Lieblingstweets im April

Ich dachte, ich hätte mehr Lieblingstweets gefunden, aber jetzt müsst ihr mit dieser schwachsen Ausbeute leben.

Auf der einsamen Insel

Kurz nachdem das losging mit der Selbstisolation, legte ich mir auf nicht ganz subtiles Drängen diverser Leute aus dem Internet eine Nintendo Switch und das Spiel „Animal Crossing“ zu. Bei Animal Crossing lebt man auf einer Insel und kann den ganzen Tag fischen, Muscheln sammeln, an Bäumen schütteln, Blumen pflanzen und Insekten fangen. Das klingt erstmal sehr beschaulich, in Wahrheit ist man aber in die Fänge eines hochkapitalistischen Waschbären geraten und muss dauernd irgendwelche Kredite abbezahlen, nur weil man noch ein Zimmer mehr in seinem Häuschen haben wollte. Der Waschbär will zwar keine Zinsen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass er hart an der Immobilienpreisschraube dreht und sich so irgendwo auf dem Land seine Villa mit drei Pools finanziert.

Wie auch immer, der Waschbär hat sich relativ schnell eine Assistentin namens Melinda angeschafft, die – KEIN SCHEISS – 24/7 vermutlich für einen Hungerlohn in seinem Büro schuftet, denn während der Inselladen, der vom Waschbärnachwuchs Nepp und Schlepp geführt wird, immerhin nur von 8 bis 22 Uhr auf hat, ist das Rathausbüro zu jeder Tag- und Nachtzeit geöffnet. Soll aber nicht mein Problem sein, ich habe ganz andere Probleme.

Bei Melinda nämlich kann man erfahren, wie die Insel so bewertet wird. Meine Insel hat jetzt schon sehr lange 3 von 5 Sternen, was ich ehrlich gesagt für eine Unverschämtheit halte, schließlich rupfe ich jeden Tag Unkraut und pflanze bunte Blumen wie eine Irre. Deko fehlt, sagt Melinda, ich solle einfach ÜBERALL irgendwelche Dekorationsdinge hinstellen, dann würde die Insel schon abgehen und die schönste im ganzen Land oder vielmehr im ganzen Ozean sein.

Nun das Problem: ICH WILL NICHT DEKORIEREN! Ich bin doch nicht auf eine verfickte einsame Insel gezogen, um jetzt an jeder Ecke irgendeinen Dekoscheiß aufzustellen! WOSIMMADENNHIER!?! Während ich auf anderen Inseln schon gut getrennte Natur- und Wohnbereiche gesehen habe, fälle ich Bäume nur, wenn sie wirklich im Weg sind oder weil ich aus Versehen drei Mal hintereinander beim Holzfällen mit der Axt dagegen geschlagen habe. Ich will dieses schöne Fleckchen Natur nicht mit Dekoration zumüllen. DAS IST DOCH SCHÖN SO!

Das erinnert mich ein bisschen an das Assessment Center, dass ich für meine Ausbildung 2002 gemacht habe. Als erstes stand ein standardisierter Test an, bei dem logisches Denken, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und anderer Kram abgefragt wurde. Insgesamt eine einfache Übung für jemanden, der Matheaufgaben eher entspannend findet und manchmal das Logikrätselheft von P.M. kauft. Bis der Kreativitätsteil kam.

Nun halte ich mich eigentlich auch für recht kreativ, ich meine, ich schreibe gerne Dinge, kann mir selber Lieder ausdenken und zumindest ein bisschen malen kann ich auch, what could possibly go wrong. Die Aufgabe war, auf einem DIN-A4-Blatt mit ungefähr 24 Kästchen oder so in jedes Kästchen etwas zu malen, so viel wie möglich in so und so viel Minuten. Jetzt scheint mir Kreativität unter Zeitdruck ein zumindest hinterfragbares Konzept zu sein, aber das ist eine andere Sache.

Als ich die Kästchen also so vor mir sah, dachte ich „Ein Hochhaus!“ Die Kästchen waren eindeutig Fenster eines Hochhauses und ich begann, Blümchen und Gardinen und Menschen, die aus Fenstern guckten, zu zeichnen. Ein sehr schönes Konzept, wie ich fand, schlüssig und charmant. Natürlich auch etwas schwierig, man muss ja Abwechslung reinbringen, gleichzeitig muss es aber zum Gesamtbild passen. Long story short, ich kam nicht so weit mit meinen Kästchen, weil ich erstens sehr ordentliche Jalousien gezeichnet habe und zweitens ja auch sehr viel überlegen musste.

Wie auch immer, ich schnitt in allen Bereichen ziemlich gut aber, nur nicht im Kreativitätsteil. Wahrscheinlich hatte ich einfach zu wenig Kästchen gefüllt. Ein Kollege, der sich selber weder Zeichentalent noch Kreativität bescheinigte, hatte die Höchstpunktzahl, weil er „einfach in jedes Kästchen schnell irgendwas gemalt“ hatte.

Ich hab die Ausbildungsstelle trotzdem bekommen und irgendwie werde ich auch irgendwann 5 Sterne für meine Insel bekommen OHNE ÜBERALL DEKOSCHEISS HINGESTELLT ZU HABEN! Es wird nur etwas länger dauern.

Tales from the Self Isolation

Eigentlich wäre ja genug Zeit, um endlich mal wieder ordentlich zu bloggen, könnte man denken. Stimmt auch. Auf der anderen Seite arbeite ich nach wie vor jeden Tag acht Stunden oder mehr, wenn es denn anfällt, weil man ja eh zu Hause sitzt und ach ja, was soll’s?

Außerdem bin ich mit Aufräumen beschäftigt, die Wohnung ist super ordentlich, ich habe jetzt schon zwei Stapel Bücher zum Bücherschrank gebracht, wir haben es irgendwie geschafft noch Anfang März einen Küchenschrank bei IKEA zu bestellen, der dann auch tatsächlich noch geliefert wurde. Nun stellte sich zwar heraus, dass wir die Tür nicht anbringen können, weil nun ja, da eine Ecke von der Stufe zur Terrasse überraschend überstand und es auch keine Möglichkeit mehr gab, den Schrank noch etwas mehr nach links zu rücken und jetzt ist es halt ein Regal, aber immerhin ein Regal, in das man sehr viel Zeug stellen kann, was vorher in andere Schränke gestopft war und das ist schon deutlich besser so.

Es ist auch eine Zeit der sinnlosen, aber tollen Anschaffungen. Wir haben jetzt eine Switch, finnische Designervasen und seit heute eine Murmelbahn, was könnte man sich noch wünschen. Den Balkon kann man auch ein bisschen auf Vordermann bringen, indem man einfach regelmäßig beim Einkaufen noch ein bis drei Pflanzen mitnimmt, man muss dazu gar nicht ins Gartencenter, wobei ich schon sehr gerne ins Gartencenter fahren würde, das hat meines Wissens auch auf, aber wir gehen wirklich nur sehr selten raus und ein Teil von mir findet es sehr, sehr falsch jetzt ins Gartencenter zu fahren. Kann aber sein, dass der Teil, der sehr, sehr gerne noch mehr Pflanzenzeug hätte demnächst Oberhand gewinnt, ich warte hier noch ab, wie sich die Gemütslage so entwickelt.

Dafür stehen Schnittblumen in der Designervase, es ist unfassbar, wie so eine Wohnung auf einmal wirkt, als wüsste man, was man täte und hätte so sein Leben tatsächlich richtig im Griff, nur weil irgendwo Blumen rumstehen. Faszinierend. Man muss diesen ungewohnten Anblick an Erwachsenheit dann schnell ausgleichen, indem man auf dem Wohnzimmertisch die Murmelbahn aufbaut.

Blumen und Quokka

Man muss aber auch fair bleiben und sich regelmäßig erinnern, dass man zu den glücklichen Leuten gehört, die gerade keine Kinder haben, die nicht rausdürfen, die einen sicheren Job haben und mal ganz abgesehen davon auch eine grundsätzliche Disposition, der „zu Hause bleiben“ eher leicht fällt. Mein Arbeitsweg beträgt im Moment eine Minute im Vergleich zu den anderthalb Stunde (eine Strecke), die ich sonst brauche. Ich bekomme Quokkas geschickt und da meine Freunde sowieso fast alle im Internet wohnen, habe ich etwas länger gebraucht, um zu merken, dass irgendwas anders ist.

Jedenfalls ist das der aktuelle Stand. Bleiben Sie dran, eventuell wird ja demnächst auch wieder gebloggt.

Lieblingstweets im März 2020

Immerhin ist Twitter auch in der Krise stabil.

Lieblingstweets seit letztens irgendwann

Hier passiert noch was. Gelegentlich. In Zukunft bestimmt auch wieder mehr. Aber dieses Leben, dieses Leben immer. Wann wird endlich der 25-Stunden-Tag erfunden?

Lieblingstweets im Dezember

So, neues Jahr, da machen wir die Lieblingstweets von 2019 noch schnell fertig und gut ist.

2019 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Glaub ich. Jedenfalls nicht ab.

Haare länger oder kürzer?

Immer irgendwie gleich. Zwischendurch mal ein Experiment mit Hennafarbe, das aber total enttäuschend ausfiel. Beim nächsten Mal sind wir weniger vorsichtig mit dem Rotanteil, damit man überhaupt was sieht.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich kurzsichtig. Glaub ich. Ich könnte mal wieder zum Optiker, die Brille ist ja auch schon wieder über zwei Jahre alt.

Mehr Kohle oder weniger?

Etwas mehr wegen überraschender Auszahlung der VG Wort.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Der große Urlaub war trotz Hauptsaison und Cornwall günstig und es gab keine überraschenden Ausgaben. Allein das E-Bike war eine größere Anschaffung, aber das hat mein Mann mir ja zum Geburtstag geschenkt, also zählt es nicht wirklich

Mehr bewegt oder weniger?

Nicht weniger, aber auch nicht mehr. In den letzten zwei Monaten dann dank E-Bike vermehrtes Fahrradfahren, aber aktuell sind das eher Kurzstrecken, weil das Wetter jetzt nicht zwingend zu großen Fahrradtouren einlädt. Ich hatte vergessen, wie unglaublich gerne ich Fahrrad fahre und freue mich ungelogen jedes Wochenende, wenn ich Samstag einfach nur zum Einkaufen fahren kann.

Der hirnrissigste Plan?

Zum Ausruhen in die DB Lounge am Berliner Hauptbahnhof zu fahren. Offenbar machen das in Berlin nämlich alle. Ich war aber auch einfach sehr müde.

Die gefährlichste Unternehmung?

Als wir in Woolacombe vorzeitig den Campingplatz verließen, weil es nur stürmte und regnete, war ich kurzfristig nicht so sicher, ob es so eine kluge Idee sei, bei Sturm durch die englische Landschaft zu fahren. Es war dann aber überhaupt kein Problem.

Die teuerste Anschaffung?

Das E-Bike. Hab ich aber auch wieder nicht bezahlt.

Das leckerste Essen?

10-Gänge-Überraschungsmenü bei Graphite in Amsterdam. Wenn ich irgendwas empfehlen kann, dann das. Schön war auch der Besuch bei La Cuisine Rademacher in Köln-Dellbrück und im Souvenir in Gent.
Außerdem zum ersten Mal Hummer gegessen, weil wir halt in Padstow waren, wo es eine Hummerzucht hat und wir dachten, wenn nicht hier, wo dann (St. Petroc’s Bistro).

Das beeindruckendste Buch?

Es war ein gutes Buchjahr, ohne Frage, obwohl mich so ab November aus bislang ungeklärten Gründen die Leselust verließ. Sehr beeindruckend, aber auch anstrengend war The Gray House von Mariam Petrosyan [Amazon-Werbelink]. Außerdem mochte ich sehr The Book of the Unnamed Midwife von Meg Elison [Amazon-Werbelink] und Planetfall von Emma Newman [Amazon-Werbelink], gefreut habe ich mich aus diversen Gründen über Kurt von Sarah Kuttner [Amazon-Werbelink] und Take That von Anja Rützel [Amazon-Werbelink].

Der ergreifendste Film?

Ich habe „Rocketman“ so geliebt, dass ich ihn mir direkt zwei Mal hintereinander angeschaut hätte (haben wir aber dann doch nicht). Geweint habe ich allerdings bei „Derry Girls“ (Finale erste Staffel) und natürlich bei „Please Like Me“.

Das beste Lied?

Sehr gefreut über Okkervil River, die Famous Tracheotomies besangen.

Hamliar von Toby Sebastian

Sehr begeistert war ich auch von Sidney Gish und Presumably Dead Arm (617 Session)

Dann hatte ich noch eine spontane Udo-Jürgens-Phase, bei der ich mich unter anderem in Lieb Vaterland ein bisschen neu verliebt habe:

Ansonsten sehr gut mit meinen Quartalsplaylisten gefahren, wer will, kann gerne reinhören:

Winter 2019
Frühling 2019
Sommer 2019
Herbst 2019

Das schönste Konzert?

Unser Konzert am 25.1. war sehr schön und gemütlich, das am 25.10. war aber auch sehr schön und gemütlich und gefühlt war ich da etwas besser in Form. Toll waren beide.

Konzert

Anderer Leute Konzerte habe ich  dafür nicht besucht, hatte aber bei der Live-Tour der Drei ??? in der Kölner Lanxess-Arena viel Spaß.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Gefühlt Zugfahren. Es war kein gutes Zugjahr. Dauernd war irgendwas gesperrt, dann wurden Abfahrtszeiten ungünstig geändert und ach, überhaupt. Ansonsten viel Arbeit am Tag und viel Ausruhen am Abend.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Mann und Familie. An Weihnachten mit der einen Großcousine Halli Galli, Domino und Junior Activity gespielt und mit der anderen zwei Tage später „Hängequatsch“ gemacht. Freunde sind aber auch super, neue wie alte. Ich habe hier vor zwei oder drei Jahren mal den Entschluss gefasst, bewusst mehr Raum für Familie und Freunde zu schaffen, weil ich gemerkt habe, dass mich das zufrieden macht und es ist erfreulich, wie gut sich alles seither zurechtgeruckelt hat.

Vorherrschendes Gefühl 2019?

Nach August auf jeden Fall: „Wann fahren wir wieder nach Cornwall?“

2019 zum ersten Mal getan?

Cornwall

Auf einer Fähre übernachtet, in Litauen gewesen, in Cornwall gewesen, einen Grimme-Online-Award bekommen, einen ganzen Hummer gegessen, E-Scooter gefahren, einen Red Velvet Cake gebacken. (Entweder mein Gedächtnis lässt mich im Stich oder mir gehen die neuen Erlebnisse aus.)

2019 nach langer Zeit wieder getan?

Auf die re:publica verzichtet, Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattet (nichts Schlimmes, aber auch nichts für die Öffentlichkeit), in Amsterdam gewesen, in Nijmegen gewesen, mit Magen-Darm flach gelegen, aber dafür alle drei Teile von Zurück in die Zukunft hintereinander geguckt (sie sind wirklich alle gut).

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Sturmnacht auf dem Campingplatz in Woolacombe. Meinen Mann in diese eine steile schmale Straße zu einem vermeintlichen Campingplatz zu lotsen, wo erstens überhaupt keiner war und wo wir zweitens tatsächlich nicht wussten, was wir hätten machen sollen, wenn uns jemand entgegengekommen wäre. Das mit dem Magen-Darm kurz nach Weihnachten. Ich hatte vergessen, wie schlimm das ist, auch wenn es nur zwei Tage dauert.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Wüsste jetzt tatsächlich nicht was. Es gab keine großen Entscheidungen, die mit meiner Beteiligung gefällt werden mussten und bei anderen wichtigen Sachen haben die Leute selber richtig entschieden. 

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Der übliche Romantikscheiß halt.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Siehe oben.

2019 war mit einem Wort…?

Rückblickendbetrachteteigentlichganzokay. (Wann fahren wir wieder nach Cornwall?)

 

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