Marketinggründen direkt mit einer Lüge im Titel daher kommt. Hinten, das ist enttäuschend, sind nämlich überhaupt keine Rezepte drin.

Ansonsten sind das nette Geschichten, die zwar auch mal die üblichen Klischees bestätigen, aber glücklicherweise meistens ganz gut die wirklich schlimmen Stereotypen umschiffen und dabei die ganze Männer-Frauen-Thematik mit einem liebevollen Blick auf die Dinge auseinandernehmen.

Hinten sind Rezepte drin ist nicht der große Wurf, der Geschlechterklischees komplett auf den Kopf stellt, aber man kann es gut zwischendurch lesen ohne das schlimme Dinge passieren. Das Hörbuch gibt es bei Storify und da habe ich es auch gehört. Das hat den weiteren Vorteil, dass Katrin Bauerfeind selber liest und das ist dann tatsächlich ein großes Vergnügen.

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind [Amazon-Werbelink]

 

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig

Sechs Kolumnen aus dem Merkur über Internet und digitale Welt von Kathrin Passig mit ihrem üblichen differenzierten und undogmatischen Blick auf komplizierte Dinge, der in Techniktagebuchkreisen als „Kathrin-Zen“ bekannt ist und als möglicherweise höchste Erkenntnisstufe unserer aufgeregten neuen Welt als erstrebenswerter Gemütszustand gilt.

Es geht um das Standardverhalten der Menschen bei neuen Dingen, um Kommentarkultur oder Selbstquantifizierung und wie es bei Kathrin Passig immer so ist, gibt es keine klaren Antworten, dafür aber kluge und unterhaltsame Essays über Dinge, über die man so vielleicht noch nicht nachgedacht hat.

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Juni (Teil 2)

BÄREN MIT STREICHHÖLZERN! GLÜCKSKEKSTWITTERER! GEMÜSECHIPS! INSPIRIERTE WESPEN! NUDELAUFLAUF! UND KNABEN, DIE DEN MÄDELS DIE BÜCHER TRAGEN!