Tagebuchbloggen, 13.05.2021 (mit viel einerseits, aber auch andererseits)

Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Das ist eine äußerst unangenehme Situation, ich hätte hier gerne irgendeine Entscheidung, offensichtlich muss ich die aber selber treffen, also ich und mein Mann, aber leider sind wir nach zwanzig Jahren Beziehung sehr ähnlich gepolt und können uns nicht großartig mit Pro- oder Contra-Argumenten helfen, auf die der jeweils andere nicht schon selber gekommen wäre.

Das Problem gestaltet sich auch insofern schwer, als dass ich diese Situation nicht kenne. Bislang war es bei mir immer so, dass ich bei einer Wohnungssuche sehr schnell wusste, ob eine Immobilie in Frage kommt oder nicht. Selbst wenn wir während oder nach der Besichtigung ein bisschen mit „Könnte gehen, wenn…“ oder “ Gar nicht so schlecht, aber…“ rumgehampelt haben, dann war das Thema eigentlich spätestens am nächsten Tag gegessen und wenn es das richtige war, dann wussten wir das auch immer sofort. Wir sind einmal nach einer Besichtigung auf dem Weg nach Hause wieder umgedreht, sind zurückgegangen und haben zugesagt.

Hier ist jetzt alles schwieriger, weil ich mich einerseits noch nicht zu einer Zusage in der Lage sehe, aber offensichtlich auch nicht loslassen will. Man muss dazu auch folgendes Wissen: Das Haus ist super. Ungefähr genau das, was wir suchen mit ein paar Bonusfeatures, die ich super charmant finde. Der Garten ist auch super, die Hälfte der Pflanzen, die ich gerne hätte, steht da schon, ich brauche nur noch Hortensien, die fehlen irgendwie, aber Flieder, Azaleen, Rhododendron, alles da. Größe ist auch super, Südlage mit etwas Hang, optimal.

Die Makrolage ist auch super, viel besser geht eigentlich nicht. Wir haben ja sowieso ungefähr drei Optionen: Entweder wir ziehen dahin, wo meine Cousinen wohnen, dann wäre ich super schnell bei denen, bräuchte aber ein bisschen länger zu den anderen Familienstandorten. Oder wir ziehen dahin, wo meine Eltern wohnen, selbes Spiel, aber vermutlich utopisch, in Opladen gibt es anscheinend keine Häuser auf dem freien Markt, jedenfalls keine, die wir haben wollen würden und auch bezahlen könnten. (Vor allem aber gibt es einfach nichts.) In die Nähe meines Cousins zu ziehen ergibt wenig Sinn, die wohnen richtig, richtig auf dem Dorf, fußläufig erreichbar wäre man nur in der gleichen Straße und da wollen wir tatsächlich gar nicht zwingend wohnen. Alternativ bliebe etwas in der Nähe zur Arbeit, das wäre in Köln und haha, haben Sie sich die Immobilienpreise für Köln angeguckt? Also nein.

Die dritte Option (also neben Lindlar und Opladen) ist demnach etwas, was möglichst zentral mittendrin ist und EXAKT DA ist das Haus, 15 Minuten zu den Cousinen, 15 Minuten zum Cousin, 25 Minuten zur Arbeit und 30 Minuten zu meinen Eltern, viel besser geht es eigentlich nicht (alles Autofahrtzeiten, für Köln und Leverkusen gäbe es aber auch einen Bahnhof in der Ortsmitte mit halbstündlich verkehrender Regionalbahn).

Aber: Das Haus liegt in einem Ortsteil, wo nichts ist. Der nächste Bäcker ist 2 Kilometer weit weg, der Bahnhof 5 Kilometer und ich habe mich die letzten 40 Jahre zu oft über Leute gewundert, die irgendwo wohnen, wo der nächste Bäcker 2 Kilometer weit weg ist, als dass ich sicher sagen könnte, dass ich das wirklich für mich so haben möchte.

Wir fassen also zusammen, Haus super, Garten super, Makrolage super, nur die Mikrolage passt nicht so ganz oder ist zumindest nicht genau das, was wir uns vorgestellt haben, nur weiß ich leider aktuell nicht, ob das der eine Tod ist, den wir bei jedem Haus sterben müssen, weil wir eben erst zwei gesehen haben und beim ersten wusste ich ganz schnell, dass es das nicht werden würde.

Ich bin also seit gestern Abend maximal verwirrt. Vielleicht klärt sich das in den nächsten Tagen, erstmal möchte ich mehr Unterlagen bekommen und dann fahren wir vielleicht noch mal hin und gucken uns die Gegend ein bisschen besser an und dann wissen wir hoffentlich mehr. Aktuell kann ich auch nicht entscheiden, ob ich mir Dinge schönrede, weil ich mich in einen fucking Pool verknallt habe oder ob die guten Argumente tatsächlich einfach überwiegen. Außerdem habe ich einerseits Bedenken, dass wir zu schnell zugreifen und dann drei Monate später das perfekte Haus angeboten wird, andererseits aber auch Angst, dass das jetzt schon das beste war und dann zwei Jahre nichts Vergleichbares mehr kommt und wir nur nicht zusagen, weil ich denke, es würde zu schnell gehen. Frau Herzbruch empfahl, ich solle mir vorstellen, ich würde eine Absage kriegen und wenn ich dann traurig wäre, dann würde das heißen, dass ich es eigentlich gerne gehabt hätte. Ich kenne den Trick anders, nämlich eine Münze zu werfen und dann zu gucken, ob man sich über das Ergebnis spontan freut oder ärgert. Hab ich auch versucht (also den Herzbruch-Trick), funktioniert leider auch nicht, weil ich wäre einerseits traurig und andererseits froh, nicht mehr selber entscheiden zu müssen. Oder sagt das auch schon was aus?

Ich versuche jetzt einfach, nicht die ganze Zeit über Häuser und Gärten und Fahrtdauern nachzudenken, vielleicht muss ich ja ausnahmsweise keine Nacht drüber schlafen, sondern eher drei oder vier.

Letzte Nacht träumte ich, mein Mann hätte aus Versehen unsere Immobilienrechtsschutzversicherung mit 230.000 Euro Beitrag jährlich abgeschlossen, das hat mich sehr geärgert, weil wir uns dann auch kein Haus mehr kaufen könnten und ich hielt es auch für etwas viel. Ich bin dann Gott sei Dank aufgewacht, habe kurz nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir deutlich weniger für die Versicherung zahlen, dann war ich beruhigt. Bestimmt träume ich heute Nacht wieder was von Häusern, ich bin schon ganz gespannt.

3 Antworten auf „Tagebuchbloggen, 13.05.2021 (mit viel einerseits, aber auch andererseits)“

  1. Das ist ja alles sehr spannend!

    Meiner Meinung nach klingt es schon nach dem passenden Haus. Vom Gewichten her würde ich sagen, als erstes müssen Haus und Garten stimmen, das wird in wahrscheinlich 80% der Fälle nicht so sein. Man hat ja doch so seine Vorstellungen. Die Makrolage, so höre ich das bei Ihnen heraus, ist Ihnen sehr wichtig, und die beschreiben Sie als nahezu perfekt. Da geht also sowohl bei Haus & Garten als auch bei Makrolage nicht mehr viel. Die Mikrolage… bei mir ist es so, dass ich nicht Auto fahre, das wäre also ein Problem. Aber zwei fahrradmachbare Kilometer zum Bäcker / Discounter finde ich okay. Das könnte man sogar laufen. Klingt nach guter Aussicht ;)

    Und nur weils erst das zweite ist: Unsere aktuelle Wohnung war erst die dritte, die wir angeschaut und dann nach Zusage sofort genommen haben. Meine Wohnung davor existierte noch gar nicht, als ich den Mietvertrag unterschrieben habe. Die davor war auch eine aus dreien. Aus einer größeren Auswahl das Beste auszuwählen funktioniert halt bei Immobilien nicht so gut, weil ja die Angebote nicht unbegrenzt lange zur Verfügung stehen, sondern dann auch schnell mal schon weg sein können. Und ob Ihnen später noch ein traumhafteres Haus angeboten wird, dürften Sie ja eigentlich gar nicht erfahren ;)

    In diesem Sinne mein Senf dazu, ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!

    Viele Grüße von der Ostsee und ein schönes Wochende!

  2. Unbekannterweise: ich sehe es wie die hafensonne. 2 bzw. 5km sind ja nun wirklich kein großes Hindernis, solange man aufs Rad kommt. Und ob Sie dort noch wohnen wollen oder können, wenn Sie einmal nicht mehr aufs Rad kommen sollten, braucht Sie hoffentlich heute noch nicht zu kümmern, man kann schließlich nicht alles vorhersehen, schon gar nicht mehrere Jahrzehnte in die Zukunft.

    Gut wäre vielleicht, wenn dort außer einem Bäcker noch etwas anderes ist, weil Bäcker einen Hang zur Insolvenz oder Filialschließung haben, zumal wenn sie allein auf weiter Flur sind. Aber auch das mag vom Bäcker und dem Umfeld abhängen.

    Ein besseres Angebot werden Sie nicht kriegen, da Sie die Suche in dem Moment einstellen, indem Sie sich entschieden haben. Zumindest sollten Sie die Suche dann einstellen .

    Und falls sich in 5 Jahren doch noch was besseres findet: der Trend geht ja angeblich zum Zweithaus.

    Aber: ich will Sie auch nicht überreden, schließlich ist es Ihr Geld. Aber 2km sind nun wirklich kein Grund.

  3. Da Haus klingt wirklich toll. Nach längerem Mitlesen hier möchte ich allerdings zu bedenken geben, dass ein Umzug von Essen-Rüttenscheid in einen Ort ohne Bäcker schon einem Kulturschock nahekommen kann, insbesondere, wenn man bisher die Möglichkeiten vor Ort (Restaurants, Cafés, Geschäfte) sehr geschätzt hat. Auch dem Hund wird der eigene Garten bald langweilig sein. Der – nebenbei gesagt – auch viel Arbeit macht. Also der Garten, neben aller Freude an Hortensien und Flieder. Aber vielleicht ist dieses ganz Andere ja genau das, was Sie wollen…
    Viel Erfolg bei der Entscheidung!

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