4/2013 bis 14/2013 – Webgedöns

Es gab ja schon lange kein Webgedöns mehr hier und das muss sich ändern. Natürlich schaffe ich es nicht, die gesammelten Links der letzten zehn Wochen aufzuarbeiten, aber dafür werde ich mich ab jetzt bemühen, diese Rubrik wieder aufmerksamer zu pflegen. (Mal gucken, ob das auch klappt.)

Aus aktuellem Anlass: Ein schöner Text über Roger Ebert, der gestern verstarb in der Chicago Sun-Times. (Es fängt schon so schön an mit den Worten: „Roger Ebert loved movies. Except for those he hated.“)

Ein anderer sehr schöner, zwar nostalgischer, aber überhaupt nicht trauriger Text darüber, wie man richtig auf den Hamburger Dom geht von Buddenbohm. Man sollte einfach verlernen, so viele Dinge zu verlernen.

Ein ganz, ganz wunderbarer Text über ein Paar, das seinen Sohn in der New Yorker U-Bahn fand. Ich will gar nicht mehr verraten, man sollte es einfach selbst lesen. Besonders interessant übrigens, wenn man – wie ich – den Namen des Autoren gar nicht liest und sich einen Teil der Pointe dann so irgendwie rückwärts erarbeiten muss.

Außerdem ein toller Text über Pseudologen, also Leute, die krankhaft lügen im Tagesspiegel. Unbedingt zu Ende lesen. Echt jetzt.

Schon etwas älter, aber dafür nicht weniger gut und auch immer noch aktuell: Zoë Beck über Amazon im CULTurMAG. Ich bin da ja auch für weniger Hysterie, war dann aber vor allem froh, dass ich meinen Rant über die große Amazonaufregung nicht mehr schreiben musste, weil Zoë das schon erledigt hat. Und das auch noch mit deutlich kühlerem Kopf, als dass bei mir wahrscheinlich der Fall gewesen wäre.

Scott Hanselmann schreibt darüber, warum man Programmieren lernen sollte. Und zwar eben nicht, damit wir alle nachher unsere eigene Software schreiben können, sondern, weil Programmieren hilft, Problemlösungsstrategien zu entwickeln und weil ein technologisches Basiswissen auch bedeutet, dass man selbstständiger agieren kann in einer Welt, in der Technologie immer wichtiger wird.

Dazu gibt es auch ein tolles Video, das Kinder (aber auch Erwachsene) dazu animieren soll, sich auch mal mit Progammierung und Softwareentwicklung zu beschäftigen. Gute Frauenquote in dem Video, übrigens. Geht doch. (Ich muss auch immer wieder feststellen, dass Bill Gates immer sehr sympathisch rüberkommt.)*

Die Kritik zu dem Video auf BoingBoing teile ich übrigens. Gerade der Arbeitsaspekt wird mir ein bisschen zu cool and lässig dargestellt. Schon klar, man will ja auch zeigen, wie toll das ist, aber erstens entspricht das nicht der Arbeitsrealität in den allermeisten Firmen und zweitens sollte man auch Programmieren vor allem lernen, weil es einen interessiert und nicht, weil man unbedingt auf der Arbeit mit einem Scooter rumfahren will.

Thorsten Nesch erzählt bei SteglitzMind über Absagen von Verlagen. Das ist höchst interessant und offensichtlich außerdem ein so ergiebiges Thema, dass man gleich zwei Artikel damit füllen kann.

Percanta schreibt über die Frage, was man heute noch so als Wissen voraussetzen kann. Ich hätte ja gedacht, dass man selbst in Zeiten von Handys noch weiß, dass Vorwahlen stadt- bzw. kreisbezogen sind, aber na gut, lest halt selber.

Torsten Dewi nimmt auf Wortvogel den Artikel „Aufnahme läuft!“ im ZEIT-Dossier auseinander. Es geht in dem Originalartikel wie immer darum, dass einzig und allein die bösen Raubkopierer schuld sind, wenn ein Film floppt und es nie, nie, nimmer daran gelegen haben könnte, dass der Film vielleicht einfach nicht so gut angekommen ist. (Ich habe „Cloud Atlas“ nur gelesen, nicht gesehen, fand es aber schon höchst mutig, dieses Buch zu verfilmen. Dass so ein abgefahrenes, halb-philosophisches Werk beim Mainstreampublikum vielleicht nicht so der Renner war, wundert mich da nicht die Bohne.)

Und zu guter Letzt schreibt das Lieblingsnuf über die echten Menschen und die im Internet. Ich muss dabei ja immer an einen Artikel über einen Prozess gegen irgendeinen Internetmenschen denken, in dem der schöne Satz fiel: „Ich glaube, das Internet ist auch echt.“ Es nervt mich, wenn ich jedes Mal, wenn ich von irgendwem erzähle und dann sage „Ich kann die/den nur aus dem Internet“ das Gefühl habe, diese Beziehung irgendwie abzuwerten. Aber das ist schon fast wieder Thema für einen eigenen Blogartikel. Bis dahin dürft ihr schon mal beim Nuf weiterlesen.

Wie man in Meetings sitzt und was es bedeutet. Alles, was man mit Teddybären demonstrieren kann, ist gut. Ich habe sehr gelacht.

33 vollkommen abgefahrene, wunderbare verlassene Orte. Gucken und staunen.

Orte in Paris mit einem Schieberegler, bei denen man zwischen 1914 und 2013 hin- und herschieben kann. Wer nicht kapiert, was ich damit sagen will, guckt halt selber. Und die anderen auch.

Mehr Lesebändchen! Zur Not klebt man sie eben selbst ein. (Via Anke Gröner bei Twitter.)

*Ein ganz netter Videobeitrag von LehrerOnline zum Projekt „Naturwissenschaften entdecken!“, der an meiner alten Schule gedreht wurde, hat da eher noch ein Problem. Interviewt werden fünf Männer, darunter ein Biolehrer und ein Bio-LK-Schüler. Ganz offensichtlich sitzen in dem Kurs auch Mädchen und ich kann mich an ziemlich viele Lehrerinnen für Biologie und Chemie erinnern, es wäre also wirklich, wirklich kein Problem gewesen, da zumindest ein bisschen Geschlechterdiversifizierung unterzubringen. (Im Abspann übrigens fünf Männer, zwei Frauen. Aha.)

8 Antworten auf „4/2013 bis 14/2013 – Webgedöns“

  1. „Das Internet ist auch echt“ – genau das hab ich kürzlich den Kollegen gesagt, als wir uns über das Thema unterhielten. Seit zehn Jahren treffe ich mich mit „Menschen aus dem Internet“ (das finden die Kollegen komisch), aber das sind halt keine Menschen aus dem Internet mehr. Meiner Meinung nach gibt es keine Trennung zwischen Internet und echtem Leben (mehr). (Falls es sie je gab.)

  2. Vom Sauerland in den Pott, vom Webgedöns zum Webgedoens. Bin über den Begriff Webgedöns und Google hierher gekommen. Ich kannte den Begriff Gedöns bisher nur aus dem „Sauerländischen“. Sehe mit Freuden somit den Erfolg erster sprachlicher Eingemeindung ;-)

    Ein Sauerländer

    1. Also, Gedöns oder vielmehr „Jedööns“ kenne ich auch aus dem Kölschen, allerdings habe ich bisher nicht drauf geachtet, ob das außer mir im Ruhrgebiet noch jemand sagt.

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