Tagebuchbloggen, 23.04.2021

Erwerbsarbeit, Hundewiese, Abendessen, mehr ist nicht passiert.

Das gibt mir Zeit, die ausgelesene Lektüre abzuarbeiten, aber nur kurz, ich muss dann weiter Hörbuch hören.

Ausgelesen habe ich „The House in the Cerulean Sea“ von TJ Klune [Amazon-Werbelink], das ich für den Online-Buchclub gelesen habe. Es geht um einen Beamten in einer Fantasywelt, in der Kinder mit magischen oder anderweitig seltsamen Fähigkeiten registriert und in Orphanages (ich hab das Buch auf Englisch gelesen, vermutlich sind es im Deutschen Waisenhäusern) leben und Linus, der Beamte, arbeitet in so einer Art Jugendamt für diese magisch begabten Kindern und guckt in den Waisenhäusern vorbei, ob auch alles mit rechten Dingen zugeht. Und weil er so ein braver pedantischer Arbeiter ist, wird er zu einem Sondergeheimeinsatz geschickt. Das besondere an dem Buch ist, dass es in hohem Maße antiklimaktisch ist, immer wenn man denkt, oh oh, jetzt passiert gleich was Schlimmes, passiert nur etwas Mittelbedenkliches. Das klingt jetzt erstmal nicht so doll, ich fand es aber herrlich entspannend, eine Geschichte zu lesen, in dem den armen Protagonisten nicht bei jedem Schritt Steine in den Weg gelegt werden und Dinge einfach auch mal ohne Drama passieren. Kann ich nur empfehlen, sehr gerne gelesen.

Ausgehört habe ich „Space Opera“ von Catherynne M. Valente [Amazon-Werbelink], da geht es um eine Art Eurovision Song Contest, nur halt mit Aliens und der Verlierer des Musikwettbewerbs muss leider damit leben, dass wegen ihm sein Heimatplanet weggesprengt wird. Die Idee ist ganz witzig, das Buch stand auf zahlreichen Short Lists von SF/F-Preisen, und ich schätze Valente sehr, aber ich konnte mich nicht ganz dafür erwärmen. Zu vieles war mir zu gewollt abgefahren witzig, schrappte immer ein bisschen zu nah an Douglas Adams vorbei, was dann wiederum auch ein bisschen ein Kompliment ist, aber ach. Ich würde nicht davon abraten, es ist unterhaltsam und außerdem angenehm kurz, aber ich kann es auch nicht von ganzem Herzen empfehlen. Das deutsche Hörbuch liest Simon Jäger, der das ganz toll macht, übrigens.

Jetzt lese ich „Riot Baby“ von Tochi Onyebuchi [Amazon-Werbelink] und als Hörbuch habe ich heute „A Deadly Education“ von Naomi Novik [Amazon-Werbelink] angefangen.

Jetzt noch schnell den Hund streicheln und ins Bett. Ich hab das Freitagskreuzworträtsel der NYT noch nicht mal angefangen, ich hab also noch was vor.

Tagebuchbloggen, 22.04.2021

Jetzt doch wieder morgens, oder wie?

Ich wollte auch nur mitteilen, dass ich gestern Abend remote einen Workshop für Ukulele gegeben habe. Das war sehr anstrengend, vor allem, weil der Workshop ja sonst auf sehr viel Interaktivität und Feedback ausgelegt ist. Wenn ich den 2018 und 2019 als Präsenzworkshop durchgeführt habe, bin ich immer sehr viel rumgelaufen und konnte gucken, was die Leute machen und direkt auf Dinge eingehen. Das geht remote nicht und man muss dauernd nachfragen, ob alles funktioniert, weil die Teilnehmer auch eine sehr lobenswerte Disziplin beim stummschalten durchgehalten haben.

Danach war ich jedenfalls so erschöpft, dass ich nur noch auf dem Sofa gelegen habe und mein Mann beim Italiener bestellen musste, weil ich mich nicht mehr zum Kochen in der Lage sah.

Dann träumte ich sehr wirr von Raumschiffen mit sehr viel Nostalgiemüll, bitte nicht nach Details fragen, die meisten habe ich vergessen, stellen sie sich einfach vor, sie haben ein Raumschiff, aber es ist gefüllt mit Kisten, die man sonst auf den Speicher stellen würde.

Außerdem war 26. Todestag meiner Oma. Ich wollte erst 16. schreiben, weil es mir wie die richtige Zahl vorkam, dann dachte ich aber noch mal nach und überraschenderweise stellte sich heraus, dass ich schon 40 bin. Unfassbar.

Tagebuchbloggen, 18.04.2021 (mit extra Kryptik)

Am Samstag passierte etwas sehr schönes, von dem ich leider nicht berichten kann, aus drei Gründen:

  1. Teile der Geschichte sind noch nicht spruchreif.
  2. Weitere Teile der Geschichte betreffen dritte Personen, von denen ich ja nicht weiß, ob sie unbedingt als Nebenfiguren in einem Blog vorkommen wollen.
  3. Wieder weitere Teile der Geschichte beruhen auf Annahmen meinerseits, die ich aber nicht hundertprozentig belegen kann.

Aber sagen wir es mal sehr kryptisch, es war eine sehr erfreute Reaktion auf etwas, was ich sagte, was mich wiederum zu dem Schluss führte, dass eine Beziehung, die ich sehr schätze, offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Die Reaktion kam auch sehr spontan und komplett ohne Not, man hätte auch komplett anders reagieren können ohne dass es in irgendeiner Weise unangemessen gewesen wäre. Ich finde es vollkommen normal und unproblematisch, dass viele Beziehungen im Leben asymmetrisch sind, Menschen für einen selber also relevanter sind als man selber für sie ist oder andersrum. Solange das Verhältnis nicht komplett absurd ist, funktioniert das ganz hervorragend, es müssen nicht alle Leute, die mir viel bedeuten, das gleiche von mir sagen und ich möchte das andersrum eben auch nicht. In dem Fall scheint es jetzt aber, dass ich einer Person, die mir wichtig ist, auch wichtig bin und das war schön.

Außerdem sahen wir drei Rehe und zwei Hasen und das war auch schön. Den Hund tangierte das so mittel, er hatte die Rehe schon vor uns bemerkt, machte aber keine Anstalten, hinterher zu laufen. Dann war er aber von einem querliegenden Baumstamm sehr fasziniert, da stand er sehr lange und starrte den Baumstamm an und drehte sich noch beim Weiterlaufen mehrfach um. Man weiß einfach nicht, was in diesen Fellköpfchen vor sich geht.

***

Heute war nichts besonders. Mittags guckte ich „Lilo & Stitch“, vor allem, weil ich letztens eher zufällig in „Küss den Frosch“ reingeschaltet habe und das sehr mochte. Jetzt dachte ich, ich gucke einfach mal all die Disney-Filme, die ich noch nicht gesehen habe, nach Pocahontas gibt es eine lange Phase, in der ich nichts mitbekommen habe, da gibt’s also noch ein bisschen was nachzuholen. „Lilo & Stitch“ mochte ich ein bisschen weniger als „Küss den Frosch“, was aber eher Geschmackssache ist, objektiv ist der Film deutlich origineller als „Küss den Frosch“, aber auch ein bisschen anstrengender, das war mein Hauptproblem, aber ich musste natürlich auch weinen, weil ich das bei rührenden Szenen halt so mache. Kein Scheiß, ich habe letztens aus Versehen die letzten drei Minuten oder so von „Seite an Seite“ gesehen und die letzten Szenen sind wirklich Kitsch as Kitsch can, aber wem liefen die Tränen runter? Exactly. Immerhin hab ich noch Gefühle übrig, dass ist nach einem Jahr Pandemie ja nicht selbstverständlich. Danach schlief ich eine Runde mit dem Hund auf dem Sofa, dann ging ich noch eine Runde mit dem Hund raus und dann gab es Spargel.

Tagebuchbloggen, 16.04.2021

Wirre Dinge geträumt. Ist das normal, dass man sich ein bisschen schämt, wenn man davon träumt, dass nette Menschen im Traum gemein zu einem waren? Sie können ja gar nichts dafür, mein Unterbewusstsein bastelt diese Geschichten und es grämt mich immer sehr, wenn es sich dabei ungehobelt benimmt.

Dieser Beitrag wird übrigens im Bett geschrieben, deswegen wird er auch nicht lang, am Smartphone dauert es viel länger und ist sehr viel mühseliger.

Was einem auch niemand erzählt, bevor man sich einen Hund anschafft, ist, dass man nach kurzer Zeit eine stattliche Sammlung an Leinen besitzen wird, alle mit einem besonderen Feature. Ich bestellte heute zum Beispiel unsere vierte Schleppleine und kann nicht versprechen, dass es die letzte sein wird.

Tagebuchbloggen, 15.04.2021

Ich wollte mal den Blogrhythmus umstellen und es eher auf Novemberregen-Art machen, es scheint mir sinnvoller, abends tagebuchzubloggen als morgens, zumal ich morgens auch manchmal nicht dazu komme und dann ist oft Mittag und es sind schon Dinge passiert, die nicht zu gestern gehören und dann bin ich verwirrt. Dass sich nach 23:45 Uhr noch spannende neue Dinge passieren, scheint mir unwahrscheinlicher und wenn, werde ich damit umgehen können.

Heute ist allerdings gar nicht viel passiert. Auf der Hundewiese kam ganz zum Schluss noch ein Hund, der sowohl optisch aussah wie unser Hund, nur etwas kleiner und dicker als auch in der Körpersprache ein kleiner Zwilling unseres Hundes war. Er hatte sogar die gleiche irreführende Fellfarbe, der Hund hier ist nämlich gar nicht schwarz, sondern nur sehr, sehr dunkeldunkelbraun. Man sieht es ein bisschen an den Ohren und wenn die Sonne im richtigen Winkel auf den Hund scheint. Es stellte sich raus, dass der Hund auch aus Kroatien kommt, so dass meine Vermutung, dass ein Hrvatski ovčar drinsteckt, das ist ein kroatischer Schäferhund.

Dann gab es noch Hackbällchen mit Quinoa und Salat zum Abendessen und die letzten zwei Folgen von LOL und das zweitletzte Labyrinth von Link’s Awakening. Ich spiele mittlerweile mit dem geöffneten Walkthrough im Handybrowser, ich bin zu alt, die Lösung komplett alleine rauszufinden.

Das Essen war wieder aus einer Kochbox, ich habe aber versuchsweise von Hello Fresh auf Marley Spoon umgestellt. Erstens begannen sich die Rezepte bei Hello Fresh zu wiederholen und zweitens wollte ich mal den Unterschied testen. Das erste Essen war so mittel überzeugend, das war aber eher Geschmacksfrage als objektiver Qualitätsunterschied. Das erste Essen von Hello Fresh fand ich auch mittel, danach wurde es immer besser. Vielleicht ist das so ein Kochbox-Fluch, so wie der erste Pfannkuchen, der immer misslingt. Größter Unterschied bei Marley Spoon ist, dass die Zutaten für die einzelnen Gerichte nicht in Tüten verpackt ist. Das macht auf der einen Seite, dass der Kühlschrank nicht gleich komplett zugepackt ist, man muss aber auch beim Zubereiten mehr suchen und sie haben entweder in der Box eine Zutat vergessen oder ich habe sie einfach vergessen und nicht mehr wiedergefunden. Es war sogar eine sehr wichtige Zutat und eine, die man nicht zwingend im Haus hat, nämlich Kokosmilch. Wir leben aber hier in einem Haushalt, in dem es Kokosmilch-Vorräte gibt, insofern war es kein Problem.

Spannend an Marley Spoon finde ich auch, dass es jede Woche ein Nachtisch-Gericht gibt oder vielmehr eine süße Hauptspeise. Das fehlt mir bei Hello Fresh ein bisschen. Ich könnte natürlich einfach so was Süßes kochen oder backen, aber Teil des Charmes ist ja, dass sich andere Leute Gedanken über Rezepte machen und ich nur „Will ich haben“ klicken muss.

So, Nacherzählung von heute fertig, hoffentlich passiert nichts mehr.

Tagebuchbloggen, 14.04.2021

Auf Twitter wurde ich auf ein neues Feature von Spotify aufmerksam gemacht, nämlich „Jahrzehnte-Mixtapes“, also zusammengestellte Musik aus einem Jahrzehnt, angeblich auch irgendwie für mich zusammengestellt. Ich war sehr aufgeregt, suchte die Mixtapes in der App und wurde leider sehr enttäuscht.

Mein 90er-Mix besteht aus einem großen Teil aus den Ärzten, den Hosen und den Onkelz, dazwischen etwas Offspring und Limp Bizkit. Das ist natürlich alles sehr Neunziger, aber auch wirklich exakt nichts, was ich je freiwillig hören würde oder – noch wichtiger – jemals gehört hätte. Ich kann verhältnismäßig sicher behaupten, noch nie absichtlich einen Song dieser Bands gehört zu haben. Natürlich kamen die Bands in meiner Jugend vor, aber das waren Sachen, die die anderen gehört haben und über deren Existenz ich informiert war, außerdem fand ich Campino ein bisschen gut, rein vom Aussehen, aber da war dann auch schon Ende. In der Zeit hörte ich Tori Amos, Alanis Morissette, Heather Nova und Natalie Merchant, es ist also nicht wirklich schwer, hier ein Muster zu erkennen und ich  behaupte sogar, die Musik meiner Jugend auf Spotify schon so ausreichend gehört zu haben, dass sie eine ganz gute Indikation haben müssten, wie mein Zusammenschnitt der 90er Jahre aussehen sollte. Wenn sich jedenfalls ein Dienst nicht über mangelnde Daten beschweren kann, dann Spotify. Es gibt übrigens einen Song von Bela B., den ich super finde, nämlich „Erstens, zweitens, drittens“, aber der ist erstens nicht aus den Neunzigern und zweitens nicht bei Spotify, ich muss jedes Mal mühsam ein Musikvideo gucken, wenn ich den Song noch mal hören will.

Heute sehe ich aber, dass die vermeintlich persönlichen Playlists eine fünfstellige Anzahl von Followern haben, sie scheinen also doch nur so mittel persönlich zu sein. Ich vermute nun, dass es mehrere davon gibt und mir aber trotzdem die falschen zugeteilt wurden. Ich warte einfach noch ab, ob sich der Algorithmus zurechtruckelt, man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Abends guckten wir LOL auf Amazon Prime, eine Sendung, bei der zehn Comedians in einem Raum zusammen sind und sechs Stunden (mit Unterbrechungen) nicht lachen dürfen. Ich habe sehr unterschiedliche Meinungen dazu gehört, wir fanden’s aber ausreichend witzig, als dass wir alle Folgen durchgeguckt haben, also alle, die verfügbar waren, es fehlen noch welche. Außerdem waren mein Mann und ich uns nachher einig, dass wir Mirco Nontschew zwar immer noch wahnsinnig unlustig finden, aber als Person zumindest in dieser Sendung sehr sympathisch.

Tagebuchbloggen, 13.04.2021 (Keine Küche)

Morgens kamen die Handwerker eine halbe Stunde zu früh, aber ich glaub ich muss die Geschichte anders anfangen, nämlich:

Morgens sprang mein Mann hektisch aus dem Bett und ich wunderte mich nur, ob wir so verschlafen hatten, die Uhr zeige aber 7:30 Uhr, das schien mir alles in einem normalen Rahmen zu sein. Dann wunderte ich mich, dass mein Mann nicht zurückkam, dann hörte ich ihn mit irgendwem reden und dann wurde mir klar, dass es wohl geklingelt haben musste und die Handwerker eine halbe Stunde zu früh auf der Matte standen.

Ich will mich aber auch nicht beschweren, die Handwerker wissen jetzt halt, dass ich Schlafanzüge mit Weihnachtsbären trage, das kann unmöglich das Schlimmste sein, was sie in ihrem Arbeitsleben erlebt haben.

Die Handwerker waren jedenfalls da, um die restlichen Oberschränke aufzuhängen, außerdem zwei Metallregale und die Glasrückwand. Zwei Stunden später fuhren sie wieder mehr oder weniger unverrichteter Dinge, immerhin haben wir jetzt schöne Besteckeinsätze aus Holz und nicht mehr mittelmäßig passende Plastikeinsätze von IKEA. (Falls jemand Plastikbesteckeinsätze von IKEA braucht, wir hätten zwei, aber nur Abholung, ich verschicke die nicht, im Zweifel braucht sie jemand in der Facebook-Zu-Verschenken-Gruppe.)

Besteckschublade

Die Gründe sind jetzt zu kompliziert, sie bestehen im Wesentlichen aus „Keine Ahnung, wie sich die Kollegen das vorgestellt haben“ und „Das kann doch so überhaupt nicht funktionieren“, wir warten jetzt auf den Rückruf vom Verkauf, um einen möglichen Austausch der Hochschränke gegen kleinere Modelle zu besprechen.

Dazwischen aß ich sehr leckeres veganes Essen vom Kochboxlieferservice, mein Mann rief an, um mir mitzuteilen, dass er mit meinem Auto zur Arbeit gefahren wäre, ich solle mich also nicht erschrecken, dass es nicht mehr da stünde, wo ich geparkt hätte, es wäre nicht geklaut worden, und bestimmt war noch was, das hab ich aber vergessen, und jedenfalls steht mein Arbeitszimmer jetzt immer noch voll mit Oberschränken und ist mehr oder weniger unbenutzbar.

Tagebuchbloggen, 11.04.2021

Es war 16. Hochzeitstag. Vor einem Jahr hätten wir in einem Restaurant in Amsterdam feiern sollen, dazu kam es nicht, der Termin wurde drei Mal verschoben, zuletzt auf den 18.04., vor ein paar Tagen kam dann die Mail, dass die Reservierung noch mal verschoben wurde, nämlich irgendwann in den Oktober. Ich hätte die Reservierung mittlerweile trotz Anzahlung auch einfach verfallen lassen, die Gastronomie hat ja schon genug Pech, ich habe auch schon in irgendwelche Spendentöpfe der hiesigen Gastronomie eingezahlt, ich kann mir einen schlechteren Einsatz meines Geldes vorstellen als es zur Erhaltung der Essenkultur auch ohne direkte Gegenleistung zu verwenden.

Aber das war ja letztes Jahr, dieses Jahr hatten wir in weiser Voraussicht gar nichts geplant, für ein größeres Take-Out von einem guten Restaurant ist uns zu spät eingefallen, dass man das machen könnte oder die Restaurants hatten einfach Sonntag zu. Statt dessen guckten wir True Crime-Dokus auf Netflix, aßen Eis von Ben & Jerry’s und abends gab es Schweinebraten mit Kartoffelpüree und Speckböhnchen.

Vor 16 Jahren also gab es eine sehr einfache Zeremonie beim Standesamt, keine Ringe, keine personalisierte Rede, der Standesbeamte spulte das Standardprogramm ab, irgendwas mit einer Schiffsanalogie glaube ich, es war ja auch ein bisschen egal.

Ich gucke gerade die erste Staffel „Marriage or Mortgage“ auf Netflix, das ist eine Serie, in der sich ein Paar entscheidet, ob es das angesparte Geld für eine große Hochzeitsfeier oder für die Anzahlung eines Hauses ausgeben möchte. Dafür kommt einer Maklerin, die drei Häuser zeigt und eine Hochzeitsplanerin, die irgendwelche tollen Sachen für die Hochzeit vorstellt. Mein Hauptproblem mit der Serie ist, dass ich sie weniger hassen kann als ich möchte. Zwar bricht immer, wenn sich ein Paar für die Hochzeit entscheidet, ein kleiner Teil meines Herzens, weil ich es für irre halte, 25.000 Dollar für eine Feier auszugeben, aber dann sehen die Feiern wirklich immer ganz toll aus und die Leute sind irre glücklich und was geht es mich an, für was die ihr Geld ausgeben, vor allem, wenn eine Donut-Wand eine Rolle spielt, WER HÄTTE NICHT GERNE EINE DONUT-WAND? (Falls man sich darunter nichts vorstellen kann, es ist eine Wand mit so Holzdübeln, an denen Donuts hängen. Ich bin ja schon verheiratet und wenn ich es nicht wäre, würde ich bei der Hochzeitsplanung sicherlich durchdrehen, aber eine Donut-Wand scheint mir eine vernünftige Investition für eine Feier zu sein.)

Faszinierend ist auch, dass ich nie vorhersagen kann, wofür sich die Paare entscheiden, immer, wenn ich komplett überzeugt bin, dass sie sich für die Hochzeit entscheiden, nehmen sie das Haus und wenn ich denke, dass sie sicherlich vernünftig das Geld in ein Haus stecken, nehmen sie die Hochzeit. Auch das versöhnt mich auf eigentümliche Weise mit dem Format, weil es  zeigt, dass einen Menschen immer wieder überraschen können.

Unsere Hochzeit hat übrigens etwa 70 Euro gekostet, das waren die Gebühren fürs Standesamt. Für den Rest war ich nicht verantwortlich, ich kaufte eine Bluse und einen Rock, den ich auch noch später anziehen könnte, das zählt eigentlich schon gar nicht, das war ja ein ganz regulärer Kleidungseinkauf. Die Feier fand bei meinen Eltern zu Hause statt, die kümmerten sich auch irgendwie um Essen und Trinken, ich habe kaum Erinnerung daran, aber es war ein schöner Tag.

Hochzeitsdecke

Tagebuchbloggen, 10.04.2021

Auf der Hundewiese war ein Hund, der sich wirklich stehenden Fußes komplett in unseren verliebte. Leider war unserer erst uninteressiert und wollte lieber mit anderen Hunden spielen. So stelle ich mir das vor, wenn man ein Kind hat und ein anderes Kind auf dem Spielplatz sehr dringend mit dem eigenen spielen will, aber das eigene keinen Bock hat und man es ja auch nicht zwingen will und kann, weil es ja durchaus selber entscheiden soll, was es mit wem spielt, aber man hat trotzdem sehr viel Mitgefühl mit dem anderen Kind, dass da mit dem Ball oder dem Sandeimer steht und immer wieder vorsichtige Annäherungsversuche macht. Jedenfalls lief der Hund immer wieder zu unserem hin und wollte auch nichts anderes als irgendwie in seiner Nähe sein und dann klappte es irgendwann auch mit dem Spielen und es war sehr, sehr bezaubernd. Mehr noch für die anderen Leute, die da sehr gerührt standen, weil „der spielt sonst ganz selten“. Unserer spielt ja dauernd, was es nicht weniger bezaubernd, aber halt jetzt nicht so besonders ungewöhnlich macht.

Den Rest des Tages verbrachten wir hauptsächlich damit, zwei True Crime-Dokumentationen auf TVNOW zu gucken, gerade „Der Alptraummann“ ist sehr empfehlenswert, und hat uns beide so beeindruckt, dass wir immer noch darüber diskutieren. Es ist auch sehr schön gefilmt, ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass nur, weil man eine Drohne im Budget hat, man diese nicht immer und überall nutzen muss, auch wenn die entstandenen Bilder sehr schön waren, ohne Frage.

Dann wurde Essen vom Inder geliefert und ich spielte noch etwas zu lange Legend of Zelda. Ich kann jetzt schwimmen und tauchen, woohoo!

Tagebuchbloggen, 08.04.2021

Der Tag bestand hauptsächlich aus Erwerbsarbeit, das ist ja nichts Neues und auch nicht wirklich berichtenswert, ich wollte es nur noch mal in Erinnerung rufen.

Nach Feierabend packten wir den Hund ein und fuhren zur Hundewiese. Die hat seit ein paar Wochen wieder auf, wobei man zunächst auch mal die Sinnhaftigkeit der Schließung in Frage stellen könnte, die Wiese hat irgendwas zwischen drei und fünf Hektar, der offizielle Grund der Schließung war, dass die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden könnten, was bei allem aufbringbaren Verständnis einfach Unsinn ist, so viele Leute kommen selbst am schönsten Samstagnachmittag nicht, dass die Abstände nicht einhaltbar wären. Dass sie vielleicht nicht eingehalten werden, weil Menschen doof sind, ist eine andere Sache.

Ist ja aber auch egal, die Hundewiese hat ja wieder auf, man muss nur Maske tragen, also die Menschen, nicht die Hunde. Gestern war auch Jackpot für den Hund, weil er sehr viele rennbereite Hunde traf und Rennen ist für den Hund eben das Größte, da muss auch gar kein Ball im Spiel sein, Hauptsache, er kann vor irgendwem wegrennen und darf jemandem hinterherrennen. Es gab auch einen kleinen Welpen von ungefähr sechs Monaten, der am Anfang etwas überfordert war, dann aber sehr schnell Gefallen an diesen Rennspielen fand, obwohl er nicht ganz hinter den erwachsenen Hunden hinterherkam. Sehr niedlich war dabei, dass der Welpe körpersprachlich sehr nah an unserem Hund war, man lernt ja dann doch so die Eigenheiten des Hundes kennen und da konnte man sehr viel wiedererkennen. Nach einer Stunde war der Hund jedenfalls fix und fertig, Mission erfüllt.

Zu Hause gab es Liefersushi, ich wählte dazu einen bislang noch ungetesteten Sushidealer und war der Ansicht, eine einigermaßen passende Portionsgröße erwischt zu haben. Irgendwas muss dann aber bei dem Sushirestaurant passiert sein, entweder war an diesem Abend nicht viel los und man musste noch Essen loswerden oder sie wollten Erstkunden möglichst gut an sich binden, jedenfalls gab es noch zwei Nigiris und ein Gunkan und zwei frittierte Garnelenspieße und zwei Gyozas und bestimmt noch was gratis dazu, was einerseits natürlich sehr nett ist, aber auch dazu führte, dass ich erstens mehrfach gegenüber meinem Mann beteuern musste, das wirklich nicht alles bestellt zu haben und zweitens wir dann auch Sushis übrig lassen mussten.

Währenddessen guckten wir auf Netflix „The Serpent“ weiter. Kann man übrigens empfehlen, auch wenn es ein bisschen frustrierend ist, dabei zuzuschauen, wie ein Serienmörder nicht gefasst wird, weil sämtliche Behörden sich nicht zuständig fühlen. Ich denke, das war jetzt kein Spoiler, die Geschichte ist ja ausreichend komplex.