YNAB oder wie ich zumindest halbwegs meine Finanzen überblicke

tl;dr Ich benutze seit einem Dreivierteljahr eine Budgetierungssoftware namens YNAB und habe nur gute Erfahrungen gemacht, weil ich direkter merke, wann das Geld wohin geht und besser planen kann. Wer es selber ausprobieren will, kann diesen Referallink nehmen.

Von YNAB habe ich das erste Mal in einer Folge von Wrint gehört, in der Holgi dieses wunderbare Finanzverwaltungs- bzw. Budgetierungstool vorstellte. YNAB steht für You Need a Budget und soll dabei helfen, seine privaten Finanzen in den Griff zu kriegen. Das klang wie etwas, das für mich interessant sein könnte, also lud ich mir die 34-Tage-Testversion runter und fing an. (Die Testversion ist etwas länger als ein Monat, damit man auf jeden Fall in die Verlegenheit, einen Monatsübergang mitzumachen.)

Dazu muss man folgendes wissen: Ich kann gleichzeitig ganz gut und überhaupt nicht mit Geld umgehen. Ganz gut, weil ich im Leben bislang noch nicht in ernsthaft prekäre Situationen gekommen bin, schon allein, weil ich immer festangestellt war und rechtzeitig große Panik bekomme, wenn es doch mal etwas enger wird. Überhaupt nicht, weil ich abgesehen davon ungefähr keinen Überblick darüber hatte, wo mein Geld hingeht. Dabei geht es weniger um größere Ausgaben, ich gehe eher selten in die Stadt und haue da größere Summen auf den Kopf, das ist mir schon mental viel zu anstrengend. Es sind eher die kleinen Sachen, die sich zusammenläppern. Wenn dann noch Mitte des Monats die Kreditkartenabrechnung kommt mit all dem anderen Kleinkram, den ich bis dahin wieder verdrängt habe, dann sieht’s halt manchmal überraschend nicht so gut aus.

Vor YNAB hatte ich immerhin eine ganz gute Methode, die ich schon zu Ausbildungszeiten angefangen hatte: Jeden Monat überweise ich per Dauerauftrag einen festen Betrag auf ein Sparkonto. Das Geld geht üblicherweise kurz nach Gehaltseingang auf das Konto, so dass es quasi nie da war. Vom Sparkonto abheben kann ich nur, wenn ich persönlich bei der Bank vorbeikomme und denen den letzten Kontoauszug mitbringe. Es erfordert also einen Organisierungs- und Zeitaufwand, den ich tatsächlich nur dann bereit bin zu bringen, wenn ich wirklich etwas brauche. Dafür kann ich die monatliche Überweisung natürlich ändern, wenn ich will, aber auch das muss bei einem Prokrastinierprofi wie mir ja erst mal einen wirklich triftigen Grund haben. Ich habe mir da also ein paar Hürden gebaut, die es wahrscheinlicher machen, dass ich auf dem Sparkonto tatsächlich größere Summen ansparen kann.

Damit bin ich eigentlich die letzten fünfzehn Jahre ganz gut gefahren, war aber nicht immer ganz zufrieden. Ich würde gerne zu den Menschen gehören, die Ende des Monats immerhin nur bei null rauskommen und nicht bei irgendeiner Minuszahl. Am allerschönsten wäre natürlich eine positive Zahl. Und ich würde vor allem einfach gerne wissen, wie viel ich eigentlich tatsächlich für was ausgebe.

Wie funktioniert YNAB?

YNAB ist eine Budgetverwaltung. Das bedeutet, dass man sich am Monatsanfang überlegt, wie viel Geld man voraussichtlich zur Verfügung hat und dann für unterschiedliche Kategorien überlegt, wie viel man ausgeben will, bis man entweder alles Geld verplant hat oder alles Budget verteilt hat und vielleicht noch was übrig ist. Beides ist legitim.

Dann gibt man im Verlauf des Monats jede Ausgabe an und sieht, wie das ursprünglich so schön große Budget schrumpft und schrumpft. Tatsächlich scheint das die für mich am besten funktionierende Methode zu sein. Zu sehen, wie etwas weniger wird scheint mir intuitiver als Belege zu addieren und etwas mehr werden zu lassen, was ja im Gegensatz eigentlich nicht mehr da ist. Dass eine Ausgabe ein Minus von etwas und nicht ein Plus auf etwas ist, geht besser in meinen Kopf und ich reagiere gut auf Farbcodierungen mit rot und grün.

Tatsächlich ist weder das monatliche Budgetieren noch das tägliche Verwalten viel Arbeit, es macht im Gegensatz sogar irgendwie Spaß, jedenfalls, wenn man ich ist. Wenn man einmal ein paar Erfahrungswerte hat, geht das monatliche Eintragen der Budgets auch sehr flott von der Hand. Dann setze ich mich im Verlauf des Monats noch mal gelegentlich dran und schiebe ein bisschen Geld rum, weil sich unerwartete Ausgaben in einer Kategorie ergeben haben und das Geld dann halt bei anderen Posten abgezwackt werden muss. Im Zweifelsfall kann man Ausgaben auch auf den nächsten Monat schieben und so langsam abstottern, man merkt es dann eben eventuell daran, dass man in den nächsten ein oder zwei Monaten auf dem Konto etwas klammer ist. Wenn man dann aber weiß, woran es liegt, ist es auch gleich weniger schlimm.

Für den Einstieg schnappt man sich am besten die Kontoauszüge der letzten zwei bis drei Monate und macht sich einen Überblick über monatliche Kosten und eventuell auch schon darüber, wofür man allgemein so Geld ausgibt. Das funktioniert natürlich besser, wenn man eher mit Karte als bar bezahlt. Das bedeutet auch, dass die initiale Anlage etwas länger dauert, danach geht aber fast alles immer sehr fix und ohne großen Aufwand.

Ich runde üblicherweise kaufmännisch, ein Supermarkteinkauf von 34,82 Euro wird eben mit 35 Euro verbucht. Außerdem nehme ich es mit den Kategorien nicht so genau. Ob ein Döner zu „Snacks“ oder „Restaurant“ kommt, ist nicht so wichtig. Man kann sich seine Kategorien selbst zusammenbasteln, da muss jeder selbst entscheiden, wie feingranular man werden will. Ich habe eine Strategie gefunden, nach der ich jede Ausgabe schon irgendwo hinsortieren kann, ohne dass ich mir gedanklich zu viel Stress machen muss. Im schlimmsten Fall macht man eben eine Kategorie „Diverses“ und gut ist, so weit ist es bei mir aber noch gar nicht gekommen.

Das ist im Prinzip auch schon die ganze Magie. Ich hätte gerne einen Screenshot präsentiert, musste dann aber einsehen, dass dieser nach Ausblenden sämtlicher Daten erschreckend aussagelos ist, deswegen lasse ich das einfach. Auf der Homepage von YNAB gibt es Bilder.

Zur technischen Seite ist noch zu sagen, dass YNAB als Desktop-Applikation läuft und dort auch den kompletten Funktionsumfang bietet. Es gibt über Dropbox die Möglichkeit, eine mobile App zu verbinden, die sich dann über Dateien, die in der Dropbox abgelegt werden, mit der Desktop-App synchronisiert.

Zu meinem allgemeinen Unbehagen hat YNAB sein Geschäftsmodell jetzt umgestellt. Ich konnte YNAB noch als Standalone-Desktop-Software für einen einmaligen Betrag kaufen, das neue Geschäftsmodell sieht ein Abo vor ($5 im Monat oder $50 im Jahr) und läuft in der Cloud. Aus unternehmerischer Sicht sicher eine gute Idee, aus Nutzersicht eher so na ja. Ob und wann ich umsteige, weiß ich nicht, erstmal bleibe ich bei meiner Desktopversion und warte ab. Nicht zuletzt weiß ich ja dank YNAB wie auch kleine Beträge den Braten fett machen. So oder so: Ohne möchte ich aber nicht mehr.

Was habe ich gelernt?

Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus etwa neun Monaten mit YNAB gewonnen habe und die zwar als abstrakte Vermutung schon vorher in meinem Kopf waren, die ich aber erst im praktischen Umgang wirklich begriffen habe:

1. Es läppert sich tatsächlich zusammen. Hier hilft das Denken in Budgets und Kategorien, das war für mich auch die entscheidende Umstellung, die in meinem Kopf stattgefunden hat. Ein Kaffee bei Starbucks kostet sagenwirmal vier Euro. Wenn man jetzt den kompletten Topf an Geld nimmt, den ich nach Abzug von laufenden Kosten monatlich zur Verfügung habe, sind vier Euro nicht viel, komplett vernachlässigbar. Denke ich aber in Kategorien, dann möchte ich vielleicht im Monat für Snacks und Kaffee nicht mehr als 40 Euro ausgeben. Dann sind vier Euro schon viel mehr, nämlich immerhin ein Zehntel. Wenn ich mir dann zehn Kaffees leiste, ist das Budget weg. Dann darf ich entweder keinen elften Kaffee oder ich muss von einem anderen Budget etwas abzwacken. Da ich aber das Geld, das ich für andere Posten veranschlagt habe, ja eigentlich auch dafür ausgeben möchte, ist das auch doof. Man teilt den größeren Haufen Geld also in viele kleine Haufen ab, denen man konkrete Namen gibt. So wird der Verwendungszweck klarer und gleichzeitig merkt man, dass man für jeden einzelnen Posten eben doch gar nicht so viel zur Verfgüung hat.

2. Jeder Euro zählt, auch oder erst recht auf der Einnahmenseite. Das Budget aufzuteilen und sich zu beherrschen ist die eine Sache, man kann aber eben auch zusehen, ob man nicht auch etwas Geld zusammenbekommt. Ich fülle jetzt zum Beispiel wirklich immer die doofen Fahrgastrechteformulare aus, wenn die Bahn wieder mehr als 60 Minuten Verspätung hat. Früher war mir das oft zu lästig. Mittlerweile weiß ich: Die zehn Euro, die ich da kriege, kann ich für irgendeine Budgetkategorie bestimmt gut brauchen.

Weitere Erkenntnisse:

  • Ich habe zunächst mal alle möglichen Abos gekündigt, die ich nicht brauchte. Es waren leider/zum Glück nicht so viele wie befürchtet, so dass sich das Einsparpotential in Grenzen hielt.
  • Das meiste gebe ich tatsächlich für Essen und Restaurantbesuche aus.
  • Für Bücher musste ich zunächst deutlich mehr einplanen. Ich hatte zunächst mit 20 bis 30 Euro kalkuliert, was sich schon im ersten Monat als wilder Irrglaube herausstellte, danach plante ich eher so 50 bis 60 Euro ein.
  • Dafür hat sich mein Buchkaufverhalten geändert. Vorher habe ich eBooks, die mich halbwegs interessierten und weniger als fünf Euro kosteten oft einfach so gekauft. Jetzt kaufe ich Bücher wirklich nur, wenn ich sie haben will. Außerdem gucke ich auch öfter, ob ich ein Buch nicht als Rezensionsexemplar bekomme. Das bedeutet natürlich auch, dass ich dann nachher Zeit investieren muss, um darüber zu schreiben.
  • Ich achte vermehrt darauf, Dinge, die ich im Blog vorstelle mit einem Amazon-Affiliate-Link zu versehen. So läppert sich alle paar Monate ein Gutschein zusammen und ich kann das Buchbudget für diesen Monat verringern (oder ein bis zwei Bücher mehr kaufen).
  • Gut verzichten kann ich auf: Snacks und Kleidung. Die Ausgaben für Kleidung belaufen sich eher auf höhere einzelne Posten und dann in den nächsten zwei Monaten wieder gar nichts.
  • Budget für Snacks brauche ich fast nur im Sommer, wenn wir nach der Mittagspause zum Eismann laufen. Das ist auch gefühlt das erste, was ich mir sehr gut abgewöhnen konnte: Ich kaufe so gut wie nie mehr mal eben irgendwo ein Teilchen oder ein Getränk, es sei denn, es sieht besonders verführerisch aus oder ich haben extremen Hunger.
  • Weiter zurückgefahren habe ich den Zeitschriftenkonsum, ich kaufe fast ausschließlich nur noch die Zeitschriften, die ich wirklich haben will. Einmal im Quartal werde ich schwach und kaufe noch irgendwas anderes, das reicht dann aber auch.
  • Zusätzlich war ich motivierter, endlich das Abo für eine Zeitschrift über meine Firma abzuschließen, da ich so in den Genuss von 40% Rabatt komme. Für eine andere Zeitschrift habe ich ein Halbjahresabo mit meinen Bahn.Bonus-Punkten gekauft.

Und sonst so?

Was wichtig für mich ist: YNAB hält mich nicht davon ab, mir geiles Zeug zu kaufen. Es hält mich auch nicht davon ab, mal unvernünftig zu sein. Kurz: Ich fühle mich nicht eingeengt. Das finde ich wichtig, da ich sonst vermutlich keinen Spaß dabei hätte und es auf Dauer aufgeben würde. Ich kann immer noch so viel (oder wenig) Geld ausgeben, wie ich will, ich sehe nur die Konsequenzen schneller und direkter und weiß daher, wann ich mich auch mal zurückhalten muss. Da man jederzeit Budgets umschieben oder auch mal ein Minus mit in den nächsten Monat nehmen kann, ist es eher die Transparenz, die mir hilft, quasi von alleine vernünftiger mit meinem Geld umzugehen und nicht, weil ich irgendeinen äußeren Druck verspüre. Man kann natürlich schummeln, aber dann bescheißt man sich im Endeffekt eben nur selber, dann kann man es auch gleich lassen.

Inwiefern ich mit YNAB bares Geld gespart habe, kann ich kaum beurteilen. Es ist bei mir eher so, dass Kaufentscheidungen etwas bewusster getroffen werden. Außerdem weiß ich mittlerweile, wo das Geld hingeht und wo ich im Zweifelsfall auch sparen kann. Die abstrakte Vermutung „Es läppert sich halt so zusammen“ hat sich bestätigt, aber ich habe so auch gelernt, wie ich auf der Einnahmenseite noch ein bisschen läppern kann. Zudem musste ich im letzten Jahr exakt einmal ans Sparkonto, sonst kam das auch häufiger vor. Ich konnte zum Beispiel die zusätzlichen Ausgaben für den Sommerurlaub schon im Voraus mit einplanen.

YNAB ist super für Menschen wie mich, denen das Sparen nicht mit in die DNS gegeben wurde und die einfach mal einen Überblick brauchen. Es ist sicherlich auch super für Menschen, die aus anderen Gründen eine bessere Übersicht brauchen, weil sie eben vielleicht immer eher knapp über die Runden kommen oder als Freiberufler unregelmäßige Einnahmen haben und anders planen müssen.

Wer jetzt selber ausprobieren will und eventuell das Ding nachher kaufen will, ich habe hier noch einen Urzeit-Referrallink, bei dem ich angeblich Geld bekomme, wenn jemand darüber die Software kauft. Ob sich das auch mit dem neuen Modell verträgt, weiß ich nicht, aber da ich ja jetzt gelernt habe, dass sich auch kleine Beträge lohnen, weise ich darauf hin. Dafür bitte folgenden Link benutzern: http://ynab.refr.cc/T2PM7NT

Wer mir keinen Cent gönnt, der kann natürlich auch einfach so auf der YNAB-Homepage gucken. Ich habe keine Vertrag oder eine anderweitige Verabredung mit YNAB, ich bin nur sehr glücklich mit der Software und finde das Thema ausreichend spannend, dass ich denke, dass es auch für andere interessant sein könnte.

Rolltreppenproblematiken

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass eine Menschheit, die mit der sach- und fachgerechten Benutzung von Rolltreppen überfordert ist, nicht mit komplexeren Problemen wie „Weltfrieden“ konfrontiert werden sollte. Wie soll das gehen?

Aber ich möchte das erklären. Ich bin großer Anhänger des Prinzips „rechts stehen, links gehen“. Dieses Prinzip ist leider nirgendwo im Grundgesetz verankert, es ist eher eine lose Vereinbarung, die sich leider noch nicht komplett rumgesprochen hat und gelegentlich absichtlich ignoriert wird. Das Prinzip erschloss sich mir sofort, weshalb es mir umso schwerer fällt, zu verstehen, warum nicht längst flächendeckend so verfahren wird.

Meinetwegen darf es ja in Kaufhäusern, Kinos und anderen eher dem Freizeitvergnügen zugeordneten Orten ein bisschen lockerer zugehen. In Bahnhöfen jedoch, an Flughäfen oder U-Bahnhaltestellen ist häufig zu beobachten, dass Menschen es eilig haben, weil sie zum Beispiel fremd- oder selbstverschuldet ein bisschen spät dran sind und noch irgendeine Bahn oder ein Flugzeug erwischen wollen. In diesen Fällen hilft es ungemein, wenn die Rolltreppe nicht über die gesamte Breite blockiert ist.

Nun gibt es natürlich immer wieder Schlaumeier, die einem „Wennse’s eilig haben, nehmense halt die Treppe!“ zublöken, wenn man sich einen Weg an ihnen vorbei bahnt. Das ist natürlich Unfug, denn wenn ich es eilig habe, nehme ich den schnellsten Weg. Aus meiner persönlichen Erfahrung behaupte ich: Mit dem Aufzug (sofern vorhanden) dauert es am längsten, dann stehend auf der Rolltreppe, dann laufend auf der normalen Treppe. Am allerallerschnellsten geht es aber natürlich laufend auf der Rolltreppe, weil ich zwei Geschwindigkeiten, nämlich das Rollen der Treppe und mein eigenes Laufen, zusammenaddieren kann und dann noch schneller bin. Wenn halt nicht dauernd Leute im Weg stünden. Es ist also meiner Ansicht nach total nachvollziehbar, dass man als Mensch in Eile am liebsten die Rolltreppe nimmt, dann aber eben laufend.

(Notiz am Rande: Ich verhalte mich sogar wie im Straßenverkehr und laufe links an Menschen vorbei, ordne mich dann aber bei freier rechter Seite wieder ein, falls doch noch jemand schneller ist als ich und mich links überholen möchte.)

So weit, so gut. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass es Menschen gibt, die mit dieser Regel nicht vertraut sind, oder sie absichtlich ignorieren, weil sie böse und rücksichtslos sind. Na gut, ich habe mich eigentlich nicht damit abgefunden, ich ärgere und wundere mich quasi täglich, sonst würde ich ja auch nicht drüber schreiben.

Es gibt allerdings einen bestimmten Typ Mensch, den ich am allerwenigsten verstehe und über den ich mich am allermeisten wundere. Ich wundere mich sogar so sehr, dass ich vergesse mich zu ärgern, so sehr erstaunt mich das folgende Phänomen wieder und wieder. Ich begreife es schlicht nicht.

Stellen Sie sich also eine Rolltreppe vor, zum Beispiel am Essener Hauptbahnhof, denn da muss ich täglich aus der U-Bahn an die Oberfläche. Stellen Sie sich nun vor, Sie haben es überraschend mit einer Gruppe verständiger informierter Rolltreppenfahrer zu tun, die alle, und zwar wirklich alle rechts stehen. Niemand steht links. Die Rolltreppe ist quasi zur Hälfte frei, von unten bis oben. Nun kommt ein neuer Mensch und stellt sich als einziger links hin.

Und steht.

Links.

Jetzt zu meiner Frage: Wundern sich diese Leute nicht, warum vor ihnen niemand steht während die gesamte rechte Seite voll mit Menschen ist? Sehen die das nicht? Denken sie nicht kurz darüber nach, ob dieses Verhalten einen Grund haben könnte und versuchen, ihr Verhalten ob dieser neuen Beobachtung in einen Zusammenhang zu ordnen?

Denn, dass es sich Menschen auf einer ohnehin schon beidseitig vollen Rolltreppe auch mal links hinstellen, das verstehe ich. Es würde das Problem zwar viel schneller lösen, täten sie es nicht, meine Verwunderung hält sich aber in Grenzen. Die komplett allein auf der linken Seite stehenden Leute jedoch haben jedes Mal wieder meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Ich werde es vermutlich nie begreifen, aber vielleicht braucht man im Leben ja auch solche Mysteriösitäten, die nie zu klären sind.

Lieblingstweets im Januar (Teil 1)

ZIMTSCHNECKEN! ROSENKOHL-EMOJIS! SALATGURKEN IM FAHRRADKORB! MILCHREIS IN DER BADEWANNE! UND ALLES ESSEN IN SÜDTIROL! (Man könnte glauben, 2016 ging es euch bisher nur ums Essen.)

Einkaufen 5

Ich habe ein Problem. Genau genommen habe ich eventuell zwei Probleme, wobei das eine Problem aber ohne das andere nicht existieren würde.

Das erste Problem ist, dass ich leider an Chipssucht leide. Schon als Kind fand ich Knabberkram deutlich anziehender als Schokolade und das ist bis heute so geblieben. Dazu kommt allerdings, dass ich sehr sehr wählerisch bin, was Knabberkram im Allgemeinen und Chips im Besonderen angeht. Man kann mir zum Beispiel prima eine Schüssel mit Erdnussflips hinstellen, die ich nicht einmal eines Blickes würdigen würde. Anders sieht es aus, stellte man mir eine Schüssel Essigchips vor die Nase, dann kommt es aber auch wieder auf die Sorte an. Die von Chio sind gut, aber sehr intensiv, die Kesselchips von Funny Frisch ziemlich gut, aber etwas teuer, die von Lorenz kann man knicken (Balsamico, pah!) und die Eigenmarke von Edeka ist gehtso, aber ganz okay.

Und so geht das übrigens bei allen Variationen, es ist kaum vorhersehbar, was ich mag und was nicht, aber ich habe sehr genaue Vorstellungen, und selbst wenn ich gerne Junkfood esse, heißt das ja nicht, dass ich jedes Junkfood esse. Da gibt es sehr große Unterschiede.

Bei meinem Mann ist es ähnlich, leider gibt es aber sehr geringe Überschneidungspunkte, so dass wir gelegentlich zwei unterschiedliche Sorten Chips im Haus haben, die, die ich mag und die, die er mag. Ansonsten konnte wir uns auf die Riffels Naturell von Funny Frisch als kleinstem gemeinsamen Nenner einigen.

Soweit zum ersten Problem. Kommen wir zum zweiten Problem: Unser Haus-Edeka hat das Sortiment umgestellt. Genauer genommen wurden exakt alle Sorten Chips aus dem Sortiment genommen, die ich am liebsten mag. Wie genau die das herausgefunden haben und was ich wem bei Edeka Henrichs getan habe, dass sie mich auf so gemeine Weise bestrafen mussten, weiß ich nicht.

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Es fehlen, um genau zu sein: Funny Frisch Frit-Sticks, Funny Frisch Kesselchips Essig, Funny Frisch Riffels Naturell (und alle anderen Riffels-Sorten), Chio Chips mit Essig, sowie Chio Tacos in sämtlichen Sorten. Es fehlen auch noch viele andere Sorten, aber die waren für mein Seelenheil nicht so essentiell.

Ich bin ob dieses Dramas auf die Urmutter aller Chipssorten, also Funny Frisch Ungarisch, umgestiegen, verzweifle aber zunehmend. Das ist doch wirklich kein Zustand! Der Alternativ-Edeka in Rüttenscheid gehört ebenfalls zu Edeka Henrichs, man hat hier offensichtlich sehr sauber und flächendeckend gearbeitet, auch hier werde ich nicht fündig. Aus Verzweiflung haben wir schon alles mögliche probiert, seltsame italienische Flips, Lays Chips (ganz okay, aber überarbeitungswürdige Oberflächenstruktur) oder ganz aparte Reispopper, die ich aber auf Dauer doch zu langweilig fand. Crunchips und Pringles empfinde ich als Chipsgourmet als Affront, Tyrells sind mir zu hipster und gäbe es Kettle Chips, so bin ich da sehr desillusioniert, seit ich mal die amerikanische Produktlinie (Maple! Jalapeno! Sriracha!) gesehen habe und bittere Tränen weinte über die Einfallslosigkeit der europäischen Sorten.

Man sieht: Es ist kompliziert. Regelmäßig überlege ich, bei einem Ausflug zu einem REWE mal ein Dutzend Tüten Frit-Sticks als Vorrat mitzunehmen, aber dann hätte ich ein Dutzend Tüten Chips zu Hause und da befürchte ich, dass das kein gutes Ende nehmen würde. Ich habe noch keine Lösung für mein Problem gefunden. So sehr ich die Bemühungen, ein bisschen Abwechslung ins Chipsregal zu bringen, befürworte, so bin ich doch der Ansicht, als Stammkunden am Chipsregal hätte es nichts gekostet, mich kurz um meine Meinung zu bitten. Ich habe immer jahrzentelange Erfahrung auf diesem Gebiet.

Gelesen im Dezember 2015

Robert Galbraith: Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran-Strike-Serie. Wieder als Hörbuch gehört und wieder sehr angetan. Robert Galbraith bzw. J.K. Rowling hat ein Händchen für detailreiches Worldbuilding, es passt immer alles wunderbar zusammen, viel Personal, als geübter Seriengucker sieht man die Figuren der (noch nicht existenten) Miniserie quasi vor sich.

In diesem Teil geht es um einen verschwundenen Schriftsteller und sein Manuskript, in dem er auf wenig sympathische Art und Weise sämtliche Freunde, Bekannte und die halbe ihm bekannte Literaturszene auseinander nimmt. Verdächtige gibt es also genug, aber vor allem müsste erst mal eine Leiche gefunden werden.

Das ist solide Krimikost, es gibt nichts zu beanstanden, den dritten Teil werde ich wohl auch lesen (oder hören).

Der Seidenspinner von Robert Galbraith (übersetzt von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz), erschienen 2014 bei Blanvalet, 672 Seiten, 19,99 Euro [Amazon-Werbelink] 

 

Jack Finney: Time and Again

Für den Online-Buchclub gelesen, wobei sich im Nachhinein rausstellte, dass es sich eigentlich weder um Science Fiction noch Fantasy handelte, sondern eher um historische Fiktion, die halt irgendwie einen Zeitreiseaufhänger hatte.

Der Zeichner Simon „Si“ Morley wird von einem seltsamen Mann angesprochen und in ein geheimes Zeitreiseprojekt eingeweiht. Der Zeitreisemechanismus hat hier weniger mit irgendwelchen Maschinen zu tun, es gibt zwar ein bisschen wissenschaftliches Hintergrundgedöns, auf jeden Fall ist die Idee vor allem mal etwas anderes, deswegen werde ich jetzt auch nicht zu viel verraten.

Si reist ins New York von 1882 zurück, um den Ursprung eines Briefes zurückzuverfolgen, der in der Familie seiner Freundin zu großem Unglück führte. In die Geschichte verwoben ist dann natürlich noch eine Liebesgeschichte, außerdem erfreulich viele Zeichnungen und Fotos. Während die Geschichte bis zur Hälfte des Buches etwas behäbig mäandert, nimmt dann alles deutlich Fahrt auf und wird überraschend spannend. Eines der Bücher, bei denen man sich fragt, warum sie nicht schon längst verfilmt wurden, die Geschichte bietet sich wirklich an. Wirklich gern gelesen, wenn Finney eins drauf hat, dann das New York sowohl der Siebziger Jahre als auch das von 1882 so detailreich zu beschreiben, dass man selber mitten drin ist.

Time and Again von Jack Finney, englische Erstausgabe erschienen 1970 bei Simon & Schuster, 400 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Mercedes Lackey: Arrows of the Queen

Recht einfache, aber durchaus gut zu lesende YA-Fantasy aus den Achtzigern. Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen, da weiß man ja nicht immer, was einen erwartet. Während vielfach die wohl etwas holprige Sprache und die etwas antiklimaktische Storyführung bekrittelt wurden, fand ich eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Manchmal finde ich es ganz entspannend, wenn in einem Buch nicht an jeder Ecke Action ist. Was die Sprache angeht, so vermute ich, dass mich immer noch die Tatsache, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist, davor bewahrt, allzu nölig zu sein. Es geht um Talia, die aus ihrer patriarchalen Familie ausbricht und von einem Pferd (ja ja) aufgegabelt und zur Königin gebracht wird. Wie sich rausstellt, wurde sie von diesem Pferd, dass eben kein gewöhnliches Pferd ist, sondern ein „Companion“, die mit ihren menschlichen Partnern die Botschafter des Landes sind. Dann gibt es ein bisschen Hogwarts, weil Talia eben erst mal alles mögliche lernen muss und ja ja, Zauberpferde, Magie, Schulen, das ist alles sehr Mädchenfantasy, aber so schön unaufgeregt geschrieben und mit einigen überraschenden feministischen Ideen, das man auch damit viel Spaß haben kann. Außerdem liest es sich sehr fix.

Arrows of the Queen von Mercedes Lackey, englische Erstausgabe erschienen 1987 bei DAW Books [Amazon-Werbelink]

 

Herman Melville: Bartleby the Scrivener

Meike Winnemuth erwähnte die Figur Bartleby in ihrem Buch „Um es kurz zu machen“ (Rezension hier) und ich fand die Idee der höflichen Ablehnung „Nein, ich möchte lieber nicht“ sofort sehr entzückend. Die Geschichte des Schreibers Bartleby, der sich zunehmend der Gesellschaft und letztlich auch sich selbst entzieht, ist allerdings eher bedrückend. Auf jeden Fall aber ein Klassiker, den zu lesen sich definitiv lohnt. Das englische Original gibt es fürs Kindle für umsonst.

Bartleby the Scrivener von Herman Melville, englisch Erstausgabe erschienen 1853 [Amazon-Werbelink]

 

Jens Andersen: Astrid Lindgren. Ihr Leben

Die neueste Biographie über Astrid Lindgren. Ich musste erstaunt feststellen, dass ich eigentlich sehr wenig über die schwedische Kinderbuchautorin wusste. Nach der Lektüre würde ich gerne noch mehr erfahren, das ist alles sehr inspirierend und spannend. Ich habe das nicht ohne Grund vor Weihnachten noch schnell überall als wunderbares Geschenk angepriesen. Beim nächsten Elternbesuch müsste ich im Keller mal nach meinen alten Büchern suchen, denn die Figuren und Geschichten von Astrid Lindgren haben mich viele Jahre begleitet.

Eine ausführliche Rezension folgt noch.

Astrid Lindgren von Jens Andersen (übersetzt von Ulrich Sonnenberg), erschienen 2015 im Knaus Verlag, 448 Seiten, 26,99 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Kathrin Passig und Johannes Jander: Weniger schlecht programmieren

Das Buch ist natürlich schon aus drei Gründen super: Erstens, weil Kathrin Passig es geschrieben hat, zweitens, weil der Titel super ist und drittens, weil ich drin vorkomme.

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Laut Kathrin Passig war ich zwar nicht Zielgruppe für das Buch, denn es geht im Wesentlichen darum, schlechten Programmierern dabei zu helfen, weniger schlecht zu programmieren, ich habe es trotzdem sehr gerne gelesen und obwohl mir vieles bekannt war, auch das ein oder andere neue gelernt. Außerdem finde ich es durchaus auch legitim, mal etwas lesen und dabei zustimmend mit dem Kopf zu nicken.

Im Prinzip hat auch Monika Scheele-Knight schon alles gesagt, was man über dieses Buch wissen muss. Offensichtlich lassen sich viele Tipps zum besseren Programmieren auch ohne Probleme auf völlig andere Lebensbereiche anwenden.

Weniger schlecht programmieren von Kathrin Passig und Johannes Jander, erschienen 2013 bei O’Reilly, 456 Seiten, 24,90 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Fyodor Dostoyevsky: Notes from the Underground

Irgendwo von dem Buch gehört und spontan in den Titel verliebt. Das Buch selber ist zwar ein Klassiker und deshalb quasi automatisch gut, ich war aber nur so mittel beeindruckt. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich das Buch in einer Phase gelesen habe, als es um meine Aufmerksamkeit nicht so super stand. Das hat es vermutlich auch nicht verdient. Der erste Teil ist ein Stream of Consciousness des Erzählers über das Wesen der Menschen und überhaupt. Im zweiten Teil erfährt man dann etwas mehr über die Geschichte des Erzählers, einem recht frustrierten und mäßig sympathischen Jungspund, der permanent zwischen Neid und Anbiederei schwankt, und seinen Beweggründen, in den Untergrund abzutauchen. Da wurde es dann auch etwas interessanter. Wahrscheinlich gibt es mehr in diesem Buch zu entdecken, als es mein Gemütszustand beim Lesen zuließ. Hauptsächlich deswegen auf Englisch gelesen, weil es auch dieses Buch für umsonst fürs Kindle gab.

Notes from the Underground von Fyodor Dostoyevsky (leider lässt sich in der Kindleausgabe der Übersetzer nicht ausfindig machen), russische Erstausgabe erschienen 1864 [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Dezember woanders

Mein Teil 1 und Teil 2 sind hier, der Rest folgt auch am letzten Tag des Jahres wie gewohnt:

1ppm

André Herrmann

Die liebe Nessy

Doppelblog

e13/Kiki Teil 1 und Teil 2

eeek/I live by the fjord

Ellebil

Familienbetrieb Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Herzdamengeschichten

jawl.net

Jörn Schaar

Julia Bähr

Lady Himmelblau

Pressepfarrerin

Volker König Teil 1 und Teil 2

Vorspeisenplatte

Extramittel

Das Nuf

Too much information

Jan Eidens

Lieblingstweets im Dezember (Teil 2)

THEMENWOCHEN! SALAT AUS WECKGLÄSERN! EXCEL-MAKROS! MARZIPANKARTOFFELN! LEERZEICHEN-TATTOOS! BACHBLÜTENTHEATER! UND IRGENDWO ZWISCHENDRIN AUCH WAS MIT WEIHNACHTEN!

2015 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Wenn dann zu. Auf jeden Fall nicht ab.

Haare länger oder kürzer?

Länger glaub ich, aber vermutlich wieder einigermaßen gleich. Mama durfte mir mal die Haare schneiden und dann wuchsen sie halt wieder.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Ich vermute gleich. Allerdings bräuchte ich mal eine neue Brille oder zumindest neue Gläser, denn die alten sind doch langsam etwas zerkratzt. Und ich ertappe mich häufiger dabei, wie ich länger ohne Brille rumlaufe. Ich brauche sie aber schon.

Mehr Kohle oder weniger?

Ungefähr gleich.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger, schon allein dank YNAB, das ich nach wie vor für Menschen wie mich empfehle, die ihre Finanzen nur so bedingt im Griff haben. Darüber muss ich aber auch noch mal gesondert berichten.

Mehr bewegt oder weniger?

Irgendwann wieder mit dem Laufen angefangen, dann wegen weiß-ich-nicht wieder aufgehört und keine Motivation gehabt, wieder anzufangen. Im Urlaub aber wieder zwei Wochen lang fast täglich auf dem Surfbrett unterwegs gewesen.

Der hirnrissigste Plan?

Mit Mitte Dreißig auf einer Party mit lauter Mittzwanzigern Looping Louie zu spielen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mit dem Finger was aus dem Stabmixer pulen und währenddessen auf den Einschaltknopf drücken. Ich berichtete.

Der beste Sex?

Die Frage lass ich nächstes Mal weg. Geht niemanden was an, deswegen die Antwort für dieses Jahr: Na klar!

Die teuerste Anschaffung?

Vom Urlaub abgesehen: Ein Tasche. Ach so, und eine Waschmaschine. Aber die hat mein Mann bezahlt.

Das leckerste Essen?

Sechs-Gänge-Überraschungsmenü bei „Dan“ in Bordeaux. So unglaublich lecker. Gleichzeitig auch das teuerste bisher (wir haben so 220 Euro da gelassen, glaub ich). Nächstes Jahr wieder.

Das beeindruckendste Buch?

Ich habe gerade angefangen, Radiance von Catherynne M. Valente [Amazon-Werbelink] zu lesen, was sich bisher als heißer Anwärter für das beste Buch 2015 erweist. Ich bin aber erst bei einer einstelligen Prozentzahl, was den Lesefortschritt angeht, also Gemach! Wenn ich die gelesenen Bücher dieses Jahr durchgehe, dann waren erfreulich viele Bücher dabei, die ich sehr mochte. Am liebsten mochte ich vielleicht Uprooted  von Naomi Novik [Amazon-Werbelink]. Außerdem war ich sehr angetan von der Astrid-Lindgren-Biografie von Jens Andersen [Amazon-Werbelink].

Der ergreifendste Film?

Viel genetflixt, vor allem aber Serien. Trotzdem, sehr gemocht: Her von Spike Jonze [Amazon-Werbelink]. Beeindruckend, aber zum Schluss zu aufgesetzt: Interstellar von Christopher Nolan [Amazon-Werbelink]. Endlich gefunden und ebenfalls nicht enttäuschend: Make My Heart Fly (Originaltitel Sunshine on Leith) von Dexter Fletcher [Amazon-Werbelink].

Das beste Lied?

Das überraschendste Lied war für mich It Is You von Natalie Prass.

Zum Ende des Jahres habe ich außerdem sehr oft 25 ans von Ben Mazué gehört. Kann man hier gucken, allerdings nur mit Werbung vorher.

Das schönste Konzert?

Ich glaube, ich war nur auf zwei Konzerten, im März bei Paul Simon & Sting und im Mai bei Gisbert zu Knyphausen. Paul Simon & Sting war natürlich super, aber die Akustik in der Lanxess-Arena ist leider beschissen und man sitzt bei solchen Sachen doch immer recht weit von der Bühne weg. Gisbert zu Knyphausen war großartig, das kann ich nur uneingeschränkt weiterempfehlen.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Meinem Mann und vermutlich den Kollegen im Büro. Wie es vermutlich vielen Menschen so geht.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Meinem Mann und meiner Familie. Wie immer also.

Vorherrschendes Gefühl 2015?

„Was, schon Mitternacht?“

2015 zum ersten Mal getan?

In Bordeaux gewesen, ganz viele kulinarische Klassiker gekocht und gemacht (Boeuf Bourgignon, Panna Cotta), meine eigenen Himbeeren geerntet, alleine auf der re:publica einen Vortrag gehalten, Poutine gegessen, zehnten Hochzeitstag gefeiert.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Gepodcastet. Mit dem Auto gefahren. Also selber.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Zu wenig Zeit. Notaufnahme an Heiligabend. Eine Welt, die 2015 besonders verrückt spielte (wovon ich aber bislang nie persönlich betroffen war).

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Mal abgesehen davon, dass ein befristeter Vertrag bei einer Arbeitsüberlassung in einem unbefristeten Vertrag direkt bei der Firma, bei der ich eh schon arbeitete, mündete, musste ich wenig Überzeugungsarbeit leisten. Dass ich meinen Mann dazu überreden konnte, dass wir uns doch mal Bordeaux angucken, war da vielleicht das wichtigste.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Das muss irgendein privater romantischer Kram gewesen sein.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Siehe oben.

2015 war mit einem Wort…?

Kurz.

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Weihnachten 2015

Weihnachten dieses Jahr sollte eigentlich mehr oder weniger so werden wie sonst auch. Heiligabend zu zweit rumgammeln, leckeres Essen kochen, Geschenke auspacken, sich freuen und dann auf dem Sofa fernsehen gucken und irgendwann ins Bett fallen.

Letztes Jahr zum Beispiel fiel die Geschichte mit den Geschenke etwas schwierig aus, weil ich mich hartnäckig weigerte, das Geschenk meines Mannes, eine knapp 2,50 m hohe Staffelei zu finden. Darüber schrieb ich aber ja bereits vor einem Jahr.

Dieses Jahr habe ich statt dessen ein paar Schwierigkeitshürden ins Kochen eingebaut, so dass ich diesen Text auch gerade mit neun Fingern tippe oder vielmehr einem Finger weniger als sonst üblich. Aber keine Sorge, der Finger ist noch da, er ist nur verbunden und kann gerade nicht tippen.

Es fing eigentlich ganz harmlos an. Die Vorspeise (Maronensuppe mit Parmaschinken-Wan-Tans) wurde unfallfrei hergestellt und die Nachspeise (Panna Cotta) stockte auf dem Balkon so rum. Allerdings gab es dann beim Rühren des Kartoffelgratins einen kleinen Unfall. Der genau Hergang ließ sich nicht rekonstruieren, aber irgendwie muss es wohl einen ungünstigen Hebeleffekt gegeben haben und auf einmal hatte ich die linke Hand und den halben Herd voll mit gerade noch kochender Sahne. Daraufhin ließ ich erst mal einige Minuten lang die Hand unter kaltes Wasser, knetete ein paar Eiswürfel und kam dann auf die blendende Idee, man könnte ja auch einfach so ein Kühltaschenkühldings in der Hand halten. Das funktionierte dann auch ganz gut.

Dann sollte noch Estragon-Cognac-Sahne hergestellt werden, ein Rezept, das aus ungefähr sechs Schritten besteht. Viel Zeug mit Butter pürieren, kalt stellen, Sahne schlagen, einen Großteil der Sahne Aufkochen, Butter unterrühren und Rest Sahne unterheben. Leider kam es beim ersten Schritt zu einem kleinen Unfall, dessen Hergang etwas klarer ist, den ich mir aber trotzdem nicht so ganz erklären kann. Ich sag mal so: Man kann Panik am Weihnachtsabend sehr gut vermeidet, indem man die Finger schön von dem Einschaltknopf des Zauberstabes lässt, während man gerade mit der anderen Hand, Butter aus dem Schneideteil des Gerätes pult. Am besten steckt man das Gerät einfach aus, bevor man irgendwelche Körperteile in die Nähe der Messer lässt. Sicher ist sicher.

So ein Unfall läuft ja so ab. Es passiert irgendwas und der Körper merkt sehr schnell, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dann macht man erstmal das Naheliegendste und hält den nun schon deutlich schmerzenden Körperteil unter Wasser oder was auch immer einem das Panikhirn gerade ohne Nachzudenken empfiehlt. Dann, erst dann, hat man Zeit zu überlegen, was gerade passiert ist und wenn man alle Puzzleteile zusammen hat, bricht die richtige Panik aus, dann weiß man nämlich, dass man gerade seinen Finger in einem laufenden Stabmixer hatte und beginnt, seinem Mann zusammenhanglose Befehle zu erteilen.

Der Mann bekommt dann übrigens auch Panik, so dass man sich wieder zusammenreißen muss. Nach einigem Nachdenken und Betrachten der Schnittwunde, überlegt man, dass man jetzt lieber keine Experimente mit dem eigenen Körper anstellt, sondern einfach mal das Angebot der örtlichen Krankenhäuser in Anspruch nimmt, wickelt den Finger ordentlich in Klopapier und fährt zum Universitätsklinikum in die chirurgische Notaufnahme.

Tatsächlich ging dann alles sehr schnell und problemlos. Die nette Ärztin desinfizierte die Wunde, klebte ein paar Strips drüber und legte einen hübschen Verband an. Letzteren vor allem, damit man dran erinnert wird, dass man da was hat. Dann bekam ich noch eine Tetanusimpfung und wir durften wieder nach Hause.

Ausflug zur chirurgischen Notaufnahme. Ist aber noch alles dran. Pro-Tipp: Nicht den Zauberstab anmachen, wenn Finger drin. #twitter

Ein von Anne Schuessler (@anneschuessler) gepostetes Foto am

Der Rest des Abends verlief dann einigermaßen wie geplant.Vor der Inbetriebnahme des geschenkten Crêpeeisens, das in etwas so viel wiegt wie ein kleiner Elefant, ging ich zwar im Kopf noch mal alle potentiellen Unfalloptionen durch (Gerät fällt runter, Fuß gebrochen; Anne fasst aus Versehen auf die Platte, Hand verbrannt; Kabel schmort durch, Wohnungsbrand), wir beschlossen dann aber, das Risiko einzugehen und dann gab es als zweiten Nachtisch noch unfallfrei hergestellte Crêpes. Bevor das so lässig und ordentlich läuft wie bei den Crêperien, müssen wir aber wohl noch was üben.

Ich will nicht sagen, dass ich nicht auf das ein oder andere hätte verzichten können, aber immerhin haben wir jetzt auch für Weihnachten 2015 eine spannende Geschichte zu erzählen.

Webgedöns am 23.12.2015

Five myths about gluten in der Washington Post (aufgetrieben von der geschätzten Kaltmamsell). Wir lernen: Zöliakie ist eine schlimme Krankheit, die aber nur ein geringen Anteil der Menschen tatsächlich hat. Wer Zöliakie hat, darf gar kein Gluten essen und nicht dieses „nur ein bisschen“ von dem die Leute immer faseln. Es gibt eventuell auch eine Glutenunverträglichkeit, die aber nicht schlimm ist und alle anderen können Gluten essen, wie sie wollen. Eine Glutenfreie Ernährung ist auch nur deswegen gesund, weil man vermutlich auf Industriegefertigte Ware verzichtet, nicht weil Gluten selber böse wäre.

Auf Quartz hingegen wird darüber berichtet, warum der persönliche Mix der Woche von Spotify so gut ist. Zumindest bei meinem trifft das auch zu, andere Leute berichten ja auch schon mal, dass sie nicht so zufrieden sind.

Am Montag durfte ich beim ersten Pegelwichteln mitmachen. Wir tranken quer durch Deutschland verschickten Alkohol und waren sehr lustig dabei. Frau Donnerhall hat das mal als Storify zusammengefasst. Mein persönlicher Bericht folgt noch.